Woran erkennt man einen kompetenten Hufschmied? – der ultimative Guide

Frisch vom Hufschmied beschlagene Pferdehufe

"Ohne Huf - kein Pferd" - dieses alte Sprichwort ist dir sicher als Pferdefreund ein Begriff. Dies bedeutet, es ist nicht möglich, ein Pferd als Reitpferd, Kutschpferd oder für andere Zwecke zu nutzen oder ihm auch "nur" Ferien auf der Sommerkoppel zu ermöglichen, wenn es ernsthafte Hufprobleme hat.

Warum ist es so wichtig, sich um die Pferdehufe zu kümmern?

Gesunde und korrekt bearbeitete Pferdehufe sind ein wichtiger Baustein, um das Pferd auch bis ins hohe Alter gesund zu erhalten. Werden Pferdehufe vernachlässigt, kann es zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen kommen. Häufiges Stolpern des Pferdes bis hin zu Schnabelhufen bei völlig verwahrlosten Tieren sind häufig die Folge einer fehlenden Hufbearbeitung durch den Hufschmied.

Schon ein unbehandelter Hufabzess, der möglicherweise nur durch einen kleinen Stein im Huf ausgelöst wurde, verursacht für das betroffenen Pferd bereits erhebliche Schmerzen, die sich meist in einer deutlichen Lahmheit äußern.

Ein ganzheitliches Huf-Management trägt auch zum Erfolg im Reitsport bei. Mehr dazu erfährst du in unserem wehorse Kurs mit Jessica von Bredow Werndl und Benjamin Werndl.

Durch mangelnde Hufpflege und Hygiene im Stall und auf der Weide kann es zur lästigen Strahlfäule kommen, die nicht nur unangenehm riecht, sondern auch Folgen für die Pferdegesundheit haben kann. Besonders gefürchtet ist die Hufrehe, die den gesamten Stoffwechsel des Pferdes betrifft und eine besonders gute Versorgung des erkrankten Hufes und weitere, häufig dauerhafte Maßnahmen erfordert.

Ein sachverständiger Hufschmied erkennt während seiner regelmäßig stattfindenden Hufbearbeitungstermine solche und andere gesundheitliche Probleme zuverlässig und frühzeitig und leitet die entsprechenden Gegenmaßnahmen nach Absprache mit dem Pferdebesitzer ein.

Beschlagen oder nicht beschlagen?

Leider nutzen unsere Ponys und Reitpferde ihre Hufe meist nicht in optimaler Weise selber ab und benötigen daher alle sechs bis acht Wochen eine professionelle Hufbearbeitung bei der die Hufe ausgeschnitten und die Zehen entsprechend gekürzt werden.

Für viele Pferde sind dann auch neue Hufeisen fällig, besonders wenn die Pferde auf hartem, steinigem Boden klamm bzw. "fühlig" laufen oder die Hornqualität generell für das Barhuflaufen als nicht ausreichend erscheint. Einige Pferde- und Ponyrassenrassen benötigen offenbar aufgrund ihrer guten Hornqualität nur selten Hufeisen, dazu zählen einige robuste Rassen wie etwa Shetland Ponys.
Die Sportreiter und sehr leistungsorientierten Reiter nutzen meistens Hufeisen, da sie ihre Pferde für Turniere oder Rennen besonders intensiv trainieren und sie sich auch beim Training auf unterschiedlich harten Böden keine hufbedingten Auszeiten vom Training leisten möchten. Viele sind der Überzeugung, dass ihre Pferde nur mit vom Hufschmied optimal angepassten Hufeisen auch herausragende Leistungen im Training und bei Wettbewerben zeigen können.

Wenn du Freizeitreiter bist, hast du wahrscheinlich ebenfalls das Ziel, dein Pferd regelmäßig und gesundheitsfördernd zu bewegen. Allerdings steht bei dir vermutlich nicht der Wettbewerbsgedanke an erster Stelle, sondern gemeinsam mit dem Pferd eine schöne Zeit und entspannte Zeit zu verbringen. Dabei sind Freizeitreiter auch häufig in Wald und Feld oder am Meer auf unterschiedlichsten Böden unterwegs. Je nachdem auf welchem Untergrund du überwiegend reitet, fällt dann auch die Entscheidung für oder gegen Hufeisen.

