#Interview mit Springreiter Gerrit Nieberg: Vom Steuerbüro zum Großen Preis von Aachen
Der Sieg im Großen Preis von Aachen 2022 machte Gerrit Nieberg schlagartig einem breiten Publikum bekannt. Im Podcast spricht Gerrit mit Christian Kroeber über seinen Weg im Spitzensport.
Im Gespräch erzählt er von seiner ungewöhnlichen Laufbahn: geprägt durch das Aufwachsen in einer Pferdesportfamilie und dennoch mit einem vergleichsweise späten Einstieg in den Reitsport führte ihn sein Weg über die Ausbildung zum Steuerfachangestellten bis hin zur Karriere als international erfolgreicher Springreiter. Gerrit spricht darüber, welchen Einfluss sein Vater Lars bis heute auf ihn hat und warum für ihn nicht die einzelne goldene Schleife zählt, sondern vor allem konstante Entwicklung sowie das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.
Außerdem geht es um besondere Pferdepartnerschaften, den Abschied von seinem Erfolgspferd Ben, den Aufbau neuer Spitzenpferde wie Ping Pong und um die Herausforderungen des modernen Springsports.
Podcast Transkript
Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.
[SPEAKER 1]
[00:00:01-00:00:04]
Heute zu Gast der Springreiter Gerrit Nieberg.
[SPEAKER 2]
[00:00:07-00:00:36]
Keine Frage, ich meine, das war ja natürlich für mich sowieso das bestmögliche Szenario. Ich sage mal, in dem Fall als Außenseiter in Deutschland vor ausverkauftem Haus bei bestem Wetter, Stechen im Großpreis von Aachen als letzter am Start zu gehen, dann gelingt uns alles. Wir gewinnen das. Man hätte es ja nicht besser, das Drehbuch hätte ich nicht besser schreiben können. War das natürlich für mich das bestmögliche Szenario, aber auch natürlich, wie Carsten das alles moderiert hat, ist natürlich auch vielen in Gedächtnis geblieben.
[SPEAKER 3]
[00:00:37-00:00:54]
Herzlich willkommen zum WeHors Podcast. Heute mit Christian Kröber. WeHorse ist deine Lernplattform, auf der du täglich Inspirationen, Trainingstipps und das Wissen der besten Trainer bekommst, um gemeinsam mit deinem Pferd jeden Tag besser zu werden.
[SPEAKER 1]
[00:00:55-00:01:26]
Der Name Gerrit Nieberg ist sicherlich den meisten endgültig geläufig seit dem Jahre 2022, als er mit seinem damaligen Topfährt Ben den großen Preis von Aachen gewann. Seitdem ist natürlich einiges passiert. Ich freue mich, dass Gerrit heute bei uns im Podcast ist und wir sprechen über seinen Werdegang, seine Karriere und den Fakt, dass er aus einer waschechten Pferdesportfamilie kommt und vieles mehr. Viel Spaß! Hi Gerrit, herzlich willkommen im Podcast.
[SPEAKER 2]
[00:01:26-00:01:27]
Moin, moin.
[SPEAKER 1]
[00:01:27-00:01:38]
Schön, dass du da bist. Wir befinden uns hier in einem ganz interessanten Raum. Wir sind auf den deutschen Meisterschaften in Balve in der Bibliothek auf dem Schloss, auf dem das Ganze hier stattfindet, in Schloss Woklum.
[SPEAKER 2]
[00:01:39-00:01:43]
Das sieht man auch nicht alle Tage und ja, ist ein sehr interessanter Ort jetzt hier für den Podcast.
[SPEAKER 1]
[00:01:43-00:01:45]
Ich glaube, in deinem Wohnzimmer sieht es anders aus, oder?
[SPEAKER 2]
[00:01:46-00:01:46]
Bisschen anders, ja.
[SPEAKER 1]
[00:01:47-00:01:58]
Wir sind hier auf dem Deutschen Meisterschafts und du gehst hier am Start bei den Springreitern logischerweise. Was macht für dich das Besondere am Springreiten aus? Warum bist du Springreiter?
[SPEAKER 2]
[00:01:59-00:02:29]
Für mich ist einfach so diese Verbindung zwischen Mensch und Pferd, einfach dieses Besondere, was man sich so tagtäglich zu Hause irgendwie erarbeitet. Und dann natürlich versucht, irgendwie auf dem Turnier bestmöglich abzurufen. Wenn man irgendwie das Gefühl hat, wie viel Spaß das den Pferden macht, wenn die mitarbeiten und irgendwie im Parcours dann für einen kämpfen, wenn man dementsprechend vorher eine gute Verbindung, eine Basis aufgebaut hat. Das ist so dieses Besondere oder dieser Kick, was es mir gibt. Warum ich Springer da geboren bin.
[SPEAKER 1]
[00:02:29-00:02:33]
Wie kann man dieses Besondere beschreiben, dieser Kick, den das Ganze bringt?
[SPEAKER 2]
[00:02:33-00:03:44]
Wie gesagt, es ist ja auch nämlich viel Arbeit und am Ende werden immer nur diese ein, zwei Minuten im Parcours gesehen. Wo es dann natürlich gilt, das, was man zu Hause sich erarbeitet hat, abzurufen. Klar, dass das nicht immer mit einem Erfolg belohnt werden kann, das ist völlig normal, aber es geht auch einfach nur um... Das Gefühl, ich bin teilweise mit einer Runde, auch wenn ich ein oder zwei Fehler habe, fast zufriedener. Und wenn ich das Gefühl habe, dass das Pferd ein gutes Gefühl hat und sich wohlfühlt, als wenn die Runde nicht ganz so harmonisch war und wir irgendwie aber null waren, bin ich dann trotzdem zufriedener im Zweifel mit einer Runde mit einem Fehler. Solange ich das Gefühl habe, wir können da wieder drauf aufbauen und können uns nach und nach weiter nach vorne arbeiten, gerade auch was die Jungpferde angeht. Wenn die über die Zeit mit einem guten Gefühl an die höheren Aufgaben herangeführt werden, ist das für mich unheimlich wichtig, da so eine gewisse Konstanz reinzubringen, als jetzt irgendwie auf Teufel komm raus unbedingt einen Springen gewinnen zu wollen. Und dann klappt es mal nicht und dann muss man wieder ein, zwei Schritte rückwärts gehen, um wieder dieses Vertrauen aufzubauen. Deswegen ist es mir eher wichtiger, ein bisschen langsamer zu reiten und Hauptsache eine solide, sichere Runde zu haben, als auf Teufel komm raus gewinnen zu wollen.
[SPEAKER 1]
[00:03:45-00:03:48]
Könnte man ja denken, das könntest du auch zu Hause haben, dann müsstest du ja gar kein Turnier reiten.
