Pferderassen und Zucht:
Vom Arbeitspferd zum modernen Sportpartner.

Auf der Welt gibt es über 540 Pferderassen. Weltweit sind einige Rassen sehr bekannt, andere leben im Verborgenem. Auf abgelegen Inseln, in Wüsten oder am nördlichen Polarkreis. Ganz im hohen Norden leben die Yakute. Diese Pferderasse bekommt ein besonders langes und wärmendes Winterfell und kann auch ohne Witterungsschutz Temperaturen von -70 Grad aushalten. Manche Pferderassen sind heute einfach in Vergessenheit geraten. Kennst du zum Beispiel das Kinsky-Pferd? Die Rasse stammt aus der Tschechischen Republik und war im 19. Jahrhundert ein gefragtes Rennpferd. Unverwechselbar ist das Kinsky-Pferd durch das helle und metallisch glänzende Fell. All diese Pferderassen sind nur entstanden, weil es der Mensch eines Tages entschlossen hat. Er hat zum Beispiel begonnen in bestimmten Regionen Pferde zu halten und diese Pferde haben sich über Generationen durch natürliche Selektion an teilweise extreme Lebensbedingungen angepasst.

Wie entstanden Pferderassen?

Durch die Pferdezucht hat der Mensch bestimmte Merkmale einer Rasse gezielt verändert. Sie haben Zuchttiere gezielt ausgewählt, die ihren eigenen kulturellen Vorstellungen und Schönheitsideale entsprechen, um die gewünschten Eigenschaften herauszubilden. Diese Vorstellungen unterscheiden sich weltweit sehr. Sie können ästhetischer (Farbe), funktioneller (Gangart, Größe), sportlicher (Leistung) oder ökonomischer Natur (Menge an Fleisch/Milch) sein. Deshalb sagt eine Pferderasse auch immer etwas über die Kultur aus, aus der sie hervorgegangen ist. Über Generationen entstanden durch genaue Überlegungen und Selektion bei der Auswahl der Elterntiere neue Rassen.

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Gangpferde Zucht: besondere Fähigkeiten

Ausnahmslos alle Pferderassen auf der Welt beherrschen die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp. Aus europäischer Sicht sind heute weitere Gangarten ungewöhnlich, denn die Europäer haben in der Zucht darauf geachtet, nur Pferde mit diesen drei Grundgangarten zu selektieren. Dadurch wurden Passgänger, die früher weit verbreitet waren, allmählich eliminiert. Heute nennen wir Pferderassen, die mindestens eine zusätzliche Gangart beherrschen, Gangpferde. Am bekanntesten sind wohl die Rassen Islandpferd und der amerikanische Paso fino in der Gangpferde-Zucht. Diese Pferderassen wurden besonders auf ihre speziellen Gangarten hin gezüchtet und sind besonders auf diese Fähigkeit spezialisiert. Gangpferde-Rassen sind eher verbreitet in Asien, Afrika und Amerika.

Die Grundgangarten des Pferdes

  • Schritt: Viertakt, langsame schreitende Gangart, bei der immer mindestens zwei Hufe am Boden sind
  • Trab: Symmetrischer Zwei-Takt, eine schreitend-schwingende Gangart, bei der das Pferd abwechselnd die diagonalen Beinpaare (vorne links und hinten rechts bzw. vorne rechts und hinten links) vorwärtsbewegt; zeitweise sind dabei alle Hufe in der Luft
  • Galopp: Dreitakt, schnelle und gesprungene Gangart, bei der Zeitweise alle vier Hufe in der Luft sind
  • Passgang: Zwei-Takt, das Pferd bewegt abwechselnd die beiden Beine auf einer Seite gleichzeitig vorwärts, es gibt eine Schwebephase
  • unterbrochene Passgänge im Viertakt: Viertakt, eine symmetrische, schreitende Gangart, bei der es im Wechsel eine Ein- und eine Zweibeinstütze gibt; das Tempo ist variabel vom Schritt bis Galopp, es gibt teilweise noch detaillierte Unterschiede. Diese hier genau auszuführen würde zu weit führen. Je nach Land gibt es diverse Bezeichnungen für diese Gangarten, die teilweise auch nach Geschwindigkeit unterteilt werden. In Europa spricht man meistens von Tölt, im amerikanischen von Gait, Fox Trot oder Paso.

