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#163 Olympiasiegerin Julia Krajewski: Aus Rückschlägen stärker zurück kommen

Als erste Frau konnte Julia Krajewski im Jahr 2021 die Goldmedallie bei den Olympischen Spielen in der Einzelwertung der Vielseitigkeit erreiten. Außerdem fungiert sie in Warendorf auch als Bundestrainerin.

In dieser Folge des wehorse-Podcasts spricht Julia unter anderem über die Rückschläge, die sie in ihrer Laufbahn erlebt hat und wie sie mit ihnen umgegangen ist. Außerdem gibt sie einen Einblick in ihre Zeit in Tokyo bei den Olympischen Spielen 2021.

Podcast Transkript

Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.

[SPEAKER 1]
[00:00:00-00:00:09]
Heute zu Gast, Vielseitigkeits-Olympiasiegerin Julia Krajewski.

[SPEAKER 2]
[00:00:09-00:00:25]
Also das Team ist das Letzte, was einen, ich sag mal, verurteilt, wenn es nicht klappt. Und das eigene Umfeld natürlich auch nicht. Aber man macht sich den Druck vor allem selber. Aber es ist gerade bei Olympischen Spielen natürlich auch ein Riesendruck außenrum. Da geht’s los mit, da geht’s natürlich um Fördermittel. Jeder weiß, da wird alles entschieden.

[SPEAKER 3]
[00:00:25-00:00:30]
Herzlich willkommen beim Wehorse Podcast mit Christian Kröber.

[SPEAKER 1]
[00:00:31-00:02:15]
Im Jahre 2021 hat Julia Krajewski als erste Frau der Geschichte überhaupt eine Goldmedaille im Einzel- im Vielseitigkeitsreiten bei den Olympischen Spielen gewinnen können. Grund genug, sie einzuladen bei uns in den Podcast. Endlich hat es geklappt und ich habe sie dazu vor wenigen Tagen in Warendorf getroffen. Dort lebt sie, dort reitet sie und dort fungiert sie unter anderem auch als Bundestrainerin. Wir reden über ihr reiterliches Leben, über die schon vielen Rückschläge, die sie auch im Laufe ihrer Karriere erlitten hat, von denen sie sich nicht nur erholt hat, sondern von denen sie in Teilen auch deutlich stärker zurückgekommen ist. Die mentale Stärke also, die sie entwickelt hat, nicht nur in der Vielseitigkeitsreiterei. Dazu auch ein ganz besonderer Podcast, denn Der wird gesendet am Sonntag, der 22. Oktober und das ist ihr Geburtstag. Deswegen ein doppelter Grund zur Freude mit dem heutigen Podcast und ich würde sagen ohne große Vorrede geht’s los. Ein kurzer Hinweis vorweg noch für alle Wios Nutzer, denn Anfang November haben wir eine wirklich mega coole Live-Fragestunde wieder bei uns aus der Reihe Live-Events. Ingrid Klimke, Reitmeisterin Ingrid Klimke, stellt sich euren Fragen am 6.11. um 19.30 Uhr. Das Ganze ist bei uns auf der Plattform überschrieben mit nichts Geringerem als Lerne von einer Legende. Du fragst, Ingrid Klimke antwortet, wie gesagt am 6.11. um 19.30 Uhr exklusiv für alle WIOS Mitglieder. Genug der Vorrede, los geht’s mit dem Podcast mit Julia. Hallo Julia.

[SPEAKER 3]
[00:02:15-00:02:16]
Hi.

[SPEAKER 1]
[00:02:16-00:02:18]
Schön, dass du da bist bei uns im Podcast.

[SPEAKER 2]
[00:02:18-00:02:20]
Ja, schön, dass du hier bei uns in Warnow zu Besuch bist.

[SPEAKER 1]
[00:02:20-00:02:43]
Ja klar, natürlich. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat und wir wollen heute über dich sprechen, deine bisherige Karriere, die Pferde. Und nun ist es inzwischen ziemlich genau oder etwas mehr als zwei Jahre her, dass du Olympiasiegerin wurdest in Tokio. Wie fühlt es sich weiterhin an, wenn man sagt Olympiasiegerin Julia Krajewski?

[SPEAKER 2]
[00:02:45-00:02:49]
Ja, das ist schon immer noch so ein bisschen abgefahren.

[SPEAKER 3]
[00:02:49-00:02:51]
Im Grundsatz gehört man das natürlich sehr gerne.

[SPEAKER 2]
[00:02:51-00:03:10]
Es wird auch sehr gerne gesagt, natürlich, immer jedes Mal, wenn man in irgendeine Prüfung reinreitet. Manchmal denkt man, ja, okay, ich sitze auch auf einem richtig coolen Pferd gerade. Da kannst du mal richtig demonstrieren, warum du Olympiasieger bist. Manchmal sitzt du dann auf so einem vier- oder fünfjährigen ersten Mal Springenpferd da und denkst, das hättet ihr vielleicht kurz weglassen können.

[SPEAKER 1]
[00:03:11-00:03:16]
Ich reite jetzt nicht gerade in Badminton ein.

[SPEAKER 2]
[00:03:16-00:04:00]
Vielleicht kommen wir nicht mal bei Sprung 1. Es ist immer noch ein bisschen surreal. Also natürlich hat man sich so ein bisschen daran gewöhnt, dass das zu einem gehört und es macht manches einfacher, aber anderes auch gar nicht. Ich gucke mir immer noch die Videos aus der letzten Runde gerne an oder letztens habe ich mir das Gelände auch noch mal angeguckt, weil es mich immer noch mit Stolz erfüllt, das so hinbekommen zu haben und was die Stute da geleistet hat und das wirklich so Tag X, weil Olympische Spiele, das ist ja schon ein Traum. Also überhaupt, dass man da reiten darf und dass dann wirklich in so einer Woche alles so zusammenpasst, dass man am Ende gewinnt.

[SPEAKER 1]
[00:04:00-00:04:05]
Du strahlst bis heute ja, man spürt das ja förmlich.

[SPEAKER 3]
[00:04:05-00:04:06]
Schon richtig krass.

[SPEAKER 1]
[00:04:07-00:04:12]
Und setzt du dich dann einfach abends hin und guckst es auf YouTube nochmal an oder?

[SPEAKER 2]
[00:04:12-00:04:13]
Gucke ich alles auf dem Handy.

[SPEAKER 1]
[00:04:13-00:04:14]
Hast alles auf dem Handy.

[SPEAKER 2]
[00:04:14-00:04:27]
Ja manchmal, auch wenn man mal irgendwie so ein kleines Down hat oder sich nicht so sicher ist, wie es jetzt weitergeht gerade oder keine Ahnung, dann gucke ich mir das an und denke, das war ganz schön krass. Hat auch keiner mit gerechnet und dann freue ich mich.

[SPEAKER 3]
[00:04:27-00:04:31]
Oder ich bin auch manchmal immer noch sehr gerührt tatsächlich, weil das schon emotional war.

[SPEAKER 1]
[00:04:31-00:04:40]
Und was hat das mit dir gemacht, dieser riesige Erfolg, auch diese Medienöffentlichkeit, die dadurch natürlich logischerweise entstanden ist? Hat das dich verändert?

[SPEAKER 2]
[00:04:40-00:05:39]
Also so ein richtiger Promi bin ich irgendwie noch nicht geworden davon. Bin ich aber glaube ich auch nicht so der Typ für. Gut, man erlebt natürlich viel Positives. War sehr cool zu merken, wie viele Menschen das so mitbekommen haben und wie viel man da auch mitnimmt. Und auch viele die sagen, Mensch das hat mich total inspiriert deine Story und du hast nie aufgegeben und so weiter. Das ist natürlich richtig cool. Ansonsten glaube ich persönlich könnte man mehr aus so einem Medienrummel machen, aber das ist wirklich gar nicht so meine Lieblingsbeschäftigung. Ja, Reiten und ich bin, ja, also ich habe jetzt kein Problem damit, von Menschen zu sprechen, wenn ich dann muss, aber ich würde jetzt nicht sagen, ich bin ein geborener Star, deswegen strebe ich das jetzt nicht unbedingt an, da irgendwie dann mehr zu machen. Also ich sag mal, den kleinen Fame, den man dadurch vielleicht bekommt, zu vergrößern, was vielleicht gehen würde.

[SPEAKER 3]
[00:05:39-00:05:39]
Aber ich

[SPEAKER 2]
[00:05:40-00:05:59]
Ja, befass mich dann immer damit, was machen die Pferde als nächstes und wie viele kannst du am Tag reiten und wo fahren die aufs Turnier und kannst du auch einen kaufen oder verkaufen und das ist so dieses alltägliche ist mehr mein Ding als mich mit den Medien zu beschäftigen, muss ich manchmal leider sagen.

[SPEAKER 1]
[00:05:59-00:06:02]
Hast du das bewusst für dich entschieden oder ist das einfach automatisch gekommen?

[SPEAKER 2]
[00:06:06-00:06:13]
Ich glaube, es ist eher so automatisch gekommen. Sonst wäre ich vielleicht auch Influencer, aber ich glaube, das liegt mir einfach nicht.

[SPEAKER 1]
[00:06:13-00:06:15]
Kann ja vielleicht noch werden.

