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#Interview - Das große Raphael Netz Update

Im Gespräch mit Christian Kröber blickt Dressurreiter Raphael Netz auf einen der größten Erfolge seiner bisherigen Karriere zurück: den Mannschaftsweltmeistertitel bei der WM in Aachen. Er erzählt, wie er sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat, welche Bedeutung die Vorbereitung hatte und wie er die besonderen Momente im Wettkampf erlebt hat. Dabei spricht er über seine Ritte im Grand Prix Special und in der Kür, die Atmosphäre vor heimischem Publikum und die Emotionen hinter den Kulissen. Außerdem gibt Raphael Netz Einblicke in die weitere Entwicklung seiner Pferde, die Herausforderungen im internationalen Spitzensport und seine Ziele für die kommenden Jahre.

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Produktion: Olivia Herrmann

Vermarktung: Carolina Hofmann

Podcast Transkript

Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.

[SPEAKER 1]
[00:00:00-00:00:04]
Heute zu Gast der Mannschafts-Weltmeister im Dressurreiten, Raphael Netz.

[SPEAKER 2]
[00:00:06-00:01:08]
Am Sonntag waren wir noch in Aachen und Montagmorgen war ich um 7 Uhr im Stall. Habe meine Pferde auf die Koppel gebracht und habe dann das Reiten angefangen und habe dann 13 Pferde an dem Tag geritten. Worauf ich hinaus möchte, es geht weiter. Also es war ein ganz, ganz tolles Event, super erfolgreich und den Titel werde ich auch mein Leben lang behalten dürfen. Also ich werde das nicht mehr verlieren. Und das ist natürlich schon ein riesen, riesen Erfolg und auch ein riesen Meilenstein und auch etwas, wo ich mal so ganz... Ganz stolz auch darauf ausatmen darf. Ich will nicht ausruhen sagen, weil das ist es nicht. Sport geht weiter, die Erde dreht sich weiter. Aber ich kann nochmal sagen, wir haben es geschafft. Und das tue ich mental auch. Gleichzeitig reite ich aber auch weiter. Ich bin jetzt in der Zwischenzeit schon wieder viele Turniere geritten, mit anderen Pferden logischerweise. Und die Ausbildung geht weiter. Und mein Ziel ist es einfach, meine nächste Generation an Pferden auszubilden, am Turnier vorzustellen und natürlich jetzt auch die nächsten Pferde in die Weltspitze zu bringen. Das ist meine persönliche Mission.

[SPEAKER 3]
[00:01:09-00:01:26]
Herzlich willkommen zum WeHorse Podcast. Heute mit Christian Kröber. WeHorse ist deine Lernplattform, auf der du täglich Inspirationen, Trainingstipps und das Wissen der besten Trainer bekommst, um gemeinsam mit deinem Pferd jeden Tag besser zu werden.

[SPEAKER 1]
[00:01:30-00:02:53]
Und wir haben heute einen derjenigen zu Gast, der endgültig den Durchbruch auf Weltniveau gefeiert hat. Der Mannschafts-Weltmeister Raphael Netz, der furios mit der deutschen Mannschaft die Goldmedaille holte, aber auch im Einzel glänzte. Und das ist Grund genug, mal wieder einen Podcast zu machen und ein großes Raphael-Netz-Update hier bei uns im Podcast zu geben. Mit allem, was dazugehört, die Geschichten davor, die Geschichten währenddessen und danach, die große Weltmeisterschaftsfolge mit Raphael Netz. Bevor wir starten, gibt es noch ein Update bei uns aus dem Maschinenraum. Ab sofort gibt es den neuen KI-Coach bei uns in der App. Damit bekommst du einen ganz persönlichen Trainingsbegleiter für dich und dein Pferd. Du trackst deine Einheiten in der App, der Coach analysiert dein Training, erkennt Muster über Wochen und gibt dir konkrete Impulse für die nächste Einheit. Aus jedem Tipp führt direkt der nächste passende Schritt, zum Beispiel in eine Übung aus einem unserer 400 Kurse. So kannst du besser werden und zielgerichteter trainieren, getreu dem Motto tracken, verstehen und besser werden. Dazu ist der KI-Coach ohne Aufpreis der Zeit verfügbar in deiner WeHouse-Mitgliedschaft. Also viel Spaß damit, probiert es einfach aus bei uns in der App. Hallo Raphael.

[SPEAKER 2]
[00:02:53-00:02:53]
Grüß dich Christian.

[SPEAKER 1]
[00:02:54-00:03:05]
Wir sind wenige Wochen nach den Weltmeisterschaften von Aachen. Und was kommt in... In den Sinn, wenn du hörst, Raphael Netz, Komma, Mannschaftsweltmeister.

[SPEAKER 2]
[00:03:05-00:03:34]
Ja, also da schießt mir direkt wieder das Grinsen ins Gesicht. Dieser Satz oder auch allein, wenn meine Gedanken so schweifen zurück zu dieser Woche und ich so ein paar Sachen nochmal im Kopf einfach Revue passieren lasse, da kriege ich eigentlich immer noch Gänsehaut. Und ich muss sagen, ich werde seitdem tatsächlich oft mit Hey Weltmeister angeredet oder auch auf den Turnieren, in denen ich bisher gestartet habe, wurde ich als Mannschaftsweltmeister angesagt. Und das ist natürlich schon so ein Gefühl, da wird man gleich nochmal ein bisschen innerlich größer. Schon was Besonderes.

[SPEAKER 1]
[00:03:34-00:04:02]
Das ist ja für dich ja klar der größte Erfolg deiner Karriere. Wir haben hier im Podcast zusammengesessen vor über 50 Folgen. Das war im Dezember 2024. Damals ging es darum, dein Vordringen in die erweiterte Weltspitze. Du hast damals gegründet deinen eigenen Betrieb, deine eigene Firma. Jetzt sind wir quasi fast zwei Jahre weiter und du bist jetzt wirklich in der Weltspitze auch angekommen. Wie stolz bist du auf diese Entwicklung?

[SPEAKER 2]
[00:04:02-00:04:43]
Unheimlich stolz, unheimlich stolz. Also vor allem vor dem Hintergrund, wie du gerade selber schon gesagt hast, dass es das eigentlich noch gar nicht so lange gibt. Also unseren Betrieb, unsere Firma, die Netze Question GmbH, die Selina und ich zusammen haben, die gibt es jetzt seit zweieinhalb Jahren. Am 1. Mai 2024 war erster Arbeitstag, war Stichtag. Und dann in so kurzer Zeit am Ende den Betrieb hochgezogen zu haben und auch Sport. so über die Jahre mit dabei gewesen zu sein, mit zwei Teilnahmen am Weltcup-Finale und jetzt natürlich auch den Mannschaftsweltmeistertitel. Das ist irgendwie... Also ich hätte es mir so nicht mal zu wünschen getraut am Anfang dieser Zeit.

[SPEAKER 1]
[00:04:44-00:04:50]
Du sprichst ja an, deine Firma trinkt sogar hier aus Netz-Equestrian-Tassen. Also es gibt sozusagen Merch. Branding ist alles.

[SPEAKER 2]
[00:04:51-00:04:52]
Prost mit Wasser.

[SPEAKER 1]
[00:04:53-00:05:15]
Aber lass uns mal in diesen ganzen Weg Richtung Aachen gehen. Also du warst schon immer im erweiterten Kreis der Mannschaft, aber viele hatten dich nicht zwangsläufig auf dem Zettel als sicherer Kandidat für die Mannschaft. Führ uns mal durch das Jahr. War für dich Aachen schon mal ganz klar die Ausrichtung, da will ich hin?

[SPEAKER 2]
[00:05:15-00:06:42]
Nein, war es nicht. Also ich habe mich in den letzten paar Jahren ziemlich in die Serie des Weltcups verliebt, weil ich das einfach eine ganz, ganz tolle Serie finde. Es ist ein ganz tolles Turnier, es macht unheimlich viel Spaß. Und unser Ziel, unser definiertes Ziel für 2026 war Teilnahme Weltcup-Finale. Das haben wir so über den Winter oder beziehungsweise vor der ersten Etappe definiert, was auch fantastisch funktioniert hat. Ich glaube, wir haben fast über die Hälfte der Saison die Weltcup-Liga angeführt. Und haben uns dann auch fürs Finale qualifiziert. Und das war eigentlich schon mental unser Saison-Highlight. Und dann kam so ein bisschen Pech dazu. Wirklich drei Tage vor Abfahrt hat Kemmelot ein Hufgeschwür entwickelt, weil er sich einmal auf der Koppel... das Eisen abgezogen hatte, war für uns in dem Moment jetzt zwar traurig, weil wir gerne mit Camelot nach Texas geflogen wären, aber nicht ganz so tragisch, weil ich in der Luxussituation bin, zwei Pferde zu dem Zeitpunkt im Weltcup gut geritten zu haben und aktuell jetzt auch zwei Pferde im Olympiakader zu haben, nämlich DSP Diodoné, den wir dann ganz einfach einwechseln konnten. Und zu dem Zeitpunkt haben wir gesagt, gut, ist jetzt schade mit Camelot, aber wer weiß, wofür es gut ist. Haben wir zu dem Zeitpunkt gesagt. Und jetzt im Nachhinein haben wir natürlich gescherzt, der wollte halt einfach nach Aachen. Aber nach Texas haben wir uns vorgenommen, wir machen jetzt eine ganz entspannte grüne Saison, reiten zwei, drei Turnierchen und dann holen wir Luft und dann reiten wir wieder Weltcup. Das war eigentlich unser Fahrplan.

