#Interview mit Dietmar Gugler: Mit 100 D-Mark in die große Welt des Springsports
Dietmar Gugler spricht mit Christian Kröber über seinen Weg vom ambitionierten Nachwuchsreiter zum international gefragten Trainer und Pferdesport-Unternehmer. Er erzählt, wie prägende Wegbegleiter wie Fritz Ligges und Paul Schockemöhle seine Karriere beeinflusst haben und was es braucht, um junge Talente nachhaltig an die Spitze zu führen. Außerdem geht es um die Bedeutung von Durchlässigkeit im Sport, internationale Vernetzung und die Frage, wie der Pferdesport mehr junge Menschen begeistern und seine Zukunft aktiv gestalten kann.
Produktion: Olivia Herrmann
Vermarktung: Carolina Hofmann
Podcast Transkript
Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.
[SPEAKER 1]
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Heute zu Gast einer der renommiertesten Springreittrainer der Welt und der ehemalige Nachwuchsbundestrainer Dietmar Gugler.
[SPEAKER 2]
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Und so ist man halt überall in der Welt verberndelt und hat Freunde und Connections. Und das ist das, was unser Sport ja auch ausmacht. Und darüber hinaus finde ich auch, dass Sport, wenn man es so international betreibt, für die jungen Leute wahnsinnig wichtig ist. Weil die lernen dann die Welt nicht nur durch die Medien kennen, durch die Nachrichten. Überall gibt es schlechte Nachrichten. Und wenn man wirklich die ganzen Menschen mal persönlich kennenlernt, dann merkt man, dass es auf der ganzen Welt tolle junge Menschen gibt. Aus allen Gesellschaftsschichten und aus allen Ländern, unabhängig von Hautfarbe, Glauben, alles mögliche. Und das ist das, was der Sport ausmacht, finde ich.
[SPEAKER 3]
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Herzlich willkommen zum WeHorse Podcast. Heute mit Christian Kröber. WeHorse ist deine Lernplattform, auf der du täglich Inspirationen, Trainingstipps und das Wissen der besten Trainer bekommst, um gemeinsam mit deinem Pferd jeden Tag besser zu werden.
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Anderthalb Fahrstunden südöstlich Münchens liegt am Chiemsee das Gut Ising. Das ist die Heimat von Dietmar Gugler und seiner Frau Silvia. Dietmar gilt als einer der am international besten vernetzesten Trainer im Springreiten und Entdecker vieler internationaler Reiter. Lange Jahre war er Bundestrainer. Er war Jugend-Springreiter in Deutschland und leitete das Gestüt Prinzenberg im hessischen Funkstadt in der Nähe Darmstadt. Inzwischen ist er seit einiger Zeit in Bayern und ich habe ihn getroffen und wir haben einen Podcast aufgenommen, der am Ende eine Reise ist durch sein Trainerleben, was für ihn als Trainer wichtig ist, was genau es ausmacht, ein wirklich guter Reiter zu sein und vieles mehr. Bevor es losgeht, darf ich ein neues Feature präsentieren, das seit neuestem in unserer App verfügbar ist. Innerhalb des KI-Coaches, mit dem ihr euer Training erfassen und planen könnt, gibt es nun die sogenannten Challenges. Macht dort mit, tragt deine Aktivitäten ein und gewinn mit etwas Glück tolle Preise. All das bei uns in der App. Nun geht's rein in den Podcast. Viel Spaß! Hallo Dietmar.
[SPEAKER 2]
[00:02:19-00:02:22]
Hallo Christian. Ich freue mich, dass du hier bist auf Good Easing.
[SPEAKER 1]
[00:02:22-00:02:49]
Ja, vielen Dank. Ich habe gerade ja schon eine riesige Rundtour von dir bekommen. Wirklich beeindruckend, was ihr hier betreibt, was ihr hier macht. Da kommen wir später zu. Aber wenn man jetzt auf dich von außen drauf schaut, sehen viele den erfolgreichen Trainer, eine Person, die sehr, sehr erfolgreiche Reiter auch schon über viele Jahre begleitet. Was macht es für dich aus, ein guter Trainer zu sein? Was ist ein guter Trainer aus deiner Sicht?
[SPEAKER 2]
[00:02:49-00:04:49]
Gut, das hat viele Aspekte. Ich sage immer ganz salopp, wenn du ein guter Trainer sein willst, dann musst du dir einen talentierten Reiter mit einem guten Pferd suchen, dann klappt das schon. Aber das ist es natürlich nicht. Ich hatte ja ein paar junge Leute bei uns, vor allem noch in meiner Zeit in Funkstadt, bei der Dieter-Hoffmann-Stiftung, auf dem Gestüt Brinsenberg. Da in meiner Zeit als Bundestrainer auch kam dann Angelika Augustin zu mir. Als 17-jähriges schwedisches Mädchen. Ich habe gedacht, das würde für mein Pferdegeschäft gut stehen, so eine gut reitende Schwedin bei mir zu haben. Und dann hat sie, ohne dass wir darüber gesprochen haben, sie wollte das eigentlich gar nicht so, sie wollte im Sport weiterkommen und hat mich dann tatsächlich mit den Erfolgen, die sie so hatte und mit der Zeit, die wir... die wir dann zusammen verbracht haben. Mehr oder weniger hat sie meine Passion geweckt, junge Leute im Sport zu fördern und auszubilden. Und das haben wir dann auch zusammen gemacht. Dann ist sie wirklich von fast, sie hat Union-Europameisterschaften geritten für Schweden. Und in der Zeit bei mir hat sie große Preise gewonnen, hat Weltcup-Springen gewonnen, hat eine Medaille bei den Europameisterschaften in Hörning gewonnen für Schweden, bei den Senioren. Und ja, ist einfach eine richtige große Nummer im Reitsport geworden. Sie hat dann Marlon Zanotelli kennengelernt und den auch geheiratet. Den jetzigen Ehemann. Den jetzigen Ehemann, genau. Das ist dann einfach so, dass das dann so ist. Wir haben noch nach wie vor einen ganz tollen Kontakt mit ihr. Da sind wir auch sehr stolz drauf. Das macht Spaß. Die beiden zusammen, Marlon und sie, das ist ein Power-Paar im Reitsport. Und ich freue mich, dass wir da einen Teil dazu beigetragen haben.
[SPEAKER 1]
[00:04:49-00:04:51]
Aber war sie die Initialzündung auch für dich?
