Alles zum Thema Stellung und Biegung beim Pferd

Die Grundlage für jegliches Reiten: Ohne Stellung keine Biegung, ohne Biegung kein Geraderichten und Gymnastizieren. Lerne, wie du sie korrekt erarbeitest!

Ohne Stellung keine Biegung und ohne Biegung keine Gymnastizierung. Unabhängig von der Disziplin benötigst du eine korrekte Stellung und Biegung für jedes gute und das Pferd fördernde Reiten. In der Dressur basiert ein Großteil der Lektionen darauf., Beim Springen wären geschmeidige und enge Wendungen gar nicht möglich und insgesamt könntest du dein Pferd ohne Biegung gar nicht geraderichten, das heißt entgegen seiner natürlichen Schiefe arbeiten.

Inhalt

  1. Stellung vs. Biegung – warum die Unterschiede wichtig sind
  2. Was ist Stellung?
  3. Was passiert, wenn man sein Pferd zu viel stellt?
  4. Hilfengebung für korrekte Stellung
  5. Was ist Biegung?
  6. Was passiert, wenn man sein Pferd zu viel biegen will?
  7. Hilfengebung für korrekte Biegung
  8. Frag Ingrid: Wann soll mein Pferd in Innenstellung gehen?
  9. Die wichtigsten Infos zum schnellen Nachlesen

Stellung vs. Biegung – warum die Unterschiede wichtig sind

Der wohl größte und wichtigste Unterschied zwischen Stellung und Biegung ist biomechanischer Natur. Während die Stellung durch ein Nachgeben im Bereich des Genicks bzw. der ersten drei Halswirbel stattfindet, beeinflusst die Biegung die Beweglichkeit des gesamten Pferdekörpers.
Um es in einfachen Worten zu beschreiben: Bei der Stellung ist sozusagen nur der Kopf des Pferdes leicht in eine Richtung abgestellt und zwar so, dass der Reiter gerade so das Auge und die Nüstern auf der jeweiligen Seite schimmern sieht. Bei der Biegung hingegen, wird das Pferd entlang seiner Längsachse mit dem ganzen Körper um den inneren Schenkel des Reiters gebogen – grob zu vergleichen mit einem Halbmond.

Du überlegst, was Stellung und Biegung überhaupt unterscheidet und was man damit meint? Dann schau‘ Dir Britta Schöffmanns wehorse-Lehrfilm „Stellung erfragen, anwenden, korrigieren“ zu diesem Thema an! Er ist der erste von fünf Filmen zu Stellung und Längsbiegung. Die wichtigsten Grundlagen zu Stellung und Biegung erfährst du auch in ihrem Kurs Reiten gut erklärt Teil 3: Geschmeidigkeit durch Stellung und Biegung.

Ein gestelltes Pferd

Was ist Stellung?

Stellung bedeutet, dass das Pferd seinen Kopf im Genick seitlich wendet. Anders als oft zu beobachten ist bei der korrekten Stellung der Hals des Pferdes nur leicht gebogen. Für den Reiter ist die korrekte Stellung seines Pferdes daran zu erkennen, dass er das innere Auge und den inneren Nüsternrand seines Pferdes gerade so sehen kann. Sieht der Reiter mehr als das, ist sein Pferd definitiv zu viel gestellt.
Reiten in Stellung hilft dabei, die Nachgiebigkeit des Pferdes auf die inneren Hilfen und das Herantreten an die äußeren Hilfen zu verbessern.

Was passiert, wenn man sein Pferd zu viel stellt?

Stellt der Reiter sein Pferd zu viel, d.h. weiter als bis zu dem Punkt, an dem er das innere Auge des Pferdes leicht schimmern sieht, kommt es zu diversen Problemen. So kann ein Übermaß an Stellung beispielsweise dazu führen, dass das Pferd über die äußere Schulter ausweicht. Für den Reiter wird es in diesem Moment – besonders auf gebogenen Linien – schwieriger, die gewünschte Linie zu halten. Des weiteren können durch zu viel Stellung Taktfehler entstehen.

Zu viel Stellung entsteht meist dadurch, dass der Reiter die Stellung seines Pferdes versucht über ein Festhalten oder gar Ziehen am inneren Zügel zu erarbeiten. Das Resultat ist ein Pferd mit einem zusammengezogenen Hals, dessen inneres Hinterbein weder vor- noch unter den Schwerpunkt treten kann.

Hilfengebung für korrekte Stellung

  • Der Reiter dreht das innere Handgelenk leicht ein und fragt das Pferd damit nach einem Nachgeben im Genick
  • Reagiert das Pferd auf das Signal und beginnt nachzugeben, wird der Reiter mit der inneren Hand weich
  • Vorsicht: Nachgeben heißt nicht, den Zügel wegschmeißen! Ein ganz feines Nachgeben in Richtung Pferdemaul, evtl. nur mit dem kleinen Finger, genügt. Die Verbindung bleibt erhalten!
  • Reagiert das Pferd nicht, wartet der Reiter, gibt das Signal erneut, ohne die Verbindung in der Zwischenzeit zu unterbrechen – auch wenn das Pferd zur Seite ausweicht. Erst, wenn es kaut und nachgibt, gibt auch der Reiter als Belohnung nach
  • Immer bedenken: Eine korrekte Stellung ist minimal. Auge und Nüster sollen gerade so zu sehen sein, sonst ist die Abstellung schon zu stark.
Die Reiterin biegt ihr Pferd

Was ist Biegung?

