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Dein Pferd rollt sich ein? Das kannst du dagegen tun

Kennst du das: Dein Pferd rollt sich ein und entzieht sich dem Zügelkontakt? Was kann der Reiter in diesem Moment tun? Denn dieses Problem ist nicht einfach zu korrigieren, und so einige Leute kämpfen ihr Leben lang damit. Wir haben nachgefragt, und Uta Gräf, Peter Kreinberg sowie Britta Schöffmann geben Tipps und Übungen zum Nachreiten gegen das Einrollen.

Inhalt

  1. Wieso rollt sich mein Pferd ein?
  2. Lösungsansätze verschiedener Ausbilder, wenn ein Pferd sich einrollt
  3. Schubkraft vor Tragkraft
  4. Geheimtipp: Trab-Galopp Übergänge
  5. So macht’s Uta Gräf
  6. Gib deinem Pferd ein gutes Gefühl
  7. Dein Pferd rollt sich ein? Zwei Übungen, die helfen
  8. Erste Übung: Vorne nicht anfassen
  9. Zweite Übung: Pylonen und Volten
  10. Achtung: Noch keine diagonale Hilfengebung
  11. Das musst du können: Voraussetzungen des Reiters
  12. Weiterlernen zum Thema „Mein Pferd rollt sich ein“

Wieso rollt sich mein Pferd ein?

Ein Pferd rollt sich ein und geht nicht ans Gebiss? Das ist keine leichte Aufgabe für den Reiter. Das zu beheben ist keine einfache Korrektur, die nach ein paar Wochen schon vergessen ist. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme. Zunächst ist zu klären, ob die Neigung zum zu eng gehen Exterieur bedingt vorliegt, oder ob dies das Resultat von falschem Training ist. 

Die Ursache dafür, dass ein Pferd sich einrollt, kann viele Gründe haben, ebenso fühlt sich nicht jedes Pferd, das hinter der Senkrechten geht, gleich im Sattel an. Grundsätzlich geht mit einem solchen Anlehnungsproblem aber immer zu wenig Schub und Aktivität aus der Hinterhand einher. Das zum Einrollen neigende Pferd ist in der Regel nicht fleißig genug von hinten. Ausbilder Peter Kreinberg sieht das so: „Es mag sein, dass es eilig ist, aber es arbeitet nicht sauber mit Engagement mit Schub aus der Hinterhand über den Rücken!“

Rollt sich dein Pferd ein?

Lösungsansätze verschiedener Ausbilder, wenn ein Pferd sich einrollt

Wie man vorgeht, um diesen Zustand zu beheben, „ist sehr abhängig vom Reiter, Pferd und Ausbildungsstand“, erklärt Dressurausbilderin Britta Schöffmann. Der allgemeine Satz: „Nach vorn an die Hand rantreiben“ ist leider nicht immer so einfach zu erfüllen – wäre das die einzig notwendige Korrekturmaßnahme, gäbe es weit weniger zu eng gehende Pferde.

Da die Fälle so unterschiedlich sind, gibt es nur wenig, was in solchen Situationen allgemeingültig ist. Die Ausbilderin Uta Gräf stellt zwei Beispielpferde vor, die dieses Ausbildungsproblem hatten. Der Horseman Peter Kreinberg, für sein Ausbildungssystem The Gentle Touch bekannt, erklärt zwei Übungsabläufe, die bei der Korrektur helfen können. Außerdem kann auch die Philippe-Karl-Ausbildungsreihe neuen Input geben. Seine diffizilen Zügelzeichen für das Pferd und die Abkauübungen, haben schon vielen Pferden wieder den Weg nach vorn mit der Nase erklären können. Also, viele Wege führen nach Rom!

Schubkraft vor Tragkraft

Grundsätzlich geht es bei der Korrektur des Wegrollens nicht nur um die Nasenlinie. „Pferde, die dazu neigen, sich wegzurollen, sollte man immer wieder nach vorne arbeiten, damit ihr Rücken wieder schwingend arbeitet„, erklärt Britta Schöffmann. Dabei gilt: Schubkraft vor Tragkraft. „Je korrekter ein Pferd schiebt, desto besser tritt es an die Hand heran, weil die Körpermasse des Pferdes in Richtung des Gebisses schiebt“, erklärt sie.  Wenn du dir mehr Erklärungen von Britta Schöffmann wünschst, dann wirf doch einen Blick in ihren Kurs zum Thema Sitz und Einwirkung des Reiters.

