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Podcasterin Anna Eichinger über die akademische Reitkunst

Anna Eichinger Podcast

Anna Eichinger betreibt den Pferdepodcast "Einfach Reiten". In unserer neuen Podcastfolge berichtet sie von ihrer Berufung - der akademischen Reitkunst - und ihrem Weg zur lizensierten Bent-Branderup-Trainerin.

Sie gibt spannende Einblicke in die Welt der akademischen Reitkunst, dem wichtigen theoretischen Teil, der hinter der klassischen Reitausbildung steckt. Erfahre, wie ihr eigener steiniger Weg mit ihrem Pferd sie zur akademischen Reitkunst gebracht hat und warum es für sie um viel mehr geht, als nur um das Reiten der Lektionen der hohen Schule.

Als Einstieg in die Welt der historischen Reitakademien hat Anna Eichinger noch einen ganz besonderen Buchtipp für dich.
Du hast einen eigenen Podcast. Wie heißt der und worum geht’s? (00:38)
Was genau ist die akademische Reitkunst? (01:20)
Du sagst, ihr fragt euch warum bestimmte Lektionen geritten werden. Gib doch bitte einmal ein Beispiel? (03:31)
Wie bist du zur akademischen Reitkunst gekommen? (04:36)
Du kommst aus Graz und hast inzwischen deine Berufung zum Job gemacht, wie sieht das aus? (06:48)
Der Weg mit deinem Pferd war durchaus steinig. Was hat dich ermutigt den Weg weiterzugehen und positiv zu bleiben? (08:44)
Hast du nie darüber nachgedacht aufzugeben? (10:41)
Wie wird man lizenzierte Bent Banderup Trainerin? (10:51)
Ist Bent Branderup der einzige Vertreter der akademischen Reitkunst? (13:50)
Gehört zur akademischen Reitkunst viel theoretischer Anteil? (14:30)
Hast du ein paar Buchtipps für unsere Podcasthörer? (15:21)
Wie schule ich mein Auge das Pferd richtig zu „sehen“? (18:06)
Du hast die 17-stufige Ausbildungsleiter erwähnt, welche Stufen gibt es? (20:19)
Warum arbeitet man mit Kappzaum? (22:25)
Glaubst du jedes Pferd kann die hohe Schule lernen? (26:07)
Die 4 wehorse-Fragen (30:21)

Erstes Aufsteigen: Junge Pferde alleine anreiten

Dies ist der zweite Teil über die Jungpferdeausbildung auf dem Gut Rothenkircher Hof. Im ersten Teil erklärte Ausbilder Stefan Schneider, wie er Jungpferde ans Anbinden, Führen und an Sattel und Schabracke gewöhnt. Stefan Schneider ist der Mann von Dressurausbilderin Uta Gräf. Selbst ist er Tierarzt und hat sich der Working Equitation sowie der Ausbildung für Jungpferde am Boden verschrieben. Bevor das Aufsteigen geübt wird, kennen seine Pferde das Gurten und die Berührung durch den Steigbügel am Bauch. Bevor ein Reiter aufsteigt, geht jedes Jungpferd zudem mit Stefan Schneider am langen Zügel ins Gelände.

Bodenarbeit vor dem Anreiten

Diese Vorübungen sind ganz essentiell für alles, was jetzt kommt. Die Hinterhand stets wenden zu können, kann nämlich ein Retter in schwierigen Situationen sein (wie Stefan Schneider das einführt, kannst Du hier im Blog nachlesen). Wer sich das im Bewegtbild ansehen möchte, kann hier den Film „Jungpferde am Boden vorbereiten" auf wehorse ansehen. Genauso ist das Controller-Halfter weiterhin ein wichtiger Ausbildungsgegenstand. Das erste Aufsitzen geschieht im Stall Gräf-Schneider alleine! Der Reiter und das Pferd machen das gemeinsam, es gibt keine helfende zweite oder dritte Person. Ganz bewusst: „Wir haben damit die besten Erfahrungen gemacht“, erklärt Stefan Schneider.

Aufsteigen ohne Helfer

Sie gehen so vor: Möchte die Reiterin von links aufsitzen, dann nimmt sie den linken Zügel an, so als ob sie eine Innenstellung abfragen möchte. Sie wird nun den linken Fuß in den Bügel nehmen, aber im Bügel stehen bleiben. Denn die erste Aufstiegs-Übung wird ohne ein Herüberschwingen des Beines gemacht. Sie nutzt das freie, rechte Bein dazu, dem Pferd einen Impuls zu geben, die Hinterhand zu bewegen. Das Pferd soll wie in einer Vorhandwendung herumtreten. Die Aufgabe kennen die Pferde durch die Vorarbeit. Neu ist nur, dass sich die Reiterin in den Steigbügel stellt und den Sattel mit Gewicht belastet. „Wichtig ist, dass die Pferde hierbei entspannt im Buckel bleiben. Die Reiterin soll jeden Schritt kontrollieren können und die Pferde entspannen durch das Herumtreten immer mehr.“ Sicher ist die Methode, „weil die Reiterin sofort aus der Situation herauskann, abspringen kann, das Pferd am inneren Zügel kontrollieren kann und es sofort zu sich holen kann, wenn sie abgesprungen ist.“ Hat das Pferd zu viel Vorwärtsdrang, kann die Reiterin es auf eine kleine Volte nehmen, um das Pferd wieder kontrolliert bewegen zu können. 

Gefahren durch Aufstiegshocker

Einen Aufstiegshocker findet Stefan Schneider eher gefährlich, als nützlich: „Die Gefahr ist, dass die Pferde hineintreten. Wenn, dann nutzen wir eine Plastikkiste oder eine Styropor-Treppe ohne Verletzungsgefahr.“ Bei den jungen Pferden kommt es nicht in Frage, da sich Reiter und Pferd ja während des Aufsteigens bewegen sollen, um Anspannung los zu werden. Die zweite Person, die in vielen Betrieben Standard ist, um das Aufsteigen einzuüben, sieht Stefan Schneider nicht als sichere Option an: „Wenn da ein Helfer vorn am Kopf des Pferdes steht und das Pferd will auf jeden Fall losgehen, dann hält der Mensch das Pferd nicht!“ Bei seiner Methode drehen die jungen Pferde sich allenfalls mal im Kreis. „Unsere Bereiterinnen sind sehr sportlich, die können das gut variieren: Wenn das Pferd die Hinterhand so gut bewegt hat, dass die Anspannung raus ist, nehmen sie das Bein irgendwann über den Rücken und sitzen auf. Das Pferd wird weiter im Kreis gedreht, die Hinterhand weicht weiter, der Kopf ist nach innen genommen.“

 

Sicherheit auf dem Turnier

Diese Methode nutzen Stefan Schneider und Uta Gräf mit ihrem Team gern auch in der weiteren Jungpferdeausbildung, wenn es aufregend wird. „Ich muss die Mimik der Pferde genau lesen, auch, wenn ich ein junges Pferd erfolgreich ein dreiviertel Jahr unter dem Sattel habe.“ Wenn dann zum Beispiel ein Turnier ansteht, ein fremder Platz, etwas Hektik da ist – dann setzen Schneiders Bereiterinnen genau diese Methode zum gefahrlosen Aufsteigen ein. „Gefährlich wird es, wenn die Leute denken ‚ach, der macht eh nix, wir brauchen diese und jene Vorsichtsmaßnahme nicht mehr’“, erklärt Stefan Schneider. „Ich kann mit unserer Aufstiegsmethodik auch aufgeregte, junge Pferde managen. Gibt’s ein Problem, dann den Kopf nach innen nehmen und die Hinterhand bewegen – so ist die Situation sicher und kontrolliert.“

Zurück zum ersten Aufsitzen: Merkt die Bereiterin, dass das Pferd entspannter wird und sie es daher nicht mehr weiter auf einer kleinen Volte kontrolliert weichen lassen muss, dann vergrößert sie den Radius: „Merke ich, der ist brav, dann kann ich ihn gerade machen“, sagt Stefan Schneider.

Hilfengebung für Jungpferde

Die Pferde kennen von der Vorarbeit das Küsschen-Geräusch als Signal fürs Vorwärtsgehen. „Wir reiten anfangs im Buschreiterstil mit den Schenkeln möglichst weit vorn“, erklärt Uta Gräfs Mann. Die Zügelführung kennen die Pferde schon von der Arbeit am langen Zügel. Wichtig ist Stefan Schneider, dass er die Leinen nicht hinter der Kruppe führt wie bei einer Doppellonge, sondern hinter dem Widerrist liegen. Gern nutzt er für die Fixierung des äußeren Zügels das Mariahilfs-Riemchen und lässt den inneren Zügel frei. „So kann ich im Notfall den äußeren Zügel loslassen und den Kopf des Pferdes nach innen nehmen“ – das funktioniert dann zum Beispiel als Notbremse.

So lange dauert das Anreiten

Üblicherweise können die Jungpferde nach drei Monaten Anreiten inklusive der Vorarbeit an der Hand im Schritt, Trab und Galopp ins Gelände gehen. Dann beginnt die dressurmäßige Grundlagenarbeit. Die Bereiterinnen bei Uta Gräf und Stefan Schneider sind dafür zuständig, irgendwann übernimmt Uta Gräf die Ausbildung. „San Diamond kam so als Dreijähriger zum Anreiten zu uns, Uta reitet den jetzt S und unsere Bereiterin hat ihn bis dahin ausgebildet“, erklärt Stefan Schneider.

Die ideale Jungpferde-Aufzucht

Am liebsten haben die Ausbilder Jungpferde zur Ausbildung da, die noch gar keine Erfahrungen gemacht haben. Daher kaufen sie selbst auch gern Pferde aus der weitläufigen Thürengeti-Aufzucht. „Die sind am aller einfachsten zu händeln: Da hat keiner dran rumgefummelt, die haben reichlich soziale Kontakte erlebt, das ist ein Traum!“ schwärmt Stefan Schneider. Hat ein Jungpferd schon schlechte Erfahrungen gemacht oder gar schon mal einen Menschen runtergebockt, dann „wirft uns das zurück, dann dauert die Ausbildung anfangs einfach länger und man muss in die Trickkiste greifen.“

Zuhause setzen Stefan Schneider und Uta Gräf auch auf eine möglichst naturnahe Haltung - alle Pferde gehen auf die Wiese. Auch das trägt zum ausgeglichenen Pferd bei, es ist ein Element des Gesamtpakets (welche andere Elemente wichtig sind, zeigt Dir der Film "Dressurreiten mit Begeisterung Teil 4 - Grundlagen für feines Reiten - Haltung, Fütterung und Erziehung"). Das Bild oben zeigt einen Teil ihrer Pferde, die auch als Sportpferde in der Gruppe Auslauf erhalten. Wer Stefan Schneider mal selbst auf dem Pferd sehen möchte, kann ihm in diesem Film zum Einhändigen Reiten dabei zuschauen!

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#wehorsewednesday | Wirkst du richtig ein?

Wirkst du richtig ein?

Überall hört und liest man es: „Die Hilfengebung soll feiner werden“, „Das Pferd mit den Hilfen einrahmen“, „Die Hilfen kommen nicht durch“, „Das Pferd an den Hilfen haben“. Aber denkt man im gleichen Augenblick auch genau darüber nach, was diese Ausdrücke bedeuten? Was sie für das Pferd bedeuten und was sie für den Reiter und seinen Sitz bedeuten? „Hilfen“ stehen allgemein für Signale, die wir unserem Pferd durch unseren Körper geben, über die wir mit ihm kommunizieren und auf es EINWIRKEN. Warum es einen Unterschied zwischen einwirken und richtig einwirken gibt und wie du Letzteres lernst, erfährst du in diesem Beitrag.

 

Jede Bewegung ist eine Einwirkung

Jetzt kommt wieder der berühmte Satz „Ein Pferd spürt, wenn sich eine Fliege auf sein Fell setzt“. Es ist allerdings tatsächlich wichtig, sich immer mal wieder an diese Tatsache zu erinnern. Stell dir einmal vor, jemand säße auf deinem Rücken. Kannst du nicht schon fast nur bei der Vorstellung spüren, wie sich jede Bewegung des Gewichts bemerkbar macht? Dass bestimmte Knochen vielleicht in deinen Rücken drücken? Wie du taumelst, wenn sich derjenige sein Gewicht plötzlich ruckartig extrem auf eine Seite verlagert? Du merkst, wenn er einen Muskel an- und entspannt?

Pferde spüren das auch. Das heißt für uns, dass wir allein beim Draufsitzen auf dem Pferd laufend auf es einwirken. Es heißt auch, dass wir uns alle Bewegungen, An- und Entspannungen von Muskeln und Gewichtsverlagerungen, die wir dort oben im Sattel vornehmen sehr bewusst machen sollten. Und dass wir wissen sollten, wie sie sich für das Pferd anfühlen und was wir damit bewirken möchten.

 

Sitzen ist nicht gleich einwirken

Könntest du das auf Anhieb erklären? Könntest du beantworten, wie genau sich dein Bein und dein Fuß beim Treiben bewegen? Wo sie liegen? Wie oft sie einwirken und in welchem Moment? Und vor allem warum?

Viele Reiter können das nicht. Das ist nicht schlimm und absolut verständlich: Beim Reiten müssen wir uns auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Die meisten Hilfen passieren in Sekunden, häufig sogar mehrere hintereinander. Deshalb ist es aber so wichtig, dass man sich diese Zusammenhänge immer wieder in Erinnerung ruft und sich bewusst macht, dass ein guter Reitersitz noch nicht bedeutet, auch richtig und präzise einzuwirken. Sitzen ist also nicht gleich einwirken.

In unserer neuen wehorse-Serie „Vom Sitzen zum Einwirken“ beschäftigt sich Dr. Britta Schöffmann genau mit dieser Thematik. Sie zeigt dir in ausführlichen Übungsvideos, wie du es schaffst: das Bewusster-Machen deines Sitzes und was du mit ihm bewirkst – wie du vom Sitzen zum Einwirken kommst. Das erste Video der Serie findest du ab Freitag hier auf www-wehorse.com.

Wanless-Methoden-Coach Elaine Butler erklärt dir in der wehorse-Serie „Sitzschule nach der Wanless-Methode“ anschaulich in drei Teilen, wie sich selbst die kleinsten Sitzveränderungen auf die Haltung und die Bewegung des Pferdes auswirken. Mit Beispielschülern zeigt sie dir typische Sitzfehler, die viele Reiter ganz unbewusst machen. Natürlich hat sie auch passende Übungen parat, um diese Fehler zu vermeiden.

Beginne am besten mit diesem Video – absolut wertvoll für den eigenen Sitz und das bewusste Einwirken!

In unserem Blogbeitrag „Viel besser sitzen – so geht’s mit dem Mary-Wanless-System“ liest du einen motivierenden Erfahrungsbericht und bekommst die Übung mit dem Reiter auf deinem Rücken zum Nachmachen und Nachspüren erklärt.

In unserer wehorse-Serie „Die Körpersprache des Reiters“ analysieren Physiotherapeutin Marlies Fischer-Zillinger und Reitlehrerin Claudia Weissauer die Bewegungsabläufe unterschiedlicher Reiter und zeigen für unterschiedlichste Situationen – von Wendungen über das Aussitzen bis zum Angaloppieren – welche Bewegungen, Anspannungen und Gewichtsverlagerungen des Reiters welche Wirkung auf das Pferd haben. Ziel ist ein Reitersitz, der die Bewegung des Pferdes aufnehmen und durch bewusste Einwirkung fördern kann.

Du kommst hier zu Teil 1. In allen Videos findest du super Übungen zum Nachmachen und Bewusstsein-schärfen!

 

3 Einwirkungs-Beispiele, bei denen kleine Änderungen eine große Wirkung haben

Einknicken in der Hüfte

Nicht nur Pferde haben meistens eine natürliche Schiefe, auch bei Menschen sieht man sie häufig. Beim Reiten äußert sich das oft in einem Einknicken der Hüfte – das kann ganz leicht sein oder deutlich sichtbar. In vielen Fällen wird zusätzlich der Kopf des Reiters schief gelegt. Selbst merkt man das als Reiter selten, wenn man nicht gezielt darauf achtet, die Haltung hat sich meist über einen längeren Zeitraum eingeschlichen.

Durch ein geringes Einknicken wirkt der Reiter schon anders auf sein Pferd ein, als er es beabsichtigt. Ohne es zu wissen, überträgt er dem Pferd auf der eingeknickten Seite mehr Belastung, sodass es dem Pferd zum Beispiel schwerer fällt, auf dieser Seite die Beine anzuheben. So kann ein Angaloppieren misslingen, nicht aufgrund der falschen Galopphilfe, sondern wegen der zusätzlichen, falschen Einwirkung, die dem Reiter in dem Moment gar nicht bewusst ist.

Dieses Beispiel wird in unserem Video „Sitzfehler - Einknicken in der Hüfte“ sehr verständlich dargestellt. Hast du bei dir jetzt auch einen „Knick“ festgestellt? Übungen, die sofort helfen, findest du natürlich auch im Video.

Ein Tipp: Nur den Kopf bewusst gerade zu halten, kann schon einen großen Effekt haben!

Schritt-Galopp-Übergänge

Im ersten Teil der „Galoppwechsel-Serie“ mit Dr. Britta Schöffmann kannst du in den unterschiedlichen Sequenzen wunderbar sehen, wie viel eine kleine Bewegung, die der Reiter macht oder nicht macht, im Hinblick auf die Einwirkung verändern kann. War dir bewusst, dass ein kurz nicht angespannter Muskel eine komplett andere Parade entstehen lassen kann als noch vor einer Minute? Oder dass eine nur etwas zu lange geschlossene Hand den ganzen Galopp-Schritt-Übergang behindern und das Pferd unzufrieden machen kann? Das siehst du ab Minute 01:06 und Minute 09:15 sehr gut.

Effektive Hilfen durch einen bewussten Einsatz des Sitzes

Ebenso wichtig für eine korrekte Einwirkung ist, dass sich keine Automatismen einschleichen, die rein aus Gewohnheit immer wieder abgespielt werden, zu dem bestimmten Zeitpunkt oder bei dem speziellen Pferd aber vielleicht gar nicht passend sind. Hast du zum Beispiel bewusst dein Bein unter Kontrolle, so dass es nicht automatisch bei jedem Schritt des Pferdes treibt, sondern wirklich nur dann, wenn es gerade notwendig ist? Bleibt deine Hand dabei unabhängig, sodass dein Pferd keine widersprüchlichen Signale bekommt (zum Beispiel den vorwärtstreibenden Schenkel gleichzeitig mit einer zurückhaltenden Hand)?

In diesem Video erklärt dir Dressurreiterin Uta Gräf ganz genau, worauf es bei der effektiven Hilfengebung ankommt und wie sie ihren Reitersitz dazu einsetzt, bewusst auf ihr Pferd einzuwirken – und nur dann, wenn es auch wirklich nötig ist. Sie zeigt es beispielhaft am Schenkelweichen und an der Traversale, du kannst es aber auch bei vielen anderen Lektionen anwenden!

