3 Cavaletti-Übungen für dein (Dressur-)Pferd

Cavaletti-Training im Trab

Das Cavaletti-Training ist für Pferde aller Level und jeden Alters eine hervorragende Möglichkeit zur Gymnastizierung. Es kräftigt die Muskulatur deines Pferdes und fördert Takt und Losgelassenheit. Egal ob du Dressur, Springen oder Vielseitigkeit reitest, das Cavaletti-Training sollte für jedes gesunde Pferd fest zum Trainingsprogramm gehören. Du möchtest wissen:

  • Wie viel Cavaletti-Arbeit angemessen ist?
  • Welche Grundregeln du unbedingt beachten solltest?
  • Mit welchen drei Übungen du mehr Geschmeidigkeit, Hinterhandaktivität und Raumgriff mit deinem Pferd erarbeiten kannst?

Dann lies unbedingt weiter!

wehorse-facebookgruppe-blog-ad

Warum Cavaletti-Training für jedes Pferd wertvoll ist

Die Arbeit mit Stangen und Cavaletti gymnastiziert und kräftigt nicht nur, sie macht auch Spaß – und zwar nicht nur dem Reiter! Das Pferd erfährt Abwechslung im Training, wird zum Mitdenken angeregt und stellt sich neuen Herausforderungen. Die meisten Pferde empfinden große Freude an der Aufgabe und beginnen aktiver abzufußen.

Du brauchst ein weiteres Argument, um deine Motivation zum Cavaletti-Training zu steigern? Kein Problem: Nicht jeder von uns hat ein Pferd mit spektakulären Grundgangarten. Du fühlst dich angesprochen? Dann nutze das Cavaletti-Training, um die Grundgangarten kadenzierter zu gestalten. Ingrid Klimke zeigt dir in diesem Video auf dem Ingrid-Klimke-Symposium, wie du mit einem durchschnittlich veranlagten Pferd die Cavaletti am effektivsten verwenden kannst. Man sieht im Video sehr gut, dass dem Trab durch das Cavaletti-Training sehr viel mehr Ausdrucks- und Bewegungsstärke verliehen wird. Hier geht’s direkt zum Video.

Wie viel Cavaletti-Training ist gut für dein Pferd?

Eine gewisse Regelmäßigkeit ist gefragt, um den optimalen Trainingserfolg zu erzielen. Wenn du nur alle drei oder vier Wochen einmal Cavaletti-Training machst, riskiert du starken Muskelkater bei deinem Pferd. Die positiven Veränderungen, die das Cavaletti-Training mit sich bringt, bleiben gering.

Einmal die Woche Cavaletti-Training ist eine gute Frequenz, um Erfolge zu sehen, ohne dein Pferd zu überfordern. Natürlich spielen die Eigenschaften und individuellen Begebenheiten des jeweiligen Pferdes eine Rolle bei der Entscheidung. Es gibt Pferde, die großen Spaß an der Arbeit mit Cavaletti haben. Andere müssen sich sehr stark konzentrieren und sind schneller überfordert. Bei Letzteren solltest du penibel darauf achten, dass die Reprisen der Cavaletti-Arbeit nicht zu lang sind. Dein Pferd soll schließlich nicht die Motivation verlieren!

Bei der Galopp-Arbeit über Cavaletti gilt das für alle Pferde: Die körperliche Anstrengung bei dem Überspringen mehrerer Cavaletti hintereinander ist hoch. Frage es also nicht zu häufig ab. Dann lieber zwei- oder dreimal die Woche zweimal vier Galopp-Cavaletti in das Dressurtraining einbauen, anstatt die Übung an einem Tag eine halbe Stunde lang durchzuführen!

