#Wissen mit Tierärztin Dr. Franziska Aumer: Was du über das West-Nil-Virus wissen musst
Das West-Nil-Virus ist seit 2018 auch in Deutschland nachgewiesen. Seitdem breitet es sich aus. Damit gehört es zur gesundheitlichen Vorsorge unserer Pferde, sich mit dem Virus und der von ihm verursachten Krankheit zu beschäftigen. So drückt es Dr. Franziska Aumer, Tierärztin und Expertin des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim, in dieser Podcastfolge aus.
Im Gespräch mit Sonja Kriegel klärt sie auf, was Pferdebesitzer wissen müssen: Wie verbreitet sich das Virus, welche Gebiete sind Risikogebiete, wie sieht ein typischer Krankheitsverlauf aus und wie riskant ist das Virus wirklich für unsere Pferde? Damit schafft sie die Grundlage für die Entscheidung, ob eine Impfung für das eigene Pferd sinnvoll ist.
Informationen zur aktuellen Verbreitung des West-Nil-Virus erhältst du beim Friedrich-Loeffler-Institut >>
Podcast Transkript
Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.
[SPEAKER 2]
[00:00:01-00:00:09]
Es gibt heute wieder geballtes Wissen für euch. Wir informieren euch über das West-Nil-Virus im Gespräch mit der Tierärztin und Expertin Dr. Franziska Aumer.
[SPEAKER 1]
[00:00:11-00:00:33]
Meistens geht diese Erkrankung, läuft sie relativ glimpflich ab in den meisten Fällen, aber eben in 10% der Fälle kommt es zu so einer neuroinvasiven Form, wo es dann eben zur Entzündung des zentralen Nervensystems kommt und dann eben zu schweren neurologischen Symptomen und dann kann die Krankheit eben auch durchaus tödlich verlaufen.
[SPEAKER 2]
[00:00:34-00:01:23]
Wir haben heute Dr. Franziska Aumer zu Gast. Sie ist Tierärztin bei Böhringer Ingelheim und Expertin unter anderem zum Thema West-Nil-Virus. Ein Thema, mit dem sich jeder Pferdebesitzer einmal auseinandersetzen sollte und vor allem jetzt im Frühjahr ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Deshalb informieren wir dich mit dieser Podcast-Folge mit allem, was du zum Thema wissen musst. Wir klären, was das West-Nil-Virus genau ist, wie Krankheitsverläufe aussehen, wenn sich unsere Pferde damit infizieren. Und natürlich die große Frage, soll ich mein Pferd impfen, ja oder nein? Diese und viele andere Fragen beantworten wir dir jetzt. Viel Spaß mit dieser Podcast-Folge. Herzlich willkommen bei uns im Podcast, liebe Franziska. Schön, dass du da bist und dass du uns heute ein bisschen hilfst, schlauer zu werden beim Thema West-Nil-Virus.
[SPEAKER 1]
[00:01:23-00:01:25]
Ja, hallo auch von meiner Seite. Vielen Dank.
[SPEAKER 2]
[00:01:26-00:01:40]
Bevor wir jetzt ganz tief ins Thema einsteigen, erzähl doch gerne noch mal ein, zwei Sätze zu dir. Wie kam es, dass du dich besonders mit Infektionskrankheiten beim Pferd beschäftigst und warum ist das West-Nil-Virus ein wichtiges Thema für dich?
[SPEAKER 1]
[00:01:43-00:02:28]
Okay, also... Ich arbeite ja als Tierärztin bei Böhringer Ingelheim und das West-Nil-Virus ist ja eine Erkrankung, die für uns zwar ziemlich neu ist, aber in anderen Teilen der Welt schon sehr etabliert und sehr verbreitet ist. Und dementsprechend, man darf ja immer nicht an der Ländergrenze stoppen, sondern man muss auch natürlich über den Tellerrand schauen. Und diese Erkrankung wird sicherlich in Zukunft mehr und mehr ein Problem für uns werden. Und da gehört es zur ganz normalen gesundheitlichen Vorsorge, aber auch zur Fürsorge, dass man sich mit diesen Themen beschäftigt. Und deswegen müssen wir diese Erkrankung im Auge behalten.
[SPEAKER 2]
[00:02:30-00:02:59]
Ja, sehr gut. Genau das machen wir jetzt in dieser Folge und steigen da mal tiefer ein. Du hast es schon gesagt, dass es auch bei uns immer mehr ein Thema wird oder auch werden wird. Ist es denn so, dass es so einen Startpunkt gab, seitdem das auch in Deutschland ein Thema ist? Und kann man das so sagen, dass das irgendwie kontinuierlich steigt und man auch so eine weitere Steigerung erwarten kann? Oder wovon ist das quasi abhängig? Kann man das nicht so sagen?
[SPEAKER 1]
[00:03:01-00:04:14]
Ja, also 2018 ist es zuerst in Deutschland aufgetreten. In den anderen europäischen Ländern, vor allem in diesen wärmeren Ländern, sagen wir mal so Richtung Italien, Frankreich, Spanien, ist es schon lange, schon in den letzten Jahrzehnten ein Thema und breitet sich quasi aus, wird also zunehmend ein immer größeres Thema und ist eben 2018 das erste Mal in Deutschland aufgetreten. Wie das meistens so ist, dass Infektionserkrankungen, wenn sie quasi eine Ländergrenze überschreiten, erst mal nur wenige Fälle zu verzeichnen sind und dann nach und nach mehr Fälle sind. Das ist letzten Endes ein Stück weit in Anführungsstrichen normal für eine Infektionserkrankung. Grundsätzlich gibt es diese Erkrankung weltweit. Wir müssen aber sehr unterscheiden. Zum Beispiel in Amerika ist es ein ganz anderes Verbreitungsgeschehen. Da ging das viel schneller und rasanter als in den europäischen Ländern. Das heißt, wir gucken so besonders natürlich auf unsere Nachbarländer und die Entwicklung da in den letzten Jahrzehnten, weil wir da so ein bisschen abschätzen können, wie es vermutlich in Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ablaufen wird.
[SPEAKER 2]
[00:04:15-00:04:22]
Ja, spannend. Und würdest du sagen, es hängt mit dem Klimawandel auch zusammen?
[SPEAKER 1]
[00:04:22-00:05:22]
Ja, vielleicht. Also es wird ja letzten Endes sozusagen weiter transportiert über den Hauptwirt, den Vogel. Da kommen wir gleich drauf. Und eben der Überträger ist die Mücke. Und natürlich sind dann eben diese beiden Tiere auch sehr, sehr wichtig für die Verbreitung dieses Virus-Systems. Ich kenne mich da zu wenig aus, inwiefern sich Zugvogelrouten zum Beispiel ein Stück weit, die können ja ein Stück weit abwandeln. Das hat auf alle Fälle etwas damit zu tun, aber vor allem natürlich die Verbreitung von Mücken. Und Mücken mögen es warm und feucht. Und die Wärme, das wäre sicherlich ein Thema des Klimawandels, würde ich sagen. Und die Feuchtigkeit macht es so ein bisschen noch zusätzlich schwer zu berechnen für uns. Vermutlich, so wie solche durch Mücken übertragenen Erkrankungen insgesamt, spielt der Klimawandel eine Rolle.
