Bodenarbeit:
davon profitiert jedes Pferd.

Bodenarbeit ist ein weit gefächerter Oberbegriff und umfasst alle Aktivitäten mit dem Pferd, bei denen man nicht auf seinem Rücken sitzt. Wir zeigen dir diverse Arten, wie man das Pferd vom Boden aus arbeiten kann. Dazu gehören zum Beispiel die klassische Handarbeit, die Longenarbeit, Zirkuslektionen oder Gelassenheitstraining. Jedes Fohlen muss in Menschenhand lernen, sich anfassen und führen zu lassen. Deshalb ist Bodenarbeit essenziell für die weitere Ausbildung, wo das Pferd noch viel komplexere Aufgaben erfüllen muss. Um eine Kommunikations-Basis aufzubauen und das junge Pferd auf das Reiten oder Fahren vorzubereiten, startet man mit Führtraining und der Arbeit an der Longe. Bodenarbeit ist die Basis für die Arbeit vom Pferderücken aus und kann diese optimal ergänzen. Sie bringt Abwechslung ins Training und man kann ohne Reiter Muskeln aufbauen. Gerade wenn du noch nicht das Vertrauen zu deinem Pferd gefunden hast, hilft dir die Bodenarbeit dein Horsemanship zu verbessern, ihr eure Reaktionen besser versteht.

Warum ist Bodenarbeit wichtig?

Hand aufs Herz: Kannst du dein Pferd problemlos führen, es wegschicken und in herausfordernden Situationen kontrollieren? Es gibt Dinge, die jedes Pferd kennen und verinnerlichen sollte. Egal welche Rasse, egal ob Freizeit-, Spring- oder Dressurpferd. Im Umgang mit deinem Pferd geht es um ein harmonisches Zusammensein, um Respekt und auch um Sicherheit für alle Beteiligten. Bodenarbeit ist dazu da, das Verhältnis zwischen dir und deinem Pferd zu verbessern. Du und dein Pferd lernen nebenbei die Grenzen des jeweils anderen kennen. Wann wird dein Pferd nervös? Und aus der Perspektive des Pferdes: Welche Grenzen darf es nicht überschreiten? Dabei darf selbstverständlich der Spaß nicht auf der Strecke bleiben! Unsere Bodenarbeitstrainer zeigen dir in detaillierten Lernvideos, was es für Möglichkeiten gibt mit dem Pferd vom Boden aus zu arbeiten.

Die beliebtesten wehorse-Lernvideos zum Thema Bodenarbeit

Gelassenheitstraining für Turnierpferde Teil 3: Gewöhnung an Regenschirme & Co

Malakil Teil 2: Grunderziehung und Seitengänge an der Hand

Agility mit Pferden Teil 4: Wippen, Wackeln und Sprünge

Die Arbeit am langen Zügel Teil 4: Galopparbeit

Desensibilisierung am Boden und unterm Reiter

Gymnastizierende Arbeit an der Hand Teil 3: Longenarbeit & Freilaufen

The Gentle Touch-Bodenschule Teil I: Basisübungen im Überblick

Ausbildung an der Hand Teil 3: Piaffe

Zirkusschule Teil 3: Aufs Podest

Bodenarbeit ist vielseitig

Wie schon gesagt gibt es viele Arten von Bodenarbeit. Mehr als man auf den ersten Blick glauben mag. Manche Arbeitsweisen in der Bodenarbeit sind dafür da, Muskeln beim Pferd aufzubauen und die Balance zu schulen. Andere Übungen stärken das Vertrauen und verbessern die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Wieder andere Aufgaben, wie Zirkuslektionen, sind auch für die Kopfarbeit des Pferdes: So kann man das Pferd während einer verletzungsbedingten Pause durch Bodenarbeit beschäftigen.

