Dein Cavaletti Guide: Ingrid Klimkes Übungen zum Nachreiten

Inhalt

  1. Was sind Cavaletti?
  2. Warum ist Cavaletti Training wichtig für dein Pferd?
  3. Wie viel Cavaletti Training ist gut für dein Pferd?
  4. Welche Abstände sind korrekt?
  5. Die wichtigsten Grundregeln bei der Cavaletti-Arbeit
  6. Wie fängt man als Neueinsteiger an?
  7. Darauf solltest du achten
  8. Cavaletti-Übungen für Pferd und Reiter

Was sind Cavaletti?

Cavaletti, oder auch Bodenricks, sind 2,50 bis 3,50 Meter lange Stangen, die auf beiden Seiten auf meist kreuzförmigen Ständern befestigt sind. Durch diese Form kann die Höhe der Stangen je nach Rotation variieren. In den meisten Fällen liegt die Stange in niedrigsten Höhe fast auf dem Boden. In der mittleren Höhe ist das Cavaletti ca. 25 Zentimeter und in der höchsten Höhe 40 Zentimeter hoch.

Cavaletti Abbildungen mit ihren verschiedenen Höhen
Cavaletti in den drei unterschiedlichen Höhen

Warum ist Cavaletti Training wichtig für dein Pferd?

Über Stangen und Cavaletti zu longieren, ist gymnastisch besonders wertvoll für dein Pferd – das Pferd wird angeregt eifriger abzufußen, die Schub- und Tragkraft wird gefördert, sowie die Trittsicherheit und Koordination.

Die Arbeit mit Stangen und Cavaletti gymnastiziert und kräftigt nicht nur, sie macht auch Spaß – und zwar nicht nur dem Reiter! Das Pferd erfährt Abwechslung im Training, wird zum Mitdenken angeregt und stellt sich neuen Herausforderungen. Die meisten Pferde freuen sich über diese Aufgaben und beginnen aktiver abzufußen.

Du brauchst ein weiteres Argument? Kein Problem: Nicht jeder von uns hat ein Pferd mit spektakulären Grundgangarten. Du fühlst dich angesprochen? Dann nutze das Training mit Stangen und Bodenricks, um die Grundgangarten kadenzierter – also mit einer ausgeprägteren Schwebephase – zu gestalten. Ingrid Klimke erklärt im Kurs Ingrid Klimke Symposium, wie ein durchschnittlich veranlagtes Pferd, so an Ausdrucks- und Bewegungsstärke gewinnen kann.

Ingrid Klimke nutzt Cavaletti für ihr Training

Wie viel Cavaletti-Training ist gut für dein Pferd?

Eine gewisse Regelmäßigkeit ist gefragt, um den optimalen Trainingserfolg zu erzielen. Wenn du nur alle drei oder vier Wochen Cavaletti-Arbeit in dein Training integrierst, riskierst du starken Muskelkater bei deinem Pferd. Die positiven Veränderungen bleiben dann gering.

Einmal die Woche Training mit Stangen und Bodenricks, ist eine gute Frequenz, um Erfolge zu sehen ohne dein Pferd zu überfordern. Natürlich spielen individuelle Eigenschaften des jeweiligen Pferdes eine Rolle bei deiner Entscheidung, wie häufig du Cavaletti in dein Training integrierst. Es gibt Pferde, die großen Spaß daran haben. Andere müssen sich sehr stark konzentrieren und sind schnell überfordert.

Bei Letzteren solltest du penibel darauf achten, dass die Reprisen der Cavaletti-Arbeit nicht zu lang sind. Dein Pferd soll schließlich nicht die Motivation verlieren! Bei der Galopparbeit über Bodenricks gilt für alle Pferde: Die körperliche Anstrengung beim Überspringen mehrerer Stangen hintereinander ist hoch. Frage es also nicht zu häufig ab. Baue lieber zwei- oder dreimal die Woche kurze Einheiten mit Bodenricks in das Dressurtraining ein, statt die Übung an einem Tag eine halbe Stunde lang durchzuführen!

Welche Abstände sind korrekt?

Schritt-Stangen und Cavaletti sollten zwischen 0,80 bis 0,90 Meter auseinanderliegen. Dieses Maß gilt für das innere Ende, das zum Zirkel hin ausgerichtet ist. Nach außen hin sollten die Aufbauten etwas auffächern. Diese Angaben gelten für Großpferde.

Trab-Stangen liegen 1,20 bis 1,30 Meter auseinander. Auch hier gilt, dass dies für das innere Ende gilt und sie nach außen hin auffächern. Möchtest du im Galopp arbeiten, nutzt du Abstände von 2 Metern innen, nach außen hin aufgefächert auf 3 Meter. Achtung! Je nach Pferdetyp sind diese Angaben anzupassen: Ein 1,55 Meter großes Pferd mit wenig Bewegung braucht natürlich kleinere Abmessungen als ein 1,75 Meter großes Pferd mit viel Raumgriff.

