Reitbeteiligung

Reitbeteiligung(vertrag): Was du beachten solltest

Das eigene Pferd in fremde Hände zu geben, fällt einem im ersten Moment nicht leicht. Auch das Reiten auf einem fremden Pferd kann zunächst total neu sein. Klar, dass man da auch rechtlich auf Nummer sicher gehen will! Und hier kommt der Reitbeteiligungsvertrag ins Spiel. In diesem Artikel erfährst du, was du alles berücksichtigen solltest, wenn du eine Reitbeteiligung eingehst oder an deinem Pferd vergibst.

Inhalt

Warum braucht man einen Reitbeteiligungsvertrag?

Es dauert oft lange und ist nervenzehrend: die Suche nach einer passenden Reitbeteilung ist manchmal ein echter Stresstest. Wenn es aber dann passt, Pferd, Reiter und Besitzer sich verstehen, dann kann ein solcher Zusammenschluss für alle Beteiligten ein großer Gewinn sein. Für den Besitzer ist die Unterstützung eine willkommene Entlastung, das Pferd bekommt mehr Aufmerksamkeit und die Reitbeteiligung hat die Möglichkeit sich reiterlich weiterzuentwickeln (oder man schaut einfach die wehorse Kurse). Trotzdem sollte man sich als Besitzer und Reitbeteiligung auf jeden Fall auch rechtlich absichern. Dieser Beitrag soll keine Rechtsberatung sein, diese muss ganz individuell bei einem Rechtsanwalt erfolgen. Aber es gibt Fragen, die immer wieder auftauchen und die hier mit der Juristin Beatrice Walther ganz allgemein behandelt werden. Auch interessante Urteile sollen hier für euch aufbereitet werden

Ach, ihr habt gar keinen Reitbeteiligungsvertrag mit dem Eigentümer des Pferdes? Habt ihr euch denn darüber abgesprochen, wie oft in der Woche das Pferd von der Reitbeteiligung gearbeitet werden darf, ob und welche Disziplinen Reitbeteiligung und Pferd bei Turnieren gehen dürfen, ob und evtl. sogar bei wem die Reitbeteiligung mit dem Pferd Unterricht nimmt, welche Arbeiten im Stall übernommen werden und an welchen Kosten die Reitbeteiligung sich beteiligt? Ja? Also habt ihr doch einen Vertrag, auch wenn ihr nichts unterschrieben habt. Einen Vertrag kann man nämlich auch mündlich abschließen. Er kann sogar im Schadensfall vor Gericht standhalten.

Eine Mädchen mit ihrer Reitbeteiligung

Vertragliche Unterschiede für die Reitbeteiligung

Bei Reitbeteiligungsverträgen wird in der Regel zwischen zwei Vertragsformen unterschieden. Dies ist zum einen der Mietvertrag und zum anderen der Leihvertrag. Bei einem Mietvertrag wird die Nutzung des Pferdes an die Reitbeteiligung gegen Entgelt vereinbart. Das Entgelt kann neben einem monatlichen Geldbetrag auch in geldwerten Leistungen, z.B. der Übernahme der Hufschmiedekosten bestehen. Der Eigentümer des Pferdes hat hierbei die Pflicht, die Mietsache (das Pferd) in einem gebrauchsmäßigen Zustand zu erhalten, d.h., das Pferd so gesund zu erhalten, dass es – wenn das Reiten des Pferdes vereinbart ist – auch geritten werden kann. Ein Pferd gesund zu erhalten umfasst viele Aspekte: Mit den wehorse Kursen kann man sich schonmal in den wichtigen Bereichen Fütterung, Pflege, korrektes Training und Erste Hilfe beim Pferd weiterbilden und sich so optimal auf die Reitbeteiligung vorbereiten.

Bei einem Leihvertrag erfolgt die Nutzung des Pferdes unentgeltlich. Hierbei ist aber zu beachten, dass der Entleiher (also die Reitbeteiligung) laufenden Kosten für die Unterhaltung des Pferdes, insbesondere die Fütterungskosten zu tragen hat. Typischer Fall ist das Zurverfügungstellen eines Pferdes.

Ein funktionierendes Trio aus Besitzerin, Pferd und Reitbeteiligung

Was sollte im Reitbeteiligungsvertrag festgehalten werden?