Die wichtigsten Grundregeln bei der Cavaletti-Arbeit

Sicheres Material und geeignete Umgebung

Unverzichtbar ist splitterfreies Trainingsmaterial. Überprüfe deine Cavaletti regelmäßig - kaputte Cavaletti-Stangen haben Verletzungspotenzial und sollten unbedingt ausgewechselt werden! Genauso wichtig ist der Boden: Harte Bodenverhältnisse oder ein Boden mit Mulden oder gar Löchern solltest du unbedingt meiden.

Dressurreiten über Cavaletti

Manche Reiter verbinden das Reiten über Cavaletti mit dem Springen und schmeißen all ihre Dressurkenntnisse über Bord. Das ist ein grundlegender Fehler, der dir nicht passieren sollte! Das Ziel muss auch für die Cavaletti-Arbeit ein losgelassenes, an den Hilfen stehendes Pferd sein, das über den Rücken schwingt und mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt tritt. Nur so kannst du die Gymnastizierung und die Gangarten deines Pferdes mit der Cavaletti-Arbeit verbessern. Nur so ist das Cavaletti-Training wertvoll für dein Pferd!

Die richtige Einschätzung des Trainingszustands

Wie immer bei der Arbeit mit Pferden, solltest du dein Pferd nie überfordern. Dazu musst du aber erst einmal einschätzen können, auf welchem Trainingsstand dein Pferd sich gerade befindet und was du ihm zumuten kannst. Wenn du dir in Bezug auf das Pensum der Cavaletti-Arbeit nicht sicher bist, frage deinen Reitlehrer nach einer Einschätzung.

Ein Pferd muss sich erst an die Herausforderung „Cavaletti“ gewöhnen. Beginne deshalb immer mit wenigen Cavaletti und steigere dich erst, wenn du das Gefühl hast, dein Pferd ist sicher und losgelassen bei der Sache. Auch bei fortgeschrittenen Pferden sollte der Übungsaufbau immer von leicht nach schwer gestaltet werden.

3 Cavaletti-Übungen von leicht nach schwer

Einfache Aufbauten im Schritt und Trab

Um dein Pferd an die Cavaletti-Arbeit zu gewöhnen, kannst du es erst einmal über ein Cavaletti im Schritt gehen lassen. Gerade bei sehr jungen und unerfahrenen Pferden kann ein Führpferd für Ruhe sorgen und deinem Pferd Sicherheit vermitteln. Es ist wichtig, dass dein Pferd ruhig und gelassen über die Cavaletti-Stangen schreitet und du es dabei mit deinen Hilfen einrahmst und unterstützt. Schmeiße also nicht einfach die Zügel weg, enge dein Pferd durch falsche Zügelhilfen aber auch auf keinen Fall in seiner Bewegung ein.

Beginne mit einer Cavaletti-Stange und steigere dich bis zu vier Stangen. Der Abstand der Stangen sollte für das Schritt-Training bei Großpferden etwa 80 bis 90cm betragen. In diesem Video zeigt dir Ingrid Klimke, wie sie 4-jährige Pferde an die Cavaletti-Arbeit gewöhnt und welchen Übungsaufbau sie am Anfang wählt. Du bekommst im Video die genauen Anleitungen zum Nachmachen und anhand mehrerer Beispiel-Pferde hilfreiche Inspirationen für dein Training.

Cavaletti auf gebogenen Linien für mehr Hinterhandaktivität und Geschmeidigkeit

Für ein Pferd, das schon Erfahrungen mit dem Cavaletti sammeln konnte, ist die Arbeit auf gebogenen Linien besonders geeignet. Dein Pferd wird dabei noch stärker gymnastiziert: Verbessere eure Längsbiegung und animiere dein Pferd durch die Cavaletti-Übungen dazu, mit dem inneren Hinterbein besser unterzutreten.