Arten der Bodenarbeit:

  • Führtraining: Ist grundlegend für alle Arten der Bodenarbeit und im täglichen Umgang mit dem Pferd relevant. Wenn du dein Pferd kontrolliert führen kannst, es auf dich achtet und dich respektiert, verändert das schon dein ganzes Zusammensein mit deinem Pferd – bei allen gemeinsamen Aktivitäten.
  • Longenarbeit: An der einfachen Longe oder der Doppellonge kann das Pferd optimal ohne zusätzliches Reitergewicht gymnastiziert werden. Du kannst Stellung und Biegung erarbeiten und die Muskulatur schonend aufbauen. Um die Arbeit abwechslungsreicher zu gestalten, sind Cavalettis extrem nützlich; wie? Das kannst du hier nachlesen.
  • Gymnastizierende Handarbeit: Der allergrößte Vorteil der Arbeit an der Hand ist, dass das Pferd kann ohne zusätzliche Belastung durch das Reitergewicht neue Bewegungsmuster lernen kann. Für komplexe Bewegungsmuster wie Seitengänge ist das eine große Hilfe. Dabei geht der Mensch in etwa auf Schulterhöhe des Pferdes. Einfache Übungen erklären wir dir in diesem Artikel.
  • Langzügel: Die Arbeit am langen Zügel ist eine faszinierende Möglichkeit, sein Pferd ohne Reitergewicht in allen hohen Dressur-Lektionen zu schulen. Bei der Arbeit am langen Zügel geht der Mensch hinter dem Pferd her. Hier erfährst du wie man mit der Arbeit beginnen kann und hier siehst du, was häufige Probleme sind.
  • Anti-Schreck-Training: Mit Regenschirmen, Planen und Co. kannst du dein Pferd gegen Außenreize desensibilisieren. So wird es gelassener im Umgang und lernt gruselige Dinge erstmal zu untersuchen und nachzudenken anstatt zu flüchten.
  • Verladetraining: Sollte jedes Pferd mal gemacht haben, damit es keine Probleme gibt wenn ein Transport ansteht. Die Angst vor dem kleinen, wackelnen Plätzchen im Anhänger kann man so jedem Pferd nehmen.
  • Zirzensik: Mit Hilfe von verschiedenen Zirkuslektionen wie Kompliment oder spanischem Gruß kommt Abwechslung in den Pferdealltag. Zusätzlich kannst du mit Hilfe von manchen Tricks die Motorik und die Körperwahrnehmung deines Pferdes verbessern.
  • Horse-Agility: Bei dieser Art der Freiarbeit trainiert man mit verschiedenen Hindernissen, zum Beispiel mit einem Podest. An den Geräten muss das Pferd den Mut aufbringen, seine Füße auf neuen Untergrund zu stellen. Die Trittsicherheit und Unerschrockenheit werden genauso wie die Beziehung zwischen Mensch und Pferd gefördert. Hier erfährst du mehr zu diesem Thema.

Die wehorse-Trainer für die Bodenarbeit

Anja Beran

Bea Borelle

Waltraud Böhmke

Wilfried Gehrmann

Saskia Gunzer

Karin Hess-Müller

Peter Kreinberg

Warwick McLean

Kathrin Roida

Stefan Schneider

Fritz Stahlecker

Nina Steigerwald

Linda Tellington-Jones

Ziele der Bodenarbeit

Ein Ziel der Bodenarbeit ist es, neben dem Vertrauensaufbau, das Pferd zu Gymnastizieren. Man kann dem Pferd neue Lektionen wie die Seitengänge beibringen oder versammelnde Lektionen erarbeiten. Mehr zum Thema Muskelaufbau und Lektionen findest du hier. Claudia Butry, Schülerin von Anja Beran und Trainerin A FN erläutert dort die Vorzüge der Handarbeit: „Ich kann die Pferde am Boden gut für die Arbeit unter dem Sattel vorbereiten und habe eine gute Möglichkeit, die Pferde zu gymnastizieren, wenn ich mal nicht drauf sitzen will.“ 