[SPEAKER 1]
[00:06:42-00:07:05]
Und man muss ja dazu sagen, dass die Paare, die dann die Aspiranten für die Weltmeisterschaften sind, häufig diese Weltcup-Finals in der Saison nicht gehen. Also man hält sozusagen das Pulver trocken, um zu sagen, wir wollen jetzt nicht im Weltcup-Finale schon zeigen, wo vielleicht auch der Leistungsstand ist. Es ist ja viel Taktik dabei, sondern man hält ein bisschen zurück. Und wenn man auch die Liste durchschaut, ich glaube, Becky Moody und Jagger Bomb, die waren dabei.

[SPEAKER 2]
[00:07:05-00:07:07]
Genau, die haben ja das Weltcup-Finale gewonnen.

[SPEAKER 1]
[00:07:07-00:07:15]
Die haben sogar gewonnen. Aber man sagt eigentlich so, von der wirklich erweiterten Weltspitze gehen die häufig dann nicht diese Championate vorher.

[SPEAKER 2]
[00:07:16-00:07:38]
Würde ich so per se gar nicht sagen, aber ich würde schon, also ich stimme dir zu, wenn die Anreise sehr weit ist. Also war ja jetzt dieses Jahr auch der Fall mit Texas, genau mit einem interkontinentalen Flug. Halten sich dann viele schon zurück. Das stimmt, aber wenn das Weltcup-Finale jetzt so wie letztes Jahr in der Schweiz stattgefunden hat, da war dann eigentlich schon viel los, meine ich, wenn ich mich jetzt recht daran erinnere, an die Liste.

[SPEAKER 1]
[00:07:38-00:07:46]
Also Weltcup-Finale, du bist dort am Start, grüne Saison ist eigentlich das Ziel, wie ging es dann weiter?

[SPEAKER 2]
[00:07:46-00:07:52]
Ja, also tatsächlich, wie gesagt, grüne Saison war einfach nur der Fokus, ein paar lockere Turnierreiten, halt einfach, ja.

[SPEAKER 1]
[00:07:53-00:07:54]
Druck war ja auch raus.

[SPEAKER 2]
[00:07:54-00:08:01]
Ja, komplett. Ich meine, wir waren gerade beim Weltcup-Finale. Wir waren sehr gut. Wir waren mit unserem Reservepferd Fünfter im Weltcup-Finale. Da war ich super happy mit.

[SPEAKER 1]
[00:08:01-00:08:02]
Zum zweiten Mal in deiner Karriere?

[SPEAKER 2]
[00:08:02-00:11:14]
Genau, zum zweiten Mal. Das war alles easy. Das war toll. Und wie gesagt, dann sind wir so ganz locker in die grüne Saison gestartet, haben durch den Wechsel für Texas auch so ein bisschen die Turniere einmal getauscht. Also eigentlich hätte... Hätte Dieu in München gehen sollen, dann haben wir halt getauscht und es ist halt Camelot in München, Fünf Sterne, gegangen und war da dann auch schon richtig gut. Also da haben wir tatsächlich auch im Verhältnis zu den Vorjahren über den Winter nochmal einen Prozent drauflegen können. Also in München haben wir zum allerersten Mal 74 Prozent bekommen im Spezial, das hatten wir vorher noch nie. Das hat dann natürlich auch schon so ein kleines bisschen... Ich sage mal, Rückenwirt gegeben, dass wir natürlich auch etwas souveräner auch Richtung Deutsche Meisterschaft gefahren sind. Natürlich noch genauso locker, aber souverän dahin gefahren, wo wir dann, glaube ich, auch eine richtig gute Leistung zeigen konnten. In drei Prüfungen konnten wir sogar die Bronzemedaille in der Kür gewinnen. Was für mich eigentlich auch ein Saison-Highlight war, Denn am Ende war es bei den Senioren so die erste Einzelmedaille. Also klar, auf einer deutschen Meisterschaft. Auch ein Meilenstein. Ein Riesenmeilenstein. Und wir haben uns gefreut wie ein Keks, weil das war gar nicht das Ziel. Wir wollten einfach nur locker ein bisschen eine schöne deutsche Meisterschaft haben, weil bisher da wirklich ein sehr schönes Turnier. Und dass man dann mit einer Medaille heimfährt, das war natürlich dann schon so, ach, toll, cool. Und dann haben wir uns für Hagen qualifiziert, beide Pferde in der sogenannten E-Tour. Denn Hagen war ja dieses Jahr, ich sag mal, das Ausweichturnier für das eigentliche Chio Aachen. Für den Nationenpreis, korrekt. Genau, was dieses Jahr nicht stattgefunden hat, aufgrund der Weltmeisterschaft. Und deswegen gab es in Hagen zwei Touren. Also die O-Tour, der Nationenpreis, und die E-Tour, CDO, CDI. Und wir hatten es nicht in die O-Tour geschafft. Da waren wir erste Reserve für, sondern beide Pferde in der E-Tour. Und dann habe ich am Freitag vor Abfahrt nach Hagen einen Anruf gekriegt, dass wir in die O-Tour nachrücken mit Camelot. Und das war dann so der erste Moment, wo ich dachte, ja, okay, jetzt haben wir vielleicht sogar eine reelle Chance. Weil klar merkt man, okay, man ist dabei, aber man ist natürlich auf Platz 4 oder 5 oder 6 gewesen oder dann in der Kür mal auf 3. Aber ich habe mich da, wie gesagt, mental gar nicht so drauf versteift. Aber dieser Moment war dann der Moment, wo klar war, okay, in Hagen wird um die Weltmeisterschaft geritten. Das war ab diesem Moment klar. Und da war dann natürlich auch... Ja, mental, der Druck ein bisschen. Ich kann mich noch genau an den ersten Ritt in Hagen erinnern, der Grand Prix. Das war am Ende der wichtigste Ritt, weil der Grand Prix entscheidet beim Nationenpreis wie auch auf der Weltmeisterschaft die Mannschaftsmedaille. Und natürlich wird die deutsche Equipe oder jede Equipe wird natürlich so ein bisschen nach der Mannschaftswertung auch ausgelegt, weil das ist ja das Ziel, was ein Land erreichen möchte, die Mannschaftsmedaille. Und deswegen war mir klar, okay, dieser Ritt wird jetzt entscheiden, ob wir an einer Weltmeisterschaft teilnehmen dürfen oder nicht. Da ist man schon mit Druck um den Kessel eingeritten, sage ich mal. Aber dem Druck haben Kemmelot und ich fantastisch standgehalten. Wir konnten zwei richtig gute Runden in Hagen zeigen. Auch wieder mit über 74 Prozent im Spezial, womit wir uns dann für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben.

[SPEAKER 1]
[00:11:14-00:11:51]
Ja, und das ging ja in Balve los, wie du schon angedeutet hast. Da ist der Grand Prix ja auch der, der am klarsten von den Entscheidungsträgern der FN auch beäugt wird, weil da immer die Mannschaftsmedaille drauf ausgerichtet ist. Und das ist erstmal das Wichtigste, was man als deutsche Nation auch absichern möchte. Dann, es gab ja auch verletzungsbedingte Ausfälle, zum Beispiel Inge Klimke mit Veyron, was ja dann in diesem Falle dir ein bisschen auch zugute kam. Dadurch hattest du eine Kontrahentin weniger für diesen vierten Platz. Hast du dann schon in Hagen gemerkt, okay, das lochen wir hier jetzt ein?