Für mehr Sicherheit und Klarheit empfiehlt es sich, die Eckpunkte eures Reitbeteiligungsvertrags schriftlich festzuhalten. Ein kleiner schriftlicher Reitbeteiligungsvertrag bietet beiden Parteien mehr Sicherheit und verhindert die leider so oft auftretenden Kommunikationsprobleme. Der Eigentümer des Pferdes und die Reitbeteiligung wissen, worauf sie sich einlassen und welche Verpflichtungen für den jeweils anderen bestehen. Und falls doch mal etwas unklar ist, hat man etwas Schriftliches zur Hand. Ein Reitbeteiligungsvertrag sollte folgende Hauptpunkte enthalten:

  • Die Vertragspartner (d.h. Eigentümer des Pferdes und Reitbeteiligung) müssen erfasst werden (Name, Geburtsdatum, Kontaktdaten, Kontodaten des Eigentümers bei einer entgeltlichen Vereinbarung)
  • Ist die Reitbeteiligung minderjährig, müssen die gesetzlichen Vertreter (i.d.R. die Eltern) ihr Einverständnis erklären
  • Name und Lebensnummer des Pferdes
  • Wie oft darf das Pferd geritten/gearbeitet werden?
  • An welchen Wochentagen darf das Pferd geritten/gearbeitet werden?
  • Das Entgelt, was die Reitbeteiligung zu entrichten hat oder aber die Übernahme bestimmter Posten (z.B. die Kosten des Hufschmiedes)
  • Die Fälligkeit des Entgelts, d.h. wann gezahlt werden muss
  • Die Haftung für Schäden
  • Die Versicherungen (Tierhalterhaftpflicht, Unfallversicherung)
  • Vertragsdauer und Kündigungsfristen

Daneben lassen sich noch weitere Dinge schriftlich festhalten, z.B.:

  • In welchen Disziplinen darf das Pferd gearbeitet werden
  • Wie ist die Teilnahme an Veranstaltungen (z.B. Turnieren) geregelt?
  • Welche Arbeiten hat die Reitbeteiligung im Stall zu übernehmen?
  • Besteht die Pflicht, an Reitunterricht teilzunehmen? Wenn ja, wie oft und nur bei einem bestimmten Trainer?
  • Unarten, Macken und auch Krankheiten des Pferdes
  • Die – eigentlich selbstverständliche – Reithelmpflicht
  • Die – ebenfalls selbstverständliche – Pflicht, sorgsam mit dem Equipment umzugehen und Schäden ggf. zu ersetzen

Wer haftet bei Unfällen mit der Reitbeteiligung?

Das Pferd steigt der Reitbeteiligung beim Putzen – in Sandalen – auf den Fuß und der Mittelfuß ist gebrochen oder aber das Pferd erschreckt sich wider Erwarten bei einem Ausritt und der Reiter stürzt und verletzt sich. Schnell sind Unfälle passiert und leider zu oft wird danach darüber gestritten, wer für die Schäden haftet. Der Eigentümer des Pferdes sollte sich unbedingt mit seiner Haftpflichtversicherung in Verbindung setzen und (je nach Versicherung) die Reitbeteiligung bei dieser melden. Urteile zu Haftungsfragen gibt es sehr viele. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat z.B. im letzten Jahr entschieden, dass ein Reitbeteiligungsvertrag nicht ohne Weiteres einen stillschweigenden (d.h., keiner redet darüber, aber beide Seiten wollen, dass etwas rechtlich so ist) Haftungsausschluss rechtfertigt, wenn Unfälle im Rahmen einer Reitbeteiligung geschehen und vom Versicherungsschutz des Pferdehalters ausgenommen sind. Hier musste der Eigentümer des Pferdes die Behandlungskosten teilweise übernehmen (wer Interesse hat, das Urteil findet ihr hier). Um solchen unglücklichen Unfällen oder Stürzen vorzubeugen, kannst du dich vorab schon vorbereiten, indem du zum Beispiel den Sicherheitssitz übst und dich informierst, wie du sicher mit deinem Pferd im Gelände reitest.

Welche Versicherung braucht man als Reitbeteiligung?

Ein bestehender Versicherungsschutz für die Reitbeteiligung ist somit sehr wichtig und kann lange und teure Gerichtsverfahren vermeiden. Dabei ist immer zu beachten, dass die Reitbeteiligung ein Mitverschulden an Unfällen tragen kann und evtl. Kosten mittragen muss. Daher sollte die Reitbeteiligung klären, ob sie bei etwaigen Unfällen ausreichend versichert ist (z. B. durch eine eigene Unfallversicherung). Eine Vereinbarung von Haftungsausschlüssen (z.B., der Eigentümer haftet nicht für durch das Pferd verursachte Schäden an der Reitbeteiligung) sind rechtlich immer schwierig und sollten vorher mit einem Anwalt abgesprochen werden. Wichtig ist zu wissen, dass eine Haftung für Verletzungen an Körper und Gesundheit – die durch den Eigentümer des Pferdes oder das Pferd verursacht wurden – grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden können. Neben der Haftpflichtversicherung wird daher auch eine private Unfallversicherung empfohlen.

