Reiten für Kinder:
so macht Reiten lernen Spaß!

Wenn Kinder anfangen wollen zu Reiten gehört viel mehr dazu als nur auf dem Ponyrücken sitzen lernen. Das Pferd ist ein Lebewesen, was man verstehen lernen muss. Deshalb ist es wichtig, das Kinder nicht einfach nur aufs Pony gesetzt werden und nur reiten sollen. Erst einmal muss vom Boden aus die richtige Pferdepflege und der Umgang mit dem Pferd gelernt werden. Aufhalftern, Hufe auskratzen, richtig anbinden und putzen sind nur einige der Grundlagen. Anschließend wird geübt wie das Pferd geführt wird und dann geht es erst ans aufsitzen. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Kinder erstmal in der Gruppe Voltigieren zu lassen. So lernen sie spielerisch dem Bewegungsablauf des Pferdes zu folgen. Durch die Arbeit vom Boden werden die Kinder sicherer im Umgang mit dem Pony und verlieren ganz nebenbei ihre Angst und werden routiniert im Umgang mit dem Pferd. Wie man sich das Pony zum Freund macht erklärt die Pädagogin Bibi Degn in Angies-Reitkurs.

Spielerisch Reiten lernen

Früher konnte man oft schon vor der Reithalle hören, wenn drinnen Anfänger Unterricht hatten. Im Kommandoton brüllten ehemalige Offiziere verzweifelt in die Runde und hofften so ihrer jungen Schüler zu erreichen. Zugegeben eher mit mäßigem Erfolg. Reiten ist eine sehr koordinative Sportart und schult den Gleichgewichtssinn. Reiter lernen, die Körperteile separat voneinander zu bewegen, das Zusammenspiel von Händen, Körper und Beinen ist diffizil. Kleine Kinder können oft noch nicht die komplexen Bewegungsmuster ausführen, weil sich diese Fähigkeiten erst später entwickeln. Darum ist es wichtig, sie individuell zu fördern und auf jedes Kind genau einzugehen. Genau dafür arbeitet Nicole Holland-Nell, Gründerin des Team Pony Concept®, seit über 20 Jahren. Sie führt die kleinen Reiter spielerisch an die neuen, mit den Jahren steigenden Herausforderungen heran. In ihrer wehorse-Lernvideoreihe kannst du ihr Konzept verfolgen.

Die beliebtesten wehorse Lernvideos zum Thema Reiten für Kinder

Die Reitschule Teil 1: Die ersten Schritte des Reitenlernens

Angie-Reitkurs Teil 1: Sich das Pferd zum Freund machen

Angie-Reitkurs Teil 3: Das gegenseitige Vertrauen vertiefen

Kindern Theorie vermitteln: Pflege & Gesundheit

Kinder reiten im Gelände Teil 2: Aufzäumen und satteln

Kinder reiten im Gelände Teil 10: Geländetraining mit Ingrid Klimke

Longenunterricht für Kinder

Pferdeliebe von Anfang an Teil 8: Reitgymnastik

Pferdeliebe von Anfang an Teil 10: Fit fürs erste Pflegepony

Reitunterricht gestalten: Sitzübungen aus der Bewegungslehre

Ab wann dürfen Kinder Reiten lernen?

Nicole Holland-Nell ist eine echte Spezialistin für die Allerkleinsten. Sie unterrichtet so, dass die Kinder nicht überfordert werden. Dabei wird darauf geachtet, dass die vom Pferd auf das Kind übertragende Bewegung den noch empfindlichen Kinderkörper nicht überlastet. In ihrer Reitschule startet der Unterricht schon für Zweijährige mit dem Mutter-Kind-Reiten. Tatsächlich sitzen diese Kinder aber nur fünf bis zehn Minuten in einer Einheit auf dem Pferd. Ab sechs Jahren darf es deutlich länger sein, die Kinder in einer Gruppe wechseln sich mit dem Reiten ab. Deshalb gibt es im Unterricht auch nur zwei Shettys für acht Kinder. Mit sieben, acht Jahren werden Hufschlagfiguren geübt und an der Longe galoppiert. Vom medizinischen Standpunkt aus ist dies auch das ideale Alter, um mit dem Reiten zu beginnen.

Achtung: Die Wirbelsäule ist bei kleinen Kindern noch sehr empfindlich

„Ich konnte eher reiten als laufen!“ – das erzählen berühmte Reiter gern augenzwinkernd über sich selbst. Tatsächlich ist damit nicht zu spaßen: „Wir kommen mit einer C-förmigen Wirbelsäule auf die Welt. Die S-förmige-Schwingung der Wirbelsäule, die nötig ist, um die Bewegungen des Pferdes zum Beispiel auch im Trab problemlos abfangen zu können, ist erst mit vier bis sechs Jahren abgesichert“, so erklärt es Physiotherapeutin Stefanie Tetzner. „Bis zu diesem Alter können bis zu einem gewissen Grade gesunde Bandscheiben die Aufgabe der Wirbelsäule übernehmen. Das bedeutet aber auch: Bis der Körper so weit ist, ist es zwar völlig okay, dass kleine Kinder gelegentlich mal eine Runde im Schritt auf dem Pferd zu sitzen. Regelmäßiges Reiten oder auch längere Touren im Sattel sind aber noch nicht zu empfehlen.“ Doch es gibt auch Unterschiede: „Man sollte aber immer auch den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes beachten. Manche Vierjährige sind körperlich schon zwei Jahre weiter, wohingegen manch ein Sechsjähriger körperlich eher auf dem Stand eines Dreijährigen ist."

Überlastung beim Reiten lernen?

