Fahrsport und Kutsche fahren

Der Fahrsport ist eine Form des Pferdesports, bei der es im weitesten Sinn darum geht, eine Kutsche oder einen Wagen zu fahren. Wie im Reitsport auch unterscheidet man im Fahrsport unterschiedliche Disziplinen. Diese unterscheiden sich teilweise stark in den Anforderungen an das Fahrpferd und den Fahrer. Die bekanntesten Disziplinen aus dem Fahrsport sind das Dressurfahren, das Geländefahren und das Hindernisfahren.

Der Fahrsport hat sich aus dem Fahren für den täglichen Gebrauch entwickelt. Eine der prägendsten Persönlichkeiten des Fahrsports, wie man ihn heute kennt, war Benno von Achenbach, der im frühen 20. Jahrhundert das Fahren pferdefreundlicher machte und damit revolutionierte.

Geschichte des Fahrsports

Schon vor mehreren tausend Jahren haben Menschen angefangen Pferde vor Wagen zu spannen um sich so bequemer und schneller fortzubewegen oder schwere Lasten zu transportieren. Das Anspannen von Pferden hat sich dabei allerdings nicht auf Wagen beschränkt. Besonders in der Forstwirtschaft und der Landwirtschaft hat sich die Zugkraft der Pferde bewährt. Beispiele hierfür sind das Rücken von gefällten Bäumen oder das Ziehen eines Pfluges.

Mit der industriellen Revolution und der damit verbundenen weitgehenden Motorisierung der Wagen und Gerätschaften haben angespannte Pferde ihren Nutzen bis auf wenige Ausnahmen verloren. Für das Fahren von Pferden hat sich seitdem vor allem der Zweck geändert. Aus dem Arbeiten mit einem angespannten Pferd entwickelte sich der Fahrsport, der sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut.

In der Historie des Fahrsports darf gerade in Deutschland ein Name nicht fehlen: Benno von Achenbach. Bis heute gilt er als Revolutionär des Fahrens und des Fahrsports. Benno von Achenbach prägte anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Achenbach-System die Art und Weise, wie Pferde gefahren werden nachhaltig. Auch heute ist das von ihm entwickelte Achenbach-System die Grundlage für die deutsche und europäische Fahrlehre. Die Fahrlehre Achenbachs baut darauf auf, dass in der Ausbildung eines Fahrpferdes Durchlässigkeit, Versammlung, Gymnastizierung und Gehorsam von an erster Stelle stehen. Mit seiner Fahrlehre und besonders auch seiner Haltung der Fahrleinen hat Achenbach also das pferdefreundliche Fahren ermöglicht.

Das Fahrpferd

Grundsätzlich kann jedes Pferd geritten und auch gefahren werden. Wie für das Reiten auch werden aber schon seit langem Pferde speziell für das Fahren gezüchtet. Zu beliebten Fahrpferderassen gehören beispielsweise Shetland Ponys, Traber, Freiberger, Friesen oder auch Clydesdale. Die Zuchtziele der Fahrsport-Pferderassen geben Aufschluss darüber, welche Voraussetzungen das ideale Fahrpferd mitbringen sollte. Beim Exterieur sind bei einem Fahrpferd eine kräftige Statur, ein rechteckiger Rahmen sowie elastische Grundgangarten erwünscht und von Vorteil. Ähnlich wie in der Reitpferdezucht sollten Fahrpferde zudem eine schräge Schulter haben. Die schräge Schulter kann besonders gut das Fahrgeschirr aufnehmen und ermöglicht dem Pferd eine ausdrucksstarke und aufwendige Bewegung der Vorhand, die insbesondere im Trab gewünscht wird.

Noch wichtiger als das Exterieur ist bei Fahrpferden das Interieur. Grundsätzlich sollten Fahrpferde weder nervös noch schreckhaft sein, ein ausgeglichenes Wesen haben und in sich Ruhen. Dabei aber sollen sie aber auch aufmerksam sein und über einen ausgeprägten Vorwärtsdrang verfügen.

Ausbildung des Fahrpferdes

Voraussetzungen für pferdegerechtes Fahren sind unter anderem Wendigkeit, Kraft und Durchlässigkeit des Pferdes sowie eine präzise und feine Kommunikation mit dem Fahrer.
Aus diesem Grund sollte in der Ausbildung des Fahrpferdes besonders darauf geachtet werden, dass es selbstständig arbeitend und locker, schwungvoll sowie geradegerichtet vor der Kutsche läuft. Diese grundlegenden Ausbildungsziele ermöglichen das Hauptziel der Ausbildung des Fahrpferdes: Die Führung des Fahrpferdes mittels minimaler Hilfengebung.
Die aus dem Reitsport bekannte Skala der Ausbildung gilt dabei auch für den Fahrsport. Ihre sechs Punkte Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung dienen dem Fahrer als Wegweiser bei der Ausbildung seines Fahrpferdes.

Einfahren von Pferden

Das erste Anspannen eines Pferdes bedarf intensiver Vorbereitung. Bevor mit dem eigentlichen Einfahren begonnen werden kann, wird das Pferd an die Ausrüstung gewöhnt. Erst, wenn sich das Pferd mit dem Geschirr wohl und sicher fühlt, kann die weitere Ausbildung erfolgen.

Ist das Pferd an die Ausrüstung gewöhnt, folgt das Erlernen der grundsätzlichen Hilfengebung. Hierfür wird das Pferd in Manier der Doppellonge longiert. Der Longenführer übt mit dem Pferd all diejenigen Dinge, die für das Fahren vor der Kutsche relevant sind. Hierzu zählen Übergänge, Tempowechsel innerhalb der Gangart und das Wenden.

