Die Skala der Ausbildung neu überdacht: Ein Interview mit Kurd Albrecht von Ziegner

Kurd Albrecht von Ziegner beim Interview
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Wieso die Skala der Ausbildung nicht in Stein gemeißelt sein sollte – ein neu überdachtes Konzept aus der alten Schule.

Kurd Albrecht von Ziegner (1918 – 2016) war ein Meister der Reitkunst. Er lehrte nach der HdV 12 und hat die korrekte Arbeit einst in der Kavallerie erlernt. Er erfand das Hangbahntraining und war ein Verfechter für artgerechtes Reiten und Halten von Pferden. Wir haben ihn im Frühjahr 2016 besucht und interviewt.

Während dieses Besuchs drückte er uns diese Schrift in die Hand – ausgedruckt auf gelbem Papier. Es ist eine kritische Abhandlung der Skala der Ausbildung. Dieser Skala der Ausbildung, die als Manifest stets verteidigt wird und an der in der konventionellen Ausbildung nicht gerüttelt werden darf. Doch Kurd Albrecht von Ziegner darf genau das – denn er gehörte zu denjenigen, die dieses Gerüst unserer modernen Reiterei damals auf den Weg brachte.

Kurd Albrecht von Ziegner hat andere Ansichten zur Skala der Ausbildung
Vorlage bot die Deutsche Heeresreitvorschrift H.Dv.12.

Eine Einführung in die Skala der Ausbildung

Beim Wiederaufbau der Deutschen Reiterei nach dem Kriege war die ehemalige Deutsche Heeresreitvorschrift H.Dv.12 (Ausgabe 1937) – in Klarheit und Kürze unübertroffen – eine willkommene Vorlage. Hier waren unmissverständlich die „überlieferten Grundsätze“ der Ausbildung von Reiter und Pferd formuliert, welche 1954 durch die Arbeitsgemeinschaft für Zucht und Prüfung deutscher Pferde (die spätere FN) weitgehend in den Richtlinien für Reiten und Fahren übernommen wurden und heute noch in vollem Umfang gültig sind.

Im Laufe der Jahre kamen für den zivilen Bereich Erweiterungen und Verfeinerungen hinzu. Hierbei entstand auch die heute noch bekannte Skala der Ausbildung mit den drei Phasen der Grundausbildung und den sechs Grundelementen der Dressur, die zur Zeit noch immer gültig sind.

Die Bestandteile der Skala der Ausbildung

Die Skala der Ausbildung besteht zum einen aus den drei Phasen der Grundausbildung:

  1. Lösungsphase (Vertrauen)
  2. Entwicklungsphase (Schubkraft)
  3. Aufbauphase (Tragkraft)

Zum anderen besteht sie aus den sechs Grundelementen der Dressur:

  1. mit Takt und Losgelassenheit
  2. mit Anlehnung und Schwung
  3. mit Geraderichtung und Versammlung

Hiermit liegt ein grober Zeitplan vor, der sowohl für die zweijährige Grundausbildung  als auch für das Vorgehen in den darauf folgenden Jahren nützlich ist. Die Übergänge sind  miteinander verschmolzen.  Sie erfolgen fließend – nach einander, mit- und für einander.

Wieso umdenken?

Vor den Olympischen Spielen in Stockholm 1956 war ich von der damaligen Deutschen FN beauftragt, in Tübingen die Geländeprüfung für die dortige Military vorzubereiten. Zu diesen Veranstaltungen erschien auch regelmäßig Dr. Gustav Rau, der Präsident der Deutschen Reiterei, bedeutender Hippologe seiner Zeit. Einmal übergab er mir eine Mappe mit Papieren und forderte mich auf, diese durch zu sehen und ihm meine Meinung dazu zu sagen. Dabei deutete er besonders auf den Abschnitt „Skala der Ausbildung“ hin. Ich war als junger, erfolgreicher Berufsreiter natürlich stolz auf diesen ehrenvollen Auftrag und gab am darauf folgenden Wochenende die Papiere dem Alten Herrn zurück mit „Voll Einverstanden“.

Das sind nun mehr als 60 Jahre her, und ich muss gestehen, dass ich heute mein Einverständnis zu der Skala nicht mehr so spontan geben könnte wie damals, sondern eher anregen würde, die Prioritäten der Elemente in ihrer Reihenfolge neu zu überdenken.

