5 Weisheiten unserer alten Meister

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Im täglichen Training arbeiten wir mit unseren Pferden an Lektionen, aktuellen Blockaden oder Problemen, an Feinheiten oder Verbesserungen. Aber ist unsere Basis eigentlich noch die richtige? Haben wir die richtigen Grundsätze im Kopf, wenn wir aufs Pferd steigen? Wissen wir, warum wir so reiten, wie wir reiten und reiten wir ganz bewusst für das Pferd?

Manchmal kann eine Erinnerung an die Weisheiten unserer alten Meister Bäume versetzen (oder Pferde). Wir haben das Glück, dass wir von ihrer Erfahrung profitieren können – nutzen wir diese Möglichkeit! Dieser Beitrag erinnert dich an 5 wichtige Weisheiten von dreien unserer alten Meister, die du beim Reiten nie vergessen solltest und die dein Reiten von Grund auf verbessern können. Klingt gut? Na, dann starten wir mit einem wahren Meister und Pferdemann.

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Kurd Albrecht von Ziegner: Von Hangbahntraining und Losgelassenheit

Kurd Albrecht v. Ziegner, Jahrgang 1918 und ehem. Kavallerie Offizier, war bekannt als international erfolgreicher Reiter und Ausbilder in mehreren Disziplinen. Als leidenschaftlicher Vertreter der Klassischen Reitkultur setzte er sich stets dafür ein, ihre Grundsätze weiterzugeben und zu bewahren. 

Weisheit Nr. 1: Hangbahntraining macht jedes Pferd leistungsfähiger – körperlich und geistig.

„Das Pferd muss ständig bei dieser Arbeit seinen Schwerpunkt wechseln, das ist der Sinn der Sache und der Reiter ebenfalls. Beide sollen im gemeinsamen Gleichgewicht bleiben, die ganze Zeit.“

Kurd Albrecht von Ziegner war überzeugt davon, dass das Hangbahntraining für jedes Pferd eine unglaublich wertvolle Trainingsmöglichkeit bietet. Häufig sah man ihn – auch noch mit über 90 Jahren – mit seinen Reitschülern auf der Hangbahn, die optimaler Weise 10 bis 15 Prozent Steigung aufwies und mit möglichst vielen Bäumen bestückt war.

Das Training am Hang fördert maßgeblich den Muskelaufbau des Pferdes und hilft ihm, über den Rücken zu schwingen. Wie Kurd Albrecht von Ziegner zu sagen pflegte: „Es ist der Anfang der Versammlung, ohne dass der Reiter an Versammlung denken muss.“ Das Pferd tritt beim Abstieg vermehrt mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt, beim Aufstieg kommt der Reiter vermehrt zum Treiben und das Pferd kräftigt seine Bauch- und Rückenmuskulatur. Bäume helfen dabei, die Biegung und Geschmeidigkeit zu verbessern. Das Pferd muss außerdem gut an den Hilfen stehen und dem Reiter wird sofort aufgezeigt, wenn seine Hilfengebung falsch oder missverständlich für das Pferd ist.

In unserem Video „Dressurtraining auf der Hangbahn“ kannst du ein solches Training mit Kurd Albrecht von Ziegner beobachten und dir Inspirationen für dein eigenes Hangbahntraining holen. Ab Minute 04:50 kannst du beobachten, wie das Pferd immer mehr über den Rücken schwingt und seine Tritte raumgreifender werden. Du kannst auch kleine Sprünge einbauen. Sie lockern den Rücken deines Pferdes und fördern die Durchlässigkeit, da du nach dem Sprung inmitten der Bäume wieder schnell aber weich zurückkommen musst (ab Minute 08:30). Hier geht’s direkt zum Video.

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Weisheit Nr. 2: Ohne Losgelassenheit gibt es überhaupt nichts.

Obwohl der Takt in der Ausbildungsskala vor der Losgelassenheit kommt, gibt es laut Kurd Albrecht von Ziegner ohne Losgelassenheit noch nicht einmal Takt. Nur ein losgelassenes Pferd kann einen sauberen und gleichmäßigen Takt entwickeln. Von Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung ist gar nicht zu reden ohne Losgelassenheit. Deshalb achte beim nächsten Mal noch einmal ganz genau darauf: Ist dein Pferd nach der Lösungsphase wirklich losgelassen? Körperlich genauso wie mental?