[SPEAKER 3]
[00:06:15-00:06:16]
Weiß ich nicht.

[SPEAKER 2]
[00:06:16-00:06:48]
Also es fällt mir einfach leichter, mich mit meinen Pferden zu beschäftigen. mir darüber auch den Kopf zu zerbrechen, als mich mit ja zum Beispiel Social Media oder Instagram zu befassen. Manchmal habe ich da Bock drauf, dann habe ich so eine Phase, dann bin ich auch kreativ und manchmal einfach keine Lust drauf und dann mache ich da mal ein paar Wochen nichts und das verträgt sich glaube ich nicht so gut, wenn man das beruflich macht oder damit Geld verdient.

[SPEAKER 1]
[00:06:48-00:08:06]
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[SPEAKER 2]
[00:08:06-00:08:19]
Man muss ja sagen, dass das, also ich hab eigentlich bis kurz vorher nicht mal unbedingt damit geplant, dass das Richtung Tokio geht. Ursprünglich, ich sag mal ein Jahr vorher hatte ich Samurai Duto noch, also den gibt es immer noch.

[SPEAKER 1]
[00:08:19-00:08:21]
Dein langjähriges Erfolgsfeld, was dann in Rente gegangen ist?

[SPEAKER 2]
[00:08:22-00:09:55]
war dann qualifiziert und gut in Gang und dann, er war eigentlich so die Nummer eins dafür und dann ist er sehr schwer krank geworden, so dass ich dann mit Mandy sagte, na okay, wir qualifizieren uns mal. Das hat mit ihr auch ein paar Anläufe gebraucht, bis dieses Ergebnis dann da war. Man braucht ja immer ein Mindestergebnis, um überhaupt nominiert werden zu können. Und dann war aber eher so, ja, beim gleichen Jahr Europameisterschaft auch in Avange, halt später im Jahr, da dachte ich mir, das wäre ja ein gutes Ziel. Und dann hatte sie aber diese Quali gewonnen und dann waren wir auf der Deutschen Meisterschaft Dritter und die war auch echt gut im Gang. Das war aber eigentlich das erste Jahr, wo ich gesagt habe, jetzt hast du langsam alles bei ihr voneinander. Ich habe immer gesagt, das ist ein super, super gutes Pferd, der hat alle Möglichkeiten. wenn ich irgendwann alles so richtig voreinander habe. Sie war eigentlich immer ein bisschen zu doll und dann ist sie vielleicht manchmal zu doll gesprungen und hat dadurch einen Fehler gehabt oder im Gelände habe ich zu lange zum Bremsen gebraucht. Da fehlten immer noch so Puzzlestücke und in dem Jahr kam das langsam richtig zusammen. Und dann war aber die Tatsache, dass ich tatsächlich mit nach Tokio fahren durfte und auch unter den Top 3, die reiten durften, war eher ein bisschen überraschend und ich bin da eigentlich eher frei rangegangen. Also ich habe danach Adressur gedacht, da war ich glaube ich Vierter, was mich auch positiv überrascht hat, weil Da waren so ein paar andere, die, ich sag mal, ein bisschen unter der Erwartung performt haben. Da hab ich gesagt, wenn du das nach Hause reitest, dann gewinnst du eine Medaille. Aber das muss man natürlich auch erstmal.

[SPEAKER 1]
[00:09:55-00:09:58]
Und dann… Ist ja auch ein Pressure, der dadurch entsteht.

[SPEAKER 2]
[00:09:58-00:10:05]
Den hat man ja irgendwie meistens. Auf einem Championat hat man viel mehr Druck, als auf einem Championat kann man gar nicht haben.

[SPEAKER 1]
[00:10:05-00:10:10]
Kommt der von einem selber, kommt der vom Team, kommt der von der grundsätzlichen Erwartungshaltung für Deutschland zu reiten?

[SPEAKER 2]
[00:10:11-00:10:55]
Den macht man sich natürlich selber. Das Team insofern eigentlich nur, weil man natürlich für das Team gut und vor allem nicht schlecht sein möchte. Aber das Team ist das Letzte, was einen verurteilt, wenn es nicht klappt und das eigene Umfeld natürlich auch nicht. Man macht sich den Druck vor allem selber, aber es ist gerade bei Olympischen Spielen natürlich auch ein Riesendruck außenrum da. Da geht es los, da geht es natürlich um Fördermittel. Jeder weiß, da wird alles entschieden. Dann ist da tatsächlich eine große Öffentlichkeit, die ein Interesse daran hat. Da weiß man genau, der eine Teil, der will wirklich, dass es gut ist, der andere wartet eigentlich nur darauf, dass es schief geht. Das war bei mir vielleicht auch so ein bisschen der Punkt, weil es die Male davor auf dem Championat nicht geklappt hat.

[SPEAKER 1]
[00:10:55-00:10:58]
Weil du auch eine gewisse Historie hast dazu, können wir gleich noch drüber sprechen.

[SPEAKER 2]
[00:10:58-00:11:37]
Genau, weiß ich auch, dass da welche der Meinung waren, das wird ja wieder doch nichts, sie kann ja nicht Championat reiten und deswegen will man es natürlich irgendwie sich und damit dann dem Rest beweisen, aber am Ende macht man es irgendwie für sich. Wenn es nicht klappt auf dem Championat, ist es auch am Ende kein Weltuntergang, aber für den Moment ist es für einen selber natürlich das Wichtigste. Und naja, nun hat sich das dann in Tokio so ergeben, dass wir da waren und Manny auch, ich glaube, zur richtigen Zeit nochmal eine Schippe draufgelegt hat. Aber es hat nicht der große Plan gewesen, würde ich sagen.

[SPEAKER 1]
[00:11:37-00:11:46]
Also dann am Ende auch eine Fügung in den situativen Momenten, dass du gemerkt hast, okay, hier geht was nach der Dressur und dann baut sich so eins nach dem anderen auf.

[SPEAKER 2]
[00:11:46-00:12:07]
Ja und dann ist es ja bei uns, dann darf man einfach auch keine Fehler mehr machen. Das hilft auf jeden Fall. Aber man hat es dann quasi selbst in der Hand. Nur auch zum Beispiel mit der Erkrankung von Sam. Ich weiß nicht, ob ich mit Sam auch Gold gewonnen hätte. Also dass das so alles gekommen ist.

[SPEAKER 1]
[00:12:07-00:12:08]
Samurai Ditto meinst du damit?

[SPEAKER 2]
[00:12:09-00:12:25]
Irgendwie sollte es dann vielleicht auch so sein. Ich weiß es nicht. Er ist jetzt übrigens sehr süß unterwegs als Umsteigerpferd. Weil er ist ja nicht so groß. Und steht bei einer Freundin von mir. Und alles was so über 14 ist, da ist er sehr frech.

[SPEAKER 3]
[00:12:25-00:12:27]
Aber wenn die Kinder kleiner sind, dann ist er total lieb.

[SPEAKER 2]
[00:12:27-00:12:29]
Das ist eigentlich ganz witzig.

[SPEAKER 1]
[00:12:29-00:12:41]
Aber ist ja auch toll, dass jetzt ein so verdientes Pferd, das mit dir so viel erreicht hat, ihr habt so eine gemeinsame Geschichte geschrieben, jetzt noch quasi Kindern hilft beim Umstieg aufs Großpferd.

[SPEAKER 3]
[00:12:41-00:12:41]
Ja, total.

[SPEAKER 2]
[00:12:41-00:13:16]
Der wollte immer was machen und dem, ich sag mal, dem tut jetzt auch nichts weh, dem fehlt halt das Auge, was auch ihn jetzt grundsätzlich nicht davon abhalten würde, vielleicht auch noch Sport zu machen, aber für ihn schien mir das nicht passend und die Infektion, die er hatte, war auch sehr langwierig und mühsam und da war dann für mich schnell klar, dass das sportlich auf jeden Fall die Rente sein wird. Aber der war immer motiviert und ist auch heute immer noch motiviert und will was machen, das merkt man. Der ist richtig gut zufrieden, wenn er dann da irgendwie einen Auftrag hat und dann springen die ein bisschen und dann reiten die Wechsel mit dem und so. Der war immer sehr leichtrittig und das ist sehr schön zu sehen.

[SPEAKER 1]
[00:13:16-00:13:17]
Was verbindest du mit diesem Pferd?

[SPEAKER 2]
[00:13:18-00:13:43]
Ja, viel hoch und runter auch, aber auch ganz viel, ja, so, der hat mir auch so ein bisschen gezeigt, was Kampfgeist ist, hat er selber, aber auch, dass es auf Kleinigkeiten ankommt, wirklich auf Kleinigkeiten, weil wenn bei ihm irgendwas nicht ganz stimmte, dann war er von 100 Prozent auch schnell zu Null. Ich glaube, wenn man seinen Rekord anguckt, der war meistens Top 5 oder

[SPEAKER 3]
[00:13:44-00:13:46]
schlecht.

