Diese Übungen helfen jedem schiefen Pferd!

Jedes Pferd kommt unausbalanciert auf die Welt. Wenn es allein für sich auf der Wiese schief herum läuft, ist das nicht weiter tragisch. Wenn jedoch das Reitergewicht hinzu kommt, ist es wichtig, dass das Pferd lernt, seinen Körper so zu nutzen, dass es die Belastung gleichmäßig verteilt.

Wer reitet, braucht Geraderichtung 

Ohne Geraderichtung riskiert der Reiter letztlich Verschleiß und Schmerzen. Dressurausbilderin Anja Beran erklärt in ihrem neuen wehorse Film, wie man erkennt, welche Schiefe im Körper beim eigenen Pferd vorliegt und welche Übungen je nach Schiefe helfen, es vermehrt geradezurichten.

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Die natürliche Schiefe des Pferdes

Ein kleiner Exkurs, um zu erklären, was die Schiefe des Pferdes ist und warum diese ein Problem beim Reiten ist: Pferde tragen ihr Eigengewicht von Natur aus nicht auf allen vier Gliedmaßen gleich verteilt. Ein schönes Bild dazu von Dressurausbilder Jan Nivelle: Das unausgebildete Pferd gleicht einem Gebäude auf vier Säulen. Zwei davon stehen so, dass sie das Dach tragen, eine ragt so heraus, dass sie kaum Gewicht mitträgt, und die vierte ist so sehr verschoben, dass sie die Hauptlast trägt. Wenn man das Haus aufstocken will, müssen die Säulen jedoch gerade unter jeder Ecke des Daches stehen, sonst ist das Gewicht zu schwer.

Rechtsbiegung

Das unausgebildete Pferd trägt in den meisten Fällen die meiste Last vorn rechts. Deshalb fällt es den meisten Pferden leichter, sich nach links zu biegen. Wer reiten will und nicht riskieren möchte, dass das Pferd durch das Reitergewicht Schaden nimmt, muss es so schulen, dass es gleichmäßig zu allen Seiten wird: es muss das Gewicht auf allen vier Beinen tragen, sich zu beiden Seiten hin biegen lassen und sich in einem Spannungsbogen nach oben runden. Um den Spannungsbogen zu erreichen, muss das Pferd den Rumpf anheben können und fleißig untertreten können. Ausnahme: Es gibt auch Pferde, die wenig händig sind, also keine deutlich schlechtere Seite haben. Je nachdem, wie das Pferd gearbeitet wird, kann die Schiefe hier von der einen zur anderen Seite wechseln. Das Ziel, Geraderichtung und Rumpf anheben, bleibt dennoch für alle gleich!

Vorab kurz eine Definition der Begriffe hohl und steif. 

Was bedeutet "hohle Seite"?

Hohle Seite nennt man die Seite des Pferdes, zu der es sich besonders gern biegt. Die Muskulatur dieser Seite ist verkürzter. Die Enden des Pferdekörpers zeigen gern nach links, die Form ähnelt im Extremfall einer nach links gebogene Banane. Das Pferd schiebt sich dabei auf die äußere Schulter, es drängt also auf der linken Hand über die Schulter nach außen. 

Was bedeutet "steife Seite"?

Das ist die Seite, zu der sich das Pferd weniger gern biegt. Die Muskulatur ist hier weniger verkürzt, sondern sie lässt sogar in Gegensatz zur hohlen Seite die Biegung dieser zu, wird also im natürlichen Bewegungsablauf eher gedehnt. Das Vorderbein der steifen Seite wird stets mehr belastet, denn das Pferd drängt auf die Schulter der steifen Seite.

Anja Berans Korrektur der Schiefe

Anja Berans Pferd, um über die natürliche Schiefe zu referieren und im Unterricht gezielt zu zeigen, was man dagegegn tun kann, heißt Generale Cassa. Er ist 13 Jahre alt und ein typisches nach links hohles Pferd.