[SPEAKER 2]
[00:04:51-00:10:01]
Gut, ich war ja in der Zeit, ich war schon einige Jahre Bundestrainer, war zuerst bei Paul Schockemühle, was mir auch sehr, sehr viel geholfen hat. Da hatte ich erstmal nur die Idee bekommen, wie es überhaupt gehen könnte als Selbstständiger in diesem... In diesem Metier wirklich gut zurechtzukommen, eine Anlage zu pachten, internationale Kontakte zu bekommen, Und auch zu halten, das habe ich eigentlich fast alles bei Paul gelernt. Und dass ich dann immer mehr junge, junge Leute zu mir geholt habe, wie auch dann später den David Will. Das war schon so, dass Angelika die Initialzündung war, ja, sehe ich schon so. Aber wie gesagt, vorher war ich bei Paul und dann habe ich mich 2003 in Funkstadt selbstständig gemacht auf dem Gestüt Brinsenberg der Dieter-Hoffmann-Stiftung. Und dann ging das so langsam seinen Weg. Das war einfach irgendwie gar nicht so geplant. Selbstständig machen wollte ich mich. Aber ich hatte erst mal so ein Worst-Case-Szenario im Kopf und habe gedacht, naja, wenn das alles nicht funktioniert, dann kannst du ja zumindest Unterricht geben. Und dann kamen auch relativ schnell die ersten amerikanischen Kunden, die ich allerdings auch noch in meiner Zeit bei Paul kennengelernt habe und die Trainer. Und dann nahm das seinen Lauf. Dann erst mit Angelika, die dann wirklich erfolgreich gerettet hat, in der schwedischen Mannschaft war. Dann kam David Will zu uns. Der kam zu uns, der kommt hier vom Good Easing. Die Eltern von David waren viele, viele Jahre die Reitlehrer hier auf Good Easing. Ach, wirklich? Ja. Und er hatte eine Lehre angefangen bei einem guten bayerischen Dressurreiter, bei Uwe Schwanz, erfolgreicher Dressurreiter. So Ausbilder. Aber er wollte immer irgendwie springen. Und das ging da irgendwie nicht so. Er durfte mit seinem eigenen Pferd ein paar Mal los, auf kleine Retourniere. Aber bei Uwe, da sind die wirklich stark in seinem Rahmen eingebunden. Und ein klassischer Dressurstall. Ein klassischer Dressurstall. Und so hat mich die Frau Will einmal gefragt, die Sonja, ob ich den David nicht zu mir nehmen könnte. Und das haben wir dann auch gemacht. Dann kam er zu uns, hat die Lehre bei uns zu Ende gemacht. Und es war wirklich nicht abzusehen, dass der so eine Entwicklung nimmt. Der hat halt Dressur geritten, der war Leistungsklasse 3, aber der war immer da. Ich habe den dann den Führerschein machen lassen, ich habe dem Pferde mitgegeben zur Bundeswehr-Sportschule. Da hat sich dann der Slogan kreiert, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo der David her mit seinen anderen Kollegen. Also der hat alles, alles, alles, was der jetzt erreicht hat, selber verdient. Hat er sich selber verdient durch viel Arbeit, durch wahnsinnige Freundlichkeit. Ich kann mich erinnern, ich habe mal ein Pferd aus den USA zurückbekommen. Dann habe ich den mit Kunden zur Sunshine Tour geschickt, sechs Wochen. Nach Spanien? Nach Spanien, weil er die Kunden betreuen sollte. Und dann rief er mich nach jedem Wochenende, ist noch der LKW liegen geblieben auf dem Weg, also der war wirklich robust. Dann rief er mich, hat er mit 1,20 angefangen. Und dann rief er mich immer nach jedem Wochenende an und sagt, wie soll ich weitermachen? Dann sage ich, ja, reit nächste Woche 1,30 oder 1,35. Das ging über sechs Wochen zu. Zum Schluss war er Zweiter im großen Preis, im richtigen Vier-Sterne-Internationalen großen Preis auf dieser Tour. In Spanien. Und so hat sich das dann selber entwickelt. Dann hat man plötzlich auch andere Pferde, hat er sein erstes S-Springen dann gewonnen in Mannheim, bei meinem Markt, das Barrieren-Springen, über 2,15 Meter, auch ganz sensationell. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, diese jungen Leute. So zu begleiten. Dann kam der erfolgreichste Reiter in Wiesbaden, dann der erste Start in Aachen mit neuen Platzierungen damals. Ja, das Hochkommen mit den jungen Leuten, das hat wahnsinnig Spaß gemacht. Aber die waren auch besonders. Neben den beiden hatte ich noch viele andere Lehrlinge. Ich glaube, es waren inzwischen... Stimmt, 25 Lehrlinge, die bei uns waren in den letzten 20 Jahren, 25 Jahren. Und ich muss sagen, wirklich fast alle, alle, alle machen irgendwo im Reitsport, die einen als Reitlehrer, die anderen als Unternehmer führen. eigene Stelle, Laurens Buhl, Niklas Hoffmann, Marcel Wegfahrt, alles tolle Reitsportunternehmer, die sich alles selbstständig gemacht haben und wirklich in dem doch inzwischen auch nicht so einfachen Metier gut zurechtkommen.
[SPEAKER 1]
[00:10:01-00:10:10]
Was macht dann so ein David Will, so eine Angelika Augustin aus gegenüber der anderen? Dass sie wirklich dann auch diese Top-Leistung auf diesem Top-Niveau abliefern?
[SPEAKER 2]
[00:10:10-00:11:31]
Das ist auch schwer zu sagen. Erstens mal, dem David kam sein Fleiß, sein Engagement, sein Charakter zugute. Und die wollten einfach zum Turnier, die wollten einfach reiten. Und dann haben die natürlich auch... Erfolge gekriegt, die sie wiederum motiviert haben. Und das ging immer weiter. Das war wie so ein Selbstläufer. Es ging immer einen Schritt weiter, immer einen Schritt weiter. Die haben mich dann verlassen, weil sie sich selbstständig machen wollte. Der David wollte nicht mit herkommen nach Ising. Der wollte in Hessen oder im Norden bleiben, was ich auch verstehe, als wir umgezogen sind, Silvia und ich. Aber die beiden gerade, die haben einfach irgendwie auch das Siegergehen gehabt. Mit David. Angelika hat über 100 S-Springen bei mir gewonnen. David, wenn der Jump and Drive macht oder Biathlon, Reitbiathlon, so ein bisschen so eine Spaßprüfung, der will immer gewinnen. Und er weiß es auch, wie es geht. Und er hat eine tolle... Persönlichkeit, weil er auch zu allen Menschen immer nett ist und gleich ist. Und trotz des großen Erfolges, den er jetzt ja auch hat, erst als Reiter, jetzt als Trainer, ist Trainer der saudischen Nationalmannschaft.
[SPEAKER 1]
[00:11:31-00:11:32]
Er war auch gewesen.
[SPEAKER 2]
[00:11:32-00:12:11]
Ja, ich kann mich erinnern, vor... 2010 wurde ich, nachdem ich als Bundestrainer aufgehört hatte, wurde ich Trainer für die Vereinigten Arabischen Emirate. Und ich habe die dann in diesem Jahr begleitet auf die Asian Games nach Guangzhou und auf die Weltmeisterschaften nach Kentucky. Und da war David beides mal dabei und war als Pfleger, Arbeitsreiter, hat morgens die Pferde für die Emiratis geritten. Und wir haben das zusammen gemacht. Und heute ist er erfolgreich Trainer für die Saudis.
[SPEAKER 1]
[00:12:11-00:12:29]
Und jetzt könnt ihr quasi gemeinsam Fachsimpeln, weil du bist ja auch in verantwortlicher Position immer wieder für verschiedene Nationen. Du fliegst auch zu den Asian Games beispielsweise, die ja in wenigen Tagen stattfinden in Tokio. Ist ja auch schon irgendwie witzig, dass dann David Will, der so aus deiner Kaderschmiede kommt, auch ja einen ähnlichen Weg nimmt wie du.
[SPEAKER 2]
[00:12:29-00:13:11]
Ja, also ich freue mich darauf. Ich fliege ja jetzt am Sonntag nach Tokio zu den Asian Games. Ich betreue da die Mannschaft. Des Hongkong Jockey Clubs. Die sind seit 2018 bei uns. Und ja, du triffst natürlich David, Viele andere Trainer, das sind immer Highlights, diese Championate. Das ist ja auf dem Gelände der Olympischen Spiele in Tokio. Also das ist schon eine große Nummer und wir kennen uns natürlich alles. Das ist eine kleine, im Grunde Reitsport, auch weltweit ist ja trotzdem, was die Betreuung der internationalen Mannschaften betrifft, eine eingeschworene. Gesellschaft, die sich alle irgendwo kennen.
[SPEAKER 1]
[00:13:12-00:13:16]
Du kommst ursprünglich aus Baden-Württemberg, aus einem Haushalt, der gar nichts mit Pferden zu tun hatte.
[SPEAKER 2]
[00:13:16-00:13:50]
Das ist richtig, ja. Das ist ganz zurückgehend auf meine Geschichte. Ich habe immer beim Pferdehändler Henry, er war Norddeutscher, hat so einen ganz kleinen Handelsstall gehabt und da bin ich morgens vor der Schule immer hin. Habe die Pferde gefüttert, dann nach der Schule wieder, dann durfte ich reiten. Und dann habe ich damals ein Buch gelesen, das hieß Die besten elf Reiter. Das waren so Geschichten aus dem Privatleben und aus der sportlichen Karriere der damaligen elf. Reiter.
[SPEAKER 1]
[00:13:50-00:13:51]
Fritz Thiedemann.
[SPEAKER 2]
[00:13:51-00:14:45]
Zum Beispiel, ich weiß noch ein paar Slogans, ich weiß nicht, ob ich alle zusammen bekomme, war zum Beispiel Hans-Günter Winkler, der Herrenreiter. Gerd Wildfang, Genie im Sattel. Fritz Ligges, Sunny Boy des Parcours. Alvin Schockemölle, vom Bauernsohn zum Millionär. Kurt Jarasinski, eine Reiter-Tragödie. Hermann Schritte, nur Fliegen ist schöner und so weiter. Sönke Sönksen, ein Dietmarscher Dickschädel. Ich kann mich noch fast an alle erinnern, wenn ich mich ein bisschen konzentriere. Und damals hat mich die Geschichte von Fritz Ligges irgendwie interessiert. Und dann wusste ich, dass der Helmut Hartmann, Helmut Hartmann ist... Ein ganz guter Freund von mir und er war in der damaligen Zeit eigentlich der Größte, die Baden-Württemberger Reitsportgröße.
[SPEAKER 1]
[00:14:46-00:14:47]
Bis heute ja auch sehr arrivierter Trainer.
[SPEAKER 2]
[00:14:47-00:15:19]
Richtig, er ist Trainer, er ist Richter, er ist Bundeschampionatsrichter, Stuart. Wir haben gerade vor kurzem nochmal telefoniert, sehr nett, dass ich noch den Kontakt zu ihm habe. Und er hat mich zu Fritz Ligges geschleust. Wir haben uns dann auf dem Turnier in Donaueschingen getroffen und ich habe ein kurzes Gespräch mit Herrn Ligges gehabt und habe natürlich kein Wort rausbekommen. Weil ich auch wirklich richtig schwäbisch geschwätzt habe. In der Zeit noch, ich konnte gar kein Hochdeutsch.