[SPEAKER 2]
[00:03:49-00:04:14]
Ja gut, ich meine, auch ein Turnier ist ja dann doch nochmal ein bisschen anders als zu Hause. Allein von der ganzen Atmosphäre, von der ganzen Kulisse her, was gerade für die Jungpferde ja erstmal ein bisschen Neuland ist, wo die sich dran gewöhnen müssen. Natürlich mit den älteren Pferden kommt auch das Pferd drauf an. Natürlich möchte man da auch hier und da mal gewinnen. Deswegen machen wir es ja auch unter anderem, um natürlich auch Erfolg zu haben, aber in erster Linie, um konstant die Pferde aufzubauen, um möglichst am Ende weit zu kommen.
[SPEAKER 1]
[00:04:15-00:04:41]
Die nächste Frage, die habe ich schon, wir hatten ja viele auch Top-Athleten bei uns schon im Podcast und dann ist immer die Frage, was definiert eigentlich Erfolg? Und jeder hat ja so ein bisschen seine eigene Definition, aber gerade im Pferdesport ist es ja aufgrund dieser Verbindung zwischen Mensch und Tier einfach ja noch was ganz Besonderes. Was ist denn Erfolg für dich? Wie definierst du Erfolg? Weil so wie du das gerade beschrieben hast, ist es ja gar nicht zwangsläufig die goldene Schleife, der Pokal, der Sieg, sondern es sind ja auch irgendwie andere Kriterien.
[SPEAKER 2]
[00:04:41-00:05:09]
Mir persönlich ist diese konstante Leistung viel wichtiger, als jetzt einmal so einen Peak zu setzen, einmal einen Spring zu gewinnen und danach wieder so ein kleines Formtief zu haben. Ist mir persönlich viel wichtiger. Und das ist eher so dieser Erfolg. Aber auch dann, das geht ja alles wieder zurück auf diese Basis, würde ich behaupten. Und einfach dieses Vertrauen, was zwischen Reiter und Pferd da sein muss, weil sonst würde es sowieso nicht gehen. Wie gesagt, das ist das, was am Ende den Erfolg für mich ausmacht.
[SPEAKER 1]
[00:05:09-00:05:23]
Wie sieht das so in deinem täglichen Doing aus? Also ist es dann sehr viel Dressurarbeit? Weil es ja am Ende Vertrauen, aber natürlich auch die ganzen Kriterien, Rittigkeit, Ausbildung, ETC, da kommen ja sehr viele Komponenten zusammen. Wie sieht dein Alltag aus?
[SPEAKER 2]
[00:05:23-00:05:33]
Klar, gerade die älteren Pferde springe ich recht selten zu Hause. Da geht es eher darum, die möglichst happy und zufrieden zu halten. Im Rahmen meiner Möglichkeiten, das dressurmäßig so gut wie möglich hinzukriegen.
[SPEAKER 1]
[00:05:33-00:05:34]
Du schwitzt jetzt ein bisschen?
[SPEAKER 2]
[00:05:36-00:06:13]
Da ist ja immer Luft irgendwie noch nach oben mit Sicherheit. Insofern aber nein, wie gesagt, einfach, dass sie sich wohlfühlen. Und das probiere ich halt zu Hause zu üben, was man am Ende auch irgendwie im Parcours braucht, um so ein bisschen, umgangssprachlich gesagt, so ein bisschen Gas und Bremse einstellen. Dass das für die Wende... Und so alles klappt, wie gesagt, was man am Ende auch im Parcours braucht. Aber ich fange da jetzt nicht an, irgendwelche hohen Dressurlektionen zu reiten. Aber sonst eben auch ausreiten, dass die viel Auslauf haben, auf die Weide gehen und alles. Dass die einfach sich wohlfühlen. Und das spiegelt sich dann oft auch auf dem Turnier wieder, wenn die dann sich gut fühlen und dann im Parcours auch mehr für einen machen oder für einen kämpfen.
[SPEAKER 1]
[00:06:13-00:06:41]
Du kommst aus einer echten Pferdesportfamilie, dein Vater Lars, große Championatserfolge für Deutschland bis zu Olympischen Spielen, immer bis vor so 10, 15 Jahren ein Anwärter gewesen, auch für große Medaillenentscheidungen, beziehungsweise Championate auch für Deutschland und bist ja quasi dieser Turnierszene aufgewachsen. Auf den Turnierplätzen dieser Welt. Ist das etwas, was von Anfang an für dich logisch war, dass du auch denselben Weg gehst? Oder gab es vielleicht auch mal eine Abstoßreaktion?
[SPEAKER 2]
[00:06:41-00:06:50]
Nee, das war erst recht spät tatsächlich der Fall. Ich hatte, als ich noch recht jung war, wenig bis gar kein Interesse, muss ich sagen.
[SPEAKER 1]
[00:06:50-00:06:51]
Was hast du stattdessen gemacht?
[SPEAKER 2]
[00:06:51-00:07:23]
Fußball gespielt. Und dann tatsächlich erst, als ich 13 Jahre alt war, hat es mich dann doch auf einmal gepackt. Und dann muss ich aber sagen, ging es auch recht schnell, dass ich dann die Fußballschuhe in die Ecke gestellt habe und mich mehr mit dem... Den Pferden gewidmet habe. Und dann hatte ich aber auch, wie gesagt, es ging schnell und dann eigentlich nach einer Woche, nachdem ich mit dem Reiten angefangen habe, auch gesagt, okay, ich werde Bereiter später mal. Und das trotzdem aber auch so zur Schulzeit und so alles so ein bisschen nebenher noch gemacht, weil erstmal wichtig war, die Schule zu Ende zu bringen. Dann war auch ein bisschen der Deal mit meinen Eltern, erst noch eine Normale. Alle Ausbildungen.
[SPEAKER 1]
[00:07:23-00:07:24]
Was war das dann?
[SPEAKER 2]
[00:07:24-00:07:26]
Steuerbüro, als Steuerfachangestellter gemacht.
[SPEAKER 1]
[00:07:27-00:07:28]
Du warst Steuerfachangestellter?
[SPEAKER 2]
[00:07:29-00:07:30]
Genau, die Ausbildung habe ich dann erst noch.
[SPEAKER 1]
[00:07:31-00:07:35]
Die ganzen Steuerbescheide sortieren wahrscheinlich und so gegenprüfen und solche Sachen.
[SPEAKER 2]
[00:07:35-00:07:36]
Kaffee kochen.
[SPEAKER 1]
[00:07:36-00:07:37]
Kaffeekopierer bedienen.
[SPEAKER 2]
[00:07:38-00:07:39]
Genau, genau. Alles, was dazu gehört.
[SPEAKER 1]
[00:07:39-00:07:40]
Hast du es auch beendet?
