Endlich effektive Gewichtshilfen geben

Ein Pferd spürt ganz genau, wenn eine Fliege auf seinem Rücken entlang krabbelt. Stell dir vor, wie viel dein Pferd fühlt, wenn du – mit deutlich mehr Gewicht – auf seinem Rücken sitzt! Für dein Pferd ist jede Bewegung, die du dort oben machst, entscheidend. Jede Gewichtsverlagerung kann es aus dem Gleichgewicht bringen oder aber dafür sorgen, dass es mit dir in Balance bleiben und sich ungestört bewegen kann.

Letzteres sollte das Ziel eines jeden Reiters sein. Dieses Ziel erreicht man allerdings nur mit dem richtigen Hintergrundwissen, einer geschulten Körperbeherrschung und viel Übung!

Inhalt

  1. Was bewirken meine Gewichtshilfen beim Reiten?
  2. Typische Fehler bei den Gewichtshilfen
  3. Geht Reiten auch ohne Gewichtshilfen?
  4. Wie lerne ich unabhängig von der Hand zu reiten?
  5. Ab wann gebe ich einseitige Gewichtshilfen?

Was bewirken meine Gewichtshilfen beim Reiten?

Ein Pferd ist von Natur aus bestrebt, die Balance zu erhalten. Wenn du zum Beispiel dein Gewicht sehr stark auf eine Seite verlagerst und den Steigbügel auf dieser Seite stark austrittst, wird dein Pferd in diese Richtung gehen, weil es versucht, wieder unter deinen Körperschwerpunkt und damit ins Gleichgewicht zu kommen. Um effektive und das Pferd nicht behindernde Gewichtshilfen zu geben, solltest du also zuerst einmal:

  1. dir bewusst machen, wie die physikalischen Kräfte bei welcher Lektion wirken, was es bedeutet, mit deinem Pferd im Gleichgewicht zu sein und in welche Richtung du dein Gewicht wann verlagern musst.
  2. dir im Klaren darüber sein, dass dein Ziel ganz feine Gewichtsverlagerungen sind, die von außen teilweise gar nicht deutlich sichtbar sind – wenn du zu einer Seite herüber „hängst“, behindert das dein Pferd und hat mit einer effektiven Gewichtshilfe nichts mehr zu tun.
  3. deine Körperbeherrschung schulen, so dass du bestimmte Bewegungen und Gewichtsverlagerungen bewusst und gezielt ansteuern kannst.
Wie gebe ich die Gewichtshilfen richtig?

Typische Fehler bei den Gewichtshilfen

Ein klassisches Bild, das man häufig bei Reitanfängern sieht, ist ein übertriebenes „Rüberhängen“ des Reiters zu einer Seite. Dabei wird nicht mit den Sitzbeinhöckern das Gewicht verteilt, sondern mit dem kompletten Körper. Das bringt das Pferd aber erst recht aus der Balance. Eine falsche Gewichtsverlagerung oder ein Einknicken in der Hüfte können bereits in ganz normalen Wendungen zum Problem werden. Im 4. Video des Kurses Die Körpersprache des Reiters erklärt dir Marlies Fischer-Zillinger zusammen mit Claudia Weissauer, welche Kräfte in einer Wendung wirken, wie du mit deinem Pferd dabei im Gleichgewicht bleibst und mit welchen Übungen du Sitzfehler vermeiden kannst.

Dann gibt es das falsch verstandene Treiben mit der Mittelpositur. Der Reiter versucht das Pferd nach vorne oder in eine bestimmte Richtung zu schieben. Das bewirkt jedoch nur das Gegenteil, da der Reiter mit dieser Methode klemmt und nicht locker sitzen kann. Im wehorse-Video „Sitz und Hilfengebung der klassischen Reitkunst“ erklärt Anja Beran dir, wie du in der Mittelpositur auf dem Pferd sitzen solltest und welche Bewegungen ein „Schieben“ verursachen, das dein Pferd behindert, anstatt dass du es unterstützt. Sie zeigt dir außerdem, wie der korrekte Einsatz von Gewichtshilfen in Seitengängen und im Galopp aussehen sollte. Außerdem demonstriert dir ein Physiotherapeut anhand des menschlichen Skeletts im Sattel die Zusammenhänge von Sitz und Gewichtshilfen.

Geht Reiten auch ohne Gewichtshilfen?

Nein. Denn nicht nur beim Dressurreiten, wirkt man über die Gewichtshilfe auf sein Pferd ein: Auch beim Springreiten oder im Gelände ist es natürlich nicht minder wichtig, zu jeder Zeit mit deinem Pferd im Gleichgewicht zu sitzen. Und wie machst du das? Natürlich über deinen Sitz. Auch hier benötigst du im Galopp, bei Wendungen, über dem Sprung oder beim „Bremsen“ Gewichtshilfen und die sollten weder dich noch dein Pferd aus dem Gleichgewicht bringen. Gerade beim Springen und im Geländeparcours kann das eine Lebensversicherung sein!