Die Hangbahn kann auch hier Abhilfe schaffen. Das Herantreten unter den Schwerpunkt beim Auf- und Abstieg, das Biegen um die Bäume, das Arbeiten in der Natur – all diese Aspekte fördern die Losgelassenheit des Pferdes. Wichtig ist dabei, dem Pferd Zeit zu geben und die Losgelassenheit nicht erzwingen zu wollen. Das Abschnauben ist immer ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Das Schnauben des Pferdes ist für mich wie ein Engelsgesang“, sagte Kurd Albrecht von Ziegner.

In diesem Video kannst du die Arbeit mit einem jungen Pferd auf der Hangbahn beobachten. Macht es sich anfangs noch fest im Rücken und kann sich noch nicht loslassen, lässt es nach einer Weile den Hals fallen, schnaubt ab und wölbt den Rücken. Es wird wunderbar deutlich, wie eng körperliche und mentale Losgelassenheit beim Pferd zusammenhängen. Lerne, wie du auf die Atmung deines Pferdes achten kannst und wie sich dein Pferd fast von alleine beim Bergabreiten von hinten taktmäßig aufnehmen kann.

Ab Minute 06:30 erkennst du, dass der Reiter das Pferd natürlich - trotz der Vorteile der Hangbahn – in die Losgelassenheit führen und mit seinem Sitz und seiner Hilfengebung unterstützen muss. Läuft dir dein Pferd auch manchmal über die äußere Schulter weg? Dann schau dir im Video an, woher das kommt und was du dagegen tun kannst.

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Dr. Reiner Klimke: Wie wir mit unserer Reiterhand und unserer Geduld Weichen stellen

Weisheit Nr. 3: Die ruhige Reiterhand öffnet viele Türen, die unruhige schließt sie.

Die Reiterhand darf nicht zu viel einwirken, Gewichts- und Schenkelhilfen müssen überwiegen. So oder so ähnlich haben es viele von uns schon einmal gehört. Aber ist dir bewusst, was „zu viel Einwirkung“ genau bedeutet? Was du kaputt machen kannst, wenn deine Reiterhand auch nur unruhig ist? Dressurlegende Dr. Reiner Klimke erklärt und zeigt dir in diesem Video ganz genau, wie eine falsche Handeinwirkung aussieht und warum sie nicht nur dem Vertrauen des Pferdes, sondern auch seiner Gesundheit schaden kann:

Dressur im Detail Teil 1: Lösende Arbeit & Entwicklung der Anlehnung

Tipp: Denke beim Annehmen gar nicht so sehr an annehmen – viele von uns gehen mit der Hand dann automatisch schon etwas zurück. Denke an ein „Halten“ mit der Hand, das nur so lange anhält bis das Pferd im Genick nachgibt. Die Veränderung in der Handhaltung sollte kaum sichtbar sein, die ruhigen Hände sollen dem Pferd Sicherheit geben.

„Was passiert, wenn der Reiter die Zügel aufnimmt und den Kopf des Pferdes mit den Händen beizäumen will? Das Pferd wird unsicher, verspannt sich und die Fußfolge im Schritt wird ungleich. Das ist falsch und wir tun dem Pferd hier unrecht.“

Weisheit Nr. 4: Je geduldiger man mit dem Pferd in der Grundausbildung umgeht, desto sicherer nimmt es die Hilfen an, desto unsichtbarer ist später auf dem Turnier die Hilfengebung und desto harmonischer ist die Zusammenarbeit zwischen Reiter und Pferd.

Die Kernbotschaft von Dr. Reiner Klimke ist hier: Nimm dir Zeit und lass deinem Pferd Zeit! Und das ist nicht nur so dahin gesagt. Erinnere dich beim Reiten mal wieder bewusst daran, dass erstens kein Meister von Beginn an Meister ist, sondern erarbeitet werden muss. Zweitens sparst du in späteren Jahren eine Menge Zeit, wenn du keine Fehler korrigieren musst, die du bei den Grundlagen gemacht hast – sie werden dich immer verfolgen!

