Geländehindernisse – So kannst du sie erfolgreich meistern

Ein Geländehindernis ist der Wasserdurchritt

Die Vielseitigkeit wird auch als die Krone der Reiterei bezeichnet. Sie besteht aus drei Teildisziplinen, der Dressur, dem Geländeritt und dem Springen. Werden Vielseitigkeitsreiter gefragt, dann wird schnell klar, der Geländeritt ist das Herzstück und das Besondere an diesem Sport. Aber was versteht man unter einem Geländeritt? Welche Hindernisse gilt es zu überwinden? Welche Fähigkeiten sollten du und mein Pferd mitbringen? Wir erklären dir in diesem Blogpost alles, was du über die Geländestrecke und die Geländehindernisse wissen musst. Als kleines Extra geben wir dir Tipps, wie du ohne Probleme den Schritt ins Gelände meisterst und deinem Pferd die Geländehindernisse näher bringen kannst.

Die Geländestrecke – Anforderungen und Aufbau

Zu einer kompletten Vielseitigkeitsprüfung zählt der Geländeritt als Teildisziplin, international wird er auch Cross Country Course genannt. Üblicherweise findet dieser am zweiten Tag nach der Dressur statt. Mit der Vorbenotung aus der Dressur gilt es dann, keine Strafpunkte im Gelände zu bekommen. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es unterschiedliche Anforderungen in der Länge und dem gerittenen Tempo. Wie im Springparcours gibt es auch auf der Geländestrecke einen Start und einen Zielpunkt. In fortgeschrittenen Klassen kann der Start über eine Startbox erfolgen, in welcher sich Reiter und Pferd stellen, bevor die Zeit runtergezählt wird und der Ritt beginnt. Nach dem Start gilt es, alle Sprünge der Strecke innerhalb der Flaggen zu überwinden und den Ritt innerhalb der erlaubten Zeit zu beenden. Die Hindernisse sind im Gelände mit Nummern gekennzeichnet, um dem Reiter eine Orientierung zu geben, in welcher Reihenfolge er diese überwinden muss. Ebenfalls sind Sprünge ,,ausgeflaggt“, das bedeutet, das jeweils rechts eine rote und links eine weiße Fahne das Hindernis begrenzt. Die Sprünge müssen so überwunden werden, dass die rote Flagge immer auf der rechten Seite ist und Reiter mit Pferd bei der Überwindung zwischen beiden Fahnen hindurch springen. Verweigert ein Pferd, dann gibt es Strafpunkte beziehungsweise Punktabzug. Wird ein Ritt nicht innerhalb der erlaubten Zeit beendet, dann gibt es ebenfalls Punktabzug oder Strafpunkte. Die erlaubte Zeit richtet sich nach dem durchschnittlichen Tempo, welches geritten werden soll. Bei der Berechnung wird berücksichtigt, dass die Sicherheit von Reiter und Pferd jederzeit gegeben ist, aber das Pferd auch genügend Tempo und Schwung hat, um die Hindernisse gut zu überwinden.

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Welche Geländehindernisse gibt es in der Vielseitigkeit?

Der besondere Unterschied zu einer regulären Springprüfung ist, dass es sich um feste Hindernisse handelt. Gemeint sind damit Baumstämme, Holztische und Co. Natürlich birgt es ein höheres Risiko, da die Hindernisse nicht wie Stangen fallen und nachgeben können. Pferde können diese Sprünge allerdings sehr gut taxieren, da sie natürlicher sind als bunte Hindernissstangen. Deshalb ist es wichtig, stets die Sicherheit von Pferd und Reiter als oberste Priorität zu setzen. Wie du Geländehindernisse sicher überwinden kannst, erfährst du in diesem wehorse Kurs. Die Vielseitigkeit hat sich in Sachen Sicherheit in den letzten Jahren sehr stark verbessert. Es gibt bei vielen Hindernissen ein sogenanntes MIM-System, welches den Sprung bei einer starken Berührung des Pferdes zusammenklappen lässt, sodass ein Sturz vermieden werden kann. Die Parcours-Aufbauer einer Geländeprüfung haben ganz klare Vorgaben, wie sie eine Strecke gestalten müssen, damit die Sicherheit von Reiter und Pferd sichergestellt sind und die Aufgaben klar und deutlich zu erkennen sind. Die Sprünge sollen links und rechts begrenzt und eingefasst werden, Absprungkanten müssen deutlich zu erkennen sein, die Materialien der Sprünge müssen stabil und qualitativ hochwertig sein und die passende Deko soll einen Sprung auch von weiter Entfernung erkennbar machen. Diese Kriterien sollen unter anderem dafür sorgen, dass ein Pferd die Sprünge und Aufgaben frühzeitig und deutlich erkennen kann.