[SPEAKER 2]
[00:13:46-00:14:06]
Schlecht sehr selten, aber wenn dann meistens leider irgendwie Aachen oder Championat, also medienwirksam schlecht. Und der war, wie gesagt, entweder war das, war der so gut, der dann irgendwie mit dem Resultat beendet und ganz viel gewonnen, hat mal sechs Prüfungen am Stück, glaube ich, gewonnen und easy gewonnen.

[SPEAKER 3]
[00:14:07-00:14:09]
oder halt irgendwas passte nicht.

[SPEAKER 2]
[00:14:09-00:14:32]
Also vom Management war das nicht immer ganz einfach. Er war auch eher ein kleines Pferd, ein sehr waches Pferd. Also da musste man sehr darauf aufpassen, dass er sich mit sich und seinem Umfeld wohl fühlt. Da habe ich sehr viel gelernt auch mit ihm, von ihm. Und er hat mir natürlich tolle Erfolge geschenkt und ganz viel ermöglicht, aber mich auch immer wieder auf den Boden der Tatsache zurückgeholt, würde ich sagen.

[SPEAKER 1]
[00:14:32-00:14:51]
Du hast die Reiterei angefangen mit Dartmoor und Connemara Ponys, deine Familie. Ihr habt einen Resthof gekauft, der wurde umgewidmet auf Pferdehaltung und das waren quasi deine reiterlichen Anfangsjahre. Wie bist du so in die Reiterei reingerutscht? Beschreib mal.

[SPEAKER 2]
[00:14:52-00:15:03]
Ja, ganz am Anfang war das ganz einfach. Die Firma von meinem Vater damals ist umgezogen und meine Mutter hat dann beschlossen, okay, wir brauchen irgendein Hobby.

[SPEAKER 3]
[00:15:03-00:15:04]
Die Kinder müssen was zu tun haben.

[SPEAKER 1]
[00:15:04-00:15:06]
Du kommst aus der Nähe Hannovers ursprünglich.

[SPEAKER 2]
[00:15:06-00:15:54]
Genau, ursprünglich Hannover und dann ins Emsland umgezogen und dann gesagt, dann werden das jetzt Pferde. Irgendwas müssen wir machen den ganzen Tag. Und vorher hatten wir, glaube ich, zwei Ponys, die standen irgendwo am Rand von Hannover. Aber da war jetzt, ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich die geritten habe. Wahrscheinlich, irgendwie weiß ich nicht, aber nicht so viel intensiv. Und dann wurde das zunehmend mehr. Dann hatten wir so ein paar Bekannte, die auch aus dem Pferdesport kamen oder aus der Vielseitigkeit. Und dann hatte ich Meine erste Vielseitigkeit bin ich mit einem Kondomara Pony geritten, ich glaube 1996. Da wollten die mich aber nicht ins Gelände lassen, weil die im Springen schon so faul war und ich glaube, die hatten auch Springfehler. Heutzutage wahrscheinlich hätte ich auch zu viele Fehler gehabt, um noch weiter zu dürfen.

[SPEAKER 3]
[00:15:55-00:15:58]
Bin aber trotzdem losgeritten, hab’s auch geschafft.

[SPEAKER 2]
[00:15:58-00:16:30]
Und dann wurde irgendwie beschlossen, man braucht jetzt einen Pony, aber da waren jetzt auch nicht die großen finanziellen Möglichkeiten. Also haben wir einen, ich glaube, vierjährigen Pony-Hengst gekauft. Das war sehr wild und der erste Winter war auch wirklich abenteuerlich. Aber irgendwie haben wir uns zusammengerauft und dann Bundeschampionat geritten und Euro und so weiter. Und der sollte eigentlich ein Dressurpony werden. Aber bis zum Schluss war die Dressur mit Cyrano nicht so die Stärke, sag ich mal.

[SPEAKER 3]
[00:16:30-00:16:31]
Aber Gelände ging.

[SPEAKER 2]
[00:16:31-00:16:37]
Erst Wasser nicht, aber dann sind wir mal schwimmen gefahren mit den Ponys und danach war auch Wasser kein Problem mehr.

[SPEAKER 1]
[00:16:37-00:16:39]
Aber durch die Ems geschwommen im Emsland.

[SPEAKER 2]
[00:16:39-00:17:51]
Ja, es war so ein Wald und da hieß es irgendwie drei Teiche und da war sowieso Schwimmung gegangen. Man muss ja mal eine Lösung finden, das war damals schon so. Und dann haben wir, ich weiß noch, da war ich bei so einem Auswahllehrgang und eigentlich hat nicht so viel funktioniert, der konnte auch noch nicht auf dem Zirkel galoppieren und das war alles sehr wild, aber der damalige Landestrainer Jochen Koiter, der hat mich ungefähr viermal gefragt, ob das Pony wirklich erst vier ist. gesagt ja ja und du bist auch wirklich erst wie alt war ich da neun oder sowas ja vielleicht oder zehn neun ich glaube neun naja okay ja dann kommt mal zum lehrgang weil er sich wohl dachte naja okay das Pony kann nichts sie kann nichts aber wird schon werden und dann ja von da aus dann wenn man so da erst mal drin ist geht der weg ja irgendwie weiter also dann wurde irgendwann musste das Pony dann verkauft werden um ein Pferd zu kaufen da habe ich dann früh gelernt dass Naja, also ohne die Mittel wird das nix. Und das war dann für mich aber auch in Ordnung, weil ich wusste, dem geht’s gut, wo er hinkommt. Nur war auch klar, ohne dass das Pony verkauft wird, können wir dir kein Pferd kaufen.

[SPEAKER 3]
[00:17:51-00:17:52]
Ja, okay.

[SPEAKER 2]
[00:17:52-00:17:57]
Und dann ging das so weiter. Und irgendwann bin ich dann nach Warndorf gerufen worden.

[SPEAKER 1]
[00:17:59-00:18:02]
War das für dich immer klar, dass du Profi-Reiterin werden willst?

[SPEAKER 3]
[00:18:02-00:18:03]
Nee, gar nicht.

[SPEAKER 2]
[00:18:03-00:18:11]
Wollte ich auch überhaupt nicht. Das war auch eine ganze Weile Diskussion zu Hause, ob ich denn dann nun nach der Schule nach Warndorf gehe.

[SPEAKER 1]
[00:18:11-00:18:13]
2007, glaube ich, bist du nach Warndorf gekommen.

[SPEAKER 3]
[00:18:13-00:18:14]
Genau, nach dem Abi.

[SPEAKER 2]
[00:18:14-00:18:26]
Oder ob ich was anderes mache. Aber die Frage war dann, was willst du denn sonst machen? Und ich hatte nicht so richtig einen Plan. Und dann hieß es, naja, dann kannst du auch erst mal nach Warndorf gehen und kannst dann ja immer noch mal was anderes machen.

[SPEAKER 3]
[00:18:26-00:18:34]
Und naja, das ist jetzt 16 Jahre her. Also es wurde nichts anderes raus.

[SPEAKER 2]
[00:18:34-00:18:55]
Aber ich habe lange Zeit, also ich habe mich selbstständig gemacht vor drei Jahren, mit Corona mehr oder weniger. Und war da lange Zeit, hatte ich da auch nicht so den Mumm zu, zu sagen, okay, ich will wirklich jetzt Profi sein und damit mein Geld verdienen. Und selbstständig finde ich auch immer noch. Manchmal finde ich es cool, manchmal finde ich es auch anstrengend.

[SPEAKER 1]
[00:18:55-00:18:59]
Was sind so die Anstrengungen, was ist das Mühsal der Selbstständigkeit für dich?

[SPEAKER 3]
[00:18:59-00:19:01]
Naja, krank sein gibt es nicht.

[SPEAKER 2]
[00:19:01-00:19:02]
Oder es interessiert keinen.

[SPEAKER 3]
[00:19:02-00:19:04]
Ich sage mir, ich kann mich krank melden.

[SPEAKER 1]
[00:19:04-00:19:06]
Selbstunständig, wie man so schön sagt.

[SPEAKER 2]
[00:19:06-00:19:10]
Kannst du machen, kannst du lassen. Und man hat natürlich alles selber in der Hand.

[SPEAKER 3]
[00:19:10-00:19:13]
Also das geht schon los.

[SPEAKER 2]
[00:19:13-00:20:25]
Man merkt schnell, wenn man keine Rechnung schreibt, dann kommt auch kein Geld. Und wenn man nicht arbeitet oder ausfällt, dann wird das auch schwierig. Klar gibt es Versicherungen, wenn das längerfristig ist. Aber ich glaube, die Grundregel ist immer erst mal für vier Wochen muss man auf jeden Fall mal zurechtkommen. Man ist natürlich viel freier in den Entscheidungen, die man so treffen kann. Aber so ein Angestelltenverhältnis hat natürlich auch was Sicheres und Solides. Krankenversicherung und so weiter. Das finde ich sehr anstrengend, die ganze Thematik Versicherung. Man kann ja auch für alles eine Versicherung haben und man braucht sie sowieso nie. und dann braucht man eine und genau die hat man nicht oder sie greift nicht in dem Fall. Aber da war ich lange, ich habe eine Ausbildung zum Pferdewirt gemacht, dann war ich bei der Bundeswehr hier Sportfördergruppe, dann habe ich meinen Meister gemacht, dann war ich vier Jahre als Trainee, quasi Nachwuchsführungskraft reiten bei der FN. Ich habe einen halben Tag im Büro gearbeitet, einen halben Tag geritten. Es war auch ganz spannend mal so zu sehen, wie das in einem Büro Ja, nicht nur in einem Büro.

