Vom Problempferd zum Traumpferd

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Ein so genanntes „Problempferd“, hat bestimmt jeder Reiter schon einmal kennengelernt. Ob im Umgang mit dem Menschen oder unter dem Sattel, es gibt Pferde, die blockieren und ihren Unmut deutlich zeigen. Oftmals liegt der Grund in der Vorgeschichte des Pferdes, denn schlechte Erfahrungen prägen nicht nur uns Menschen. Zum Glück gibt es Ansätze und Strategien, um ein Problempferd wieder auf seine Seite zu ziehen. Aber Pferdeverstand, Erfahrung und viel Geduld sind hier gefragt. Bist du soweit?

Inhalt

  1. So kann ein Pferd zum Problempferd werden
  2. Was für Problempferde gibt es?
  3. Sauer geritten, und was jetzt?
  4. Beritt: Ja oder Nein?
  5. Horsemanship für Problempferde
  6. Darauf musst du bei einem Problempferd achten
  7. Lösungsansätze für Problempferde

So kann ein Pferd zum Problempferd werden

In der Regel will ein Pferd dem Menschen nicht absichtlich etwas Böses. Trotzdem kann es vorkommen, dass ein Pferd dem Menschen bereits bedrohlich den Hintern zuwendet, sobald er seine Box betritt. Beim Treiben nach dem Bein tritt. Vielleicht sogar bei zu viel Druck wild bockend durch die Reithalle rennt. Aber, was ist da los?

In den meisten Fällen, kann man davon ausgehen, dass das Pferd schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wenn das Pferd nur unter dem Sattel zum Problempferd wird, ist es eventuell zu schnell und mit zu viel Druck ausgebildet worden. Das wird auch als „sauer geritten“ bezeichnet. Oft spielen auch Schmerzen mit hinein: Unpassendes Equpiment, wie ein drückender Sattel, können dem Pferd das Reiterlebnis verderben. In ganz schlimmen Fällen, ist dem Pferd auch Gewalt angetan worden, was das Misstrauen dem Menschen gegenüber erklärt. Es kann aber auch sein, dass das Pferd einfach keine Freude an dem hat, was von ihm gefordert wird und daher einfach in seiner jetzigen Disziplin falsch aufgehoben ist.

Wie wird ein Pferd zum Problempferd?

Was für Problempferde gibt es?

Aber wie verhält sich ein Problempferd so? Es gibt, wie bereits angesprochen, die sauer gerittenen Pferde oder solche, die „über die Uhr geritten“ worden sind. Also, wo zu schnell und mit zu viel Druck gefordert wurde, bis das Pferd einfach dicht gemacht hat und angefangen hat zu blockieren. Das kann sich beim Reiten äußern, indem das Pferd wie aus dem Nichts anfängt stehen zu bleiben und rückwärts zu gehen, zu steigen oder auch durchzugehen. Dann gibt es noch stumpf gerittene Pferde, die auf keine Hilfen und Signale mehr reagieren und bei denen an feines Reiten nicht zu denken ist. Bei machen Pferden ist nicht einmal mehr das Aufsitzen möglich, da beginnt das Problem bereits im Umgang mit dem Menschen.

Und natürlich gibt es auch das Problempferd, das vom Boden aus, schwierig zu händeln ist und mit dem ein harmonisches Miteinander nur sehr schwierig zu erreichen ist. Das kann auch schnell gefährlich werden, denn ein Pferd, das den Menschen nicht als Leittier respektiert und vertraut, birgt Verletzungsgefahr: Das kann vom Überrennen des Menschen, bis hin zum Steigen an der Hand und zu Beißen und Treten reichen.

Problempferd, was nun?

Sauer geritten, und was jetzt?

Wenn das Problem unter dem Sattel ist, dann macht es trotzdem Sinn von Null anzufangen und erstmal am Vertrauensverhältnis mit dem Pferd zu arbeiten. Bodenarbeit und die Arbeit an der Longe, bei der klare Signale zum Antreten und Halten im Vordergrund stehen, helfen eine Basis zu schaffen. Das Pferd soll wieder auf die Hilfen reagieren und zwar gehorsam und willig.

Bei einem Problempferd, das sauer geritten wurde, sind klare Signale sehr wichtig. Es darf keine Verwirrung entstehen durch widersprüchliche Hilfen und es darf nicht zu viel Druck aufgebaut werden. Das Pferd soll lernen sich unter dem Reiter wieder wohlzufühlen und seinen Hilfen vertrauen zu können. Daher gilt: Das sauer gerittene Pferd wird wie ein Jungpferd geritten. Der Fokus liegt auf den ersten Punkten der Ausbildungsskala, und zwar dem Takt und der Losgelassenheit. Das vorrangige Ziel ist ein fleißig, vorwärts-gehendes und motiviertes Pferd. Hierfür bietet sich auch das Ausreiten im Gelände gut an, denn es motiviert viele Pferde und macht auch triebige Pferde flott. In diesem Kurs bekommst du Tipps für das Reiten im Gelände.

