Hund und Pferd richtig aneinander gewöhnen – So klappt es!

Hund und Pferd schnüffeln am Pferdefutter
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Du träumst davon, deinen Hund entspannt mit in den Stall oder sogar auf einen Ausritt zu nehmen? Du möchtest, dass dein Hund und dein Pferd gut miteinander auskommen und einander respektieren? Damit das funktioniert, ist es wichtig, Hund und Pferd richtig aneinander zu gewöhnen. Wie das genau geht, erfährst du in diesem Artikel.

Grundlegende Unterschiede zwischen Hund und Pferd

Bevor du deinen Hund und dein Pferd zusammenführst, ist es erst einmal wichtig zu verstehen, dass hier zwei Tiere mit völlig unterschiedlichen Verhaltensweisen aufeinander treffen. Diese Anhaltspunkte helfen dir, die jeweilige Reaktion und das Empfinden deiner Tiere besser einzuschätzen und, falls nötig, rechtzeitig einzugreifen:

Beutegreifer vs Fluchttier

Ein Hund ist ein sogenannter Beutegreifer. Für einen Beutegreifer ist Jagen ein Verhalten, das zum Überleben unverzichtbar ist. Ein Pferd hingegen ist ein Fluchttier. Fühlt es sich angegriffen, drängt sein Instinkt es zur Vorsicht oder zur Flucht. Ein Pferd gehört normalerweise in das Beuteschema eines Hundes. Demnach ist es ganz natürlich, dass ein Hund zunächst Jagdverhalten an den Tag legen kann.

Ein Hund fordert ein Pferd zum Spielen auf
Eine freundliche Spielaufforderung deines Hundes, kann von deinem Pferd als aggressives Verhalten gedeutet werden.

Pferd und Hund kommunizieren mit unterschiedlichen Signalen

Hund und Pferd kommunizieren über unterschiedliche Signale. Dadurch kann es zwischen den beiden schnell zu Missverständnissen kommen. Das freundliche Verhalten des Hundes, wie beispielsweise aufgeregtes Fiepen oder Bellen oder Spielaufforderungen, kann vom Pferd als aggressives Verhalten verstanden werden. Aufgrund des beachtlichen Größenunterschieds kann ein zufriedenes Schnauben deines Pferdes oder ein glücklicher Galopp über die Weide vom Hund als Bedrohung wahrgenommen werden. Deshalb ist es wichtig, dass du als Besitzer gut auf die Signale beider Tiere achtest. Solltest du Missverständnisse beobachten, versuche frühzeitig zu reagieren. 

Welpe und Pferd beschnüffeln sich
Ein Welpe ist neuen Dingen oft offener gegenüber.

Verhaltensunterschiede zwischen jungem und altem Hund

Bei der Gewöhnung von Hund und Pferd gibt es ein paar Unterschiede zwischen einem jungen oder alten Hund. 

  • Junger Hund: Ein Welpe oder ein junger Hund ist oft neugieriger und offener gegenüber neuen Dingen, wodurch sie lernfähiger und anpassungsfähiger sein können. Auch ist von Vorteil, dass sie in ihrem bisherigen Leben vermutlich noch keine negativen Erfahrungen mit Pferden gemacht haben. Ein Welpe oder junger Hund hat aber in der Regel mehr Energie, kann impulsiver sein, leichter ablenkbar und hat möglicherweise weniger Geduld.
  • Alter Hund: Ein älterer Hund hat über die Zeit bereits feste Gewohnheiten und Verhaltensmuster entwickelt. Das kann dazu führen, dass er weniger anpassungsfähig und lernfähig ist. Hat ein älterer Hund in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Pferden oder anderen großen Tieren gemacht hat, kann dies die Gewöhnung ebenfalls erschweren. Andererseits ist ein älterer Hund oft ruhiger, geduldiger und kann sich länger auf eine Aufgabe konzentrieren, was den Gewöhnungsprozess erleichtern kann. 

