Was hilft, wenn das Pferd auf die rechte Schulter fällt

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Bestimmt haben so einige von Euch schon das tolle neue Lehrvideo von Anja Beran zum Thema Schiefe gesehen. Das Ding ist ja: Dieses Thema  verlässt uns nicht, unser Reiterleben lang, auch, wenn wir danach streben, dass das Pferd sich in Richtung Geraderichtung durch unsere Ausbildung verbessert.

Das schiefe Pferd korrigieren

Montags ist hier ja mein Blogplatz, das bedeutet, Platz für persönliche Infos und News. Ich finde es ja immer wirklich schwierig, sich einer Sparte im Reitsport zuzuordnen. Aber mein persönliches Erlebnis, ein Aha-Erlebnis zum Thema Schiefe, hat schon etwas mit den unterschiedlichen Reihenfolgen in den einzelnen Sparten zu tun.

Ohne Rücken und auch noch Angst vor der Gerte

Vor anderthalb Jahren begann ich, eine ehemalige Springstute zu reiten. Ich habe niemals in meinem Leben auf einem Pferd gesessen, dass sich dermaßen schief anfühlte. Ailena war nicht ein bisschen händig, stützte nicht ein bisschen verstärkt auf die rechte Schulter, sondern es fühlte sich an, als ob ich aus dem Sattel herauskatapultiert würde. Das Ganze ging einher mit einer Badewannen-Haltung, also nix mit schön über den Rücken gehen. Dazu war sie recht unkoordiniert in ihrem großen Körper, wusste nicht, wo sie anfängt und wo sie aufhört. Und wir hatten dazu noch ein Anlehnungsproblem, der Kopf ging immer schön in die Höhe. Mental war sie nicht bei mir – von Vertrauen keine Rede, eine Gerte durfte ich nicht in die Hand nehmen, sie hüpfte dann aus Sorge gleich weg.

Welche Reitweise ist die bessere?

Jetzt kommen wir zu den Sparten – ich habe Vertrauen am Boden geschaffen und sie dann konventionell erst mal in Richtung Vorwärts-abwärts auf großen Linien gearbeitet. Schlangenlinien durch die Bahn waren anfangs wahnsinnig herausfordernd für sie. Es brachte sie völlig aus der Balance. Galoppieren ganze Bahn ging irgendwie, aber fühlte sich auch schrecklich an.

Konventionell oder klassisch reiten?

Dann kam die Ausbilderin Claudia Butry zu uns (ihr seht sie oben im Bild mit Ailena und mir) und empfahl mir, jetzt schon, auf diesem niedrigen Ausbildungsniveau, zu beginnen, ihre Schulter zu verschieben. Sie übertreten zu lassen und an Schultervor und später Schulterherein zu denken. Das so früh einzusetzen, ist nichts, was die Deutsche Reitlehre konventionell nutzt. Das ist etwas, was Anja Beran als Vertreterin der klassischen Reitkunst gern auch schon in früheren Stadien einsetzt (Claudia Butry gehört zu den von Anja Beran empfohlenen Ausbilderinnen). Um es kurz zu machen: Wer heilt hat recht. Das Pferd hat sich dadurch so sehr in ihren Körper gefunden, das ist der Hammer. Wir sind immer noch nicht gut, aber man kann es langsam reiten nennen. Sie hat ein Gefühl dafür bekommen, wo sie anfängt, wo sie aufhört. Sie kann ihren eigenen Körper besser einsetzen.

Welcher Seitengang für welche Schiefe?

Wichtig ist, die Seitengänge nicht diffus zu nutzen. Ich achte darauf, auf welche Schulter sie mir gerade fällt und verlagere danach bewusst das Gewicht mit einer Übung auf die andere Schulter bzw. in die Gleichmäßigkeit hinein.

Vor allem muss ich darauf achten, dass sie mir nicht auf die rechte Schulter fällt. Daher helfen uns auf der linken Hand Schenkelweichen und in Außenstellung reiten. Auf der rechten Hand helfen uns Schulterherein und Übertreten. So schaffe ich es besser, das Zuviel an Gewicht von der rechten Schulter zu nehmen und sie in Richtung linke Schulter treten zu lassen. Diese Übungsabläufe arbeiten unserem Ziel zu.

Auf welche Schulter stützt sich das Pferd?

Linker Hand ist ein Schulterherein eher ungünstig oder besser: Reite ich das, ist es sehr wichtig, sie außen kontrollieren bzw. korrigieren zu können. Sie fällt auf die rechte Schulter und da muss ich höllisch aufpassen, dass ich dies nicht verstärke. Kommt sie mir im Schulterherein linker Hand zu sehr auf die rechte Schulter, hilft es, an Renvers zu denken, um die rechte Schulter leichter zu machen.

Gute Erklärungen von Anja Beran

Ein ähnlicher Übungsablauf ist übrigens auch im Anja-Beran-Film zur Schiefe zu sehen, der neu auf wehorse hochgeladen ist. Wenn man zwischen Minute 8 und 9 schaut, erklärt Anja Beran, wie sie dem Schimmel zu einer gleichmäßigeren Belastung aller vier Beine und besserer Balance verhilft.

Das machen Ingrid Klimke, Anja Beran und Philippe Karl ganz ähnlich

Ganz anders ist meine Reitponystute. Sie ist relativ ausgewogen und hat keine stetig hohlere Seite. Einfach von Natur aus, sie ist noch nicht weiter ausgebildet (wäre schön, wenn!). Welche Seite schlechter ist, variiert. Hier hilft es sehr, besonders auf Ausgewogenheit zu achten – die Acht in Außenstellung hilft ihr enorm. Ich meine damit eine liegende Acht, von der Figur her wie Volten aneinandergereiht. Oder größer angelegt, falls die Voltengröße noch zu herausfordernd ist. Das ist übrigens ein Übungsablauf, den ich in sehr vielen Sparten der Reiterei kennen gelernt habe. Ingrid Klimke nutzt diese Übung genauso wie Philippe Karl und Bea Borelle (bei ihr sah ich die Übung übrigens als erstes!). Auch bei Claudia Butry, die sowohl die Deutsche Reitlehre (sie ist Trainer A FN) als auch die klassische Reitkunst (ihre Mentorin ist Anja Beran) nutzt, sollte ich dies mit dem Pony reiten. Es hilft bei ihr vor allem, um zum Treiben zu kommen. 

Außenstellung ist hilfreich

Die Außenstellung ist auch im Lehrfilm von Anja Beran zur Schiefe ein Rezept, das gezielt eingesetzt wird – zu sehen ab Minute 14.30. Auf dem Zirkel linker Hand möchte sich der Schimmelwallach zu sehr hohl machen -  die Außenstellung hilft dann, die Vorhand und die Schultern wieder gerader zu richten und vor die Hinterhand zu bringen.

Wie schön, wenn sich hilfreiche Dinge in vielen Sparten der Reiterei wiederfinden!

Wenn Ihr mehr über Claudia Butrys Unterricht erfahren möchtet, könnt ihr hier auf www.alifewithhorses nachlesen, welche Tipps sie für feinere Reiterhände hat. 

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