[SPEAKER 2]
[00:05:22-00:05:34]
Okay, also für uns als Pferdebesitzer ja vor allem wichtig zu wissen, es ist schon ein Thema, es könnte immer mehr ein Thema werden und wir werden da auch nicht von verschont bleiben hier bei uns.
[SPEAKER 1]
[00:05:35-00:05:37]
Nein, es wird sich definitiv weiter ausbreiten.
[SPEAKER 2]
[00:05:39-00:05:55]
Und vielleicht noch einmal kurz zu dem West-Nil-Virus. Was ist der West-Nil-Virus überhaupt genau? Vielleicht für manche, die sich jetzt noch nicht so viel damit auseinandergesetzt haben, vielleicht kannst du einmal so in einfachen Worten erklären, womit wir es da eigentlich genau zu tun haben.
[SPEAKER 1]
[00:05:56-00:06:53]
Das West-Nil-Virus ist ein Flavivirus. Das muss man natürlich als Laie jetzt nicht unbedingt kennen, gar nicht. Aber es gibt auch bei Viren so verschiedene Unterfamilien, könnte man sagen, so verschiedene Stämme. Und was vielleicht ganz interessant ist, dass dieses Flavivirus, also das Westnilvirus, zum Beispiel mit FSME, dieser Frühsommer-Meningoencephalitis, die über Zecken übertragen wird, verwandt ist, also eng verwandt ist. Oder zum Beispiel mit dem Usutovirus, was wir von Vögeln, Erkrankungen von Vögeln kennen. Das heißt, es ist eine Familie, die jetzt grundsätzlich nicht neu ist. Und diese Viren aus dieser Familie spielen insgesamt eine immer größere Rolle. Und zudem ist es eben eine sogenannte Emerging Disease, das heißt einfach nur eine Infektionserkrankung, die sich ausbreitet. Und man spricht auch noch von Vector-Borne Disease, das heißt eine Infektionserkrankung, die über einen Überträger, einen Vektor übertragen wird. In unserem Fall ist das eben die Mücke.
[SPEAKER 2]
[00:06:56-00:07:28]
Okay, das waren jetzt erstmal einige Fachbegriffe. Auch Respekt, dass du das so flüssig und schnell aussprechen konntest alles. Das heißt, eine Virusinfektion. Du hast jetzt eben schon gesagt, es wird über die Mücke übertragen. Das ist ja auch ganz spannend. Da kommen wir auch gleich noch ein bisschen mehr drauf, wie das überhaupt übertragen wird, von wem auf wen und so weiter. Wir haben es mit einer Virusinfektion zu tun. Wie kann man sich das denn vorstellen, wenn das Pferd sich jetzt infiziert? Was bedeutet das genau?
[SPEAKER 1]
[00:07:30-00:08:27]
Das bedeutet, dass Viren immer, das machen sie immer, im Prinzip Körperzellen befallen. Das ist von Virus zu Virus immer ein bisschen unterschiedlich, welche Zellen sie befallen und dann kaputt machen. Der Körper reagiert mit einer starken Entzündungsreaktion. Eine Entzündungsreaktion ist im Körper ja immer der Versuch, einen Erreger oder ein Problem unschädlich zu machen. Quasi ein Alarmzustand des Körpers. Manchmal kann eben durch die Entzündung wenn es doof läuft, noch mehr kaputt gehen. Aber in diesem Fall ist es zum Beispiel so, dass dieses Virus sowohl ein bisschen die Atemwegszellen betreffen kann, das ist aber gar nicht so ein Thema, sondern das große Thema ist für uns, wenn sie die Zellen des sogenannten ZNS, des zentralen nervösen Systems betreffen und dann auch eben Zellen im Hirn und im Rückenmark befallen.
[SPEAKER 2]
[00:08:28-00:08:42]
Oha, das hört sich erstmal ganz schön gravierend an. Ist der Verlauf bei jedem Pferd gleich, wenn sich ein Pferd ansteckt oder gibt es quasi leichte Verläufe und schwere Verläufe?
[SPEAKER 1]
[00:08:43-00:09:35]
Nein, das ist extrem unterschiedlich. Die allermeisten Pferde erkranken nur ganz milde oder sogar so gering, dass man es gar nicht merkt. Man spricht dann von subklinischen Erkrankungen. Das heißt, es kann zum Beispiel sein, dass es ein, zwei, drei Tage ruhiger ist, vielleicht auch mal kurzzeitig ein bisschen Fieber hat. Aber wenn das Fieber zum Beispiel nachts nur auftritt, dann bemerkt man das noch nicht mal. Das heißt, ein großer Teil der Pferde erkrankt nicht wirklich so, dass es wahrnehmbar ist. Ein Problem wird es nur, wenn die Pferde dann eine sogenannte neurologische Verlaufsform bekommen. Und dann können sie eben auch wirklich nennenswert erkranken. Und ungefähr 10% der Pferde entwickeln diese neurologische Verlaufsform. Und die ist dann wirklich lebensgefährlich.
[SPEAKER 2]
[00:09:37-00:10:21]
Oh ja, genau. Vielen Dank dir für die Erklärung. Zehn Prozent, ja. Bevor wir da noch so ein bisschen näher reingehen, in Deutschland, also ich habe zwei Fragen. Einmal quasi, ist es in Deutschland gleich weit verbreitet? Also sind bestimmte Bereiche, Gebiete besonders betroffen, mehr als andere? Und die zweite Frage ist, du hattest ja gesagt, es wird von Mücken übertragen. Sind das ganz normale, sag ich mal, Hausmücken, wie man sie kennt? So die ganz normalen Mücken, die hier überall im Sommer rumschwirren? Oder sind es nur bestimmte Mückenarten?
[SPEAKER 1]
[00:10:21-00:11:13]
Okay, erstmal zur Verbreitung. Angefangen hat es wirklich sehr strikt in Ostdeutschland, als hätten die Mücken die ehemaligen Mückenarten. zwischen DDR und BRD irgendwie gekannt. Es war ein bisschen verrückt, aber es war wirklich sehr auf Ostdeutschland mit Schwerpunkt Berlin-Brandenburg begrenzt. Hat sich aber vor allem dann in den nächsten Jahren ausgebreitet und so einen richtigen Sprung gab es dann nochmal 2024. Und jetzt können wir sagen, zu dem jetzigen Zeitpunkt, dass im Prinzip die nördliche Hälfte, man könnte vielleicht auch sagen, dass die nordöstliche Hälfte von Deutschland viel mehr betroffen ist wie der südlichere Teil. Das ist der momentane Stand. Und jetzt habe ich die andere Frage schon wieder vergessen.
[SPEAKER 2]
[00:11:13-00:11:20]
Die andere Frage war, ob das über die ganz normalen Mücken, die man so kennt, übertragen wird oder ob das bestimmte Arten nur sind.
