Aussitzen Reiten Lernen Ingrid Klimke

Aussitzen im Trab – Darauf solltest du achten

„Mein Pferd lässt sich im Trab nicht sitzen“ oder „Aussitzen ist einfach nur anstrengend und unbequem“ sind Aussagen, die man in Reitschulen, im Stall oder unter Reiterfreunden häufig hört. Natürlich gibt es, wie bei jedem Problem, eine Menge Ursachen, die zu diesem Gefühl beim Reiter führen können. Umso wichtiger, dieses „Grauen“ vor dem Aussitzen gleich im Keim zu ersticken und Lösungen aufzuzeigen. Erster Tipp: Ein Verständnis für das Aussitzen entwickeln.

Inhalt

  1. Warum sitzen wir überhaupt aus?
  2. Woran kann es liegen, wenn man nicht richtig aussitzen kann?
  3. Fehler beim Aussitzen
  4. Übungen zur Verbesserung des Aussitzens
  5. Diese Muskeln brauchst du zum Aussitzen
  6. Aussitzen verbessern mal anders
  7. Tipps zum Aussitzen mit Elaine Butler

Warum sitzen wir überhaupt aus?

Eins ist sicher – nicht, weil „man es halt so macht“. Im Aussitzen können wir präzisere Gewichtshilfen geben, die wir für fast alle Lektionen benötigen. Wir sind näher am Pferd und können es bei einer locker mitschwingenden Hüfte harmonisch dabei unterstützen, mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt zu treten. Mit einem losgelassenen Pferd und einem geschulten Sitz kann das Aussitzen nicht nur Spaß machen, sondern auch die gesamte Trabarbeit verfeinern.

Richtig Aussitzen im Trab

Woran kann es liegen, wenn man nicht richtig aussitzen kann?

Gelingt das Aussitzen nicht so richtig, gibt es zwei Ansatzpunkte: den Reiter und das Pferd. Wenn ein Reiter das Gefühl hat, dass sein Pferd unbequem zu sitzen ist, liegt das häufig daran, dass das Pferd nicht reell über den Rücken schwingt, sich festmacht und nicht losgelassen geht. Ein locker mitschwingendes Pferd lässt sich „bequem“ sitzen und saugt den Reiter beinahe in den Sattel. Ein Pferd, das sich im Rücken fest gemacht hat, erzeugt beim Reiter ein „unbequemes“ Sitzgefühl.

Überprüfe also zuerst, ob dein Pferd wirklich losgelassen geht und hole dir unbedingt die Meinung deines Trainers dazu ein. Um zu erfahren, wie du an der Losgelassenheit deines Pferdes arbeiten kannst, um in der Folge auch besser aussitzen zu können, schau dir diesen Kurs mit Übungen zur Losgelassenheit an.

Ein Tipp: Wenn Du die Möglichkeit hast, das Aussitzen auf einem gut ausgebildeten Lehrpferd zu üben, nutze sie unbedingt! Es kann Gold wert sein, überhaupt erst einmal das Gefühl dafür zu bekommen, wie ein richtig schwingender und losgelassener Pferderücken im Trab sich anfühlt.

Fehler beim Aussitzen können durch ein nicht losgelassenes Pferd oder einen unbalancierten Reiter entstehen

Fehler beim Aussitzen

Wenn das Pferd losgelassen trabt und im Rücken mitschwingt, heißt das aber noch lange nicht, dass der Reiter auch alle Voraussetzungen erfüllt, um richtig auszusitzen. Der Reitersitz im Trab wird maßgeblich von unserer Balance, Beweglichkeit und Geschmeidigkeit beeinflusst. Je lockerer die Reiterhüfte den Bewegungen des Pferdes folgen kann, ohne von klemmenden Beinen blockiert zu werden, desto einfacher fällt das Aussitzen. Das Ziel ist ein durchlässiges und fließendes Mitschwingen mit einer guten Beweglichkeit in Hüfte und Becken. Häufige Fehler sind das Schieben von hinten nach vorne und das Klemmen mit den Knien.

Ein wirklich gutes Aussitzen zu erreichen, kann mehrere Jahre dauern. Die gute Nachricht ist aber, dass du es mit gezielten Übungen stetig verbessern kannst und es dir leichter fallen wird. Wie du dein Aussitzen verbessern kannst, erfährst du unter anderem von Uta Gräf in ihrem Kurs zum Aussitzen.