[SPEAKER 3]
[00:20:25-00:20:27]
In einem Verband.

[SPEAKER 2]
[00:20:27-00:21:07]
Genau, in einem Verband. So alles läuft. Dann war ich, ich glaube, tatsächlich vier Jahre festangestellt als Bundestrainer. Hatte auch in der Zeit nicht so viele Pferde. Und dann habe ich aber gesagt, ich hatte das Gefühl, das stagniert an irgendeiner Stelle, weil So ein angestellter Job ist ja irgendwie auch endlich, aber es sind trotzdem in der Summe ja acht Stunden am Tag. Also manchmal sind es halt 14 oder 16 oder 20 und an anderen Tagen weniger, aber im Schnitt sollte es das werden. Und zum Reiten hast du aber auch nicht so richtig genug Zeit. Und jetzt mache ich einfach immer noch den Trainerjob, aber habe dabei noch mehr Pferde.

[SPEAKER 1]
[00:21:09-00:21:33]
Ist für dich so ein ganz großer Erfolg? Ist das für dich nur ein Meilenstein? Ist das das Ergebnis? Wir haben hier schon so viele namhafte Reiter gehabt und das ist immer ganz spannend zu beobachten, finde ich. Für die einen ist das oder für die meisten ist eigentlich der Erfolg relativ in Anführungsstrichen irrelevant, sondern nur das Nebenprodukt des guten Arbeitens mit Pferden. Ist das bei dir genauso?

[SPEAKER 2]
[00:21:33-00:22:41]
Ja, würde ich schon sagen. Klar ist es cool, wenn man was gewinnt, aber ich habe so das Gefühl, es ist deswegen cool, wenn man merkt, du hast aber alles richtig gemacht. Zumindest an der Stelle bis dahin. Der Plan ist aufgegangen, dein Training war gut, du hast das Richtige in dem Pferd gesehen, du hattest an dem Wochenende das richtige Gefühl für irgendwas. Selten fährt man ja los, also jetzt zumindest ich nicht, und sagt, okay, das will ich jetzt gewinnen. Klappt das irgendwie meistens doch nicht, sondern so, ja, mehr der Weg ist das Ziel und es ist das Ergebnis. Und also ich persönlich gewinne gerne, aber ich mag gar nicht unbedingt so gern den Rummel da drum herum. Also ich gewinne gern so für mich. das Pferd und so das Umfeld und dann freue ich mich da auch sehr drüber, weil ich finde Montags sitzt sie ja auf dem ersten Pferd um sieben wieder und dann geht es irgendwie weiter, weil so das ist dann ja nicht die Endstation. Gar nicht unbedingt, weil ich sage, jetzt willst du noch mehr gewinnen, aber weil es so ein großes Ganz ist. Es sind dann noch mehr Pferde im Stall, die wollen auch Für die geht der Weg auch weiter.

[SPEAKER 1]
[00:22:41-00:22:43]
Das abdreht sich immer weiter.

[SPEAKER 2]
[00:22:43-00:22:60]
Ja, das ist vielleicht manchmal auch schlecht, weil man auch das dann ja genießen soll, wenn man gut ist. Aber andersrum sorgt es, glaube ich, auch immer dafür, dass man einfach nicht stagniert, sondern dass man Willen hat, weiterzumachen, an sich zu arbeiten.

[SPEAKER 3]
[00:22:60-00:23:01]
Irgendwie noch so ein Tüftler.

[SPEAKER 2]
[00:23:01-00:24:00]
Also bis ich für irgendwas nicht die Lösung gefunden habe, höre ich da auch nicht auf. Mit einem Pferd, wenn da irgendwas schwierig ist. Ich gehe zwar nicht los und sage, das nächste Mal will ich jetzt aber nochmal gewinnen oder sowas. Da würde ich schon sagen, das war schon echt ein krasses Ding, aber das war in dem Sinne jetzt nicht geplant. Aber das war schon, also ein Olympisches Spiel zu gewinnen, schon echt sehr, sehr cool. Aber manchmal gewinnt man ja auch mal nicht so viel oder man ist sehr glücklich, weil ein Pferd Fünfter war oder irgendwas das erste Mal gut hinbekommen hat. Das hat jetzt natürlich nicht so ein Echo wie olympische Spiele, aber manchmal freut man sich mehr über Platz 5 als über einen Sieg, weil das eigentlich besser war für das Pferd oder für den Moment.

[SPEAKER 3]
[00:24:00-00:24:01]
So ist es zumindest bei mir.

[SPEAKER 1]
[00:24:01-00:24:24]
Wie feierst du Erfolge denn? Also gibt es diese Momente wirklich des Innehaltens und hey wow, das ist schon was besonderes, was ich jetzt erreicht habe, weil wie du ja sagst, am Ende Montagmorgen um 8 Uhr sitzt du wieder auf dem Pferd oder vielleicht sogar noch früher. Manchmal sogar schon um 7 genau, je nachdem wann du zurück bist. Theoretisch geht es ja immer weiter. Gibt’s diese Momente des Innehaltens bei dir?

[SPEAKER 2]
[00:24:24-00:25:01]
Gibt’s auch. Kommt immer ein bisschen drauf an und auch so ein bisschen auf dem Turnier, auf die Situation, welche Besitzer vielleicht dabei sind, ist da dann, manchmal ist es auch gar nicht die Zeit, sondern dann willst du eigentlich nur los, weil du weißt genau, wir fahren jetzt noch acht Stunden zurück und wenn wir jetzt nicht zügig losfahren, dann sind wir nachts um drei zu Hause und dann ist auch alles mühsam. Aber gibt’s auch und wird auch dann mal gefeiert. Eher so im kleinen Rahmen. Wobei ich hab letzten Winter einmal eine wirklich große Party geschmissen. Für Tokio und Fratoni. Auch mit ein paar hundert Leuten dann.

[SPEAKER 3]
[00:25:01-00:25:08]
Und das war auch sehr, sehr cool. Aber das muss ich erstmal wieder was Größeres gewinnen, dann kann ich es auch wieder leisten.

[SPEAKER 1]
[00:25:08-00:25:10]
Du musst dir ein bisschen was aufbauen, bis es wieder eine Party gibt hier.

[SPEAKER 2]
[00:25:11-00:25:13]
Ja, gibt ja Leute, die machen wegen allem eine Party.

[SPEAKER 3]
[00:25:13-00:25:15]
Das ist nicht so mein Ding.

[SPEAKER 2]
[00:25:15-00:25:21]
Bei mir sowieso, wenn dann richtig. Und deswegen hab ich gesagt, wenn Olympiasieger, Weltmeister, dann auch einmal richtig.

[SPEAKER 3]
[00:25:21-00:25:30]
Das hat auch ganz gut gescheppert da auf der Party. War echt, war sehr, sehr cool. Aber jetzt, dann würde ich wieder ein bisschen warten, bis ich das nächste Mal so eine Party spiele.

[SPEAKER 1]
[00:25:30-00:25:33]
Okay, also es müssen ein paar Titel gesammelt werden, bis es wieder losgeht.

[SPEAKER 3]
[00:25:33-00:25:34]
Genau, genau.

[SPEAKER 1]
[00:25:34-00:26:07]
Nun hast du in deiner Karriere ja auch Höhen und Tiefen erlebt. Ja. Du hast immer wieder Rückschläge auch einstecken müssen und du hast ja eben schon gesagt, dein Debüt bei den Olympischen Spielen 2016 war, glaube ich, einer dieser Rückschläge. Du bist damals eingesprungen für Andreas Horstholt, sein Pferd ist damals ausgefallen, du bist nachgerückt und du bist dann im Gelände ausgeschieden. Wie bist du mit diesem Rückschlag, als du das allererste Mal auf der Olympischen Bühne unterwegs warst, umgegangen?

[SPEAKER 2]
[00:26:08-00:26:21]
Das war eine echt surreale Situation insgesamt, weil es war erst Reserve und irgendwie waren die auch so alle der Meinung, als Reserve wäre das genau passend für mich.

[SPEAKER 1]
[00:26:21-00:26:23]
Und dann war das… Hattest du das Gefühl, nicht damals?

[SPEAKER 2]
[00:26:24-00:26:49]
Doch, also ich hatte gar nicht, also für mich, ich hatte mich jetzt auch nicht unbedingt da gesehen. Das war nicht, ähnlich wie eigentlich letztes Mal, war jetzt nicht das große Ziel, Olympische Spiele in dem Jahr, aber ich hatte die, ich war Dritter in der Vierstern, jetzt Fünfstern in der Mühlen und das Feld ging sehr gut. Dann haben wir gesagt, okay, ja, für Reserve, passt, okay, cool, geil, dann machen wir jetzt Olympische Spiele. Reserve kommt mir gerade recht, ist auch nicht so stressig.

[SPEAKER 1]
[00:26:50-00:26:53]
Ich mache mir ein paar schöne Wochen in Rio.