Ein langer Weg, der sich lohnt

Perfekte Körperbeherrschung, Geschmeidigkeit, Koordination und vollkommenes Körperbewusstsein – das würde vermutlich zu einem perfekten Sitz UND einer perfekten Einwirkung führen. Kein Mensch und kein Reiter ist perfekt, wir werden immer mal einen Muskel vergessen zu entspannen, eine Sekunde zu langsam sein oder auf einer Seite schwächer bleiben. Und trotzdem kann es einen Unterschied wie schwarz und weiß ausmachen, wenn wir uns bewusst mit unserem Reitersitz und unserer Einwirkung auf das Pferd beschäftigen! Also schau dir die Videos an, mach dir vielleicht sogar Notizen, übe mit Freunden und deinem Reitlehrer und lasse dich, wenn möglich, auch mal beim Reiten filmen, um zu analysieren, wie du mit deinem Sitz in welchem Moment eigentlich auf dein Pferd einwirkst. Ganz viel Freude beim Üben und Besserwerden und eine erfüllte Zeit mit deinem Partner Pferd!

Neid im Reistall

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Es gibt einen elenden Gefährten im Reitsport, der hinter vielen Ecken wartet. Und leider auch besonders gern bei Erfolgen gleich gratulieren kommt. Der Neid.

Er hat viele Gesichter, sportliche zum Beispiel:

  • der Neid auf den besseren Reiter
  • der Neid auf die Schleife
  • der Neid auf eine gelungene Einheit
  • der Neid auf das Trainerlob
  • darauf, dass der andere vorankommt (aber man selbst gerade nicht) 

Es gibt noch viel unterschwellige Arten davon, zum Beispiel in der Fraktion der Reiter, denen es vor allem um Freundschaft mit dem Pferd geht:

  • der Neid auf Innigkeit
  • der Neid auf Bindung
  • der Neid auf ein Pferd, das weiter ist in der Ausbildung
  • den Neid auf schöne Momente

Und natürlich die simpelste Form des Neides, den auf Sachen:

  • den Neid auf den neuen Sattel
  • den Neid auf den Anhänger
  • den Neid auf die neue Hose

Nicht zu vergessen, der neumodische Neid:

  • Neid auf Follower
  • Neid auf Kooperationen
  • Neid auf Likes

Ätzend. Ätzend, diesen Neid zu spüren, zu bemerken, dass andere neidisch sind. Und ebenso ätzend, sich selbst dabei zu ertappen, neidisch zu sein. Wir sind ja alle Menschen und daher kennt jeder von uns auch dieses doofe Gefühl. Aber wie wird man den Neid los?

Wenn Du selbst den Neid fühlst

Der erste Schritt ist zu gucken, was einen selbst so sehr triggert, dass so ein negatives Gefühl Platz einnehmen kann. Frag den doofen Zeitgenossen: "Hey, warum gefällt es Dir bei mir?" Also was ist das für eine Unzufriedenheit in Dir, die sich da meldet? Was dagegen hilft, steht noch weiter unten im Text. Erst mal zu den anderen, den Neidern um Dich herum.

Schwächeren Mut zusprechen kann jeder

Großzügig und gönnend sein fällt jedem leicht, der sich selbst als besser wahrnimmt. Also: Dem Reiter mit dem sauschwierigen Pferd sagt jeder gern mal „Oh, heute war’s aber gut“, wenn das dann mal endlich so war. Dem Anfänger, der sich langsam besser anstellt, gratuliert ebenso jeder noch mit vollem Herzen. Aber wehe, jemand der als „keine Konkurrenz“ galt, wird besser und besser oder sogar so richtig gut! Da spielen sich auf Deutschlands Stallgassen die gemeinsten Dinge ab.

Wenn der Erfolg im Sattel da ist

Ist der Erfolg endlich da, ändert sich das Klima vielerorts. Der Neid kommt, alle kennen die Redewendung „Neid muss man sich verdienen“. Nur fühlt sich das ganz schön doof an. Natürlich gibt es diejenigen, die immer ehrlich mitfieberten und weiterhin unterstützen, Mut machen, sich ehrlich mitfreuen. Aber es gibt auch die anderen. Die Neider, denen eine Gratulation nur noch mit verkniffenem Mund über die Lippen kommt. Wenn überhaupt.

Wir können immer nur unsere eigene Einstellung verändern. Du kannst keinen Neider zum Nichtneider machen. Du kannst Dir nur sagen: Geht mich nichts an, hat nichts mit mir persönlich zu tun. None of my business. Sag’s Dir immer wieder. Irgendwann ist Dein Fell dicker geworden und der Neid der anderen tut Dir weniger weh.

Das Umfeld bewusst wählen

Nur was, wenn man das nicht zu 100 Prozent kann, diese mir-doch-egal-Haltung zu leben? Wir Pferdemenschen nehmen viel auf uns, um bei den Pferden zu sein. Das beginnt schon ganz früh mit den kleinsten Reitern.

Warum wir Reiter schlechte Ställe in Kauf nehmen

Es gibt hunderte Geschichten von Pferdemädchen auf furchtbaren Höfen, wo die Reiterkinder doch bleiben, egal wie mies die Umstände dort sind. Einfach, um bei den Pferden zu sein. So ähnlich ist das auch bei uns Erwachsenen: Wir bleiben in reiterlichen Umfeldern, die uns selbst nicht gut tun. Weil der richtige Trainer da ist, weil die Anfahrt so nah ist, weil die Haltung so gut ist oder was auch immer – wir finden viele Gründe, die uns an Orten halten. Aber vielleicht sind diese Orte gar nicht so gut für uns. Wie viel Last abfällt, wenn man den Stall wechselt, wird meistens erst hinterher klar.

Das Ding mit dem Vergleichen im Sattel

Hinter jedem Neid steckt der Vergleich. Und zwar kein objektiver, sondern ein zutiefst subjektiver. Unfaires Vergleichen macht unseren Anspruch an uns selbst unrealistisch, lässt uns Ziele verfehlen und macht unzufrieden. Ein Beispiel aus einem Interview, das ich mit Mentaltrainerin Antje Heimsoth mal führte. Sie erzählte von einer Klientin, die sich mit Profi-Reitern verglich, genau dahin wollte, aber die unterschiedlichen Gegebenheiten nicht in ihren Vergleich mit einbezog: Ein Pferd versus ein Stall voller Pferde, zwei Stunden im Sattel täglich versus sechs Stunden im Sattel täglich. Ein Vergleich beider Situationen lässt sehr einfach den Schluss zu, dass das Ergebnis nicht gleich sein kann. Wenn man sich das bewusst macht, tut das vielleicht erst mal weh, hilft aber dann beim anvisieren und umsetzen von realistischen Zielen. Oder lässt uns unser Leben umschmeissen, auch das ist möglich! Aber dann hat sich auch der Einsatz verändert, und damit werden andere Ziele wiederum möglicher.

Yoga-Gedanken für die Stallgasse

In Yogaklassen habe ich schon häufig gehört: Schaut nicht nach rechts und links, es ist egal, was Dein Nachbar kann. Es geht nur darum, die Übung selbst bestmöglich auszuführen und zu fühlen. Von dieser Einstellung bräuchten wir mehr im Reitsport. Von dem bei sich selbst bleiben und schauen, was bei einem selbst geht. Das ist natürlich in einem Sport, zu dem ein Turniersystem gehört, schwieriger als in einem Sport, der zu einer Philosophie gehört. Aber sich von dieser Haltung eine Scheibe abzuschneiden, würde der Atmosphäre in sehr, sehr vielen Reitställen echt gut tun.

Wer das üben will: In diesem Blogartikel auf www.alifewithhorses.de habe ich darüber geschrieben, wie Du übst, mehr wahrzunehmen beim Pferd, ohne gleich zu werten. 

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Spartipps für Reiter

sparen mit ridersdeal

Pferde und Reiten sind ein teures Hobby, da freut sich doch jeder, wenn man ein paar Euro sparen kann. Vor allem bei der Ausrüstung kann man ein paar richtige Schnäppchen schlagen, wenn man nur weiß, wie. Es müssen ja nicht immer gleich teure Markenartikel sein.

Tipp 1: Second Hand kaufen

Vor allem für Einsteiger lohnt es sich, zunächst gebrauchte Artikel zu kaufen. Wenn man sich eine komplette Reitausrüstung auf einmal kaufen muss, können Schuhe, Reithose und Helm zusammen gerne mal mehrere Hundert Euro kosten. Wer auf Plattformen, wie eBay Kleinanzeigen oder ähnlichen nach gebrauchten Artikeln schaut, kann so schon mal eine Menge Geld sparen.

Tipp 2: Auf Rabattaktionen warten

Nicht immer muss man den vollen Preis für einen Artikel bezahlen. Häufig haben Händler zu besonderen Anlässen (Weihnachten, Ostern, Jubiläum, …) Rabattaktionen geplant. Wer also noch ein wenig auf die neue Anschaffung warten kann und online Preise vergleicht kann so ebenfalls sparen. Zusätzlich gibt es Online-Shoppingclubs und andere Webseiten, die sich auf Rabattaktionen spezialisiert haben. Bei www.RidersDeal.com kann man zum Beispiel Markenware zu stark vergünstigten Preisen finden. Diese Angebote sind allerdings meist nur für eine begrenzte Zeit verfügbar, also sollte man auf jeden Fall schnell sein – dann lassen sich aber bis zu 70% und mehr sparen!

Tipp 3: Leihen

Gerade Kinder wachsen sehr schnell und so passen viele Dinge schon nach wenigen Monaten nicht mehr. Wer das Glück hat, mehrere Reitkinder in der Familie oder im Bekanntenkreis zu haben, kann unter Umständen Dinge untereinander tauschen oder ausleihen. Das spart auch noch einmal einiges an Kosten.

Manchmal gibt es auch in der Reitschule die Möglichkeit, bestimmte Dinge auszuleihen. Zum Beispiel bei Sicherheitswesten ist die Anschaffung oft teuer. Wenn man diese in der Reitschule ausleihen kann, ist das eine prima Möglichkeit.

Bei manchen Dingen sollte man allerdings auf keinen Fall sparen. Ein gutsitzender Reithelm ist für Jeden Pflicht! Hier ist es enorm wichtig, dass dieser der jeweiligen Person richtig passt. Auf gebrauchte Reithelme sollte man besser verzichten, denn ein Helm kann nach einem Sturz, auch wenn er von außen unbeschädigt aussieht, im Inneren Beschädigungen aufweisen, die die Sicherheit stark gefährden.

Zusammengefasst kann man sagen, dass es als Reiter verschiedene Möglichkeiten gibt zu sparen. Es ist nicht notwendig, alles immer neu zu kaufen oder auch bei den neuesten Kollektionen sofort zuzuschlagen. Diese sind meist erstmal sehr teuer, so dass es sich lohnt auf Rabattaktionen zu warten.

10 Übungen für den Reiterrücken

Schnapp’ Dir eine Freundin, eine Longe und ein sicheres Pferd und tue etwas für Deinen Rücken! Zugleich wird Dein Reitersitz sofort profitieren. Hier sind 10 hervorragende Übungen aus den Filmen „Rücksicht auf den Reiterrücken“ von Susanne von Dietze und Isabelle von Neumann-Cosel. In drei Teilen findest Du darin noch viel mehr hervorragende Ideen und Übungen zum sofortigen Umsetzen!

Am Boden vor dem Reiten:

  1. Rückwärtsgehen! Gehe ein Stück auf dem Pflaster, auf einer Wiese oder im Sand rückwärts. Die Umkehr vertrauter Bewegungen verhilft zu einer besseren Haltung. Du schulst so Koordination und Gleichgewicht.
  2. Nächste Aufgabe im Gehen: So schnell wie möglich in ganz kleinen Schritten eine lange Seite der Reithalle entlanggehen.
  3. Jetzt bitte im Stehen üben: Stelle Dich hin und beuge jeweils eine Hüftseite. Dafür winkelst Du das gleichseitige Bein im Knie an, ansonsten kann die Hüfte nicht runterkommen. Abwechselnd die eine und die andere Hüfte beugen, ohne den Oberkörper mitgehen zu lassen!

An der Longe:

  1. Dehne Deinen Rücken auf dem Pferd, indem Du Dich mit den Händen auf dem Pferdehals abstützt und den Rücken ähnlich wie bei einem Katzenbuckel aufwölbst. Dann mach’ die Gegenbewegung dazu, gehe etwas ins Hohlkreuz, während Du immer noch mit den Händen mittig auf dem Kamm des Pferdes aufgestützt bist. Wechsel zwischen beiden Bewegungen!
  2. Übung ohne Steigbügel, für die Beweglichkeit der Hüftgelenke: Du sitzt im Schritt auf dem Pferd. Zieh wechselseitig je ein Knie so weit wie möglich nach oben. So gibst Du Impulse ins Hüftgelenk, die Dir dabei helfen, später in den flotteren Gangarten gut mitzuschwingen.
  3. Du kannst im Leichttraben sehr viel für ein geschmeidiges Aussitzen tun! Koordination, Balance und ein geschmeidiges, lockeres Arbeiten der Hüftgelenke sind die Zutaten für ein gutes Aussitzen. Im Leichttraben kannst Du das schulen, zum Beispiel mit dieser Übung: Stehe nicht komplett auf und setze Dich ebenso nicht komplett hin beim Leichttraben. Sondern sitze halb ein, beinahe schwebend, und stehe nur halb auf.
  4. Auch diese Übung machst Du im Leichttraben: Stehe bei jedem Takt unterschiedlich hoch auf. Variiere die Höhe immer wieder neu!

Jonglieren im Sattel

Imaginäres Jonglieren im Sattel: Das macht sogar Uta Gräf immer wieder mal zur Sitzschulung! Du hältst die Hände mit den Handflächen nach oben vor Dich, als ob Du Bälle fangen und werfen würdest. Hier kannst Du das unabhängige Bewegen der Gliedmaße voneinander üben und die ruhige Hand schulen. Jongliere erst im Leichttraben, dann sitze aus und probiere es im Aussitzen! Wechsel zwischen beiden Versionen. Übungen mit Jonglierbällen sind übrigens auch im Film "Balance in der Bewegung" zu sehen. 

9. Übergänge reiten und dabei jonglieren: Spüre, wie sich der veränderte Takt auswirkt! Das Jonglieren verdeutlicht Dir dies.

10. Reite als seiest Du ein Wackelpudding! Lass mal absichtlich erst die Beine, dann die Arme, dann den Kopf wackeln. Nacheinander, nicht gleichzeitig. Zwischendurch immer wieder die Grundspannung herstellen, die für das Sitzen eigentlich notwendig ist. Du lässt zum Beispiel den Kopf hängen, dann wackeln und dann trägst Du ihn wieder. Das ist eine ebenso effektive wie lustige Übung!

Sitzschulung im Galopp

Klingt gut? Fühlt sich auch gut an, probiere es aus. Unser Film zur Rückenschule für Reiter ist voller weiterer praktischer Übungen. Lerne noch mehr Übungen im Galopp kennen, erfahre, weshalb der Wechsel zwischen leichtem Sitz und Aussitzen Dich schult, und schau Dir weitere Variationen für die Longen-Sitzschulung an (das ist übrigens für Reitlehrer und Ausbilder eine absolute Fundgrube!). Auch wie Du Deinen Rücken im Pferdealltag schulst und welcher Teil unserer Wirbelsäule wie beweglich sein sollte, wird genau erklärt.

Cross-Koordination und Balance

Ganz nebenbei ist das gesunde Reiten für unsere Reittechnik wichtig: Die Aufrichtung des Reiters ist zum Beispiel nur möglich, wenn jedes Segment der Wirbelsäule frei beweglich ist. Gleichzeitig brauchen wir Reiter eine gute Stabilität (die Du übrigens durch Cross-Koordinationsübungen gut verbessern kannst! Hier bei Bettina Hoy findest Du dazu Ideen und Übungen!). Ein anspruchsvolles Gleichgewichtstraining und Koordinationstraining ist der Schlüssel zu einem guten Sitz bei gesundem Reiterrücken (schau Dir dafür auch unbedingt die Übungen von Eckart Meyners an, Variationen und Koordination sind sein Steckenpferd!).

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#wehorsewednesday | Zäumungen – die Qual der Wahl

Die riesige Auswahl an unterschiedlichen Zäumungen kann den Reiter von heute schon mal überfordern. Es gibt sie in allen möglichen Ausführungen, Formen und Zusammensetzungen. Wie findet man da die richtige für sein Pferd und worauf kommt es überhaupt an? Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick über gängige Zäumungsarten und stattet dich mit dem Grundwissen aus, das dir die Suche nach der perfekten Zäumung vielleicht gar nicht mehr so aussichtslos erscheinen lässt.

 

Warum nutzen wir überhaupt Zäumungen?

Allgemein dient die Zäumung der Einwirkung auf den Kopf des Pferdes, um sein Tempo, die seitliche Stellung des Kopfes und die Halshaltung zu beeinflussen. Im Laufe der langen Geschichte der Reiterei sind die verschiedensten Zäumungen entwickelt worden. Zäume bestehen jedoch in der Regel aus folgenden Grundelementen:

  • Ein Wirkelement, das auf Genick, Maul und/oder Nase einwirkt.
  • Ein Zugelement, das Zug von der Hand auf das Wirkelement überträgt.
  • Riemen, die die Wirkelemente am Kopf in der gewünschten Position halten

Das Wort "Wirkung" schwingt hier überall mit. Mit der Zäumung wirken wir auf das Pferd ein - das sollte aber nicht direkt negativ interpretiert werden. In ihrem ursprünglichen Sinne ist die Zäumung dazu da, um mit unserem Pferd zu kommunizieren, es sanft zu leiten und eine Verbindung aufzubauen. Zum Druckmittel oder zur Schmerzursache für das Pferd kann sie nur werden, wenn der Reiter die falsche Zäumung auswählt, sie falsch verschnallt oder falsch einsetzt. Deshalb ist es auch so wichtig, genau zu wissen, wie welche Zäumung wirkt, wenn man sie wie verschnallt und benutzt.

 

Gehört ein Reithalfter immer dazu?

In der heutigen Reiterei wird häufig, zusätzlich zur grundlegenden Trensenzäumung, ein Reithalfter verwendet. Je nach Art des Reithalfters kommt es mit einem Nasenriemen oder einer Kombination aus Nasen- und Sperrriemen daher. Egal, ob du strikt dagegen bist oder ob du dir gar nicht vorstellen kannst, ohne zu reiten, unser Tipp: Hinterfrage einmal warum du mit oder ohne reitest.

Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, ob ein Nasen- und Sperrriemen heute überhaupt noch benötigt werden. Hier einige Argumente dafür und dagegen:

Für Nasen- und Sperrriemen

  • "Der Druck auf Genick und Maul wird durch den Nasenriemen mehr verteilt und bestimmte Punkte werden mehr entlastet."
  • "Der Unterkiefer des Pferdes wird gestützt."
  • "Das Reithalfter schützt gegen zu starke Einwirkung am Kieferknochen."
  • "Nasen- und Sperrriemen verhindern, dass sich das Pferd durch ein Aufsperren des Mauls den Hilfen des Reiters entzieht."