Es gibt verschiedene Geländehindernisse. Viele sind aus Holz.

Geländehindernisse im Detail – worauf muss ich achten?

Damit du einen besseren Überblick über die Sprünge bekommst, haben wir dir die wichtigsten Hindernisse im Detail erklärt.

Baumstamm

Der Baumstamm ist der wohl bekannteste Sprung in der Vielseitigkeit. Gemeint ist damit ein umgekippter Baumstumpf, der je nach Anforderungsstufe unterschiedlich hoch und dick sein kann. Besonders gerne werden Baumstämme für junge Pferde und Einsteiger verwendet, da die Optik am ehesten einer Stange ähnelt. Pferde erkennen sehr schnell, dass es sich bei einem Baumstamm um eine Hindernisaufgabe handelt und in der Regel werden diese immer gut überwunden. In diesem Video zeigt dir Olympiasiegerin Ingrid Klimke, wie du dein Pferd an Baumstämme und Hecken heranführst. 

Hecke

Die Hecke ist in der Vielseitigkeit ein sehr beliebtes Hindernis. Sie wird oft als Füllsprung zwischen schwierigen Aufgaben benutzt, da die Pferde den Sprung im Fluss und einem guten Tempo überwinden können. Eine Hecke besteht aus einer Holzkiste, welche oben mit Gesteckt drapiert wird. Dafür wird Grünzeug, Tanne oder Borsten verwendet. Die Pferde lernen sehr schnell, dass dieses Material nachgibt und sie bei der Überwindung durch die Hecke ,,durchwischen“ können.

Stufen

In fast allen Geländestrecken trifft man auf die Aufgabe Stufe hoch und runter beziehungsweise auf einen Aufsprung und einen Tiefsprung. Gemeint sind damit erhöhte Absprünge und Kanten, auf die ein Pferd herauf beziehungsweise herab springen muss. Für das Training ist es immer einfacher, zunächst klein anzufangen, damit ein Pferd den Prozess des Auf- und Abspringens versteht. Außerdem ist es einfacher, zunächst den Aufsprung zu üben, da Pferde das ,,hochklettern“ eher gewöhnt sind. Ein Tiefsprung erfordert mehr Vertrauen, da dein Pferd zunächst nicht einschätzen kann, wo es hinspringt und die Landung nicht gut taxieren kann. Wichtig ist es deshalb, dass du einen Tiefsprung mit deinem Sitz gut ausbalancierst und euch den richtigen Halt gibst, damit ihr nicht ins Stolpern kommt. Ebenfalls ist es wichtig, die Zügel zu verlängern, damit dein Pferd sich mit seinem Hals ausbalancieren kann. Hier kannst du dir anschauen, wie du Auf- und Absprünge am besten trainierst.

Gräben

Gräben werden in einer Vielseitigkeitsprüfung auch gerne abgefragt. Sie kommen in verschiedenen Varianten vor, beispielsweise offene Gräben, vorgebaute Gräben oder überbaute Gräben. Grundsätzlich sollte bei allen Gräben die Absprungkante deutlich zu erkennen sein, damit die Pferde den Absprung gut taxieren können. Meistens wird dafür ein kleiner Baumstamm als Grabenkante verwendet. Außerdem sollte sich der Anreite-, und Landebereich optisch von dem Inneren des Grabens unterscheiden. Gräben übst du am Einfachsten mit einem erfahrenen Führpferd, damit dein Pferd schnell erkennt, dass der Graben gar nicht so tief und gruselig ist, wie er im ersten Moment erscheint.

Coffin

Was sich im ersten Moment komisch anhört, ist eigentlich nur eine Abfolge von drei direkt aufeinanderfolgenden Sprüngen. Ein Coffin kann man sich bildlich als eine Art Kuhle oder Senke vorstellen mit einem offenen Graben in der Mitte. Der erste Sprung leitet das Coffin ein und besteht meistens aus einem Baumstamm oder einer Hecke, die etwas erhöht platziert wird. Danach geht es bergab in die Kuhle über den Graben. Nach dem Graben kommt der Aussprung, welcher ein Baumstamm, aber auch ein schmaler oder schräger Sprung sein kann. Nach dem Graben reitest du wieder bergauf, aus der Kuhle heraus. Einfach gesagt ist ein Coffin eine Gymnastikreihe mit Steigung und einem Graben in der Mitte. Bei dieser Aufgabe wird das Vertrauen und die Schnelligkeit von Reiter und Pferd abgefragt.