[SPEAKER 2]
[00:26:53-00:28:13]
Und erlebst olympische Spiele. Und dann habe ich natürlich trotzdem… Versuchst du dich vorzuhalten und alles, das hatte man dann schon im Griff. Aber es war jetzt nicht so, dass ich hingefahren bin und dachte, du reitest jetzt olympische Spiele. Weil ich war ja nun mal Reserve und damals konnte man das auch nicht im Wettkampf einwechseln, sondern entweder du bist halt geritten oder nicht geritten. Und dann bin ich relativ kurz nach Ankunft, ging es dann so rum, ja wechseln oder nicht oder hin oder her und dann war das auch etwas, würde man sagen, Vor einer Pressearbeit mittelgut geregelte Situation, weil dann irgendwie verschiedene Aussagen und ich glaube sie hatten es uns dann gerade mitgeteilt und dann mussten wir in ein Pressegespräch. Man denkt das ist natürlich top. Also alle verwirrt, mindestens einer sehr enttäuscht und dann jetzt gehen wir alle zur Presse. Sodass das nicht so gut anfing. Dazu kam dann aber, dass ich da eigentlich nirgendswo Internet hatte, außer in einem bestimmten Bereich. Also man hat auch nicht so viel mitgekriegt von drumherum. Und überhaupt nicht habe ich mitbekommen. Ganz lang, also bis ich dann irgendwann der Rest des mitbekommen hatte. Und dann hat mir jemand gesagt, mach mal dein Facebook besser nicht auf. Seitdem ist es bei mir auf der letzten Seite vom iPhone und ist auch immer noch.

[SPEAKER 1]
[00:28:14-00:28:17]
Habe ich nie wieder nach vorne geholt.

[SPEAKER 3]
[00:28:17-00:28:19]
Bevor es losging. Mit dem Gelände.

[SPEAKER 2]
[00:28:19-00:28:28]
Gut, da bin ich zu geritten. Das war irgendwie okay und war ja nichts Dramatisches. Und dann bin ich im Gelände ausgeschieden. Ich war eh schon enttäuscht.

[SPEAKER 3]
[00:28:28-00:28:30]
Gut, dann ein bisschen Presse.

[SPEAKER 2]
[00:28:30-00:29:16]
Das ist ja beim Championat. Muss man ja vor die Presse treten. Aber das kriegt man auch hin. Und dann war aber irgendwann dieses Durchlass mit dem Kommentar. Und das war ja das krasse daran. Ja, ich bin ausgeschieden. Aber wenn das nicht diesen Hype gegeben hätte mit der Kommentierung, die da schief gegangen war, wäre das, glaube ich, gar nicht so ein Ding geworden. Weil wir haben am Ende Team Silber gewonnen. Aber dafür bin ich ja quasi berühmt geworden und das hat sich ja jahrelang noch so weitergezogen. Und ich habe aber in dem Moment gar nicht gewusst, dass das passiert ist. Ich war ja nur in Rio und bin geritten und habe nicht in Deutschland vor dem Fernseher gesessen. Und dann kriegte man das so irgendwie erzählt. Da ist irgendwie was schief gelaufen. Wie gesagt, mach mal dein Facebook nicht an.

[SPEAKER 3]
[00:29:16-00:29:20]
Das war ja sehr strange.

[SPEAKER 2]
[00:29:20-00:29:22]
Aber geht dann auch irgendwie wieder vorbei.

[SPEAKER 1]
[00:29:22-00:29:57]
Vielleicht so zum Hintergrund für euch, die zuhören. Karsten Soßmeier, der das über die ARD kommentiert hat, dem ist da ein bisschen hier und da falsch abgebogen, kann man sagen. Im Übrigen, Karsten war hier auch schon im Podcast, wir haben auch über die Situation gesprochen und ich glaube, dass da ein Zwischenerkenntnisprozess war sozusagen. Das hat natürlich nochmal dich total in den Fokus gerückt damals, weil du halt auch so eingerahmt wurdest in dem Moment.

[SPEAKER 3]
[00:29:57-00:29:58]
Ja, so deswegen glaube ich.

[SPEAKER 2]
[00:29:58-00:30:57]
Also es gab andere Nationen, da ist auch einer ausgeschieden, der hat sich darüber geärgert, aber es war halt nicht so ein Thema. Also es passiert dann auch mal und die haben trotzdem, ich glaube die hatten, das war hier Australien, die haben dann Bronze gewonnen. Wir standen dann so auf dem Podium und dachten, naja, okay, danke an die anderen, haben wir jetzt auch beide eine Medaille. Das war der Shane Rose damals, für die Australia, wo man sagt, okay, so in einem Team ist auch gemeinsam. Aus dem Team raus war das auch gar nicht so ein Thema, aber es wurde ja ein Riesenthema gemacht daraus. Mehr von Deutschland her, aufgrund dieser Kommentierung und so weiter, als ich glaube, aufgrund der Tatsache, dass ich da nicht gut war. Aber gut, diese Medaille war erst etwas komisch, weil man natürlich nicht so das Gefühl hat, dass man die aktiv gewonnen hat. Aber am Ende hat sie glaube ich dazu geführt, dass ich das wieder wollte und dann aber richtig und beweisen, dass ich es kann, mir selber auch.

[SPEAKER 1]
[00:30:57-00:30:59]
Hat eher so ein Trotzgefühl dann ausgelöst?

[SPEAKER 3]
[00:31:02-00:31:03]
Ja, ein bisschen.

[SPEAKER 2]
[00:31:03-00:31:34]
Also so über die Jahre dann jetzt nicht so, dass ich sage, ich will jetzt für Rio wieder Wettmachen oder so, aber jeder, mit dem man spricht, sagt, das erste Mal Olympische Spiele, das erlebst du gar nicht richtig. Da bist du völlig geflasht und es geht ja los mit, was man alles organisieren muss und Akkreditierung und das, das und das und Olympisches Dorf und so. Und deswegen war es für das zweite Mal auf jeden Fall gut, dass ich schon mal das alles erlebt habe. Und ich sage mal, wenn man so eine Presse einmal hinter sich hat, dann kann einem auch so schnell nichts mehr schocken.

[SPEAKER 3]
[00:31:34-00:31:38]
Also das Schlimmste war ja schon vorbereitet.

[SPEAKER 2]
[00:31:38-00:32:33]
Von daher bin ich seitdem ein bisschen entspannter, wenn ich weiß, was passieren kann und ich weiß, was schlechte Presse heißt und ich kann glaube ich, die meisten Fragen gut beantworten und da bringt mich so schnell nichts aus der Fassung, was einem natürlich absolut Sicherheit gibt. Aber natürlich muss man dann hier und da sich sicherlich noch mal einmal mehr beweisen und ich weiß, dass da auch genug gezweifelt wurde, ob ich das denn nun kann oder nicht und ob man mich dann noch mal zum Championat schicken könnte oder nicht. Aber irgendwie habe ich mich dann auch immer wieder berappelt. Meistens, wenn es schwierig ist, gehe ich reiten und mache mir wieder einen neuen Plan, neue Ziele und dann geht es auch weiter und dann gibt es auch ein neues Thema und dann hat man irgendwie wieder eine Prüfung gewonnen oder irgendwas hat einem Spaß gemacht und dann rückt das dann auch in den Hintergrund.

[SPEAKER 1]
[00:32:33-00:32:39]
Aber es ist ja auch schon eine außergewöhnliche Stärke, davon zurückzukommen, weil du hättest ja auch liegen bleiben können.

[SPEAKER 3]
[00:32:39-00:32:49]
Was soll ich da machen? Das ist ja mein Beruf. Hätte ich sagen sollen, ich reite jetzt keine Fiesertigkeit mehr.

[SPEAKER 2]
[00:32:49-00:33:00]
Ach, das ist irgendwie auch eine Schule fürs Leben. Andere Leute schlagen sich mit anderen Sachen rum. Das war vielleicht jetzt so ein bisschen mein Battle, mich da durchzukämpfen.

[SPEAKER 3]
[00:33:04-00:33:12]
Ich will jetzt nicht sagen, dass ich das nochmal machen wollen würde, alles so, was war. Aber es ist okay.

[SPEAKER 2]
[00:33:12-00:33:16]
Ich habe da rausgezogen, was ich rausziehen kann.

[SPEAKER 1]
[00:33:16-00:33:19]
Du hast dein Frieden damit gemacht.

[SPEAKER 3]
[00:33:19-00:33:20]
Weil es ist ja schon

[SPEAKER 1]
[00:33:24-00:33:39]
außergewöhnlich dann davon wie gesagt wieder zurückzukehren und ist ja für dich als Sportlerin ja auch total die wichtige Eigenschaft, weil es werden immer wieder Rückschläge kommen und das unterscheidet ja am Ende den Champion vom vielleicht das nicht schafft.