Dagegen

  • "Bei einem hochsitzenden Nasenriemen entfällt die Druckverteilung und wenn der Reiter sanft einwirkt und die Zäumung richtig verschnallt ist, sollte kein unangenehmer Druck für das Pferd entstehen - auch ohne Nasen- und Sperrriemen."
  • "Der Sperrriemen wurde zu Kriegszeiten für unerfahrene Reiter entwickelt, die schnell reiten lernen mussten und den Pferden bei Grabensprüngen und Ähnlichem aus der Unerfahrenheit heraus so sehr im Maul zogen, dass es Kieferbrüche gab, die durch Nasen- und Sperrriemen verhindert werden sollten. Das ist nicht mehr zeitgemäß - heute sollte man Kieferbrüche durch gutes und pferdegerechtes Reiten verhindern, nicht durch eng geschnallte Riemen."
  • "Ein zu eng verschnallter Nasen- und Sperrriemen kann Schmerzreaktionen des Pferdes kaschieren. Wenn das Pferd das Maul aufmacht oder sich gegen die Reiterhand wehrt, hat es etwas zu sagen. Der Fehler liegt dann beim Reiter und geht nicht durch ein Zusperren des Mauls weg, sondern durch besseres Reiten."
  • "Bei einem Pferd, das sein Maul permanent aufsperrt, weil es zum Beispiel bei einem Rennen gegen die Hand des Jockeys geht, kann der Nasenriemen als Stütze dienen und die Kiefermuskulatur entlasten, bei Dressur- oder Freizeitpferden sollte das jedoch nicht notwendig sein - sie haben bei natürlicher und pferdegerechter Ausbildung keinen Grund, ihren Kiefer permanent aufzusperren."

Das sind nur einige Argumente aber du siehst, dass es sich lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir möchten an dieser Stelle auch keine Empfehlung aussprechen oder uns für eine "Seite" aussprechen, sondern dich nur dazu ermutigen, genau zu überlegen, welche Zäumung die richtige für dich und dein Pferd sein könnte. Entscheide nicht aus Argumenten heraus wie:

  • "Mit Sperrriemen sieht es schöner aus"
  • "Alle reiten so, also muss ich es auch"
  • "Ich habe gehört, dass ein fest geschnallter Sperrriemen die Anlehnung stabilisiert"
  • usw.

Das Allerwichtigste dabei: Egal, für was du dich entscheidest, achte darauf, dass die Zäumung richtig sitzt und du sie pferdegerecht verschnallst!

 

Gibt es die eine perfekte Zäumung?

Man hört manchmal Sätze wie: „Mein Reitlehrer schwört auf das Hannoversche Reithalfter, ich reite immer damit.“ Oder: „Gebisslos reiten ist das einzig Wahre, andere Zäumungen schaden dem Pferd.“

Das sind pauschale Aussagen, mit denen eine Allgemeingültigkeit mitschwingt, die so nicht gegeben ist. Es kann ein besserer Weg sein, anstatt nach einem Hören-Sagen eine Zäumung auszuwählen, sich zu fragen: „Was braucht eigentlich mein Pferd gerade?“ Eine Zäumung, die für ein bestimmtes Pferd gut funktioniert, kann für ein anderes weniger geeignet sein und anders herum. Es kann sein, dass eine Zäumungsart für dich und dein Pferd jahrelang wunderbar funktioniert, es kann aber auch sein, dass sich die Gegebenheiten, euer Ausbildungsstand oder eure Ziele ändern – dann passt es für euch vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten, die Zäumung zu wechseln.

Die klassische Ausbilderin Anja Beran zum Beispiel, die für ihre absolut pferdegerechte und schonende Ausbildungsweise bekannt ist, nutzt bei Pferden, die sich bei einer falschen Vorausbildung ein Sperren mit dem Maul angewöhnt haben, auch mal einen Sperrriemen – er dient dann zur Korrekturhilfe für das Pferd, um ihm die richtige Idee zu geben. Ganz wichtig dabei: Er ist sehr locker verschnallt, so dass das Pferd ganz natürlich atmen und kauen kann. In diesem Video mit dem Achal Tekkiner Degni Shael kannst du das gut beobachten. Irgendwann braucht das Pferd den Riemen dann nicht mehr und es wird eventuell auf eine andere Zäumung gewechselt. Andere Pferde reitet sie ohne Sperrriemen, je nach dem, was das Pferd gerade braucht.

Denke immer daran: Die Zäumung ist für das Pferd da und nicht gegen es. Die Zäumung soll dir und deinem Pferd bei eurer Kommunikation helfen – auf eine angenehme Art und Weise. Wie das aussieht, kann bei unterschiedlichen Pferden variieren.

 

Das richtige Verschnallen ist das A & O

Noch entscheidender als die Wahl der Zäumung ist ihre richtige Verschnallung. Jede Zäumung kann, falsch verschnallt, zum unangenehmen Fremdkörper oder sogar zur Verletzungsgefahr für das Pferd werden.

Ein Schlüsselaspekt dabei: Der Sperrriemen oder auch „Pullerriemen“ genannt. Über ihn wird in Reiterkreisen viel diskutiert (siehe oben). Ob man ihn nun zu Korrekturzwecken und zur Unterstützung benutzt oder nicht – entscheidend ist, dass er richtig verschnallt wird. Richtig verschnallt bedeutet dabei NICHT, dass er um die Nase und das Maul des Pferdes herum festgezogen wird! Er ist nicht dazu da, das Maul des Pferdes zuzuSPERREN. Der SPERRriemen trägt seinen Namen, weil er ein angewöhntes Sperren des Pferdes mit dem Maul gegen die Reiterhand korrigieren soll – nicht aber durch ein Zusperren des Mauls, sondern durch eine feine Hand, die es zum Kauen anregt, während der Sperrriemen nur als sanfte Begrenzung dient, um dem Pferd die richtige Idee wiederzugeben.

Schon in der H.Dv.12, der Heeresdienstvorschrift, auf der auch die Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung beruhen, steht geschrieben (hier in Bezug auf den Kinnriemen des Hannoverschen Reithalfters): „Der Nasenriemen soll etwa 80 mm über dem oberen Nüsternrand liegen, der Kinnriemen nur so eng geschnallt sein, dass das Pferd noch kauen kann.“

Wichtig: Das Gleiche gilt für den Nasenriemen! Ist der Sperrriemen locker, der Nasenriemen jedoch zu fest, kann das Pferd trotzdem nicht kauen. Beim Nasenriemen gilt immer: Zwei aneinandergelegte Finger müssen senkrecht zwischen Nasenrücken und Nasenriemen passen (nicht an der Seite messen, die Weichteile verfälschen das Ergebnis!). Nur wenn das Pferd mindestens 19 mm Freiheit zwischen den Schneidezähnen hat, kann es wirklich kauen, bei größeren Pferdeköpfen sogar noch mehr.

Sei da also bitte ehrlich zu dir und deinem Pferd, wenn du mit Nasen- und/oder Sperrriemen reitest: Ist er wirklich locker genug verschnallt, damit dein Pferd noch richtig kauen kann?

Aber nicht nur Sperr- und Nasenriemen müssen richtig sitzen. Das Genickstück muss hinter den Ohrenknorpeln liegen, sodass das Pferd die Ohren frei bewegen kann und es keinen Druck verspürt. Der Stirnriemen darf deshalb nicht zu kurz sein und sollte unterhalb der Ohren bequem am Pferdekopf anliegen. Die Backenstücke dürfen nicht schlackern und liegen ca. 40 mm hinter der Hochbeinleiste. Der Kehlriemen muss so weit geschnallt sein, dass bei beigezäumten Pferd zwischen dem Riemen und dem Kehlgang die flache Hand Platz hat.

In unserem wehorse-Video „Basiswissen Teil 3: Richtig trensen“ zeigt dir Sibylle Wiemer, worauf du beim Trensen achten solltest und wie du eine richtig passende Zäumung erkennst. Das Video gibt dir außerdem einen guten ersten Überblick über einige der unterschiedlichen Reithalfter.

 

Besondere Eigenschaften bei unterschiedlichen Zäumungen

Trensenzaum

Diese Zäumung ist sozusagen das grundlegende Modell und besteht aus einem Genickstück, zwei Backenstücken, einem Kehlriemen, einem Stirnriemen und dem Mundstück - der Trense. Das Genickstück ist dafür verantwortlich, das gesamte Gewicht des Trensenzaums zu tragen und darf deshalb nicht zu dünn gewählt werden, weil er sonst einschneidet. Der Stirnriemen verhindert, dass der Zaum nach hinten rutscht. Durch den Kehlriemen kann sich das Pferd die Zäumung nicht selbst vom Kopf ziehen, er ist meistens direkt mit dem Genickstück verbunden.

Deutsches Reithalfter

Das deutsche Reithalfter ist eines der ältesten Reithalfter und wurde schon in der Kavallerie genutzt. Es besteht aus einem Riemen, der durch Schlaufen an den Backenriemen geführt wird und so Nasen- und Kinnriemen bildet. Er sollte etwa zwei Finger breit unter dem Jochbein sitzen und nur so festgeschnürt werden, dass mindestens zwei Finger zwischen Riemen und Nase passen.

Hannoversches Reithalfter

Das hannoversche Reithalfter wurde 1900 in Hannover für die häufig zum Ramskopf neigenden Hannoveraner entwickelt. Es besteht aus einem Genickstück und zwei Backenstücken, an die der Nasenriemen und die beiden Kinnriemen befestigt werden. Der Nasenriemen soll dabei etwa vier Finger breit über den Nüstern liegen, aber unbedingt auf dem knöchernen Teil der Nase, da ein zu tief verschnallter Nasenriemen die Lufttrompete beeinträchtigen kann.

Das Besondere beim hannoverschen Reithalfter ist, dass der Nasenriemen über den Gebissringen liegt und in der Kinngrube verschnallt wird. Das hannoversche Reithalfter ist am ehesten für Pferde mit großen Köpfen und Maulspalten geeignet.

Englisches Reithalfter

Das englische Reithalfter besteht, ähnlich wie das hannoversche, aus einem Genickstück und zwei Backenstücken sowie einem Nasenriemen. Der Nasenriemen sitzt allerdings deutlich höher und sollte zwei bis drei Zentimeter unter dem Jochbein liegen. Die Druckverteilung von den Laden auf den Nasenrücken findet hier nicht mehr statt, der Nasenriemen kann lediglich das Aufsperren des Mauls verhindern (siehe oben). Auch hier ist es wieder essentiell, dass der Nasenriemen so locker verschnallt ist, dass das Pferd problemlos kauen kann. Das englische Reithalfter ist aufgrund der Lage des Nasenriemens für fast alle Pferde geeignet, auch für kleine Köpfe und kurze Maulspalten.

Kombiniertes Reithalfter

Das kombinierte bzw. irische Reithalfter ist aufgebaut wie ein englisches Reithalfter, hat aber zusätzlich noch einen dünnen Sperr- bzw. Pullerriemen, der durch eine Schlaufe am Nasenriemen befestigt und in der Kinngrube geschlossen wird. Wie oben beschrieben sollte der Sperrriemen für die meisten Pferde nicht gebraucht werden. Er kann – sehr locker verschnallt – als Korrektur bei einem Pferd dienen, das sich angewöhnt hat, das Maul stark aufzusperren, um gegen die Reiterhand zu gehen, ist aber für die meisten Pferde überflüssig (siehe Erklärung oben).

Schwedisches Reithalfter

Das schwedische Reithalfter ist exakt wie das kombinierte Reithalfter, nur das der Nasenriemen mit einer Umlenkrolle geschlossen werden kann und dadurch ähnlich wie ein Flaschenzug funktioniert. Der Nasenriemen kann dadurch sehr schnell zu eng verschnallt werden, weil man die Kraftübersetzung unterschätzt.

Mexikanisches Reithalfter

Beim mexikanischen Reithalfter gibt es zwei verschiedene Varianten, die manchmal als die „echte“ und die „unechte“ bezeichnet werden. Generell ähnelt das mexikanische Reithalfter sehr dem kombinierten Reithalfter. Der Nasen- und Sperrriemen kreuzen sich hier auf dem Nasenrücken des Pferdes.

Bei der „unechten“ Variante bestehen die beiden Riemen aus zwei einzelnen Riemen. Der Nasenriemen wird unter dem Unterkiefer verschlossen und der Sperrriemen über dem Gebiss in der Kinngrube.

Bei der „echten“ Variante bestehen die Riemen aus zwei langen Riemen, die sich auf dem Nasenrücken kreuzen und am Ende mit dem Ende des anderen Riemens verschlossen werden. Bei beiden Varianten ist die Kreuzung durch eine gut gepolsterte Rosette befestigt.

Der Vorteil des mexikanischem Reithalfter ist, dass die Nase und die Nüstern freier liegen und so die Gefahr geringer ist, dass die Atmung behindert wird. Aber auch hier gilt: Unbedingt locker genug verschnallen, sonst werden auch hier Kautätigkeit und Atmung eingeschränkt!

Micklem-Reithalfter

Das Micklem Bridle ist laut den Herstellern so geschnitten, dass es jeglichen Druck auf die empfindlichen Stellen des Pferdekopfes vermeidet und so Schmerzen oder Druckstellen verhindert. Das Backenstück ist so konzipiert, dass es nicht auf dem Jochbein des Pferdes liegt. Der Nasenriemen sitzt etwas höher und anders als bei andren Reithalftern wird der Bereich der Backenzähne komplett freigelassen, was verhindern soll, dass das Reithalfter auf den Nasenrücken drückt und andere Nerven reizt.

Die Micklem-Zäumung galt eine Zeit lang als DER Trend unter dem Zäumungen. Es gibt ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte. Einige Quellen sagen, es wirke schärfer als andere, da der Zug vom Zügel nicht nur auf das Gebiss, sondern auch direkt auf die Nase übertragen werde. Andere erklären das zum Mythos. 

Es spricht nichts dagegen, die Micklem-Zäumung einmal zu testen. Auch hier gilt wieder: Verschnalle den Kinnriemen unbedingt locker genug und achte genau auf die Reaktionen deines Pferdes. Reagiert es feiner? Wirkt es entspannter? Oder verkriecht es sich hinter deinen Hilfen und schlägt sogar mit dem Kopf? Wenn Du genau hinschaust und -hörst, kann dir dein Pferd in vielen Fällen bei der Entscheidung für die richtige Zäumung helfen.

Die Micklem-Zäumung kannst du in diesem Video aus der Serie "Kinder reiten im Gelände" bei Reitlehrerin Malin Hansen-Hotopp in Aktion beobachten.

Gebisslose Zäumung

Natürlich gibt es auch spezielle gebisslose Zäumungen. Die Frage, ob man mit oder ohne Gebiss reitet, muss jeder für sich und sein Pferd selbst entscheiden. Wir möchten das Thema hier nur anschneiden, da es ein ganz eigenes Feld unterschiedlicher gebissloser Zäumungen eröffnet, das den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Eins kann aber gesagt werden: Auch hierbei ist es wichtig, zu hinterfragen, warum du gebisslos reiten möchtest und was das für Vor- oder Nachteile mit sich bringen kann. Auch eine Kombination ist möglich: Manchmal mit Gebiss, manchmal ohne.

Bei einer gebisslosen Zäumung ist es besonders wichtig, sich im Voraus damit zu beschäftigen, wo die jeweilige Zäumung auf das Pferd einwirkt. Um dir einen ersten Überblick über gebisslose Zäumung zu machen, empfehlen wir dir unseren Blogbeitrag zum Thema, du findest ihn hier.

Inspirationen zum gebisslosen Reiten findest du in diesem Video mit Reit- und Show-Star Alizé Froment. Sie beweist eindrucksvoll, dass eine reelle Anlehnung, eine aktive Hinterhand und ein Schwingen über den Rücken auch mit einer gebisslosen Zäumung möglich sind. Auch Alizé nutzt übrigens unterschiedliche Zäumungen - mal mit und mal ohne Gebiss.

Die Kandarenzäumung

sie besteht aus einem englischen Reithalfter mit zwei Backenstücken, an denen zwei Gebisse befestigt werden - die Kandare und die Unterlegtrense. Die Kandare erzeugt, anders als die Trense, eine Hebelwirkung und wirkt daher deutlich direkter und schärfer auf das Pferdemaul ein. Sie gehört nur in erfahrene Hände und der Reiter muss den richtigen Umgang mit der Kandarenzäumung Schritt für Schritt lernen!

Über das Reiten mit Kandare wird es demnächst eine eigene Themenwoche geben, deshalb erwähnen wir die Zäumung hier nur in Kürze. In diesem Video mit Dressurstar Uta Gräf kannst du dir anschauen, wie sie ein Pferd das erste Mal auf Kandare reitet und worauf dabei unbedingt zu achten ist.

 

Fazit

Informieren, ausprobieren, richtig verschnallen, auf dein Pferd hören und immer hinterfragen, ob du fein einwirkst - so findest du die passende Zäumung für dich und dein Pferd. Wir hoffen, du kannst aus dem Beitrag und unseren Videos etwas für dich mitnehmen. Wir wünschen dir viel Freude dabei und vor allem eine erfüllte Zeit mit deinem Partner Pferd!

Über Weidegräser, einen besseren Galopp und viele Testergebnisse: Neu gelernt in 2018

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Die hilfreichste Übung für einen Galopp in guter Selbsthaltung, meine Suche nach den besten Gebissen und welches Gras ich gern von meiner Weide verbannen würde.

 1. Auf der Jungpferdeweide

Es braucht einige Saisons, das eigene Weideland mit seinen Gräsern, Kräutern und Unkräutern kennen zu lernen. Auch, wie viele Pferde davon satt werden, weiß ich erst seit diesem Jahr. Es geht um meine Jungpferdeweide, die ich seit zwei Jahren bewirtschafte. Natürlich kannte ich Zahlen zuvor theoretisch – man geht von einem Hektar pro Pferd bei Ganzjahresnutzung und von 0,5 Hektar pro Pferd bei Halbjahresnutzung aus. Dennoch ist jede Weide anders und je nach Rasse, Alter und Größe fressen die Pferde unterschiedlich viel. Im ersten Jahr meiner Jungpferdeweide hatte ich viel zu viel Gras. Oder zu wenige Pferde drauf, wie man möchte. Ich ließ deshalb eine Weide mehr mähen, als ich das eigentlich geplant hatte. Im zweiten Jahr war das Gras wegen der Dürre eher knapp – ich kam zwar viel länger damit aus, als die meisten anderen, aber musste ab Ende September dann doch Heu zu füttern. Gelernt also: Ein Mittelding ist richtig. Bei Halbjahresnutzung passt bei mir so ungefähr ein Wert von 0,7 Hektar je Pferd. Die kleinen Höhepunkte der eigenen Graswirtschaft: Um das Deutsche Weidelgras zurückzudrängen und mehr Grassorten mit geringerem Fruktangehalt anzusiedeln, habe ich endlich einen Samenlieferanten gefunden, der biozertifiziert ist (brauche ich nämlich). Verbannen sollte man Deutsches Weidelgras jedoch auch nicht komplett (wer das schon mal versucht hat, lacht sich an dieser Stelle kaputt, weil das eh kaum möglich ist). Deutsches Weidelgras ist zäh und hilft dabei, den Boden trittfest zu erhalten.