Zuviel Ehrgeiz und Verbissenheit ist auch beim Reiten nicht gut. Denn dabei können leicht Probleme wie leichte Fehlstellungen der Hüfte übersehen werden, was zu Überlastungen führen kann. Reiten, so erklärt Physiotherapeutin Stefanie Tetzner,  kann aber bei Kindern und Jugendlichen leider auch die Entstehung von Langzeitschäden an Wirbelsäule oder Hüfte begünstigen, die dann erst Jahrzehnte später Probleme machen. Die Gefahr dafür ist immer besonders groß, wenn man zu viel vom Kind verlangt und Probleme durch Wachstumsschübe oder leichte Fehlstellungen ignoriert. Wenn Kinder Reiten als Leistungssport betreiben, dann steigt wie bei jeder Leistungssportart auch das Unfall- und gesundheitliche Risiko.

Die wehorse-Trainer im Bereich Reiten für Kinder

Bibi Degn

Ulrike Gast

Malin Hansen-Hotopp

Nicole Holland-Nell

Ulrike Mohr

Michael Putz

Kinder reiten im Gelände

Für viele Kinder ist es der große Traum: das Ausreiten und mit dem Pony durchs Gelände streifen. Am besten nicht nur im Schritt und Trab, sondern auch im Galopp. Natürlich müssen die Kinder bereits fest im Sattel sitzen, bevor sie ohne zusätzliche Führperson ins Gelände reiten können. Denn im Gelände ist man selten allein unterwegs und es kommen viele neue Herausforderungen hinzu. Dazu gehören Berge, kleine Baumstämme oder Wasserdurchritte. Wie man Kinder auf diese Anforderungen vorbereiten kann, zeigt Malin Hansen-Hotopp. Sie ist von Hause aus Vielseitigkeitsreiterin bis zur schweren Klasse, hat selbst drei Jungs bis zum Grundschulalter und betreibt eine Pferdepension zwischen Rostock und Greifswald. Bei ihr und ihren Kindern geht es über Stock und Stein, durchs Wasser, über Wälle und Gräben. Denn das bringt Spaß und Abwechslung und schult nebenbei den Sitz. Wie man Spaß und Sicherheit kombinieren kann erzählt Malin in diesem wehorse-Podcast. In ihrer Videoreihe "Kinder reiten im Gelände" erklärt sie, wie Kinder von den ersten geführten Übungen bis zu Springtraining im Gelände gut vorbereitet werden.

Übung für Fortgeschrittene: Bergauf- und Bergab-Reiten

Diese Übung ist geeignet für Kinder, die schon in allen Gangarten ihr Pony selbstständig reiten können. Beim Bergauf- und Bergab-Reiten lernen sie, sicher zu sitzen und das Pony nicht aus der Balance zu bringen. Dafür wird der leichte Sitz und der Entlastungssitz geübt. „Dazu gehört auch, zu lernen, wie man bergauf und bergab reitet, und weiß, wie man sitzen muss und das Pony in Balance halten“, erklärt die Trainerin. Ein typischer Fehler wäre, dass die Kinder den Po im leichten Sitz noch nicht konstant schwebend über dem Sattel halten können. Dann klatscht das Kind mit dem Gesäß immer mal wieder in den Sattel, „der Körperschwerpunkt kommt nach hinten, und gleichzeitig sind die Zügel zu lang“, erklärt sie. Die richtige Sitzposition zu finden, das richtige Zügelmass außerdem, das ist zu Beginn das Hauptlernziel für die Kinder.

Berghoch: Den Ponyrücken entlasten

Aber keine Sorge, es fängt langsam an: Im Schritt üben die Kinder, wie sie den Hügel so hoch reiten. Dabei muss man darauf achten, dass der Rücken des Ponys entlastet wird, und sie selbst in Balance über dem Rücken des Pferdes bleiben. „Das ist Übungssache, die Kinder müssen ein Gefühl dafür bekommen, wie sie am besten sitzen“, erklärt die Ausbilderin. Vielen hilft eine Zügelbrücke. Das Gewicht muss auf den Fußballen im Steigbügel liegen. Und die Hände stellt man auf den Mähnenkamm, sodass man sich gut abstützen kann. Die Kinder verstehen schnell, dass es darum geht, den Rücken des Ponys zu entlasten, damit es den Rücken frei hat, um den Berg hoch zu klettern. Im Schritt klappt das schon gut, im Trab und Galopp wird es schwieriger für die Kinder, das Gesäß über dem Sattel zu halten und die schwungvollere Bewegung auszubalancieren.

Bergrunter: Das Pony darf nicht vorne überkippen!

Schwieriger ist das Bergabreiten. Das erklärt Malin Hansen-Hotopp den Kindern gern so: „Die Ponys sollen beim Bergabreiten hinten viel Last aufnehmen und auf das Tempo zurück nehmen, damit sie sich nicht auf den Zügel legen und nach vorn-unten trudeln.“ Die Kinder sollen ihr Gewicht gut im Bügel abfedern, so dass sie nicht schwer einsitzen. Der Oberköprer soll gerade oder ein kleines bischen nach hinten genommen werden, denn: Auch wenn es lehrbuchmäßig heißt, den Oberkörper nach vorn zu nehmen: Das macht kein Buschtrainer mehr so!“, erklärt die Vielseitigkeitsreiterin. Die Zügel sollen die Kinder recht kurz fassen, das Genick der Ponys soll oben bleiben. Dann wird’s difizil: Die Kinder sollen die Pferde „weich und kurz parieren, damit die Ponys nicht eilen und das Hinterbein unter sich bekommen, so dass es Last aufnimmt.“ Das mit Gefühl zu machen fällt vielen Kindern anfangs schwer, nämlich immer wieder auch loszulassen, und sich nicht nur fest zu ziehen. Das kann für Kinder auch ein Überraschungsmoment sein: auf vier Beinen ist bergab gehen viel schwieriger.