[SPEAKER 1]
[00:15:19-00:15:20]
Hört man gar nicht mehr an so viel das Schwäbische.
[SPEAKER 2]
[00:15:20-00:15:35]
Ja, man hört es schon noch, das kriegt ein Schwabe auch nicht richtig los. Ist auch nicht so schlimm. Wir stehen ja dazu. Und auf jeden Fall bin ich dann über Umwege mit Vieh-LKWs nach dem Norden gefahren.
[SPEAKER 1]
[00:15:35-00:15:36]
Dortmund war das damals, ne?
[SPEAKER 2]
[00:15:36-00:19:11]
Das war damals schon in Herbern, Ascheberg-Herbern. Da war er gerade eingezogen. Und als ich da auf den Hof kam, hat er sich gar nicht mehr natürlich richtig... an mich erinnert, hat damals in Donner Eschen gesagt, ja, muss halt mal vorbeikommen. Aber er hat gedacht zum Vorreiten. Aber ich habe gedacht... Und du kamst mit Sack und Pack an. Sack und Pack. Und war eine ganz witzige Geschichte. Und dann wollten mich die Viehfahrer vom Schlachthof Theurer aus Ludwigsburg, die wollten mich an der Autobahn rauslassen. Da habe ich gesagt, das könnt ihr nicht. Ich habe doch die Karte hier. Ihr könnt in Werner runterfahren und in Ascheberg wieder drauf. Fahrt mich doch bitte von der Autobahn runter. Und die hatten es natürlich immer eilig. Und das haben sie aber dann gemacht, haben sie mich in Herborn rausgelassen. Dann war morgens um fünf, war gerade Licht in der Bäckerei, habe ich gefragt, wo es zum Hof von Fritz Ligges geht. Ja, vier Kilometer raus, dann bin ich dann weitergelaufen mit meiner Tasche und den 100 DM in der Tasche, die ich damals mitbekommen habe. Und bin auf dem Hof angekommen. Und dann gingen die Lichter auch schon an und da habe ich da im Stall geholfen und dann waren alle weg zum Frühstück. Ich bin an den Wasserhahn gegangen. Dann kamen die wieder, dann habe ich Pferde gesattelt. Fritz Lickes war gar nicht zu sehen erst mal. Plötzlich so alle zum Mittagessen, waren wieder alle weg. Und irgendwann sehe ich so einen blauen Mercedes auf den Hof kommen und höre die Frau Lickes sagen, Fritz, da ist ein Junge für dich da. Was für ein Junge, der konnte sich natürlich gar nicht an mich erinnern. Und sagte, so geht das doch nicht, ich muss vorreiten und ich habe jetzt auch keinen Platz. Und damals habe ich gesagt, ja, ich kann aber nicht mehr heim. Wieso kannst du nicht mehr heim, fragte er. Ich habe nur 100 D-Mark dabei, aber ich habe allen Leuten erzählt, dass ich bei ihnen anfange und das alles auf Schwäbisch. Ich gehe nicht mehr heim. Hat er irgendwas genuschelt und ist ins Haus gegangen und kam nach zwei Stunden wieder. Ich habe in der Zwischenzeit, weil es Herbst war, so drei, vier Wochen nach dem September-Turnier in Donaueschingen, mit dem Pferdepfleger Günther die Weiden ausgeschnitten, die Weidezäune, damit der Strom nicht ableitet. Ich war nass wie eine Katze. Und dann kam irgendwann Fritz Legge, wo bist du, wo ist der Junge? Und dann los, hat er mich ins Auto genommen. Dann saß ich das erste Mal in meinem Leben in einem Mercedes. Und dann hat er mich... Weggefahren, hat mir erzählt, ja, er hat einen Freund, Sponsor, dessen Frau ist schwanger, jetzt kannst du dich erstmal um die Pferde kümmern und dann schauen wir weiter. Und da hat er mich an meinem ersten Tag in der fremden Welt, in der großen Welt des Reitsports, von Ascheberg-Herbern nach Balwe gefahren. Und in Balwe war Rudi Kampmann mit seiner Frau Ulrike Kampmann, die eben, wie ich sagte, schwanger war. Und dann durfte ich eben diese Pferde reiten. Die Pferde standen auf dem Hof von Graf Landsberg. Dem damaligen FN-Präsidenten. Dem damaligen FN-Präsidenten. Und ich habe dann morgens immer die Pferde erst gefüttert, dann gesattelt, dann ein bisschen geritten. Und so immer nach zwölf, eins, kamen die Töchter, die hübschen Töchter von Graf Landsberg auf der Schule. Und so haben wir uns kennengelernt und Tischtennis gespielt. Und ja, das fing schon am ersten Tag in der großen Reitsportwelt an, dass ich die Tochter von Graf Landsberg gut fand. Die fanden mich natürlich erst gar nicht gut. Ich habe denen so ein bisschen die Pferde weggenommen. Aber auf jeden Fall ist ja dann auch eine langjährige Verbindung mit zwei tollen Töchtern daraus geworden.
[SPEAKER 1]
[00:19:12-00:19:13]
Rosalie auch schon zu Gast gewesen hier im Podcast.
[SPEAKER 2]
[00:19:13-00:19:35]
Ah, genau. So, ja. Und wie das so ist, das ging dann 20, 25 Jahre lang on und off, bis wir dann einfach mal auch gesagt haben, jetzt ist es auch gut. Und das ganz Tolle und Schöne ist, dass wir zwei ganz, ganz tolle, erfolgreiche, gut aussehende, tolle Töchter aus dieser Zeit haben.
[SPEAKER 1]
[00:19:35-00:19:46]
Man muss sagen, Balve war ja dann auch in der Folge neben dir, Meredith Michaels-Bärbaum war in Balve mit Markus Bärbaum. Also das war einfach auch wirklich ein Standort, bis heute ja Standort der deutschen Meisterschaften.
[SPEAKER 2]
[00:19:46-00:20:18]
Das habe ich damals auch noch vermittelt und zwar wieder Jahre später auch in Donaueschingen. Auf dem Turnier, da war ja gerade Markus und Meredith zusammengekommen und haben einen Stall gesucht. Und der Pächter von der Anlage, der Herr Cordes, der wollte aufhören. Und dann habe ich Markus, Meredith und Graf Landsberg zusammengebracht. Und Graf Landsberg war natürlich happy. Zwei so Spitzenreiter im Stall zu haben. Und das hat sich angehört. Einfach alles wunderbar ergeben.
[SPEAKER 1]
[00:20:19-00:20:32]
Gut, also chronologisch, Fritz Ligges war so der Einstieg in die ganz große Welt des Springsports. Balve, du hast da eben berichtet, auch noch Paul Schockemüll, auch noch ein wichtiger Bestandteil für dich.
[SPEAKER 2]
[00:20:32-00:22:38]
Ja, also wenn man es jetzt chronologisch aufbaut, war das erst meine Zeit, bin ich zu Fritz Ligges gekommen. Dann war ich drei Monate in Balve, bis es dann hieß, alle Pferde von der Familie Kampmann gehen jetzt zu Fritz Legges auf den Hof. Und offensichtlich habe ich da einen ordentlichen Eindruck hinterlassen und durfte dann mitkommen zu Fritz Legges auf den Hof. Und dann da... War natürlich ein ganz anderes Leben. Viel Arbeit. Ich glaube, da habe ich die ersten drei Monate den Hof kaum verlassen. Nur geschlafen, gegessen, gearbeitet, geritten, bei der Landwirtschaft geholfen. Aber ich wollte das unbedingt. Und dann muss ich sagen, hat der Herr Ligges mich auch wirklich gefördert. Er hat mir seine ersten Lederstiefel, die waren mir zwar ein bisschen klein, aber die hat er mir dann geschenkt. Ich habe mir aber nicht getraut, zu sagen, dass die mich drücken. Ich habe sie trotzdem angezogen. Und dann durfte ich dann immer mehr auch von Kunden von ihm und Sponsoren von ihm die Pferde auch mal auf den Turnieren reiten. Und dann hat er mir auch geholfen, dass ich dann, das war alles 1980. 81 blätscherte es so dahin, wo ich dann so ein bisschen mitreiten durfte, die ersten Turniere. Dann 1982 war ein ganz besonderes Jahr für mich wieder in Balve. Da habe ich mit einem alten Pferd von Herrn Ligges, der hieß Thronfolger, den durfte ich reiten und habe dann in Balve ehrlich mein erstes S-Springen gewonnen, wieder in Balve. Und das war damals die Sichtung. Der Weltmeisterschaften. Damals hat sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert Norbert Kof mit Feier. Und in dem Springen, das ich gewonnen habe, war Frank Slotak Zweiter mit Argonaut. Und ich war wirklich ein Nobody und da gab es kein Clip My Horse, auch keine Postcats. Dann war das plötzlich abends im Sportstudio. Schön. Ja, und Sensation in Balve, Nobody gewinnt vor der deutschen Elite. Und da habe ich schon gedacht, jetzt geht es los, morgen gehe ich auf einen großen Preis los.
