Weide-Mythen: Was stimmt bezüglich Hufe, Kondition und Giftpflanzen

Frau auf großer Weide breitet Arme aus

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Nach beinahe 20 Jahren im Pensionsstall habe ich mein Pferd auf die eigenen Weiden gestellt. Also alles auf Anfang: Vom Luxusstall mit Solarium, bestem Hallenboden und Paddocktrail hin zum Selbstversorgerleben. Für mehr Platz, mehr eigene Entscheidungen und weniger Gruppenstress. Bisher hab' ich es nicht bereut! Das Foto da oben lügt nicht! Ehrlicherweise muss ich sagen: ich bin nicht ganz ins kalte Wasser gesprungen. Die Weiden gab's auch schon zuvor, da waren Jungpferde meiner Freunde darauf. Ich hab' mich da schon darum gekümmert. Zäune ziehen, Wasser kontrollieren und Litzen sortieren gab es in meinem Leben also schon länger (auch schon als Schülerin, übrigens). Aber jetzt, so ganz ohne Halle, Reitplatz und Solarium, das ist schon etwas anderes! Allerdings sind auch viele Sachen einfacher als gedacht. Hier kommen Erkenntnisse über drei Vorurteile und ein Tipp zum Thema Erkennen von Giftpflanzen-Schreckgespenst Nummer Eins, dem Jakobskreuzkraut. 

Vorurteil 1: Die Weide abäppeln dauert ewig.

Tatsächlich war ich selbst der Meinung, dass man Weiden mit mehr als einem Hektar Land nur dann abäppeln kann, wenn man dafür zwei Stunden Zeit pro Tag rechnet. Mir erschien das also völlig unmöglich umzusetzen, zumindest für mich selbst und meinen Ablauf. Entweder abäppeln oder reiten, das war meine Einstellung. Vielleicht wäre das bei sechs Pferden auch so – in diesem Jahr klappt das Abäppeln aber auch auf der großen Fläche, auch wenn es einer Ostereiersuche gleicht. 45 Minuten sind es, das geht.

Vorurteil 2: Das Pferd verliert an Kondition, wenn es auf der Dauerweide steht.

Klar ist: Das Verhältnis von Energieverbrauch und Energieaufnahme muss stimmen. Das bedeutet vor allem für leichtfuttrige Rassen: Die Pferde genug arbeiten lassen! Grundsätzlich sind Bewegungshaltungsformen wie auch die ganzjährige Weidehaltung förderlich für die Körperfunktionen. Das Pferd ist für stundenlanges, ruhiges Umherwandern geschaffen. Es gewegt sich auf einer 24-Stunden-Weide weitaus mehr als bei Boxenhaltung mit stundenweisem Weidegang. Das ist zunächst positiv für alle Strukturen, zum Beispiel auch Bänder und Sehnen. Kondition verlieren tut also kein Pferd in dieser Haltungsform. Aus Sorge davor, dass unser leichtfuttriges Reitpony dick wird, tut es genug. Wir machen jetzt weit mehr richtig lange Ritte als zuvor. Die durch die Länge und das ruhige Tempo gut Kalorien verbrennen.

Vorurteil 3: Den Hufen tut der Wiesenboden gut. 

Naja! Ja, wenn der Huf dem Morgentau ausgesetzt ist und regelmäßig über nasse Halme Feuchtigkeit zugesetzt bekommt. Jedoch gibt’s auch negative Auswirkungen: Sind keine harten Böden vorhanden wie zum Beispiel gepflasterte Bereiche, passt sich der Huf an – und verliert so die Fähigkeit, harte Böden zu laufen. Barfuss-Pferde brauchen dann einen Hufschutz, wenn sie auf härteren Geländewegen geritten werden. Und wird es ein richtig trockener Sommer, dann hat der Hufpfleger oder Schmied seine liebe Not, die steinharten Hufe zu schneiden. Was da hilft sind Wasserbereiche, Furten oder auch das wässern der Hufe vor dem Schneidetermin. Weil ich das Hantieren mit Wassereimern wirklich lästig finde, habe ich mir Schuhe gekauft, die zum Bewässern von Hufen dienen. Die muss man allerdings mehrmals pro Woche anziehen, damit man einen Effekt hat. Einfach nur 30 Minuten vor dem Schmiedetermin anziehen ist definitiv zu wenig, egal, ob man per Eimer oder per Hufschuh wässert.

Die Sorge von allen: Jakobskreuzkraut!

Der Schreck aller Pferdeleute ist gelb blühend und heißt Jakobskreuzkraut. Aber noch nicht mal Profis erkennen die Pflanze sicher. Mich rief mein Nachbar,  Landwirt, vergangenes Jahr an und sagte: „Du hast Jakobskreuzkraut auf der Wiese stehen!“ Ich war natürlich alarmiert (vielleicht war das auch nur ein Test?). Ich fuhr zu Wiese und entdeckte, ja, blühende gelbe Pflanzen. Aber es war bloß das harmlose Wiesenpippau, das eine ganz andere Blütenform hat als das Jakobskreuzkraut. Keine einzige Giftpflanze stand auf der gesamten Wiese. Deshalb: Selbst schlau machen! Wie Du Jakobskreuzkraut sicher erkennst und auch, wie man den unerwünschten Ampfer auf Pferdeweiden los wird, steht auf meiner Blogseite www.alifewithhorses.de .

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