Wie kann ich meinen Hund und mein Pferd richtig aneinander gewöhnen?

Diese Dinge können dir dabei helfen Hund und Pferd richtig aneinander zu gewöhnen.

Kontrollierte & reizarme Umgebung 

Beginne mit der Gewöhnung von Hund und Pferd unter kontrollierten Bedingungen und in einer reizarmen Umgebung mit so wenig Ablenkung wie möglich. Nimm dir ausreichend Zeit und versuche das Kennenlernen langsam und Schritt für Schritt zu gestalten. Auch kann es hilfreich sein, wenn du dir von einer weiteren Person beim Kennenlernen helfen lässt.

Kein Reiter

Stelle sicher, dass bei den ersten Treffen kein Reiter auf dem Pferd sitzt. Das kann den Hund verunsichern oder verwirren, vor allem wenn es sich bei dem Reiter gleichzeitig um eine Person handelt, zu dem der Hund eine enge Beziehung hat, wie als sein Besitzer/ seine Besitzerin. Das könnte den Beschützerinstinkt des Hundes wecken und er könnte anfangen zu bellen oder am Pferd hochspringen.

Leine und Strick

Um Sicherheit für alle Beteiligten herzustellen und das Verletzungsrisiko zu minimieren, solltest du deinen Hund bei der Gewöhnung an der Leine und dein Pferd an Strick und Halfter oder an der Trense führen. So hast du die Möglichkeit, die beiden besser zu kontrollieren und einzugreifen.

Langsame & schrittweise Annäherung

Beginne beim Kennenlernen mit einem großen Abstand zwischen Pferd und Hund. Lasse sich die beiden erstmal gegenseitig aus der Ferne beobachten. Versuche den Abstand nach und nach zu verkleinern. Bleiben dein Hund und Pferd ruhig und entspannt, kannst du sie für dieses Verhalten belohnen. Wird einer der beiden aufgeregt und unruhig, vergrößere den Abstand wieder oder lege eine Pause ein. Nähert euch schrittweise aneinander an.

Hund und Pferd beschnüffeln sich
Lass sich Hund und Pferd vorsichtig beschnüffeln.

Kennenlernen am Boden

Trotz des enormen Größenunterschieds zwischen Hund und Pferd sollte die Gewöhnung der beiden am Boden stattfinden. Nimm deinen Hund nicht hoch, da er dort nicht ausweichen kann, wenn er Angst bekommt. Lass sich die beiden vorsichtig beschnüffeln, wenn sie sich gegenüberstehen. Beobachte sie dabei genau, um sicherzugehen, dass du im Fall der Fälle rechtzeitig eingreifen kannst.

Ruhe und Geduld

Berücksichtige, dass es einige Tage, Wochen oder sogar Monate dauern kann, bis du Hund und Pferd richtig aneinander gewöhnt hast. Nimm dir also ausreichend Zeit und bleib ruhig und geduldig. Verlange am Anfang von beiden Tieren nicht zu viel und beende das Training positiv.  

Wie kann ich meinen Hund auf einen Stallbesuch vorbereiten?

Es gibt einige Dinge, die du tun kannst, um deinen Hund auf einen Stallbesuch vorzubereiten:

  • Grundgehorsam: Bevor du deinen Hund mit in den Stall nimmst, stelle sicher, dass er einen guten Grundgehorsam hat, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Grundkommandos wie Sitz, Platz, eine gute Leinenführigkeit, Rückruf und Bleib, sollte er beherrschen.
  • Deckentraining: Es kann sinnvoll sein, mit deinem Hund vor dem ersten Stallbesuch Deckentraining zu machen. In dessen Rahmen kannst du einen Befehl festlegen, bei dem dein Hund sich auf seine Decke legt. Das kann auch für den Stall von Vorteil sein, damit dein Hund weiß wo sein Platz ist und wo er zur Ruhe kommen kann.  
  • Auslastung: Versuche deinen Hund vor dem Stallbesuch auszulasten, damit er entspannt und ausgeglichen ist. Du kannst mit ihm beispielsweise einen langen Spaziergang machen oder verschiedene Spielchen spielen.

