Weidezeit: Was jetzt als Training für Beziehung und Muskulatur ansteht

Pferdekopf und Menschenkopf

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Letztens habe ich einen spannenden Beitrag gelesen, der davon handelte, warum wir denn fast alle nur Trainingsfortschritte mit dem Pferd auf sozialen Medien teilen. Dass immer nur Extreme und Fortschritte gezeigt werden, das #onceinalifetimehorse beschworen wird und Vergleichsbilder gern gezeigt werden, die die muskuläre Weiterentwicklung zeigen sollen. Also ein Album der Erfolge entsteht. „Habt Ihr nicht alle auch schon mal einen Scheißtag?“ fragte da Wanderreitenundmehr, so heißt der Account, auf Instagram. Denn ein Pferd dürfe den doch auch mal haben. So ganz ohne Glanzleistungen und Beziehungssinnigkeit.

Wie ist die Beziehung zwischen Dir und Deinem Pferd ganz ohne Filter?

Ich fand das herrlich erfrischend. Deshalb kommt jetzt hier eine Bekenntnis: Mein Pony findet mich latent ätzend. Ich bin nämlich diejenige, die ihr seit Wochen Mineralfutter mit der Maulspritze verabreicht. Sie mag das nämlich nicht sonderlich, aber ein Blutbild zeigte ganz deutlich: Da ist Handlungsbedarf. Deshalb bekommt sie täglich von mir eine nicht gut schmeckende Paste ins Maul gedrückt.

Pferd hasst Maulspritze = Pferd findet mich doof.

Als sie vor kurzem noch im Pensionsstall stand, sah sie mich ja auch nur einmal am Tag, maximal. Und dann für so einen Mist wie eine Maulspritze reingedrückt zu bekommen. Das war nicht sonderlich gut für unsere Beziehung. Seit zwei Wochen steht sie auf meiner Sommerweide, die ich zu Fuß erreichen kann. Also ganz nah und so bin ich mehrfach täglich dort. Die Maulspritze gibt es immer noch, aber ich bin eben auch da ohne solch gemeines Ansinnen. Das tut unserer Beziehung merklich gut.

Beziehungstraining: Zeit mit dem Pferd verbringen ohne Muss

Das einfach beim Pferd sein, ohne etwas zu wollen, macht so viel aus. Das ist etwas, was häufig unterschätzt wird, finde ich. Ein bisschen gemeinsam Herde spielen. Übrigens befürchten ja einige Reiter, dass sich die Beziehung zu ihrem Pferd verschlechtert, wenn es viel draußen ist, mit anderen Pferden. Dass es dann weniger den Menschen freundlich begrüßt und den Menschen einfach auch weniger braucht. Ich kann das wirklich nicht bestätigen, im Gegenteil. Allerdings gehört dazu, dass man auch mal einfach so beim Pferd ist, während der Weidezeit. Dass man nicht immer nur dann auftaucht, wenn das Pferd irgendetwas tun soll.

Muskeltraining: Zeit verbringen mit Muss

Genauso wichtig für die Pferdegesundheit ist das komplette Gegenteil vom anspruchslosen Beieinander sein: Das gute und reichliche Bewegen. Für den Stoffwechsel und die Muskulatur, Sehnen und Bänder und sowieso alle Abläufe im Körper. Auch das ist nun bei 24/7 Weidezeit viel wichtiger, als zuvor: Denn das Pony steht nicht mehr in einem Paddockstall mit reiner Heufütterung, sondern hat Gras ohne Ende zur Verfügung. Sie ist zwar kein Shetty oder Islandpferd, aber doch ein sehr leichtfuttriges Deutsches Reitpony mit der Problemzone Bauch.

Maulkorb für die Dauerweide

Wir tasten uns da figurtechnisch mit ein paar Stunden Maulkorb pro Tag und täglicher Bewegung heran. Noch hat sie nicht zugenommen, ich finde eher, im Gegenteil, sie sieht schlanker aus als zuvor! Also: Alles ganz positiv bislang! Der Jahreszeitenwechsel bringt so viel Gutes für uns Pferdeleute. Wir haben so ein Glück, dass wir nun lange Stunden abends draußen verbringen können, weil es länger hell ist. Dass wir unsere Pferde naturnäher halten können, weil die Weiden überall nach und nach aufgemacht werden. Nutzen wir es doch!

Anweiden und reichlich Bewegung!

Wie wichtig die regelmäßige Bewegung ist, gerade für die leichtfuttrigen Exemplare, das hatte mir Conny Röhm letztens hier im Anweide-Artikel erklärt. Aber wie man das richtig sinnvoll macht, ein Training aufbauen, das ist etwas, das viele Pferdeleute beschäftigt. Auf meinem Blog www.alifewithhorses.de lest ihr nun die Rezension zu dem angekündigten E-Book "Trainingslehre für das Reitpferd - Muskulatur und Tragfähigkeit". Das ich übrigens auch zwei Mal verlosen darf! Also: Was hält Euch noch auf?

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