[SPEAKER 2]
[00:33:40-00:34:50]
Ja, ich glaube, das fängt ja im Kleinen an. Ich weiß, das erste Mal war ich schwer enttäuscht, als ich für eine Europameisterschaft bei den Ponys nicht nominiert war, obwohl ich dachte, das ist jetzt jedes Jahr so und du kommst da jetzt immer mit. Und dann hatte ich aber ein anderes Pony und das Pony war nicht so immer ganz so mitarbeitet zu bewegen, vor allem in der Dressur. Und dann war halt nix mit dem Championat. Da war ich völlig konsterniert, fix und fertig. Das konnte ich gar nicht verstehen. Und dann, wenn man sowas mal nicht erlebt und durchmacht und dann feststellt, naja, am Ende liegt es aber an dir selber und du musst entweder besser werden oder dein Pferd besser ausbilden oder besser mit Druck umgehen können. Vielleicht im Zweifel zu sagen, bin ich auch nicht gut genug dafür, dann ist das eine ganz wichtige Eigenschaft. Ich glaube, es gibt keinen Top-Sportler auf der Welt, der sagt, ich bin nicht irgendwo auch mal richtig durch den Tief gegangen. Sonst hat man vielleicht auch das extra bisschen Entschlossenheit nicht? Womit wir da beim Thema Beckham Netflix wären.

[SPEAKER 1]
[00:34:50-00:35:05]
Ich wollte eigentlich gerade sagen, wir haben hier im Vorgespräch gerade festgestellt, dass wir dieselbe Serie gerade gucken auf Netflix, nämlich die Doku über Beckham und der hat ja auch krasses erlebt. und ist auch als Sportler zurückgekommen.

[SPEAKER 2]
[00:35:05-00:35:34]
Ja, und ja immer nochmal dann auch stärker und auch so richtig in dem Moment, wo man so dachte, okay, entweder er kann es jetzt gar nicht mehr oder er haut richtig einen raus, ist er nochmal über sich hinausgewachsen. Und das ist schon cool, wenn man das so kann. Und ich glaube, dass wenn man das so in entscheidenden Momenten hinkriegt, das macht er natürlich sehr stark. Was jetzt nicht heißt, dass ich mich immer mega stark fühle oder glaube ich habe immer alles im Griff, aber hin und wieder habe ich es ganz gut voreinander.

[SPEAKER 1]
[00:35:34-00:35:39]
Gab es schon Momente, wo du gedacht hast, nee ich kann es doch nicht?

[SPEAKER 3]
[00:35:40-00:35:42]
Ja, regelmäßig.

[SPEAKER 2]
[00:35:42-00:36:26]
Manchmal auch bei Pferden, wenn ich denke, ich kriege es mit dem nicht hin oder der lernt das nicht oder warum hat das jetzt nicht funktioniert? Da stelle ich das auch, also vielleicht nicht grundsätzlich mich als Reiter, aber da stelle ich schon dann immer wieder in Frage, machst du das jetzt gerade richtig? Musst du es vielleicht anders machen? Hat doch mit dem Pferd geklappt, warum geht es jetzt mit dem nicht? Manchmal ist man auch echt fertig und wenn man dann so mal ein paar Wochen Turnier hintereinander durch hat und dann da wieder nachts um drei zu Hause angekommen ist und weiß, am nächsten Morgen geht es trotzdem weiter, weil es dann wieder aufs Turnier geht und dann muss man schon einmal tief in die Motivation gehen. Kiste gucken und sagen, okay, nicht vergessen, was das hier alles gerne ist.

[SPEAKER 3]
[00:36:26-00:36:26]
Macht hier Spaß.

[SPEAKER 2]
[00:36:26-00:37:05]
Es ist jetzt nur gerade anstrengend. Da hilft natürlich, wenn irgendwas gut funktioniert. Und da ist natürlich dann kurz nochmal ein Demotivator, wenn dann irgendwas nicht funktioniert. Und dann zweifelt man auch mal so ein bisschen. an seinen Umständen, aber eigentlich also nie daran, dass ich gerne mit Pferden arbeite. Das ist immer das, was mich dann doch wieder rauszieht, weil dann setze ich mich auf einen Fünfjährigen und der springt das erste Mal vernünftig Wechsel oder macht ein super Geländetraining oder gibt seine erste Afi-Seitigkeit und macht das richtig cool und da freue ich mich richtig drüber dann und denke, genau deswegen machst du das.

[SPEAKER 1]
[00:37:05-00:37:06]
Ist das, was dich antreibt am Ende?

[SPEAKER 3]
[00:37:06-00:37:08]
Ja, glaube ich schon.

[SPEAKER 2]
[00:37:08-00:37:27]
Klar, große Erfolge sind irgendwie der Lohn. Aber es ist so schwer, eine große Prüfung zu gewinnen. Und da gehören so viele Kleinigkeiten zu. Und das ist auch manchmal so nervenaufreibend. Also diese Wochen vorm Championat, da wird man ja auch richtig paranoid. Und dann guckt man sich die Beine an und fühlt, ist da was warm?

[SPEAKER 3]
[00:37:27-00:37:31]
Oh, wie trabt der? Trabt der gut?

[SPEAKER 2]
[00:37:31-00:37:57]
Das könnte man gar nicht. Also ich kann das gar nicht immer, weil das ist dann schon echt ein bisschen Stress in dem Moment, weil man natürlich auf gar keinen Fall will, dass da irgendwas jetzt verkehrt ist, aber natürlich umso mehr aufpasst und deswegen so diese Kleinigkeiten oder gerade auch wenn man Pferde ausbildet oder so, das was so im Alltag einfach dann auch der Spaß ist, für mich auf jeden Fall.

[SPEAKER 1]
[00:37:59-00:38:08]
Du bist 2017 Bundestrainerin geworden der Junioren, also der U18 Reiter. Warum bist du so früh schon Bundestrainerin geworden?

[SPEAKER 2]
[00:38:08-00:38:12]
Ich glaube primär, weil mein Vorgänger in Rente gegangen ist.

[SPEAKER 1]
[00:38:12-00:38:14]
Die Erklärungen können manchmal so simpel sein.

[SPEAKER 2]
[00:38:14-00:38:28]
Ja, also ich habe selber gesagt, eigentlich ist es mir jetzt gerade noch zu früh, aber ich war ein paar Jahre lang, ich glaube seit 2010, so als Co-Trainer mitgefahren auf sämtlichen Championaten, Ponys, Junioren, Junge Reiter.

[SPEAKER 3]
[00:38:28-00:38:31]
Hat mir auch Spaß gemacht, habe ich glaube ich auch irgendwie gut gemacht.

[SPEAKER 2]
[00:38:31-00:38:36]
Und dann ist Rüdiger Schwarz, war dann dem Rentenalter nah.

[SPEAKER 1]
[00:38:36-00:38:37]
Langjähriger Bundestrainer.

[SPEAKER 2]
[00:38:37-00:38:58]
Genau, der hat auch sehr lange gearbeitet, aber irgendwann war das dann auch soweit. Und dann, ja, statt dann noch eine Person dazwischen zu suchen, haben sie dann mich gefragt. Erst dachte ich, okay, du bist noch ein bisschen jung, aber man wird dann ja auch älter und dann war es irgendwann egal.

[SPEAKER 1]
[00:38:58-00:39:06]
Wie unterscheiden sich die Rollen, selber im Sattel zu sein und als Trainerin Junioren auf ihrem Weg potenziell auch Richtung Championat zu begleiten?

[SPEAKER 2]
[00:39:08-00:40:16]
So ein bisschen ergänzt sich das manchmal, weil man natürlich, wenn man unten steht, finde ich, das leichter manchmal beurteilen kann, wenn man in der Situation selber schon mal war. Ich bin ja auch Junioren Euro geritten, Pony Euro, Junge Reiter Euro. Das ist auch mal ganz anders als bei den Senioren. Die Eltern spielen eine viel größere Rolle. Man hat viel weniger Erfahrung selber als Reiter, ist viel mehr daran gebunden, dass einem irgendeiner die Hand hält oder sagt, was man machen soll. Und ich fand das sehr spannend, weil man natürlich auch immer wieder neue Leute hat und eigentlich immer im Herbst guckt, in wen hast du für das nächste Jahr schon mal eine Überlegung. Oft war der Eindruck, den man dann auch früh hatte, gar nicht der falsche. Also wenn man dann so denkt, da kommt noch irgendeiner so plötzlich um die Ecke hinten quer rein ins Team geschossen, das passiert doch nicht so häufig. Und zu sehen, wie die sich dann so in der Zukunft entwickeln und auch wie unterschiedlich sie mit Druck umgehen. Also so Europameisterschaft im Nachwuchsbereich, das sind die dollsten Geschichten, die da passieren. Also das ist schon immer spannend. Hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.

[SPEAKER 1]
[00:40:18-00:40:46]
Nun, als Bundestrainerin hast du ja auch gewissen Einblick, wie Nachwuchs funktioniert heutzutage, wie auch die Nachwuchsarbeit, insbesondere das Heranführen an so größere Aufgaben funktioniert. Wir sprechen hier im Podcast auch viel über die Zukunft des Turniersports, die Zukunft der Pferdewelt. Wie beurteilst du derzeit so die Durchlässigkeit des Sports und vor allen Dingen aus dieser Bundestrainer-Sicht, wie sich der Nachwuchs auch entwickelt?