Noch ein kleiner, großer Höhepunkt: Gelernt habe ich auch in diesem Jahr, dass mich zehn Minuten Wasser kontrollieren und etwas Fellkraulen besser entspannen als irgendwas anderes (und das sieht man auf dem Bild da oben, auf dem ich mit zwei der Jungstuten zu sehen bin, ziemlich gut, finde ich!).

2. Ausrüstung, unser großes Thema: Gebisse

Ein durchschlagender Erfolg war das Umstellen der Gebisse bei beiden Stuten, die ich reite. Welche Gebisse ich ausprobiert habe (sehr, sehr viele!) und welche für uns am besten waren, habe ich direkt auf dem Blog aufgeschrieben. Es ist ein richtig großer Test geworden - der sich aber definitiv gelohnt hat!

3. Reiterlich: Besseres Tragen im Galopp

Meine spontane Antwort wäre bezüglich meiner Reitfortschritte: „Ähh, keine Ahnung! Nichts, denn es muss ja noch dies und jenes und das noch besser werden!“

Aber das kann ja nicht sein. Logisch ist das nicht möglich: Ich habe in 2018 privat an sieben Reitkursen teilgenommen, dazu noch Unterricht genommen und viele Ausbilder und Unterrichtseinheiten beruflich angesehen. Kann ja nicht sein, dass das nichts an mir, meinem Reiten und den beiden Stuten verändert hat (außer ich wäre jetzt komplett beratungsresistent). Dieses nicht Wahrnehmen von Erfolgen kennt übrigens die Psychologie, auch Mentaltrainer aus dem Reitsport haben mir schon davon erzählt: Man nennt das unbewusstes Verschieben von Zielen (oder sich selbst beschummeln und nie zufrieden sein!). 

Es ist natürlich Typsache, ob man denkt: „Oh ja, ich bin meisterlich weitergekommen!“ oder eher denkt: „Kann’s immer noch nicht.“ Doch in beiden Fällen hilft, sich genau anzuschauen wo man mal stand und wo man heute steht.

Wie gut, dass ich Notizen aus den Kursen habe und nachsehen kann, welche Aufgaben wir wann bekommen haben!  

Heimliches Verschieben von Zielen

Also, Faktencheck: Mein Aufgabenzettel von 2017 liest sich heute total selbstverständlich, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass einige Sachen, die da stehen, irgendwann mal nicht funktionierten. Ein Beispiel: Da stand  auf meinem Aufgabenzettel „Antraben nur in dem Moment, wenn sie sich an die Hand herandehnt.“ Das ist heute zum Standard geworden. Oder: „Auf Sensibilität und prompte Reaktion auf den Schenkel achten.“ Können wir ebenso einen Haken dran machen.

Der Aufgabenzettel von 2018 ist mir viel näher, da ist noch nicht alles drauf abgearbeitet. Was besser geworden ist: Die Anlehnung ist weniger störanfällig geworden.

Drauflegen auf's Gebiss im Galopp

Der Galopp von Warmblutstute Ailena hat sich außerdem stark verbessert. Sie legte sich im Galopp zu sehr auf die Hand. Das ist viel besser geworden, auch dank einer sehr ungewöhnlichen Übung.

Eine sehr effektive Übung für den Galopp

Claudia Butry empfahl mir, auf einem verkleinertem Zirkel Schritt-Galopp-Schritt Übergänge zu reiten. Das Ungewöhnliche daran: Ich sollte das ohne Zügelkontakt tun, mit hingegebenen Zügel. Damit Ailena sich selbst tragen muss und sich nicht auf die Hand stützen kann. Ich kam mir vor wie ein Westernreiter und musste ziemlich lachen bei der Übung. Ailena fand die Übung großartig und machte von Beginn an begeistert mit. Dann sollte ich – innerhalb einer Einheit – das gleiche mit Zügelkontakt reiten, aber daran denken, dass ich den Zügel eigentlich nicht brauche. Das hat viel Spaß gemacht und vor allem auch langfristig richtig viel gebracht. Heute fühlt sie sich stets leicht an im Galopp. Ich kann mir kaum mehr vorstellen, dass das mal anders war!

Wie sieht es bei Dir aus? Was war vor einem Jahr noch anders, als heute?

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Die erfolgreiche Turnierreiterin und Trainerin Linda Leckebusch-Stark über das Westernreiten und ihre Philosophie

Linda Leckebusch-Stark podcast

Sie ist mehrfache Rheinlandmeisterin im Westernreiten, mehrfache Deutsche Meisterin und Europameisterin in mehreren Verbänden, sie war 2005 die jüngste EWU Trainerin A und ist Trägerin des goldenen Reitabzeichens der EWU:

In unserer neuen Podcastfolge berichtet Linda Leckebusch-Stark von ihrem Leben in einer Westernreitfamilie, den Unterschieden der europäischen und der nordamerikanischen Westernreitszene und ihrer eigenen Trainingsphilosophie im Trainingsstall Leckebusch.

Erfahre, warum Westernreiten viel mehr ist als nur das bei den meisten bekannte Reining und was Linda Leckebusch-Stark an dieser Reitweise fasziniert. Sie erzählt aus ihrer langjährigen Erfahrung als erfolgreiche Turnierreiterin und Trainerin A heraus von der Situation des Westernreitens und der Westernpferdezucht in Europa.

Eine Podcastfolge mit hochinteressanten Einblicken in das Westernreiten - nicht nur für eingeschworene Westernreiter selbst. Viel Spaß beim Hören!

Du bist Westernreiterin durch und durch, könnte man sagen. Du kommst aus einer absoluten Westernreiter-Familie. Was fasziniert dich am Westernreiten? (00:38)
Bist du von Anfang an auf Westernreiten gepolt gewesen? (01:10)
Du bist aktive Turnierreiterin, Trägerin des goldenen Reitabzeichens der EWU und Trainerin. Was bedeutet Westernreiten für dich? (01:47)
Gibt es im Westernsport noch eine Verbindung zum Ursprung der Reitweise Nordamerikas? (04:05)
AQHA steht für American Quarter Horse Association- ist das Quarter Horse die beliebteste Pferderasse im Westernreiten? (05:13)
Kommen die besten Reiter dann auch aus den USA? (05:37)
Es gibt also spezielle Turniere für alle Disziplinen und welche, auf denen nur Reining geritten wird? (08:31)
Wie rassenoffen ist der Westernsport? (09:03)
Wenn man von außen drauf schaut, dann glauben alle, ihr treibt eure Rinderherde auf der Weide zusammen. Wie ist das Leben als Trainerin und Sportreiterin wirklich? (10:44)
Hindert euch euer „Image“ daran noch mehr Leute für den Sport zu begeistern? (11:52)
Was ist „Cutting“? (12:29)
Wie übt man das? Nicht jeder hat ja seine Rinderherde hinter dem Haus. (13:10)
Wie trainiert man für die Rinderarbeit? (14:00)
Welche Disziplinen reitest du? (15:50)
Westernpferde werden anders ausgebildet. Worin bestehen die Unterschiede? (19:43)
Du bist selbst sehr erfolgreiche Turnierreiterin aber auch Trainerin. Was machst du mehr und lieber? (22:47)
Schaust du dir von anderen Reitweisen in Bezug auf Pferdeausbildung etwas für dich ab? (25:16)
Wie ist deine Trainingsphilosophie? (26:09)
Zusammen mit deiner Familie führst du einen Stall in der Nähe von Gummersbach. Wie läuft das? (27:45)
Westernreit-Ausbilder sind mittlerweile angeschlossen an die deutsche reiterliche Vereinigung und du absolvierst gerade deinen Pferdewirtschaftsmeister mit Schwerpunkt Westernreiten. Wie kann man sich das vorstellen? (29:06)
Würdest du sagen, dass es den Westernreitern generell hilft, dass es jetzt Berufe wie den Pferdewirtschaftsmeister mit Schwerpunkt Westernreiten gibt? (31:28)
Wie wird in den USA trainiert bzw. wie unterscheidet sich das Training von dem Training hier? (33:25)
Die 4 wehorse-Fragen (34:31)

Was Du von Peter Kreinberg bei wehorse lernen kannst

Fünf Gründe, warum Du auf jeden Fall unsere Lehrfilme mit Peter Kreinberg ansehen solltest!

  1. Seine Übungsabfolgen sind für die Pferde verständlich und sinnvoll aufgebaut.
  2. Er ist ein Horseman alter Schule. Du findest in den Peter-Kreinberg-Filmen Wissen, dass er über Jahrzehnte gesammelt, angewendet und weitergegeben hat.
  3. Peter Kreinbergs Ansatz ist ganzheitlich. Sein Schulungssystem, mit dem er seit vielen Jahren auch Trainer ausbildet, heißt „The Gentle Touch“. Er bezieht immer Pferd, Reiter, Gesundheit, Ausbildungsstand, Biomechanik des Pferdes und des Menschen ein.
  4. Schubladendenken funktioniert hier nicht! Auch wenn Peter Kreinberg als Horsemanship- und Westernausbilder gilt, arbeitet er seine Pferde hochwertig gymnastizierend. Deshalb wird er auch mit dem Begriff „Western Dressage“ in Verbindung gebracht. Vielseitige Ausbildung und interessante Übungsabläufe gehören für ihn selbstverständlich dazu.
  5. Wenn Du Dir ein sicheres Pferd wünschst, dass sich in Alltagssituationen wie Hängerfahrten, Ausritten, fremden Orten und Plätzen souverän und entspannt benimmt, dann solltest Du Dir anschauen, wie Peter Kreinberg vorgeht!

Peter Kreinbergs "The Gentle Touch" auf wehorse

Auf wehorse findest Du drei große Themenbereiche mit diesem Ausbilder. Das sind die Lehrfilme zur „Grundausbildung für Western- und Freizeitpferde“, der „Aufbaukurs Westernreiten“ und die Filme zur „The Gentle Touch Bodenschule“.

Die Arbeit am Boden mit dem Leitseil

Beginnen wir mal mit der Bodenschule nach seinem The-Gentle-Touch-System. Ein idealer Einstieg, wenn Du Peter Kreinbergs Arbeit kennenlernen möchtest! Hier lernst Du in drei Folgen die Basisübungen am Boden kennen. In Teil 1 gibt Dir der Ausbilder einen Überblick über seine Bodenarbeit. In Teil 2 zeigt Peter Kreinberg mit Pferd Garzer die Vorbereitungen für ein Verladetraining. Der Hannoveranerwallach ist noch ziemlich nach außen orientiert und hat noch keine gute Grundausbildung am Boden. So siehst Du wirklich, wie die Anfänge aussehen können – ganz ungeschönt.

Hannoveraner Garzer muss noch viel am Boden lernen

Das beinhaltet viele Übungen, die Wallach Garzer an die Anforderungen beim Verladen gewöhnen. In Teil drei zeigt Dir Peter Kreinberg weitere Übungen, die das Pferd zur Mitarbeit anregen und  in die gute Kontrolle führen. Bei den Basisübungen erklärt er zum Beispiel, welche Impulse er am Leitseil bei der Bodenarbeit nutzt. Er longiert dafür auf einem kleinen Kreis, um eine Linienkontrolle zu erreichen. Das meint: Das Pferd soll hier verstehen lernen, was der Mensch ihm durch Leitseil und Körpersprache sagt. Dieses Erlernen ist essentiell für vieles, was später kommt. Er zeigt die Handgriffe genau – wie er das Seil schwingen lässt und einsetzt. Bei Minute 5:50 zeigt er beispielweise, dass er das Pferd durch Pendeln in Richtung Schulter biegt. Auf diesem kleinen Kreisbogen führt Peter Kreinberg viele Signale ein, die er für die späteren Übungen braucht. Er zeigt später im Film, wie er dieses erlernte Wissen bei neuen Situationen wie Plane überschreiten, eine Rampe betreten oder durch einen Flattervorhang gehen, einsetzt. Peter Kreinberg zeigt Dir, wie Du es erreichst, dass Dein Pferd nicht nur über fremde Untergründe geht, sondern dabei auch Schritt für Schritt dirigierbar bleibt. Es soll verstehen und die Aufgaben in mentaler Gelassenheit ausführen.

 

Aufgaben, die das Verladen erleichtern

In den weiteren Filmen der Bodenschule wird klar, wie viel Vorarbeit eigentlich notwendig ist, um ein Pferd durch es anspannende Situationen zu führen. Peter Kreinberg übt zunächst, dass Garzer auf ihn reagiert und achtet. Denn anfangs ignoriert Garzer Halftersignale und läuft quasi durch den Menschen hindurch. Garzer lernt zudem, entspannt zu stehen und seinen Kopf abzusenken.

Fürs Verladen: Die Beine einzeln bewegen

Er übt mit Garzer, dass der Wallach aufs Antippen mit der Gerte vorwärts, seitwärts und rückwärts geht und auch aufs Antippen hin einzelne Beine bewegt. „Hilfreich ist es auch, wenn ich dem Pferd beibringe, einzelne Beine zu heben und zu setzen. So kann ich später dem Pferd helfen, auf der Rampe die Beine bewusst und richtig zu setzen“, erklärt er. Wie schwierig es manchmal sein kann, das Pferd auf eine Plane zu schicken, wird in Film 3 der Bodenschule klar. Peter Kreinberg muss konsequent (aber fair!) seine Anfrage wiederholen, bis Garzer in die Nähe der Plane und schließlich auf die Plane geht. Peter Kreinberg erklärt während des Trainings, was er warum tut – und weist zum Beispiel auf Unsicherheitsgesten des Pferdes hin. Das ist sehr spannend und lehrreich! Der Ausbilder stuft die Aufgabe hinunter, als er bemerkt, dass es Garzer stresst, über eine große Plane zu gehen. Er verkleinert die Planenfläche und macht es dem Pferd so leichter. Garzer soll erstmal über eine kurze Plane steigen. Die Zeit, die an der Plane investiert werden, zahlt sich später aus, wenn das Pferd tatsächlich auf den Anhänger gehen soll. Es wird so immens viel Stress vermieden.

Die Arbeit am Boden mit dem Leitseil

Beginnen wir mal mit der Bodenschule nach seinem The-Gentle-Touch-System. Ein idealer Einstieg, wenn Du Peter Kreinbergs Arbeit kennenlernen möchtest! Hier lernst Du in drei Folgen die Basisübungen am Boden kennen. In Teil 1 gibt Dir der Ausbilder einen Überblick über seine Bodenarbeit. In Teil 2 zeigt Peter Kreinberg mit Pferd Garzer die Vorbereitungen für ein Verladetraining. Der Hannoveranerwallach ist noch ziemlich nach außen orientiert und hat noch keine gute Grundausbildung am Boden. So siehst Du wirklich, wie die Anfänge aussehen können – ganz ungeschönt.

Hannoveraner Garzer muss noch viel am Boden lernen

Das beinhaltet viele Übungen, die Wallach Garzer an die Anforderungen beim Verladen gewöhnen. In Teil drei zeigt Dir Peter Kreinberg weitere Übungen, die das Pferd zur Mitarbeit anregen und  in die gute Kontrolle führen. Bei den Basisübungen erklärt er zum Beispiel, welche Impulse er am Leitseil bei der Bodenarbeit nutzt. Er longiert dafür auf einem kleinen Kreis, um eine Linienkontrolle zu erreichen. Das meint: Das Pferd soll hier verstehen lernen, was der Mensch ihm durch Leitseil und Körpersprache sagt. Dieses Erlernen ist essentiell für vieles, was später kommt. Er zeigt die Handgriffe genau – wie er das Seil schwingen lässt und einsetzt. Bei Minute 5:50 zeigt er beispielweise, dass er das Pferd durch Pendeln in Richtung Schulter biegt. Auf diesem kleinen Kreisbogen führt Peter Kreinberg viele Signale ein, die er für die späteren Übungen braucht. Er zeigt später im Film, wie er dieses erlernte Wissen bei neuen Situationen wie Plane überschreiten, eine Rampe betreten oder durch einen Flattervorhang gehen, einsetzt. Peter Kreinberg zeigt Dir, wie Du es erreichst, dass Dein Pferd nicht nur über fremde Untergründe geht, sondern dabei auch Schritt für Schritt dirigierbar bleibt. Es soll verstehen und die Aufgaben in mentaler Gelassenheit ausführen.

 

Aufgaben, die das Verladen erleichtern

In den weiteren Filmen der Bodenschule wird klar, wie viel Vorarbeit eigentlich notwendig ist, um ein Pferd durch es anspannende Situationen zu führen. Peter Kreinberg übt zunächst, dass Garzer auf ihn reagiert und achtet. Denn anfangs ignoriert Garzer Halftersignale und läuft quasi durch den Menschen hindurch. Garzer lernt zudem, entspannt zu stehen und seinen Kopf abzusenken.

Fürs Verladen: Die Beine einzeln bewegen

Er übt mit Garzer, dass der Wallach aufs Antippen mit der Gerte vorwärts, seitwärts und rückwärts geht und auch aufs Antippen hin einzelne Beine bewegt. „Hilfreich ist es auch, wenn ich dem Pferd beibringe, einzelne Beine zu heben und zu setzen. So kann ich später dem Pferd helfen, auf der Rampe die Beine bewusst und richtig zu setzen“, erklärt er. Wie schwierig es manchmal sein kann, das Pferd auf eine Plane zu schicken, wird in Film 3 der Bodenschule klar. Peter Kreinberg muss konsequent (aber fair!) seine Anfrage wiederholen, bis Garzer in die Nähe der Plane und schließlich auf die Plane geht. Peter Kreinberg erklärt während des Trainings, was er warum tut – und weist zum Beispiel auf Unsicherheitsgesten des Pferdes hin. Das ist sehr spannend und lehrreich! Der Ausbilder stuft die Aufgabe hinunter, als er bemerkt, dass es Garzer stresst, über eine große Plane zu gehen. Er verkleinert die Planenfläche und macht es dem Pferd so leichter. Garzer soll erstmal über eine kurze Plane steigen. Die Zeit, die an der Plane investiert werden, zahlt sich später aus, wenn das Pferd tatsächlich auf den Anhänger gehen soll. Es wird so immens viel Stress vermieden.

Kein Erschrecken im Hänger bei nah folgenden LKWs

In diesem Lehrfilm werden noch weitere Übungen gezeigt, die das Instinktverhalten in bewusstes, erwünschtes Verhalten verwandeln. „Das ist keine Gewöhnungsübung“, erklärt Peter Kreinberg beim Abstreichen mit einer Plastiktüte, die an einem Stick befestigt ist. „Es ist eine systematische Lernübung mit Stellvertretercharakter für viele spätere Situationen!“ Als Beispiel nennt er Pferde, die auf dem Anhänger mit hinten offener Klappe LKWs sehen und die sich dadurch erschrecken. Das kann der Mensch abmildern. Nämlich durch ein solches Schrecktraining. Akzeptiert das Pferd visuelle Reize, die von hinten kommen, dann erschrickt es auch weniger schnell, wenn auf der Autobahn ein LKW dicht auffährt.

