Über Weidegräser, einen besseren Galopp und viele Testergebnisse: Neu gelernt in 2018

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Die hilfreichste Übung für einen Galopp in guter Selbsthaltung, meine Suche nach den besten Gebissen und welches Gras ich gern von meiner Weide verbannen würde.

 1. Auf der Jungpferdeweide

Es braucht einige Saisons, das eigene Weideland mit seinen Gräsern, Kräutern und Unkräutern kennen zu lernen. Auch, wie viele Pferde davon satt werden, weiß ich erst seit diesem Jahr. Es geht um meine Jungpferdeweide, die ich seit zwei Jahren bewirtschafte. Natürlich kannte ich Zahlen zuvor theoretisch – man geht von einem Hektar pro Pferd bei Ganzjahresnutzung und von 0,5 Hektar pro Pferd bei Halbjahresnutzung aus. Dennoch ist jede Weide anders und je nach Rasse, Alter und Größe fressen die Pferde unterschiedlich viel. Im ersten Jahr meiner Jungpferdeweide hatte ich viel zu viel Gras. Oder zu wenige Pferde drauf, wie man möchte. Ich ließ deshalb eine Weide mehr mähen, als ich das eigentlich geplant hatte. Im zweiten Jahr war das Gras wegen der Dürre eher knapp – ich kam zwar viel länger damit aus, als die meisten anderen, aber musste ab Ende September dann doch Heu zu füttern. Gelernt also: Ein Mittelding ist richtig. Bei Halbjahresnutzung passt bei mir so ungefähr ein Wert von 0,7 Hektar je Pferd. Die kleinen Höhepunkte der eigenen Graswirtschaft: Um das Deutsche Weidelgras zurückzudrängen und mehr Grassorten mit geringerem Fruktangehalt anzusiedeln, habe ich endlich einen Samenlieferanten gefunden, der biozertifiziert ist (brauche ich nämlich). Verbannen sollte man Deutsches Weidelgras jedoch auch nicht komplett (wer das schon mal versucht hat, lacht sich an dieser Stelle kaputt, weil das eh kaum möglich ist). Deutsches Weidelgras ist zäh und hilft dabei, den Boden trittfest zu erhalten.

Noch ein kleiner, großer Höhepunkt: Gelernt habe ich auch in diesem Jahr, dass mich zehn Minuten Wasser kontrollieren und etwas Fellkraulen besser entspannen als irgendwas anderes (und das sieht man auf dem Bild da oben, auf dem ich mit zwei der Jungstuten zu sehen bin, ziemlich gut, finde ich!).

2. Ausrüstung, unser großes Thema: Gebisse

Ein durchschlagender Erfolg war das Umstellen der Gebisse bei beiden Stuten, die ich reite. Welche Gebisse ich ausprobiert habe (sehr, sehr viele!) und welche für uns am besten waren, habe ich direkt auf dem Blog aufgeschrieben. Es ist ein richtig großer Test geworden - der sich aber definitiv gelohnt hat!

3. Reiterlich: Besseres Tragen im Galopp

Meine spontane Antwort wäre bezüglich meiner Reitfortschritte: „Ähh, keine Ahnung! Nichts, denn es muss ja noch dies und jenes und das noch besser werden!“

Aber das kann ja nicht sein. Logisch ist das nicht möglich: Ich habe in 2018 privat an sieben Reitkursen teilgenommen, dazu noch Unterricht genommen und viele Ausbilder und Unterrichtseinheiten beruflich angesehen. Kann ja nicht sein, dass das nichts an mir, meinem Reiten und den beiden Stuten verändert hat (außer ich wäre jetzt komplett beratungsresistent). Dieses nicht Wahrnehmen von Erfolgen kennt übrigens die Psychologie, auch Mentaltrainer aus dem Reitsport haben mir schon davon erzählt: Man nennt das unbewusstes Verschieben von Zielen (oder sich selbst beschummeln und nie zufrieden sein!). 

Es ist natürlich Typsache, ob man denkt: „Oh ja, ich bin meisterlich weitergekommen!“ oder eher denkt: „Kann’s immer noch nicht.“ Doch in beiden Fällen hilft, sich genau anzuschauen wo man mal stand und wo man heute steht.

Wie gut, dass ich Notizen aus den Kursen habe und nachsehen kann, welche Aufgaben wir wann bekommen haben!  

Heimliches Verschieben von Zielen

Also, Faktencheck: Mein Aufgabenzettel von 2017 liest sich heute total selbstverständlich, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass einige Sachen, die da stehen, irgendwann mal nicht funktionierten. Ein Beispiel: Da stand  auf meinem Aufgabenzettel „Antraben nur in dem Moment, wenn sie sich an die Hand herandehnt.“ Das ist heute zum Standard geworden. Oder: „Auf Sensibilität und prompte Reaktion auf den Schenkel achten.“ Können wir ebenso einen Haken dran machen.

Der Aufgabenzettel von 2018 ist mir viel näher, da ist noch nicht alles drauf abgearbeitet. Was besser geworden ist: Die Anlehnung ist weniger störanfällig geworden.

Drauflegen auf's Gebiss im Galopp

Der Galopp von Warmblutstute Ailena hat sich außerdem stark verbessert. Sie legte sich im Galopp zu sehr auf die Hand. Das ist viel besser geworden, auch dank einer sehr ungewöhnlichen Übung.

Eine sehr effektive Übung für den Galopp

Claudia Butry empfahl mir, auf einem verkleinertem Zirkel Schritt-Galopp-Schritt Übergänge zu reiten. Das Ungewöhnliche daran: Ich sollte das ohne Zügelkontakt tun, mit hingegebenen Zügel. Damit Ailena sich selbst tragen muss und sich nicht auf die Hand stützen kann. Ich kam mir vor wie ein Westernreiter und musste ziemlich lachen bei der Übung. Ailena fand die Übung großartig und machte von Beginn an begeistert mit. Dann sollte ich – innerhalb einer Einheit – das gleiche mit Zügelkontakt reiten, aber daran denken, dass ich den Zügel eigentlich nicht brauche. Das hat viel Spaß gemacht und vor allem auch langfristig richtig viel gebracht. Heute fühlt sie sich stets leicht an im Galopp. Ich kann mir kaum mehr vorstellen, dass das mal anders war!

Wie sieht es bei Dir aus? Was war vor einem Jahr noch anders, als heute?

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