Schmale Elemente und Ecken

Besonders in schwierigeren Klassen werden gerne und oft schmale Elemente eingesetzt. Gut geeignet sind dafür schmale Hecken, die aufgebaut sind wie schmale Holztippelbaren mit gesteckten Borsten. Bei schmalen Elementen ist es von besonderer Bedeutung die Hindernisse links und rechts gut einzufassen, damit ein mögliches Vorbaulaufen nicht zusätzlich provoziert wird. Ecken stellen eine zusätzliche Herausforderung auf einer Geländestrecke da. Sie können sowohl offen als auch geschlossen gestaltet sein. Die Herausforderung besteht darin, dein Pferd zu begrenzen, da du über die schmale und offene Seite einer Ecke springen musst. Für das Training lassen sich schmale Elemente und Ecken sehr gut mit Stangen als Begrenzung trainieren. Vorteilhaft ist hier besonders, das Anreiten aus einer Wendung zu wählen.

Wasser

Wasserelemente sind in jedem Geländeritt unabhängig von dem Schwierigkeitsgrad mindestens einmal zu überwinden und gehören damit zu den Standardanforderungen eines Geländerittes. In Einsteigerklassen wird von dir der Wasserdurchritt beziehungsweise die Kombination mit einem kleinen Baumstamm vor oder nach dem Wasser verlangt. In fortgeschrittenen Klassen wird das Wasser mit Tiefsprüngen und Distanzen kombiniert. Es ist deshalb wichtig, dein Pferd langsam an das Wasser zu gewöhnen, damit es Vertrauen gewinnt und auch bei Tiefsprüngen die Bereitschaft zeigt, in das Wasser hineinzuspringen. Bei Wasserelementen ist besonders darauf zu achten, dass der Boden und Untergrund nicht uneben oder zu tief ist, sonst kann dein Pferd stolpern, den Halt verlieren oder Panik bekommen. Lass dir in diesem Video von Ingrid Klimke erklären, wie du dein Pferd behutsam an einen Wasserdurchritt, sowie an kleine Spüringe ins Wasser gewöhnen kannst.

Tische

Zu den sogenannten Füllsprüngen zählen auch Picknicktische oder vorgebaute Bänke. Füllsprünge sind Hindernisse, die zwischen schwereren Aufgaben, wie zum Beispiel einem Wasserkomplex, verwendet werden. Trotzdem sollten diese Sprünge nicht unterschätzt werden, da sie bei unbedachtem Reiten schnell Ursache für Stürze sein können. Deshalb stehen Füllsprünge meistens nicht direkt auf einer sehr langen und geraden Linie, sondern werden in einer Wendung platziert, um diese als Vorbereitungspunkt zu nutzen. Picknicktische sehen sehr mächtig und angsteinflößend aus, allerdings springen Pferde diese mit am Besten. Es handelt sich um einen Hoch-Weitsprung, welcher sich aus dem Parcours mit einem Oxer vergleichen lässt. Mit genügend Schwung kann ein Pferd durch seine Flugbahn einen Tisch oder eine Bank sehr gut überwinden und taxieren.

Pferde lernen schnell, dass sie über das Geländehindernis Hecke durchwischen können

Wie kannst du deinem Pferd Sprünge über Geländehindernisse sicher beibringen?

Wenn du selber ein unerfahrener Reiter bist, dann solltest du am Anfang mit einer Gruppe auf einen Geländeplatz fahren, worunter sich erfahrene Reiter und Pferde befinden. Wie bei einer Trainingseinheit in einem Springparcours solltest du dein Pferd ausreichend lösen und abgaloppieren. Falls vorhanden, kannst du eine Wellenbahn in deine Lösungsphase integrieren. Mit der Wellenbahn werden Steigung und Gefälle geübt und du kannst überprüfen, ob dein Sitz sich richtig anpasst und verlagert. Hindernisse solltest du am besten mit einem Führpferd aus einer Wendung springen. Das Führpferd hilft, deinem Pferd zu zeigen, dass die Hindernisse leicht zu überwinden sind und die Wendung hilft dabei, mehr Kontrolle über dein Pferd zu haben und schneller reagieren zu können. Wähle das Grundtempo am Anfang nicht zu hektisch und zu schnell, um deinem Pferd genug Zeit zu geben, sich mit den Sprüngen vertraut zu machen. Bei Aufsprüngen und Tiefsprüngen solltest du sehr klein anfangen, um deinem Pferd den Prozess näher zu bringen. Empfehlenswert ist es zunächst, mit einem Aufsprung zu beginnen, bevor du den Tiefsprung dazunimmst. Bei Wasserdurchritten solltest du mit einem Führpferd zunächst im Schritt beginnen, bevor du Trab und Galopp dazunimmst. Um dir das Geländereiten einfach und gut zu erklären, haben wir den perfekten Kurs für dich. Die erfahrene und erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke hat dir in diesem Kurs alles übersichtlich erklärt. Dort lernst du, welche Ausrüstung für einen Geländeritt wichtig ist, wie du dein Pferd richtig löst, wie du die ersten Geländesprünge reitest und den ersten Parcours reitest. Reinschauen lohnt sich!