[SPEAKER 2]
[00:11:52-00:12:24]
Also in Hagen war, wie gesagt, das erste Event, wo es so wirklich um die Weltmeisterschaft ging. Und ich war... War schon sehr aufgeregt, aber ab dem Moment des Grand Prix, beziehungsweise wo der Grand Prix durch war und ich wusste, okay, wir haben geliefert, wir haben wirklich alles gegeben, was wir konnten. Wir haben auch eine super Runde und super Prozente gekriegt. Ab dem Moment war ich... Also nicht souverän, weil natürlich weiß man immer nie, was passiert und wer nominiert wird etc. Aber ab dem Moment war ich schon ein bisschen okay, jetzt haben wir auch alles getan, was wir konnten. Sodass ich eigentlich wieder so ein bisschen entspannter in den Spezial reiten konnte.

[SPEAKER 1]
[00:12:25-00:12:27]
Wie hast du dann die Mitteilung erhalten, dass du dabei bist?

[SPEAKER 2]
[00:12:27-00:12:41]
Per Telefon. Also ich glaube so eine Stunde ungefähr, bevor es öffentlich gemacht wurde, habe mich Klaus Rösler. Angerufen und er hat nicht mal Hallo gesagt. Er ist rangegangen, hat einfach mal gesagt, willkommen in der Mannschaft und mein Grinsen war sehr hoch.

[SPEAKER 1]
[00:12:41-00:12:42]
Weißt du noch, wo du da warst?

[SPEAKER 2]
[00:12:44-00:12:45]
Ja, weiß ich tatsächlich noch.

[SPEAKER 1]
[00:12:46-00:12:52]
Wo warst du? Auf dem Pferd. Also auf dem Pferd, okay. Wo sonst? Beim Schrittreiten. Jetzt nicht irgendwie im Supermarkt, gerade in der Kasse?

[SPEAKER 2]
[00:12:53-00:13:00]
Nein, nein, das war der nächste Tag. Das war recht früh, irgendwie vormittags. Da habe ich gerade Pferde getauscht und war am Schrittreiten. Da bin ich natürlich rangekommen.

[SPEAKER 1]
[00:13:00-00:13:02]
Und was war das für ein Gefühl?

[SPEAKER 2]
[00:13:02-00:13:49]
Ein tolles Gefühl. Also hat, glaube ich, schon kurz gedauert bei mir, dass ich so dachte, ja, okay, das passiert jetzt wirklich, weil das kam so ein bisschen surreal rüber, weil das ist ja ein Kindheitstraum von mir gewesen und ein riesengroßer Punkt auf meiner innerlichen Bucketlist. Und dass man das dann so erreicht hat, also in dem Moment der Nominierung zumindest schon mal auf dem Papier erreicht hat, war dann schon so, Wow, Wahnsinn. Also so hätte ich nicht gedacht. Und ich bin dann auch sofort abgestiegen, bin in den Stall rein und habe es meinen Mädels erzählt. Wurde erstmal gejubelt. Wurde erstmal gejubelt. Wir haben, also der Tag verlief dann irgendwie nicht ganz so strukturiert wie sonst, weil die Euphorie war so groß. War schon ein toller Moment. War ein wirklich toller Moment.

[SPEAKER 1]
[00:13:49-00:14:10]
Und dann auch im eigenen Land. Das ist ja auch nochmal ein anderes Level. Wenn du jetzt irgendwo in die USA fliegst, auch mega, mega Erfolg, aber im eigenen Land etwas, was in einer Reiterkarriere, es sei denn, man ist sehr lange dabei, wahrscheinlich nur einmal passiert. Otto Becker, Bundestrainer, Springer, der sagt immer, es passiert in der Reiterkarriere einmal, dass du dabei sein kannst im eigenen Land. Ist ja schon was ganz Besonderes.

[SPEAKER 2]
[00:14:11-00:14:39]
Dem stimme ich zu 100% zu. Also das waren so ein paar Faktoren, die sich einfach zusammen multipliziert haben. Also erstmal Weltmeisterschaft überhaupt, erstmal Championat bei den Senioren und dann gleich eine WM. Das ist natürlich auch was Besonderes. Dann noch im eigenen Land und dann noch in Aachen sogar, dem heiligen Rasen des Reitsports. Das waren natürlich einfach so Faktoren, die haben das Ganze irgendwie immer noch bedeutender werden lassen für mich oder ich denke auch für alle anderen, die da geritten haben, auch für Deutschland.

[SPEAKER 1]
[00:14:40-00:14:50]
Und hat sich danach deine Vorbereitung verändert? Also ist danach sozusagen der Moment der Nominierung Zeitpunkt Null und dann wird gerechnet bis zum Grand Prix, bis zum Einritt?

[SPEAKER 2]
[00:14:51-00:16:00]
Nur hier oben. Also mir war klar, ab dem Moment, wo der Anruf kam, okay, jetzt wird... Die größte Herausforderung wird sein, es nicht zu gut machen zu wollen. Oder jetzt nicht großartig was umzuwerfen oder anders machen zu wollen, weil wir auf eine Weltmeisterschaft fahren. Weil mir war sofort glasklar, okay, wir müssen genauso weitermachen, denn am Ende hat unser bisheriges Management und Trainingsplan uns genau zu diesem Moment gebracht, wo wir... Die gesamte Saison 1% höher geritten haben als das Jahr davor und uns für eine Weltmeisterschaft qualifiziert haben. Deswegen war ja eigentlich auch glasklar, okay, alles, was wir jetzt anders machen, wäre eigentlich nicht so clever. Aber dem Perfektionismus keine Oberhand zu lassen, das war meine persönliche größte Hürde. Also vor allem, wenn man im Sattel saß, weil dann denkt man sich, okay, der Übergang geht vielleicht noch besser, den mache ich nochmal. Oder die Traversale geht noch ein bisschen mehr gebogen, noch ein bisschen geschmeidiger. Und diese Gedanken im Sattel nicht, denen keinen Platz zu geben. Also nicht zu sagen, okay, das geht noch besser, das nochmal zu machen, sondern sich nach wie vor eigentlich... Auf den Trainingsplan, wie man ihn bisher hatte, zu konzentrieren, auf das Pensum und wie gesagt, nicht den Perfektionismus gewinnen zu lassen. Das war meine persönlich größte Hürde.

[SPEAKER 4]
[00:16:00-00:16:01]
Wie hast du das gemanagt?

[SPEAKER 2]
[00:16:02-00:16:24]
Ich habe es einfach nicht getan. Also ich wage zu behaupten, ich bin ein recht reflektierter Mensch und merke auch, was mit mir passiert. Also das, was ich jetzt gerade beschrieben habe. Ich habe gemerkt, okay, ich sitze auf dem Pferd und ich will diese Traversale Beispiel jetzt nochmal reiten. Das habe ich einfach nicht getan. Weil ich dachte mir, nein, warum? Der kann traversalen.

[SPEAKER 4]
[00:16:24-00:16:26]
Würdest du sonst auch nicht machen wahrscheinlich.

[SPEAKER 2]
[00:16:26-00:16:55]
Ja, und am Ende, also mir war klar, es waren ja so vier Wochen, ich bringe... ihm in diesen vier Wochen jetzt auch nichts Neues mehr bei. Der kann alles, ich kann alles, wir müssen nur locker sein. Locker bleiben. Das Training war hauptsächlich Gymnastik. Also ich habe mich auf die Aufgaben gar nicht vorbereitet. Ich habe wirklich einfach nur Durchlässigkeit gemacht. Er hat ganz stumpf seinen Urlaub beibehalten nach Hagen, weil ich gebe meinen Pferden immer Urlaub nach großen Turnieren. Ganz, ganz stumpf. Da haben wir auch nicht dran gerüttelt. Der hat seinen Urlaub gehabt. Danach haben wir den ein bisschen locker geritten. Dann sind wir nach Warendorf ins Trainingslager gefahren.

[SPEAKER 1]
[00:16:55-00:17:08]
Ja, und am Ende, wie häufig in deinem Leben bist du schon im Grand Prix geritten? Ja, auch mit Camelot. Hunderte Male. Das ist ja hunderte Male. Hunderte Male, ja. Das Programm ja drauf. Es geht ja eher um dieses ganze Surrounding, dass man quasi zum richtigen Moment in der besten Form ist.

[SPEAKER 2]
[00:17:08-00:17:31]
Genau, und das ist was, was natürlich, das macht man dann auch nicht mehr in den letzten vier Wochen, sondern am Ende musst du eine Saison so aufbauen und auch dein Pferd und dich selber auch so managen, dass du natürlich zum Saisonhöhepunkt auch auf deinem bzw. Auf eurem Höhepunkt bist. Und wie gesagt, da machen die letzten vier Wochen vielleicht noch zwei, drei Prozent aus. Also da macht man dann auch nicht mehr so viel.