Longieren ohne Hilfszügel

Um zu zeigen, zu welcher Seite das Pferd steif ist, zeigt sie es auf Kappzaum an der Longe. Auf der linken Hand versucht Generale Cassa sich nach innen, also nach links, hohl zu machen. Auf der linken Hand longiert, schaut er also gern nach innen und drückt über die Schulter nach außen. So bewegt er sich gern auch im Freilauf, erzählt die Ausbilderin, als ob die Enden des Pferdekörpers stetig nach links drücken. Dadurch ist es an der Longe und beim Reiten anspruchsvoll, eine korrekte Zirkellinie zu halten, denn das Pferd drückt über die Schulter nach außen.


Woran erkenne ich ein Pferd, das links hohl ist?

Dieses Pferd versucht, mit dem rechten Vorderbein und dem linken Hinterbein die Zentrifugalkräfte auf einer gebogenen Linie aufzufangen. Es entsteht für den Reiter der Eindruck, dass das Pferd schwer in der rechten Schulter ist bzw. dort hin drängelt. Die linke Schulter ist freier und das linke Vorderbein trägt weniger Belastung. Typisch ist die gewählte Kopf- und Halsposition: Das links hohle Pferd nimmt den Kopf als Steuerelement tendenziell eher nach links, auch die Augenmuskulatur richtet sich darauf ein, wie auch die Nüstern. Meint: Es schaut eher nach links, Augen und Nüstern zeigen in diese Richtung. Auf der rechten Hand longiert drängelt ein links hohles Pferd gern nach innen. Dabei schaut es nach außen. Auf der linken Hand strebt es nach außen. Dabei schaut es nach innen. Es folgt also der Schulter bzw. dem Vorderbein, das mehr Gewicht trägt.

> Verwirrt Euch dieses Rechts-Links? Im Film "Natürliche Schiefe" von Anja Beran kann man die Unterschiede sehr gut anhand von Videos und Illustrationen in den Videos erkennen!

Woran erkenne ich ein Pferd, das rechts hohl ist?

Das rechts hohle Pferd führt Kopf und Hüfte gern nach rechts. Die Muskulatur der rechten Seite ist verkürzt. Dabei stützt es sich auf das linke Vorderbein auf. Dem Reiter erscheint die linke Pferdeschulter somit als schwer, das ist die Schulter, in dessen Richtung es drängt. Das innere Hinterbein kann bei ausgeprägter Schiefe wenig untertreten. Ein solches Pferd schaut an der Longe tendenziell eher nach rechts.

Was tun gegen die Schiefe?

Geraderichtung ist ein zentraler Punkt in der Pferdeausbildung und der Skala der Ausbildung. Genau diese schützt das Pferd davor, auf dem mehr belasteten Bein Schaden durch das Reiten zu nehmen. Im Film zeigt Anja Beran genau, welche Übungen bei welcher Schiefe nützlich auf dem Weg zur Geraderichtung sind. Für Generale Cassa ist zum Beispiel das Schenkelweichen auf der linken Hand hilfreich – „das ist unser erstes Mittel, um das Pferd von der rechten Schulter weg zu reiten!“ erklärt Anja Beran. Dabei muss das Pferd vom rechten Reiterschenkel wegtreten. Der Reiter hat die Chance, immer wieder mit der rechten Hand nachzugeben, erklärt die Dressurausbilderin. Das Schenkelweichen wird zunächst an der Bande, dann auch auf der Diagonale abgerufen. Durch das zur Seite gehen nach links wird gefördert, dass das Pferd weg von seiner gern belasteten rechten Schulter tritt und an den linken Zügel heran tritt, was er natürlicherweise durch seine Schiefe lieber vermeidet.

Auf der rechten Hand hilft dem Pferd vor allem ein Schulterherein. Im Film wird genau erklärt, welche weiteren Übungen logisch aufeinander aufgebaut bei der Geraderichtung helfen. Travers, Traversale und Konterschulterherein werden im Schritt genutzt und in ihrer Abfolge verknüpft. Ausbilderin Anja Beran erklärt den gymnastischen Wert der Übungen. Genauso erläutert sie dann, welche Übungen in welcher Reihenfolge im Trab und Galopp hilfreich sind.

> Fazit: Unbedingt den neuen Film von Anja Beran ansehen!