Filmdreh bei Uta Gräf: Spannende Themen, neue Pferde und alte Stars

Es sah fast aus wie im Märchen. Die Morgensonne blitzte durch die hohen Bäume am Bachlauf und tränkte die riesige Weide dahinter in goldenes Licht. Ein kleiner Schimmel genoss die ersten Grashalme des Tages und freute sich seines Lebens. Einen Eindruck, den man von allen Pferden auf dem Gut Rothenkircherhof bekommt, den Dressurreiterin Uta Gräf zusammen mit ihrem Mann Stefan Schneider führt. Grand Prix und artgerechte Haltung schließen sich hier nicht aus. (Mehr über die Philosophie und den Hof der beiden erfährst du im Video „Dressurreiten mit Begeisterung Teil 1“).

Ein neues Pferd im Stall - und was für eins!

Das war nur der Beginn eines vielversprechenden Drehtags in dem kleinen Ort Kirchheimbolanden. Als es mit dem ersten Pferd „Sisco de Luxe“ in das Viereck ging, wurde es fast noch besser. Uta Gräf hatte uns schon berichtet, dass der Wallach „unheimlich talentiert und bemüht“ sei und sehr schnell lerne. Sie hatte nicht zu viel versprochen: Die beiden schwebten über den Platz und wir waren uns einig, dass man von den beiden noch eine Menge lernen kann (du siehst ihn mit Uta auf dem Foto unten). Ab sofort begleiten wir Sisco in seiner Entwicklung mit der Kamera und sind gespannt, was Uta noch alles aus ihm herausholen wird. Es ist eine Freude, den beiden zuzuschauen! Davon kannst du dich bald selbst überzeugen.

Was das Ganze noch interessanter macht: Sisco sieht auf den ersten Blick gar nicht wie ein Superstar aus – er ist relativ lang gebaut und könnte etwas „eckig“ wirken. Sobald Uta ihn reitet, verschwindet dieser Eindruck wie von Zauberhand. Ein erneutes Zeichen dafür, was gutes Reiten ausmachen kann!

"Rooky" macht sich manchmal noch zu eng

Das gute Reiten hilft auch bei „Rooky“, einem anderen Wallach, der seit einigen Monaten bei Uta im Stall steht. Er ist manchmal noch etwas eng in der Anlehnung und hatte sich übereifrige Wechsel angewöhnt. Sein eifriger Trab mit sehr guten Veranlagungen fällt gleich ins Auge. Uta gelang es in kurzer Zeit, mehr Zug zu ihrer Hand zu entwickeln und ihm mit ihrem Sitz und der richtigen Hilfengebung Sicherheit zu geben. Wie sie das macht und was du in solch einer Situation auf keinen Fall tun solltest, erklärt sie dir in einem der kommenden Videos – und zwar direkt vom Sattel aus. Unheimlich spannend und sicherlich hilfreich für alle Reiter, die dieses Problem auch schon einmal versucht haben, zu lösen oder sogar regelmäßig daran verzweifeln.

Wie läuft ein Drehtag ab?

Mit Uta Gräf und ihrer Freundin und Co-Autorin Friederike Heidenhof treffen wir uns meistens morgens um 9 Uhr. Uta reitet mehrere Pferde an einem Tag, die wir entweder in ihrer Entwicklung filmerisch begleiten oder mit denen wir bestimmte Themen behandeln, die zu ihrem Ausbildungsstand passen. Mittags essen wir alle gemeinsam und besprechen die weiteren Videos, die für den Tag noch auf dem Plan stehen (Manchmal schweifen wir auch ab, quatschen über Gott und die Welt, über Pferde, die uns gerade beschäftigen oder über Neuigkeiten in der Reitszene. Für einen Lacher und ein herzliches Gespräch ist bei Uta immer Zeit). Manchmal schaffen wir fünf oder sechs Pferde am Tag, manchmal auch nur drei, das geht immer nach Tagesform. Hier wird nichts erzwungen oder "schnell noch in den Zeitplan gepresst", das würde nicht unserer Überzeugung entsprechen und ist auch genau richtig so. Wir drehen Uta und die Pferde im Fluss, bei ihrer Arbeit, spielen quasi "Mäuschen" am Viereck. Keine Szene wird 50 mal gedreht, damit jedes Haar richtig liegt. Wir möchten die Entwicklung aufnehmen und die authentische, alltägliche Dressurarbeit.