Ein unbeschlagenes Pferd läuft barhuf.

Wenn man Hufpfleger nach ihrer Meinung zur Wirkungsweise von Hufeisen fragt, werden sie dir wahrscheinlich versichern, dass ein gesunder Barhuf das beste für dein Pferd ist, da nur dadurch der natürliche Hufmechanismus der Pferde zum Einsatz kommt. Außerdem könnten sich auch Barhufer mit der Zeit unterschiedlichen Bodenverhältnissen anpassen. Für den Fall das dein Pferd dennoch mit einem harten oder steinigen Boden Probleme beim Laufen hat empfehlen dir Hufpfleger gerne Hufschuhe, die dem Pferd angepasst und bei Bedarf angezogen werden.

Für dich als Pferdebesitzer ist die Entscheidung für oder gegen Hufeisen geradezu zu einer Gewissensfrage geworden, die in bestimmten Gruppen kontrovers diskutiert wird. Ein guter Schmied berät dich auf Augenhöhe über Vor- und Nachteile von bestimmten Optionen und handelt dabei nicht (ausschließlich) profitorientiert, sondern orientiert sich idealerweise an den Bedürfnisse seiner Kunden und deren Pferde, die er jeweils individuell betrachtet und dabei auch über den eigenen Tellerrand schaut, wenn dies dem Wohl des Pferdes dient.

Wie sollten gute Hufe aussehen und woran erkennt man sie?

Gute Pferdehufe sehen von oben betrachtet gleichmäßig-rund aus und fühlen sich glatt an. Unebenheiten, Dellen, Rillen und Verfärbungen des hellen Hufhorns lassen meist Rückschlüsse auf Hufbeschwerden des Pferdes in der Vergangenheit zu. Die Zehe sollte weder zu lang sein, was die Pferde zum Stolpern bringen könnte (bzw. zum Verlust eines Hufeisens führen könnte), noch zu stark abgenutzt. Von unten betrachtet ist die "weiße Linie" am äußeren Rand des Hufes idealerweise gut sichtbar und zusammenhängend. Darin, wie auch im gesamten Huf sollten nach dem Reiten keine kleinen Steinchen oder Ähnliches verbleiben, um Verletzungen des Hufes vorzubeugen.

Neben der weißen Linie ist bei gesunden Barhufern ein stabiler und ausreichend breiter Tragrand zu erkennen. Das Hufhorn wünscht man sich fest, gesund und robust. Der Strahl ist bei Hufen in gutem Zustand ausgeprägt, fest und riecht neutral. Ein unangenehmer Geruch auf der Unterseite des Hufes deutet meist auf eine Krankheit wie zum Beispiel Strahlfäule hin.

Wenn das Pferd Hufeisen trägt, sollten diese dem Pferd optimal angepasst sein. Lockere, sich ablösende Hufeisen stellen für Pferde und Reiter eine gesundheitliche Gefährdung dar, die möglichst schnell behoben werden muss. Eine gute Hufhornqualität ist dem Pferd bis zu einem gewissen Grad hin angeboren und ein Pferdebesitzer kann sich glücklich schätzen, wenn sein Pferd von Natur aus gute Hufe mitbringt. Falls das Pferd eine weniger gute Hornqualität hat, kann man die Hufgesundheit mit zusätzlichen Futtermitteln unterstützen.

Kindern lernen, Pferdehufe richtig auszukratzen.

Der Hufschmied: wann braucht man ihn und warum ist er so wichtig?