Der alte Reitmeister Kurd Albrecht von Ziegner diskutiert die aktuelle Skala der Ausbildung
Die Arbeit sollte Freude für Reiter und Pferd bringen.     

Die neu überdachte Skala der Ausbildung

Der Leitgedanke muss doch sein, dem Pferd die Ausbildungsarbeit zu erleichtern, sowohl durch „Richtiges Reiten“ als auch durch ständige Beachtung der  körperlichen und geistigen Entwicklung des Pferdes, sowie durch einen logisch verständlichen und vom Pferd gut nachvollziehbaren Aufbau. Die Arbeit bringt dann Freude für Reiter und Pferd .     

Diesem Leitgedanken entsprechend bin ich nun nach Jahrzehnten praktizierter Ausbildung in Anlehnung zu der H.Dv.12 von der nachstehenden Reihenfolge der Elemente  in der Skala überzeugt:

  1. Losgelassenheit
  2. Anlehnung
  3. Takt
  4. Geraderichtung
  5. Schwung 
  6. Versammlung                                                       

Die aktuelle Skala der Ausbildung

Um den Unterschied deutlich zu machen, habe ich hier die neu überdachte Skala der aktuell gültigen gegenübergestellt:

  1. Takt
  2. Losgelassenheit
  3. Anlehnung
  4. Schwung
  5. Geraderichtung
  6. Versammlung

Geändert sind also lediglich die Prioritäten bei den Elementen. Warum dies geschehen muss, soll nachstehend begründet werden. Dabei gehe ich davon aus, dass der Leser genügend Grundwissen von den überlieferten Grundsätzen hat und über ausreichend Erfahrung in der Ausbildung verfügt, sodass ich mich auf das Wesentliche, die Änderung der Prioritäten, beschränken kann. Denn „Wissen steht vor Können“. Solltest du noch nicht genug Wissen über die Skala der Ausbildung beim Pferd haben, kein Problem. Dann lies dir gerne unseren Artikel darüber durch.

Ein Pferd läuft losgelassen
Losgelassenheit ist Voraussetzung und Grundlage für jeglichen Fortschritt in der Ausbildung.

Losgelassenheit

Die Losgelassenheit ist unbestreitbar die Nummer Eins. Anfangs mit viel fleißigem Schritt am langen Zügel, auch im Gelände (Hangbahn, wenn irgend möglich), löst sie mentale wie physische Spannungen, gibt Vertrauen – insbesondere zur Hand des Reiters – und öffnet den Willen zur Mitarbeit. Sie ist und bleibt Voraussetzung und Grundlage für jeglichen Fortschritt in der Ausbildung. Auf ihre vorrangige Bedeutung wurde schon in der HDv12 und auch in den Richtlinien mehrfach deutlich hingewiesen. 

Takt kann schon deshalb nicht an erster Stelle stehen bleiben, weil der Reiter anfangs noch keine Möglichkeit hat, sich dem Pferd verständlich zu machen.  Das Endziel dieses Elements ist es daher, den Übergang zur Anlehnung zu schaffen, wobei der Reiter allmählich zur Einwirkung kommen soll, um dadurch später u.a. auch auf den Takt Einfluss nehmen zu können.

Im Laufe der Ausbildung auftretende Schwierigkeiten liegen fast immer in schmerzhaften Verspannungen oder Blockaden, die nur durch Lösende Arbeit abgebaut werden können. Dies verlangt vom Reiter Disziplin, klaren Kopf und viel Geduld. Selten beweist sich die Qualität eines Ausbilders so deutlich wie in solchen Lagen. 

Jedes Forcieren der Hilfen erhöht den Zwang und führt in den meisten Fällen zu Missmut bis zur Widersetzlichkeit. Deshalb wird der erfahrene Reiter während der gesamten Ausbildung sich immer wieder von der Losgelassenheit seines Partners überzeugen. Das gilt für jede Gangart. Auch nach höchster Versammlung sollte das Pferd zu jeder Zeit auf Aufforderung schulmäßig die Zügel aus der Hand kauen können. Einem solchen Pferd würde auch ein Gehorsamssprung nach dem Grand Prix eher willkommen sein als ein Problem bedeuten.

Die vorrangige Bedeutung der Losgelassenheit darf aber nicht missverstanden werden. Falsch wäre es z.B., unter „locker“ schlaff oder teilnahmslos zu verstehen. 