Wie Du am besten einsteigst

Am besten schaust Du Dir diese drei Folgen der Bodenschule oben als erstes an! Dann passt nämlich die „Grundausbildung für Westernpferde“ als Anschluss hervorragend. Denn auch hier geht es um Vertrauen gewinnen, vertraut machen mit dem, was wir Menschen vom Pferd möchten. Die erste Folge ist ein freies Training im Roundpen. Hier wird es richtig cowboymäßig, Peter Kreinberg zeigt, wie er mit Seil und Schlinge arbeitet. Das ist sicherlich nichts für jeden, und erst recht nichts zum Nachmachen nachdem man nur einen Film gesehen hat, aber dennoch ist es sehr interessant, mal solch eine Arbeit zu sehen. Denn auch hier wird gezeigt, dass auf Impulsgebung Nachgeben oder Bewegung entstehen soll. Grundsätzlich wird in dieser Serie der Ablauf des Einreitens eines Westernpferdes gezeigt.

Gymnastizierende Übungsabfolgen

Der Aufbaukurs Westernreiten ist hingegen für jegliche Reiter, die schöne, gymnastizierende Übungsabfolgen suchen, empfehlenswert! Die Übungen aus diesen Filmen kannst Du sofort daheim nachreiten (natürlich auf Deinen Ausbildungsstand hin angepasst bzw. daraufhin ausgewählt). Hier im Blog haben wir diese Übungen von Peter Kreinberg letztens empfohlen – sie zeichnen sich durch Vielseitigkeit und sinnvolle Gymnastizierung aus.

Viel Spaß beim Entdecken!

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#wehorsewednesday | Best of wehorse 2018

Was für ein Jahr! Vom neuen Namen über spannende Filmdrehs mit unseren Superstars, neue wehorse-Trainer und spektakuläre neue Themen bis zu vier DVD-Starts, die es in sich haben – wir haben die Highlights des wehorse-Jahres 2018 für dich zusammengefasst, natürlich mit den passenden Links direkt zu den besten Videos und Beiträgen.


Der neue Name

„Aus pferdia wird wehorse, sonst ändert sich nichts“, hieß es 2018. Der Name wird international, alles andere bleibt wie gewohnt. Die Philosophie von Inge und Thomas Vogel, die pferdia 1989 gegründet haben, führen wir mit ihnen gemeinsam fort. Unsere Überzeugung, unser Ziel, unser „Warum“: Wir möchten dir ein erfülltes Zusammensein mit deinem Pferd ermöglichen. Wie? Zusammen mit den besten Trainern der Welt, mit einfach erklärten Inhalten, hochwertig aufbereiteten Videos und einer Menge Pferdeliebe.


Der wehorse-Podcast nimmt Fahrt auf

Weitergeführt aus 2017 wuchs unser Podcast 2018 deutlich weiter. Was möchten wir dir mit dem Podcast geben? Das Gefühl, als säßen die besten Ausbilder der Welt direkt neben dir im Stall oder im Wohnzimmer und erzählten dir ihre (Erfolgs)Story. Von Dr. Britta Schöffmann, über Uta Gräf bis zur Olympiasiegerin Ingrid Klimke hatten wir dieses Jahr unglaublich spannende Interviewpartner.

Über 25 Folgen findest du mittlerweile auf unserer Podcastseite, sowie bei Apple Podcast, Google Podcast und Spotify. Höre dir spannende Lebensgeschichten an, erfahre neue Trends der Branche und hole dir Ausbildungstipps von den Top-Trainern. Hör doch einfach mal rein:
Hier geht's los - einfach und komplett kostenlos.


Das wehorse-Gesicht 2018

Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal das wehorse-Gesicht gesucht. Viele von euch haben teilgenommen und uns ihre Bewerbungen geschickt - vielen Dank dafür, wir haben uns jede einzelne ganz genau angeschaut. Am Ende ist es Stephanie mit ihrem Pferd "Hase" geworden. Die beiden sind ab sofort in unserem neuen Imagefilm zu sehen. Hier kannst du ihn dir anschauen.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei Stephanie bedanken: Du hast großartig mitgemacht und es hat uns viel Spaß gemacht den Imagefilm mit dir zu drehen! Du und Hase passt wirklich super zu wehorse.

Außerdem geht ein großes Dankeschön an unsere liebe wehorse-Trainerin Dr. Britta Schöffmann. Sie stellte einen ihrer begehrten Lehrgangsplätze für unser wehorse-Gesicht zur Verfügung - den gab es zu gewinnen und Stephanie und Hase freuen sich schon riesig darauf. Also, vielen Dank, liebe Britta!


Die Video-Highlights 2018

Neben den vielen Videoschätzen, die bereits auf www.wehorse.com für dich bereitstanden, gab es 2018 natürlich auch neues, geballtes Wissen unserer Top-Trainer in Form von Themenvideos und Serien. Falls du sie noch nicht angeschaut hast, solltest du dir diese Highlights nicht entgehen lassen:

Chris Bartles Geländetraining – der sichere Sitz

2018 begann direkt mit einem absoluten Höhepunkt: In diesem Videovortrag erklärt der erfahrene Bundestrainer Christopher Bartle den sicheren Geländesitz wie kein anderer. Videoaufnahmen von Stars wie Ingrid Klimke und Sandra Auffarth zeigen worauf es ankommt. Hier lernt man eine Menge – ein Muss für Anfänger und Profis, nicht nur als Geländereiter:
Hier geht's zum Video.

Kathrin Roida – Gymnastizierende Arbeit an der Hand

Vom richtigen Führen bis zur Piaffe und Passage zeigt dir Ausbilderin Kathrin Roida in diesen Videos alle wichtigen Details zur Arbeit an der Hand. Mit einfach nachzuvollziehenden Übungen lernst du die genaue Hilfengebung und das Vermeiden von Fehlern von Beginn an. Du wirst sehen: dein Pferd wird unheimlich geschmeidig und es ist eine großartige Ergänzung zum Reiten!
Hier geht’s direkt zu Teil 1.

Natural Horsemanship verstehen mit Peer Claßen und Jenny Wild

Die Teile 1 bis 22 verteilten sich über das ganze letzte Jahr und geben dir Schritt für Schritt die Möglichkeit, das „Pferdeflüstern“, wie es umgangssprachlich manchmal genannt wird, endlich einmal selbst auszuprobieren. Dahinter steckt natürlich viel mehr, als mit seinem Pferd einige „Kunststücke“ vorführen zu können: Lerne dein Pferd noch einmal ganz anders kennen, lerne es wirklich zu verstehen und baue eine vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung mit ihm auf.
Hier geht es direkt los.

Uta Gräf und Lenny – Hauptaugenmerk: Eine korrekte Anlehnung erreiten

Lenny ist ein sympathischer Wallach mit einer nicht ganz so optimal gebauten Halsung. Uta Gräf zeigt dir in bisher vier Teilen, wie sie es trotzdem schafft, eine korrekte Anlehnung zu erreiten, also Schub aus der Hinterhand und das Herantreten an die Reiterhand zu entwickeln. Lenny neigt nämlich von Beginn an dazu, sich etwas eng zu machen oder zu leicht zu werden. Die Videos vermitteln unheimlich wertvolle Erfahrungen und Tipps der Star-Reiterin, die du wunderbar zu Hause umsetzen kannst:
Hier geht es zu Teil 1.

Fit wie Hoy – Reiterfitness für alle!

Vielseitigkeitsstar Bettina Hoy trat 2018 dem Kreis der wehorse-Trainer bei und sorgte mit ihrem Reiterfitnessprogramm nicht nur für Schweiß, sondern auch für deutliche Verbesserungen im Reitersitz. Mit einem kurzen aber sehr effektiven Trainingsplan, der jederzeit auch im Stall ausgeführt werden kann, nimmt sie jedem Reiter die Ausreden. Sich fit zu halten ist für jeden Reiter wichtig, unterstützt das Pferd enorm und sorgt für mehr Sicherheit und Präzision im Sattel. Wenn du 2018 mitgemacht hast, wirst du jetzt schon die ersten Erfolge spüren. Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um loszulegen:
Fit wie Hoy Teil 1: Warm-up

Tellington-TTouch-Training für Pferde und die Masterson Methode™

2018 zeigten wir dir gleich zwei Methoden, um deinem Pferd etwas Gutes zu tun und eure Beziehung zu vertiefen. Beide sind einfach und logisch erklärt und selbstständig bei deinem Pferd anwendbar. Möchtest du das Halsringreiten lernen? Dann können wir dir vor allem die Videos mit der großartigen Linda Tellington-Jones empfehlen. Beide Serien haben das Potenzial, deinen Blick auf dein Pferd grundlegend zu verändern und euer gesamtes Miteinander positiv zu beeinflussen.
Hier geht’s lang:
Tellington-TTouch-Training für Pferde: Die Philosophie
Die Masterson Methode™ Teil 1: Verspannungen lösen mit der Masterson Methode™

Grundkurs Springen mit Eva Deimel

Eva Deimel erklärt nicht nur so, dass es jeder versteht, sie motiviert auch großartig und vermittelt einem die pure Freude am Springen. Schülerin Lea lernt das Springen von der Pike auf – du musst einfach nur zuschauen und mitlernen! Vom richtigen Aufbau der Trabstangen, bis zu Cavaletti-Springen und dem ersten Parcours: Hier bekommst du alles, was du wissen musst, um richtig und vor allem sicher zu starten. Teil 1 bis 4 kam 2018 für dich auf www.wehorse.com und das Beste ist: Das war noch nicht alles! 2019 kannst du verfolgen, wie es weitergeht und dich den nächsten Herausforderungen stellen.
Hier geht es zu Teil 1.

Das waren nur einige der Highlights, die wir 2018 mit viel Liebe für dich produziert und veröffentlicht haben. Wenn du dich auf unserer Seite umschaust, wirst du noch weitere finden, wie zum Beispiel die Serie „Voltigieren mein Sport“, die Videos zum einhändigen Reiten mit Uta Gräf, das beliebte Training und die neuen Pferde von Ingrid Klimke, unter anderem das Training am Berg, sowie die Videos mit dem Achal Tekkiner „Degni Shael“ von Anja Beran.


Die neuen DVDs

2018 gab es gleich vier spektakuläre DVD-Highlights unserer Top-Trainer für dich:

Direkt am Viereck Folge 4: Mit Belsasar von A bis M & Delianos Sprung auf S-Niveau mit Uta Gräf

Folge 4 der beliebten Ausbildungsreihe schlägt mit den beiden so unterschiedlichen Pferden „Belsasar” und „Deliano” den Bogen von Klasse A nach Klasse S. Alle Reiter, die nicht live dabei sein und den spannenden Prozess der kontinuierlichen Entwicklung der Pferde mitverfolgen können, bekommen durch den Film die Gelegenheit, über mehrere Jahre quasi direkt am Viereck dabei zu sein. Der Zuschauer beobachtet Uta Gräf nicht nur beim täglichen Training, sondern bekommt auch vom Sattel aus erklärt, wie genau sie jeden Moment auf das Pferd reagiert.

So präzise geritten, individuell auf jedes Problem des Pferdes eingehend und gut erklärt wie man es von Uta Gräf gewohnt ist.

Hier kannst du die DVD bestellen.


Reiten gut erklärt Teil 7: Vom Sitzen zum Einwirken mit Dr. Britta Schöffmann

„Kopf hoch, Absatz tief und halbe Parade geben“ – wenn Reiten mal so einfach wäre. Ein formal korrekter Sitz und das Kennen der Reiterhilfen allein reichen nämlich nicht aus, ein Pferd durchs Genick reiten und es gemäß der Ausbildungsskala dressurmäßig gymnastizieren zu können. Nur die zielführende Kombination der einzelnen Hilfen im richtigen Moment (Timing) und in der passenden Ausführung und Dosierung machen aus "schön sitzen" mit der Zeit „richtig einwirken“ und bringen Pferd und Reiter auf ihrem gemeinsamen Weg Stück für Stück weiter.

Für jeden nachvollziehbar erklärt und mit wunderbaren Beispielen zum direkten Umsetzen im eigenen Sattel.

Hier kannst du die DVD bestellen.


High Noon Teil 3 mit Philippe Karl

Lasse dich von der Philosophie der Légèreté inspirieren! Erlebe den Hannoveraner Wallach High Noon im dritten Teil dieser lehrreichen Filmdokumentation in einem Querschnitt durch sein gesamtes Programm: Sieben Jahre nach seiner Ankunft beim renommierten französischen Reitmeister Philippe Karl zeigen die beiden die zentralen Elemente der Ausbildung in Légèreté – von der Lösungsarbeit an der Longe und unter dem Sattel über die Seitengänge bis hin zu Piaffe, Passage und Serienwechseln.

Dieser Film macht Spaß und ist lehrreich. Zusammen mit Teil 1 und Teil 2 eine herrliche Dokumentation der bemerkenswerten Entwicklung des Wallachs High Noon, die nicht nur für Fans der Légèreté sehenswert ist. Hier kann jeder etwas für sein Reiten mitnehmen.

Hier kannst du die DVD bestellen.


Gymnastizierende Arbeit an der Hand mit Kathrin Roida

Die DVD enthält alle 10 Videos, die du dir auf www.wehorse.com anschauen kannst, wenn du angemeldet bist. Wie oben beschrieben, zeigt dir Kathrin Roida im Film vom richtigen Führen bis zur Piaffe und Passage alle wichtigen Details zur Arbeit an der Hand. Wenn du also lieber DVD schaust oder eine Zusammenfassung dieser logisch aufgebauten Übungen im Regal haben möchtest, ist diese DVD dein Muss:

Hier kannst du die DVD bestellen.


Filmdrehs und neue Trainer

Das ganze Jahr über sind wir für dich mit unserem Kameramann Thomas Vogel und mit unserm ganzen Filmteam unterwegs und verfolgen die besten Trainer der Welt bei ihrem alltäglichen Reiten oder Unterrichten. Auch 2018 hatten wir wieder großartige Filmdrehs mit liebgewonnenen Bekannten aber auch mit neuen wehorse-Trainern.

Wir waren mehrfach bei Ingrid Klimke, haben ihr deine Fragen persönlich gestellt und natürlich aktuelle Themen mit ihr gefilmt – vom Training am Berg bis zum Aufbau des Kurzkehrts.

Hier kommst du zu allen bisherigen #FragIngrid-Fragen.

Hier geht es zum beliebten Video „Training am Berg“, dort siehst du nicht nur Hale Bob in Aktion!

Ihr neuestes Video „Kurzkehrt – Vorbereitende Übungen & Grundlagen“ zeigt die ersten Schritte und wird 2019 weitergeführt.


Wenn du einen Eindruck davon bekommen möchtest, wie unsere Drehs bei Uta Gräf ablaufen, warum es immer etwas zu lachen gibt und wer der eigentliche Star auf dem Gut Rothenkircherhof in Kirchheimbolanden ist, dann klick schnell hier und du kommst zum letzten Drehbericht.

Die Ergebnisse kannst du dir zum Beispiel in diesen neuen Videos mit Uta anschauen:

Effektive Hilfen: Schenkelweichen & Traversale

Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen: Eine häufig unterschätzte Lektion


Anja Beran präsentierte uns 2018 gleich mehrere neue Pferde. Besonders der Achal Tekkiner Degni Shael und die Warmblutstute Amazing Grace von Boston sind unglaublich interessante Pferdepersönlichkeiten und spannend, in ihrer Entwicklung zu begleiten. Von ihnen wirst du auch 2019 noch so Einiges hören.

Degni Shael Teil 1: Aus dem Rennstall zur feinen Dressur

Amazing Grace Teil 1: Korrekte Anlehnung und Geraderichtung nach klassischen Grundsätzen


Bei Bettina Hoy kamen wir nicht nur wegen des warmen Wetters ins Schwitzen – sie heizte uns mit ihrem Reiterfitnessprogramm ordentlich ein. Ein Filmdreh, aus dem wir hochmotiviert und mit vielen Ideen rausgingen, die wir alle in unseren 6 Trainingsvideos verarbeitet haben. Hier wirst du fit.


Wie fast in jedem Jahr meinte es die Sonne beim Dreh mit Dr. Britta Schöffmann wieder besonders gut mit uns. Doch wir trotzten der Hitze und erlebten unsere liebe wehorse-Trainerin in gewohnt professioneller, sympathischer und vor allem wunderbar verständlich erklärter Manier. Am Ende haben wir wirklich alle alles gegeben und waren mit dem Ergebnis hochzufrieden. Auf www.wehorse.com kommst du 2019 in den Genuss dieser Videos.

Die gute Nachricht: Das ist nur eine der großartigen Serien und Kurse, die 2019 auf dich warten. Einige der Trainer und Themen können wir schon verraten:

Mit Sibylle Wiemer bringen wir deinen Sitz auf Vordermann: Viele Übungen zum Nachmachen, die anatomischen Hintergründe, den Einsatz von Franklin-Bällen und das Lösen von Reitproblemen über den Sitz – all das erwartet dich 2019 bei uns.

Mit „Fit wie Hoy“ haben wir den Reiter fit gemacht, was ist aber mit dem Pferd? Pferdephysiotherapeutin Katrin Obst wird dir 2019 Übungen an die Hand geben, mit denen du die Muskulatur, die Koordination und die Beweglichkeit deines Pferdes gezielt trainieren kannst. Bauch, Beine, Po für’s Pferd? Ja, das gibt es. Lass dich überraschen!

Die Springfreunde werden mit Profi Lars Meyer zu Bexten auf ihre Kosten kommen, während Ausbilderin und Reilehrerin Claudia Butry Lösungen für gängige Reitprobleme hat und sie für jeden nachvollziehbar erklärt. 2019 wirst du mit uns außerdem fit fürs Reitabzeichen in der Bodenarbeit, bekommst von niemand anderem als Arien Aguilar Tipps zum Horsemanship und kannst mehr von Reit- und Showstar Alizé Froment lernen! Du siehst, wehorse lohnt sich auch 2019 für dich und dein Pferd. Wir freuen uns darauf mit dir den Weg zu gehen – zu einem erfüllten Zusammensein mit dem Partner Pferd.

Ein Satz von Anja Beran, der für jeden in 2019 gelten sollte

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Der Jahreswechsel steht an. Auf einmal wird die halbe Reiterwelt sentimental, teilt Rückblicke und es werden eifrig Pläne geschmiedet, was im nächsten Jahr anders laufen soll. Kaum aus dem Weihnachtstaumel entlassen, ist der Ehrgeiz an allen Ecken und Enden zu spüren. Zwei Sachen sind mir diesbezüglich in den vergangenen Tagen besonders aufgefallen. Das Schöne daran ist: Es gibt eine Lösung, die sogar in einem Satz zu formulieren ist. Anja Beran hat mir diesen mal in einem Interview gesagt. Aber erst mal zu den Beispielen. Ihr kennt sowas garantiert auch aus Eurem Umfeld. 

Beispiel 1: Ungeduld mit sich und dem Pferd führt zu Frust.

Ein Beispiel aus dem Reiterleben um mich herum. Es geht um eine Reiterin mit großen Ambitionen, bestem Ansinnen und etwas eingerosteter Praxiserfahrung. Die sehr unzufrieden ist gerade mit sich und ihrem Pferd. Es klappt nicht so, wie sie möchte und das macht sie ungeduldig.

Alles soll in einer Stunde besser werden. Das ist der Anspruch. Tut es das nicht, wird der ganze Weg samt Ausbilder in Frage gestellt. Folge: Sie schlägt Wege ein, die gar nicht die ihren sind, eigentlich. Führt zu Frust, klar.