[SPEAKER 2]
[00:07:40-00:07:46]
Ja, habe ich auch tatsächlich beendet. Und danach konnte ich mich dann voll und ganz den Pferden widmen.
[SPEAKER 1]
[00:07:46-00:07:48]
Wäre das was für dich gewesen, Steuerberater?
[SPEAKER 2]
[00:07:50-00:08:11]
Nein, ich fand es tatsächlich damals irgendwie ganz interessant, da immer ein bisschen zuzuhören, ein bisschen zu gucken und auch Einblicke zu kriegen. Aber auf gar keinen Fall wäre das jetzt was für mich gewesen, mein ganzes Leben im Büro zu sitzen und da irgendwelche Steuerbescheide zu prüfen und Steuererklärungen zu machen. Nichtsdestotrotz war das trotzdem eine gute Erfahrung und da auch mal ein paar Einblicke und Kenntnisse zu kriegen.
[SPEAKER 1]
[00:08:11-00:08:15]
Aber kannst du jetzt deine Steuererklärung auch selber machen? Also du brauchst jetzt keinen Steuerberater mehr?
[SPEAKER 2]
[00:08:15-00:08:16]
Doch, habe ich trotzdem.
[SPEAKER 1]
[00:08:17-00:08:23]
Also trotz Lehre hat es nicht dazu gereicht, noch die Steuererklärung selber auszufüllen.
[SPEAKER 2]
[00:08:23-00:08:27]
Naja, das gebe ich doch lieber ab. Da hat sie auch über die Jahre, verändert sich da ja auch ständig was und alles.
[SPEAKER 1]
[00:08:27-00:08:28]
Ja, ja, total.
[SPEAKER 2]
[00:08:28-00:08:30]
Deswegen lasse ich das lieber machen.
[SPEAKER 1]
[00:08:30-00:08:38]
Über die echten Profis das machen. Also dann warst du quasi im Steuerbüro als Steuerfachangestellter, so nennt sich glaube ich offiziell das Ganze.
[SPEAKER 2]
[00:08:38-00:08:38]
Genau, so ist es, ja.
[SPEAKER 1]
[00:08:39-00:08:42]
Steuerfachangestellter. Aber hast parallel schon geritten die ganze Zeit?
[SPEAKER 2]
[00:08:42-00:09:09]
Immer parallel natürlich ein bisschen geritten, aber wir hatten jetzt nie Schule geschwänzt, um früh aufs Turnier zu fahren oder so. Also deswegen, das war alles eher auf kleinerer Flamme zu der ganzen Schulzeit. Und während der Ausbildung. Deswegen, ich bin auch nie in der deutschen Jugendmeisterschaft oder Preis der Besten geritten. Vielleicht war ich auch einfach noch nicht gut genug. Das kann auch sehr gut sein. Und das ging dann erst später los, als dann die Schule und Ausbildung abgeschlossen war. Dass man sich da voll auf die Pferde konzentriert hat.
[SPEAKER 1]
[00:09:10-00:09:24]
Weil das wäre auch so meine nächste Frage gewesen. Du warst ja in diesen ganzen Nachwuchsbereichen immer unterm Radar. Also man hat ja nie gedacht, okay, da ist der Gerrit und der ist im Vital der deutschen Nachwuchsequipe für EM XY. Also da warst du nie dabei.
[SPEAKER 2]
[00:09:24-00:10:29]
Nee, wie gesagt, war ich nie dabei. Wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen, entweder. Es wurde aber auch nie so forciert von meinen Eltern, dass wir da unbedingt mit in diese Jugendschiene irgendwo fahren. Weil zu der Zeit die Prioritäten noch woanders lagen. Natürlich, wenn man die Kollegen sieht im gleichen Alter und die dann schon dementsprechend weiter sind und zu den deutschen Meisterschaften fahren oder Preis der Besten, Europameisterschaften, natürlich. Klar, wenn man ehrgeizig ist, möchte man das natürlich auch. Das muss ich dann zu der Zeit auch erstmal verstehen, dass das einfach im Moment dann auch nicht geht. Und jetzt im Nachhinein muss ich sagen, das war genau richtig. Weil man das alles so Step by Step aufgebaut hat und noch nicht zu früh irgendwas vielleicht erzwingen wollte, was vielleicht noch... Irgendwie zu der Zeit noch nicht richtig passte, um dann wieder ein paar Schritte zurückzumachen. So war es irgendwie meinen Eltern wesentlich wichtiger. das irgendwie in Ruhe, behutsam aufzubauen und dann aber konstant versuchen, die Schritte nach oben zu machen.
[SPEAKER 1]
[00:10:30-00:10:48]
Damals, du bist ja ursprünglich aus Hessen, heute wissen es gar nicht mehr so viele, aber du kommst ja ursprünglich aus Hessen, denn ihr wart auf Gestüt Wildershausen, das ist glaube ich so bei Marburg, zwischen Marburg und Gießen, den Dreh. Und das ist ja schon auch so, manche nennen Leute das ja Hessisch-Sibirien auch, glaube ich. Es ist ja schon ein sehr, sehr tiefes Hessen.
[SPEAKER 2]
[00:10:48-00:10:52]
Ja, genau. Zum Glück hört man das nicht an meinem Akzent oder Dialekt.
[SPEAKER 1]
[00:10:53-00:10:54]
Kannst du hessisch?
[SPEAKER 2]
[00:10:54-00:10:57]
Ich verstehe teilweise, aber ich kann es nicht sprechen.
[SPEAKER 1]
[00:10:58-00:11:03]
Kein hessisch babbeln, sagt man doch, Leute. Hessisch babbeln. Und Handkäs mit Musik ist doch nicht jeden Abend.
[SPEAKER 2]
[00:11:03-00:11:06]
Nicht jeden Abend. Aber durchaus mal gerne. Tatsächlich.
[SPEAKER 1]
[00:11:06-00:11:21]
Also das ist ja schon auch eine, habe ich auch immer gedacht, das ist ungewöhnlich Ecke, weil sonst, wenn man jetzt im Pferdesport schaut, gibt es ja so ein Cluster Münster oder auch Rheinland oder auch andere Gebiete, aber da war wirklich ja im Umkreis von 100 Kilometern wart ihr und sonst niemand.
[SPEAKER 2]
[00:11:21-00:11:46]
Genau, da war recht wenig. Zu der Zeit eher dann schon wieder Richtung Frankfurt, aber das ist ja auch dann noch über eine Stunde weg gewesen, davon gestülpt mit das Haus. Insofern war es da recht ruhig in der Gegend. Und gerade wenn man das jetzt vergleicht mit Münster, was natürlich die Hochburg ist vom Pferdeland und wie viele Stellen es da gibt. Das genaue Kontrastprogramm einfach.