Eine Übung zum Nachbauen: Teile die Bahn in zwei Zirkel auf, zwischen denen du etwas Platz lässt, wenn es die Reitbahn erlaubt. Außen auf dem linken Zirkel platzierst du vier Schritt-Cavaletti auf gebogener Linie. Der Abstand zwischen den Cavaletti-Mitten beträgt für Großpferde 80 bis 90 Zentimeter. Auf dem rechten Zirkel platzierst du außen auf der gebogenen Linie vier Trab-Cavaletti mit einem Abstand von 1,20 m bis 1,30 m. So kannst du zwischen den Zirkeln variieren und die Geschmeidigkeit im Schritt und Trab verbessern.

In der Mitte kannst du zum Sammeln oder Pausieren zwischendurch einen Zirkel ohne Cavaletti anlegen.

Eine weitere Möglichkeit: Reite eine große Acht. Am Wechselpunkt parierst du vom Trab zum Schritt durch, um zu den Schritt-Cavaletti zu wechseln oder andersherum trabst du dort an, um konzentriert auf die Trab-Cavaletti zuzureiten.

Ingrid Klimke zeigt dir in diesem Video ab Minute 02:11 auf dem 5-jährigen Dresden Mann, worauf du besonders achten musst. Erfahre, warum gerade am Anfang noch nicht alles klappen muss, um trotzdem ein zufriedenstellendes Trainingsergebnis zu erreichen.

Zusatztipp: Zum Ende des Videos zeigt dir Ingrid Klimke, wie du die ersten Galopp-Cavaletti in dein Training integrieren kannst.

Trab- und Galopp-Cavaletti auf der Acht – DIE Überprüfung der Durchlässigkeit

Beherrscht du die obigen zwei Übungen einwandfrei, kannst du ein Level höher gehen und Galopp-Cavaletti integrieren. Zu Beginn solltest du nicht mehr als zwei Cavaletti wählen, um dein Pferd nicht zu überfordern. Auf eine gerade Linie im Abstand von ca. 3 Metern gestellt, ergeben sie eine anspruchsvolle Aufgabe für dein Pferd. Erst, wenn dein Pferd diese Galopp-Cavaletti sicher meistert, kannst du sie auch auf gebogenen Linien versuchen.

Klappt auch das, kannst du dich an die nächste Übung wagen. Teile einen Zirkel in zwei Hälften und baue auf die eine Seite vier Trab-Cavaletti mit den gleichen Maßen wie in Übung 2 (Wenn du dir den Zirkel als Zifferblatt einer Uhr vorstellst, bei 9 Uhr). Auf die andere Seite baust du vier Galopp-Cavaletti (bei 15 Uhr). Die Abstände betragen hier für Großpferde zwischen den äußeren Cavaletti-Enden ca. 3 Meter und zwischen den inneren Cavaletti-Enden ca. 2 Meter. Markiere dir bei 12 Uhr und 18 Uhr jeweils die Hälfte des Zirkels als Wechselpunkte. Vor den Galopp-Cavaletti galoppierst du am Wechselpunkt an, nach den Galopp-Cavaletti parierst du am nächsten Wechselpunkt zum Trab durch und reitest über die Trab-Cavaletti.

Diese Übung erfordert nicht nur Routine mit den Cavaletti, sondern auch eine sauber erarbeitete Durchlässigkeit deines Pferdes. Du musst in der Lage sein, es reell zu biegen und zu versammeln, es muss prompt auf deine Hilfen reagieren und voll und ganz bei dir sein. Deshalb gilt auch hier: Übertreibe diese Übung nicht – weniger ist mehr! Wenn du merkst, dass die Acht mit Trab- und Galopp-Cavaletti noch zu viel ist, dein Pferd den Rücken wegdrückt oder sich widersetzt, gehe noch einmal einen Schritt zurück, überprüfe deine dressurmäßigen Grundlagen und übe zum Beispiel erst einmal nur die Trab-Cavaletti oder nur die Galopp-Cavaletti separat.

Ab Minute 00:49 kannst du dir in diesem Video ansehen, wie Ingrid Klimke diese Übung in ihr Training integriert.