Unterschiedliche Abstände beim Cavaletti Training

Die wichtigsten Grundregeln bei der Cavaletti-Arbeit

Sicheres Material und geeignete Umgebung

Unverzichtbar ist splitterfreies Trainingsmaterial. Überprüfe dein Equipment regelmäßig – kaputte oder splitternde Stangen haben Verletzungspotential und sollten unbedingt ausgewechselt werden! Genauso wichtig ist der Boden: Harte Bodenverhältnisse oder ein Boden mit Mulden oder gar Löchern solltest du unbedingt meiden.

In diesem Kurs zeigt dir Ingrid Klimke, welche Materialien du für das Training überhaupt benötigst.

Die richtige Höhe

Wichtig ist auch, das eigene Trainingsziel zu beachten! Möchtest du, dass dein Pferd mit weiten Bewegungen in Dehnungshaltung trabt? Dann wähle einen größeren Trabstangen-Abstand. Wenn dein Ziel heißt: Deutlicheres Abfußen bei mehr Hankenbiegung in Arbeitshaltung, dann müssen die Abstände kleiner sein. Eine höhere Stangen-Höhe regt das Pferd an, die Gelenke mehr zu beugen. Für das Ziel weite Bewegungen, sollten sie eher mit kleinerer Höhe aufgestellt werden.

Dressurreiten über Cavaletti

Manche Reiter denken beim Reiten über Cavaletti ans Springen und schmeißen all ihre Dressurkenntnisse über Bord. Das ist ein grundlegender Fehler, der dir nicht passieren sollte! Das Ziel muss auch hier ein losgelassenes, an den Hilfen stehendes Pferd sein, das über den Rücken schwingt und mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt tritt. Nur so kannst du die Gymnastizierung und die Gangarten deines Pferdes mit der Cavaletti-Arbeit verbessern.

Die richtige Einschätzung des Trainingszustands

Wie immer solltest du dein Pferd nicht überfordern. Dazu musst du aber erst einmal einschätzen können, auf welchem Trainingsstand dein Pferd sich gerade befindet und was du ihm zumuten kannst. Wenn du dir nicht sicher bist, frage deinen Reitlehrer nach einer Einschätzung.

Ein Pferd muss sich erst an die Herausforderung „Cavaletti“ gewöhnen. Beginne deshalb immer mit wenigen Bodenricks und steigere dich erst, wenn du das Gefühl hast, dein Pferd ist sicher und losgelassen bei der Sache. Auch bei fortgeschrittenen Pferden sollte der Übungsaufbau immer von leicht nach schwer gestaltet werden.

Verschiedene Übungen mit Cavaletti

Wie fängt man als Neueinsteiger an?

Dressurausbilderin Claudia Butry führt junge Pferden gern an das Cavaletti Training heran, indem sie zunächst nur Stangen und Blöcke nutzt. Sie legt je eine Stange auf einen Block auf, die andere Seite der Stange bleibt auf dem Boden liegen. Welche Seite erhöht ist, wechselt sich ab, so dass immer abwechselnd eine Stange hoch und niedrig eingestellt ist. „So müssen die Pferde unterschiedlich abfußen.“

Sie beginnt im Schritt mit zwei Stangen, wenn die Pferde dies noch nicht kennen und nimmt nach einiger Zeit weitere Stangen hinzu. So lernen die Pferde erst im Schritt, gut hinzuschauen und sich zu koordinieren. Danach erst startet das tatsächliche Cavaletti Training. In diesem Video hier findest du einen prima Einstieg in das Thema Cavaletti Training für junge Pferde – hier aus dem Sattel heraus.

Darauf solltest du achten

Um dein Pferd an diese Art des Trainings zu gewöhnen, kannst du es erst einmal über ein Cavaletti im Schritt gehen lassen. Gerade bei sehr jungen und unerfahrenen Pferden kann ein Führpferd für Ruhe sorgen und deinem Pferd Sicherheit vermitteln. Es ist wichtig, dass dein Pferd ruhig und gelassen über die Stangen schreitet und du es dabei mit deinen Hilfen einrahmst und unterstützt. Schmeiße also nicht einfach die Zügel weg, enge dein Pferd durch falsche Zügelhilfen aber auch auf keinen Fall in seiner Bewegung ein.

Rittigkeit mit Cavaletti verbessern

Cavaletti-Übungen für Pferd und Reiter

Cavaletti auf gebogenen Linien für mehr Hinterhandaktivität und Geschmeidigkeit

Wenn du ein erfahrenes Pferd hast, dann ist die Arbeit auf gebogenen Linien besonders empfehlenswert. Dein Pferd wird dabei noch stärker gymnastiziert: Verbessere seine Längsbiegung und animiere dein Pferd durch die Cavaletti-Übungen dazu, mit dem inneren Hinterbein besser unterzutreten.