[SPEAKER 4]
[00:22:38-00:22:39]
Das hat dich erstmal auf die Landkarte gebracht.
[SPEAKER 2]
[00:22:39-00:22:49]
Ja, und jetzt gehe ich auf einen großen Preis los. Er hat aber, Herr Ligeste, hat das natürlich erkannt, dass das jetzt schon das Ende der Fahnenstange war und hat gesagt, jetzt nimm mal dein Pferd.
[SPEAKER 4]
[00:22:49-00:22:50]
Mach erstmal ruhig.
[SPEAKER 2]
[00:22:50-00:23:43]
Und fahr den schön nach Hause und komm am Nachmittag wieder und schau dir den großen Preis an. Was auch eine ganz andere Nummer war als das Samstagsspringen. Auf jeden Fall war das ganz gut. Dann kam 1983 die Bundeswehr-Sportschule. Hat mir auch geholfen, dass ich da hin konnte. Dann kam ein Pferd zu uns, Royal G, mit dem konnte ich dann 1984, durfte ich schon in D. Dortmund reiten, durfte Weltcup reiten, also er hat mich richtig, dann kamen die ersten Nationenpreise, hat mich richtig gefördert, protegiert, nach vorne gebracht. Genau, ja, war eine tolle Zeit, eine unbeschwerte Zeit mit viel Arbeit. Ja, und das hat mir wahrscheinlich auch schon so ein bisschen die Idee gegeben, dass man junge Leute so ein bisschen auch fördern könnte und dass es Spaß macht.
[SPEAKER 1]
[00:23:43-00:23:47]
Und die Dieter-Hofmann-Stiftung, die ja dann danach kam, ich glaube ab 88.
[SPEAKER 2]
[00:23:47-00:23:49]
Richtig, ja, 88.
[SPEAKER 1]
[00:23:50-00:23:54]
Ist ja prägend für dich, die Dieter-Hofmann-Stiftung hat dich ja sehr, sehr viele Jahrzehnte begleitet.
[SPEAKER 2]
[00:23:54-00:23:58]
Ja, 88 bin ich dann über Herbert Mayer und Fritz Ligges.
[SPEAKER 1]
[00:23:59-00:24:00]
Bundestrainer Herbert Mayer.
[SPEAKER 2]
[00:24:00-00:25:10]
Bundestrainer Herbert Mayer für die Senioren. Fritz Ligges war in der Zwischenzeit Bundestrainer für die Union und Jungreiter geworden. Die Familie Hoffmann hatte da in Funkstadt beim Gestüt Prinsenberg ein wahnsinnig tolles Anwesen erbaut und haben über viele Jahre schon Pferde gezüchtet. Und es waren viele, viele Pferde. Und dann haben die Reiter gefehlt. Und da war einfach kein Konzept dahinter. Und das sollte ich dann in Verbindung mit Warendorf und den Bundestrainern Fritz Legeson und Herbert Mayer Und da war das Konzept, dass man eben Pferde kauft und die talentierten jungen Leuten zur Verfügung stellt. Und das ging tatsächlich auch relativ erfolgreich. Also ich habe bei Ralf Runge dann mal Autogramm gekauft. Das war das Top-Pferd später von Thomas Mühlbauer. Christian Ahlmann hatte ein Pferd von uns, Markus Ehing hatte ein Pferd von uns. Tony Hassmann, der als junger Reiter noch, der als Europameister geworden ist, auf diesem besagten Royal G, den ich früher Weltcup-Ritter reite.
[SPEAKER 5]
[00:25:10-00:25:12]
Also die ganzen aufstrebenden Leute damals, oder?
[SPEAKER 2]
[00:25:13-00:29:17]
Und eine Simone Koch hieß sie damals, hat ihre ersten Nationenpreise bei uns geritten. Also irgendwie... Hat es funktioniert. Und dann hat mich irgendwann Herr Hoffmann gefragt, er hat gesagt, ja, die Zinsen sind weniger, ob ich nicht die Simone Koch oder irgendjemand woanders hin vermitteln könnte. Weil die Kosten einfach zu groß geworden sind. Und er auch tatsächlich, was ich erst später wusste, andere Ideen hatte, die er auch dann verwirklicht hat. Und in dem Zusammenhang habe ich Paul Schockermöhle angerufen. Und habe gesagt, ja, ich habe diese Simone Koch, das ist eine wunderbare Ausbilderin. Und ob er sich... Die mal anschauen könnte. Die ist da hingefahren, sie hat sich eingestellt. Ein paar Tage später rief er bei mir an, was ist eigentlich mit dir? Ich habe gesagt, Paul, das weiß ich nicht, ich habe einen guten Job hier. Auf jeden Fall bin ich dann auch hingefahren. Und dann hat er mir wirklich ein tolles Angebot gemacht. Und das habe ich dem Herrn Hoffmann unterbreitet. Und durfte dann tatsächlich von der Hoffmann Stiftung auch die drei Erfolgspferde, die ich da hatte, Donna Carrara, Penem und Fatinizza und... Caletto hieß einer, vier Pferde waren es, mitnehmen zu Paul Schockemühle. Und dann habe ich da noch ein bisschen meinen Turniersport gemacht. Ich habe auch bei Paul, kommt man natürlich dann wieder auf, kommt man relativ einfach auf große Turniere. Er hat Hickstead organisiert, er hat Hannover gemacht, Bremen war natürlich in allen. Turnieren und Veranstaltungen irgendwo involviert und deshalb kam ich relativ einfach auch auf die ganz großen Veranstaltungen. Monte Carlo durfte ich zweimal hin, das war damals noch im Zelt, habe zweimal das Masters dort gewonnen, in Bremen mal den großen Preis gewonnen. Ein Ball wird den großen Preis gewonnen, aber das war alles, weil es im Umfeld von Paul eben auch ein bisschen einfacher ging. Ja, dann war ich von 1995 bis 2003 bei Paul Schockemühle, habe viele Lehrgänge gegeben. Habe erst, wie ich es gerade gesagt habe, Turniere geritten, habe viele Lehrgänge gegeben, war in Südafrika, in Australien, in der Mongolei, in Amerika, in Ecuador. Und habe so ein bisschen dann auch neben dem internationalen Turnierreiten auch so ein bisschen mein Netz als Trainer. Ja, so ausgeworfen und Freundschaften geknüpft. In Brasilien war ich noch einige Zeit. War auch eine interessante Zeit. Habe mich um Paul, um die Amateurreiter, die immer in Ankom ihre Lehrgänge gemacht haben, vor der PSI-Auktion gekümmert. Wurde dann irgendwann von Herbert Mayer wiederum gefragt, ob ich nicht mir vorstellen könnte, Bundestrainer der Jugend zu werden. Das habe ich dann auch irgendwie, hat mir der Gedanke gefallen. Und dann habe ich das auch ab 2001 gemacht, habe aber gesagt, ich mache das nur zehn Jahre. Danach müsste ein anderer... Das ist ja so ein Platz. Genau, weil ich nicht wollte, dass man das so lange macht, bis man zu langweilig für die jungen Leute wird und vielleicht auch nicht mehr so viel Intention reinlegt. War auch die richtige Entscheidung. Ich habe nach acht Jahren gesagt, also 2008, dann sucht euch einen, ich mache noch zwei Jahre. Und da war ja dann Andreas Kreuzer und Johannes Ehing und Mario Stevens, viele, viele, viele, Felix Hassmann, viele junge Leute, die wir da... Begleitet haben. Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe auch ganz viel gelernt in der Zeit.
[SPEAKER 1]
[00:29:17-00:29:18]
Und super Medaillenausbeute.
[SPEAKER 2]
[00:29:18-00:30:02]
Ja, ich glaube, wenn man es in zehn Jahre runterrechnet, glaube ich, in den zehn Jahren mehr als die anderen Bundestrainer. Aber irgendwie war es auch eine coole Zeit. Das ging wahrscheinlich damals auch noch ein bisschen einfacher als heutzutage. Nicht mehr ganz so viele Teams am Start. Aber ja, hat Spaß gemacht und vor allem auch, da hat man ja wirklich auch jedes Mal Sorgen, ob die Entscheidungen, die man getroffen hat als Bundestrainer, ob die richtig sind. Da hängen ja auch persönliche Situationen dran. In den Familien sind die natürlich unglücklich und viele sehen das natürlich auch anders. Kann man sich vorstellen, da gab es schon einige Grabenkämpfe.
[SPEAKER 1]
[00:30:03-00:30:19]
Aber das ist ja, was ein Bundestrainer auch moderieren muss wahrscheinlich. Und das könnte ich mir vorstellen, dass es jetzt heutzutage noch schwieriger geworden ist als damals. Dass man einfach schaut, die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt im Team zu haben. Aber das ist am Ende die Essenz eines Trainers, oder nicht?