[SPEAKER 1]
[00:11:47-00:11:50]
Hast du noch irgendwie Connections nach Hessen? Also ist das für dich Heimat?
[SPEAKER 2]
[00:11:51-00:11:56]
Heimat ja, aber... Wenig, gar keine Kontakte mehr bis nach Hessen.
[SPEAKER 1]
[00:11:57-00:12:10]
Also komplett jetzt quasi auch als Familie seid ihr in Westfalen. Wenn wir jetzt einmal über die Zeitschiene quasi gehen, also Steuerberatungslehre und danach ging für dich die Reitkarriere erst richtig los, sozusagen.
[SPEAKER 2]
[00:12:10-00:12:41]
Genau, ich habe dann, da ist alles abgeschlossen, dann war ich noch für drei Monate in Wellington, in Florida, um das einmal so ein bisschen mitzuerleben und kennenzulernen. Danach gab es diese Perspektivgruppe, nannte sich das in Warendorf. Und da war ich einer von drei oder vier, die dann da eine Ausbildung gemacht haben. Da war ich dann noch für zwei Jahre, war in dieser Perspektivgruppe, habe da parallel quasi die breite Ausbildung gemacht. Und danach bin ich auch zu Hendrik Snook, zum Gut Berl.
[SPEAKER 1]
[00:12:42-00:12:43]
Wo du jetzt heute auch bist.
[SPEAKER 2]
[00:12:43-00:12:56]
Wo ich nach wie vor jetzt seit über zehn Jahren angestellt bin. Und ich habe dann noch den Pferderwirtschaftsmeister auch noch nebenbei gemacht. Und wie gesagt, seit über zehn Jahren bin ich für Hendrik Snook tätig.
[SPEAKER 1]
[00:12:57-00:13:12]
Das ist ja auch etwas, was man jetzt gar nicht so von außen sieht. Du bist ja de facto, wie du gerade gesagt hast, Angestellter. Also du kriegst am Ende des Monats quasi genauso wie alle anderen auch eine Lohnabrechnung und eine Gehaltszahlung. Das heißt, du bist anders als viele deiner Kollegen nicht selbstständig, sondern angestellt.
[SPEAKER 2]
[00:13:12-00:13:25]
Genau, das ist so. Ich bin in erster Linie angestellt, habe zwar nebenbei, könnte man sagen, eine GmbH, weil ich auch bei ein paar Pferden beteiligt bin oder ein paar eigene Pferde habe. über das dann alles läuft, aber ich bin in erster Linie angestellt, ganz genau.
[SPEAKER 1]
[00:13:26-00:13:50]
Ist das etwas, was, ist das für dich, man kann ja nicht sagen, es gibt ja keinen Vorteil oder Nachteil, das ist ja am Ende je nachdem, was man selber möchte, aber es ist ja schon etwas, wo man auf der einen Seite sagt, ja, viele andere sind selbstständig, du hast ja natürlich auch eine GMR für diese beschriebenen Dinge parallel, Aber du bist ja der, der am Ende deinem Arbeitgeber verpflichtet. Also so einen Erfolg feierst du für dich, aber auch für deinen Arbeitgeber.
[SPEAKER 2]
[00:13:50-00:14:18]
Ganz genau. Und wie gesagt, ich bin sehr froh über die Situation. Ich habe einen super Chef mit Hendrik Schnock und das ist eine super Kooperation. Ein freundschaftliches Verhältnis ist einfach schon geworden über die Jahre. Und er wirklich supportet mich da in allen Hinsichten. Und ich bin da sehr froh und dankbar darüber, dass wir so eine gute Zusammenarbeit haben und auch mit den ganzen Pferden. Ja, bin ich da sehr froh und dankbar und schätze das sehr.
[SPEAKER 1]
[00:14:19-00:15:03]
Nun, wenn man auf deine Karriere schaut, ist sicherlich ein... Wichtiger Punkt 2022, als du den großen Preis von Aachen gewonnen hast. Schmunzelst direkt schon ein bisschen. Ich werde dich jetzt nicht fragen, was alle fragen, sondern das hat natürlich mit dir unglaublich viel gemacht und auch zumindest jetzt von außen betrachtet mit ein bisschen Entfernung, würde ich sagen, dass dein Name so in diesen... Internationalen Rang erhoben, großen Preis von Aachen, man muss nur über die Liste schauen, dann sieht man, das passiert den wenigsten in ihrer Karriere. Gibt es für dich, eine Zeitrechnung vor Aachen und nach Aachen oder ist Aachen nur die logische Prozesskette von dem, was du ganz am Anfang beschrieben hast?
[SPEAKER 2]
[00:15:04-00:15:59]
Da weiß ich nicht, das würde ich jetzt so vor und nach Aachen zu sagen, weiß ich nicht, aber natürlich der Moment, als wir da den großen Preis gewinnen konnten, natürlich die ganze Aufmerksamkeit schon um einiges verschoben. Ich würde sagen, ich persönlich habe mich dadurch jetzt nicht verändert. Ich bin genau der gleiche Gerrit wie vorher auch. Aber natürlich, gerade das Interesse der Medien und ich würde schon behaupten, die Wahrnehmung hat sich dann schon deutlich verändert. Dass jetzt die logische Konsequenz daraus war aus den ganzen Jahren zuvor, aus der Vorbereitung, dass das natürlich das Ziel eines jeden Reiters ist, irgendwann mal einen großen Preis zu gewinnen, ist relativ logisch. Dass ich das Glück hatte, das schon so früh zu erreichen, bin ich sehr froh darüber. Aber dass, wie gesagt, dass das jetzt so früh schon passiert, hätte ich jetzt auch nicht unbedingt mitgerechnet.
[SPEAKER 1]
[00:15:59-00:16:22]
Aber es ist ja häufig auch Wellenbewegung. Du hattest damals mit Ben ein Pferd, das auf dem Niveau performt hat. Ihr beide habt auf dem Niveau performt. Jetzt hast du mit Ping-Pong wieder ein Pferd, was auch performt. Am Ende ist es ja ein bisschen wellenbewegungsartig und so pferdeabhängig, gerade wenn man vielleicht nicht... zwei, drei, vier Championatspferde im Stall hat, ist das vielleicht auch wo es Sinn hat.
[SPEAKER 2]
[00:16:23-00:17:05]
Natürlich sind wir abhängig von den Pferden. Und natürlich ist das dann in gewisser Weise auch frustrierend, wenn man jetzt nicht immer ein Pferd zur Verfügung hat, um irgendwie über die Fünf-Sterne-Turniere zu fahren. Aber dann ist es ja auch fast wieder der Reiz, in dem es ausmacht, sich dann irgendwie die jüngeren Pferde wieder so ein bisschen aufzubauen. Dass die hoffentlich auch eines Tages den Sprung in diese Klassen schaffen. Und das ist ja auch mein oder unser Bestreben, möglichst die Pferde beruflich aufzubauen, gut zu selektieren und dann möglichst langfristig gesund zu halten sowieso, aber auch, dass sie dann beruflich den Weg in den... Besseren Sport schaffen.