[SPEAKER 1]
[00:11:20-00:12:11]
Ja, das sind die ganz normalen Stechmücken. Das sind diese kleinen Biester mit den ganz dünnen Beinen, die ganz schnell angeflogen kommen, kurz stechen und schnell wieder weg sind. Bremsen zum Beispiel oder sowas sind hier überhaupt nicht relevant. Sondern es sind wirklich, man sagt, die gemeine Stechmücke. Gemein heißt einfach nur die gewöhnliche Stechmücke. Und ich habe aber auch lernen müssen, das ist auch wieder eine Art Familie. Und in dieser Familie der gewöhnlichen Stechmücken gibt es auch nochmal Unter- Gruppierungen sozusagen und es sind quasi nur bestimmte Untergruppierungen. Aber wir können das sowieso nicht unterscheiden mit bloßem Auge. Das heißt, wir können uns merken, es ist die ganz normale Stechmücke, die zum Beispiel ganz typisch abends auf der Terrasse uns das Leben schwer macht oder am Lagerfeuer oder sowas.
[SPEAKER 2]
[00:12:12-00:12:37]
Okay, das klingt ja erstmal ein bisschen entmutigend, weil man weiß ja, jeder, der mal öfter am Pferdestall unterwegs ist, weiß, wie viele von diesen Mücken es gibt. Und wenn man Pech hat, wird man ständig gestochen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass mein Pferd sich mit diesem Virus ansteckt? Wahrscheinlich müssen wir dann auch darauf gucken. Es ist ja nicht jede Mücke ein Überträger, oder?
[SPEAKER 1]
[00:12:38-00:13:46]
Das ist richtig. Die Mücke muss erst infiziert sein. Die Mücke, der Hauptwirt sind Vögel. Auch hier stehen bestimmte Vögel im Vordergrund. Aber erstmal kann man Platz sagen, diese Erkrankung ist quasi in Anführungsstrichen gemacht für den Vogel. Und die Mücke ist der Überträger. Das heißt, eine Mücke muss an einem erkrankten Vogel saugen. Und fliegt dann weiter zu einem Pferd und sticht dann dieses Pferd. Das machen auch nicht alle Mücken. Viele Mücken sind spezialisiert entweder auf Säugetiere oder auf Vögel. Aber die gemeine Stechmücke, die nimmt, was sie kriegt. Das heißt, sie braucht diesen Übertragungsweg. Erst saugt sie an einem infizierten Vogel und dann geht sie zu einem Pferd und kann dann dieses Pferd infizieren. Das heißt, auch eine Mücke muss infiziert sein. Natürlich sind viele Mücken, große Anteile der Mückenpopulation, die sind nicht infiziert. Die tragen kein Westinivirus in sich. Wenn die aber in so einem Risikogebiet sind, ebenso nordöstliche Hälfte von Deutschland, dann ist eben die Wahrscheinlichkeit, dass die Mücke infiziert ist, deutlich höher. Und dann kann sie ein Pferd anstecken.
[SPEAKER 2]
[00:13:47-00:14:43]
Verstehe. Und wenn wir nochmal so ein bisschen Richtung Symptome gucken. Also wir haben jetzt gesagt, in manchen Gebieten ist es wahrscheinlicher, dass es passiert. In anderen kann man vielleicht sich ein bisschen sicherer fühlen, dass wirklich nur eine von vielen Mücken vielleicht ein Träger ist. Wenn es jetzt aber passiert und das Pferd wird gestochen und infiziert sich, Du hast ja schon gesagt, manchmal gibt es gar keine Symptome oder man bekommt es eigentlich kaum mit. Dann ist es ja auch nicht so ein schwerer Verlauf. Dann hat man Glück gehabt, sage ich mal. Wenn es dann aber schlimmer wird oder das Nervensystem befällt, wie du sagtest, Woran erkennt man denn, dass da irgendwas Schlimmes am Gange ist, dass es vielleicht das Westendielvirus sein kann? Erkennt man das sehr deutlich oder ist es halt gut, das im Hinterkopf zu haben, dass es das auch sein könnte, damit man schnell handeln kann?
[SPEAKER 1]
[00:14:45-00:17:02]
Also nochmal ganz kurz ein Satz vorneweg. Also es ist so, wenn man jetzt ein Pferd in einem Stall stehen hat und da sind natürlich Weiden drumherum und so weiter. In diesem Gebiet ist die Mückenpopulation entweder infiziert oder nicht. Das heißt, es ist jetzt unwahrscheinlich, dass eine Mücke irgendwo rumschwirrt und einen Meter weiter schwirrt eine andere Mücke und die hat gar nichts. Sondern entweder sind die alle sehr ähnlich, aber trotzdem natürlich ist es unterschiedlich, wo die Mücke zuletzt gesaugt hat. Die eine Mücke kann einem infizierten Vogel gesaugt haben und die Nachbarmücke, die Brudermücke, so nenne ich es mal, die hat vielleicht an einem nicht infizierten Vogel gesaugt. Das kann natürlich unterschiedlich sein, aber tendenziell kann man davon ausgehen, wenn ein Pferd sich infiziert hat, weil es auf einer Weide stand und dort gestochen wurde, dass die Nachbarpferde in der Umgebung zumindest auch deutlich erhöhtes Risiko haben, auch infiziert zu werden. Das kann man vorneweg nochmal sagen. Das ist ein bisschen schwierig einzuschätzen. Und zur Erkrankung ist es schwierig, gerade am Beginn. Wenn das Pferd sozusagen relativ frisch infiziert ist und anfängt mit Symptomen, wenn es überhaupt Symptome entwickelt, dann sind die gerade so am ersten Tag oder die ersten zwei Tage sehr, sehr unspezifisch. Also manche Pferde sind stocklarm auf einem Bein. Manche Pferde koliken. Manche Pferde haben im Prinzip Symptome wie bei einer Schlundverstopfung oder bei Muskelproblemen. Das heißt, das Gemeine ist wirklich die ersten ein bis zwei Tage, wenn Symptome auftreten, sind total unspezifisch. Und es ist häufig so, dass der Tierarzt gerufen wird und beim ersten Besuch sagt, irgendeinen Verdacht auf irgendwas hat, vielleicht auch mal so ein bisschen behandelt und dann weiß man ja oft nicht, war es das jetzt gut und wenn es ein neurologischer Verlauf ist, die neurologischen Symptome, die kommen dann erst so zwei Tage später, fangen die an. Und dann hat man natürlich schon einen Verdacht, weil man ja weiß, ist das Pferd geimpft? Ja, nein. Sind wir in der richtigen Jahreszeit? Sind wir in einem Risikogebiet? Wenn dann neurologische Symptome auftreten, dann muss man es auf alle Fälle schwer im Verdacht haben oder wie man so schön sagt, zu den Differenzialdiagnosen dazutun.