[SPEAKER 2]
[00:30:19-00:31:38]
Ja, ja, also das machen die heutigen Trainer auch alle wunderbar und die davor auch. Jeder hat so ein bisschen seinen eigenen Stil. Und ja, ich bin mit meinem eigentlich zehn Jahre richtig gut zurechtgekommen, hat Spaß gemacht, obwohl es auch tatsächlich Nerven kostet, weil man tatsächlich auch manchmal persönlich... die man trifft und manchmal geht es sogar unter die Gürtellinie. Aber auch da muss man drüber wegkommen, abhaken und moderieren, wie du es gerade gesagt hast. Auf jeden Fall hat man richtig, richtig viel gelernt, mit Menschen umzugehen. Ruhig zu bleiben, auch was mir tatsächlich immer richtig schwer gefallen ist, frei zu sprechen. Vor einer größeren Gruppe. Immer habe ich Lampenfieber davor gehabt. Das habe ich da schon gelernt. Und auch, dass man strukturiert wird. Nicht immer gleich losquatscht oder erstmal nachdenkt. Das ist einfach so, wenn man so im Fokus steht, auch nur als Jugendtrainer. Und wenn alles, was man irgendwo sagt, bewertet wird, wird man da vorsichtiger, was eigentlich ein guter Lernprozess ist.
[SPEAKER 1]
[00:31:38-00:31:42]
Wie würdest du deinen Stil als Trainer beschreiben? Was macht dich als Trainer aus?
[SPEAKER 2]
[00:31:42-00:34:18]
Das weiß ich eigentlich ja nicht, meinen Stil. Also ich habe eigentlich immer ein... gutes, glaube ich, zu den meisten ein gutes Verhältnis, ein vertrauensvolles Verhältnis gehabt und trotzdem den Respekt und den Angststand wahren können. Und ich glaube, die hatten Vertrauen zu mir. Wenn auch jemand nicht nominiert wurde für ein Championat oder einen Nationenpreis, wusste er eigentlich, als sie mich mal kennengelernt haben, dass die nächste Chance kommt. Und dann haben wir in der Zeit auch... auch angefangen auf allen großen deutschen Turnieren, das haben wir im Springausschuss durchbekommen, dass auf allen großen deutschen Turnieren zwei Junioren oder junge Reiter teilnehmen durften. Und die habe ich dann immer in Verbindung mit den Landestrainern, ausgesucht. Also wenn wir in Neumünster oder in Hannover ein großes Turnier hatten, habe ich für Neumünster die Holsteiner genommen und in Hannover die Niedersachsen und in Stuttgart eben die Schwaben. So ist das. Und so habe ich immer den Kontakt zu den Landestrainern gehalten. Und das ist ja gar nicht so leicht in ganz Deutschland und dann alle so im Blick zu halten. Und die Landestrainer haben sich, glaube ich, relativ einbezogen gefühlt und wohl gefühlt. Und regionale Reiter auf den Großveranstaltungen zu haben in der Jugend, selbst Aachen hatten wir die beiden Plätze, das war, glaube ich, eine ganz gute Maßnahme. Daraus ist ja dann dieses U25 auch entstanden, das ist jetzt auch in Aachen fantastisch. stattfindet. Aber ich war immer der Meinung, dass junge Leute so früh wie möglich auf die größten Turniere kommen sollten, wie es irgendwie geht. Das darf nicht gefährlich sein, das muss auch angemessen sein vom Leistungsstand, aber die können jahrelang auf dem Union-Bereich reiten, wenn in Anführungsstrichen der richtige große Sport losgeht, brauchen. Und die ihre Zeit da rein zu wachsen. Und das habe ich eigentlich immer probiert, dass die auf diese Turniere kommen. Das hat bei mir im Kleineren als aktiver Reiter funktioniert, als ich zu Paul Schockemöhle gekommen bin und auf seine Turniere durfte. Mich da nicht so viel qualifizieren musste, wenn du nicht nach... Bremen kommst oder nach New York. Ich konnte in New York, Washington, New York, Toronto reiten. Wenn du da nicht hinkommst, kannst du auch nicht gewinnen. Und das ist für alle Reiter einfach ein Prozess, da einfach Fuß zu fassen. Das geht nicht in ein, zwei Jahren.
[SPEAKER 1]
[00:34:19-00:34:55]
Wenn du diese Reiter, die unter deiner Ägide im Juniorenbereich waren, du hast eben... Einen Felix Hassmann, einen Mario Stevens, andere angesprochen. Siehst du dann schon als Bundestrainer recht früh, okay, das ist ein Talent, das ist schon outstanding gegenüber anderen? Oder ist das dann doch die Entwicklung, die einen Reiter über die Jahre nimmt, auch die Kombinatorik mit dem Pferd zusammen? Es sind ja viele Faktoren. Beim Fußball kann man ja schon sehen, okay, in der C-Jugend, das ist ein herausragender Spieler, kriegt der die Physis. Beim Reiten gibt es ja noch Faktor Pferd, hat der ein gutes Pferd zur Verfügung, ETC. Das ist ja schon multidimensional.
[SPEAKER 2]
[00:34:55-00:37:40]
Ja, also man sieht schon, wer nachher in großen Sport kommen kann. Jörne Spree zum Beispiel, die hat das richtig durchgezogen. Die war auch ganz oft bei den Mannschaften, bei den Europameisterschaften damals dabei. Das gesellschaftliche Leben und deren berufliche Der Werdegang spielt natürlich eine große Rolle, ob einer ein Topreiter wird. Wenn du heute ein Spitzenreiter werden willst, dann musst du dich komplett mit deinem Lifestyle darauf konzentrieren, den Lifestyle darauf abstimmen, die volle Zeit dafür verwenden. Und da haben viele, die im Juniorensport einfach gut sind oder auch gut waren, andere Pläne. Auch von der Familie her, die müssen in die Firmen der Eltern, die gehen in Universitäten und dann ist es automatisch. Dass die nicht in den Hochleistungssport kommen können. Das geht dann ein paar Mal mit dem einen oder anderen guten Pferd. Aber so konzentriert und langfristig, wie die heutigen Top-Rider drin sind, die müssen ja 40, 45 Wochen im Jahr losfahren, um auch auf der Weltrangliste oben zu bleiben. Das sind die auch nur, weil sie ihren Lifestyle komplett auf den Sport committed haben. Und war zum Beispiel auch mal ein Thema mit David Will, als er zur Bundeswehr-Sportschule kam, da war der Leistungsklasse 3, auch eine kleine Anekdote. Da war er Leistungsklasse 3 und ich habe den angemeldet für die Bundeswehr-Sportschule. Und wurde dann von Herrn Wendt, der war damals der Chef im DOKR, ins Büro zitiert und sagt, so geht das nicht. Er hat mir die Bewerbung auf den Tisch gelegt oder geworfen. Und hat gesagt, So geht das nicht. Der ist Leistungsklasse 3, den können wir nicht gebrauchen. Wir haben Richtlinien. Da habe ich gesagt, Reinhard, das ist ein junger Mann, der hat sich dazu entschieden, Berufsreiter zu werden. Der hat nur diesen einen Weg. Wir unterstützen immer die, die vom Elternhaus mit Pferden unterstützt wurden. Die gehen zu Europameisterschaften, die dürfen überall hin, weil das Geld da ist, weil die Eltern die unterstützen. Und dann verlieren wir die in die Betriebe der Eltern oder in die Studien und dann sind die im Sport weg, obwohl sie die ganze Unterstützung haben. Und jetzt komme ich mit einem jungen Mann das erste Mal und ich suche seit sieben Jahren schon die Leute für die Bundeswehr-Sportschule aus, seit ich Bundestrainer bin. Und jetzt sagst du, das geht nicht. Das musst du dir nochmal genau überlegen, weil sonst ist mein Job als Bundestrainer nicht mehr gefragt.
[SPEAKER 1]
[00:37:40-00:37:44]
Ach wirklich, du hast das an deinen Job geknüpft. Das ist ja eigentlich so eine Rücktrittsdrohung.
[SPEAKER 2]
[00:37:44-00:37:44]
Ja.
[SPEAKER 1]
[00:37:45-00:37:46]
Wenn du ihn nicht nimmst, dann trete ich zurück.
[SPEAKER 2]
[00:37:46-00:38:38]
Ja, das war damals im Büro in Warendorf. Hat er dann tatsächlich angenommen. Hat dann tatsächlich angenommen und dann nahm das seinen Lauf. David hat die Bundeswehr-Sportschule durchlaufen. Und tatsächlich, was hat mich wahnsinnig gefreut, vor drei Jahren war es, glaube ich, vielleicht schon vier Jahre her, kriege ich einen Anruf, Reinhard Wendt. David hat gerade die Silbermedaille in der Europameisterschaft in Riesenbeck gewonnen. Ein Advent. Dietmar, ich möchte mich bei dir entschuldigen. Das war die genau richtige Entscheidung damals, 15 Jahre davor, 2007 oder 2008. Hat Größe, absolut. Das hat Größe. Nach 15 Jahren, da habe ich eine Gänsehaut bekommen, wie der Reinhard mich dann anrief und sagte, Ich möchte mich bei dir entschuldigen und gratuliere, das war die richtige Entscheidung. Und ja.