[SPEAKER 1]
[00:17:32-00:17:41]
Du trainierst ja mit Sebastian Heinze hauptsächlich. Und hast du dann den häufiger einfliegen lassen hier? Oder ihr habt einfach die Routine beibehalten?

[SPEAKER 2]
[00:17:41-00:17:59]
Alles beibehalten. Also Sepp war einmal da. Zwischen Hagen und Aachen, weil der ist so alle vier, fünf Wochen ist er bei uns für einen Tag, da machen wir immer alle Pferde, fliegt morgens rein, fliegt abends wieder raus und dann habe ich meine Hausaufgaben und dann arbeite ich daran weiter, bis er das nächste Mal wiederkommt. Und da haben wir auch nichts anders gemacht. Also wir waren nur einmal da. Ich hatte nur einmal richtiges Training quasi vor.

[SPEAKER 1]
[00:18:00-00:18:04]
Machst du dann auch irgendwie Videoanalysen, dass du mal ein Video schickst und sagst, hör mal zu, hier, so sieht es gerade aus?

[SPEAKER 2]
[00:18:04-00:18:46]
Also eigentlich nicht. Also eigentlich nicht. Wirklich nur, wenn ich ein explizites Thema habe. Und selten. Also ich will nicht sagen, nein, aber nicht so viel. Nee, nicht so viel. Oder auch so Online-Unterricht habe ich nicht. Bin ich persönlich nicht so der größte Fan von. Ich bin ja irgendwie oldschool, ich mag das lieber noch live. Ja, aber also schon, wir reden viel. Er kennt ja auch den Camelot sehr gut. Ich meine, seitdem Camelot bei mir ist, kennt er ihn ja auch, weil er trainiert mich jetzt schon seit, ich glaube, knapp über acht Jahren, also schon wirklich lange. Und wir tauschen uns schon viel aus. Also ich rufe ihn auch oft mal an und erzähle ihm dann einfach eine Sache und dann reden wir kurz drüber. Und das kann manchmal schon viel helfen, einfach auch ohne, dass man es gesehen hat. Einfach der Austausch. Also mir persönlich tut das ganz gut.

[SPEAKER 1]
[00:18:46-00:18:55]
Danach ging es dann ins Trainingslager nach Warendorf, wo die gesamte Equipe zusammengezogen wurde. Also Isabel Wert. Kata Hemmer, Frederik Wandres und du.

[SPEAKER 2]
[00:18:56-00:18:56]
Und Semike war auch noch da.

[SPEAKER 1]
[00:18:57-00:18:58]
Und Semike Rotenberger, die Ersatzreiterin.

[SPEAKER 2]
[00:18:58-00:18:59]
Genau, richtig.

[SPEAKER 1]
[00:18:59-00:19:07]
Die sozusagen die erste Reserve, falls einer ausfallen sollte, die dann eingesprungen wäre. Dann wird dort trainiert. Wie läuft so ein Trainingslager ab? Führ uns da mal durch.

[SPEAKER 2]
[00:19:08-00:20:14]
Ja, also eigentlich ziemlich lässig. Also wir sind einen Tag früher angereist als alle anderen, weil wir das eigentlich immer so machen, weil wir oft die weiteste Anreise haben. Und ich kämme laut oder all meinen Pferden immer auch eine Zeit des Ankommens gestatten möchte. Deswegen sind wir angekommen und an Tag 1 habe ich ihn nicht mal geritten. Wir haben ein bisschen spazieren geführt da durch den Warendorf. Das war ganz schön. Und dann am nächsten Tag, am ersten richtigen Tag, war so das Eintrudeln von allen. Also da sind so alle nach und nach angekommen. War ganz schön, man hat sich begrüßt. Die Freude war natürlich groß und die Stimmung war noch sehr locker. Also es waren alle wirklich, die haben sich alle gefreut, es war entspannt. Und dann am Ende waren Trainingseinheiten. Alle hintereinander, jeder natürlich mit der gesamten Truppe im Hintergrund, also Monika Theodorescu, Hendrik Lochthove, Hermann Erber, Michael Geier, Dr. Anna Rötting, Klaus Röser, El Presidente war auch dabei. Martin Riegenhagen. Genau, und dann steht da wirklich die ganze Truppe am Rand und guckt einem beim Training zu. Und das war eigentlich Tag 1. Tag 2, morgens...

[SPEAKER 1]
[00:20:14-00:20:18]
Geht dir ein bisschen die Düse, wenn da so diese ganzen Granden stehen? Weil da geht dir das schon...

[SPEAKER 2]
[00:20:19-00:22:08]
Also wenn man an den Punkt angekommen ist, ist man das gewohnt. Also ich meine, wir reiten dann ja auch nicht das erste Mal vor Publikum oder das erste Mal vor Entscheidungsträgern. Das gehört zum Game dazu. Das gehört einfach zum Game dazu, genau. Und am Ende, die Atmosphäre war gut. Wir hatten alle ein Ziel. Wir wollten alle konstruktiv, ordentlich trainieren, um halt dann in bestmöglicher Form... Auch in Aachen anzureisen. Und da hat jeder seinen persönlichen Trainingsplan beibehalten. Also ich habe zum Beispiel an Tag 1 nur 20 Minuten ein bisschen locker geritten. An Tag 2 habe ich dann ein, zwei Auszüge aus der Aufgabe geritten. Also ich weiß noch genau, ich habe es einreiten halt in Größen gemacht, weil das ist immer so die erste Visitenkarte, das Üben. Ich schon, also wenn ich was übe, dann übe ich eigentlich mal halten rückwärts, einreiten, halten, grüßen. So diese technischen Kleinigkeiten, die an sich nicht kompliziert sind, aber in meinen Augen eine Fleißarbeit. Weil ich finde immer, wenn du dir ein Grand Prix anguckst und du guckst dir 20 Reiter an und beim Halten rückwärts siehst du genau, wer es übt und wer nicht. Weil es ist nicht so kompliziert, aber es ist eine kleine Fleißarbeit. Man muss so ein bisschen im Thema drin sein. Und am Tag zwei war dann auch Videoteam da. Also da wurden wir von zwei Perspektiven gefilmt und konnten, wie gesagt, explizit sagen, das soll gefilmt werden, dass man danach auch eine Videoanalyse machen kann. Das haben wir dann in meinem Training, wie gesagt, auf die Einreiten halten. Grüßen. Ich bin die erste Passage-Tour geritten, also Mitteltrap, Passage, links um Schritt, das habe ich gemacht. Und so Kleinigkeiten. Und da hat jeder sein Pensum gehabt und sein Thema gehabt. Also da jeder durfte frei quasi reiten, was er wollte, wie er wollte. Und Sepp war auch bei mir mit im Trainingslager und hat da schon auch mit Monika zusammen das Training übernommen. An Tag drei war dann eigentlich auch nur nochmal so ein leichtes Lockerreiten, für mich zumindest. Und an Tag vier sind wir dann morgens nach Aachen gefahren. Das war dann der Samstag, an dem wir in Aachen angereist sind.

[SPEAKER 1]
[00:22:08-00:22:16]
Wie ist das dann so? Guckst du bei den anderen Kollegen dann auch? Ist man quasi so eng zusammen, dass man auch irgendwie Mannschaftsabend macht und eine kleine Apfelschorle trinken geht oder so?

[SPEAKER 2]
[00:22:16-00:22:47]
Ja, stimmt. Also richtig, ja. Also an Tag zwei hatten wir dann auch noch die ersten Pressegespräche. Da gab es eine kleine Pressekonferenz, da waren ein paar Leute da. Und dann war abends auch Mannschaftsabend mit der gesamten Clique. Und das war wirklich ganz schön. Einfach ein schönes... zusammenkommen, beisammen sein und sich auch austauschen. Und auch, es hat sich dann so nach und nach zugespitzt, so die Spannung stieg langsam, also sehr langsam, aber sie stieg. Und es ist schon Miteinander gewesen. Also wir haben uns auch viel ausgetauscht, also gerade auch Katharina Hemmer und ich, weil wir beide WM-Küken, sage ich mal, waren.

[SPEAKER 1]
[00:22:48-00:22:49]
Die beiden Neulinge.

[SPEAKER 2]
[00:22:49-00:23:15]
Die beiden Neulinge, genau. Sie ist natürlich schon letztes Jahr Europameisterschaft geritten. Für mich war es das erste Championat bei den Senioren und wir kennen uns ja auch schon seit zig Jahren. Da hat man natürlich schon irgendwie... ja, sich über vieles ausgetauscht und so. Oder auch mit Freddy und Isabel. Wir kennen uns ja alle eigentlich schon länger gut. Und war schon schön. Und ja, ich fand es auch sehr interessant, natürlich den anderen mal beim Training zuzuschauen. Weil wann macht man das schon mal? Also wenn man am Turnier ist, klar trainieren wir dann alle. Du hast ja Zeit, dass ein Pferd dabei ist.