[SPEAKER 2]
[00:17:03-00:17:26]
Ich verstehe. Ja, das wird natürlich wirklich gemein, wenn es so schwer zu erkennen ist. Wie ist es denn mit einer Behandlung? Also wenn mein Pferd das jetzt hat und vielleicht ich Glück habe, dass ich es früh erkenne oder der Tierarzt oder eben dann, wenn schon neurologische Auffälligkeiten da sind. Gibt es irgendeine Behandlung, irgendeine Therapie?
[SPEAKER 1]
[00:17:28-00:18:41]
Also es gibt keine... die die Ursache behandelt. Also man kann die Viren an sich aus diesem Körper nicht unschädlich machen. Das heißt, der Körper muss, das Immunsystem muss das leider selber machen. Hängt jetzt davon sehr ab, mit welcher Stärke das Pferd sozusagen infiziert ist. Also wie viele Viren muss dieses Immunsystem bekämpfen? Wir können nur das Pferd oder den Körper unterstützen. Man nennt das symptomatische Therapie. Also man versucht zum Beispiel das Fiebersenken, wenn das Pferd Fieber hat oder überhaupt die Entzündung. Wenn es eine sehr starke Entzündung im Hirn und Rücken mag, würde man zum Beispiel Cortison geben, weil man unbedingt irgendwie diese Entzündung dringend runterkriegen muss, weil die sehr viel kaputt machen kann. Man unterstützt das Pferd durch Infusionen, eben genügend Flüssigkeit im Körper zu haben, gegebenenfalls auch zum Beispiel Breifütterung oder sowas. Also man versucht alles drumherum, um dem Körper und dem Pferd das Leben zu erleichtern und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass es das Immunsystem eben selber schafft. Aber wir können nicht ursächlich therapieren.
[SPEAKER 2]
[00:18:43-00:19:15]
Oh ja, wow. Wie lange dauert so eine Erkrankung so typischerweise, kann man das sagen? Also jetzt bei so einem schwereren Verlauf und was ja auch noch die Frage ist, die sich glaube ich viele dann auch stellen, gerade bei so einem schwereren Verlauf. Oder gibt es da Langzeitschäden quasi, die bleiben? Also man muss ja auch sagen, es kann natürlich auch sein, dass das Pferd stirbt. Aber wenn es quasi überlebt, hat es dann langfristig noch Schäden davon.
[SPEAKER 1]
[00:19:16-00:20:20]
Ja, also so eine neurologische Erkrankung kann sich definitiv über mehrere Wochen ziehen. Und dann ist immer das Entscheidende, kommt es zum Festliegen, dass das Pferd nicht mehr aufstehen kann oder nicht. Solange das Pferd noch stehen kann. ist es zumindest möglich, dass das Pferd geheilt wird. Wenn es dann zum Festliegen kommt, sagt man, ist die Prognose eigentlich entfaust und das Pferd sollte eigentlich euthanasiert werden, weil dann eigentlich auch keine Chance mehr ist. Wenn die Pferde genesen, was wir ja hoffen wollen, dann ist es häufig so, dass die aber noch, also es dauert ein paar Wochen, bis es denen wirklich wieder deutlich besser geht. Bis die aber gerade vom Gangbild wieder ganz normal sind, kann das locker auch mal ein Jahr dauern. Und es ist auch gar nicht so untypisch, dass ungefähr nach einem halben Jahr es auch nochmal zu einer vorübergehenden Verschlechterung kommt. So richtig dauerhafte Schäden sind zum Glück sehr selten, aber man muss eben durchaus damit rechnen, dass es ein Jahr dauert, bis das Pferd mehr oder weniger wieder das alte ist.
[SPEAKER 2]
[00:20:23-00:20:38]
Okay, ja, also ich glaube, wir merken gerade schon, es ist wirklich eine ernstzunehmende Krankheit. Natürlich weiß man nicht, wie der Verlauf wird, aber es kann sehr gefährlich und schwerwiegend werden für das Pferd.
[SPEAKER 1]
[00:20:38-00:21:11]
Und ehrlich gesagt leider auch sehr teuer, weil wenn man mal so einen schwerwiegenden Intensivpatienten, egal ob es in der Klinik ist oder zu Hause ist, mit wirklich mehreren Infusionskanistern am Tag. Das muss ja alles gemanagt werden. Dann werden diese Pferde manchmal in so einem Hängegeschirr aufgehängt, weil der Pferdekörper ist nicht dafür gedacht, über längere Zeit zu liegen. Das schaffen die Pferde vom Kreislauf nicht. Das machen sie natürlich auch nicht. Da liegen sie auch maximal so drei Stunden und dann stehen sie wieder auf. Das heißt, es sind wirklich Intensivpatienten, die halt unglaublich teuer werden.
[SPEAKER 2]
[00:21:13-00:21:39]
Klar, das ist natürlich auch ein Aspekt dabei, den man nicht vernachlässigen sollte. Ich habe noch eine Frage. Du sagtest vorhin auch, man hofft, dass das Pferd es selber schafft mit dem Immunsystem. Heißt das auch, dass es gewisse Risikofaktoren gibt, dass manche Pferde vielleicht eine höhere oder niedrigere Chance haben, das zu überstehen? Also jetzt zum Beispiel ältere Pferde oder Pferde, die irgendwie schon eine Vorerkrankung haben.
[SPEAKER 1]
[00:21:40-00:22:43]
Nein, verrückterweise nicht. Also man kann jetzt nicht sagen, dass ältere Pferde viel gefährdeter sind wie jüngere. Manchmal hat man fast das Gegenteil der Fall, aber das kennen wir so ein bisschen. Diese Erkrankung, wenn sie einen neurologischen Verlauf hat, ist ja durchaus in vielen Dingen ein bisschen ähnlich wie Herpes. Da gibt es viele Gemeinsamkeiten, was dort im Körper so passiert, was dann das Problem ist. Das Virus ist natürlich ein ganz anderes, aber Wie der Körper reagiert, ist nicht so arg verschieden. Und da ist ja auch der Fall, dass wir mitnichten, was man immer so denken würde, das ältere Pferd ist viel gefährdeter. Nein, kann man gar nicht sagen. Es sind vermutlich andere Faktoren. Eventuell kann es sogar... ein Vorteil sein, wenn das Pferd, ohne dass man es gemerkt hat, schon in den letzten Jahren immer mal wieder von einer, vielleicht einer Mücke nur gestochen wurde und immer nur ganz kleine Virusdosen abgekriegt hat, die es noch selbst bekämpfen konnte. Also diese Faktoren sind schwer zu greifen, kann man einfach nicht sagen.
[SPEAKER 2]
[00:22:44-00:23:13]
Franziska, du hattest ja gerade den Vergleich auch zu Herpes gezogen. Das würde ich gerne noch einmal einschieben. Das ist vielleicht noch ganz interessant. Bei Herpes, also was vielleicht ein Unterschied ist, bei Herpes ist es ja auch so, dass es hoch ansteckend ist. Da haben wir jetzt noch gar nicht so drüber gesprochen mit dem West-Nil-Virus, weil das ja über die Mücke übertragen wird. Ist es jetzt nicht so, wenn sich ein Pferd im Stall damit infiziert, dass ich sofort Angst haben muss, dass mein Pferd das auch direkt hat?