Was außerdem wichtig ist, wenn du deinen Hund mit zum Stall nimmst

Im Stall können auf deinen Hund einige Gefahren lauern, auf die du achten solltest. Zu diesen gehören:

Vorsicht bei Medikamenten & Entwurmungsmitteln

Viele Pferde bekommen Medikamente oder werden regelmäßig entwurmt. Daher kann es sein, dass diese im Stall herumliegen. Medikamente oder Entwurmungsmittel für Pferde sind allerdings deutlich stärker konzentriert als die für Hunde und enthalten zusätzliche Inhaltsstoffe, die für Hunde extrem giftig sein können. Achte also darauf, dass dein Hund keinen Zugang oder Kontakt zu derartigen Medikamenten hat, sei es noch in der Verpackung, durch Ablecken am Boden oder durch die Aufnahme von Pferdeäpfeln. Hat dein Hund trotz Vorsicht Medikamente oder Entwurmungsmittel zu sich genommen, suche umgehend eine Tierarztpraxis auf.

Kein Pferdefutter für Hunde

In einem Reitstall steht und liegt Pferdefutter häufig offen herum. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dein Hund Pferdefutter fressen und sich darüber hermachen möchte. Nimmt dein Hund eine kleine Menge Pferdefutter auf, ist das normalerweise nicht problematisch. Nimmt er allerdings größere Mengen zu sich, kann er dadurch krank werden, da es sein kann, dass er manche Zusätze nicht verträgt. Auch kann es sein, dass dem Pferdefutter Medikamente beigemischt wurden, die deinem Hund schaden könnten.

Horn 

Viele Hunde lieben es, die Hufabfälle zu knabbern, die nach der Hufbearbeitung vom Hufschmied übrig geblieben sind. Das ist an sich kein Problem, da dies den Hunden eine Beschäftigung bietet und das Horn sogar Calcium, Biotin und Eiweiß liefert. Damit dein Hund sich nicht verletzt, solltest du allerdings darauf achten, dass die Hufabfälle nicht allzu scharfkantig sind. Denn würde er diese verschlucken, könnte dies seine Speiseröhre, Magen oder Darm schädigen. Hat dein Pferd eine Huferkrankung, solltest du ebenfalls darauf achten, dass dein Hund das Horn nicht frisst, weil er sich sonst mit Parasiten, Bakterien oder Viren anstecken könnte. Auch solltest du dafür sorgen, dass dein Hund keine Hufabfälle frisst, die schon länger rumliegen, da diese ebenfalls mit Bakterien oder Schimmel versehen sein könnten.

Eignet sich jeder Hund als Begleiter für den Stall?

Prinzipiell ist jeder Hund als Begleiter für den Stall oder zum Ausreiten geeignet. Wichtig ist, dass du deinen Hund langsam und Schritt für Schritt an das Pferd heranführst, damit er keine Angst entwickelt. Hat dein Hund einmal schlechte Erfahrungen mit größeren Tieren oder Pferden gemacht, solltest du besonders vorsichtig sein und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Auch sollte der Hund eine gute Grunderziehung genossen haben und über einen guten Grundgehorsam verfügen, um einen sicheren Umgang am Stall zu gewährleisten. Gewisse Grundkommandos sollten jederzeit abrufbar sein und auch der Jagdinstinkt des Hundes sollte kontrolliert sein.

Hund und Pferd richtig aneinander zu gewöhnen, erfordert viel Zeit, Geduld und Verständnis. Wenn du die beiden langsam und schrittweise aneinander gewöhnst, sollte einer gemeinsamen und harmonischen Zeit im Stall aber schon bald nichts mehr im Wege stehen.

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