[SPEAKER 1]
[00:17:05-00:17:44]
Wenn man jetzt Aachen nochmal anschaut und was das mit dir und am Ende auch dir als Pferdesportpersönlichkeit gemacht hat, war von außen betrachtet auch ein Faktor, dass der Kollege Carsten Soestmeier, auch ein Freund des Podcasts, viele Grüße an dieser Stelle, dass der im Fernsehen, in der Live-Übertragung auch wirklich so unfassbar abgegangen ist, dass das danach zigtausendmal auf Social Media geteilt wurde. Der war, glaube ich, in NRW gibt es ja 1Live, diese 1Live-O-Ton-Charts, war der irgendwie 20 Wochen unangefochten an Nummer 1. Das war auch ein Faktor, oder?
[SPEAKER 2]
[00:17:45-00:18:59]
Keine Frage. Ich meine, das war ja natürlich für mich sowieso das bestmögliche Szenario. Ich sage mal, in dem Fall als Außenseiter. in Deutschland vor ausverkauften Haus bei bestem Wetter stechen, im großen Preis von Aachen als letzter am Start zu gehen, dann gelingt uns alles. Wir gewinnen das. Man hätte es ja nicht besser, das Drehbuch nicht besser schreiben können. Insofern war das natürlich für mich das bestmögliche Szenario, aber auch natürlich, wie Carsten das alles moderiert hat, ist natürlich auch viel in Gedächtnis geblieben. Und gerade zu der Zeit, wie du schon gesagt hast, sehr viral gegangen. Deswegen, ich war jetzt unabhängig davon, es war sowieso geplant, ich war den Tag danach mit meiner jetzigen Frau, mit meiner damaligen Freundin, in Urlaub geflogen. Und selbst da wurde ich am Flughafen erkannt. Da kam zwar noch ein Team von Sat.1 zum Flughafen und dann hatten wir da noch Interviews gemacht. Aber selbst da, unabhängig von diesem Interview-Team, wurde ich da auch irgendwie erkannt und dass sich die Leute irgendwie umgedreht hatten. Es war natürlich auch gerade erst den Tag vorher passiert. Mittlerweile ist es nicht mehr so, wenn ich irgendwo hinfliege, dass ich da erkannt werde. Aber das war irgendwie schon ein besonderer Moment sowieso. Auch die Zeit danach, das war irgendwie ein verrücktes Erlebnis.
[SPEAKER 1]
[00:18:59-00:19:12]
Und dann kommt Sat.1, du warst bisher eigentlich für die breite Öffentlichkeit unbekannt, was ja de facto so ist, das hat dich dann sozusagen auf das Spielfeld erhoben und dann kommt Sat.1 und fragt, worin geht es ins Urlaub? Herr Dieberg.
[SPEAKER 2]
[00:19:13-00:19:30]
So ungefähr. Das war dann irgendwie noch recht witzig. Wir wollten erst von Düsseldorf fliegen, dann wurde der Flug verschoben, dass wir dann von Köln geflogen sind. Die waren schon unterwegs nach Düsseldorf. Wenn wir das Interview noch machen wollen, dann müsst ihr aber nach Köln fahren und dann hin und her. Aber am Ende konnten wir das Interview dann noch am Flughafen machen.
[SPEAKER 1]
[00:19:31-00:19:53]
Kurz off the record, wann wurde Ben verkauft? Ende 2023. Ende 2023. Dann hast du mit Ben ja ein Pferd gehabt, wo man sagt, Das passt perfekt. Zwischen euch mega Erfolge, hast ja noch großen Preis von Hamburg gewonnen, einiges weiteres. Und dann Ende 2023 verlierst du Ben, weil Ben verkauft wird. Was hat das mit dir gemacht?
[SPEAKER 2]
[00:19:54-00:21:43]
Ja, ich meine, das haben wir natürlich auch intern besprochen, ob das jetzt der richtige Schritt ist oder nicht. Okay, ich meine, zu der Zeit, da war er zwölf Jahre alt. Natürlich muss auch der ganze Laden zu Hause finanziert werden. Und deswegen haben wir uns zusammen dafür entschieden, den Schritt zu gehen, dass er verkauft werden kann. Natürlich fiel mir das alles andere als leicht. Ich meine, wir waren fünf Jahre ein Team. Haben unfassbar viel zu haben erlebt. Ich habe unfassbar viel zu verdanken. Ich glaube, Momente, die ich ohne ihn wahrscheinlich hätte nie erleben können. Deswegen fiel mir das natürlich alles andere als leicht, als es dann klar war, dass er dann auch zu verkaufen war und dann aus dem Stall gegangen ist. Nichtsdestotrotz ist das leider auch Teil unseres Geschäfts, dass dann eben Pferde... Verkauft werden müssen eines Tages. Und natürlich unabhängig jetzt von der sportlichen, Perspektive her hat uns dann natürlich um einiges zurückgeschmissen. Ich hatte zu der Zeit noch ein zweites Pferd, der auch recht erfolgreich so auf diesen 15er-Turnieren unterwegs war, plus Davelin, der auch dann kurz vorher zwar, aber auch dann, das waren zwei, drei Monate vorher, auch den Stall verlassen hatte. Insofern hat uns das natürlich um einiges zurückgeschmissen. Aber gut, auch das gehört dazu. Da bin ich nicht der Einzige, dem das mal so geht. Umso glücklicher war ich dann über die Situation, dass wir dann zum Beispiel auch Ping-Pong, dass der den Weg zu uns in den Stall gefunden hatte über Karin Ernsting. Dass die da auf uns zugekommen ist und auch noch mit anderen Pferden und dass wir darauf wieder in Ruhe, gut zusammen den Weg gegangen sind, um möglichst wieder den Anschluss auch in den besseren Sport zu schaffen.
[SPEAKER 1]
[00:21:44-00:22:00]
Aber es ist am Ende des Tages ja schon, bitte das falsche Wort, aber es ist ja schon, Traurig, so eine Connection mit so einem Pferd, das gibt es ja auch nicht immer. Also selbst jetzt, wenn du ein weiteres Topfährt hast, aber diese Connection aufzubauen mit einem Pferd, das passiert ja auch nicht ohne weiteres.