Übungen zur Verbesserung des Aussitzens

Wir möchten dir zwei unserer wehorse-Videos vorstellen, die dir hilfreiche Übungen auf dem Pferd und auf dem Boden verständlich erklären:

1. Die Physiotherapeutin Marlies Fischer-Zillinger und die Reitlehrerin Claudia Weissauer erklären dir in unserem Kurs Die Körpersprache des Reiters wie du als Reiter richtig sitzt und somit optimal auf das Pferd einwirken kannst. Teil 3 gibt dir Übungen im Sattel und auf dem Holzpferd an die Hand, mit denen du deinen Sitz verbessern und dich für die Bewegung deines Pferdes sensibilisieren kannst. Um im Aussitzen richtig mitzuschwingen, müssen die Reiterhüften der Bewegung des Pferdes sowohl nach rechts und links, als auch nach vorne und hinten geschmeidig folgen können. Probiere es gleich einmal aus. Sitzt du geschmeidig genug für ein richtiges Aussitzen?

2. Weitere Übungen, am Boden und im Sattel, die dich auf die Anforderungen für das Aussitzen vorbereiten, zeigt dir wehorse-Trainer Eckart Meyners. In seinem Kurs Das 6 Punkte Übungs- und Aufwärmprogramm erfährst du Übungen, die dir zu einer sofortigen Verbesserung des Ausssitzens verhelfen. Trainiere deine Beweglichkeit und verbessere gleichzeitig deinen Sitz und deine Zügelführung im Aussitzen und im Leichtraben.

Diese Muskeln brauchst du zum Aussitzen

Um richtig mit deinem Pferd mitschwingen zu können, gleichzeitig aber auch gezielt auf das Pferd einwirken zu können, brauchst du Kontrolle über deine Bauchmuskeln und eine lockere Hüfte. Deine Füße spielen beim Aussitzen allerdings auch eine wichtige Rolle, denn sie sollen den Schwung der Trabbewegung durchfedern lassen. Dazu müssen die Beine locker am Pferdebauch anliegen, anstatt zu klemmen. Auch wenn das jetzt nach viel Arbeit klingt: Die gute Nachricht ist, dass du deinen Körper genau darauf trainieren kannst. In diesem Kurs zur Reiterfitness, macht dir Profi-Reiterin Bettina Hoy vor, mit welchen Fitnessübungen zu deinen Sitz und deine Einwirkung verbessern kannst.

Aussitzen verbessern mal anders

Die Mary Wanless-Methode aus England zielt darauf ab, Dinge, die super talentierte Reiter mit ihrem Körper unbewusst machen, für den normalen Reiter nutzbar zu machen. Also Muskeln gezielt anzusteuern. So lernt man Muskeln, die einem eigentlich wenig bewusst sind, bewusst einzusetzen. Und dadurch verbessert man als Reiter seine Stabilität und Balance auf dem Pferd – und eben auch das aussitzen. Es gibt diverse Ansätze darin, die richtigen Muskeln zu finden, aber bei dieser Methode geschieht dies über Geräusche machen!

Tipps zum Aussitzen von Elaine Butler

Elaine Butlers Tipps für ein geschmeidiges Aussitzen klingen im ersten Moment vielleicht etwas kurios, sind aber sehr effektiv. Erfahre, wie Räuspern und Husten deinen Sitz verbessern und wie du die Übungen in dein Training auf dem Pferd einbinden kannst. Schau dir dazu ihren Kurs Sitzfehler verstehen und beheben an.

Der Sinn dahinter: Durch die Geräusche aktivierst Du innere Muskelstränge, die Dir helfen, zu mehr Stabilität im Sitz zu kommen. Und die hilft all jenen, die dazu neigen, zu viel Bewegung im Oberkörper zu haben. Keine Sorge, man soll nicht ständig husten oder grunzen. Die Geräusche dienen nur dazu, dass Du die Muskeln wahrnimmst. Hast Du die Muskeln gefunden, kannst Du sie bald auch ohne Geräusch dazu ansteuern. Hier sind drei wichtige: 

  1. Um die Muskulatur im unteren Rücken zu finden, hilft es, „QUAAAK!“ zu sagen.
  2. Um die Muskulatur noch darunter zu finden, hilft es, „PSSSST!“ zu sagen.
  3. Um die Muskulatur rund um Becken und Bauchraum anzusprechen und zu aktivieren, hilft Räuspern.

Klingt doch einfach, oder? Weitere Tipps zum Aussitzen, findest du hier im Interview mit Elaine Butler.

Wir wünschen dir und deinem Pferd viel Spaß beim Ausprobieren und Aussitzen-lieben-lernen!

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