Wie viel kostet ein Pferd im Monat?

Drei weidende Pferde.

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

In den letzten Jahren hatte ich ziemlich viel Pech mit Pferden. Ich habe drei Pferde einschläfern lassen müssen und auch ansonsten waren meine Tierärzte ständig da: Griffelbeinbruch, Band überdehnt, Magenprobleme, Cushing, schlechte Leberwerte und und und. Trotz der bestmöglichen Pflege und Haltung. Die ich immer wieder auf die entsprechende Situation angepasst habe. Der seltene Gendefekt WFFS bei meinem Fohlen und das Einschläfern des Neugeborenen war sicherlich das Schlimmste. Und die Ataxien und späteren Lähmungen meiner beiden alten Pferde, die ich beide nach schnellem Krankheitsverlauf einschläfern lassen musste. Sie konnten nicht mehr aufstehen. 
Es war einfach der Wurm drin.

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Von der Reitbeteiligung zum ersten Pferd

Meine Reitbeteiligung, die ich seit ungefähr sechs Jahren habe, hat das alles mitbekommen. Und ihre Eltern. Inzwischen ist sie erwachsen, doch seitdem sie bei mir angefangen hat, gab es den Wunsch: Ein eigenes Pferd bitte! Doch die Eltern sind sehr risikobewusst. Es gab bislang kein eigenes Pferd für sie. Manchmal fühle ich mich daran mitschuldig, an dieser Entscheidung. Schließlich haben sie ja jeden Monat gesehen, was alles dazwischen kommen kann. Meine Tierarztrechnungen, zusammengerechnet, hatten den Wert eines kleinen Autos.

Doch das war nicht immer so. Als ich studierte, mit zwei Pferden, für die ich mir bei der Lokalzeitung die Finger wund schrieb und am Wochenende kellnerte, waren meine Pferde bis auf Kleinigkeiten nie krank. Dazu wohnte ich in einer Pferdehochburg mit viel Konkurrenz unter den Pensionsställen und Land ohne Ende. Die Stallmiete war ein Witz.

Ich hatte einfach Phasen im Leben, wo meine Pferde wirklich günstig waren. Und welche, wo sie jedes Budget sprengten.

Was kosten Stall, Tierarzt, Hufpflege und Versicherungen für Pferde?

Ich erzähle das vorab, weil es die Antwort auf die Frage: „Was kostet ein Pferd eigentlich?“ ist. Die Antwort, die keiner hören will, weil es keine Summe X gibt. Ein Pferd zu halten, kann hundert Euro kosten oder aber Tausende. Kommt immer drauf an. Dennoch kann man immerhin sagen, welche festen Kosten ein Pferd verursacht. Das hilft ja schon mal.

Fest einzurechnen sind:

  • Stallmiete
  • Haftpflichtversicherung
  • Hufpflege
  • Grundfuttermittel, falls nicht in der Stallmiete enthalten (Raufutter wie Heu oder Heulage, Mineralfutter, eventuell Kraftfutter)

Völlig verschieden sind die Ausgaben für:

  • Unterricht und Kurse
  • Tierarztrechnungen
  • Andere Heilmethoden wie Chiropraktik, Osteopathie, Homöopathie
  • Zusatzfuttermittel (für spezielle Themen wie Darmflora, Gelenke, Atemwege zum Beispiel)
  • Utensilien vom Sattel bis zur Glitzerschabracke

Warum Region und Niveau einen enormen Preisunterschied ausmachen 

Außerdem gibt es zwei extreme Stellschrauben: Das Bundesland und der Standort, wo die Pferde gehalten werden. Ist es städtisch, ländlich, wie steht's um Nachfrage und Angebot bei Pferdeställen in der Region? Denn die Preise für Stallmieten sind regional sehr unterschiedlich. Für einen Vollpensionsplatz im Reitstall mit Halle und Paddockbox kann man 250 oder 600 Euro im Monat zahlen. Ausschlaggebend ist zudem das Niveau, auf dem man ein Pferd halten möchte. Der Offenstall mit eingeteilten Stalldiensten, in dem man viel selbst machen muss, ist sicherlich viel günstiger als der professionell angelegte Aktiv- oder Paddockboxenstall mit zwei Reitplätzen und großer Halle. Das macht Preisunterschiede von mehreren 100 Euro aus. Das mit dem Niveau geht aber weiter: Ich kann ein Mineralfutter für 25 Euro im Monat kaufen oder eins für 90 Euro. Ich kann Unterricht für 60 Euro die Stunde nehmen oder für 15 Euro. Oder einfach nie.