[SPEAKER 1]
[00:23:15-00:23:16]
Das hat ja nichts zu tun eigentlich.

[SPEAKER 2]
[00:23:16-00:23:38]
Genau, also Warendorf war echt wie ein bisschen Urlaubstraining oder Training mit Urlaub. Und wie gesagt, da konnte man auch mal zugucken, weil am Turnier kann man das nicht. Da hat man im Training... Ein Timeslot von einer Stunde auf dem Event vielleicht. In der Zeit müssen dann alle reiten und reiten alle gleichzeitig. Und da guckt man nicht rechts und links, sondern da konzentriert man sich natürlich aufs eigene Reiten. Deswegen war es schon schön. Hat Spaß gemacht.

[SPEAKER 1]
[00:23:38-00:23:45]
War das spannend dann zu sehen, machen die dann was anders als du? Oder kann man sich dann so kleine Tipps und Tricks vielleicht von Isabel Wert nochmal abschauen?

[SPEAKER 2]
[00:23:45-00:24:00]
Ja, also jeder reitet anders. Also jeder hat einen anderen Stil des Reitens und dahingehend natürlich auch einen anderen Trainingsplan oder ein anderes Trainingspensum. Also ich glaube, wir sind da alle schon recht unterschiedlich unterwegs.

[SPEAKER 1]
[00:24:00-00:24:34]
Katharina und du, ihr wart die Neulinge sozusagen, die anderen beiden ja die alten Hasen. Die konnten ja wahrscheinlich euch auch ein bisschen so unter die Fittiche nehmen und sagen, okay, das wird euch erwarten, gerade in Aachen. Isabel Wert, die ja vor 20 Jahren auch schon in Aachen mit dabei war, die damals ja auch Gold gewann, also die wusste quasi auch, was auf sie zukommt. Die hat ja auch im Vorfeld schon immer gesagt, das ist das Größte, das ist quasi der reiterliche Olymp neben Olympischen Spielen sozusagen. War das hilfreich, sie mit in der Mannschaft zu haben, auch so als Ruheanker und als Person, die eigentlich das Ganze von A bis Z ja schon kennt?

[SPEAKER 2]
[00:24:38-00:24:48]
Würde ich vielleicht gar nicht so sagen, denn im Trainingslager war sie dadurch, dass sie auch in der Weltmeisterschaft der jungen Pferde aktiv war und da am Start war gar nicht so viel da.

[SPEAKER 1]
[00:24:48-00:24:49]
Die pendelt hin und her nach Pferden.

[SPEAKER 2]
[00:24:49-00:25:36]
Die ist hin und her gependelt, kam zum Reiten und dann abends zum Essen. Also die hat man da gar nicht so viel gesehen. Und ab dem Moment, wo wir in Aachen waren, Wurde dann natürlich schon ein bisschen ein anderer Wind, einfach weil dann doch die Anspannung da war bei allen und jeder dann ganz konzentriert bei der Sache war, bei seinem Team war und so. Natürlich hat man sich ausgetauscht, aber ich glaube, selbst wenn Kata und ich die WM-Küken waren oder ich auch das Champions-Küken, am Ende sind wir auch alle schon ein paar Jahre dabei und kennen am Ende auch die Mission oder kennen auch die Aufgabe, die man hat. Klar ist eine Weltmeisterschaft was Besonderes, aber für mich im Kopf am Ende ist es auch nur ein Turnier. Also die Abläufe sind gleich. Oder vielleicht ein bisschen detaillierter alles geplant und so. Aber am Ende ist es auch nur ein Turnier.

[SPEAKER 1]
[00:25:37-00:26:18]
Im Vorfeld, ich weiß noch, ich war ein, zwei Wochen vorher auf einem großen Turnier und dann saßen schon die Experten so mit einem Blatt Papier und haben gesagt, Wir nehmen jetzt mal Dänemark, Großbritannien und Deutschland, vergleichen die Notendurchschnitte der letzten sechs Monate, bilden so ein arithmetisches Mittel und dann sieht man ganz genau, wie sind die Abstände zueinander. Und dann weiß man, wohin muss jeder Reiter hinkommen, nah an sein Personal Best, über Personal Best und so weiter. Habt ihr das auch vorher gemacht, so diese Szenario-Analyse? Was passiert, wenn, wer muss wie reiten oder ist es eigentlich die Stallorder gewesen, give your best?

[SPEAKER 2]
[00:26:19-00:26:44]
Also ich kann mich auch an den Output von den Experten erinnern, der war dann auch so eine Woche oder zwei Wochen vorher immer im Internet in mehreren Beiträgen, ich kann mich aber nicht mal an den Inhalt erinnern. Und nee, wir haben das nicht gemacht, weil am Ende kann jeder nur sein Bestes geben. Und es ist Sport und das ist Tagesform. Und man kann auch ganz schwer nur formen, Also es ist ja am Ende alles Mutmaßung, was man sich vor dem Beginn des Wettkampfes...

[SPEAKER 1]
[00:26:44-00:26:45]
Alles Kaffeesatzleserei.

[SPEAKER 2]
[00:26:45-00:28:34]
Genau, alles Kaffeesatzleserei. Wunderschöner Ausdruck. Deswegen, dafür sind wir, glaube ich, alle zu strukturiert und auch zu sehr Sportler, als dass wir dann irgendwelche Weissagungen machen oder glauben etc. Das Rechnen fing dann an, so ab dem Moment, wo... wo der Grand Prix ein bisschen fortgeschritten war. Weil eigentlich ist das System ja sehr simpel. Eine Equipe hat vier Reiter, die werden aufgeteilt in vier Blöcke, also die ganze Prüfung wird aufgeteilt in vier Blöcke. Erst reiten alle ersten Starter gegeneinander, dann alle zweiten, alle dritten, alle vierten. Und eigentlich muss nur jeder Reiter seine Gruppe gewinnen. Hat man den Titel, ganz grob gesagt. Und ich war der erste Reiter für Deutschland. Das heißt, meine Mission war ganz klar, okay, ich muss abliefern, klar, wir alle dann auch. Aber ich muss meine Gruppe gewinnen. Das war unser oder mein persönliches Ziel. Und das haben wir mit viel Abstand sogar getan. Und ab dem Moment lag Deutschland, auch wenn es noch sehr unaussagekräftig war, in Führung. Dann kam die zweite Gruppe, in der Freddy, Frederik Wanders, an den Start gegangen ist. Und auch er hat seine Gruppe gewonnen. Und ich war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich im Gesamtfeld noch Dritter. Und ab dem Moment waren wir halt in einem noch komfortableren Abstand zu den anderen Nationen, auch wenn es nach wie vor unnaussagekräftig ist. Aber zu diesem Zeitpunkt sind wir dann in die Nacht gegangen, also in die Pause, weil die Prüfung war so groß. Ich glaube, es waren 92 Starter. Die waren aber zwei Tage, ne? Ganz genau, zwei Tage von morgens bis abends Grand Prix. Und wir sind in die Nacht gegangen mit, ich meine, 7% Vorsprung. Und wenn... Die Leistung von Freddy und mir auch nur dazu beigetragen hat, dass vielleicht Katha und Isabel ein bisschen besser schlafen konnten, weil sie wussten, okay, es läuft schon mal gut. Und dann hat Katha ihre Gruppe auch noch gewonnen, auch mit sehr viel Abstand. Und dann, das ist der Zeitpunkt, wo man ganz genau rechnen kann auch.

[SPEAKER 1]
[00:28:35-00:28:37]
Wie viel muss die Schlussreiterin erweitern?

[SPEAKER 2]
[00:28:37-00:29:05]
Genau, und je mehr Reiter der anderen Nationen in der vierten Gruppe dann natürlich schon durch waren, desto genauer konnte man pinpointen, wie viel Prozent Isabel dann reiten musste, dass wir den Titel schaffen. Und da die Briten, die in diesem Moment unsere größten Konkurrenten waren, oder was wir zumindest dachten, die ja auch die Silbermedaille geholt haben, Vor uns dran waren drei, vier Pferde. Jeweils wussten wir dann auch wirklich ganz genau, was wir reiten mussten. Und ich glaube, das war bei 76.1 oder 2.

[SPEAKER 1]
[00:29:05-00:29:07]
Korrekt, 76.1 war es.