[SPEAKER 2]
[00:22:01-00:22:28]
Keine Frage, so eine Verbindung, die baut man jetzt auch nicht über Nacht irgendwie auf. Das war ein Prozess über viele Monate, Jahre. Entschuldigung, hätte ich das fast gesagt. Und natürlich fällt es einem bei manchen Pferden leichter, die man vielleicht noch nicht so lange kennt und mit denen man noch nicht so lange ein Team ist. Aber gerade in dem Fall bei Ben, wie gesagt, wäre er... Wir waren ein sehr langes Team, haben unfassbare Momente erlebt zusammen. War das dementsprechend traurig.
[SPEAKER 1]
[00:22:28-00:22:30]
Verfolgst du jetzt Bens Werdegang noch weiter?
[SPEAKER 2]
[00:22:31-00:22:55]
Ja, natürlich. Der ist aber nach wie vor auch immer noch auf fünfstellendem Niveau unterwegs. Ich war letztes Jahr, habe meinen Bruder besucht, der in Wellington wohnt mittlerweile. Und dann natürlich auch Ben. Dann habe ich ihn auch da nochmal ein bisschen... Auf deren Anlage bis in Trestour geritten. Ach, wirklich? Das war ganz cool tatsächlich, weil die Reiterin gerade ein paar Tage weg war und dann hat sie mich gefragt, wenn ich EDA bin, ob ich nicht mal eine Runde reiten möchte, was ich natürlich gerne gemacht habe.
[SPEAKER 1]
[00:22:55-00:22:56]
Wie war das Gefühl so?
[SPEAKER 2]
[00:22:56-00:23:08]
Ja, war witzig. Es hat sich ein bisschen verändert. Er war ein bisschen ruhiger, weil er sonst immer sehr energiegeladenes Pferd war. Aber er hat sich, glaube ich, super aufgehoben, in den besten Händen. Hat sich erkannt. War schön, ihn mal wiederzusehen.
[SPEAKER 1]
[00:23:09-00:23:23]
Ist ja schon irgendwie witzig, so ein Pferd, ihr habt gemeinsam so eine Geschichte geschrieben, steht auf der berühmtesten Tafel des Pferdesports in Aachen und dann besuchst du ihn in Wellington ein paar Jahre später. Also du hast schon gemerkt, er hat sich verändert.
[SPEAKER 2]
[00:23:23-00:23:43]
Klar, gut, ich meine, das ist dann auch da durch die ganzen anderen Umstände, durch das Klima, wahrscheinlich durch die Temperatur, dass die einfach so ein bisschen ruhiger vom Gemüt werden, rede ich mir jetzt mal ein. Aber nichtsdestotrotz glaube ich, dass er mich auch erkannt hat, dass er sich gefreut hat, aber dass er da auch sehr gut aufgehoben ist und in den besten Händen.
[SPEAKER 1]
[00:23:43-00:24:06]
Und diese Wellenbewegung, also Ben, diese erste Erfolgswelle, dann wurde es um dich so ein bisschen ruhiger, ein Jahr, anderthalb und jetzt so ein bisschen die zweite Welle. wieder was, neue Nationenpreisteam viel unterwegs und jetzt mit Pingpong quasi so das nächste Topfährt. Das sind am Ende ja auch die Wellenbewegungen, die man als Sportler aushalten muss, ist ja das falsche Wort, aber zumindest leben muss.
[SPEAKER 2]
[00:24:06-00:25:04]
Genau, das gehört ja dazu. Es kann ja nicht immer nur stetig bergauf gehen, dass es irgendwann auch mal wieder ein kleines Formtief gibt, im Sinne von, dass man einfach nicht zu dem Zeitpunkt, die die Pferde hat, für den wirklich besseren Sport, ist normal, glaube ich. Es gibt die wenigsten, die in der Situation sind, über wirklich mehrere Jahre immer konstant, jetzt übertrieben gesagt, aber immer in den Top Ten der Weltrangliste zu sein. Das schaffen einfach die wenigsten. Gerade weil es auch mittlerweile so viele Pferde-Reiter-Kombinationen gibt, die haben... Da einfach auf höchster Ebene unterwegs sind. Und deswegen ist das zwar in dem Moment schade, frustrierend, wenn man mal wieder ein kleines Loch hat, aber wie gesagt, wie du es schon angesprochen hattest, mit Pingpong zum Beispiel bin ich sehr froh, dass ich ihn habe. Und da hatte ich auch vom ersten Tag irgendwie so ein besonderes Gefühl, dass es ein besonderes Pferd ist und dass man da noch durchaus viel mit erreichen kann.
[SPEAKER 1]
[00:25:04-00:25:11]
Welche Rolle spielt dein Vater Lars so in deinem Technologie-Leben? Also dein Trainer jeden Tag oder wie ist so eure Konstellation?
[SPEAKER 2]
[00:25:12-00:25:27]
Ja, wir arbeiten tagtäglich zusammen, trainieren zusammen, machen die ganzen Pläne mit den Pferden, mit den Turnieren, sprechen wir alles ab. Und das schon über zehn Jahre. Und ich glaube, dass wir schon recht weit gekommen sind.
[SPEAKER 1]
[00:25:27-00:25:36]
Klappt das gut so zusammen? Es gibt ja auch, wenn ich mir jetzt vorstelle, mit jemandem aus meiner Familie sowas zu machen, dann würde ich denken, vielleicht lieber nicht. Man muss sich auch verstehen.
[SPEAKER 2]
[00:25:37-00:26:09]
Natürlich, auch wir sind nicht immer einer Meinung. Was auch, glaube ich, irgendwo normal ist und wenn man irgendwie ehrgeizig ist und dass man irgendwie immer nochmal versucht, an Sachen sich hinterfragt und überlegt, was kann man irgendwie noch besser machen. Aber gut, dann wird das besprochen und versucht man da eine gemeinsame Lösung für zu finden. Aber wie schon gesagt, wenn wir das schon über zehn Jahre so hinkriegen, denke ich, dass wir das auch noch ein paar mehr Jahre schaffen.
[SPEAKER 1]
[00:26:10-00:26:19]
Aber wie löst man, also wie löst ihr einen Konflikt? Also ist dann einer sagt, so wird es gemacht und der andere muss sich fügen? Wie findet man dann Weg?
[SPEAKER 2]
[00:26:20-00:27:08]
Jetzt weiß ich nicht genau, ich spiele da jetzt irgendwie ein pauschales Beispiel zu nennen, aber grundsätzlich verfolgen wir beide das gleiche Ziel. Es sind dann eher mal so Meinungsverschiedenheiten, wenn es um die Einschätzung der Pferde geht, um da jetzt irgendwie mal... Ein Beispiel zu nennen, wenn natürlich mein Vater gerne möchte, dass die Pferde aus der eigenen Zucht nach vorne gebracht werden und er große Hoffnung hat und ich vielleicht nicht ganz so. Euphorisch bin. Können da durchaus schon mal die Meinungen auseinander gehen. Aber wie gesagt, dann wird das eben besprochen. Und so selbst am Ende, dann sagt er ja, warte nochmal ab, das zeige ich euch nochmal.