Beispiel 2: Enthusiasmus lässt unrealistische Ziele entstehen.

Jahresrückblicke gibt es gerade überall. Persönliche über Reiter und Pferde auf Instagram oder Facebook zum Beispiel, größer angedachte in fast jedem Medium. Gepaart mit Zielen. Jeder formuliert eine Bestandsaufnahme. Dazu kommt das das gehypte „Dankbar sein“. Man soll darüber nachdenken und formulieren, für was man sich dankbar schätzen soll. An sich ja ein guter Ansatz, der idealerweise zu mehr Zufriedenheit führt. Nur wird das so übersteigert, dass diese Forderung nach Dankbarkeit immer häufiger - so nehme ich es jedenfalls wahr - unecht und flach daherkommt. Wie ein Zitat auf einem billigen Abreißkalender, wie ein hingekritzelter Spruch auf einer öffentlichen Toilette. Außerdem werden neue Pläne formuliert, neue Vorhaben und Ziele. Überall herrscht viel Enthusiasmus. Nur - wie lange hält der an? Wie schnell ist die Enttäuschung da, wenn die vielen Vorhaben dann doch nicht eingelöst werden? Wie viele der formulierten Ziele und Lebensänderung sind schlichtweg total unrealistisch?

Die Antwort für beide Fälle: Denke in Jahren.

Was mir zu beiden Fällen in den Kopf schießt, ist eine Antwort, die mir Anja Beran mal gab. Ich weiß gar nicht mehr, auf welche Frage. Und ich weiß auch nicht, wie das Ende des Satzes lautete, es ging auf jeden Fall um die Ausbildung eines Pferdes und den erklärenden Halbsatz: „Ich denke in Jahren.“

Genau das ist es, was beide geschilderten Episoden so gut brauchen könnten. Langfristiges Denken. Das nimmt 1. den Sofort-Druck raus, 2. erlaubt es, langfristige, steinige, aber richtige Wege zu gehen und zu überstehen, 3. kommt es dem Pferd in seiner Natur entgegen, 4. lässt es Misserfolge nicht so schnell aufkommen, denn das Langzeit-Ziel bleibt: Es gibt einfach Höhen, es gibt Tiefen auf dem Weg dorthin.

Betterhorsesport für 2019

Ich würde mir auch im Sinne von #betterhorsesport wünschen, dass dieses Denken in Jahren äußerst populär wird. Mit allen Zwischenschritten, kurz– und langfristigen Zielen. Dass das große Ganze einfach das Wichtigste im Kopf ist und bleibt.

In diesem Sinne: Kommt gut ins Neue Jahr!

P.S.: Was glaubst Du, waren die 10 am häufigsten gelesenen Texte auf meinem Blog in 2018? Ich habe sie hier auf www.alifewithhorses.de verlinkt. Es ist ein wilder Mix aus Fakten (Gendefekt, Reitturnier in Aachen, Trainer verurteilt) und Praxistests (der Gurtvergleich) sowie etwas Humor (Welche Männer Pferdefrauen so haben).

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Der Jahreswechsel steht an. Auf einmal wird die halbe Reiterwelt sentimental, teilt Rückblicke und es werden eifrig Pläne geschmiedet, was im nächsten Jahr anders laufen soll. Kaum aus dem Weihnachtstaumel entlassen, ist der Ehrgeiz an allen Ecken und Enden zu spüren. Zwei Sachen sind mir diesbezüglich in den vergangenen Tagen besonders aufgefallen. Das Schöne daran ist: Es gibt eine Lösung, die sogar in einem Satz zu formulieren ist. Anja Beran hat mir diesen mal in einem Interview gesagt. Aber erst mal zu den Beispielen. Ihr kennt sowas garantiert auch aus Eurem Umfeld. 

Beispiel 1: Ungeduld mit sich und dem Pferd führt zu Frust.

Ein Beispiel aus dem Reiterleben um mich herum. Es geht um eine Reiterin mit großen Ambitionen, bestem Ansinnen und etwas eingerosteter Praxiserfahrung. Die sehr unzufrieden ist gerade mit sich und ihrem Pferd. Es klappt nicht so, wie sie möchte und das macht sie ungeduldig.

Alles soll in einer Stunde besser werden. Das ist der Anspruch. Tut es das nicht, wird der ganze Weg samt Ausbilder in Frage gestellt. Folge: Sie schlägt Wege ein, die gar nicht die ihren sind, eigentlich. Führt zu Frust, klar.

Beispiel 2: Enthusiasmus lässt unrealistische Ziele entstehen.

Jahresrückblicke gibt es gerade überall. Persönliche über Reiter und Pferde auf Instagram oder Facebook zum Beispiel, größer angedachte in fast jedem Medium. Gepaart mit Zielen. Jeder formuliert eine Bestandsaufnahme. Dazu kommt das das gehypte „Dankbar sein“. Man soll darüber nachdenken und formulieren, für was man sich dankbar schätzen soll. An sich ja ein guter Ansatz, der idealerweise zu mehr Zufriedenheit führt. Nur wird das so übersteigert, dass diese Forderung nach Dankbarkeit immer häufiger - so nehme ich es jedenfalls wahr - unecht und flach daherkommt. Wie ein Zitat auf einem billigen Abreißkalender, wie ein hingekritzelter Spruch auf einer öffentlichen Toilette. Außerdem werden neue Pläne formuliert, neue Vorhaben und Ziele. Überall herrscht viel Enthusiasmus. Nur - wie lange hält der an? Wie schnell ist die Enttäuschung da, wenn die vielen Vorhaben dann doch nicht eingelöst werden? Wie viele der formulierten Ziele und Lebensänderung sind schlichtweg total unrealistisch?

Die Antwort für beide Fälle: Denke in Jahren.

Was mir zu beiden Fällen in den Kopf schießt, ist eine Antwort, die mir Anja Beran mal gab. Ich weiß gar nicht mehr, auf welche Frage. Und ich weiß auch nicht, wie das Ende des Satzes lautete, es ging auf jeden Fall um die Ausbildung eines Pferdes und den erklärenden Halbsatz: „Ich denke in Jahren.“

Genau das ist es, was beide geschilderten Episoden so gut brauchen könnten. Langfristiges Denken. Das nimmt 1. den Sofort-Druck raus, 2. erlaubt es, langfristige, steinige, aber richtige Wege zu gehen und zu überstehen, 3. kommt es dem Pferd in seiner Natur entgegen, 4. lässt es Misserfolge nicht so schnell aufkommen, denn das Langzeit-Ziel bleibt: Es gibt einfach Höhen, es gibt Tiefen auf dem Weg dorthin.

Betterhorsesport für 2019

Ich würde mir auch im Sinne von #betterhorsesport wünschen, dass dieses Denken in Jahren äußerst populär wird. Mit allen Zwischenschritten, kurz– und langfristigen Zielen. Dass das große Ganze einfach das Wichtigste im Kopf ist und bleibt.

In diesem Sinne: Kommt gut ins Neue Jahr!

P.S.: Was glaubst Du, waren die 10 am häufigsten gelesenen Texte auf meinem Blog in 2018? Ich habe sie hier auf www.alifewithhorses.de verlinkt. Es ist ein wilder Mix aus Fakten (Gendefekt, Reitturnier in Aachen, Trainer verurteilt) und Praxistests (der Gurtvergleich) sowie etwas Humor (Welche Männer Pferdefrauen so haben).

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Frohe Weihnachten – und was das Innehalten mit Deinem Reiten zu tun hat

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Die allerschönsten Festtage für Euch & Eure Lieben, Vierbeiner wie Zweibeiner.

Auszeiten nehmen

Lasst es Euch gutgehen! Nehmt Euch immer wieder mal Auszeiten und wenn es nur fünf Minuten vor der Tür sind. Ich wünsche die allerschönsten Festtage, viel Zeit zum Genießen, wenig Stress & nur schönen Trubel. Möglichst viele Stunden bei den Pferden natürlich ebenso. 

In Gedanken schon beim nächsten Training

Wir denken so oft an das Nächste: Was wir trainieren möchten, was noch nicht gut läuft, wo wir noch Unterricht nehmen wollen und was wir unbedingt noch verbessern wolllen. Das hat ja auch viel Gutes: Wir sorgen uns um unser Pony oder Pferd, wir möchten besser werden, wie sind wissenshungrig. Wir kümmern uns. Aber dabei vergessen wir manchmal, das wahrzunehmen, was da schon alles ist. 

Vorschlag: Lass' das einfach mal. Nur für die nächsten Tage. Schau Dir stattdessen an, was alles schon da ist. Das ist so, so viel.

#betterhorsesport und WFFS

Was ich an diesem Jahr ganz besonders fand, was die größten Erfolge waren und was 2019 bringen soll, das habe ich Euch auf www.alifewithhorses.de aufgeschrieben. Schaut gern mal herein - es geht auch um #betterhorsesport und die Genkrankheit WFFS, die in diesem Jahr für viele erst so richtig präsent wurde. 

 

Ein frohes Fest Euch allen!

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Olympiasiegerin Ingrid Klimke über ihren Weg zum Erfolg und ihre Trainingsphilosophie

podcast-ingrid-klimke

Sie ist Reitmeisterin, Europameisterin, Bronze-Gewinnerin in Tryon 2018, Olympiasiegerin, Vorbild, Energiebündel und vor allem Pferdefreundin: wehorse-Trainerin Ingrid Klimke. Auf vielfachen Wunsch hin steht sie im Interview mit Christian Kröber in dieser Podcastfolge Rede und Antwort.

Hier erlebst du Ingrid Klimke einmal ganz nah, ganz persönlich und in ihrer üblichen Art voller Lebensfreude und Pferdebegeisterung, von der man sich eigentlich nur anstecken lassen kann. Sie berichtet nicht nur von ihrem täglichen Reittraining und ihren Überzeugungen, sondern auch von ihrem Weg zum Erfolg, der als Kind bei Ponyspielen mit ihrer Familie begann.

Erfahre, wie der frühere Reitalltag mit ihren Eltern und Brüdern aussah, mit welchem Pony sie die ersten Turniere ritt, warum sie eigentlich gar nicht geplant hatte, so erfolgreich zu werden, wie sie eine Banklehre überstand, warum ihr manche Turniersiege in den Zeitungen fast zum Verhängnis wurden, was sie über ihre gerade gewonnene Bronzemedaille in Tryon denkt und warum die Freude am Reiten und das Wohl des Pferdes bei ihr seit dem ersten Tag an erster Stelle stehen.

Eine hochinteressante, kurzweilige und besondere Podcastfolge (nicht nur für alle Ingrid-Fans) mit wertvollen Trainingstipps und bewegenden Geschichten!

Dein Leitmotto ist „Reite zu deiner Freude“, warum gerade das? (01:00)
Ist die gesamte Familie Klimke pferdeverrückt? (01:37)
War von Anfang an klar, dass du selbst Profi werden möchtest? (04:48)
War es von Anfang an ein Reiz für dich, dich reiterlich vielseitig aufzustellen? (06:43)
Wie ging es dann für dich weiter? (08:43)
Ist dein Ziel schon immer gewesen, auf großen Championaten zu reiten? (16:13)
Hast du bei der Vielzahl an Turnieren überhaupt den Kopf frei, in Ruhe zu Hause zu reiten? (17:20)
Wie schaffst du es, dich immer wieder individuell auf jedes Pferd einzustellen? (19:45)
Wie kommen die Pferde zu dir? (23:49)
Ein großer Baustein in der Ausbildung bei dir ist die Cavaletti-Arbeit, warum legst du so viel Wert darauf? (28:22)
Die Lernvideos, die wir mit dir haben, sind wehorse-Klassiker und da sieht man dich immer zu Hause aber du nimmst die Cavaletti auch mit auf's Turnier, oder? (31:13)
Glaubst du, die Cavaletti-Arbeit ist eines deiner „Erfolgsrezepte“? (34:21)
Schaust du dir auch an, wie es die anderen machen und guckst dir etwas ab? (38:50)
Du schaust dir auch viel außerhalb der Vielseitigkeit bzw. des Dressurviereck an, was zum Beispiel? (39:45)
Eine wichtige Persönlichkeit in deinem Leben war Christopher Bartle, warum? (41:41)
Du selbst hast unglaublich viele Erfolge erreicht, wie wichtig sind dir solche Erfolge? (46:54)
Wie lange hängt dir so ein Fehler am letzten Hindernis, wie in Tryon, nach? (49:51)
Welche Ziele hast du für die Zukunft? (51:22)
Die 4 wehorse-Fragen (52:56)

5 Bewegungsideen für die Feiertage

1. Im Spiel die Freundschaft festigen

Egal, wie lange Du am Stall bist – eine Horsemanship-Einheit hilft Dir und Deinem Pferd, Eure Beziehung zu festigen und zu stärken. Wir haben so einige Lehrfilme für Einsteiger aber auch für Fortgeschrittene zum Thema Horsemanship und Freiarbeit auf wehorse. Bist Du Fortgeschritten? Dann schau’ Dir mal Jenny Wilds und Peer Claßens Film zum Thema „Freies Spielen mit dem Pferd“ an.  Die beiden möchten dazu anregen, in die Pferde hineinzufühlen und in jeder Situation zu entscheiden, was genau ihr zusammen macht. So ganz nebenbei ist währenddessen das Seil und das Halfter abgenommen. Sie üben die Aufgaben „Bleib bei mir“ oder auch das so genannte Zirkelspiel. Das sind Dinge für Menschen, die schon gut mit dem Thema Horsemanship-Übungen vertraut sind. Natürlich kannst Du Dir den Film auch ansehen, wenn der Weg noch weit ist – dann ist er eher eine Inspiration. Dahin können Dich die Filme der beiden Ausbilder führen, es ist schließlich eine große Serie von 22 Einheiten und sie beginnt ganz grundsätzlich und einfach. Es geht los mit ein bisschen Grundphilosophie und dann geht es im Teil 3 in die Praxis zum Thema „Partnerschaftliches Aufhalftern.“ Schau mal rein - es ist sehr interessant. 

2. Ab ins Gelände & dort gymnastizieren

So lange es möglich ist, geh' raus ins Gelände mit Deinem Pferd! Eis und glatt getretener Schnee kommen früh genug, dann geht's nicht mehr (für die allermeisten). Das Schöne an den Feiertagen ist: Wir alle können bei Tageslicht zum Pferd. Nutze die Gelegenheit, frische Luft zu genießen! Deinen Ausritt kannst Du gymnastisch aufwerten, indem Du Dir leichte Ansteigungen im Gelände suchst. Kurd Albrecht von Ziegner, ein inzwischen verstorbener Lehrmeister und hoch angesehener H.D.v.12-Vertreter, hat das so genannte Hangbahntraining etabliert. Die H.D.v.12 ist die ursprüngliche Schrift der Militärreiterei, welche die Grundausbildung des Pferdes beschreibt. Sie ist die Grundlage der deutschen Reitlehre. Dazu gehörte für Kurd Albrecht von Ziegner das Hangbahntraining, das er selbst entwickelte. Ideal sind für diese Art des Trainings 10 Prozent Gefälle, Du musst das aber nicht mit dem Lineal ausmessen. In unserem Lehrfilm nutzen die Schüler von Kurd Albrecht von Ziegner ein Waldstück dazu. Die Pferde lernen durch das ständige Auf und Ab, sich selbst besser zu tragen und auszubalancieren. Wie ein gut aufgebautes Training am Hang aussieht, kannst Du Dir hier im Film von Kurd Albrecht von Ziegner ansehen.

3. An der Longe springen lassen

Verschaffe Deinem Longieren mehr spannende Elemente! Gymnastiksprünge tun beinahe jedem Pferd sehr gut. Die Muskulatur lockert sich, die Pferde machen den Rücken auf, die Balance ist elementar wichtig und wird geschult. Auch Philippe Karl, der Ausbilder, der wie kein anderer für die Légèrté steht, nutzt diese Möglichkeiten gern für seine Pferde. In diesem Film siehst Du, wie er das Springen an der Longe für seine Pferde einsetzt. Achtung beim Aufbau der Sprünge: Verwende nur Elemente, an denen die Longe nicht hängenbleiben kann, zum Beispiel Cavaletti-Blöcke. Oder lege Stangen zur Sicherheit an die Ständer, so wie es auf unserem Bild zu sehen ist. Philippe Karl nutzt übrigens einen Kappzaum für diese Longenarbeit.

4. Die Arbeit an der Hand beginnen

Hast Du schon mal hineingeschnuppert? Die Arbeit an der Hand erleichtert später im Sattel vieles. Du kannst Dein Pferd ohne Gewicht im Rücken toll auf das Reiten vorbereiten und es mit Lektionen vertraut machen wie Schulter vor und Schulterherein. Schritt für Schritt zeigt Dir Ausbilderin Saskia Gunzer in unseren Filmen, wie der Einstieg gelingen kann. Für die Dreharbeiten hat sie nicht nur hervorragend ausgebildete Pferde genommen, sondern auch Pferde gezeigt, die noch ganz am Anfang stehen. Das anzusehen ist sehr hilfreich! Keine Scheu vor dem Einstieg – anfangs geht es um die korrekte Zügelhaltung und das Anhalten und Antreten. Wir haben hier im wehorse Blog auch einen ausführlichen Artikel zum Einstieg in die Arbeit an der Hand und Saskia Gunzers Trainingsgrundsätze, hier. Studiere den Artikel, den Film und probiere es dann einfach mal aus! Ein toller Vorteil im Winter: Du hast Dein Pferd, auch wenn es kalt und knackig ist, an der Hand sehr gut unter Kontrolle. Beim Longieren ist das nicht immer der Fall. Wenn Du longierst, solltest Du Dir sicher sein, dass Dein Pferd nicht einfach mal unkontrolliert nach vorn schießt vor lauter Übermut. Das kommt ja bei kaltem Wetter schon mal vor, ist aber nicht ungefährlich. Bei der Arbeit an der Hand kannst Du Dein Pferd hingegen sehr kontrolliert aufwärmen.

5. Neue gymnastizierende Übungen für Fortgeschrittene

Bemerkst Du, dass Du gern das gleiche Programm im Sattel abspulst? Brauchst Du ein paar frische Ideen? Schau’ Dir mal Peter Kreinbergs Film „Gymnastizierende Übungen für Fortgeschrittene“ an. Er wendet sich an Westernreiter, doch die Übungsabläufe sind reitweisenübergreifend gut nutzbar. Acht aufeinander aufbauende Übungen, die Übertreten und Seitengänge fokussieren, verhelfen die Schiefe des Pferdes und seine generelle Beweglichkeit zu verbessern. Zum Beispiel nutzt Peter Kreinberg eine Tonne (eine Pylone wäre eine Alternative), um voltenartig darum herum zu reiten und dann abwechselnd die Kruppe des Pferdes herein zu fragen oder die Kruppe heraus zu fragen. Im Film erklärt er seine Hilfengebung dazu ganz genau. Der Nutzen dieser Übung: Kontrollierte Diagonalbewegungen auf zwei Hufschlägen verbessern die Geschmeidigkeit des Pferdes. Die Tonne oder Pylone erleichtert es dem Pferd, die Linie zu halten. Viereck verkleinern und vergrößern zeigt er ebenso in diesem Lehrfilm. Beide Übungen sind Bausteine hin zu einer guten Traversale - und wer hat die wohl nicht auf seiner reitereichen To-Do- oder Ziele-Liste stehen?