Die wehorse-Experten für Pferderassen und Zucht

Hans Joachim Köhler

Martin Plewa

Jan Tönjes

Ursprünge aller Pferderassen

Die Spezies Pferd hat bereits eine sehr lange Vergangenheit. Vor 60 Millionen Jahren streifte das Urpferdchen Eohippus (Hyracotherium) durch das Unterholz der Tropenwälder. Es war kaum größer als ein Fuchs, und hatte noch nicht viel mit den heutigen Pferden gemein. Im Lauf seiner Evolution sind die Pferde erst größer geworden und haben verschiedene Stadien durchlaufen (Orohippus, Miohippus, Parahippus, Meryhippus, Pliohippus). Pferde der Gattung Equus wie wir sie heute kennen tauchten das erste Mal vor etwa einer Million Jahren auf. Diese Pferde lebten in Ebenen und Steppen und bewegten sich wie Nomaden fort.

Lange glaubte man, dass das Przewalski-Pferd der Vorfahr unserer heutigen Hauspferderassen sei. Dies ist wohl ein Irrtum, so der aktuelle Kenntnisstand. Es dürfte vielmehr direkt vom Tarpan abstammen, welche Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben sind. Alle Pferde die wir heute als Wildpferde bezeichnen, der Mustangs in Amerika, die Brumby in Australien oder die Koniks in Polen, stammen von verwilderten Hauspferderassen ab. Sie haben sich mit der Zeit wieder optimal an das Leben in Freiheit angepasst, sind aber streng genommen keine Wildpferdearten wie Tarpan und Przewalski-Pferd. Nach Auswilderungsprogrammen um 1994 sind Przewalski-Pferde wieder in China und der Mongolei komplett in Freiheit lebend.

Pferdezucht in Deutschland

Deutschland ist insbesondere für seine Warmblutzucht weltweit bekannt. Sehr viele der im Dressursport und im Springsport erfolgreichen Pferde, haben deutsche Vorfahren oder sind in einem der deutschen Landesverbände eingetragen. In der Sportpferdezucht wird insbesondere nach Leistungskriterien selektiert. Die Pferde werden hauptsächlich nach ihrer Reit- und Springanlage selektiert. Vielleicht ist die Warmblutzucht auf Grund der strengen Auswahlprozesse zu erfolgreich. Eine Stute muss, um als Zuchttier zugelassen zu werden, bei der Stutbucheintragung vorgestellt werden. Ein Hengst muss, bevor er zur Zucht zugelassen ist, gekört werden. Zu den Vererberlegenden der deutschen Zucht zählen der Hannoveraner Weltmeyer, der Oldenburger Donnerhall und der Holsteiner Cor de la Bryére.

Pferderassen: Die Merkmale des modernen Reitpferdes

Das Beurteilen der verschiedenen Pferderassen ist ein besonders wichtiger Teil der Zucht. In Deutschland gliedern sich die Anhänger verschiedener Rassen in Zuchtverbänden aus. Von dieses wird auch der aktuelle Rassestandard, das bedeutet das Idealbild einer Pferderasse, festgelegt. Auf Schauen und bei Körveranstaltungen werden die Rassevertreter Richtern vorgeführt, die insbesondere Gangarten und das Exterieur bewerten. Das Exterieur, kurz der Körperbau, wird auf die Korrektheit hin untersucht. Es gibt bestimmte Fehlstellungen der Gliedmaßen, die Rasse-übergreifend schlecht bewertet werden. Sie stellen oft eine Behinderung in Hinsicht auf die Anforderungen beim Reiten und Fahren da. Mit Hilfe unserer wehorse Experten kannst du auch üben, diese zu erkennen und ein richtiger Pferdekenner zu werden.

In der Zucht werden nur die besten Tiere ohne körperliche Makel zugelassen. Die Besten erhalten Prämien und Auszeichnungen, mit denen ihre Qualität gewürdigt wird. Allerdings spielt aber auch das Interieur, was das Wesen des Pferdes bezeichnet, eine große Rolle. Schaut man sich zum Beispiel die Ponys an, die unerfahrene Kinder in den Reitsport bringen sollen. Sie müssen ein besonders ruhiges und ehrliches Gemüt haben. Die Zucht versucht deshalb auch zu erkennen, wie das Interieur der Pferde beschaffen ist, um möglichst rittige Partner hervorzubringen. Speziell dafür gibt es sogenannte Leistungstests. Hier stellen sich insbesondere junge Hengstanwärter einer kritischen Beurteilung über mehrere Tage. Neben der Sportveranlagung des Hengstes werden die Grundgangarten beurteilt, aber auch ihre Leistungsbereitschaft und Rittigkeit. Diesen Auswahlprozess gilt grundsätzlich für alle Pferderassen.

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