Jeder Pferdebesitzer, der nicht selber eine Ausbildung zum Hufschmied oder Hufpfleger gemacht hat, braucht den Hufschmied regelmäßig, etwa alle 6 bis 8 Wochen. Dann besucht der Hufschmied den Pferdepensionsstall oder privaten Stall und kümmert sich meist nacheinander um mehrere Pferde. Die alten Eisen werden bei hufeisentragenden Pferden entfernt, vom Rand der Hufe wird überstehendes Horn entfernt und die Hufe werden in die richtige Form gebracht, auf der die neuen Hufeisen dann aufgebracht werden. Trägt das Pferd generell keine Eisen, werden die Hufe nur ausgeschnitten und die Zehe auf die korrekte Länge geraspelt. Bei allen Pferden muss der Hufschmied penibel darauf achten, dass sie Pferde nach der Hufbearbeitung so korrekt wie möglich stehen und schmerzfrei gut laufen können. Im Notfall sollte ein guter Hufschmied allerdings auch einmal kurzfristig und nur für ein Pferd zum Stall kommen, wenn es beispielsweise eine schmerzhafte, akute Hufkrankheit hat oder ein Hufeisen verloren hat.

Ein guter Hufschmied ist ein kompetenter Ansprechpartner und Dienstleister für Pferdebesitzer und sollte zuverlässig seine turnusmäßigen Termine einhalten und telefonisch erreichbar sein. Dies gilt besonders bei Notfällen rund um den Huf.

Was sind Notfalleinsätze für Hufschmiede?

Es gibt unterschiedliche Situationen, die ein schnelles Handeln des Hufschmieds erfordern. Wenn zum Beispiel das eigene Pferd einige Tage vor einem Turnier oder vor der nächsten Trainingseinheit ein Hufeisen verliert, wird der Reiter ohne Hilfe des Hufschmieds nicht wieder in den Sattel steigen können.

Auch plötzliche Lahmheiten, die zum Beispiel durch Hufabzesse auftreten können, gehören rasch in die Hände eines Fachmanns, der dem Pferd rasch Linderung verschaffen kann. Sollte das Pferd eine Hufrehe bekommen und kaum mehr auf den schmerzenden Hufen stehen können, ist neben einem fachkundigen Tierarzt auch der Hufschmied gefragt, diese Krankheit durch die bestmögliche Hufbearbeitung zu bekämpfen.

Was ist der Unterschied zwischen Hufschmied und Hufpfleger?

Ein Hufschmied ist üblicherweise staatlich geprüft und hat eine entsprechende Berufsausbildung mit den vorgesehenen Praktika absolviert, um den Bewegungsapparat der Pferde durch die Verwendung von Hufeisen oder weiteren geeigneten Maßnahmen wie das Ausschneiden von Barhufen zu unterstützen. Hufeisen bestehen heute nicht mehr ausschließlich aus Metall, es gibt sie in verschiedenen Materialvarianten (wie etwa Kunststoff) und Formen (Eiereisen, Hufeisen mit Platten oder Keilen), um auch speziellen oder orthopädischen Zwecken dienen zu können.

Hufpfleger hingegen verwenden für ihre Tätigkeit am Huf keine Hufeisen, sondern bearbeiten das Horn meist mit Raspel und Hufzange. Ihre Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, wie die des staatlich anerkannten Hufbeschlagsschmieds, allerdings sollten kompetente Hufpfleger eine fundierte Ausbildung bei einem der entsprechenden Institute (wie zum Beispiel "dem Barhufinstitut" absolviert haben. Sie sind neben den Schmieden die Experten rund um Pferdehufe und achten ebenso wie ihre staatlich geprüften Kollegen auf beginnende Krankheitszeichen und die korrekte Bearbeitung und Stellung der Hufe, um die Pferde möglichst lange gesund zu erhalten.

In Hufeisen können Stollen für das Reiten im Gelände eingeschraubt werden.

Wie man die Hufe von Fohlen und Jungpferden pflegt

Fohlenhufe sind anfangs sehr weich und werden dann nach und nach härter. Es ist wichtig, ein Fohlen möglichst früh daran zu gewöhnen, dass seine Hufe täglich beim Hufauskratzen gereinigt werden. Dabei ist allerdings viel Geduld nötig, bis das Fohlen das jeweilige Bein bereitwillig anhebt und bis es ihm gelingt, das für das Stehen auf drei Beinen notwendige Gleichgewicht und Vertrauen in den Menschen zu entwickeln.

