Leichttraben – worauf Du dabei noch nie geachtet hast

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Hoppla, Überraschung: Leichttraben gibt es in etlichen Qualitäten. Leichttraben ist nicht einfach irgendwann mal gelernt und dann ist es erledigt. Das erste Mal begegnete mir dieses Thema in einem Interview mit Dressurausbilder Falk Stankus. Er sagte in einem Nebensatz zu mir: „ Na, Du kannst ja mit der Art, wie Du leichttrabst, das Pferd beeinflussen.“ Er sagte das, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Für mich war das damals, es ist ein paar Jahre her, eine neue Information. Ich kannte schneller und langsamer aufstehen, um das Tempo zu beeinflussen. Aber mehr? Noch genauer differenzieren? Wie denn bitte das?

Leichttraben ist nicht nur ein Thema für Anfänger

Zu diesem Zeitpunkt ritt ich seit Jahrzehnten und arbeitete auch als Fachjournalistin seit Jahrzehnten. Leichttraben war selbstverständlich und nur Anfänger mussten sich genauer damit beschäftigen. Dachte ich.

Eine erbärmliche Reitstunde

Das war nämlich nur die halbe Wahrheit. Manchmal gibt es ja so Ideen, Gedankenansätze, die kommen plötzlich aus ganz vielen Richtungen auf einen zu, bis man ihnen nicht mehr ausweichen kann. Das nächste Mal erwischte mich das Thema Leichttraben eiskalt in einer Reitlehrerstunde. Ich habe so einen Trainer-C-Schein und gebe hobbyhalber Kinderreitunterricht.

Trainerfortbildung und Runde um Runde leichttraben

Zur Fortbildung der Reitlehrer, also für meine Kolleginnen und mich, war ein externer Trainer eingeladen. Wir ritten die Schulpferde, alle gemeinsam in einer Einheit. Mich ließ der eingeladene Trainer (wir kannten ihn alle zuvor nicht) nur leichttraben. Das war meine einzige Aufgabe. Die ganze Stunde lang. Ich war extrem frustriert, auch, weil die Anweisungen dazu so schwammig waren, dass ich keine einzige davon behalten habe (ich schreibe daher jetzt auch nicht den Namen des Reitlehrers dazu - es war keine Stunde, die ich nochmal erleben müsste).

Natürlich ist es frustierend, wenn Du zu einer Trainerfortbildung gehst und eine Stunde nur Leichttraben sollst. Das einzige, was hängen blieb: Irgendwas an meinem Leichttraben war anscheinend nicht gut.

Elaine Butler kann's erklären

Dann aber kam Elaine Butler in mein Leben mit der Mary-Wanless-Sitzschulungsmethode. Endlich war da jemand, der mir erklären konnte, was es da noch an so etwas simpel erscheinendem wie dem Leichttraben zu entdecken gibt. Sie konnte das in Bruchstücke zerlegen und es klang logisch. Deshalb hatte ich auch Lust, mich damit noch mal genau zu beschäftigen.

Tritte raumgreifender machen durch Leichttraben

Endlich kapierte ich, was man mit Leichtraben so alles anfangen kann. Die Tritte eines Pferdes zum Beispiel nicht nur im Tempo zu variieren, sondern auch in deren Größe, sie raumgreifender machen.

Brustkorb anheben durch korrekte Technik im Leichttraben

Die Feinheiten hat mir dann noch Hannah Engler, ebenfalls eine Mary-Wanless-Sitzschulungslehrerin gezeigt. Zum Beispiel, wie mir eine gute Technik beim Leichttraben helfen kann, das Pferd zu animieren, den Brustkorb anzuheben.

Was man beim Leichttraben auch als Fortgeschrittener alles falsch machen kann,  das habe ich hier im Blog aufgeschrieben. Es gibt da einiges zu entdecken! Nur die Bereitschaft, sich zu so einer simplen Sache wie dem Leichttraben wieder herabzulassen und darauf Stunden zu investieren, Geld und Zeit, die muss da sein. Und: Nicht jeder Trainer kann das unterrichten (egal, wie simpel es klingt)!

Videoanalysen helfen beim Sitzschulungstraining

Vielleicht hätte ich mich selbst nicht drauf eingelassen, mich nochmal mit solchen Basics zu beschäftigen, wenn ich es nicht von so vielen Seiten gehört hätte und vor allem so logisch erklärt bekommen hätte. Dass es etwas bringt und funktioniert, das zeigte mir jedoch im Anschluss die Videoanalyse.

Warum es sich lohnt, sich den Basics zu widmen (auch nach Jahren)

Was ich Euch mit diesen Zeilen sagen möchte, ist vor allem: Es lohnt sich manchmal, sich nochmal den super simplen Dingen zu widmen. Auch wenn man viel lieber an Lektionen oder Übungen feilen würde, die weit spannender klingen.

Die Lernkurve verlief hier auch ganz typisch, so ist es bei vielen Dingen, reiterlichen, aber auch anderen im Leben:

  1. Du lernst die Basis und kannst sie irgendwann automatisch abrufen.
  2. Sie ist Teil Deines Repertoires und Du denkst nicht mehr darüber nach.
  3. An einem Punkt kommt das völlige Auseinanderlegen davon. Gepaart mit einem ganz neuen Verständnis der Aufgabe. Man merkt: Das geht viel tiefer, da ist mehr, als ich bisher wusste. Leider geht das meist Hand in Hand mit dem Gefühl, zehn Schritte rückwärts zu machen.
  4. Beissen, das Neue üben, weitermachen.
  5. Ist das Puzzle aus tieferem Verständnis und körperlichem Vermögen, das umzusetzen, wieder zusammengesetzt, kommt der Lohn: Du kannst etwas in viel höherer Qualität als zuvor abliefern. Und das ist wunderbar!


    Viel Spaß beim nächsten Reiten (wetten, Du denkst bei Deinem Leichttraben dann an diesen Artikel?!)! Drüben auf dem Blog ist auch eine kleine Übung fürs bessere Leichttraben aufgeschrieben, die Du schon direkt beim nächsten Reiten einfach ins Aufwärmprogramm mit einbauen kannst.