[SPEAKER 1]
[00:23:13-00:24:25]
Richtig? Nein, definitiv nicht. Ein Pferd ist niemals eine Infektionsquelle für andere Tiere. Der Grund ist, wenn ein Pferd infiziert wird, ist ein Pferd ja riesig. Wir haben ja ganz viel Liter Blut in so einem Pferd rumfliegen. Und das heißt, man nennt das Viruslast ist zu gering. Das heißt, es sind zu wenig Viren im Blut, dass wenn jetzt wieder eine Mücke kommt, die an dem kranken Pferd trinkt, und Blut trinkt, dann nimmt die zu wenig Viren auf. als dass die dann weiter irgendwie das verbreiten könnte. Das heißt, das muss man sich wirklich merken, das Pferd ist niemals eine Infektionsquelle für niemanden beim Westen-Virus. Das gilt übrigens auch für Menschen. Der kann ja auch sogenannter Fehlwirt sein. Pferd und Mensch sind sogenannte Fehlwirte. Das heißt, das Virus ist ja, wie ich schon sagte, für den Vogel gedacht. Und das ist quasi ein Irrtum, wenn das Pferd betroffen ist. Pferd und Mensch sind immer, man sagt, ein Fehlwirt und von den beiden geht keine Infektionsgefahr aus.
[SPEAKER 2]
[00:24:25-00:25:12]
Sehr gut, das ist ja zumindest mal eine gute Nachricht. Und es gibt ja noch eine gute Nachricht. Jetzt kommen wir mal zu einer Frage, die sich, glaube ich, sehr, sehr viele von euch da draußen, viele Pferdebesitzer stellen. Denn es gibt ja eine Impfung. Was ja erstmal eine gute Sache ist, weil du ja auch gerade schon beschrieben hast, dass es eigentlich keine richtige Therapie gibt. Es gibt jetzt nicht ein Medikament, was man gibt und dann erholt sich das Pferd direkt. Ja, und viele stellen sich dann ja die Frage, soll ich mein Pferd jetzt impfen? Ja oder nein? Da würde ich jetzt einfach mal direkt gerne von dir wissen, wenn dich jemand das fragt. Wenn ich dich jetzt fragen würde, naja, mein Pferd steht hier bei mir im Stall, ich bin irgendwie unsicher, soll ich es jetzt impfen gegen das West-Nil-Virus oder nicht? Was würdest du sagen?
[SPEAKER 1]
[00:25:14-00:26:32]
Ich würde als allererstes fragen, wo dein Pferd, also wo der Stall ist, wo dein Pferd steht und dann wirklich auf die Deutschlandkarte gucken. Also die Deutschlandkarte mit den West-Nil-Virus-Verbreitungen. Gucken, ob das in einem Risikogebiet derzeit, das muss man sich im Prinzip eigentlich jedes Jahr neu angucken, weil da gerade zu viel Bewegung drin ist. Wenn das Pferd in so einem Risikogebiet steht, also ich sage jetzt mal nordwestliche Hälfte von Deutschland, würde ich es auf alle Fälle empfehlen. Weil das Einzige Gute an dieser Erkrankung ist, dass die Impfung sehr gut funktioniert. Wir wären froh, wenn alle Impfungen immer so zuverlässig funktionieren würden. Wir haben natürlich in der Tiermedizin gearbeitet. Nie 100 Prozent, das ist immer so, aber wir kommen hier nah ran. Das heißt, eine Impfung ist wirklich ein ziemlich guter Schutz und auch die ständige Impfkommission fährt, da gibt es eine eigene Pferdegruppe zu, die Sagt auch, es zeigte sich, dass eine regelmäßige Westnil-Impfung schwere neuroinvasive Formen der Infektion mit ausreichender Sicherheit verhindert. Und wenn die Medizin von einer ausreichenden Sicherheit spricht, dann ist das schon richtig viel.
[SPEAKER 2]
[00:26:32-00:26:46]
Dann kann man schon sich sehr darüber freuen. Ja, super. Das ist natürlich erst mal eine sehr schöne Nachricht. Du sagtest gerade nordwestlich. Ich glaube, du meinst nordöstlich, oder?
[SPEAKER 1]
[00:26:46-00:26:48]
Entschuldigung.
[SPEAKER 2]
[00:26:48-00:26:50]
Wollte ich nur noch mal klarstellen.
[SPEAKER 1]
[00:26:50-00:26:52]
Ja, Gott mein Fehler.
[SPEAKER 2]
[00:26:53-00:27:06]
Also wenn mein Pferd nordöstlich steht, sollte man das auf jeden Fall in Betracht ziehen. Im Rest von Deutschland kann man wahrscheinlich trotzdem überlegen, wenn man ganz sicher sein will. Aber es ist nicht so dringend jetzt wie in den Risikogebieten.
[SPEAKER 1]
[00:27:06-00:27:38]
Ja, es gibt auch in Süddeutschland einzelne Fälle. Das muss man sich dann wirklich so ein bisschen auf der Karte angucken. Die kann man ja zum Beispiel beim FLI, beim Friedrich-Loeffler-Institut runterladen, muss man googeln. Verbreitung Westnilvirus. Und da kann man sich das genau angucken, wo Fälle aufgetreten sind. Wenn ich natürlich ganz in der Nähe mein Pferd stehen habe, wo auch in Süddeutschland Fälle aufgetreten sind, dann würde ich auch impfen. Aber in der nordöstlichen Hälfte von Deutschland, da würde ich auf alle Fälle impfen.
[SPEAKER 2]
[00:27:39-00:28:04]
Und wie ist das, wenn ich jetzt, also ich will da unbedingt auch gleich noch näher drauf eingehen, was das dann bedeutet, so eine Impfung. Wie ist das, wenn ich jetzt mit meinem Pferd zum Beispiel auf einer Veranstaltung oder auf einem Turnier in ein Risikogebiet reise, aber normalerweise eben nicht in einem Risikogebiet wohne? Würdest du dann auch sagen, dann sollte man sich vorher einmal mit der Impfung auseinandersetzen?
[SPEAKER 1]
[00:28:05-00:28:18]
Auf jeden Fall, weil die Mücken machen keinen Unterschied, ob ich dort wohne oder nur Urlaub wache. Und auch das ist die Empfehlung der Stikowett, dass auch Pferde, die nur vorübergehend in diesen Risikogebieten sind, die sollten auch geimpft werden, unbedingt.
[SPEAKER 2]
[00:28:21-00:28:38]
Genau, wenn ich jetzt sage, okay, ja, habe ich vor oder ich wohne in einem Risikogebiet, wie läuft so eine Impfung dann ab? Also ist es quasi eine Impfung und dann besteht der Impfschutz für immer oder für zehn Jahre oder sind das mehrere? Wie lange hält das so? Vielleicht kannst du da so ein bisschen was zu erzählen.
