Der Hannoveraner im Rasseportrait: Das macht diese Pferderasse so erfolgreich

Ein Hannoveraner auf der Weide
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Der Hannoveraner ist eine weltweit beliebte und erfolgreiche Pferderasse. In diesem Artikel geht es um seine Geschichte und Herkunft, seine physischen und charakteristischen Merkmale, seine Haltung und für welche Disziplinen er geeignet ist. Viel Spaß beim Lesen!

Der Hannoveraner im Steckbrief

In diesem Steckbrief findest du alle wichtigen Informationen zum Hannoveraner im Überblick: 

MerkmalDetails
Stockmaß160 – 180 cm
Gewicht500 – 700 kg
Lebenserwartung20 – 30 Jahre
FellfarbenBrauner, Rappe, Fuchs, Schimmel
CharakterIntelligent, leistungsbereit, freundlich, ausgeglichen, sensibel
GängeSchritt, Trab, Galopp
Schwungvoll, raumgreifend, anmutig
Geeignet fürDressur, Springen, Freizeit
Der Hannoveraner hat eine Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurück geht.

Herkunft und Geschichte

Die Hannoveraner stammen aus dem Bundesland Niedersachsen, deren Landeshauptstadt Hannover ist. Daher auch der Name der Pferderasse.

Die Geschichte der Hannoveraner lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Pferderasse wurde ursprünglich für ihren Einsatz in der Landwirtschaft und im Militär gezüchtet. Dabei markierte die Gründung des Landgestüts Celle am 27. Juli 1735 den Beginn der organisierten Zucht. Das Landgestüt fungierte damals als Zentrale für die Registrierung von Anpaarungen und für die Meldung von Fohlen. 

Bis etwa 1870 erfolgte die Veredelung der Hannoveraner durch die Einkreuzung englischer Voll- und Halbblüter. Danach wurden erstmal keine anderen Rassen eingekreuzt. Aus dieser Zeit stammt auch das Hannoversche Stutbuch, das 1888 gegründet wurde und den Grundstein für den heutigen Hannoveraner Verband legte.

Ein besonderes Merkmal der Zucht war damals, dass viele Zuchtstuten bei bäuerlichen Züchtern standen. Grund dafür war, dass die Zucht bis in die Nachkriegszeit hinein darauf ausgelegt war, dass die Hannoveraner vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Der Fokus lag somit auf stämmigen Pferden mit gutem Fundament und die ländlich gelegenen Züchter arbeiteten mit dem Landgestüt zusammen.

Durch den vermehrten Einsatz von Maschinen wurden die Hannoveraner allerdings nach und nach als Arbeitstiere abgelöst und der Fokus der Zucht schwenkte auf Sportpferde um. Zu diesem Zweck erfolgte erneut die Einkreuzung von Fremdblut, in diesem Fall von Vollblütern und Trakehnern

Der Hannoveraner Verband und die Stutenstämme

Der Hannoveraner Verband entstand aus dem 1888 gegründeten hannoverschen Stutbuch. Über die Zeit schlossen sich diesem noch der Verband Hessischer Pferdezüchter und ein Teil des Rheinischen Pferdestammbuchs an. Heute verzeichnet kein anderer Verband in Europa so viele registrierte Pferde wie der Hannoveraner Verband. Dabei ist die Hauptniederlassung in Verden. Hier werden die Zuchtbücher geführt und Equidenpässe ausgestellt.

Daneben nutzt der Verband die Niedersachsenhalle, um verschiedene Events wie Turniere und die bekannte Verdener Auktion zu veranstalten. Die Verdener Auktion gibt es bereits seit 1949 und insgesamt werden im Jahr über mehrere Termine fast 900 Pferde hier versteigert.

Da gute Zuchtstuten für die Zucht genauso wichtig sind wie gute Zuchthengste, hat der Hannoveraner Verband 2010 seine Stutenstämme systematisiert. Für jede bis 2006 eingetragene Zuchtstute wurde der Ursprung ihrer Zuchtlinie identifiziert. Am Ende konnten so über 1500 Stutenstämme gefunden werden. Dabei bestimmt der Name der Stammstute den Namen des Stutenstamms. Diese Informationen sind seither auch in den Equidenpässen enthalten.  

Wie sieht ein Hannoveraner aus?

Ein Hannoveraner ist großrahmig und rechteckig im Körperbau. Sein Körper ist dabei elegant und gut bemuskelt. Er hat einen kurzen und starken Rücken, eine breite Brust, schräge und gut bemuskelte Schultern und sein Hals ist lang und kräftig. Die Beine des Hannoveraners sind lang, stark und kräftig.