[SPEAKER 2]
[00:29:07-00:29:15]
Genau, was Isabel reiten musste. Und jeder, der die Prozente von Isabel den letzten sechs Monaten verfolgt hat, der weiß, okay, ist machbar.

[SPEAKER 1]
[00:29:16-00:29:50]
Und das war aber trotzdem, du hast ja die Prüfung aus der sogenannten Kiss and Cry Corner, also der Bereich, wo man direkt am Richterturm ins Stadion reinschauen kann, der auch immer im Fernsehen gezeigt wird, dass du das Ganze ja verfolgt. Und dann war ja im Verlauf der Prüfung von Isabel Wert, ging ja teilweise, ging es dann im Trend unter die 76. Hast du das so eigentlich mitbekommen? Weil viele haben ja an den Fernsehschirmen zu Hause richtig gezittert. Dann hat sie zum Schluss mit dem letzten Drittel das Ganze nach Hause geritten. Aber es war am Ende auch doch noch enger, als man gedacht hätte.

[SPEAKER 2]
[00:29:51-00:30:07]
Genau, es war enger, als man gedacht hätte, weil Isabel hat sich, wenn ich mich jetzt recht erinnere, einen Fehler erlaubt. Wahrscheinlich unfreiwillig, wage ich zu behaupten. Allerdings muss ich sagen, aus der Kiss & Cry konnte man den Live-Score nicht so wirklich gut sehen. Also man konnte die Prüfung wunderbar sehen.

[SPEAKER 1]
[00:30:07-00:30:08]
Das war quasi gar nicht klar.

[SPEAKER 2]
[00:30:09-00:30:30]
Nee, und man musste dann, um den Live-Score zu sehen, musste man sich so nach vorne über die Bande beugen und weit nach links gucken, weil da erst war die Tafel. Und in der Kiss& Cry, das ist jetzt ein nicht so großer Ort, da waren wir 20 Leute da gestanden. Also es war schon eng und wir haben alle mitgefiebert. Also ich persönlich habe den Live-Score gar nicht sehen können von meiner Position. Also nein, ich wusste nicht, dass der dazwischen mal drunter war.

[SPEAKER 1]
[00:30:30-00:30:38]
Dann habt ihr die Goldmedaille am Ende gewonnen. Und dann ist ja für dich eigentlich danach, im wahrsten Sinne des Wortes, der Rest ist ja nur noch Kür. Haha.

[SPEAKER 2]
[00:30:38-00:30:38]
Ja.

[SPEAKER 1]
[00:30:38-00:30:43]
Also im Sinne dessen, dass du könntest ja ganz befreit danach aufreiten, oder?

[SPEAKER 2]
[00:30:43-00:31:57]
Ganz genau. Also am Ende war meine Hauptmission ein gutes Grand Prix reiten, weil da ging es um die Mannschaft und ich wollte natürlich meiner Mannschaft auch Rückhalt bieten und am Ende nicht versauen für die anderen. Und Mission war geglückt, wir waren Mannschaftsweltmeister, die Freude war groß. Und dann war meine Denke auch, okay, ich reite jetzt für mich noch einen richtig schönen Spezial. Ich genieße das hier einfach, weil ich meine, ich bin auf der Weltmeisterschaft, ich bin Weltmeister geworden mit der Mannschaft, was will man mehr? Und vor allem dachte ich auch, okay, nach Spezial ist Ende. Denn es kommen zwar 18 Paare aus dem Spezial in die Kür, allerdings mit dem Zusatz nur drei einer Nation. Und jeder, der ein bisschen rechnen kann, der merkt, okay, es wird als Deutscher ganz schön schwer, in die Kür zu kommen. Weil man, wie gesagt, muss nicht nur Top 8. sein aus dem Spezial, sondern auch Top 3 seiner Nation und für mich ja jetzt eigentlich undenkbar. Vor allem, wenn man so die Statistiken auch der anderen sich anguckt, wer das so macht und deswegen war für mich klar, okay, ich rede jetzt hier ein schönes Spezial und dann freue ich mich schon, die Kür auf der Tribüne zu verfolgen. Das war mein Plan. Ich wollte mit meiner Mannschaft wirklich auf der Tribüne sitzen und wir wollten uns einen schönen Abend machen. Ja, und dann sind wir im Spezial und das war wirklich die Runde unseres Lebens. Wir haben unser Personal Best um über 1% toppen können.

[SPEAKER 1]
[00:31:58-00:32:01]
Was Welten sind in dem Sport. Also ein Prozent ist richtig viel.

[SPEAKER 2]
[00:32:01-00:32:38]
Also richtig viel. Und wir haben, ich weiß mal einen genauen Prozent, 75, irgendwas, weiß ich nicht genau. Und das war mindblowing. Und tatsächlich war das auch ein Moment, wo eigentlich die Spannung von mir auch schon so, ich sag mal, abgefallen war. Weil für mich war ab dem Moment des Grüßens die Weltmeisterschaft beendet. Mental. Und dann bin ich tatsächlich unter Tränen, obwohl ich wirklich nicht nah am Wasser gebaut bin, rausgeritten, weil das Publikum hat sich gefreut. Ich habe mich gefreut wie ein Keks. Und da drin war es auch noch so laut und die Freude war so groß, dass ich meine Punkte nicht mal gehört habe. Also ich habe den Stadionsprecher nicht gehört. Und dann habe ich erst, als ich fast draußen war, über diesem Torbogen,

[SPEAKER 1]
[00:32:39-00:32:40]
Über die LED-Wand.

[SPEAKER 2]
[00:32:40-00:32:49]
Über die LED-Wand, genau da erst dann meine Punkte gesehen. Und da dachte ich, oh wow. Und dann kamen noch mehr Tränen. Und dann war das für mich wirklich ein unheimlich schöner mentaler Abschluss der Weltmeisterschaft.

[SPEAKER 1]
[00:32:50-00:32:52]
Ist da Zehnter geworden, ne? Ich bin Zehnter geworden. Top Ten gekommen.

[SPEAKER 2]
[00:32:53-00:33:41]
Genau, Top Ten im Einzel. Wahnsinn. Wahnsinn. Erste Weltmeisterschaft. Ich mit meinem kleinen Grand Prix-Pony Camelot. War schon ein tolles Gefühl. Ja, und dann am Ende der Prüfung war ich tatsächlich drittbester Deutscher. Heißt, wir haben uns für die Kür qualifiziert. Und dann dachte ich mir, oh, zack, bumm, war die Anspannung wieder da. Weil Weltmeisterschaff war doch nicht zu Ende. Und das war tatsächlich ein ganz lustiger Moment, weil man ist so aus der puren Freude und eigentlich auch, ja, die Anspannung, die von einem abgefallen ist, die war so schnell aber wieder da, weil man dachte, okay, ja, nochmal, jetzt habe ich schon zwei gute Runden gedreht, jetzt muss ich nochmal ran oder darf nochmal ran. Also das ist ja so ein bisschen was von, oder das Messer ist ja zweischneidig, man darf ran, man freut sich sehr drüber, auf der anderen Seite ist natürlich der Druck auch hoch. Aber dann in die Kür, das war wirklich ein ganz besonderer Moment.

[SPEAKER 1]
[00:33:42-00:33:46]
Und dann, dieser besondere Moment wird ja gekrönt, dadurch, dass du da Achter wirst.

[SPEAKER 2]
[00:33:46-00:33:47]
Korrekt.

[SPEAKER 1]
[00:33:47-00:33:49]
Auch fantastisches Ergebnis.

[SPEAKER 2]
[00:33:49-00:34:45]
Wahnsinn, Wahnsinn. Also es war nicht nur die Kür an sich, sondern auch das Ergebnis war natürlich gigantisch. Und jetzt hatten wir persönlich, darf ich sagen, das war auch noch ein sehr emotionaler Moment, diese Kür für mich tatsächlich, denn... Jeder, der es verfolgt hat, hat gesehen, dass während meiner Kür war Sonnenuntergang und der Himmel war so für 15 Minuten wirklich absolut kitschig rot und es sind noch Vögel aufgestiegen, als ich eingeritten bin und so. Und das habe ich in dem Moment natürlich alles nicht gemerkt, aber habe ich dann auf den Videos und Bildern im Nachhinein gesehen. Und dieses Zeitfenster waren, wie gesagt, so 10, 15 Minuten genau während meines Ritters. Und emotional deshalb, weil mein Großvater ist wenige Wochen vor Aachen noch verstorben. im hohen Alter und wir haben dann halt uns intern gedacht, okay, mein Opa, der Opa Peter, der war da und hat seine Grüße geschickt, weil der hat noch mitbekommen, dass wir uns qualifiziert haben, aber nicht mehr, dass wir angereist sind. Deswegen war das noch zusätzlich ein sehr emotionaler Moment und war schon was wirklich, wirklich Besonderes.