Die Perspektive wechseln

Wir neigen dazu, Grundlagen in unserer Zusammenarbeit mit den Pferden für selbstverständlich zu halten und sie irgendwann nicht mehr infrage zu stellen oder zu überprüfen. Doch versuche einmal die Perspektive zu wechseln! Beobachte dein Pferd und lerne seine Körpersprache zu lesen. Schau dir von unseren Ausbildern ab, wie du bestmöglich mit deinem Pferd kommunizieren kannst. Die Bodenarbeit lässt dich dein Pferd aus einer neuen, anderen Perspektive kennen lernen. Ihr seid auf Augenhöhe, ihr kommuniziert miteinander und könnt zum Beispiel die Rangfolge klären (natürlich mit den richtigen Übungen und der richtigen Körpersprache und keinesfalls mit Gewalt).

Bodenarbeit-Abzeichen der FN

Also Hand aufs Herz: Kannst du wirklich richtig führen? Viele Reiter widmen dem Führen keine große Aufmerksamkeit, Hauptsache das Pferd kommt mit. Dabei ist es nicht nur für deine Sicherheit unglaublich wichtig. Aus diesem Grund hat die deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auch jüngst neue Bodenarbeitsabzeichen in ihr Prüfungsprogramm aufgenommen. Diese sollen helfen, mehr Pferdemenschen die Basics systematisch zu vermitteln und für mehr Fairness im Umgang mit dem Pferd zu sorgen. Was genau zu den Grundlagen gehört und wie du die Prüfung ohne Probleme meistert, dass zeigt dir Waltraud Böhmke in ihren Lernvideos zum Bodenarbeitsabzeichen.

Bodenarbeit und Turnier: geht das?

Diese beiden Punkte zusammen zu bringen ist absolut nicht schwer. Nicht nur klassische Turnierpferde haben etwas davon, wenn man sie auf die Turnier-Atmosphäre vorbereitet und sie sich besser auf ihren Job konzentrieren können. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Angebot an Prüfungen die man im Bereich Bodenarbeit bestreiten kann. Die meisten davon sind auf Basis der WBO von Zuchtvereinen und kleineren Reitsportakteuren ausgeschrieben. Das Angebot ist vielfältig und für jeden etwas dabei: von Küren am langen Zügel oder im Bereich Zirkuslektionen bis hin zu geführten Trail-Parcours. Zwei dieser Prüfungsarten stellen wir dir jetzt noch genauer vor.

Gelassenheitsprüfung (GHP)

Wie sich schon vermuten lässt, wird bei Gelassenheitsprüfungen die Coolness des Pferdes überprüft. Diese Prüfungen sind auch auf WBO Basis ausgeschrieben und in Deutschland recht verbreitet. In einer GHP wird das Vertrauen vom Pferd in den Menschen und die gute Erziehung vom Boden aus überprüft. Mit Hilfe von speziellen Gelassenheitshindernissen, dazu gehöre versucht man das Pferd schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen ist. Das kann zum Beispiel raschelnes Flatterband, ein aufklappender Regenschirm oder ein Stangen-U zur Überprüfung der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd sein. Es wird dabei Wert daraufgelegt, dass das Pferd aufmerksam ist und die Hindernisse wahrnimmt, und nicht einfach nur desinteressiert neben seinem Führer hertrottet. Teilnehmen können alle Pferde, die mindestens drei Jahre alt sind.

Showmanship at Halter

Auch von der ersten Westernreiterunion Deutschland e.V. (EWU) werden in den unteren Leistungsklassen Bodenarbeitsprüfungen ausgeschrieben. Bei der Showmanship at Halter wird das Pferd an der Hand den Richtern vorgeführt. Bewertet wird hierbei die Fähigkeit des Vorstellers, sein Pferd vom Boden aus mit minimalen Hilfen zu steuern und harmonisch zu präsentieren. Neben dem korrekten Händeln des Pferdes wird auch sein Pflegezustand und die Ausrüstung von Pferd und Mensch bewertet.