[SPEAKER 1]
[00:27:08-00:27:10]
Ist ja vielleicht auch anspornend.
[SPEAKER 2]
[00:27:13-00:27:23]
Aber nein, am Ende kommen wir da eigentlich in der Regel immer auf den gleichen Länder wieder und versuchen dann das Beste aus der Situation zu machen, auch wenn man mal eine unterschiedliche Meinung hat.
[SPEAKER 1]
[00:27:24-00:27:25]
Sitzt er noch selber im Sattel eigentlich?
[SPEAKER 2]
[00:27:25-00:27:33]
Der ist noch jeden Tag am Reiten. Zwar kein Turnier mehr, aber zu Hause jeden Tag und dann auch mit den jungen Pferden. Er ist noch sehr motiviert.
[SPEAKER 1]
[00:27:33-00:28:43]
Wenn man jetzt so ein bisschen rauszoomt oder auf den Turniersport schaut, jetzt sind wir hier auf einer deutschen Meisterschaft in Balve, aber generell, es gab eine Studie vor wenigen Wochen, wo es darum ging, wie viel Prozent der Reiter wollen noch Turnier reiten. Man sieht tendenziell, es wird in Zukunft tendenziell zumindest weniger Turnier geritten. Leute, die das Reiten anfangen, haben es schwieriger, in den Sport reinzukommen. Es gibt Serien wie die Global Champions Tour, es gibt neue Serien, Premier League of Showjumping, die auch mit sehr viel Preisgeld neue Standorte, neue Serien aufbauen wollen. Und es wird ja immer viel, und es war hier im Podcast schon häufig bei uns Thema, wie das auseinanderdriftet, da wollen wir gar nicht zu tief reingehen. Das ist alles noch ein separates Thema, aber wie schauen wir? Hast du auf den Springsport gerade auch so aus der deutschen Sicht, der sich ja so krass auch internationalisiert hat, wenn man jetzt heute schaut, parallel zu den deutschen Meisterschaften, es gibt ein Turnier in Cannes, es gibt einen St. Gallen-Nationenpreis, es gibt einen Nationenpreis in Thessaloniki, in Griechenland, in Deauville, unglaublich viele Turniere. Ja, was macht man daraus?
[SPEAKER 2]
[00:28:44-00:28:54]
Genau, es hat sich unheimlich verschoben. Wie du schon gesagt hast, es gibt sehr viele Turniere für den Topsport. Es gibt jetzt, glaube ich, dieses Jahr über 105-Terne-Turniere.
[SPEAKER 1]
[00:28:54-00:28:55]
Genau, ein Rekord.
[SPEAKER 2]
[00:28:55-00:30:18]
Das ist Wahnsinn, weil das wird immer globaler, sowieso alles weltweit. Immer mehr Turniere auf höchstem Niveau. Aber ich glaube, die Basis, die bricht so ein bisschen weg, diese kleinen nationalen Turniere, weil die ganzen Kosten natürlich auch mehr werden. Da sehe ich das Problem so ein bisschen für die Zukunft, dass die Basis so ein bisschen wegbricht mit den kleinen Turnieren, um... Einfach jetzt mit den jungen Leuten so ein bisschen in Gang zu kriegen, dass sie überhaupt Chancen haben, Routinen und Erfahrungen zu sammeln. Und das ist ein Ungleichgewicht, was ich glaube ich durchaus problematisch sehe für die Zukunft. Weil wenn die Basis fehlt, wie sollen die jungen Leute ohne Basis Die können ja nicht direkt den Sprung aufs beste Niveau schaffen. Außer man hat einen gewissen Hintergrund, einen gewissen finanziellen Hintergrund, um sich dann die Pferde zu kaufen, die das dann... dementsprechend leichter machen den Schritt. Aber ich sage mal, für Junge Leute mit einem normalen Hintergrund, das ist unheimlich schwer, da irgendwie Fuß zu fassen. Deswegen ist es, das ist vielleicht übertrieben gesagt, aber gefühlt geht es fast nur noch mit einem guten finanziellen Hintergrund oder wenn man nämlich schon aus einer Reitsportfamilie kommt und dadurch schon
[SPEAKER 1]
[00:30:18-00:30:19]
Im Fuß in der Tür hat quasi.
[SPEAKER 2]
[00:30:19-00:30:36]
Genau. Das finde ich sehr schade. Aber ich weiß nicht, ob man das noch irgendwie aufhalten kann, diese ganze Veränderung. Aber das, wie gesagt, sehe ich als problematisch an.
[SPEAKER 1]
[00:30:36-00:30:59]
Weil du bist ja, als Typ wirkst du jetzt nicht so, als hättest du, und du hast ja eingangs beschrieben, was dir wichtig ist auch mit Pferden, als würdest du sagen, ich bin nächstes Wochenende in Shanghai, drauf das Wochenende in Miami, drauf das Wochenende in Mexico City und von da geht es dann weiter zum Turnier nach Paris. Das wäre zumindest meine Einschätzung so von außen, aber ist das irgendwann... Für dich eigentlich Pflichtprogramm, weil es wirtschaftlich anders nicht geht?
[SPEAKER 2]
[00:31:00-00:32:46]
Ich sage mal, wenn man in der Situation ist, viele verschiedene Pferde zu haben, die auf diesem Niveau irgendwie konkurrenzfähig sind, gehört das mit Sicherheit dazu, sich so global aufzustellen und eben auch dementsprechend zu den Turnieren zu fahren, die auch... Dann in den Fernost oder in Amerika sind, weil Natürlich durch die Dotierung der Prüfungen oder der Turniere ist es durchaus lukrativ, den weiten Weg zu gehen. Aber das geht ja nur, wenn du ein gewisses Portfolio an anderen Pferden hast. Das schaffst du nicht mit zwei, drei Pferden. Das muss auf mehrere Pferde verteilt werden. Dass jedes Pferd wieder seine Pausen bekommt zwischen den Turnieren. Und wie gesagt, wie vorher schon erwähnt, das sind die wenigsten Reiter, die irgendwie da auf dem Niveau, da musst du ja schon fast fünf, sechs, sieben Pferde haben, um das irgendwie auch über eine lange Zeit durchhalten zu können. Ich weiß ja auch nicht, ob das mal so gut ist, weil da musst du ja trotzdem auch wieder zu Hause die ganze Arbeit stimmen. Du bist ja sowieso dann viel unterwegs und da sind so viele Faktoren, die dann noch mit zusammenkommen. Es sind ja nicht nur diese zwei Minuten im Parcours. Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Das meiste passiert im Hintergrund und zu Hause. Und wie gesagt, das muss ja auch alles passen. Es funktioniert ja nicht, wenn du als Reiter ständig unterwegs bist auf den Turnieren und die Pferde zu Hause nur in der Füllmaschine gehen. Da musst du ja so ein gutes Team haben, dass dementsprechend die Pferde zu Hause geritten und trainiert werden, dass du quasi dann wieder kommst und mit den anderen Pferden die Woche drauf wieder zum Turnier fährst. Deswegen sind es viele Faktoren, die da mit zusammenkommen.