[SPEAKER 1]
[00:34:46-00:34:48]
Hast du es in gewisser Weise auch für den Opa Peter gemacht?

[SPEAKER 2]
[00:34:50-00:35:03]
Jein, also ich will nicht sagen ja, weil das wäre auch gelogen, aber ich habe es natürlich auf jeden Fall im Hinterkopf gehabt, dass er es jetzt nicht mehr mitbekommt, aber ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass er es mitbekommen hat. Ich glaube, er war da.

[SPEAKER 1]
[00:35:04-00:35:28]
Dieser achte Rang und auch der zehnte im Spezial hat dich jetzt endgültig in die Weltspitze damit auch katapultiert. Ist das für dich ein Moment, wo du sagst, das ist jetzt ein Meilenstein für mich als Reiter in meiner Karriere oder bist du gedanklich eigentlich schon beim nächsten Gig, beim nächsten Ziel, bei der nächsten Aufgabe? Was treibt dich an?

[SPEAKER 2]
[00:35:29-00:36:34]
Also am Sonntag waren wir noch in Aachen. Und Montagmorgen war ich um 7 Uhr im Stall, habe meine Pferde auf die Koppel gebracht und habe dann das Reiten angefangen und habe dann 13 Pferde an dem Tag geritten. Worauf ich hinaus möchte, es geht weiter. Also es war ein ganz, ganz tolles Event, super erfolgreich und den Titel werde ich auch mein Leben lang behalten dürfen. Also ich werde das nicht mehr verlieren. Das bleibst du jetzt für immer, der Mannschafts-Weltmeister. Und das ist natürlich schon ein riesen, riesen Erfolg und auch ein riesen Meilenstein. Auch etwas, wo ich mal so ganz stolz auch drauf ausatmen darf. Ich will nicht ausruhen sagen, weil das ist es nicht. Sport geht weiter, die Erde dreht sich weiter. Aber ich kann nochmal sagen, wir haben es geschafft. Und das tue ich mental auch. Gleichzeitig reite ich aber auch weiter. Also ich bin jetzt in der Zwischenzeit schon wieder viele Turniere geritten, mit anderen Pferden logischerweise. Und die Ausbildung geht weiter. Und mein Ziel ist es einfach, meine nächste Generation an Pferden auszubilden. Am Turnier vorzustellen und natürlich jetzt auch die nächsten Pferde in die Weltspitze zu bringen. Das ist meine persönliche Mission.

[SPEAKER 1]
[00:36:34-00:36:38]
Aber ich habe gehört, es wurde am Samstagabend nach der Kür auch ein bisschen gefeiert.

[SPEAKER 2]
[00:36:38-00:37:15]
Hast du aber sehr schön formuliert, ja. Ein bisschen zumindest. Also ich bin wirklich kein Partylöwe. Wirklich nicht. Aber. Die Anspannung fiel ab nach der Kür und ich habe mich wirklich gefühlt wie neu geboren. Und unsere gesamte Mannschaft war einfach so happy, dass es wirklich deutlich, deutlich gefeiert wurde. Also bis in die nächsten Morgenstunden. Ich glaube, um halb sieben Uhr morgens hat dann Selina mich ins Hotel gezerrt und ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl und ich war glücklich. Bis halb sieben Uhr morgens hat sie gefeiert. Halb sieben Uhr morgens, ja. Und ich bin, wie gesagt, wirklich überhaupt kein Party-Dieter. Eigentlich würde ich das nie im Leben machen, aber an dem Abend, da ist es einfach passiert und zwar herrlich.

[SPEAKER 1]
[00:37:15-00:37:19]
Aber ich hörte, es war auch das Firebeast-Duo Katharina Hemmer und Raphael Netz.

[SPEAKER 2]
[00:37:19-00:37:37]
Genau, also Katharina Hemmer und ich und wie gesagt, die ganze Mannschaft, wir haben wirklich gefeiert und es war so schön. Und es gibt auch ein ganz, ganz lustiges Video von... von Katja und mir, wie wir schunkelnd im Zelt zu We Are The Champions uns einfach nur freuen und Spaß haben.

[SPEAKER 1]
[00:37:37-00:37:39]
Was Geileres gibt es ja eigentlich gar nicht.

[SPEAKER 2]
[00:37:40-00:37:45]
Geht gar nicht. Ich glaube, zu diesem Lied habe ich mittlerweile jetzt eine ganz andere Bindung.

[SPEAKER 1]
[00:37:46-00:37:54]
Und ich habe auch gehört, dass deine Mutter für alle ein kleines, will ich sagen, Präsent, aber was vorbereitet hat für die Teammitglieder.

[SPEAKER 2]
[00:37:54-00:38:23]
Genau, richtig. Also kurz, muss kurz ausholen, meine Mutter ist auf jedem Turnier dabei. Auf jedem größeren Turnier ist sie dabei, ist immer meine Supporterin Nummer 1 seit Tag 1. Und meine Mutter... Muss in meinen Augen die glücklichste Person dieser Welt sein, weil ich kenne keinen Menschen, der so viele vierblättrige Kleeblätter in seinem Leben findet wie sie. Für jede Prüfung, die ich reite, mit jedem Pferd, schenkt sie mir... Ein vierblättriges Klebblatt.

[SPEAKER 1]
[00:38:24-00:38:27]
Ein frisches, das sie gerade gefunden hat oder ein getrocknetes?

[SPEAKER 2]
[00:38:27-00:38:38]
Ein getrocknetes, was sie in den Tagen oder in den Wochen zuvor gefunden hat. Also sie geht auf Suche und wir haben eine Familien-WhatsApp-Gruppe und da schickt sie wirklich alle zwei Tage rein, dass sie ein neues gefunden hat.

[SPEAKER 1]
[00:38:38-00:38:41]
Aber verbringt die sehr viel Zeit auf Kleewiesen? Weiß ich nicht.

[SPEAKER 2]
[00:38:41-00:39:07]
Also sie sagt immer, sie findet die einfach bei der Hunderunde, wenn sie mit Pepper und seinem Hund spazieren geht. Und ich finde es immer geil, weil dann kommt sie immer in die Techbox. Wenn ich mich am Anziehen, wenn ich sie mal anfrage, dann kommt sie immer in die Techbox und holt aus ihrer Handtasche ihr Brillennetui raus. Aus diesem Brillennetui holt sie ein Tempo raus und dann klappt sie dieses Tempo auf. wo dann wirklich sechs, sieben, acht getrocknete, vierblättrige Kleeblätter drin liegen. Ich darf mir immer eins rausnehmen und das tue ich immer in meine Brusttasche.

[SPEAKER 1]
[00:39:07-00:39:08]
In die Revert-Tasche dann.

[SPEAKER 2]
[00:39:08-00:39:12]
Genau, die ich mittlerweile auch aus Scherz meine Salattasche nenne.

[SPEAKER 1]
[00:39:12-00:39:15]
Ist die jetzt voll mit viersättigen Kleeblättern?

[SPEAKER 2]
[00:39:15-00:39:15]
Bumsvoll.

[SPEAKER 1]
[00:39:15-00:39:16]
Dürfen die rausgenommen werden?

[SPEAKER 2]
[00:39:17-00:39:47]
Ich nehme sie zum Waschen raus und tue sie danach wieder rein. Auch die Krümel, weil wenn die getrocknet sind, also einige halten sich lange, andere zerkrümeln dann natürlich, aber es kommt alles wieder rein, deswegen meine Salattasche. Und das ist ein richtiges Ritual geworden, was natürlich auch Gewicht hat. Und ich denke, für die Equipe wollte sie auch was Besonderes machen. Es ist ja natürlich auch ein besonderer Moment. Und deswegen hat sie kleine Stoffpferde gehäkelt, selber gehäkelt. Wirklich mit Details, auch mit Größenunterschieden. Das war schon wirklich was ganz Schönes. Hat sich auch jeder darüber gefreut.

[SPEAKER 1]
[00:39:47-00:39:51]
Und dann wurde quasi in Aachen jedem dieses... Ausgehändigt.

[SPEAKER 2]
[00:39:51-00:40:00]
Ganz genau, ganz genau. Nur Semmike leider nicht, weil die war nicht mit in Aachen. Die ist von Warendorf quasi nach Hause gefahren und der haben wir es dann per Post hinterher geschickt.