Rechenbeispiele: Wie viel kostet ein Pferd pro Monat

Deshalb sind das hier zwei realistische und völlig unterschiedliche Rechnungen für den Unterhalt eines Pferdes.

Fall 1: Pony in preiswerter Region im Offenstall mit Selbstversorgung. Geringerer Anspruch an Ausbildung & Ausrüstung. Kosten pro Monat, jährliche und langfristige Kosten sind auf den Monat herunter gerechnet:

  • 180 Stallmiete 
  •   20 Euro Hufe ausschneiden
  •   20 Euro Mineralfutter
  •   25 Euro Unterricht 
  •     8 Euro Haftpflichtversicherung
  •   14 Euro Impfungen & Wurmkuren 
  •     0 Euro weitere Versicherungen
  •   40 Euro Ausrüstung
  •    x Euro Gesundheit/ Tierarztkosten, nicht kalkulierbar
    >>> 307 Euro Kosten / Monat

Fall 2: Pferd in teurerer Region im Vollpensionsstall, höherer Anspruch an Ausbildung & Ausrüstung. Kosten pro Monat, jährliche und langfristige Kosten sind auf den Monat herunter gerechnet:

  • 450 Euro Stallmiete
  •   90 Euro Hufbeschlag
  •   90 Euro Zusatzfuttermittel 
  • 240 Euro Unterricht
  •     8 Euro Haftpflichtversicherung
  • 22 Euro Impfungen & Wurmkuren
  •   25 Euro OP-Versicherung Pferd
  •    x Euro Lebensversicherung Pferd (abhängig vom versicherten Wert)
  • 200 Euro durchschnittliche Ausgaben für Ausrüstung/ Monat
  • 400 Euro nationales Turnierwochenende mit Fahrt & Übernachtung
  • 25 Euro Betriebskosten Pferdeanhänger
  •    x Euro Gesundheit/Tierarztkosten, nicht kalkulierbar
    >>> 1550 Euro Kosten / Monat

Kosten der Stallmiete für Pferde

Ganz schön happig, was da zusammen kommt. Will man am liebsten gar nicht wissen, oder? Es ist je nach Region wie gesagt sehr unterschiedlich. Du willst echte Zahlen? Das sind aktuelle Pensionspreise von Mitte 2019:

  • Hamburg, 18 km von der Innenstadt entfernt, Bewegungsstall mit Weidegang und Halle: 360 Euro.
  • München, 8,5 km von der Innenstadt entfernt, Innenbox mit Vollservice und Reitplatz, 590 Euro.
  • Harpstedt, 22 km von Vechta entfernt, moderner Bewegungsstall mit 2 Reithallen und Halbpension, 240 Euro.
  • Rostock, 20 km von der Innenstadt entfernt, Offenstall oder Box mit Reithalle, Roundpen, 180 bis 360 Euro.

So viel bezahlen manche Leute für ihre Wohnung. Übrigens habe ich als Studentin weniger für mein WG-Zimmer als für meine Stallmiete ausgegeben. Das war dann eben klein und auch nicht so schick, kein Vergleich zu einem begehrten Altbauzimmer mit Balkon. Tatsächlich führt dieser Vergleich zu einer Frage, die ich letztens im Chat mit einer Instagram-Followerin diskutiert habe.

„Manche sind sich nicht bewusst, in welcher privilegierten Lage sie sind“, schrieb sie mir. Sie meinte damit meine Follower und auch mich. Diese Frage ließ mich nicht mehr los. Lies auf dem Blog weiter:

Kann man noch ein soziales Gewissen haben, wenn man so viel Geld in Pferde steckt?