Deliano, der bekannte Filmstar

Den Wallach "Deliano" begleiten wir schon eine Weile mit der Kamera, du kennst ihn bestimmt aus vorherigen Videos. Der gutmütige Rappe hat sich in seiner edlen Gestalt zu einer wahren Grand Prix-Hoffnung entwickelt. Uta hat ihm mittlerweile auch die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung ("Einerwechsel") beigebracht und arbeitet jetzt an dessen Verfeinerung. Mal wieder eine spannende Trainingseinheit, die wir natürlich aufgenommen haben. Nach dem Dreh geht es mit "Deli" (unten auf dem Bild) noch eine kleine Runde ins Gelände. "Ich finde es eigentlich schade, wenn jemand meint, dass es etwas besonderes ist, mit einem Grand Prix-Pferd auszureiten.", verrät Uta, als sie langsam im Wald verschwindet, der nicht weit vom Hof beginnt. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Zum aktuellen Video mit Uta und Deliano kommst du hier.

Unsere alten Stars: ein fröhliches Wiedersehen

Nach dem Mittagessen durften wir - neben der sympathischen, jungen Stute „Hermine“ aus der Thüringeti (ein Ort in Thüringen, an dem Pferde wild in einer Herde aufwachsen), mit der Uta genau erklärte, wie Biegung funktioniert - alte Stars wieder treffen: Utas Erfolgspferd „Le Noir“ und den talentierten „Damon Jérôme“. Was aus den beiden Top-Pferden geworden ist, erfährst du auch demnächst in Videoform (Vorfreude ist die schönste Freude). So viel können wir aber schon verraten: Le Noir, fit wie eh und je, genießt sein Rentnerdasein mit gelegentlichen Show-Auftritten, während „DJ“ als Wallach und Herdenchef weitere Erfolge sammelt.

Zur Erinnerung an Damon Jérôme können wir dir das Video vom Seminar „Feines Reiten“ mit Christoph Hess und Uta Gräf empfehlen (Was für eine Dehnungshaltung!).

Le Noir zeigt seinen einzigartigen Charakter und sein Können vor allem in den oben erwähnten Videos „Dressurreiten mit Begeisterung“.

Die wichtigsten Gesamteindrücke zum Drehtag:

  • Täglicher, mehrstündiger Weidegang, regelmäßiges Ausreiten und druckfreies Trainieren sollten für Dressurpferde Normalität bedeuten: Hier sieht man lauter ausgeglichen und zufrieden wirkende Top-Pferde!

  • Gutes Reiten macht gesund und erlaubt den Pferden, ihr Potential zu entfalten. Das sieht man nicht nur an dem heimlichen Black Beauty „Le Noir“. Wie auch wehorse-Ausbilderin Anja Beran es so schön sagt: Die Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur.

  • Jedes Pferd ist anders und braucht individuelles Training. Uta Gräf lässt sich auf jedes Pferd voll und ganz ein und ist unheimlich gut darin, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Es gibt kein „Jetzt muss die Piaffe aber perfekt klappen“, sondern nur ein „Ich glaube, er braucht noch Zeit, er ist noch nicht soweit, wir warten noch“ oder ein „Er lernt so schnell und ist so entspannt dabei, da können wir ruhig schon einmal einen Wechsel probieren“.

  • Freude statt Verbissenheit: Auf dem Gut Rothenkircherhof hört man immer ein Lachen. Etwas klappt nicht? Na und! Kommt vor. Spielerisch die Lektionen zu erarbeiten, sich keinen Druck zu machen und die Angebote und Talente der Pferde dankbar anzunehmen und zu fördern, anstatt sie zu überfordern, ist eine der großen Stärken von Uta Gräf – hier möchte man Pferd sein.

Fazit: Nicht nur die Morgensonne sorgt hier für ein Lächeln im Gesicht. Sicherlich gibt es auch bei Uta Gräf ab und zu weniger gute Tage und nicht alles klappt auf Anhieb. Es bleiben aber immer ihre positive Einstellung, ihr gutes Reiten und die vorbildliche Haltung der Pferde. Eben doch ein wenig wie im Märchen.


Vielen Dank an Friederike Heidenhof für das Bereitstellen der Fotos.