Beritt: Ja oder Nein?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn es ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Vertrauens. Besonders das misstrauische Pferd könnte mit einem neuen und unbekanntem Reiter sehr zu kämpfen haben. Allerdings ist es auch wichtig, sein eigenes reiterliches Können ehrlich einschätzen zu können: Kann ich gut genug reiten, um meinem Pferd verständliche Hilfen zu geben? Kann ich meinem Pferd Ruhe und Vertrauen in mich vermitteln? Ist mein Sitz ausbalanciert und sicher genug, um auch mal einen Hüpfer (oder schlimmeres) aussitzen zu können?

Wenn das nicht der Fall ist, richtet man bei einem verrittenen Pferd mehr Schaden an, also macht in so einem Fall, die Unterstützung eines professionellen Bereiters Sinn. Allerdings ist es sinnvoll bei den ersten Malen Beritt dabei zu sein, um einschätzen zu können, ob das Pferd auch genauso gearbeitet wird, wie es das braucht. Wenn Beritt nicht in Frage kommt für das Reiter-Pferd Paar, sollte zumindest in Reitstunden investiert werden. Denn schnell schleichen sich Fehler und Muster ein, die der Reiter selbst von oben nicht mehr erkennen kann. Auch Longenstunden sind eine gute Idee (auch für den erfahrenen Reiter), um den Sitz zu kontrollieren und zu verbessern.

Beritt bei einem Problempferd?

Horsemanship für das Problempferd

Wie bereits angesprochen, sollte das Training mit einem Problempferd immer vom Boden aus starten. Die Basis sollte ein gemeinsames Vertrauensverhältnis sein, sowie eine klare Rangordnung: Der Mensch ist das Leittier und das Pferd hat zu folgen. So kann das Pferd die Verantwortung an den Menschen abgeben und zur Ruhe kommen. Das erreicht man am besten mit Horsemanship. Es gibt viele unterschiedliche Ansätze und Philosophien im Horsemanship, am Anfang steht jedoch immer der gegenseitige Respekt im Umgang.

Das heißt, das Pferd hat die Grenzen des Menschen zu achten und nicht in seine persönliche Zone einzudringen. Außerdem muss das Pferd weichen, wenn der Mensch das Signal gibt und zu Halten, wenn dies gefordert ist. Dazu gehört natürlich, dass das Pferd aufmerksam beim Menschen ist. Wie das funktioniert, kannst du in diesem Kurs lernen. Auch Profireiterin Ingrid Klimke hat die Vorzüge der Bodenarbeit für sich und ihr Pferd entdeckt. Schau dir hier an, wie sie gemeinsam mit Lisa Röckener vom Boden aus arbeitet.

Darauf musst du bei einem Problempferd achten

Es gibt so einige Geschichten von sauer gemachten Pferden, die wieder zu motivierten und guten Reitpferden wurden. Aber kaum jemand erzählt davon, wie es auch nach diesem Wandel wieder zu Phasen kommen kann, die ganz und gar nicht gut sind. Es geht um den Rückfall in alte Muster. Hier ist eine große Frustrationstoleranz gefragt, denn entweder muss man diese Phasen akzeptieren und aussitzen oder nach neuen Lösungsansätzen suchen.

In solchen Fällen, darf man nicht ungeduldig werden und anfangen zu viel Druck aufzubauen. Die Devise lautet: Immer einen Schritt zurückgehen und wieder an der Basis arbeiten. Außerdem hilft eine zweite Meinung sehr viel, da man selbst oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Eine Außenperspektive kann viel bewirken. Schau dir in diesem Kurs an, wie unterschiedliche Trainer mit schwierigen Pferden arbeiten.

Neue Wege gehen, kann mit einem Problempferd viel bewirken,

Lösungsansätze für das Problempferd

Manchmal ist das Pferd auch einfach in der falschen Disziplin unterwegs. Das ist natürlich eine bittere Pille für den ehrgeizigen Dressur- oder begeisterten Springreiter, aber im Endeffekt schadet man sich und seinem Pferd nur, wenn man diese Disziplin forcieren will. Eine neue Perspektive kann viel Motivation bringen und vielleicht reicht ja auch nur eine Pause und ein Tapetenwechsel, um das Pferd wieder begeistern zu können.

Versuch es doch mal mit Halsringreiten (natürlich nur, wenn es unbedenklich ist), Freiarbeit oder Doppellonge. Das gymnastiziert das Pferd trotzdem aber bringt Abwechslung und Spaß in den Alltag. Schau doch mal in diesen Kurs hinein, um die ersten Schritte zur Freiarbeit zu lernen. Mit Alizee Froment hast du eine Trainerin zur Hand, die dich auch beim gebisslosen Reiten unterstützen kann. Das ist besonders wertvoll, bei Pferden, die schlechte Erfahrung mit ihrer Ausrüstung gemacht haben.

Viel Glück beim Ausprobieren und haltet die (Pferde)Ohren steif!

Share this post

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on email

Das könnte dich auch interessieren