[SPEAKER 1]
[00:28:40-00:29:58]
Also man braucht eine Grundimmunisierung, so ähnlich wie wir das ja zum Beispiel von Influenza und Herpes kennen. Das heißt, es sind zwei Injektionen im Abstand von vier bis sechs Wochen. Das ist sozusagen die Grundimmunisierung. Und dann impft man jährlich, einmal jährlich. Das Pferd hat ja leider, das ist aber eine grundsätzliche Sache, ein nicht so lang funktionierendes Immunsystem. Das gilt ja leider für fast alle Infektionserkrankungen, gegen die wir impfen müssen, dass wir Pferde vergleichsweise häufig impfen müssen. Es ist ähnlich wie bei Influenza oder Herpes, dass dieser Schutz vor allem über die Antikörper übers Jahr wieder abnimmt. Und die erste Hälfte vom Jahr sozusagen haben wir den besonders guten Schutz. Beim Westnil reicht aber einmal jährlich zu impfen, weil wir impfen immer im Frühjahr vor der Mückensaison. Und dann haben wir quasi über den Sommer, über das Infektionsrisiko, einen relativ hohen Schutz, also einen hohen Antikörpertiter. Über den Winter dann einen niedrigeren. Aber da ist es ja bei Westnil so ein bisschen egal, weil da haben wir eigentlich nicht dieses Infektionsrisiko. Ja.
[SPEAKER 2]
[00:29:60-00:30:25]
Und wenn ich jetzt, also jetzt passt natürlich gerade gut. Im Frühjahr ist genau der richtige Zeitpunkt, sich damit auseinanderzusetzen. Deswegen machen wir auch ja jetzt diese Podcast-Folge. Aber angenommen, ich würde jetzt im Winter feststellen, ich möchte in ein Risikogebiet reisen. Würdest du dann trotzdem impfen, sicher ist sicher quasi? Oder kann man relativ sicher sein im Winter? Braucht man es eigentlich nicht?
[SPEAKER 1]
[00:30:26-00:31:03]
Also wenn es wirklich Winter ist, solange ich keine Stechmücken sehe, habe ich auch eigentlich kein Best-Nil-Virus-Infektionsrisiko. Und wir wissen auch, dass die ersten Fälle immer erst so ungefähr Mitte Juli auftreten. Das heißt, zu früh impfen würde auch keinen Sinn machen. Der ideale Impfzeitpunkt wäre so März, April fast eher. Also eigentlich mehr der April. Weil wir dann eben direkt nach der Impfung oder nach zwei Wochen haben wir den vollen Immunschutz und dann haben wir quasi die nächsten Monate einen besonders hohen Antikörpertiter. Das würde Sinn machen.
[SPEAKER 2]
[00:31:03-00:31:31]
Und wenn ich jetzt, ich habe einfach so ein paar Nachfragen, weil ich es mir vorstellen könnte, was man sich vielleicht fragt, wenn ich jetzt diesen Zeitpunkt verpassen würde aus irgendeinem Grund und es ist aber noch Sommer, sagen wir mal August, könnte man trotzdem auch im August impfen und dann würde man auch im Jahresrhythmus oder würde man dann vielleicht auch überlegen, das nächste Mal dann eben im März zu impfen oder so. Also es ist jetzt nicht so, dass man sagt, jetzt haben wir das Frühjahr verpasst, jetzt impfen wir erst nächstes Jahr wieder, oder?
[SPEAKER 1]
[00:31:31-00:31:50]
Nein, nein, nein. Man kann natürlich jederzeit mit der Impfung starten. Wenn man jetzt zum Beispiel erst im Sommer impft, würde man dann aber gucken, dass man im nächsten Jahr auf diesen Frühjahrsrhythmus kommt. Das heißt, die ziehe ich dann ein bisschen vor und bin dann in dem jährlichen Rhythmus immer im Frühjahr.
[SPEAKER 2]
[00:31:53-00:32:11]
Und vielleicht nochmal zu Nebenwirkungen, weil da gibt es ja schon auch immer so Debatten oder dass man sich fragt, Impfen ja oder nein, gibt es da irgendwelche Risiken? Gibt es irgendwelche bekannten Nebenwirkungen oder Risiken von dieser Impfung?
[SPEAKER 1]
[00:32:11-00:32:45]
Nein, also diese Impfung ist absolut vergleichbar, was die Verträglichkeit angeht, mit der Influenza-Impfung. Das heißt, es kann wie bei Influenza mal zu ein bisschen Fieber kommen oder so. Das kennen wir bei uns Menschen ja auch von der Impfung. Oder das andere wäre, was auch noch auftreten kann, sind eben Schwellungen an der Injektionsstelle. Es wird ja in die Muskulatur geimpft. Und da kann es eben auch zu Schwellungen kommen, die auch mal ein bisschen schmerzhaft sind. Aber das hält sich eigentlich im Allgemeinen alles in Grenzen. Wie gesagt, es ist sehr vergleichbar mit der Influenza-Impfung.
[SPEAKER 2]
[00:32:47-00:32:60]
Also sind quasi die Risiken einer solchen Impfung in den allermeisten Fällen deutlich geringer, als wenn mein Pferd dann einen schweren Verlauf bekommen würde.
[SPEAKER 1]
[00:32:60-00:33:00]
Unbedingt.
[SPEAKER 2]
[00:33:04-00:33:22]
Dann, was ja auch noch spannend ist, wenn mein Pferd jetzt eine Infektion schon mal hatte mit dem West-Nil-Virus, vielleicht einen leichten Verlauf, vielleicht habe ich es dann auch gar nicht gemerkt, aber vielleicht wurde es festgestellt, ist mein Pferd dann immun oder muss es trotzdem geimpft werden noch?
[SPEAKER 1]
[00:33:23-00:35:14]
Ja, das ist eine gute Frage, weil da streiten sich ein bisschen die Geister. Und zwar ist es immer dann schwierig, Studien zu haben, die das so richtig hieb- und stichfest belegen. Und die Aussagen sind ein bisschen unterschiedlich. Und dann ist immer ein bisschen die Frage, man will natürlich auf Nummer sicher gehen. Das heißt, zu welcher Empfehlung ringt man sich sozusagen durch mit dem Wissen, dass man vielleicht nicht eine Sicherheitsgarantie hat. Es ist grundsätzlich so, dass man davon ausgeht, dass wenn ein Pferd infiziert war und das gut überstanden hat, dass im Normalfall einen so guten Immunschutz aufgebaut hat, also vor allem hier nehmen wir als Messparameter immer die Antikörper, die Höhe des Antikörpertitas, dass es über mehrere Jahre geschützt ist. Wenn man aber davon ausgehen muss, dass nicht immer jedes Immunsystem so reagiert, wie man es gerne hätte. Grundsätzlich kennen wir das auch von Impfungen, dass es passieren kann, dass man ein Pferd zum Beispiel impft, könnte auch bei jedem anderen Tier so sein, und es zum Beispiel deutlich schlechter reagiert, antwortet, wie ein anderes Pferd. Da können wir ja nicht reingucken. Das heißt, im Normalfall bestimmen wir diese Antikörper nicht und können es von daher nicht sehen. Wenn man also auf Nummer sicher gehen will, und das ist im Moment auch noch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission Pferd, dann empfiehlt die ein Pferd, was eine Erkrankung gut überstanden hat, ein Jahr später schon wieder zu impfen. Das ist aber sicherlich ein, wie soll man sagen, ein großes Sicherheitsgedanke dahinter. Vermutlich gilt dieser Immunschutz, den das Pferd sich selber aufgebaut hat, doch für ein paar Jahre. Aber wie lang der genau ist, kann eben keiner sagen und der ist auf jeden Fall von Pferd zu Pferd unterschiedlich.