 

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#40 Frage an Ingrid Klimke: Wann soll mein Pferd in Innenstellung gehen?

Es ist gar nicht so selbstverständlich, zu wissen, wann das Pferd wie gestellt werden soll! Gut, dass mal jemand fragt. Denn diese vermeintlich einfachen Fragen trauen sich viele Reiter nicht zu stellen. Unser Zuschauer Jury hat genau so eine Frage an Ingrid Klimke gerichtet. Sie beantwortet in unserer heutigen Videobotschaft die Frage:

Wann Reite ich in Stellung und wann nicht?

Wie ist das denn jetzt genau? Soll Jury sein Pferd ständig in Innenstellung reiten? Oder wann soll er es gerade richten? Und: Kann es sein, dass diese je nach Gangart unterschiedlich ist?

Innenstellung ja, Geraderichtung aber auch

Ingrid Klimke erklärt in ihrer Videobotschaft, bei welchen Bahnfiguren das Pferd gestellt sein sollte und wann nur ein Hauch von Stellung notwendig ist.

Was meint Stellung überhaupt?

Du überlegst, was Stellung und Biegung überhaupt unterscheidet und was man damit meint? Dann schau' Dir Britta Schöffmanns wehorse-Lehrfilm "Stellung erfragen, anwenden, korrigieren" zu diesem Thema an! Er ist der erste von fünf Filmen zu Stellung und Längsbiegung. 

Die wichtigsten Infos zum schnellen Nachlesen:

  • Im Trab, auf gebogenen Linien wie Zirkel, Volte oder in einer Wendung gilt: Das innere Auge schimmern sehen, das Pferd soll gestellt und gebogen sein.
  • Im Trab geradeaus: Das Pferd soll in sich gerade gerichtet sein. Wenn der Reiter aus einer Ecke herauskommt, richtet er das Pferd mit dem inneren Schenkel und äußeren Zügel gerade. Eine ganz leichte Stellung im Genick ist okay.
  • Im Galopp: Beim Linksgalopp ist das Pferd nach links gestellt, beim Rechtsgalopp Nachrechts gestellt
  • Beim Galopp darauf achten, dass das Pferd gerade gerichtet ist. Es soll in einer Spur bleiben und nicht auf zwei Hufschlägen gehen.

Wie Ingrid Klimke es praktisch handhabt

Du kannst Ingrid Klimke bei der Arbeit an korrekter Biegung und Stellung auch über die Schulter schauen – hier in einem der neuesten wehorse Lehrfilme zeigt sie, wie sie mit einer fünfjährigen Stute genau dies übt.

Stell' Deine eigene Frage

Regelmäßig zeigen wir Dir hier im Blog bei #FragIngrid Videonachrichten von Ingrid Klimke höchstpersönlich. Sie beantwortet Fragen von Euch, die Ihr uns gern einfach schicken könnt, hier steht, wie das geht. Die Reitmeisterin erzählte zum Beispiel schon an dieser Stelle, was zu tun ist,  wenn das Pferd hinter die Senkrechte kommt oder was Du tun solltest, wenn Dir Dein Pferd die Zügel aus der Hand ziehtWelche Frage hast Du an sie? 

 

Ruhige Pferde an Silvester: Clickertraining gegen Geräusche

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Nina Steigerwald ist Clicker-Expertin, arbeitet also mit positiver Verstärkung. Für Silvester übt sie mit Pferden, dass diese nicht nur Geräusche ertragen, sondern Geräusche selbst auslösen und aktiv auf diese zu gehen. Sie bringt ihnen bei, Luftpolsterfolie zu zertreten. Wenn es knallt, wird belohnt. Schon nach kurzer Zeit treten die Pferde begeistert so lange auf Luftpolsterfolie herum, bis diese durch das Zerplatzen ordentlich Krach macht.

Geräusche selbst auslösen statt nur tolerieren

Diese Übung hilft gegen Geräuschempflindlichkeit, erklärt Nina Steigerwald: „Das Pferd hat in dieser Situation die Kontrolle über Geräusche. Es ist nicht einer Situation ausgeliefert, sondern kann sie selbst bestimmen. Es bekommt dabei sogar noch etwas zu Essen! Deshalb speichert es die Situation als besonders positiv ab!“

Fluchttiere und Silvester

Das Fluchttier Pferd möchte naturgemäß ausweichen und fliehen. Stattdessen auf Geräusche zuzugehen, aktiv, das muss es lernen. Nina Steigerwald hat gefilmt, wie das Ergebnis des Trainings aussehen soll. Wie man das erreicht, erklärt sie im Folgenden. 

Was Du brauchst:

2 Menschen

1 großes Stück Luftpolsterfolie

1 Stück Plane

1 Clicker

1 Belohnungstasche

Grundlage für das Clickertraining

Vor dem Übungsbeginn soll das Pferd die wichtigste Übung, das höfliche Fressen, gelernt haben. Diese wird hier im wehorse-Film ganz genau erklärt, dieser Blogartikel hilft auch weiter. Ist das eingeübt, kannst Du anfangen.

Zunächst steht ein Mensch als Führperson beim Pferd, ein weiterer Mensch nimmt sich die Luftpolsterfolie und stellt sich in Entfernung auf. Wie weit entfernt, das kommt auf die Geräuschempfindlichkeit des Pferdes an. Je nach Pferd wählt man den Abstand, meist vier bis fünf Meter.

Anfangs zu zweit üben

Jetzt lässt der Mensch, der die Luftpolsterfolie in der Hand hat, ein Knallgeräusch entstehen, indem er einen Teil der Folie zerdrückt. Der Mensch beim Pferd klickt nach jedem Geräusch und füttert. Das wird wiederholt. Wie lange, „das kommt darauf an, wie mein Pferd reagiert“, sagt Nina Steigerwald. „Ich wiederhole die Übung mit dem gleichen Abstand zum Knallen, bis das Pferd freudig die Ohren spitzt. Wenn es nach pöff-Geräusch sagt: 'Wo bleibt mein Essen?', dann weiß man, dass die Verknüpfung pöff = Essen stattgefunden hat.“ Mit diesem Resultat kann der Abstand zwischen Folie und Pferd verringert werden. Dafür geht der Führende mit dem Pferd in Richtung Folie. Schritte des Pferdes werden nicht geklickt, ebenso wenig wie Stillstehen oder Höflichkeit. „Ich kümmere mich immer nur um ein Kriterium!“, sagt Nina Steigerwald. Das verhindert Verwechselungen, es macht das Training eindeutiger für das Pferd. „Dadurch dass es nur für das Pöff-Geräusch Futter gibt, mache ich das Pöff-Geräusch attraktiver!“

Das Pferd soll Krach machen

Irgendwann kommen der führende Mensch und das Pferd mit dieser Strategie bis zu dem Menschen, der die Plane zerdrückt. Sie stehen direkt voreinander. Jetzt wird gewechselt: Die Luftpolsterfolie wird auf den Boden gelegt. Die Plane wird auf die Folie gelegt, damit die Luftpolsterfolie nicht wegweht. Der führende Mensch zertritt nun selbst die Folie. „Es ist leichter für das Pferd, wenn der Mensch vorangeht.“ Nina Steigerwald lädt das Pferd körpersprachlich ein, mit auf die Plane zu treten: „Ich wende mich frontal zum Pferd, so dass ich und das Essen direkt vor der Pferdenase sind und gehe dann rückwärts. So erhöhe ich die Möglichkeit, dass das Pferd mir folgen wird. Jeder Huf, der trifft, wird geklickt und gefüttert.“ Du musst nicht befürchten, dass sich Dein Pferd erschreckt, wenn es erstmals auf die Folie tritt: „Wenn ich das Training so aufgebaut habe, gibt es kein Zurückzucken“, sagt Nina Steigerwald.

Silvester-Knallgeräusche sind gut!

Beim Pferd verankert sich nämlich schnell: 'Jeder Knall ist gut! Denn jeder Knall bedeutet Essen.' Tritt das Pferd auf die Plane, wird anfangs bei jedem hörbaren Knall eine besonders große Portion gefüttert. Irgendwann klickert und füttert Nina Steigerwald nur noch, wenn es wirklich knallt. Tritte des Pferdes auf der Plane, die kein Knallen auslösen, werden ignoriert. „So lernt das Pferd aktiv, die Knallzonen zu suchen“.  Nina Steigerwald ist sich sicher, dass dieses Training auch auf andere Situationen mit lauten Geräuschen abfärbt.

Geräusche von hinten akzeptieren lernen

„Bei einem Pferd, das Angst vor Knallerei an Silvester hat, würde ich auch das Von-Hinten-Knallen üben“, erklärt sie. „Geräusche von hinten sind nämlich die bedrohlichsten für Pferde.“ Hierbei arbeitet man wieder zu zweit. Ein führender Mensch belohnt das Pferd, wenn es die Knallerei von dem Menschen, der hinter dem Pferd mit der Luftpolsterfolie in der Hand steht, aushält. Stets nach dem Clickertrainings-Prinzip: Erst Klick, dann Futter. Belohnt wird, wenn das Pferd dem Impuls widersteht, nach vorn wegzugehen. Klick und Futter bleiben aus, wenn das Pferd sich wegbewegt. „Aus Pferdesicht ist es schlau und logisch, wegzugehen, wenn es knallt“, sagt Nina Steigerwald.

Gegen den Fluchtinstinkt arbeiten

„Pferde mit gutem Fluchtinstinkt sind diejenigen, die evolutionsbiologisch überlebt haben. Wir arbeiten in der zivilisierten Welt gegen die Natur, schaffen neue Erfahrungshorizonte.“ Dadurch, dass stehenbleiben Futter bringt, verändern wir die Erfahrungswelt des Pferdes. „Die Pferde werden mit dieser Erfahrung anders handeln und sich anders fühlen.“ Je häufiger das Pferd auf Geräusche und ruhig bleiben trainiert wurde, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch bei Extremsituationen wie Silvester gelassen bleibt.

Silvester-Erfahrungen von drei weiteren Ausbilderinnen

Auf meinem Blog www.alifewithhorses.de habe ich Dir noch aufgeschrieben, welche Silvester-Erfahrungen die Ausbilderinnen Sibylle Wiemer, Britta Schöffmann und Hannah Engler bisher mit ihren Pferden gemacht haben. Ich selbst werde dieses Jahr etwas Neues ausprobieren und lade drei Leserinnen und Leser ein, mitzumachen. Wie das geht, steht drüben!

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#wehorsewednesday | Anlehnung

wehorsewednesday Anlehnung

Es gibt kaum eine wichtigere Grundlage beim Reiten als eine korrekte Anlehnung. Nicht umsonst bildet sie zusammen mit Takt und Losgelassenheit die drei ersten Punkte der Ausbildungsskala. Man denke jetzt aber nicht, dass die Anlehnung nur für Dressurreiter auschlaggebend ist, dass sie eine starre Lektion sei, die „halt notwendig ist“, um sie auf dem Turnier abzurufen oder dass sie sich allein auf die Verbindung von Reiterhand und Pferdemaul bezieht – hinter einer korrekten Anlehnung steckt weit mehr und dem sollte sich jeder Reiter bewusst sein, egal in welcher Disziplin oder mit welchem Pferd er reitet. Dieser Beitrag erklärt, warum.

 

Was bedeutet „Anlehnung“ wirklich?

Der bekannte und geschätzte Reitmeister Major a.D. Paul Stecken war der Meinung, dass jeder Reiter die klassischen Grundsätze der Reiterei, wie sie schon in der H.Dv.12 niedergeschrieben stehen in- und auswendig kennen sollte. Schaut man dort nach, wird zum Thema Anlehnung zu aller erst darauf hingewiesen, dass die Hilfen, denen das Pferd als erstes lernen muss, zu folgen, die vortreibenden sind, durch die Schubkraft aus der Hinterhand entsteht. Dadurch tritt das Pferd an den Zügel heran und „es kommt zu einer bestimmten Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, die man Anlehnung nennt.“ (H.Dv.12, Seite 115f.)

Es wird auch im Folgenden darauf hingewiesen, dass die Schubkraft aus der Hinterhand eine unabdingbare Voraussetzung für eine korrekte Anlehnung darstellt. Eine Verbindung von Pferdemaul und Reiterhand, die durch eine rückwirkende Reiterhand entsteht, ohne dass das Pferd mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt tritt und den genannten Zug zur Hand entwickelt, ist nicht reell und dient nicht der pferdegerechten Ausbildung.

Merke: Bei der Anlehnung handelt es sich also vielmehr um eine Verbindung von der Hinterhand des Pferdes über seinen Rücken und dem Zügel zum Pferdemaul.

In diesem Video zeigt dir Dressurlegende Dr. Reiner Klimke, was mit dem Pferd passiert, wenn du es durch eine falsche Handeinwirkung zur Beizäumung zwingst oder seinen Kopf "herunterriegelst". Ein sehr sehenswertes Video, das im Anschluss natürlich auch zeigt, wie eine korrekt errittene Anlehnung aussieht:

Dressur im Detail Teil 1: Lösende Arbeit & Entwicklung der Anlehnung

(Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

In diesem Video mit wehorse-Trainer David de Wispelaere siehst du ein gutes Besipiel dafür, was "von hinten nach vorne reiten" wirklich bedeutet und dass die richtige Anlehnung mit Leichtigkeit und Selbsthaltung nur bei einer vermehrten Lastaufnahme der Hinterhand und einem durch den Körper schwingenden Pferd erreicht werden kann.
Hier geht es direkt zum Video. (Das vollständige Video siehst du nur, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

Im Video "Anlehnung Folge 1: Zu leicht und manchmal etwas eng - was tun?" mit Dressurstar Uta Gräf bekommst du großartige Inspirationen und Anleitungen für das Entwickeln des Zuges zur Hand und damit einer korrekten Anlehnung. Uta zeigt dir deutlich, wie ein falscher Knick entstehen kann und wie du ihn konsequent vermeidest. Das Vorwärts und das Zum-Treiben-kommen ist dabei essentiell.
Hier geht's direkt zum Video. (Das vollständige Video kannst du nur sehen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

Noch einmal zusammengefasst:

Was Anlehnung nicht ist

  • Eine starre Verbindung von der Reiterhand zum Pferdemaul
  • Das Gefühl von Druck oder sogar viel Gewicht auf dem Zügel
  • „Vorne ziehen, hinten dagegen treiben“
  • Ein Ziehen oder starres, anhaltendes Durchhalten mit der Hand
  • Ein Fixieren des Pferdekopfes und -halses (ggf. mit Hilfszügeln) in eine feste Position

Was Anlehnung sein sollte

  • Eine federnde und flexible Verbindung von Reiterhand und Pferdemaul, die durch das Herantreten des Pferdes an den Zügel entsteht, das wiederum auf der Schubkraft aus der Hinterhand basiert.
  • Kommunikation: Ein Dialog zwischen Reiter und Pferd, bei dem der Reiter dem Pferd „zuhört“ und fein auf seine Bedürfnisse reagiert.
  • Eine Haltung des Pferdes, in der es über den Rücken schwingt und mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt tritt, basierend auf Takt und Losgelassenheit.

Übrigens: Anlehnung ist nicht mit der sogenannten Beizäumung zu verwechseln. Anlehnung heißt also nicht immer gleich das typische "Am-Zügel-gehen", das häufig fälschlicher Weise damit gleichgesetzt wird. Die Beizäumung ist vielmehr ein mögliches Resultat aus einer korrekten Anlehnung, bei der das Genick der höchste Punkt ist, der Hals des Pferdes gewölbt und die Nase vor oder höchstens an der Senkrechten.

Ab Minute 07:45 in diesem Video erklärt wehorse-Trainerin Anja Beran, warum es bei der jungen Remonte zum Beispiel enorm wichtig ist, den Hals erst einmal lang werden zu lassen und dem Pferd Freiheit in seiner Halshaltung zu geben, um die Freude am Vorwärts zu erhalten und den Hals später richtig formen zu können. Hier siehst du, wie du dir mit der richtigen Vorgehensweise bei deinem jungen Pferd später keine Sorgen um einen zu engen oder zu tiefen Hals machen musst:

Rüdiger Teil 2: Erstes Ausbalancieren und Anfänge des Schenkelweichens
(Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

 

Anlehnung ist FÜR das Pferd

Warum reiten wir eigentlich in Anlehnung? Jedenfalls nicht, damit es schön aussieht. Eine korrekte Anlehnung ist eine Unterstützung für das Pferd, im wahrsten Sinne des Wortes „darf es sich anlehnen“ und sich vertrauensvoll vom Reiter führen lassen. Die Anlehnung hilft dem Pferd, sich auszubalancieren und unterstützt das gemeinsame Gleichgewicht von Pferd und Reiter.

Denn was passiert bei einer richtigen Anlehnung im Hals des Pferdes? Ziel ist, dass die Oberhalsmuskulatur arbeitet und den Hals trägt.

Merke: Ist ein Pferd fertig ausgebildet und trägt sich in der Versammlung in absoluter Aufrichtung selbst, entfällt die Verbindung zu Maul fast gänzlich. Ein weiteres Indiz dafür, dass Anlehnung auch eine ganz feine und vor allem flexible Verbindung von der Reiterhand zum Pferdemaul bedeuten kann, die zeitweise kaum noch zu spüren ist aber jederzeit bei Bedarf wiederhergestellt werden kann.

Im Video "Anlehnung Folge 2: Anlehnung und Aufrichtung jederzeit selbst bestimmen können" zeigt Uta Gräf dir erstens, wie diese Form der Anlehnung bei einem fertig ausgebildetem Grand-Prix-Pferd aussieht aber zweitens auch, wie du trotzdem weiterhin an der Anlehnung arbeiten solltest. Ziel ist, dein Pferd in jedem Moment mit der richtigen Reaktion zu unterstützen und Anlehnung oder Selbsthaltung jederzeit selbst bestimmen zu können.
Hier geht's direkt zum Video (Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist).

Was passiert, wenn wir ohne Anlehnung reiten?

Das Pferd hat dann im wahrsten Sinne des Wortes nichts und niemanden zum Anlehnen, es ist auf sich allein gestellt. Man sieht manchmal, dass Reiter Angst davor haben, zu viel einzuwirken und ihrem Pferd zu schaden und dann die Zügel lieber die ganze Zeit ganz durchhängen lassen. Der Gedanke, nicht ziehen oder rückwärts einwirken zu wollen, ist ja richtig, wenn aber überhaupt kein Kontakt und keine Anlehnung bestehen, lässt der Reiter sein Pferd leider aber völlig im Stich.

Manche Pferde kommen damit zurecht, man sieht bei ihnen dann allerdings häufig ein Laufen auf der Vorhand ohne viel Hinterhandaktivität, was in einem nicht schwingenden Rücken und langfristig Rückenproblemen und falscher Haltung resultiert.