Fohlen benötigen noch keine Hufeisen, allerdings sollte man sie im ersten Lebensjahr erstmals dem Schmied oder Hufpfleger vorstellen, der die Hufe behutsam bearbeitet und dabei besonders darauf achtet, Fehlstellungen der Hufe zu verhindern. Bei Jungpferden geht man dann in vergleichbarer Weise vor und stellt sie in möglichst regelmäßigen Abständen zur Hufbearbeitung und Hufkontrolle vor, sodass auch diese Termine zu einer alltäglichen Situation für die Pferde werden, mit der sie zukünftig gelassen umgehen.

Der erste Besuch des jungen Pferdes beim Schmied

Wenn für dein Jungpferd oder Fohlen der erste Besuch beim Schmied bevorsteht, solltest du es vor diesem spannenden Termin möglichst gut darauf vorbereiten. Es sollte zuverlässig alle vier Hufe geben und auch einige Minuten auf drei Beinen balancieren können, wenn ein Huf gerade bearbeitet wird.

Außerdem sollte es während des Termins ruhig und gelassen am Führstrick an der Hand (oder angebunden) stehen bleiben, damit der Schmied effizient arbeiten kann. Wähle am besten einen Schmied oder Hufpfleger aus, der besonders einfühlsam und geduldig mit Pferden umgeht, um dein Jungpferd nicht für die Zukunft durch eventuelle negative Erfahrungen zu belasten. Weise auch den Schmied vor der Hufbearbeitung darauf hin, dass dein Pferd zum ersten Mal einen Huftermin hat und teile ihm auch mit, wenn mit Problemen zu rechnen ist.

Ein guter Schmied wird dann besonders geduldig und vorsichtig, aber auch konsequent mit deinem Jungpferd umgehen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich das Pferd auch in Zukunft nicht gegen Hufbearbeitungstermine sträubt.

Mehr zur Hufkorrektur und zur ersten Vorstellung beim Hufschmied, findest du in unserem wehorse Kurs Pferdezucht. Von der Trächtigkeit bis zur Aufzucht.

Tipps für Pferde, die empfindlich sind und sich nicht beschlagen lassen

Wenn du ein Pferd besitzt, das sehr sensibel ist und sich weigert, beim Beschlagen der Hufe zu kooperieren, ist das für dich, die Gesundheit deines Pferdes und den Hufschmied, der sich über das (vermeintlich) widersätzliche und unerzogene Pferd ärgert eine sehr unangenehme Situation, für die du eine Lösung brauchst.

Du könntest folgende Dinge versuchen:
Überlege zunächst, worin genau das Problem deines Pferdes beim Hufbeschlagen besteht.

  • Ist es die vielleicht gereizte, unsensible Art eines bestimmten Schmieds, die den Unwillen deines Pferdes begünstigt?
  • Fürchtet sich das Pferd möglicherweise vor dem Qualm, der Hitze, den hämmernden Geräuschen oder vor den Handgriffen und Bewegungen, die der Schmied am Huf selber durchführt?
  • Ist dein Pferd eventuell noch nicht gut ausbalanciert und hat damit Probleme, auf drei Beinen das Gleichgewicht zu halten?

Wenn du zu einer Vermutung gekommen bist, woran es wahrscheinlich liegt, kannst du beispielsweise den Schmied wechseln und das Pferd außerdem durch verschiedene Übungen im Alltag weiter desensibilisieren oder beim Training verstärkt an der Balance arbeiten.

Falls dein Pferd vor dem Beschlagen der zunächst erhitzten und dann dampfend abgekühlten Eisen zurückschreckt, kannst du deinen Schmied um einen Kaltbeschlag oder einen Kunststoff-Klebebeschlag bitten.

Wenn dein sensibles Pferd das Ausschneiden der Hufe und das Raspeln akzeptiert, kannst du versuchen, es barhuf laufen zu lassen. Dies ist nach Meinung zahlreicher Hufexperten ohnehin für die Pferde die beste Lösung, braucht allerdings genügend Geduld und Zeit für die Umstellung auf Barhuf. Zusätzlich ist es möglich, die Hufe deines Pferdes auf steinigem oder zu harten Boden mit Hufschuhen zu schützen.