[SPEAKER 2]
[00:35:16-00:35:35]
Also geht man vielleicht lieber auf Nummer sicher. Super, danke dir. Was ja auch noch vielleicht viele interessiert, was natürlich nicht der entscheidende Faktor sein sollte, ob man das jetzt macht oder nicht, aber ist ja auch vielleicht der Kostenfaktor. Was kostet denn so eine Impfung? Wenn man sie jedes Jahr wiederholen muss, ist es ja nicht unerheblich.
[SPEAKER 1]
[00:35:37-00:36:16]
Also die Impfung setzt sich ja, jede Impfung setzt sich zusammen. Das, was ich bezahle, natürlich aus vielen Faktoren. Ich denke, das wissen alle. Das fängt an mit dem Anfahrt des Tierarztes, mit der Hausbesuchsgebühr, klinische Allgemeinuntersuchungen, der Injektion an sich. Und dann ist der Impfstoff im Prinzip nur ein kleiner Teil davon. Aber man kann sagen, dass die Kosten für den Tierarzt, für den Impfstoff etwas höher sind, wie die für den Herpes-Impfstoff. Und dann kann, glaube ich, jeder Tierhalter sich so zusammenrechnen, was er sonst so zahlt, zum Beispiel für die Herpesimpfung. Und dann sind wir ungefähr ein bisschen höher, aber wir sind ungefähr in dem Bereich.
[SPEAKER 2]
[00:36:16-00:36:52]
Ah ja, sehr gut. Sehr gut zu wissen. Okay, dann würde ich gerne noch einmal darauf eingehen, wenn man jetzt, also unabhängig jetzt davon, ob man impft oder nicht, möchte man ja trotzdem auf jeden Fall verhindern, dass sich das Pferd infiziert. Das ist vielleicht auch nochmal ein interessanter Faktor, die Impfung. Wie wirkt die? Also die verhindert ja nicht, dass sich das Pferd infiziert, sondern sie verringert die oder du hast ja gesagt fast 100 Prozent die Chance, dass es einen schlimmen Verlauf gibt. Ist das richtig?
[SPEAKER 1]
[00:36:53-00:37:37]
Genau. Also die Impfung kann nicht vor einer Infektion schützen. Das macht aber eine Influenza-Impfung zum Beispiel auch nicht. Die kann nicht verhindern, dass das Virus eindringt in den Körper. Das nennt man Infektion. Das Eindringen in den Körper kann sie nicht verhindern. Aber sie kann verhindern eben diese schweren klinischen Symptome. Das heißt, die klinischen Ausprägungen der Infektion wird weitestgehend verhindert. Hat auch was damit zu tun, dass das Virus eben nicht so lange im Körper, man sagt zirkuliert, sein Unwesen treibt. Der Körper sich also nicht so lange damit befassen muss, weil es nicht so lange dort verweilen kann und nicht so lange sein Unwesen treibt.
[SPEAKER 2]
[00:37:38-00:38:02]
Ja, das ist es ja so ähnlich, kennen manche ja vielleicht auch vom Menschen. Bei viralen Infektionen oder bei sowas auch wie Malaria und Co. sagt man ja auch immer, der beste Schutz ist der Mückenschutz. Also, dass man am besten gar nicht erst gestochen wird. Und bestimmte Sachen, die man dann nimmt oder impft, helfen natürlich dann.
[SPEAKER 1]
[00:38:02-00:39:24]
Ja, allerdings das Problem mit der Mückenabwehr jetzt zu erschieben. Decken und so weiter. Natürlich ist auch das Pferd angenehmer, wenn es möglichst wenig Mücken am Körper hat. Das ist gar keine Frage und es hilft. Wir müssen uns nur klar machen, dass je nachdem, in welchem Gebiet ich jetzt bin, sagen wir mal auf dieser Weide, Je nachdem, wie viele infizierte Mücken dort sind, wie groß ist der Anteil der infizierten Mücken dort, aber auch wie stark sind die infiziert. Haben die sehr viel Virus aufgenommen, Viren aufgenommen, als sie beim letzten Vogel gesaugt haben? Oder war das nicht so stark kranker infizierter Vogel und die haben nicht so viele aufgenommen? Vielleicht wurde eine Mücke auch, vielleicht hat sie nur ein bisschen gesaugt und hat dann abgebrochen zum Beispiel. Sowas gibt es auch. Je nachdem, wie stark die Mücken infiziert sind, hängt davon ab, wie viele Mückenstiche man braucht, um ein Pferd wirklich nennenswert zu infizieren. Und in der Regel reichen wenige Mückenstiche aus. Das heißt, ich brauche hier nicht irgendwie einen Befall von 100 Mücken, sondern eher so um die 5 bis 10 Mücken, infizierte Mücken, machen schon eine nennenswerte Infektion beim Pferd. Und wir alle wissen die Schlupflöcher in den diversen Decken, inklusive der Beine, dem Maul und so weiter. Das heißt, der Mückenschutz ist wichtig, aber ich glaube nie so vollständig, wie wir es gerne hätten.
[SPEAKER 2]
[00:39:25-00:39:33]
Das heißt, ich kann eigentlich als Pferdebesitzer gar nicht so viele Schutzmaßnahmen allgemein ergreifen, außer die Impfung, oder?
[SPEAKER 1]
[00:39:34-00:39:43]
Also die Impfung ist definitiv das Zuverlässigste. Und bei dem anderen, wie gesagt, wir alle kennen die Lücken in so einer Fliegendecke beispielsweise.
[SPEAKER 2]
[00:39:44-00:40:16]
Ja, das stimmt natürlich. Ja, vielen Dank, Franziska, für all die Infos. Ich glaube, das hat einem schon mal einen sehr guten Überblick gegeben, was das Virus ist, wie wahrscheinlich es ist, dass man sich infiziert, ob man jetzt impfen soll oder nicht. Das fand ich schon mal sehr, sehr hilfreich. Vielleicht können wir es nochmal so ein bisschen zusammenfassen. Was wären für dich denn so die drei, vier wichtigsten Dinge zum Vestilvirus, die man sich auf jeden Fall merken sollte, hier heute mitnehmen sollte? Genau, was wäre das für dich?