Andere Pferde neigen zum Rennen und manche unsicheren oder wenig geübten Reiter trauen sich kaum mehr, sie zu reiten, weil sie immer Angst vor einem Durchgehen haben. Man erntet dann erstaunte Blicke, wenn man ihnen sagt, sie sollen treiben. Denn treiben bedeutet ja nicht immer ein Schneller-Werden-Wollen, sondern eben auch ein Aktivieren der Hinterhand mit dem Ziel des Herantretens an den Zügel. Dasselbe „rennende“ Pferd kann man dann plötzlich beobachten, wie es deutlich langsamer wird, es sich zufrieden an der Reiterhand „anlehnt“ und bei dem man richtig zum Treiben kommt – es brauchte die Unterstützung, die Führung und die Balancierhilfe, die eine korrekte Anlehnung mit sich bringt.

Merke: Anlehnung ist für alle Pferde und Reiter wichtig, nicht nur Dressurpferde oder -reiter!

Im Video "So lernen Pferde Reiterhilfen Teil 3: Lerntheorie - Zügel- und Schenkelhilfen" erklärt und zeigt wehorse-Trainerin Dr. Britta Schöffmann dir nicht nur ganz genau, wie die Zügel- und Schenkelhilfen richtig funktionieren und wie dein Pferd sie richtig versteht, sondern ab Minute 04:00 auch, was passiert, wenn du die Zügelverbindung zu deinem Pferd generell oder beim Nachgeben wegschmeißt. Ein absolut sehenswertes Video mit vielen wichtigen Grundlagen und hilfreichen Übungen zur korrekten Anlehnung!

Hier geht's direkt zum Video. (Hinweis: Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

 

Gängige Anlehnungsfehler und passende Lösungsansätze

Bei einem jungen Pferd, das am Anfang seiner Ausbildung steht, geht es deshalb darum, erst einmal sein Vertrauen zur Reiterhand zu gewinnen, ihm zu zeigen, dass es sich anlehnen darf und dass diese Verbindung angenehm ist und ihm halt gibt. Das darf man natürlich nicht mit einem Lehnen auf die Reiterhand verwechseln, bei dem das Pferd das ganze Gewicht seines Kopfes und Halses auf dem Zügel ablegt. In diesem Fall muss die Hinterhand wieder mehr aktiviert, das Vorwärts gefördert und die Schubkraft mehr entwickelt werden.

Im Video "High Noon Teil 1: Longenarbeit & Korrektur der Anlehnung" zeigt der französische Reitmeister Philippe Karl, wie er mit dem Hannoveraner High Noon mit Abkauübugnen am Boden und der richtigen Einwirkung im Sattel eine vertrauensvolle Anlehnung entwickelt. Man kann gut sehen, wie der Wallach erst den Zug zur Hand entwickeln lernen muss und kann erahnen, dass er früher ständig versuchte, sich hinter dem Zügel zu verkriechen oder mit der Nase hinter die Senkrechte zu kommen. Eine sehr gute Demonstration einer flexiblen Hand und eines ständigen Dialogs zwischen Pferd und Reiter!

Hier geht es direkt zum Video.
(Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

Höre in dein Pferd rein: Verkriecht es sich eher hinter dem Zügel oder spürst du gar keine Verbindung oder gar keinen Zug zur Reiterhand? Dann fokussiere dich auf das Vorwärts, den Fleiß und die Aktivierung der Hinterhand. Sobald du einen leichtes Herandehnen spürst, gibst du sanft nach und ermöglichst eine angenehme Anlehnung (kein Wegschmeißen des Zügels!). Legt sich dein Pferd auf den Zügel und lässt die Hinterhand schleifen, kann eine kurze Parade nach oben helfen (du wirkst dann auf die Maulwinkel ein und nicht auf die sensible Zunge) und natürlich auch hier die Aktivierung der Hinterhand und die Entwicklung der Schubkraft.

Im Video "Just Paul Folge 4: Treibende Hilfen & feine Anlehnung" weist Paul Stecken genau auf die Momente hin, in denen der Wallach Just Paul zu eng wird und im Genick falsch abkippt - wunderbar, um einen Blick für die richtige Anlehnung zu entwickeln! Ingrid Klimke reagiert prompt und zeigt dir, wie sie den Wallach dazu motiviert, mehr Schubkraft nach vorne zu entwickeln und mit der Nase wieder vor die Senkrechte zu kommen. Schau dir vor allem die Sequenz ab Minute 04:00 an!
Hier geht's direkt zum Video.
(Das vollständige Video kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

In der Serie "Uta Gräf & Lenny Teil 1 bis 4" kannst du dir wunderbare Übungen, Tipps und Inspirationen holen, wenn dein Pferd dazu neigt, sich eng zu machen, hinter die Senkrechte zu kommen oder sich hinter dem Zügel verkriechen zu wollen. Uta ist eine Meisterin darin, die richtigen Hilfen zur richtigen Zeit zu geben, den Zug zur Hand zu entwickeln und dem Pferd genau die Unterstützung zu geben, die es gerade braucht - absolut sehenswert!
Hier geht es zu Teil 1.

(Die vollständigen Videos kannst du dir nur anschauen, wenn du bei wehorse angemeldet bist.)

Zum Schluss möchten wir dir noch das Video "Stellung & Biegung: Geschmeidigkeit und Anlehnung verbessern" mit Ingrid Klimke ans Herz legen. Hier siehst du noch einmal deutlich, wie du dein Pferd mit einer ruhigen, flexiblen Hand unterstützen kannst und mit welchen Übungen du die Hinterhand deines Pferdes aktivieren kannst, um Schubkraft und den Zug zur Hand zu entwickeln.

Hier geht's direkt zum Video.

Fazit: Höre deinem Pferd zu! Anlehnung ist nicht bei jedem Pferd gleich, vor allem nicht der Weg dorthin. Achte darauf, welche Unterstützung dein Pferd von dir braucht und bleibe vor allem immer flexibel mit deiner Hand. Anlehnung ist ein ständiger Dialog mit dem Pferd und entsteht immer über das Vorwärts, den Fleiß der Hinterhand und die Schubkraft nach vorne. Überprüfe immer wieder, ob deine Anlehnung noch reell ist, ob du mit deinem Pferd kommunizierst, ob du nicht zu wenig oder zu viel in der Hand hast und ob dein Pferd wirklich von hinten nach vorne durch den Körper schwingt. Schau dir die Videos immer wieder an, gehe sie in Gedanken auf dem Pferd durch und werde immer besser in der feinen Hilfengebung und im Erfühlen der richtigen Anlehnung. Berate dich eventuell auch mit Freunden, natürlich deinem Reitlehrer - und deinem Pferd. Viel Spaß beim Üben und Besserwerden!

Daniel Göhlen, Gründer von Black Horse One, über die „Spectator Judging“-App und die Zukunft des Richtens

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Im Interview mit Christian Kröber berichtet Daniel Göhlen in unserer neuen Podcastfolge über seinen spannenden Weg vom Dressurreiter zu dem Betreiber der „Spectator Judging“-App, die es dem Zuschauer ermöglicht, die Reiter auf einem Turnier live mit zu bewerten.

Höre dir an, wie die App funktioniert, wie du mitmachen kannst und warum nicht nur die Zuschauer davon profitieren, sondern auch die Richter und Reiter auf den Turnieren. Erfahre im Laufe des Gesprächs, woher die Idee zur Spectator Judging-App zusammen mit dem Unternehmen SAP kam, wie es mit eDressage und dem Kür-Regelsystem weitergeht und welche spannenden Projekte die Pferdewelt in Zukunft vom Unternehmen Black Horse One erwarten kann.

Eine spannende Folge mit interessanten Ausblicken auf die Zukunft des Richtens im Turniersport!

„Spectator Judging“, was kann ich mir darunter vorstellen? (01:13)
„Spectator Judging“ ist eins von drei großen Projekten unter dem Dach von Black Horse One. Wie seid ihr darauf gekommen? (02:24)
Wie funktioniert die Spectator Judging-App? (03:40)
Wie ist dein Background? (07:18)
War deine Erfahrung als Dressurreiter auch ein Impuls dafür, die Spectator Judging-App zu realisieren – zu verstehen, warum man wie bewertet wurde? (07:44)
Reitest du noch aktiv? (08:32)
Ihr seid sehr viel unterwegs, wie viel Turniere bestreitet ihr mit der App im Jahr? (09:15)
Welche Turniere waren aus deiner Sicht die Highlights? (09:44)
Seid ihr nur im Dressursport unterwegs? (10:31)
Wie bewerten die Reiter auf den Turnieren euch als Unternehmen? (12:44)
Machen sie selbst auch bei der App mit? (13:30)
Ihr plant etwas Ähnliches wie Kicktipp im Pferdesport, damit die Leute dann zu Hause mit voten können. Wie kann ich mir das vorstellen? (16:55)
Ihr habt noch zwei weitere Projekte, unter anderem eDressage - was ist das? (20:05)
Testet ihr das System eDressage gerade? (25:14)
Glaubst du jeder Veranstalter könnte das System anwenden? 27:25
Das dritte Projekt ist das Kürsystem, ein System, dass die Bewertung von Küren vereinfacht, was kann ich mir darunter vorstellen? (29:40)
Wohin soll es in Zukunft für euch gehen? (38:13)
Die 4 wehorse-Fragen (39:41)

Erstes Anbinden, Longieren & Satteln: Tipps zur Grunderziehung von jungen Reitpferden

Ein gelungener Einstieg ins Reitpferdeleben ist viel wert. Deshalb widmen Uta Gräf und ihr Mann Stefan Schneider dieser Phase viel Aufmerksamkeit.

Stefan Schneider ist derjenige auf Gut Rothenkircherhof, der mit den Bereiterinnen die ganz jungen Pferde in den Händen hat. Uta Gräf hat schon häufig erzählt, dass die Grunderziehung durch ihren Mann ihr viel Arbeit abnimmt. Denn die Pferde kommen mit reichlich Vorwissen und Gelassenheit in den anschließenden Beritt.

Anreiten á la Uta Gräf und Stefan Schneider

Grund genug, nachzufragen, wie das eigentlich abläuft, wenn bei Stefan Schneider ein junges Pferd ankommt. Aktuell hat er fünf Pferde zum Anreiten auf der Anlage. „Am liebsten nehme ich komplett rohe Pferde“, erklärt er.  

Der Zaum ist wichtig

Zu Beginn arbeitet er mit einem Controller-Halfter. „Ich reguliere über die Nase und möchte keinen Druck im Genick aufbauen“, erklärt er. Daher greift er zu diesem Werkzeug, das ein zusätzliches flexibles Seil auf dem Nasenrücken angebracht hat. Es ist im ersten Bild oben zu sehen. Es wirkt ähnlich wie ein Knotenhalfter, nur ohne dünne Schnur im Genick und ohne seitliche Knoten, die Druckpunkte übertragen. „Das Genick ist mir heilig“, sagt er. Außerdem vermutet er, dass die Pferde schneller verstehen, wenn nur ein Punkt angesprochen wird. Früher hat er auch schon mal zur Nasenkette gegriffen, die auf dem mittleren Bild dieser Seite zu sehen ist. Heutzutage bevorzugt er das Seil des Controllers, „Es ist sanfter und man kann es im Gegensatz zur Kette jedem in die Hand drücken."

Vier wichtige Signale

Noch bevor das junge Pferd erstmals angebunden wird, arbeitet er es frei im Roundpen. Vier Dinge übt Stefan Schneider dann: Auf ein Küsschen-Geräusch hin soll das junge Pferd voran gehen. Auf das Wort „Easy“ soll es eine Gangart niedriger wählen, auf das Wort „Ho“ hin soll es stoppen. Schnalzen bedeutet: Hinten schneller werden. Dieses Kommando wird später eingeübt als die anderen drei Varianten. Wer sich das im Bewegtbild ansehen möchte, kann hier den Film „Jungpferde am Boden vorbereiten" auf wehorse ansehen.

Ohne Ausbinder longieren

Ausgebunden wird bei ihm kein junges Pferd: „Ich möchte die jungen Pferde nicht ausbremsen“, erklärt er. Es könne nämlich verwirren, wenn das Pferd nach vorn geschickt wird per Küsschen-Geräusch, aber dann im Maul ungewollt gebremst wird. Nämlich dann, wenn es spürt, dass da der Weg nicht ganz frei ist. „Die sollen vorn erst mal ins Leere laufen, sie sollen lernen, da ist Luft! Es macht Spaß, nach vorne zu gehen“, erklärt der Ausbilder. Wichtig ist, dass die jungen Pferde auf seine Körpersprache und seine Stimmkommandos achten.

Nasendruck verstehen lernen

Ebenso lernen sie, was der Druck an der Nase bedeutet: „Sie verstehen: Wird es eng an der Nase, dann soll ich etwas tun.“ Er erklärt ihnen das Rückwärtsrichten und das Nach-Vorne-Senden am Controller-Halfter. Dies ist ein ganz wichtiger Baustein für alle weiteren Dinge. Besonders wichtig ist es, dass die Pferde diese Signale vor dem ersten Anbinden lernen. So lassen sich nämlich Unfälle vermeiden.

Auch für das Verladen später ist diese Lektion essentiell. Ein Annehmen des Stricks, an dem das Nasenseil des Controller-Halfters eingehakt ist, bedeutet: Einen Schritt vorgehen. Wirkt Stefan Schneider rückwärtig ein, dann bedeutet das für das Pferd, einen Schritt zurück machen.

Longieren im Roundpen

Es folgt das Longieren im Roundpen. Dabei müssen die jungen Pferde lernen, auf Stefan Schneiders Körper zu achten. „Schubsen ist ein no go! Um zu verstehen, warum, hilft es, Pferde auf der Koppel zu beobachten: Keiner drängelt sich da an einen Ranghöheren heran!“ Im Gegenteil, „der Ranghöhere lässt die anderen mit einem Ohrenwackeln weichen und genau so einen Code müssen auch wir Menschen mit unseren Pferden ausmachen.“ Klare Regeln sind ihm wichtig.

Horsemanship-Basics für Jungpferde

Er lehrt seine Jungpferde, dass sie sich zurückziehen sollen, wenn er seine Körperfront zeigt und auf sie direkt zugeht. Geht er hingegen vom Pferd weg und dreht seine Schulter mit, dann soll das Pferd ihm folgen. „Das verstehen die Pferde ganz schnell!“ Er macht diese Grundlagenarbeit und seine Bereiterinnen übernehmen die jungen Pferde im Anschluss. Sie verwenden genau die gleiche Körpersprache, „das ist wichtig!“ Mit der Zeit wird diese Hilfengebung immer feiner, so soll es sein, denn „da verhält es sich wie in der Reiterei: Brauche ich viel Körpereinsatz, dann ist da ein Fehler im System.“

Anbinden ist eine schwierige Übung

Erst danach bindet Stefan Schneider die jungen Pferde erstmals an. „Nach dem Longieren, dann ist das Pferd warm und der Schwung heraus.“ Er macht das gern in einer Box, damit das Pferd eine Begrenzung nach hinten hat. Das Pferd trägt dabei ein breites Halfter mit breitem, weichem Genickteil. Das Pferd wird am Halfterring angebunden. Einen zweiten Strick, der in das Controller-Halfter eingeklickt ist, hält Stefan Schneider in der Hand. „Hier müssen die Pferde lernen: Anbinden bedeutet stehenbleiben, also auf keinen Fall einfach so zurückgehen.“ Er möchte auf jeden Fall verhindern, dass sich das junge Pferd ins Halfter hängt. Passiert dies, kann er das schon bekannte Signal für „Vortreten“ per Controller-Halfter geben. Denn die Nasenschnur des Halfters wird ja durch das Anbinden nicht genutzt, ist also weiterhin flexibel und darüber kann er gezielt einwirken.

Akupressur zur Beruhigung

Mit dieser Vorgehensweise hat Uta Gräfs Mann bisher die besten Erfahrungen gemacht. Er nutzt zur Beruhigung beim Anbinden gern einen Akupressurpunkt zwischen Hals und Schulterübergang. „Ich lasse Ruhe walten und gebe dem Pferd das Gefühl, dass wir alle Zeit der Welt haben“, erklärt er.

Desensibilisieren mit einer Schabracke

Der nächste Schritt in seiner Jungpferde-Grundschule ist das Aussacken. Das bedeutet, dass das junge Pferd desensibilisiert wird: Es lernt, keine Angst zu haben, wenn eine Schabracke seine Beine, seinen Rumpf, Kopf und Hals berührt. „Wenn das junge Pferd hierbei nicht mehr zuckt, kann ich den Sattel hinzunehmen.“ Noch mehr Trainingsideen zum Thema Desensibilisieren sind in diesem wehorse Film mit Stefan Schneider zu sehen. 

Immer mehr Pferde mit Sattelzwang

Dieser Schritt ist im Laufe der Jahre schwieriger geworden, hat Stefan Schneider beobachtet: „Es gibt immer mehr Pferde, die sehr sensibel auf den Sattel und das Gesattelt-Werden reagieren“, erzählt er. Viele Jungpferde, die schon zuvor angeritten wurden oder bei denen dies versucht wurde, kämen mit Sattelzwang-Problemen zu ihm. Aber auch rohe Jungpferde wären heutzutage sensibler als noch vor wenigen Jahrzehnten. „Die Zucht ermöglicht uns tolle Sportpferde zu haben, die jedoch auch immer sensibler und feiner in der Haut werden.“ Darauf muss er Rücksicht nehmen, daher wird das Satteln schrittweise eingeführt. Er mahnt Jungpferdebesitzer, vor allem bei Sattelanproben vor Sattelkäufen vorsichtig zu sein: „Mehrmals schnell auf- und absatteln kann ein junges Pferd innerhalb von einem Tag für lange Zeit verpfuschen!“

Jungpferde an der Doppellonge

Bevor er zum Satteln übergeht, lernt das junge Pferd zudem, seine Hinterhand zu verschieben. Bei ihm lernen die jungen Pferde das an der Doppellonge, die Stefan Schneider ohne Umlenkrollen nutzt. Für das erste Satteln bindet er das junge Pferd an und hält auch wieder einen zweiten Strick in der Hand, der zum Nasenseil des Halfters führt. „Wichtig ist, nicht zu fest zu gurten“, erklärt er. Er möchte auf jeden Fall vermeiden, dass das junge Pferd mit dem Sattel losbockt – „ich möchte die Situation in jedem Moment unter Kontrolle haben.“ Er gurtet peu a peu nach und verwendet einen breiten Gurt mit Schaumstoffkreuz am Brustbein, der den Druck besonders gut verteilt. Dann lässt er das Pferd mit Sattel vor- und zurücktreten, so weit das geht, es ist ja angebunden. „So vermeide ich Sattelzwang und habe alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit ich die Situation kontrolliert positiv abschließen kann.“  Das Pferd erlebe durch den Sattel „ein Engegefühl, das in einer Angst münden kann. Doch wenn ich sie in Ruhe kontrolliert bewege, dann geht die Angst weg.“

Longieren des Jungpferdes mit Sattel

Danach longiert er die Pferde auch mit Sattel. Dieser Schritt liegt noch lange vor dem Reiten: Denn bevor ein Mensch auf den jungen Pferden im Stall Schneider und Gräf sitzt, geht Stefan Schneider mit den Jungpferden ins Gelände. Dafür nutzt er die Doppellonge. Wie er das genau macht, und mit welcher ungewöhnlichen Methode die jungen Pferde bei ihm erstmals den Menschen im Sattel spüren, das wird in einem weiteren Blogartikel zu lesen sein.

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