[SPEAKER 1]
[00:32:46-00:33:05]
Du wirkst als Person, als jemand, der sehr, sehr bei sich ist, der sehr konzentriert an die Themen, rangeht, der einen klaren Plan hat und glaube ich auch ziemlich genau weiß, was er will. Ist das Thema mentale Stärke etwas, mit dem du dich aktiv beschäftigst? Oder ist das so ein bisschen über die Zeit gekommen oder denkst du gar nicht drüber nach?
[SPEAKER 2]
[00:33:07-00:34:33]
Weiß ich nicht. Tatsächlich finde ich, dass das mentale Thema wichtig ist im Reitsport. Es geht nicht nur ums Reiten, sondern auch viel Kopfsache, glaube ich. Sich die richtigen Gedanken zu machen. Oft, wenn man nur als erstes Beispiel, wenn man im Parcours abgeht und denkt, oh, das ist aber ein schwieriger Sprung, da könnten wir einen Fehler kriegen. Tatsächlich habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass wir dann auch tatsächlich genau da einen Fehler hatten. Wo ich jetzt über die Jahre auch so ein bisschen die Erfahrung gemacht habe, wenn man von vornherein sich positiv an die Sache rangeht sowieso, aber sich die richtigen Gedanken macht. Und sich einfach nur auf seinen Plan, auf sein Pferd, auf sich konzentriert, als drüber nachzudenken, oh, was könnte jetzt alles schief gehen und jetzt sitzen hier so viele Leute, die alle zugucken und das wäre jetzt voll blöd, wenn irgendwas in die Hose geht. Mit solchen Gedanken beschäftige ich mich eigentlich gar nicht mehr. Ich versuche mich dann, wenn es im Parcours ist, nur auf mich und mein Pferd zu konzentrieren. Und das finde ich ein sehr wichtiger Aspekt, weil alles andere, wenn man sich zu viele negative Gedanken macht, dann zieht einen das, glaube ich, oder hält einen doch sehr zurück und dass man sich nicht so ganz... prüfen kann, was man vorher irgendwie zu Hause im Training alles gut geklappt hat und erarbeitet hat. Und wenn wir dann auf dem Turnier an dieser Komponente mit den richtigen Gedanken hapert, wäre ja schade.
[SPEAKER 1]
[00:34:33-00:34:43]
Hier bei uns im WeHouse Podcast gibt es die vier klassischen WeHouse Fragen. Die gibt es für jeden Podcast-Gast. Und Frage Nummer eins ist, hast du ein Motto, nach dem du lebst?
[SPEAKER 2]
[00:34:44-00:34:48]
Spaß haben und keine Ahnung.
[SPEAKER 1]
[00:34:50-00:34:51]
Man kann auch sagen, kein Motto.
[SPEAKER 2]
[00:34:54-00:35:05]
Ich hatte mal so ein, ich weiß ja auch nicht, ob das ein richtiges Motto ist, das war irgendwie nur so ein Spruch, aber Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht. Das war mir irgendwie so ein Stichwort oder so ein Motto.
[SPEAKER 1]
[00:35:05-00:35:13]
Das ist ja auch die mentale Stärke wieder. Also an sich glauben, bei sich bleiben, Plan haben und nicht von den äußeren Einflüssen runterziehen lassen. Die auch schon enorm sind.
[SPEAKER 2]
[00:35:13-00:35:14]
Könnte man das so sagen, ja.
[SPEAKER 1]
[00:35:14-00:35:20]
Dann Frage 2 ist, wer hat dich im Hinblick auf die Pferde besonders geprägt?
[SPEAKER 2]
[00:35:21-00:36:14]
Meine Eltern, ganz klar. Also durch die ging es ja sowieso irgendwie los. Den habe ich auch alles zu verdanken, wie weit wir schon gekommen sind. Und deswegen definitiv meine Eltern. Gerade in den Anfängen haben wir das alles noch, oder wenn ich von wir spreche, meine ich immer meinen Bruder und mich, das ist nämlich so eine Angewohnheit, unheimlich viel mit meiner Mutter gemacht, weil mein Vater zu der Zeit natürlich noch viel unterwegs war auf Turnieren. Und dann eben erst später. war ich dann eine Zeit lang oder auch ein paar Jahre oft mit meinem Vater auf den gleichen Turnieren, bis er dann den Turniersport so mehr oder weniger an den Nagel gegangen hat. Aber jetzt nach wie vor immer. Sowieso auch zwar im täglichen Training viel mit meinem Vater, aber auch was die ganze Analyse und so betrifft, auch viel mit meiner Mutter.
[SPEAKER 1]
[00:36:14-00:36:22]
Dann Frage Nummer drei. Wenn du Reitern bzw. Pferdemenschen eine Sache im Umgang mit ihren Pferden auf den Weg geben könntest, was wäre es?
[SPEAKER 2]
[00:36:23-00:36:31]
Ja, habt Spaß an den Pferden. In die Pferde hineinhorchen und gucken, ein Gefühl dafür zu kriegen, was die Pferde brauchen.
[SPEAKER 1]
[00:36:32-00:36:35]
Und dann zum Abschluss vervollständige bitte diesen Satz, Pferde sind für mich.
[SPEAKER 2]
[00:36:36-00:36:36]
Mein Leben.
[SPEAKER 1]
[00:36:37-00:36:49]
Danach kann nichts mehr kommen, glaube ich, lieber Gerrit. Vielen Dank für deine Zeit. Hast du sehr... Rausgeschnitten hier ein bisschen in Balve, mega cool. Und weiterhin viel Fortünen für alles, was kommt. Und wir drücken dir alle Daumen.
[SPEAKER 2]
[00:36:49-00:36:50]
Dankeschön, hat Spaß gemacht.
[SPEAKER 1]
[00:36:50-00:36:51]
Ciao.
[SPEAKER 2]
[00:36:51-00:36:51]
Ciao, ciao.
[SPEAKER 1]
[00:36:53-00:37:10]
Diese Folge wurde produziert von Olivia Herrmann. Wenn ihr Feedback habt, positives oder negatives, zum Beispiel die Spotify-Kommentare sind großartig dafür, aber auch an allen anderen Orten, wo ihr uns euer Feedback geben könnt. Wir lesen wirklich alles. Vielen Dank und bis zur nächsten Folge. Ciao.











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