Schubkraft vor Tragkraft um das Einrollen zu verhindern

Geheimtipp: Trab-Galopp Übergänge

„Rollt ein Pferd sich ein, helfen hier häufig viele Übergänge vom Trab zum Galopp und wieder zum Trab. Der Grund liegt im Wechsel zwischen Tragen und Schieben. Das Pferd spannt beim Angaloppieren den Bauch an, bekommt so den Rücken hoch und schiebt mit der Hinterhand sein Körpergewicht in den Galoppsprung. Während des Galoppierens arbeitet die Bauchmuskulatur vermehrt, was den Rücken stabilisiert. Und zum Durchparieren in den Trab muss wieder kurz vermehrt Last aufgenommen werden, gefolgt wieder von Schub aus der Hinterhand.“ 

Auch eine Uta Gräf hat nicht immer einen Musterschüler unter sich – Lenny ist ein tolles Pferd, aber es gibt noch viel zu tun. 

So macht’s Uta Gräf

Uta Gräf hat zwei Pferde, bei denen sie in der Ausbildung mit dem Thema „Das Pferd rollt sich ein“ konfrontiert wurde. Zum einen Lenny, ein Pferd, das von Natur aus ein schwieriges Exterieur hat. Und Helios, dem man es optisch nicht ansieht, der aber dennoch Schwierigkeiten hatte, sich zu tragen und dazu neigte, stark abzukippen.

Ihr Berittpferd Lenny gehört zur Kategorie: Extrem leicht im Genick und mit einer wenig ideal angesetzten Halsung. In diesem Kurs thematisiert sie genau das und zeigt, wie sie ihn arbeitet: Sie sagt, dass lange Zeit „eine A-Dressur-Haltung“ für Lenny am wichtigsten war. Gemeint ist die Höhe der Aufrichtung – diese Haltung war wichtig im Wechsel mit dem tiefen Vorwärts-Abwärts. So war es am besten möglich, ihn vor sich zu bringen und einen guten Zug zur Hand mit aktiver Hinterhand zu entwickeln.

Lenny hat auch mit der Anlehnung Probleme

Helios hingegen gehört zum zweiten Typ. Er hatte immer gut Kondition, aber in Aufrichtung zu gehen verlangte ihm mehr Kraft ab, als das üblicherweise der Fall ist. Es wurde sehr schnell anstrengend für ihn. Er brauchte weitaus mehr Zeit als üblich, um die Kraft dafür aufzubauen.

Bei Helios war es anfangs auch hilfreich, wenn er etwas über dem Zügel ging – das war das kleinere Übel im Vergleich zum zu eng werden. Ganz wichtig war, ihm Zeit zu lassen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich nicht so gut entwickelt hätte, wenn ich als er jung war, häufiger und mehr verlangt hätte, dass er sich oben tragen soll“, erklärt Uta Gräf. Seine Entwicklung kann man in Uta Gräfs Ausbildungsserie zu Helios sehr gut nachverfolgen. 

Gib deinem Pferd ein gutes Gefühl

Uta Gräf arbeitet Lenny mit vielen Übergängen. Alles, was die normale Durchlässigkeit verbessert, tat ihm auch für sein Anlehnungsproblem gut. Sie arbeitet mit vielen Tempounterschieden. Es geht nämlich darum, immer wieder das Pferd vors Bein zu bekommen und eine Situation zu erschaffen, in der es möglich ist, den Rahmen nach vorn zu erweitern. Zieht das Pferd dann ein wenig zum Zügel, auch nur ein kleines bisschen, dann muss das belohnt werden. Belohnt meint aber keinesfalls, die Zügel hinzuwerfen. Sondern: Dem Pferd im richtigen Moment ein gutes Gefühl zu geben, die Körperspannung etwas herunter zu fahren und es angenehm zu machen.

Dein Pferd rollt sich ein? Zwei Übungen, die helfen

„Wie bekommen wir das Pferd dazu, dass es rhythmisch anfängt, über die Hinterhand zu schieben?“ Der Wunsch ist, dass das zu enge Pferd beginnt, im Schritt längere Schritte zu machen und im Trab die Tritte zu verlängern, dabei aber keinesfalls zu eilen.

Dafür hat uns Peter Kreinberg zwei Übungsabläufe verraten, die weiterhelfen können. Ob Pferd und Mensch in der Lage sind, sie auszuführen, muss vor Ort entschieden werden. Hier also als Inspiration: 

Erste Übung: Vorne nicht anfassen

  • an der langen Seite Leichttraben mit minimalem Zügelkontakt
  • 2-3 Pferdelängen vor der Ecke behutsam zum Aussitzen kommen, Gewicht im Sattel, jedoch nicht nach hinten lehnend, sondern zum mitschwingendem Sitzen kommend
  • durch die Ecke das Tempo verlangsamen bis zum Schritt, dabei mit ganz wenig Zügelkontakt
  • dann behutsam nach der Ecke wieder antraben, leichttraben
  • nach der langen Seite wieder vor der nächsten Ecke vom Leichttraben zum Aussitzen kommen
  • diesen Ablauf häufig wiederholen

Durch die Vorhersehbarkeit der Übung wird das Pferd die Idee selbst aufnehmen und beginnen, in den Ecken zu stützen und an der langen Seite zu schieben. So kommt es zu einem Wechsel von stützender und schiebender Phase. „Das Pferd soll wieder in die Balance kommen unter dem Reiter, aus dem Schieben zum Stützen und vom Stützen zum Schieben, speziell im Trab.“ Wichtig ist, dass die Übung mit wenig Zügeleinwirkung geritten wird. Also eher an Signal geben denken als an „aufnehmen“. Daher heißt sie auch „vorne nicht anfassen“!