Der nächste Schritt auf dem Weg zum Einfahren ist die Desensibilisierung des Pferdes und die Gewöhnung an Lärm. An das Gewicht der Kutsche wird das Pferd zunächst mit einer Schleppe herangeführt. Arbeitet das Pferd an der Schleppe vertrauensvoll mit und reagiert gut auf die Hilfen des Fahrers, kann damit begonnen werden, die ersten Runden mit einem ein- oder zweiachsigen Einfahrwagen zu drehen. Ein Einfahrwagen verfügt über kleinere Räder und einen breiteren Radstand. Hierdurch liegt der Einfahrwagen sehr gut und stabil und kann quasi nicht umkippen. Wichtig ist beim ersten Anspannen, dass das Pferd stetig vorwärts geht. Beginn wird es von einem Helfer vorne geführt und beruhigt. 

Das Einfahren eines Pferdes kann auch mithilfe eines erfahrenen Pferdes im Zweispänner erfolgen. Dies ist meist einfacher, da das erfahrene Pferd Sicherheit vermittelt, sollte aber ebenso sorgfältig vorbereitet werden.

Wagen und Kutschen

Kutschen und Wagen gibt es in den verschiedensten Ausführungen und Varianten. Merkmale sind dabei:

  • Anzahl der Achsen
  • Art der Anspannung
  • Position des Wagenlenkers
  • Verdeck
  • Anordnung der Passagiere
 

Kutschen und Wagen gibt es entweder einachsig oder zweiachsig. Bei der Anspannung kann dabei zwischen der Stadtanspannung oder der Landanspannung entschieden werden. Bei der eleganten Stadtanspannung tragen die Pferde ein Kumtgeschirr und laufen vor großen, lackierten, prunkvollen Kutschen. Die Landanspannung ist funktionaler und zeichnet sich vor allem durch das Brustblattgeschirr aus, wobei meistens vor einfachere, naturholzbelassene Kutschen angespannt wird. Die Position des Wagenlenkers ist abhängig davon, ob die Kutsche von den Reisenden selber oder von einem Kutscher gefahren wird. Unterschiede gibt es hier besonders bei Kutschen, die von einem Kutscher gefahren werden. Hier kann sich der Bock des Kutschers entweder vor, hinter oder vorne über den Fahrgästen befinden.

Disziplinen des Fahrsports

Wie auch beim Reiten unterscheidet man im Fahrsport unterschiedliche Disziplinen. Die bekanntesten Disziplinen im Fahrsport sind das Dressurfahren, das Geländefahren und das Hindernisfahren.

Beim Dressurfahren muss eine vorgegebene Dressuraufgabe, die wie beim Reiten auch aus verschiedenen Hufschlagfiguren und Tempowechseln besteht, gefahren werden. Die Richter bewerten die Gymnastizierung und den Ausbildungsstand der Pferde.

Das Geländefahren, auch Marathonprüfung genannt, ist die Fahrsportdisziplin mit dem höchsten Adrenalinspiegel. Der Fahrer muss hierbei verschiedenste natürliche und künstliche Hindernisse, wie beispielsweise Brücken, kleine Bachläufe sowie enge und kurvenreiche Wege, durchfahren. Die Strecke ist dabei meist in drei bis fünf Teilstrecken unterteilt, die zusammen etwa 15 – 18 Kilometer lang sind.

Beim Hindernisfahren oder Kegelfahren muss der Fahrer mit seinem Gespann einen Parcours aus Kegeln in einer vorgeschriebenen Zeit durchfahren. Werden Kegel touchiert, verweigert das Pferd oder wird die erlaubte Zeit überschritten, werden von der Maximalpunktzahl Punkte abgezogen.

Auf den Fahrsport-Turnieren werden gewöhnlich die drei Disziplinen Dressurfahren, Geländefahren und Hindernisfahren angeboten. Diese können einzeln oder als kombinierte Prüfung gewertet werden, bei denen das Gespann mit den besten Resultaten in allen drei Teilprüfungen siegt. Die klassischen Turniere, bei denen auch Weltmeisterschaften ausgetragen werden, sind unterteilt in Ein-, Zwei- oder Vierspänner. Anders als im Reitsport ist im Fahrsport der Schwierigkeitsgrad sowohl für Ponys, als auch für Großpferde identisch in den einzelnen Klassen ausgeschrieben.

Zusätzlich zu den drei bekanntesten Disziplinen gibt es im Fahrsport noch das Distanzfahren, das Orientierungsfahren sowie das Traditionsfahren. Ziel des Distanzfahrens ist es, eine vorgegebene Strecke mit dem Gespann in einer möglichst kurzen Zeit zurückzulegen. Die Streckenlänge liegt dabei zwischen 25 und 160 Kilometern, die am Tag zurückzulegen sind. Dabei wird etwa alle 25 Kilometer eine Pause gemacht, bei der sich die Pferde erhohlen können und tierärztlich untersucht werden. Das Orientierungsfahren (TREC) besteht aus zwei Teilprüfungen. Zum einen eine Orientierungsfahrt mit Tempovorgaben und zum anderen eine Geländefahrt. Das Traditionsfahren ist bei einem großen Publikum sehr beliebt. Bei solchen Veranstaltungen soll die Erinnerung an die Blütezeit des Kutschefahrens um das Jahr 1900 herum erhalten werden. Nachdem sich die Gespanne einer Jury präsentiert haben, folgt ein Hindernis-Parcours mit verschiedensten Aufgaben. Als Krönung ist häufig eine Spazierfahrt durch Wald und Feld angesetzt.

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