Alles was du über einen Reitbeteiligungsvertrag wissen musst

Was tun, wenn man seine Reitbeteiligung aufgeben muss?

Die Reitbeteiligung hat keine Zeit mehr, sich um das Pferd zu kümmern oder aber Eigentümer und Reitbeteiligung finden keinen gemeinsamen Nenner in Sachen Pferdehaltung und -training. Viele Gründe können dazu führen, dass der Reitbeteiligungsvertrag beendet werden soll. Oft geschieht dies plötzlich: Die Reitbeteiligung schreibt eine kurze WhatsApp-Nachricht, dass sie ab nächster Woche nicht mehr kommt und auch nicht mehr bezahlt oder der Eigentümer verbietet der Reitbeteiligung die weitere Nutzung des Pferdes. So einfach ist das jedoch nicht, schließlich ist es nicht fair, wenn der Eigentümer von heute auf morgen ohne Unterstützung dasteht oder die Reitbeteiligung den monatlichen Beitrag schon bezahlt hat, das Pferd aber plötzlich nicht mehr pflegen oder reiten darf. Für einen solchen Fall sollte in eurem Reitbeteiligungsvertrage unbedingt eine Kündigungsfrist vereinbart werden. Die Kündigungsfristen richten sich danach, welche Vertragsart ihr vereinbart habt (s.o.).

Ab wann kann man einer Reitbeteiligung fristlos kündigen?

Bei einem Mietvertrag wird zwischen der fristlosen Kündigung und der ordentlichen Kündigung unterschieden. Die fristlose Kündigung erfolgt – wie der Name schon sagt – fristlos, also gilt sofort und ist z.B. gerechtfertigt, wenn die Reitbeteiligung das vereinbarte Entgelt nicht zahlt oder das Pferd aufgrund grob fahrlässigem oder sogar vorsätzlichen Verhaltens der Reitbeteiligung zu Schaden gekommen ist.

Bei einer ordentlichen Kündigung dagegen ist die zwischen der Reitbeteiligung und dem Eigentümer des Pferdes vereinbarte Kündigungsfrist einzuhalten. Für eine solche Kündigung müssen keine besonderen Gründe vorliegen. Habt ihr dagegen einen Leihvertrag vereinbart, sieht das Gesetz vor, dass der Eigentümer das Pferd jederzeit zurückfordern kann, wenn ihr keine feste Vertragsdauer oder eine Kündigungsfrist vereinbart habt. Deshalb könnt und solltet ihr eine Kündigungsfrist aus Fairness-Gründen vereinbaren. Eine fristlose Kündigung, z.B. wegen der o.g. Gründe, bleibt aber auch dann noch möglich. Beide Vertragsarten können aber auch von Vornherein für einen festen Zeitraum geschlossen werden (z.B. für 6 Monate). Der Vertrag endet dann automatisch mit Ablauf der vereinbarten Zeit. Eine fristlose Kündigung ist aber weiterhin möglich.

Wie ihr seht, gibt es viele Fragen, die bereits vorab geklärt werden können und unbedingt geklärt werden sollten. Dieser Beitrag soll keine Rechtsberatung sein, diese muss ganz individuell bei einem Rechtsanwalt erfolgen. Aber es gibt Fragen, die immer wieder auftauchen und die ich hier ganz allgemein behandeln möchte. Auch interessante Urteile sollen hier für euch aufbereitet werden.

In Kooperation mit Beatrice Walther (Juristin)

Wie starte ich das Training mit meiner Reitbeteiligung?

In Normalfall wird das Reiten und Training mit dem Pferdebesitzer abgesprochen. Welche Trainingsweisen sollen verwendet werden? Wie häufig geht man ausreiten und wann kann man Trainingsstunden belegen? Diese Fragen stellt sich fast jeder, der eine neue Reitbeteiligung eingeht. So gibt es inzwischen Mittel und Wege, sich und sein Pferd bestmöglich vorzubereiten. Mit wehorse hast du beispielsweise die Möglichkeit vom Wissen von über 70 Trainern aus allen Disziplinen zu profitieren. Das hilft nicht nur dir, sondern auch deinem Pferd.

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