Im Video „Die Dressurausbildung Teil 2: Das junge Pferd auf die Hilfen abstimmen“ macht Dr. Reiner Klimke dir diese Zusammenhänge noch einmal ganz deutlich. Überprüfe lieber dreimal, ob dein Pferd wirklich losgelassen geht, ob es an deine Hand herantritt, über den Rücken schwingt und deine Hilfen weich annimmt. Kehre lieber immer noch einmal zu den Grundlagen zurück, bevor du schwierigere Lektionen zu früh abfragst.

Wenn du 10 Kilogramm in der Hand hast, weil sich dein Pferd auf den Zügel legt oder sich dein Pferd hinter dem Zügel verkriecht und im Rücken festmacht hast du in keiner der folgenden Lektionen etwas gewonnen. Gib dir und deinem Pferd die Zeit, die ihr braucht, um harmonisch zu kommunizieren, einander zu verstehen und die Grundlagen zu festigen – ihr werdet später beide dankbar dafür sein.

In diesem Video kannst du Dr. Reiner Klimke mit seinem Erfolgspferd Ahlerich bei einem Ritt in New York bewundern. Er erntet hier die Früchte einer geduldigen und systematischen Ausbildung nach klassischen Grundsätzen. Möchtest du mit deinem Pferd irgendwann einmal nicht auch mit dieser Leichtigkeit durch das Viereck schweben? Hier geht's direkt zum Video.

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Paul Stecken: Warum die klassischen Grundsätze dein Pferd schützen

Major a.D. Paul Stecken, ehem. Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule und Mentor vieler bekannter Reiter wie Reiner Klimke und Ingrid Klimke, ist bekannt als leidenschaftlicher Vertreter der Pferde- und Reiterausbildung nach klassischen Grundsätzen im Sinne der HDv12.

Weisheit Nr. 5: Alle Pferde gehen gerne richtig

Für diesen Satz ist Major a.D. Paul Stecken bekannt. Jahrzehntelang setzte er sich für die klassischen Grundsätze und die Abschaffung der Rollkur ein. Schau dir unbedingt sein Interview „Erkenntnisse eines Pferdemannes“ an – es fasst die Problematik der modernen Reiterei wunderbar zusammen und besinnt dich auf das, worauf es beim Reiten wirklich ankommt. Hier geht’s direkt zum Video.

Reitest du Turniere? Dann lass dich von den zwei herrschenden Auffassungen nicht verwirren. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Es kommt immer wieder vor, dass Pferde und Reiter, die nach falschen Grundsätzen ausgebildet sind, die mit falscher Halshaltung bei einem nicht schwingenden Rücken reiten, hoch bewertet werden. Andere Pferde, bei denen das Genick wirklich der höchste Punkt ist, die losgelassen und zufrieden gehen, werden manchmal schlechter bewertet.

Worauf Paul Stecken hinaus möchte: Jeder muss für sich entscheiden, wie er sein Pferd ausbildet und reitet. Jedem sollte bewusst sein, dass Rollkur und Co. der Gesundheit des Pferdes schaden können. Also: Sei selbstbewusst, bilde dein Pferd nach klassischen Grundsätzen aus, bilde es gesunderhaltend aus. Lasse dich nicht von falschen Vorbildern im Turniersport verunsichern und schütze dein Pferd – denn alle Pferde gehen gerne richtig.

Fazit: Es hilft, sich immer mal wieder auf die Wurzeln unserer Reiterei zu besinnen

Einmal kurz innehalten und sich daran erinnern, wofür sich unsere alten Meister in der Reiterei eingesetzt haben. Das „Vorne-ziehen-und-hinten-treiben“, die Rollkur, das „Schnelle-Ergebnisse-vor-gesunderhaltender-Ausbildung“ gibt es erst seit 20 oder 30 Jahren. Die klassischen Grundsätze werden seit Jahrhunderten überliefert. Sie haben sich bewährt, sie halten gesund, sie erzeugen Freude beim Reiten. Frage dich beim Reiten immer mal wieder, was Dr. Reiner Klimke jetzt gemacht hätte, was Paul Stecken geraten hätte, wie Kurd Albrecht von Ziegner das Problem angegangen wäre und entwickle ein Reiten, bei dem du dich großartig fühlst, bei dem dein Pferd motiviert und zufrieden ist und bei dem Zuschauer gar nicht anders können, als es zu bewundern. Viel Spaß beim Besserwerden!