Eine Übung zum Nachbauen: Teile die Bahn in zwei Zirkel auf, zwischen denen du etwas Platz lässt, wenn es die Reitbahn erlaubt. Außen auf dem linken Zirkel platzierst du vier Schritt-Stangen auf gebogener Linie. Der Abstand zwischen den StangenMitten beträgt für Großpferde 80 bis 90 Zentimeter. Auf dem rechten Zirkel platzierst du außen auf der gebogenen Linie vier Trab-Bodenricks mit einem Abstand von 1,20 bis 1,30 Meter. So kannst du zwischen den Zirkeln variieren und die Geschmeidigkeit im Schritt und Trab verbessern.

In der Mitte kannst du zwischendurch einen Zirkel ohne Bodenrick anlegen.

Eine weitere Möglichkeit: Reite eine große Acht. Am Wechselpunkt parierst du vom Trab zum Schritt durch, um zu den Schritt-Stangen zu wechseln. Oder andersherum trabst du dort an, um konzentriert auf die Trab-Stangen zuzureiten

Cavaletti an der Longe

Trab- und Galopp-Cavaletti auf der Acht – DIE Überprüfung der Durchlässigkeit

Beherrschst du die obigen zwei Übungen einwandfrei, kannst du ein Level höher gehen und Galopp-Cavaletti integrieren. Zu Beginn solltest du nicht mehr als zwei Cavaletti wählen, um dein Pferd nicht zu überfordern. Auf eine gerade Linie im Abstand von ca. 3,00 Metern gestellt, ergeben sie eine anspruchsvolle Aufgabe für dein Pferd. Erst, wenn dein Pferd diese Galopp-Cavaletti sicher meistert, kannst du sie auch auf gebogenen Linien versuchen.

Klappt auch das, kannst du dich an die nächste Übung wagen. Teile einen Zirkel in zwei Hälften und baue auf die eine Seite vier Trab-Cavaletti mit den gleichen Maßen wie in Übung 2 (Wenn du dir den Zirkel als Zifferblatt einer Uhr vorstellst, bei 9:00 Uhr). Auf die andere Seite baust du vier Galopp-Cavaletti (bei 15:00 Uhr). Die Abstände betragen hier für Großpferde zwischen den äußeren Cavaletti-Enden ca. 3,00 Meter und zwischen den inneren Cavaletti-Enden ca. 2,00 Meter. Markiere dir bei 12:00 und 18:00 Uhr jeweils die Hälfte des Zirkels als Wechselpunkte. Vor den Galopp-Cavaletti galoppierst du am Wechselpunkt an, nach den Galopp-Cavaletti parierst du am nächsten Wechselpunkt zum Trab durch und reitest über die Trab-Cavaletti.

Diese Übung erfordert nicht nur Routine, sondern auch eine sauber erarbeitete Durchlässigkeit deines Pferdes. Du musst in der Lage sein, es reell zu biegen und zu versammeln, es muss prompt auf deine Hilfen reagieren und voll und ganz bei dir sein. Deshalb gilt auch hier: Übertreibe diese Übung nicht – weniger ist mehr! Wenn du merkst, dass die Acht noch zu viel ist, dein Pferd den Rücken wegdrückt oder sich widersetzt, gehe noch einmal einen Schritt zurück. Überprüfe deine dressurmäßigen Grundlagen und übe zum Beispiel erst einmal nur die Trab- oder die Galopp-Cavaletti separat.

Verschiedene Zirkellinien ausprobieren

Bei Ingrid Klimke lernt jedes Pferd viele Varianten dieses Trainings kennen. Die Pferde werden im Training immer mal wieder darüber geritten und auch beim wöchentlichen Longentraining werden die Stangen und Bodenricks miteinbezogen. Am besten ist es, die Bodenricks auf zwei Zirkellinien aufzubauen. So kann der Longenführer von einem Zirkel, auf dem Trab-Stangen aufgebaut sind, auf einen Zirkel wechseln, auf dem Schritt-Stangen aufgebaut sind. Gerade die Übergänge zwischen den Gangarten sind für das Ab- und Anspannen der Muskulatur sehr hilfreich und der Trainingseffekt wird gesteigert.

Uebergaenge Longe Cavaletti

Übergänge Trab-Galopp für Fortgeschrittene

Die Übergänge zwischen Trab und Galopp an der Longe übst du am besten erstmal ohne Stangen. Geht das gut und geschmeidig, kannst du zum Beispiel nach drei Trab-Cavaletti dein Pferd eine halbe Zirkelrunde galoppieren lassen, um dann zeitig genug vor den Trab-Cavaletti wieder durchzuparieren. Das ist schon ganz schön anspruchsvoll!
Wenn das wirklich gut sitzt, kannst du auch auf einem Zirkel Trab- und Galopp-Bodenricks aufbauen. Zum Beispiel drei Trab-Stangen an der einen Zirkelseite und erst eins, dann zwei, dann drei Galopp-Cavaletti auf der gegenüberliegenden Zirkelseite. Diese Abfolge ist etwas für wirklich Fortgeschrittene! Cavaletti-Aufbauten für Fortgeschrittene siehst du auch in diesem Kurs mit Ingrid Klimke.

Viel Erfolg und Spaß beim Ausprobieren von Ingrids Übungen!

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