Muskeln müssen arbeiten; dies tun sie durch den ständigen Wechsel von An-und Abspannen.  Jeder Sportler macht Lockerungsübungen um fit zu sein. Denken wir also lieber an Los – Lassen von etwas Hinderndem, Beängstigendem oder Quälendem, um erfolgreich arbeiten zu können. Auch beim Pferd beginnt das Loslassen im Kopf.

Ein Pferd in Anlehnung
Im Rahmen der Anlehnung darf auf keinen Fall die Hand aktiv ein Nachgeben im Genick bewirken wollen.

Anlehnung

Anlehnung steht bereits an zweiter Stelle, weil mit beginnender Losgelassenheit das Pferd anfängt, den Reiter vertrauensvoll zu tragen und dafür den Hals zu senken. Jetzt ist es für den Reiter an der Zeit, dem Pferd die Hand anzubieten; d.h. das Pferd soll die Hand suchen, finden und schätzen lernen, dabei im Genick nachgeben und mit geschlossenem Maul anfangen zu kauen. Dieses erfordert viel Gefühl vom Reiter, der das Pferd nun auch gleichzeitig mit den Gewichts- und Schenkelhilfen vertraut machen kann. Auf keinen Fall darf hierbei die Hand aktiv ein Nachgeben im Genick bewirken wollen. 

Ein frischer, doch kontrollierter Arbeitstrab ist hier zu empfehlen, wobei eine stete, fein abgefederte Anlehnung dem Reiter dann allmählich die Möglichkeit bietet, über einen schwingenden Rücken den Schub aus der Hinterhand (die Schubkraft) zu erfühlen und diesen bei vorfühlender Hand nach vorn herauszulassen.

Im weiteren Verlauf wird der Einfluss der Treibenden Hilfen effizienter werden, wodurch  die Verbindung von der Hinterhand zur Hand des Reiters bestimmter wird. Diese ständig aufrecht erhaltene Kommunikation ist nämlich Voraussetzung für die nun anzustrebende Durchlässigkeit.

Erst wenn Pferd und Reiter diese sichere Verbindung verstanden haben und aufrechterhalten können, ist das Ziel dieser Phase erreicht: Das Pferd ist nicht nur „Am Zügel“, sondern es steht jetzt An den Hilfen; d.h. es reagiert auf die feinsten, wohl abgestimmten Einwirkungen des Reiters mit Schenkel, Gewicht und Zügel. Diese  Durchlässigkeit wird „gemessen“ u.a. auch an der Qualität der Übergänge innerhalb der Gangarten, z.B. beim Abfangen verlängerter Tritte, wobei die Einwirkungen – besonders mit der Hand – kaum mehr sichtbar sein sollten. 

Taktreiner Schritt
Taktfehler unter dem Reiter entstehen häufig durch einen unausbalancierten Sitz und falsche Hilfengebung.

Takt

Taktreinheit ist die Basis für die gesamte Ausbildung. Reiner Takt macht Freude, unreiner macht Sorgen. Longen- und Cavaletti Arbeit sind bekannte, bewährte Hilfsmittel. Unter dem Reiter entstehen oft Taktfehler durch Störungen im Gleichgewicht und durch fehlerhafte Hilfengebung, vor allem durch dauerhaft einseitige „ Zügelhilfen“( Zügellahmheit ).

Einfluss auf den Takt kann der Reiter aber erst nehmen, wenn er – wie beschrieben – sein Pferd „An den Hilfen“ hat. Deswegen steht Takt an dritter Stelle der Skala.

Einen einwandfreien Takt – besonders im Schritt –  sollte man aber dennoch nicht erwarten, da die natürliche Schiefe des Pferdes dieses noch nicht erlaubt

Es kommt jetzt darauf an, die Hinterhand vermehrt zu aktivieren, die Anlehnung weiterhin zu verbessern und dadurch der Hand die Möglichkeit zu verschaffen, den Schub zu beeinflussen. Bei gleichmäßigem Grundtempo in der Trabarbeit – vorzugsweise auf dem Zirkel – wird das Pferd allmählich –  auch bei Richtungs – und Tempowechseln – seinen  Takt finden. Unkontrolliertes „Vorwärts“ führt zu übereilten Tritten und zu TaktstörungenHier  kann schon im Schritt das Schenkelweichen nützlich sein. Beides wird bei der nun folgenden Geraderichtung helfen, den Takt weiter zu festigen.