[SPEAKER 1]
[00:38:39-00:39:13]
Aber das ist doch am Ende auch was braucht. Wir reden ja immer viel über Durchlässigkeit des Sports. Und du hast ja gerade schon richtig gesagt, viele kommen ausgestattet mit Mitteln von zu Hause, haben immer Pferde, haben vielleicht eine Firma im Background, aber die David Wills dieser Welt, Raphael Netz, eine ähnliche Geschichte, der auch in der Dressur so einen Werdegang hat, gerade aktuell eine Clara Blau zum Beispiel im U25-Bereich, die sich am Ende, die hat auch ihr ganzes Leben, ihren Lifestyle darauf abgestimmt und versucht, ohne diesen Background trotzdem was zu erreichen. Das ist doch unglaublich wichtig und am Ende die Essenz auch der Sport.
[SPEAKER 2]
[00:39:14-00:40:06]
Ja, wenn man nur mal Ritchie Vogel anschaut, Sophie Hinders, David Will, wenn ich noch ein bisschen nachdenke, dann kann ich nochmal vier, fünf aufzählen. Die waren in keiner... Jugendmannschaft dabei bei Europameisterschaften. Die waren in keinem Bundeskader. Die haben sich das als Profi, haben die sich gesagt, ich schlage diesen Weg ein und haben den konsequent verfolgt und sind heute Weltspitze. Und so gibt es Leute in Frankreich, in den USA, in Deutschland, in Holland, Das muss man erkennen als Trainer. Das war ja die Eingangsfrage von dir. Welche Leute haben die soziale Indikation, den Ehrgeiz, können das Talent auch, obwohl Talent manchmal auch kontraproduktiv sein könnte. Haben das Talent, den Ehrgeiz, in dem Sport ganz nach vorne zu kommen.
[SPEAKER 1]
[00:40:07-00:40:21]
Weil auch in den Richard Vogel, der hat ja auch Hindernisse überwunden. Der war bei Ludger Berwans, hat alles jetzt nicht wunderbar geklappt, ist da weg. Man muss diese Hindernisse und diese Widerstände auch dann überwinden.
[SPEAKER 2]
[00:40:22-00:40:33]
Ja, Richard Vogel, das ist so ein Ausnahmemann. Ich glaube, den gibt es auch vom Talent und vom Kopf und von der Zielstrebigkeit her. Den gibt es alle 50 Jahre.
[SPEAKER 1]
[00:40:33-00:40:34]
Generation Talent.
[SPEAKER 2]
[00:40:35-00:41:29]
Ja, so sehe ich es. Wie Gerd Wildfang früher. Ludger zum Beispiel, der hat ja, da habe ich alle Achtung vor, der war, glaube ich, 30 Jahre lang an allen Champions-Medaillen beteiligt. Erst als Reiter, dann als Pferdebesitzer, als Ausbilder. Irgendwie war er immer an den Medaillen beteiligt. Wahnsinn. Aber der hat es sich erarbeitet. Und so ein Ritchie, der erarbeitet auch wahnsinnig viel. Aber der hat sowas Natürliches im Parcours. Wenn der auf den großen Plätzen ist, vor allem mit dem United Touch, Da stimmt ja überhaupt kein... Die Abmessung, die wir früher so als Regel hatten, im Regelwerk hatten, die stimmen ja alle gar nicht mehr. Der reitet mit zwei Galoppsprüngen weniger in den ganzen Distanzen. Das ist wirklich so ein, ich sage mal, so ein Jahrhundertreiter.
[SPEAKER 1]
[00:41:29-00:42:08]
Und auch, was ich bei dem besonders finde, dass der Funken überspringt zum Publikum. Ich kann mich erinnern, ich war Stadionsprecher beim Nationenpreis in Mannheim und da hat er den großen Preis gewonnen. Die Badenia, das allererste Mal, das ist ja auch so ein bisschen sein Heimturnier, weil er kommt da ja aus der Nähe. Und man hat so richtig gemerkt, wie es zwischen ihm und dem Publikum auch gematcht hat. Und danach hat er erstmal, das macht er jetzt auf jedem Turnier, wo er an der Bande entlang reitet und die Leute abklatscht. Und das ist da das erste Mal passiert. Du hast richtig gemerkt, okay, das ist ein Breiter, der hat was Besonderes. Man will jetzt nicht sagen, was die anderen nicht haben, aber er hat das extra mehr, was es dann besonders macht.
[SPEAKER 2]
[00:42:08-00:43:35]
Ja, ja. Also wie gesagt, für mich ein Jahrhundertreiter wie früher Gerd Wildfang. Und das ist auch gut, dass wir so einen haben in Deutschland. Hoffentlich können wir es lange so halten. Wir brauchen ja auch tatsächlich, wenn wir jetzt gerade reden, Impulse, um auch diese Negativspirale, die wir in unserem Sport haben, so ein bisschen aufzuhalten. Da meine ich auch das Sterben kleinerer Turniere oder auch größerer internationalen Turniere. Das hängt ja alles zusammen. Und damit hängt ja auch zusammen, dass... Viel weniger junge Menschen diese Idole. haben und Vorbilder haben, um wirklich zu sagen, ich versuche in dem Sport was zu werden. Und da ist Richie natürlich jetzt wieder so ein Idol, so ein Vorbild für junge Leute, die sagen, wow, du siehst, das kann man schaffen. Und ja, das brauchen wir auch in Deutschland wieder mehr, dass wir wirklich... Den Sport auch wieder in jüngere Generationen reintragen, vielleicht sogar in die Schulen reintragen mit irgendwas, positiv transportieren, um diese Negativspirale, in die wir so reingeraten sind, aus wirtschaftlichen Gründen, Tierschutz spielt eine große Rolle, natürlich muss auch. Um das so ein bisschen aufzuhalten. Und da spielt so ein Richie, so eine Sophie und so ein David und noch einige mehr einfach eine tolle Rolle.
[SPEAKER 1]
[00:43:35-00:44:08]
Obwohl man ja sagen muss, jetzt nach Aachen, weil ja alle haben ja so ein bisschen auch auf die WM geguckt, okay, wie wird das von der Außendarstellung? Und ich finde... Die deutschen Springräder, ich finde viele, in allen Disziplinen, die da am Start waren, es war tolles Reiten, ganz viel im Hingebenen Züge rausgeritten. Also man hatte ja nie das Gefühl, okay, oh shit, da ist irgendwie der nächste Tierschutzskandal hinter der Ecke, was man ja vielleicht ein paar Jahre vorher schon mal auch hatte. Das ist ja eigentlich genau das, was du sagst, diese Positivität, diese Begeisterung darum zu.
[SPEAKER 2]
[00:44:08-00:45:20]
Also ich war eine Woche in Aachen und ich war total begeistert. Erstens mal über den Leistungsstand. auch der Nationen, die jetzt nicht ganz vorne stehen, dass die doch in der Lage sind, jetzt auch in Aachen mit 0, 4 oder 8 rüber zu reiten. Dass die Pferde so zufrieden waren, wie die rauskamen. Und vor allem, wie viele Menschen diese zwei Wochen Aachen begeistert haben, wirklich begeistert haben. Und ich war wirklich in der ganzen Welt unterwegs im Reitsport. Aber so ein Turnier... Habe ich noch nicht erlebt. So eine Begeisterung. Schade finde ich nur, dass wir alle, jeder der damit tätig ist, dass wir alle wieder montags danach zu unserer Tagesordnung übergehen und denken, hoffentlich geht es bei mir weiter. Und dieses positive Signal jetzt von Aachen, auch über die Presse oder über unsere lokale, regionale Presse, wenig in die Gesellschaft rein transportieren. Das finde ich jetzt tatsächlich ein bisschen schade. Das ist auch vielleicht ein kleiner Appell an die Pressestelle der FN. Da müsste einfach im Nachhinein mehr kommen, wenn man schon mal so ein Wahnsinns-Event in Deutschland hat.
[SPEAKER 1]
[00:45:21-00:46:05]
Und wenn man sich die Zahlen anschaut, wir haben das hier im Podcast auch während Aachen häufig angesprochen, wir hatten den WM-Spezial-Podcast, Jan Tönnies und ich haben ja häufig das kommentiert nach den großen Entscheidungen. Und parallel lief ja die Leichtathletik-EM in Birmingham und Schwimmer-Europameisterschaft in Saint-Denis-Fronton-Paris. Und bei den Schwimmern, da gab es 4000 Plätze. Bei den... Leichtathleten in Birmingham gab es im Stadion 12.000 Plätze. Die hatten beide Probleme, das auszuverkaufen. Und Aachen verkauft ein Stadion mit der dreifachen Kapazität der Leichtathleten. Sieben, acht, neun Mal über alle Disziplinen aus. Und da frage ich mich manchmal, ob wir uns nicht selber auch ein bisschen klein machen.