Das übergeordnete Zuchtziel eines rittigen, charakterlich einwandfreien Pferdes mit ausdrucksvollen Bewegungen lässt äußerlich viel Gestaltungsspielraum und die Züchter dürfen selbst einen Schwerpunkt hinsichtlich der Disziplinen wählen. Aus diesen Gründen gibt es Hannoveraner in ganz unterschiedlichen Typen. Einige sind eher zart und blütig, während andere ein breiteres Fundament aufweisen. 

Das Fell eines Hannoveraners ist kurz und dicht. Deck- und Langhaar können dabei alle gängigen Farben annehmen. Sodass Hannoveraner unter anderem als Rappe, Fuchs, Brauner und Schimmel zu finden sind. Anders als z.B. bei den Friesen sind auch weiße Abzeichen zugelassen.

Ein Hannoveraner mit Halfter
Hannoveraner sind freundliche, aufmerksame und intelligente Pferde.

Wesen und Persönlichkeit

Das solltest du über das Wesen und den Charakter von Hannoveranern wissen: 

  • Intelligenz und Leistungsbereitschaft: Hannoveraner sind für ihre hohe Intelligenz und Leistungsbereitschaft bekannt. Sie sind aufmerksam, lernen schnell und wollen arbeiten, was eine hervorragende Eigenschaft für eine Vielzahl von Reitsportdisziplinen darstellt. 
  • Freundlichkeit: Pferde dieser Rasse sind häufig sehr freundlich, umgänglich, sensibel und bauen oft starke Beziehungen zu ihren Besitzern auf.
  • Temperament: Hannoveraner können temperamentvoll sein. Sie gelten aber gleichzeitig als ausgeglichen, nervenstark und mutig.

Gesundheit und Lebenserwartung

Hannoveraner haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 20 bis 30 Jahren. 

Es sind keinerlei rassetypischen Erkrankungen bekannt. Durch seinen verstärkten Einsatz im Leistungssport kann es allerdings zu Erkrankungen des Bewegungsapparates kommen, wie:

  • Frühzeitiger Verschleiß von Bändern und Sehnen: Es gibt viele verschiedene Ursachen für einen frühzeitigen Verschleiß von Bändern und Sehnen, wie beispielsweise eine akute Überbelastung, mangelhaftes Training und ungeeignete Böden. Diese Erkrankung kann starke Schmerzen und Lahmheit verursachen.
  • Arthrose: Arthrose stellt eine nicht heilbare Erkrankung der Gelenke dar. Der Gelenkknorpel, der im Gelenk als eine Art Stoßdämpfer fungiert, wird hierbei zunehmend zerstört. Das führt wiederum dazu, dass sich das Gelenk entzündet und sich der unter dem Knorpel liegende Knochen abnutzt. Dies kann zu Schmerzen und Lahmheiten führen.
  • Gelenk-Chips: Die sogenannten Chips sind abgesplitterte Knochenteilchen, die sich innerhalb des Gelenks bewegen. Sie können zu Schmerzen und Lahmheit des betroffenen Pferdes führen.
Ein Hannoveraner auf der Weide
Hannoveraner sind große und aktive Pferde, die viel Bewegung und Beschäftigung benötigen.

Artgerechte Haltung

Neben den Grundbedürfnissen, die jedes Pferd hat, stellen Hannoveraner keine besonderen Anforderungen an die Haltung. Wichtig ist jedoch, dass sie entsprechend ihrem Arbeitswillen und ihrer Lernbereitschaft auch gefordert und beschäftigt werden.

Ansonsten brauchen Hannoveraner, wie jede Pferderasse, viel Platz zur freien Bewegung. Da sie recht groß sind, solltest du darauf achten, dass das Platzangebot wirklich ausreichend ist. Daneben sind viel frische Luft und eine geringe Staubbelastung wichtig. Solltest du deinen Hannoveraner draußen halten, ist ein guter Witterungsschutz unabdingbar.

Außerdem sind sie sehr soziale Pferde, die niemals alleine gehalten werden sollten. Deshalb braucht auch ein Hannoveraner die Gesellschaft anderer Pferde, um gesund und glücklich zu sein.

Artgerechte Fütterung

Hannoveraner sind sehr genügsam und haben in Bezug auf die Fütterung keine besonderen Ansprüche.