Ein Pferd läuft geradegerichtet
Das Geraderichten ist eine gymnastizierende Arbeit. Es hat sowohl das Gleichgewicht als auch die gleichmäßige Längsbiegung und Geschmeidigkeit des Pferdekörpers zum Ziel.

Geraderichtung

Geraderichtung hat eine grundlegende Bedeutung und hohen Stellenwert für die gesamte Ausbildung. Sie ermöglicht es dem Pferd, seine Körperkräfte bei größtmöglicher Schonung von Sehnen und Gelenken optimal einzusetzen. Schon aus diesem Grunde setze ich dieses Element im Gegensatz zur aktuellen Skala deutlich vor Schwung. 

Ich kann doch nicht Schwung oder gar Verstärkungen von einem Pferd verlangen, das noch nicht einmal geradeaus gehen kann. Hier würde ich ja Beinschäden aller Art bewusst in Kauf nehmen. Es lohnt sich also, vermehrt über „unerklärliche“ Lahmheiten nachzudenken und dabei die Schiefe einzubeziehen.

Das Geraderichten ist eine gymnastizierende Arbeit, welche sowohl das Gleichgewicht als auch die gleichmäßige Längsbiegung und Geschmeidigkeit des Pferdekörpers zum Ziel hat. Das Pferd soll befähigt werden, sich den gebogenen Linien des Hufschlags anzupassen, immer spurgetreu geradeaus zu fußen und damit eine Mechanik zu entwickeln, die eine vermeidbare Mehrbelastung seiner Gliedmaßen ausschließt.  

Die Arbeitsweise zur Geraderichtung vom Zirkel bis hin zu den später hinzukommenden Seitengängen als auch die hohe Bedeutung von Stellung darf hier als bekannt vorausgesetzt werden. Besonderes Augenmerk sollte dabei immer auf die willige Mitarbeit des Pferdes gerichtet sein, das bei logisch nachvollziehbarem Aufbau auch nicht enttäuschen wird. 

Wenn alles richtig läuft, gewinnen Reiter und Pferd hier das notwendige Gleichgewicht, welches für die nun, bald folgende Entwicklung von Schwung und Versammlung eine Voraussetzung ist. 

Wohl ausbalanciert ist das Pferd jetzt in der Lage, sich  in „fast perfektem“ Takt zu bewegen. Ein korrektes Rückwärtsrichten an einer Hand in sauberem diagonalem Zweitakt wäre hierfür schon ein willkommener Beweis, zugleich aber auch eine Bestätigung für gelungene Geraderichtung. Diese ist unabdingbar als Einstieg in die Aufbauphase, zur Entwicklung der Tragkraft – mit den Elementen Schwung und Versammlung, wo dann auch Balance und Takt den „Letzten Schliff“erhalten.

Ein schwungvolles Abfussen erarbeitet durch die Skala der Ausbildung
Schwung kann angeboren sein, kann aber auch durch korrekte Arbeit entwickelt werden.

Schwung

Der Schwung entsteht durch das vermehrte Beugen und Strecken der herangehaltenen, energisch abfußenden Hinterhand, vereint mit einem federnden Rücken und bewirkt eine längere Phase der Freien Schwebe  –  sowohl im Trab als auch im Galopp. Je länger die Freie Schwebe, um so mehr Gang hat das Pferd. Das bedeutet zugleich „mehr Raumgriff“. (Eine längere Schwebephase ohne Raumgriff wäre hier ein schwerer Fehler (Schwebetrab!). 

Schwung kann angeboren sein, kann aber auch bei reiterlichem Geschick durch fachgerechte Aufbauarbeit entwickelt werden. Einerseits ist er damit ein Geschenk der Natur, mit dem man äußerst sorgfältig umgehen sollte.

Schon oft war nach einigen Monaten „Arbeit“ der „überragende Gang“ in ein „Sparverhalten“ übergegangen, weil das Pferd Schmerzen bekam und  sich einen „Schongang“ angeeignet hatte. Andererseits beweisen gute Reiter immer wieder, wie sie einen mäßigen Trab verbessern und daraus noch einen bemerkenswerten Schwung entwickeln können, getreu der Devise: Sorgsames Beachten des Aufbaus und der Entwicklung gemäß Skala, gepaart mit reiterlichem Können.