[SPEAKER 2]
[00:46:05-00:47:57]
Ja, man muss es wirklich transportieren, an junge Leute weiterbringen. Auch zum Beispiel der erzieherische Wert, Umgang mit dem Pferd. Es muss sich nicht immer um Spitzensport handeln. Aber wenn wir wieder mehr junge Leute an den Sport kriegen würden und auch wieder über so einen Ritchie als Idol, unseren Sport attraktiv machen können für eine andere Gesellschaftsschicht. Ich weiß, es ist sehr teuer. Es ist auch gefährlich. Es ist nicht so einfach für Familien, das heutzutage zu machen mit dem Reitsport. Aber der hat doch ganz tolle erzieherische Werte, der Reitsport. Die müssen ihre Zeit managen. Höhen und Tiefen überwinden, die ja wirklich damit einhergehen mit Reitsport. Die müssen Verantwortung gegenüber eines Tieres zeigen. Also es hat ganz tolle erzieherische Aspekte, unser Sport. Und das sind die Dinge, die wir als Botschafter, so sehe ich mich auch, Botschafter für unseren Sport wirklich in die Gesellschaft reintragen müssen. Und das machen wir hier auf Good Easing. Machen wir das auch mit der Reitschule. die wir hier haben, viele Kinder, die hier reiten. Wir machen Pony-Turniere, die eben mein Sohn Konstantin schon seit er zwölf ist, selber organisiert und auch moderiert. Kleine Pony-Turniere. Wir versuchen das hier schon zu machen. Dann machen wir das Kimse-Pferde-Festival. Auch eine Mischung aus Jugend, Amateuren und Profis hat sich auch total als erfolgreich erwiesen. Weil wir einfach, wenn die Profis Zeit haben, bringen die ihre Kinder mit zu unserem Turnier oder ihre Kunden. Alle können reiten, dann haben wir so ein bisschen bayerischen Flair. Der mit hier einhergeht, mit der Musik, viele einheimische...
[SPEAKER 1]
[00:47:57-00:47:59]
Zünftig, Zünftigerhosen, Blasmusik.
[SPEAKER 2]
[00:47:59-00:48:27]
Das spielt alles eine Rolle hier. Und über die Schiene versuchen wir halt auf Good Easing den Reitsport in die Gesellschaft zu bringen. Und wir sind auch stolz darauf, dass wir hier auf dem Zwei-Sterne-Turnier regelmäßig 5.000, 6.000 Zuschauer an den einzelnen Tagen haben. Also über die zwei Wochen haben wir gut 20.000, 25.000 Zuschauer bei uns, die zuschauen. Und da sind wir stolz drauf.
[SPEAKER 1]
[00:48:27-00:48:43]
Ja, also wir haben ja gerade zusammen eine Tour gemacht und das ist wirklich beeindruckend, was ihr habt in der Mitte, die Wallfahrtskapelle. Und darum zu das Ensemble, das sich hier so aufbaut, also Golf, Tennis, Kneipen, bayerische Restaurants. Also ihr habt hier schon wirklich einen Riesenbetrieb.
[SPEAKER 2]
[00:48:43-00:50:16]
Ja, das ist... gewachsen von der Familie Magalov, meiner Frau Silvias Familie. Ich bin hier eingeheiratet. Wir sehen das einfach so, dass wir alles zusammen, die ganze Familie, das Good Easing in die nächste Generation bringen wollen und sollen und müssen. Und da gehört jetzt bei uns eben der Reitsport dazu. Silvia reitet Dressur auf internationalem Niveau, Grand Prix Niveau. Ich war, wie wir es schon besprochen haben, Bundestrainer, habe viele internationale Kontakte. Die Ausländer, die kommen alle hierher. Wenn sie einmal hier waren, kommen sie wieder, weil es einfach... So eine Mischung aus Pferde probieren, Training, Urlaub, Freizeit ist. Oft ist es auch so, dass die Kinder reiten, die Väter Golf spielen, die Mütter im Wellness sind. Also es ist für jeden was zu holen hier, um seine Zeit positiv zu verbringen. Es ist ein ganz spezieller Platz hier auf Good Easing, aber das war immer schon so. Das hat nichts mit mir jetzt zu tun oder mit meiner Frau. Wir machen jetzt halt Reitsport, aber die Familie war immer eine Gastgeberfamilie, die sich immer gefreut hat, wenn Menschen auf den Hof kamen. Sich wohl gefühlt haben. Und hier gab es schon vor 25, 30, 40 Jahren Reitsportveranstaltungen mit 15. 1000 Zuschauern.
[SPEAKER 1]
[00:50:17-00:50:46]
Lass uns doch mal über das Thema Internationalität sprechen. Wir sitzen hier an einem Tisch, da lag eine Zeitschrift, die ist auf Koreanisch mit dir als Headliner vorne drauf. Ein großes Bild von dir. Und das ist auch das Bild, das ich so ein bisschen von dir habe, dass du unglaublich gut international vernetzt bist, in die USA, nach Asien. Ist das etwas, was über die Jahre sich einfach entwickelt hat oder hast du das gezielt in den Fokus genommen, dass du auch so international connected bist?
[SPEAKER 2]
[00:50:46-00:52:36]
Gut, erstens mal bin ich Dienstleister geworden im Reitsport und ich vermittle Pferde und Know-how, Reitsport-Know-how, habe Unterricht gegeben. Und in dieser Tätigkeit bin ich eben damals wieder schon für Paul Schockemühle durch die Welt gereist. Und habe einfach, was mir auch Spaß gemacht hat, und habe einfach viele Freunde gefunden, internationale Kontakte geknüpft. Und durch meinen Sport auch die, die mit mir früher geritten haben, die sind dann später Trainer geworden oder Verbandspräsidenten geworden, sei es die Ungarn oder die Polen oder die Koreaner, wie du es hier gerade sagtest. Ich war mit Olaf Petersen einmal nach der Olympiade 88 in Seoul auf Leihpferden. Heute kommen Koreaner hierher, gehen hier zur Schule, reiten bei uns, finden die Schule hier auf Good Easing, das Internat, wegen der Nähe zu Pferden. Dann sind wir natürlich viel in den USA, weil das dort der Markt ist, in dem wir einfach sein wollen und auch Pferde verkaufen wollen. Entwickelt sich auch immer noch weiter nach vorne in den USA. Gibt es immer mehr Turniere, was bei uns jetzt im Moment leider nicht so ist. Wir haben auch eine kleine Farm in Florida, in Wellington. In der wir immer so Anfang des Jahres zwei, drei Monate sind. Es hat sich einfach durch die Zeit bei Paul Schockemölle so ergeben, dass ich viel in der Welt war. Mir hat es Spaß gemacht und ich habe tolle Leute kennengelernt. Und irgendwelche Verbindungen kommen dann irgendwie, kommen die dann hier auch nach Gut Easing und trainieren hier, haben eine schöne Zeit, fühlen sich wohl. Zwischendurch können wir mal das eine oder andere Pferd verkaufen, was auch wichtig ist.
[SPEAKER 1]
[00:52:36-00:52:36]
Trifft sich ja ganz gut.
[SPEAKER 2]
[00:52:37-00:52:41]
Trifft sich ja ganz gut. Ja, so hat sich das ergeben.
[SPEAKER 1]
[00:52:41-00:52:56]
Was sind da so die kommenden Länder? Vor zehn Jahren hat man viel über China gesprochen, hat sich jetzt nicht unbedingt so materialisiert, wie sich das viele vorgestellt haben, gerade in der Breite. Jetzt gucken manche nach Indien, Persischer Golf ist immer ein Thema. Was sind so die Länder, die jetzt gerade im Kommen sind?
[SPEAKER 2]
[00:52:56-00:54:18]
Gut, die Araber natürlich ganz gewaltig. Die wollen ja die Sportnation schlechthin werden mit Fußball-Weltmeisterschaften. Saudis, die holen sich die ganzen Fußballspieler, die wollen auch im Reitsport führend sein. Da kommt wahnsinnig viel Geld in den Sport. Die haben Stadien gebaut. Ich bin durch den Hongkong-Jockey. ganz nah an Asien dran. Wir bringen immer Pferde rüber für die Jugend. Longshin Asia Youth Masters, ganz interessantes Programm, das der Hongkong Jockey Club finanziert, einfach um junge Menschen aus der asiatischen Welt ans Pferd zu bringen. Ich hatte zum Beispiel im letzten Jahr in Hongkong beim Fünf-Standard-Turnier plötzlich die Prinzessin aus Kambodscha auf einem meiner Pferde sitzen. Und dann saßen natürlich auch die Eltern, das sind dann die Adelsfamilie aus Kambodscha saßen da mit am Tisch und da lernt man wahnsinnig tolle Leute kennen und überall ist ein Markt. Korea, die zwei koreanische Jungs reiten bei mir. Ich wage eine Prognose, dass die beiden wenn sie dabei bleiben, die Zukunft Koreas im Springsport werden. Sie sind beide 18 und 19 Jahre alt.