Welche Eigenschaften muss ein Pferd für die Vielseitigkeit mitbringen?

Vielseitigkeitspferde zeichnen sich ganz besonders durch ihren Charakter aus. Durch die unterschiedlichen Anforderungen in den Teildisziplinen sollten Vielseitigkeitspferde eine große Leistungsbereitschaft und eine motivierte Arbeitseinstellung mitbringen. Dein Pferd sollte neugierig auf neue Aufgaben sein und mutig, diese zu bewältigen. Dieser Mut wird besonders durch Tiefsprünge, Gräben und Wasserhindernisse gefordert. Ehrlichkeit sollte ebenfalls eine Eigenschaft von deinem Pferd sein, da es in einem Geländeparcours viele Aufgaben gibt, die Gehorsamkeit abfragen. Dazu zählen schmale Sprünge, Ecken und schräge Elemente, die zum Verweigern einladen. Rhythmus und Balance kann einem Vielseitigkeitspferd durch Training beigebracht und gefördert werden. Besonders bei Gefällen, Aufsprüngen und Tiefsprünge sollte dein Pferd in der Lage sein, seinen Körper mit deiner Hilfe auszubalancieren. Bei schnellen, aufeinanderfolgenden Hindernissen wie beispielsweise dem Coffin, sollte ein Pferd gutes Reaktions-, und Koordinationsvermögen aufweisen. Damit ist die Geschicklichkeit gemeint, auch bei mehreren Hindernisabfolgen die Konzentration zu behalten und die Aufgaben gut zu bewältigen. Zu guter Letzt sollte dein Pferd vor Antritt einer Geländeprüfung ausreichend Ausdauer besitzen, um lange Strecken konditionell gut zu meistern. Bei wehorse findest du viele Kurse, wie du mit deinem Pferd die benötigten Eigenschaften trainieren kannst. Versuch es doch zum Beispiel mal mit Training am Hang, das fördert die Balance und den Muskelaufbau deines Pferdes.

Welche Fähigkeiten muss ein Reiter für die Vielseitigkeit mitbringen?

Das Gelände erfordert nicht nur von dem Pferd besondere Fähigkeiten, sondern auch von dir als Reiter. Mit seiner besonderen Länge stellt der Geländeritt eine Herausforderung an deine Konzentration. Du musst in der Lage sein, dich zu jeder Zeit auf die folgenden Sprünge zu konzentrieren und dir Wege, Wendungen und Vorbereitungspunkte zu merken. Damit einher geht das Einfühlungsvermögen, mit welchem du immer in dein Pferd ,,hineinhören“ solltest. Auf der Strecke musst du fühlen können, ob dein Pferd sich ausreichend konzentriert und genügend Kondition übrig hat. Ist das nicht der Fall, kann es aufgrund mangelnder Ausdauer zu Stürzen kommen, die du mit einem passenden Einfühlungsvermögen verhindern kannst. Ein guter Geländeritt besteht aus einem guten und rhythmischen Grundtempo, das zu jederzeit variiert werden kann. Als Reiter solltest du dementsprechend ein gutes Rhythmusgefühl besitzen und durch die passende Einwirkung Einfluss auf das Tempo nehmen können. Schwierige Aufgaben müssen vorbereitet werden, indem du das Tempo verlangsamst, den Galopp verkürzt und deinem Pferd die passende Zeit gibst, die Aufgabe zu erkennen. In jedem Geländeritt gibt es Tiefsprünge, die eine Herausforderung darstellen. Für die richtige Balance solltest du dein Pferd mit deinem Gleichgewicht dabei unterstützen, sich auszubalancieren. Deshalb ist es wichtig, ein gemeinsames Gleichgewicht durch die passende Gewichtsverlagerung zu entwickeln. In dem wehorse Kurs "Sicher im Gelände" erklärt dir Vielseitigkeitsprofi Christopher Bartle, wie du Sprünge sicher anreiten kannst und wie du den sogenannten Sicherheitssitz erarbeitest.

Falls du dir nun Gedanken machst, ob der so anforderungsreiche Geländeritt überhaupt das Richtige für dich und dein Pferd ist, dann können wir dich beruhigen: Viele Fähigkeiten können erlernt und trainiert werden. Du solltest dein erstes Training im Gelände nur gut vorbereiten, um erfolgreich die gemeinsame Reise anzutreten. Vielseitigkeitsreiten sollte nämlich vor allen Dingen Pferd und Reiter Spaß machen!

Um einen Geländeritt erfolgreich zu meistern und die Hindenrisse sicher zu überwinden, muss das Pferd bestimmte Eigenschaften mitbringen