Zweite Übung: Pylonen & Volten 

Diese Übung ist am besten erst zu nutzen, wenn die Übung „Vorne nicht anfassen“ schon gut funktioniert. Dass das Pferd gelernt hat, zur Ecke hin zu verlangsamen, kommt dem Reiter nämlich bei dieser Übung zugute. Durch den neuen Ablauf dieser Übung lernt das Pferd, den Hilfenrahmen zu akzeptieren.

  • stelle auf dem Zirkel bei A zwei Pylonen auf, und zwar einen von X aus drei Metern in die Zirkelmitte gedacht und einen bei A,  jedoch ungefähr auf den dritten Hufschlag.
  • Ganze Bahn antraben, dann auf dem Zirkel bei A geritten. Achtung, jetzt schon in der abgeflachten Zirkelecke vor A verlangsamen und bei A am Pylon ankommend durchparieren zum Schritt.
  • Die Pylone mit zwei oder drei Schrittvolten umrunden
  • Danach antraben und wieder auf den Zirkel gehen
  • dabei den inneren Schenkel nutzen
  • der innere Schenkel animiert das Pferd, wieder auf die größere Linie zu treten. 
  • Zügeleinwirkungen folgendermaßen: „Dabei passiv das Pferd am inneren Zügel kontaktieren, den äußeren Zügel nur behutsam einsetzen!“, sagt Peter Kreinberg. Mit Zügelhilfen meint er die Berührung am Hals seitlich, den Kontakt zum Gebiss nennt er Zäumungshilfen. 
  • Hier wird sich zeigen, inwieweit das Pferd schon von äußeren und inneren Hilfen eingerahmt werden kann. „Wenn jemand sein Pferd noch nicht an Gewichts- und Schenkelhilfen hat, wird diese Übung schwierig sein“, erklärt der Ausbilder.
  • Gleiche Vorgehensweise auch bei der Pylone, die in der Nähe von X steht

Auf jeden Fall wirklich Pylonen zu nutzen, statt die Übung ohne optische Begrenzung zu reiten – diese Gegenstände helfen dem Pferd, einen Sinn in der Übung zu sehen und es fällt ihm leichter. Wenn ein Durchparieren nach einer Zirkelhälfte noch zu viel ist, und dieser Übergang zu schnell kommt, dann einfach anfangs nur mit einer Pylone pro Zirkelumrundung arbeiten. Durch diese Übung kann der Reiter „den inneren Schenkel als treibenden Schenkel wieder ins Spiel bringen“, so Peter Kreinberg, und dadurch das Pferd wieder vor sich bringen. 

Achtung: Noch keine diagonale Hilfengebung!

Wichtig ist, bei diesen ersten Übungen, das Pferd noch nicht in den gesamten Hilfenrahmen zu nehmen, erklärt der Ausbilder. Die diagonale Hilfengebung wäre zu diesem Stadium noch zu viel. „Durch die wiederkehrenden Objekte, durch die Ecken und durch die Schrittvolten, wird das Pferd angeregt, sich selbst anzubieten und sich über die Routine selbst zu engagieren“. Weitere Übungen, wenn die oben genannten schon gut klappen, wären der Wechsel von Konterstellung und nach innen gebogenem und gestelltem Pferd auf dem Zirkel. Dann das Verkleinern des Zirkels zur Schrittvolte und das Antraben daraus und zugleich das Vergrößern der Linie. Der Wechsel von Rechts- und Linksbiegung arbeitet dem Reiter und seinem Ziel, das Pferd mehr vor den Schenkel zu bekommen, sehr zu. 

Das musst du können: Die Voraussetzungen des Reiters

Absolute Voraussetzung für die Korrektur: Jeder, der ein Pferd korrigieren möchte, dass sich einrollt, muss ganz sicher gelernt haben, seine Hände einfach ruhig hinzustellen. „Die meisten Reiter haben eine rückwärtswirkende Hand, auch wenn sie das nicht wollen!“, sagt Peter Kreinberg. Guter Hinweis des Ausbilders: Der Reiter muss die Streckmuskulatur seiner Arme vorherrschend einsetzen, nicht die Beugemuskulatur. Also: Wenn, dann in Richtung Pferdemaul einwirken und nachgeben.

Weiterlernen zum Thema „Mein Pferd rollt sich ein“

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