[SPEAKER 1]
[00:54:19-00:54:19]
Wie heißen die?
[SPEAKER 2]
[00:54:20-00:54:21]
Kim und Ben.
[SPEAKER 1]
[00:54:22-00:54:22]
Kim und Ben.
[SPEAKER 2]
[00:54:23-00:54:38]
Ja, Kim, you und Ben. Und Bens Papa eben ist Verleger dieser... Dieses Magazin ist, das ist ein Manager-Magazin aus Korea. Und der hat hier das Abitur gemacht am Internat.
[SPEAKER 1]
[00:54:38-00:54:41]
Stimmt, das gibt es ja auch noch auf Gut Isig, ein Internat.
[SPEAKER 2]
[00:54:41-00:55:10]
Er wollte dann hierbleiben, damit er hier eine Arbeitserlaubnis bekommt und eine Aufenthaltsgenehmigung. Habe ich ihn jetzt hier in die Lehre genommen. Ball ist wirklich ordentlich und er ist hier. Der hat alles, was wir später als Spitzenreiter, koreanischer Spitzenreiter brauchen, hat er. Vom Kopf über die Einstellung, über den Lifestyle, das könnte was werden. Und der Papa vertreibt eben dieses Manager-Magazin, deshalb stehe ich da auf dem Titelbild. Das habe ich auch ehrlich gesagt nicht extra hingelegt.
[SPEAKER 6]
[00:55:12-00:55:16]
Aber es traf sich ganz gut. Du bist sogar in Korea, also am Start.
[SPEAKER 2]
[00:55:16-00:56:28]
Ja, und so ist man halt überall in der Welt. In der Welt verberndelt und hat Freunde und Connections. Und das ist das, was unser Sport ja auch ausmacht. Und darüber hinaus finde ich auch, dass Sport, wenn man es so international betreibt, für die jungen Leute wahnsinnig wichtig ist, weil die lernen dann die Welt nicht nur durch die Medien kennen, durch die Nachrichten, weil da heißt es plötzlich, ja die... Die Türken sind nicht so in Ordnung, die Russen sind schlecht im Moment, die Palästinenser haben was Schlechtes gemacht. Überall gibt es schlechte Nachrichten. Und wenn man wirklich die ganzen Menschen mal persönlich kennenlernt, dann merkt man, dass es auf der ganzen Welt tolle junge Menschen gibt. Aus allen Gesellschaftsschichten und aus allen... Ländern, unabhängig von Hautfarbe, Glauben, alles mögliche. Und das ist das, was der Sport ausmacht, finde ich. Und das pflege ich auch. Ich bringe immer die jungen Leute zusammen. Und deshalb haben wir immer 10, 12, 15, wie es gerade ist, Nationen hier auf dem Hof. Ob sie Pfleger sind oder Reiter oder nur Freunde begleiten, das ist das, was uns hier auch Spaß macht.
[SPEAKER 1]
[00:56:28-00:56:40]
Dietmar, wir haben bei uns hier im WeHouse-Podcast immer die vier klassischen WeHouse-Fragen, die jedem Gast bisher geblüht sind. Jetzt natürlich auch dir. Und Frage Nummer eins ist, hast du ein Motto, nach dem du lebst?
[SPEAKER 2]
[00:56:40-00:57:26]
Also, weil ich ja so aus ganz kleinen Verhältnissen angefangen habe, war immer mein Motto, die Hälfte von dem, was ich verdient habe, auf die hohe Kante zu legen und die andere Hälfte wieder in den Sport und in Pferde zu investieren. Und das halte ich bis heute noch so. Und mit der Hälfte, die ich auf die hohe Kante gelegt habe, habe ich dann angefangen, so ein bisschen Immobilien zu kaufen, hier in Ising so ein bisschen mitzuhelfen mit den Anlagen, mit der Renoviererei, mal Wohnungen gekauft. Das hat sich eigentlich bewährt, um auch unabhängig zu werden. Und auch so ein Lebensgefühl zu haben, dass man eine Sicherheit hat.
[SPEAKER 1]
[00:57:26-00:57:27]
Dass die Schwäbische Kindheit.
[SPEAKER 2]
[00:57:27-00:57:35]
Vielleicht die Schwaben sagen ja, mir gäbe es nichts. Mir gäbe es nichts. Und vielleicht ist das dadurch geprägt.
[SPEAKER 1]
[00:57:37-00:57:42]
Frage Nummer zwei, gibt es einen Menschen, der dich... Insbesondere im Hinblick auf die Pferde, besonders geprägt hat.
[SPEAKER 2]
[00:57:43-00:59:23]
Ich habe es ja auch schon gesagt, Fritz Lick. Das hat mir auf dem Weg geholfen, wirklich von den kleinsten Anfängen an. Und die Anfänge sind, glaube ich, das Wichtigste. Dass man da wirklich sich gut aufgehoben fühlt und dranbleibt, wenn es richtig schwerfällt. Auch nur diesen einen Weg für mich gehen konnte, weil da, wo ich herkam, da gab es keine, ich konnte nicht abzweigen, das wäre gescheitert. Ich musste da immer weitergehen. Fritz Legges, dann Paul Schockemöhle und ganz, ganz toll, ich habe das vorhin erzählt, Dieter Hoffmann Stiftung, der ältere Herr, Herr Hoffmann. Dessen Sohn Dieter, ich heiße Dietmar, dessen Sohn Dieter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Und der hat mich tatsächlich, als ich da bei ihm dann anfing und die Geschicke der Hoffmann Stiftung leiden durfte, der hat mich tatsächlich... Er war ein väterlicher Freund von mir, der hat mich tatsächlich aufgenommen. Wir sind da auch durch Höhen und Tiefen gegangen, der war nicht immer mit mir einverstanden. Ich habe auch nicht immer alles richtig gemacht, er hat immer zu mir gehalten. Und ohne ihn wäre es nichts geworden. Weil da habe ich mich so im internationalen Sport so ein bisschen... Etablieren dürfen, weil ich die Pferde behalten konnte von der Hoffmann Stiftung. Und dadurch kam dann auch die Verbindung zu dem großen Paul Schockemühle, der dann der Neckar... der mir überhaupt die Idee gegeben hat, wie es vielleicht in der Zukunft weitergehen kann im Reitsport für mich.
[SPEAKER 1]
[00:59:23-00:59:31]
Dann Frage 3, wenn du Reitern bzw. Pferdemenschen eine Sache im Umgang mit ihren Pferden auf den Weg geben könntest, was wäre es?
[SPEAKER 2]
[00:59:32-00:59:50]
Das mussten wir alle lernen, auch im Laufe der Jahre. Auch unsere Einstellung hat sich verändert. Versucht Verständnis für jedes Pferd zu haben und einen Weg zu finden, das für Pferde leicht zu machen, den Sport, den wir haben wollen, leicht zu machen, dass sie selber Spaß dran haben, dann kommt der Erfolg.
[SPEAKER 1]
[00:59:50-00:59:53]
Und dann vervollständige diesen Satz, Pferde sind für mich.
[SPEAKER 2]
[00:59:53-01:00:04]
Mein Leben. Ganz einfach, mein Leben, es hat sich immer darum gedreht. Neben meiner Frau und meinen Kindern natürlich, auf die ich sehr stolz bin. Wir haben einen Sohn zusammen, Konstantin.
[SPEAKER 1]
[01:00:06-01:00:07]
Der Turnierorganisator hier.
[SPEAKER 2]
[01:00:07-01:00:09]
Der Turnierorganisator, genau.
[SPEAKER 1]
[01:00:09-01:00:19]
Ja, sehr gut. Ja, Dietmar, vielen lieben Dank. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Der nächste Familienurlaub wird hier eingelocht auf Good Easing. Das ist absolut klar und wirklich cool und beeindruckend, was ihr hier macht.
[SPEAKER 2]
[01:00:19-01:00:30]
Dankeschön, hat jetzt auch Spaß gemacht, mal so über die Vergangenheit zu reden. Das fällt einem ja auch alles dann erstmal wieder ein, wenn man danach gefragt wird. Ja, selbst interessant, wie es war bei mir.
[SPEAKER 1]
[01:00:31-01:00:32]
Ja, schön, dass du da warst. Ciao, ciao.
[SPEAKER 2]
[01:00:32-01:00:34]
Okay, danke dir auch, Christian.
[SPEAKER 1]
[01:00:35-01:00:46]
Diese Folge wurde produziert von Olivia Herrmann, Vermarktung Carolina Hofmann und die Organisation Nikolaus Schweiger. Wenn ihr mögt, hören wir uns das nächste Mal beim UIOS-Podcast. podcast.

