Wie jedem anderen Pferd sollten ihm ständig Raufutter und Wasser zur Verfügung stehen. Da Hannoveraner als etwas leichtfuttrig gelten, solltest du das Kraftfutter allerdings an seine Leistungsanforderungen anpassen.

Ein Hannoveraner trabt im Schnee
Die Gänge des Hannoveraners sind schwungvoll und raumgreifend.

Die Gänge des Hannoveraners

Der Hannoveraner verfügt über die Gänge Schritt, Trab und Galopp. Diese sind schwungvoll, kraftvoll, raumgreifend und anmutig, was diese Pferderasse für den großen Sport prädestiniert. 

Für welche Disziplinen sind Hannoveraner geeignet?

Durch ihr ausgeglichenes Temperament, ihre schönen raumgreifenden Bewegungen und ihre hohe Leistungsbereitschaft eignen sich Hannoveraner für eine Vielzahl an Disziplinen und gehören zu den erfolgreichsten Rassen im Pferdesport.

Hannoveraner gelten als eine der besten und erfolgreichsten Dressur- und Springpferderassen der Welt. Die Pferderasse ist ebenso in der Vielseitigkeit sehr beliebt. Aufgrund seiner hervorragenden Charaktereigenschaften eignen sie sich auch wunderbar als Freizeitpferd.

Berühmte Hannoveraner

Über alle Disziplinen hinweg sind Hannoveraner hoch erfolgreiche Sportpferde. Die Vertreter dieser Rasse haben viele Siege, unter anderem bei den Olympischen Spielen, sowie bei Welt- und Europameisterschaften zu verzeichnen. 

Ein wichtiger Vererber im Dressursport ist Weltmeyer (1984-2011). Dieser Hannoveraner Hengst gehörte bis zum Schluss dem Landgestüt Celle und war ein Nachkomme von World Cup I. Er gewann 2-jährig die Körung in Verden und ein Jahr später das Bundeschampionat der dreijährigen Reitpferde. Weiter erhielt er 1998 die Auszeichnung “Hannoveraner Hengst des Jahres”. Auch die Nachzuchten von Weltmeyer sind erfolgversprechend, so befinden sich unter ihnen viele prämierte Stuten und gekörte Hengste. Ein besonders herausragender Nachkomme ist dabei der Hengst Wolkentanz.

Weitere bekannte Hannoveraner, die in der Dressur erfolgreich waren, sind unter anderem: Gigolo mit Isabell Werth und Desperados FRH mit Kristina Bröring Sprehe.

Im Springsport ist der Hannoveraner Hengst Stakkato ein bedeutender Vererber. Er wurde 1993 geboren und anschließend erfolgreich gekört. Im Jahre 1995 war er bester seiner Hengstleistungsprüfung und drei Jahre später war er der Gewinner des Bundeschampionats der deutschen Springpferde. Er verzeichnete viele nationale und internationale Erfolge, bevor er 2007 “Hannoveraner Hengst des Jahres” wurde. 2012 erfolgte dann die Verabschiedung aus dem Sport. Auch seine Nachkommen sind vielversprechend.

Zu den bekannten Hannoveranern im Springen gehören außerdem: Deister mit Paul Schockemöhle sowie Checkmate und Shutterfly mit Meredith Michaels-Beerbaum.

Auch in der Vielseitigkeit kann die Pferderasse der Hannoveraner überzeugen. Erfolgreiche Vertreter sind unter anderem FRH Butts Abraxxas und Escada FRH mit Ingrid Klimke.

Wie viel kostet ein Hannoveraner?

Da sich ein Hannoveraner ausgezeichnet als Turnierpferd eignet, ist er ebenfalls verhältnismäßig teuer. Du kannst mit Preisen zwischen 5.000 bis mehreren zehntausend Euro rechnen. Nach oben sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Der Preis ist dabei abhängig vom Züchter, der Abstammung, dem Ausbildungsstand, bisherigen Erfolgen und dem Gesundheitszustand des Pferdes. Eine gute Abstammung kann dabei wirklich teuer werden, 2012 erfolgte die Versteigerung eines Fohlens für 48.000€. 

Der Hannoveraner ist eine Pferderasse, die durch ihre Eleganz und Leistung überzeugt. Mit seiner beeindruckenden Größe, seinem freundlichen Wesen und seiner Leistungsbereitschaft hat der Hannoveraner die Herzen vieler Pferdeliebhaber auf der ganzen Welt erobert. Ob in der Dressur, im Springen oder als Freizeitpferd, dieses Pferd ist ein echter Allrounder.

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