Die Biegung des Pferdes bezeichnet die Krümmung der Längsachse des Pferdes. Betrachtet man ein Pferd von oben – bzw. stellt sich ein Pferd von oben vor – sollte das Pferd der gesamten Länge nach gebogen sein. Eine 100% gleichmäßige Biegung ist dabei anatomisch nicht möglich, da die einzelnen Wirbel des Halses und des Rückens unterschiedlich beweglich sind. Während der Hals des Pferdes extrem beweglich ist, ist die Beweglichkeit der Brustwirbel durch die Rippenbögen eingeschränkt und das Kreuzbein aufgrund der Verknöcherung komplett starr.

Da das Ziel ist, das Pferd gleichmäßig zu biegen, darf der Reiter sich für das optimale Maß an Biegung nicht an der möglichen Abstellung des Halses orientieren, sondern muss besonders auf Beweglichkeit der Brust- und Rückenwirbel des Pferdes achten.

Was passiert, wenn man sein Pferd zu viel biegen will?

Man könnte meinen, dass mehr Biegung gleich mehr Geschmeidigkeit bzw. Losgelassenheit des Pferdes bedeutet. Das ist allerdings ein Trugschluss. Wird ein Pferd übermäßig gebogen, baut es Spannung auf und entwickelt Widerstand gegen den Reiter.

Der Versuch vieler Reiter ihr Pferd zu biegen, endet in einem deutlich überstellten Pferd. Damit macht der Reiter es seinem Pferd anatomisch bedingt unmöglich, sich der Länge nach zu biegen. Darüber hinaus führt übertriebenes Biegen in vielen Fällen dazu, dass das Pferd dem inneren Schenkel des Reiters ausweicht, statt auf ihn zu reagieren.

Ein Pferd in Biegung

Hilfengebung für korrekte Biegung

  • Der innere Schenkel liegt treibend am Gurt
  • Mit dem inneren Zügel wird die Stellung
    geschaffen
  • Der äußere Zügel erlaubt die Stellung und wirkt begrenzend an der äußeren Pferdeschulter
  • Der äußere Schenkel liegt verwahrend kurz hinter dem Gurt und verhindert gegebenenfalls ein Ausweichen der Hinterhand
  • Wichtig: Schiebe oder drücke nicht mit deinem Körper! Deine Schultern sollen parallel zu den Schultern deines Pferdes mit in die Wendung gehen

Frag Ingrid: Wann soll mein Pferd in Innenstellung gehen?

Es ist gar nicht so selbstverständlich, zu wissen, wann das Pferd wie gestellt werden soll! Gut, dass mal jemand fragt. Denn diese vermeintlich einfachen Fragen trauen sich viele Reiter nicht zu stellen. Unser Zuschauer Jury hat genau so eine Frage an Ingrid Klimke gerichtet. Sie beantwortet in unserer heutigen Videobotschaft die Frage:

Wann Reite ich in Stellung und wann nicht?

Wie ist das denn jetzt genau? Soll Jury sein Pferd ständig in Innenstellung reiten? Oder wann soll er es gerade richten? Und: Kann es sein, dass diese je nach Gangart unterschiedlich ist? Ingrid Klimke erklärt in ihrer Videobotschaft, bei welchen Bahnfiguren das Pferd gestellt sein sollte und wann nur ein Hauch von Stellung notwendig ist.

Die wichtigsten Infos zum schnellen Nachlesen

  • Im Trab, auf gebogenen Linien wie Zirkel, Volte oder in einer Wendung gilt: Das innere Auge schimmern sehen, das Pferd soll gestellt und gebogen sein.
  • Im Trab geradeaus: Das Pferd soll in sich gerade gerichtet sein. Wenn der Reiter aus einer Ecke herauskommt, richtet er das Pferd mit dem inneren Schenkel und äußeren Zügel gerade. Eine ganz leichte Stellung im Genick ist okay.
  • Im Galopp: Beim Linksgalopp ist das Pferd nach links gestellt, beim Rechtsgalopp Nachrechts gestellt
  • Beim Galopp darauf achten, dass das Pferd gerade gerichtet ist. Es soll in einer Spur bleiben und nicht auf zwei Hufschlägen gehen.

Du kannst Ingrid Klimke bei der Arbeit an korrekter Biegung und Stellung auch über die Schulter schauen – hier in einem der neuesten wehorse Lehrfilme zeigt sie, wie sie mit einer fünfjährigen Stute genau dies übt.

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