[SPEAKER 1]
[00:40:18-00:41:37]
Also die West-Neo-Virus-Erkrankung, Infektion, wird sich wie in unseren Nachbarländern ausbreiten. Sie wird nicht wieder verschwinden. Es wird sich sukzessive ausbreiten. Und zwar, wenn wir in unsere Nachbarländer gucken, sehen wir, die Ausbreitung ist so ein bisschen stufenförmig. Das heißt, es gibt ruhigere Jahre. Wenn wir eher trockene Jahre haben, dann ist nicht so ein hohes. Und wenn aber vor allem Frühjahr und Sommer feucht und warm ist, das sind die Klimabedingungen, die Mücken mögen, dann kommt es manchmal zu sprunghaft ansteigenden Infektionszahlen. Das sehen wir in unseren Nachbarländern. Das haben wir auch zum Beispiel 2024 sehr deutlich gesehen. Also es wird nicht wieder verschwinden. Meistens geht diese Erkrankung, läuft sie relativ glimpflich ab in den meisten Fällen, aber eben in zehn Prozent der Fälle kommt es zu so einer neuroinvasiven Form, wo es dann eben zur Entzündung des zentralen Nervensystems kommt und dann eben zu schweren neurologischen Symptomen und auch dann kann die Krankheit eben auch durchaus tödlich verlaufen. Und als drittes würde ich mir noch merken, dass die Impfung gegen das Westenvirus erfreulich effektiv ist. Wir wären froh, wenn alle Impfungen so effektiv wären wie beim Westenvirus.
[SPEAKER 2]
[00:41:37-00:41:48]
Sehr gut, vielen Dank. Super. Haben wir sonst noch irgendwas, was wir vielleicht jetzt noch nicht erwähnt haben, was dir aber noch wichtig wäre zu sagen?
[SPEAKER 1]
[00:41:51-00:43:03]
Ach ja, vielleicht hat der ein oder andere schon mal gehört, dass es sich hier um eine Zoonose handelt. Was ist eine Zoonose? Eine Zoonose ist eine Erkrankung, die sowohl Mensch als auch Tier betreffen kann. Und dann kommen die Ämter immer gleich auf den Plan. Dann sind die nämlich eingeschaltet, weil es letzten Endes um den Schutz der Menschen geht. Und hier geht es darum, die Verbreitung des Virus zu beobachten, um das Risiko für den Menschen besser einzuschätzen. Es gibt ja auch durchaus menschliche West-Nivirus-Fälle in Deutschland. Und deswegen ist diese Erkrankung auch beim Pferd anzeigepflichtig. Das heißt, jeder West-Nin-Virus-Verdachtsfall wird vom Labor weitergeleitet ans Friedrich-Loeffler-Institut. Da werden weitere Untersuchungen gemacht und wenn sich das dann bestätigt, ist das ein sogenannter amtlicher Fall. Aber keine Sorge, diese sogenannte Anzeigepflicht, A, läuft es automatisch, da muss ich als Pferdebesitzer gar nichts machen. B, es passiert dem Pferd nichts. Das Pferd ist ja, wie gesagt, selber keine Infektionsquelle. Es geht lediglich um das Monitoring über die Ausbreitung dieser Erkrankung, eigentlich mit dem Hintergrund zum Schutz des Menschen.
[SPEAKER 2]
[00:43:04-00:43:12]
Ah ja, nochmal ein sehr wichtiger Hinweis. Das heißt, mein Tierarzt würde das dann quasi melden, wenn du sagst, oder anzeigen?
[SPEAKER 1]
[00:43:12-00:43:43]
Das meldet sogar das Labor automatisch. Der schickt ja beim Verdachtfall, nimmt ja erstmal Blut und dann schickt er, wenn er den Verdacht hat, eben auch kreuzt er an auf dem Anforderungszettel Westin-Virus und dann wird es auf Westin-Virus untersucht. Und wenn das ganz normale erstmal Labor, wo der Tierarzt immer seine Proben hinschickt, wenn die sagen, jawohl, die Probe war positiv, Dann schickt das Labor das automatisch weiter ans Friedrich-Loeffler-Institut und dann läuft die ganze Kaskade von alleine automatisch.
[SPEAKER 2]
[00:43:43-00:43:50]
Ach, sehr gut. Das ist ja praktisch. Dann muss man da nicht selbst tätig werden, weil wenn es dann soweit ist, hat man ja ganz andere Sorgen.
[SPEAKER 1]
[00:43:51-00:43:52]
Das denke ich auch.
[SPEAKER 2]
[00:43:53-00:44:14]
Okay, ja, vielen Dank dir. Vielleicht noch zum Abschluss, wenn sich jetzt jemand noch weiter informieren will, da nochmal tiefer eintauchen möchte oder sogar betroffen ist, was würdest du sagen, wo kann man sich noch gut informieren, außer natürlich mit dieser Podcast-Folge? Was sind so verlässliche Quellen, wo man noch ein bisschen mehr dazu nachgucken kann?
[SPEAKER 1]
[00:44:16-00:45:03]
Auf alle Fälle das Friedrich-Loeffler-Institut, weil das ist eben das deutsche Institut, was sich mit Infektionserkrankungen beschäftigt. Und die haben eine eigene Abteilung zum Thema Westinivirus. Da geht es auch um die Verbreitung bei Vögeln. Vögel sind ja auch eben viel betroffen. Und dann wäre eine weitere gute Informationsquelle, das ist aber immer eine gute Informationskanäle zu Infektionserkrankungen, die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin. Und da gibt es eben die Stiko Vet Pferd. Und die geben Leitlinien raus. Impfleitlinien nennt sich das. Da geht es aber nicht nur um die Impfung, sondern auch um die Erkrankungen. Da gibt es ungefähr alle zwei Jahre auch ein Update. Und das ist frei verfügbar im Internet. Können Sie einfach mal googeln. Und die fassen auch sehr gut die Informationen zusammen.
[SPEAKER 2]
[00:45:05-00:45:29]
Ach super, vielen Dank dir, Franziska. Ja, dann würde ich sagen, wir haben alles Wichtige gesagt. Ich hoffe, es hat euch da draußen geholfen. Vielleicht hat der eine oder andere es jetzt noch mehr auf dem Schirm und überlegt sich nochmal, ob er das Pferd jetzt vielleicht diesen Frühjahr impft. Ja, Franziska, vielen, vielen Dank dir für all deine Einblicke und dein Wissen. Ja, Dankeschön.
[SPEAKER 1]
[00:45:30-00:45:31]
Sehr gerne. Alles Gute.
[SPEAKER 2]
[00:45:32-00:45:54]
Dir auch alles Gute. Bis dann. Tschüss. Wir freuen uns wie immer riesig über eure Bewertungen, euer Feedback, eure Kommentare oder auch Themenwünsche, wenn ihr welche habt. Gerne bei Spotify oder auch allen anderen gängigen Plattformen. Bis dahin habt eine wunderschöne Zeit mit euren Pferden und wir hören uns hoffentlich wieder in der nächsten WeHouse Podcast Folge.

