[SPEAKER 2]
[00:40:49-00:41:18]
Komplizierte Fragen hier. Ja, ich glaube ein Unterschied zu früher ist, dass wir mehr Kinder haben, die vielleicht nicht unbedingt im Stall aufgewachsen sind aus verschiedensten Gründen. Vielleicht mussten auch nicht so viel selber füttern oder sowas. Wo für mich so ein bisschen das Erste losgeht, für mich ist entscheidend, dass man früher oder später einfach lernt, wie gehe ich mit den Pferden um?

[SPEAKER 3]
[00:41:18-00:41:18]
Wie sattel ich ein Pferd?

[SPEAKER 2]
[00:41:18-00:42:20]
Wie fütter ich ein Pferd? Woran merke ich, geht es meinem Pferd gut oder nicht? Man wundert sich, aber das ist nicht unbedingt immer gegeben. Das meinen die Eltern dann oft, glaube ich, gut, wenn die sagen, ja wir machen den fertig und wir füttern auch morgens und du kannst länger schlafen. Aber ich glaube, dass ein Pferdemensch sich nur dann entwickeln kann, wenn er auch mit Pferden zu tun hat und nicht, wenn er das Pferd oder Pony dahingestellt bekommt. Das ist für mich ein ganz entscheidender Punkt. Wenn das mein Sport ist und ich mache den Sport mit einem Lebewesen und nicht mit einem Gerät, dann muss ich auch so viel über dieses Lebewesen und Pferd wissen und mir aneignen, wie es irgend möglich ist. Weil sonst kann ich dem auch nicht gerecht werden. Es ist ja nun mal kein Auto, wo man den Kotflügel austauscht und weiter geht’s. Da ist es ja wirklich nur eine Frage des Geldes. Schön ist es eigentlich, wenn es keine Frage des Geldes ist bei Pferden.

[SPEAKER 3]
[00:42:20-00:42:22]
Das weiß ich auch.

[SPEAKER 2]
[00:42:22-00:42:53]
Wenn man sich ein teures Pferd kaufen kann, dann geht auch vieles einfacher. Aber es gibt auch genug Beispiele, wo sich einfach Hartnäckigkeit und harte Arbeit über die Jahre auszahlen, was ich persönlich immer gut finde. Und ich glaube auch entscheidend ist, dass man akzeptiert für sich, das versuche ich zumindest zu vermitteln, der Fehler liegt einfach nicht beim Pferd. Natürlich kann man sagen, da hätte der aber springen können. Natürlich hätte er, hatte er aber nicht. Da muss ich mir überlegen,

[SPEAKER 3]
[00:42:55-00:42:56]
Was habe ich falsch gemacht?

[SPEAKER 2]
[00:42:56-00:44:17]
Und wenn ich es ihm nur falsch beigebracht habe oder vielleicht gesagt habe, okay, vielleicht sind wir in der Klasse auch gar nicht richtig, dann habe aber auch ich eine falsche Entscheidung getroffen. Ein Pferd kommt ja nicht aus dem Stall und überlegt sich, heute möchte ich nicht in die Linkshalberseile gehen oder heute möchte ich nicht über den schwarzen Ochser springen. sondern es ist meine Aufgabe als Reiter, das Pferd in die Lage zu versetzen, das zu können, was ich von ihm möchte. Und wenn das nicht funktioniert, dann bin ich schuld. Das ist für manche eine sehr schwere Erkenntnis, auch manchmal für das Umfeld, aber es ist für mich entscheidend irgendwie und ich glaube, wenn man das immer wieder verinnerlicht und sich selbst hinterfragt, was ich auch jeden Tag irgendwie tue. Was nicht heißt, dass man nie Fehler macht. Klar, vertut man sich auch mal oder denkt nach, war vielleicht ein bisschen dies oder das. Aber entscheidend ist, glaube ich, dass man es realisiert und besser machen will. Dann hat das Ganze auch eine Zukunft. Und ich glaube, dann kann das auch Bestand haben mit dem Reitsport. Aber das ist natürlich nicht einfach. Es gibt auch bestimmt Lehrer oder Kindererzieher, die nicht so gut sind. Trotzdem gibt es Schulen und Kindergärten, aber das muss natürlich entsprechend immer wieder in die richtige Richtung gelenkt werden, wenn irgendwo mal was schief läuft.

[SPEAKER 1]
[00:44:17-00:44:21]
Was ich auch eben gelernt habe, liebe Julia, ist, dass du Formel 1 Fan bist.

[SPEAKER 2]
[00:44:22-00:44:24]
Ja, seit einem halben Jahr ungefähr.

[SPEAKER 3]
[00:44:24-00:44:27]
So lange schon.

[SPEAKER 2]
[00:44:27-00:44:35]
Manchmal, wenn ich nichts zu tun habe, gucke ich Netflix und habe diese Serien auf Netflix, die Dokumentationen entdeckt.

[SPEAKER 1]
[00:44:35-00:44:36]
Drive to Survive.

[SPEAKER 3]
[00:44:36-00:44:37]
Genau, Drive to Survive.

[SPEAKER 2]
[00:44:38-00:44:41]
Da höre ich dann auch mal Podcasts.

[SPEAKER 1]
[00:44:41-00:44:41]
Finde ich ganz cool.

[SPEAKER 2]
[00:44:41-00:45:27]
Finde ich faszinierend auch, mit was für Details da umgegangen wird. Und dann auch Crazy, das ist natürlich ganz anders als im Reitsport, da wird irgendein Update gebracht. Aber ich glaube, dass jetzt in den früheren Jahren durften die noch so viel Geld investieren, wie sie hatten. Jetzt ist das so ein Cup drauf. Also die dürfen nur so und so viel Geld investieren, was manche gut für andere nicht so gut ist, aber auch spannend, wie zwei Fahrer im identischen Auto so unterschiedliche Leistungen bringen. Wenn man jetzt sagen würde, zwei Räder auf dem selben Pferd, gut, das ist vielleicht auch so. Also das ist schon richtig, auch körperlich, ich finde es faszinierend. Ich finde es sowieso immer faszinierend, wenn Leute so richtig krasse Leistungen bringen.

[SPEAKER 3]
[00:45:27-00:45:28]
Das finde ich cool.

[SPEAKER 1]
[00:45:28-00:45:41]
Beobachtest du andere Sportarten? Wir hatten letztens zum Beispiel Paul Schocke-Müller im Podcast, der sagt, er hat ganz eng die Basketball-Nationalmannschaft verfolgt, als die Gold geholt haben. Guckst du so links und rechts? Weil Formel 1 ist ja erst mal jetzt was ganz anderes.

[SPEAKER 3]
[00:45:41-00:45:43]
Ein bisschen. Fasziniert dich das?

[SPEAKER 2]
[00:45:43-00:45:56]
Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich irgendwo so richtig, richtig, richtig krass drin bin. Seit Formel 1 jetzt sogar mit Podcasts, sondern ich könnte die meisten Fahrer aufzählen, die aktuell fahren, aber bitte jetzt nicht testen.

[SPEAKER 1]
[00:45:56-00:45:57]
Und dann wird es bei mir schon schwierig?

[SPEAKER 3]
[00:45:58-00:46:01]
Ja, wir sind… was haben wir?

[SPEAKER 2]
[00:46:01-00:46:02]
Zwölf Teams, 24 Fahrer?

[SPEAKER 3]
[00:46:02-00:46:05]
Oder haben wir zehn Teams, 20 Fahrer? Da geht’s schon los.

[SPEAKER 2]
[00:46:05-00:46:21]
Okay, bitte jetzt die Formel-1-Fans mich hier nicht für steinigen, aber da interessiere ich mich für. Ich habe geguckt, auch Breakpoint, Tennis, die Doku. Und im Winter, das kam so ein bisschen bei meinem Papa, gerne mal Biathlon. Wobei in den letzten Jahren habe ich mich damit nicht mehr so befasst, muss ich sagen.

[SPEAKER 1]
[00:46:21-00:46:24]
Die goldenen deutschen Jahre sind auch im Biathlon ein bisschen vorbei.

[SPEAKER 2]
[00:46:24-00:46:34]
So schnell kriegt man es dann auch nicht mehr mit. Ich habe tatsächlich mein Studium in Köln, Diplom-Trainerstudium, mit Martin Schmidt absolviert.

[SPEAKER 1]
[00:46:34-00:46:34]
Dem Skispringer.

[SPEAKER 3]
[00:46:34-00:46:36]
Genau.

[SPEAKER 2]
[00:46:36-00:46:50]
Also so kriegt man immer schon mal rechts und links was mit und ich folge auch mehr anderen Sportlern als TikTokern und Influencern auf Instagram, wenn die jüngeren Leute da irgendwas erwähnen, das weiß ich immer alles nicht so genau.

[SPEAKER 1]
[00:46:50-00:46:51]
Die jüngeren Leute.

[SPEAKER 2]
[00:46:51-00:47:10]
Genau, ich wäre jetzt bald Mitte 30, zähle mich jetzt nicht mehr zu den ganz jungen Leuten. Aber das finde ich cool. Ich finde mittlerweile, ich finde, ich gucke lieber fast Dokumentationen als so Filme, weil ich finde das immer spannend, wie andere Menschen, wie die so zu dem geworden sind, was sie sind.