Im Kurs „Sicher im Gelände“ zeigt dir der Profi-Trainer Chris Bartle mit Analysen von Beispielszenen aus Training und Profisport gängige Fehlerquellen bei Sitz und Gleichgewicht und erklärt dir den Weg zum erfolgreichen Geländereiten. Ein Video mit sehr wertvollen Erkenntnissen nicht nur für Gelände-, sondern auch für Spring- und Dressurreiter!

Egal ob Dressur, Springen oder Westernreiten: Ohne Gewichtshilfen geht nichts

Wie lerne ich unabhängig von der Hand zu reiten?

Feine Gewichtshilfen geben zu können ist nur der Anfang. Damit sie wirklich effektiv werden und die Kommunikation mit deinem Pferd nicht stören, gilt es, sie auch unabhängig von den Zügelhilfen geben zu können. Manchmal hilft es, ein besseres Gefühl für die Bedeutung der Gewichtshilfen zu bekommen, wenn man sich vorstellt, dass man zum Reiten gar keine Zügel zur Verfügung hat. Was würde passieren, wenn du dein Pferd ohne Zügel reitest, nur mit Gewichts- und Schenkelhilfen? Würde alles auseinanderfallen und gar nichts mehr funktionieren? Dann ist dein Fokus zu sehr auf deine Hände gerichtet.

Im Kurs Freiarbeit und gebissloses Reiten höchster Dressurlektionen mit Alizée Froment kannst du dir von der Französin abschauen, wie man sein Pferd allein durch seine Körperspannung, seine Körperbeherrschung und durch seine Gewichtshilfen wunderbar „steuern“ kann, ohne es in seinen Bewegungen einzuschränken.

Natürlich musst du nicht gleich einen Grand-Prix mit Halsring reiten. Wie du Schritt für Schritt ganz langsam und sicher anfängst, siehst du in dieser Video-Anleitung mit der berühmten Linda Tellington-Jones. Es bereichert dein Reiten, schärft deinen Sinn für deine Gewichtshilfen und stärkt die Beziehung zu deinem Pferd. Trau dich und probiere
es einfach mal aus!

Einseitige Gewichtshilfen braucht der Reiter unter anderem für Seitengänge

Ab wann gebe ich einseitige Gewichtshilfen?

Einseitige Gewichtshilfen benötigen wir bei zahlreichen Lektionen in der Dressur, wie zum Beispiel den Seitengängen, dem Angaloppieren, dem Kurzkehrt oder dem fliegenden Galoppwechsel, sowie im Springen und im Gelände bei Wendungen oder über dem Sprung.

Im Kurs Die Körpersprache des Reiters findest du zwei Übungen ohne Pferd, die dir ein gutes Gefühl dafür geben, was bei einer einseitigen Gewichtshilfe auf dem Pferderücken passiert und welche „Do‘s and Dont’s“ es für deine Gewichtsverlagerung im Sattel gibt.

Im Kurs lernst du außerdem

  • was passiert, wenn du die einseitige Belastung übertreibst
  • ab wann sie zu viel wird
  • wie die Schultern und der Oberkörper mit deinen einseitigen Gewichtshilfen verknüpft sind und
  • warum eine stabile äußere Körperhälfte bei der Galopparbeit und bei Seitengängen unbedingt notwendig ist.

Der Kurs Sitzfehler verstehen und beheben mit Sitzexpertin Elaine Butler zeigt genau, was der Titel verspricht. Hier wird einem noch einmal deutlich bewusst, was bei einem Einknicken in der Hüfte passiert und dass es schneller vorkommt, als man vielleicht denkt – auch bei sich selbst. Überprüfe das doch einmal bei dir und schule deine Körperwahrnehmung!

Die beliebte Reitlehrerin und ehemalige Grand-Prix-Reiterin Dr. Britta Schöffmann erklärt dir im Kurs Reiten gut erklärt Teil 4: Seitengänge von Schultervor bis Traversale in gewohnter Genauigkeit und Verständlichkeit, die Hilfengebung beim Schulterherein. Sie geht detailliert auf die Gewichtshilfe ein und zeigt dir, was bei typischen Fehlern mit dem Pferd und mit der Lektion passiert.

Wir hoffen, dass du es spätestens jetzt nicht mehr abwarten kannst, endlich auf die Matte, auf den Gymnastikball und in den Sattel zu steigen, um all die Übungen, Tipps und Erklärungen auszuprobieren, nachzuvollziehen und anzuwenden!

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