[SPEAKER 1]
[00:40:00-00:40:02]
Die am Ende auch Teil der Mannschaft ist.

[SPEAKER 2]
[00:40:02-00:40:41]
Auf jeden Fall. Ist und war und ist. Denn der Reservistenspot ist eine sehr gewichtige Rolle. Weil es kann immer was passieren. Und es ist, glaube ich, aber auch ein bisschen eine undankbare Rolle, wenn ich das sagen darf, weil am Ende du bist mit dabei im Trainingslager etc. Und dann im besten Fall musst du wieder heim. Und ich glaube, das ist auch gar nicht so leicht, damit umzugehen, aber die Semmike hat das in meinen Augen zumindest toll gemacht, die Stimme. Die Umgebung war super, wir waren alle gut drauf und es war ein richtiges Miteinander. Und wir haben uns auch alle sehr bei ihr bedankt, dass sie das so toll gemacht hat. Und dann, ich meine, Gott sei Dank, nicht zum Einsatz kam.

[SPEAKER 1]
[00:40:42-00:41:18]
Als wir das letzte Mal zusammensaßen, 2024, warst du ja ursprünglich auch ähnlich wie Semmike als erste Reserve für die damaligen Olympischen Spiele von Paris nominiert. Damals gab es ja technische Probleme rund um das WADA. Adams Doping-System, also das System, dem du unterliegst, um Doping-Kontrollen zu machen. Und deswegen konntest du nicht dabei sein. War das für dich auch ein Moment, dass dieses Thema, was am Ende, glaube ich, jetzt gar nicht so ein großes in der Öffentlichkeit war, aber dadurch auch so abgehakt war, weil es war ja für dich, glaube ich, ein ärgerlicher Moment einfach in 2024?

[SPEAKER 2]
[00:41:18-00:41:40]
Also natürlich war das ein riesen ärgerlicher Moment, was dem geschuldet war, dass ich so kurzfristig erst nominiert wurde, auch durch viele Ausfälle damals, dass die Zeit nicht ausgereicht hat, mich richtig in dem System zu melden. Und das war eigentlich das, was schiefgelaufen ist. Also es hat niemand aktiv was falsch gemacht oder falsch gemeldet, sondern ich war einfach nicht gemeldet. Und das war das Problem damals.

[SPEAKER 1]
[00:41:40-00:41:43]
Und dann lassen die auch nicht zu, da haben die knallhart.

[SPEAKER 2]
[00:41:44-00:42:29]
Da hat der DOSB ganz knallhart quasi die Bremse gezogen. Also nicht die FN oder das DOKR etc. Hat mich da zurückgehalten, sondern das DOSB. Und das war natürlich schade, aber gut, so ist es. Leben geht weiter. Und dieses Jahr hat dann natürlich alles gepasst, weil ich auch viel länger schon im Kader war. war und bin etc. Aber natürlich war bei mir innerlich in diesen vier Wochen davor schon eine gewisse Anspannung da, weil zu dem Zeitpunkt bei Paris oder für Paris war mir das im Vorhinein natürlich gar nicht bewusst. Auf einmal kam der Anruf, wir haben ein Problem. Und ich... Habe natürlich probiert, alles auf der Kette zu haben damals und habe auch jetzt probiert, alles auf der Reihe zu haben. Aber ich habe innerlich so ein kleines bisschen gewartet auf den Anruf, der sagt, jetzt haben wir ein Problem. Ich habe es natürlich...

[SPEAKER 1]
[00:42:29-00:42:31]
Hallo, hier ist die Duplikagentur.

[SPEAKER 2]
[00:42:31-00:42:56]
Ja, also ich habe nur darauf gewartet und habe natürlich gehofft und mit vielen Leuten darüber gesprochen und gute Pläne gemacht. Aber wir haben alles fantastisch organisatorisch gemeistert, deswegen ging alles gut. Aber innerlich war das schon noch ein bisschen präsent. Vor allem bis zu dem Moment, wo wir wirklich vor Ort waren. Also ich habe mich tatsächlich erst so richtig gefreut, dass es stattgefunden hat oder auf die WM gefreut oder über die WM gefreut, als wir wirklich da waren. Als klar war, okay, jetzt sind wir auch hier.

[SPEAKER 1]
[00:42:56-00:42:58]
Also schwang das wirklich noch ein bisschen mit?

[SPEAKER 2]
[00:42:58-00:43:00]
Ja, auf jeden Fall. Das war tief drin. Die Wunde saß tief.

[SPEAKER 1]
[00:43:00-00:43:02]
Ja, krass. Aber die ist jetzt geheiert, abgehakt.

[SPEAKER 2]
[00:43:02-00:43:07]
Ich hoffe. Sehen wir beim nächsten Championat. Ein bisschen System drin. Ja, das auf jeden Fall.

[SPEAKER 1]
[00:43:08-00:43:12]
Camelot ist jetzt 15. Wie geht es denn jetzt weiter mit euch beiden?

[SPEAKER 2]
[00:43:12-00:43:24]
Gute Frage. Habe ich mir noch gar nicht so genau überlegt. Also was ganz klar ist, Luft holen für ihn. Urlaub, Pause. Dieses Jahr wird er definitiv nicht mehr an den Start gehen. Da bin ich mir eigentlich recht sicher. Und was dann ist, schaue ich dann.

[SPEAKER 1]
[00:43:25-00:43:27]
Aber gibt es jetzt keine konkreten Pläne?

[SPEAKER 2]
[00:43:27-00:43:35]
Gerade noch nicht. Dafür sind wir noch zu frisch nachher. WM. Und da muss ich nochmal mitgehen und mir dann Pläne machen.

[SPEAKER 1]
[00:43:36-00:43:37]
Meisterfeier, gibt es auch noch?

[SPEAKER 2]
[00:43:37-00:43:59]
Gibt es noch, ja. Es findet nächste Woche tatsächlich statt. Wir haben, oder wir probieren da natürlich was Schönes zu machen, denn wir sind jetzt, wie schon gesagt, wir sind nicht so, oder ich bin nicht so der Partylöwe und bisherige Erfolge, also das Größte, was wir jemals gefeiert haben, oder die größte Feier war dann ein Frühstück hier im Stall mit dem Team, was vor Ort ist und schön gemeinsam frühstücken. Das sind eigentlich so unsere Feiern.

[SPEAKER 1]
[00:44:00-00:44:04]
Völlig wild. Völlig crazy Partys. Völlig crazy. Völlig crazy Partys, die hier abgehen.

[SPEAKER 2]
[00:44:04-00:44:23]
Absolut, mit O-Saft und Kaffee bei einer Brezel. Da ging es ab. Und da haben wir uns jetzt natürlich bei dem Weltmeistertitel schon gesagt, okay, jetzt müssen wir schon nochmal eine wirkliche Feier machen. Und deswegen findet die auch nächste Woche erst statt, weil das muss natürlich organisiert werden, geplant werden. Und ich freue mich sehr drauf. Es kommen knapp 90 Leute. Sind geladen und da freue ich mich sehr drauf.

[SPEAKER 1]
[00:44:24-00:44:27]
Da viel Spaß. Es ist auch Wiesnzeit jetzt in München. Gehst du auf die Wiesn?

[SPEAKER 2]
[00:44:27-00:44:40]
Tatsächlich war ich gestern auf der Wiesn. Da waren wir beim Almauftrieb eingeladen und das war schon ein sehr schöner Abend. Aber heute, wie du siehst, wir haben hier Montag früh. Es wird gearbeitet. Es wird gearbeitet, selbstverständlich. Und ich schaue mal, ob ich vielleicht nochmal gehe. Mal gucken.

[SPEAKER 1]
[00:44:40-00:44:48]
Also viel Spaß beim Feiern. Danke, dass du da warst, lieber Raphael. Nochmal von uns auch hier beim WeOS-Team. Gratulation zu diesem tollen Erfolg. Danke schön. Vielen Dank. Und weiterhin alles Gute.

[SPEAKER 2]
[00:44:48-00:44:49]
Danke ebenso.

[SPEAKER 1]
[00:44:49-00:44:49]
Ciao, ciao.

[SPEAKER 2]
[00:44:49-00:44:50]
Ciao.

[SPEAKER 1]
[00:44:51-00:45:11]
Dieser Podcast wurde produziert von Olivia Herrmann, die Vermarktung durch Carolina Hofmann, Organisation Nicola Schweiger. Wenn ihr unseren Podcast bewerten möchtet, freuen wir uns total darüber. Zum Beispiel auf Spotify, auf Apple Podcast geht das, aber auch überall dort, wo es Podcasts gibt. Bis zum nächsten Mal.

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