[SPEAKER 1]
[00:47:11-00:47:21]
Im Übrigen, heute ist Dienstag, wir nehmen diesen Podcast an einem Dienstag auf, der 17. Und am Sonntag, wenn die Podcast-Folge live geht, ist dein Geburtstag.

[SPEAKER 3]
[00:47:21-00:47:26]
Da steht nämlich nirgendwo, wann mein Geburtstag ist, so genau. Wir haben es herausgefunden.

[SPEAKER 1]
[00:47:26-00:47:33]
Das kriege ich ja vielleicht mal in Nachrichten. Ich werde dir nicht gratulieren, das bringt ja Unglück bekanntermaßen.

[SPEAKER 2]
[00:47:33-00:47:34]
Auf keinen Fall vorher.

[SPEAKER 1]
[00:47:34-00:47:50]
Auf keinen Fall vorher, das machen wir nicht. Liebe Julia, im WeHouse-Podcast gibt es die vier klassischen WeHouse-Fragen, die jedem Podcast-Gast blühen. So auch dir. Und Frage Nummer eins ist, hast du ein Motto, nach dem du lebst?

[SPEAKER 3]
[00:47:52-00:47:57]
Also auf meiner Instagram Seite steht, if you can dream it, you can do it.

[SPEAKER 2]
[00:47:57-00:48:11]
Und das passt auf jeden Fall ganz gut. Ich denke sehr viel und ich stelle mir auch immer sehr viele Dinge vor, wie sie gut oder wie sie schief laufen. Und ich glaube, das ist auch in der Psychologie so eine Arbeitsweise, dass man sich das so vorstellt.

[SPEAKER 1]
[00:48:11-00:48:12]
Die inneren Bilder.

[SPEAKER 3]
[00:48:12-00:48:13]
Genau.

[SPEAKER 2]
[00:48:13-00:48:19]
Auch wie ich dann irgendwas reite und durch Dressuren springe und so weiter und deswegen… Bin ich manchmal immer so ein bisschen skeptisch mit den inneren Bildern.

[SPEAKER 3]
[00:48:19-00:48:21]
Mach ich ganz viel.

[SPEAKER 1]
[00:48:21-00:48:34]
Ja. Aber du bist ja auch deutlich erfolgreicher als ich denke, oder? Deswegen, es scheint ja zu funktionieren. Dann Frage 2. Gibt es einen Menschen, der dich im Hinblick auf die Pferde besonders geprägt hat?

[SPEAKER 2]
[00:48:34-00:48:36]
Ich würde denken, Rüdiger Schwarz.

[SPEAKER 1]
[00:48:37-00:48:38]
der ehemalige Bundesträger.

[SPEAKER 2]
[00:48:38-00:49:18]
Also wir waren uns nicht immer einig, aber er hatte eigentlich immer recht und hat mir glaube ich so über die ersten Jahre richtig eine gute Basis mitgegeben, weil ich natürlich von Haus aus war da auch nicht so viel Know-how. Also wir hatten uns alle irgendwas angeeignet und ich habe sehr viele Bücher gelesen und habe meinen Pony mal nach irgendeinem Galopp-Trainingsplan von Mark Todd galoppiert, weil mein Vater war Geophysiker und meine Mutter erst Geophysikerin, dann Tierarzthelferin, aber da ist jetzt keiner erfolgreich geritten. Also mir konnte das auch keiner sagen. Also musste mir das dann jemand erklären oder ich habe es mir so ausgetüftelt. Und da war Herr Schwarz schon sehr, sehr prägend.

[SPEAKER 1]
[00:49:19-00:49:24]
Und im Vorfeld haben wir auch gesprochen, Linda Tellington-Jones ist zum Beispiel auch eine Person, auf die du geschaut hast früher.

[SPEAKER 2]
[00:49:24-00:50:07]
Ja, auch eins der Bücher, die mein Papa irgendwann mitgebracht hat. Der war häufiger mal beruflich unterwegs und hat dann, glaube ich, aus Amerika von Linda Tellington-Jones auch mehrere Bücher, glaube ich, mitgebracht. Und dann wurde der Tellington-Touch 4 gemacht. Meine Mama hat das richtig intensiv betrieben, würde ich mal sagen. Und ich habe letztens meinem Freund noch das Buch geschenkt, wo das so über Wirbel und Abzeichen und Formen von Augen und Ohren und so, was das aussagt, über einen Pferd geht und auch festgestellt, dass meine Gute Stute und noch echt viele von meinen Pferden zwei Wirbel haben im Gesicht oder mehrere Wirbel, was ja so ein Zeichen sein soll für, die sind so ein bisschen

[SPEAKER 3]
[00:50:08-00:50:09]
Besonderer.

[SPEAKER 2]
[00:50:09-00:50:26]
Nicht immer einfacher, aber auf jeden Fall besonders. Und das trifft schon häufig zu. Also ich finde das sehr spannend. So kleine Ohren, große Ohren. So, was sagen, so ein Nüstern und Maul darüber auf. Und da finde ich, ja, war Linda Tilling-Jones immer irgendwie, war so ein Idol meiner Jugend.

[SPEAKER 1]
[00:50:26-00:50:34]
Sehr schön. Dann Frage 3. Wenn du Reitern beziehungsweise Pferdemenschen eine Sache im Umgang mit den Pferden auf den Weg geben könntest, was wäre es?

[SPEAKER 2]
[00:50:36-00:50:44]
Der Reiter oder der Mensch ist immer dafür verantwortlich, dass es richtig läuft.

[SPEAKER 3]
[00:50:44-00:50:44]
Was auch immer.

[SPEAKER 2]
[00:50:44-00:51:17]
Ob ich mit dem Pferd umgehe, dann bin ich ja irgendwie ein Herdenmitglied, dann muss ich auch dafür sorgen, dass mein Pferd sich in seiner Rolle wohl fühlt. Wenn ich das Pferd reite, ist auch meine Aufgabe als Reiter, die Situation so zu kreieren, dass das Pferd damit umgehen kann und nicht alles dem Pferd zu überlassen. Ich glaube, es ist unnatürlich für die allermeisten Pferde in Charge zu sein. Wenn ein Pferd in der Herde lebt, ist da einer Chef und der Rest läuft mit. Und ich glaube, die meisten Pferde werden dann unsicher, wenn der Reiter nicht weiß, was er will. Und das, finde ich, ist unsere Aufgabe.

[SPEAKER 1]
[00:51:17-00:51:24]
Und dann zum Schluss, Frau Vorständige, diesen Satz, Pferde sind für mich.

[SPEAKER 2]
[00:51:24-00:51:27]
Meinen Beruf und mein Leben.

[SPEAKER 1]
[00:51:27-00:51:49]
Wunderbar. Ich gehe noch mal kurz durch meinen Fragenkatalog hier. Mir ist nämlich aufgefallen, ich habe eine Sache, die haben wir noch gar nicht so berührt. Da können wir noch einmal ganz kurz drauf gehen. Du hast ja als Olympiasiegerin das allererste Mal als Frau gewonnen. Also du bist die erste Frau, die einzeln vielseitig als Olympiasiegerin geworden ist. Ist das etwas besonderes für dich?

[SPEAKER 2]
[00:51:52-00:53:14]
Jein. Also ich weiß natürlich, dass das sehr viel bedeutet. Mir war das gar nicht klar, weil ich davon ausgegangen bin, also ich sage es mal ganz ehrlich, da wir ja sonst auch so ziemlich alles schon gewonnen haben in der Vielseitigkeit, war sicherlich auch schon mal jemand Olympiasieger. Bettina war es ja quasi und dann doch nicht mehr. Und Europameister, Weltmeister, Batman, Burleigh. Deswegen kann man jetzt eigentlich nicht sagen, dass man es als Frau nicht schaffen kann. Deswegen fand ich das erst überraschend, aber dann ist es glaube ich ich so der Meinung gewesen, dass es natürlich irgendwie auch eine Auswahlkraft hat und der Kreis sich schließt. Jetzt haben auch Frauen sämtliche Titel bei uns gewonnen und ich würde auch denken jede große internationale Prüfung. Finden aber gleichzeitig ist es auch eigentlich ein gutes Zeichen, wenn man das Gefühl hat als Frau in der Vielseitigkeit zumindest fühlt man sich recht gleichberechtigt mit den Männern. In jedem Fall auf dem Pferd. Ansonsten, naja, wie es so ist, der eine oder andere dumme Spruch ist da schon noch mal zwischen. Aber ja, ich finde, das passte ganz gut in die Zeit und ich bin auch stolz darauf, die erste Frau zu sein und hoffe, dass es das ein oder andere Mädel motiviert, das auch zu versuchen.

[SPEAKER 1]
[00:53:14-00:53:16]
Großartig, liebe Julia, vielen Dank.

[SPEAKER 3]
[00:53:16-00:53:17]
Sehr gerne.

[SPEAKER 1]
[00:53:17-00:53:40]
Ciao, ciao. Diese Folge wurde vorbereitet von Juliane Trenklop, produziert mal wieder von Mara Landwehr. Mein Name ist Christian Gröber. Wenn ihr mögt, hören wir uns wieder bei der nächsten Folge des WeHouse Podcasts. Folgt uns gerne auf Spotify, Apple Podcasts und überall dort, wo es gute Podcasts gibt.

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