Schwung ist das erste Element der dritten (Aufbau) Phase. Das bedeutet den Übergang von der Arbeit an der Schubkraft zur Tragkraft. Mit vermehrt wirksamen Halben Paraden treten die Hinterbeine deutlich unter den Schwerpunkt. Dieses ergibt eine erhöhte Federung in den Hanken, die sich fortsetzt über einen schwingenden Rücken und ein lockeres Genick in die feinfühlige Hand des Reiters. Dieser erlebt nun, nicht nur „auf“ sondern gewissermaßen „im“ Pferd zu sitzen, mit ihm einen gemeinsamem Schwerpunkt zu haben und wirklich ausbalanciert zu sein. Dies begünstigt zudem die so genannten „Feinen Hilfen“, die dann auch die Durchlässigkeit sensibilisieren. 

Das Pferd ist im versammelten Galopp
Das Pferd soll im Rahmen der Versammlung dazu angehalten werden, mit der Hinterhand Gewicht aufzunehmen, um die Vorhand zu entlasten.

Versammlung

Die Versammlung ist das abschließende Element der Grundausbildung.

Das Pferd bleibt während der Arbeit losgelassen und hat gelernt, sich unter dem Reiter gerade gerichtet und schwungvoll zu bewegen. Damit sind die drei wichtigsten Voraussetzungen gegeben, um mit der Versammlung zu beginnen.  

Da das Pferd beim Erlernen von Schwung bereits Bekanntschaft gemacht hat mit den Hilfen für mehr Aktivität aus der Hinterhand, ist der Übergang von der Arbeit an der Schubkraft zur Tragkraft ein fließender. Das Pferd soll nun dazu angehalten werden, weiterhin mehr Gewicht mit der Hinterhand aufzunehmen um die Vorhand zu entlasten. Dies erfordert zunehmend mehr Hankenbiegung, wodurch das Pferd bei absinkender Kruppe im Widerrist „wächst“ –  in die (Relative !) Aufrichtung hinein. Hiermit erfüllt sich dann die Vorstellung : „Der Bogen hinter der Hand formt den Bogen vor der Hand“ und es ergibt sich die erforderliche Selbsthaltung (Genick höchster Punkt, Nase an bis knapp vor der Senkrechten), sicher in der AnlehnungEine Aufrichtung mit der Hand ist ein grober Fehler! (weg gedrückterverspannter Rücken verhindert Untertreten der Hinterhand).

Das in dieser Weise wohl ausbalancierte Pferd hat nun mit Kandarenreife die Grundausbildung beendet und sollte den Anforderungen einer Dressurprüfung der Klasse L  entsprechen.       

Schlussbemerkung zur Skala der Ausbildung

Die hier dargestellte – neu überdachte – Skala der Ausbildung wurde im September 2015 der FN vorgelegt. Sie entspricht in allen Punkten den „Überlieferten Grundsätzen“, wie sie aus der H.Dv.12 in die Richtlinien der FN übernommen worden sind.  

Man kann durchaus der Auffassung sein, dass eine Skala nicht dringend erforderlich ist. Wenn aber in den Richtlinien die Skala empfohlen wird, so muss diese schlüssig und unstrittig sein. Dies hat jedoch erhebliche Zweifel hervorgerufen, was Anlass zu  obigem „Überdenken“ war.

Abschließend wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Skala ein nützlicher, wenn auch nur  grober Wegweiser für die Ausbildung sein kann. Sie ist auch nicht mehr als ein Anhalt und darf auf keinen Fall zur Schablone werden. Pferde sind unterschiedlich – körperlich wie geistig – und bedürfen bei der Ausbildung jeweils einer entsprechenden Vorgehensweise. 

Auch wird noch einmal betont, dass die Elemente selbstverständlich nicht getrennt von einander erarbeitet werden, sondern immer „verschmolzen“ mit den vor – und nach geordneten. Wo hierbei der jeweilige Schwerpunkt zu sehen ist, obliegt dem Gefühl des Reiters für das Zusammenwirken der Elemente und für den Lernprozess seines Pferdes. 

Mögen Ausbilder und Reiter hier Anregung und Hilfe finden, gestärkt in der Gewissheit, dieses immer pferdegerecht zu tun – im  Sinne der Ethik im Pferdesport.

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