#Interview mit Vielseitigkeitsreiter Calvin Böckmann: Vom Nachwuchsreiter an die Weltspitze
Calvin Böckmann ist einer der aufstrebenden Vielseitigkeitsreiter Deutschlands: Mit gerade mal 24 Jahren war er Ersatzreiter bei den Olympischen Spielen in Paris, wurde Zweiter beim CHIO Aachen und ist Mannschaftseuropameister. Seit er 18 ist, ist das DOKR in Warendorf seine reiterliche Heimat – erst parallel zum BWL-Studium in Münster, jetzt als Vollzeitprofi. Was nach einem klar kalkulierten Karriereplan aussieht, ist das Ergebnis von Disziplin, Managementdenken und einer tiefen Überzeugung: Nur Pferde, die sich wirklich wohlfühlen, können Spitzenleistung bringen.
Mit Christian Kröber spricht Calvin über seinen Weg vom Ponyreiten bis ins Nationenpreis-Team, über die Herausforderungen des frühen Einstiegs in den Seniorenbereich und darüber, was es bedeutet, als junger Sportler auf Zweifler zu stoßen, die immer sagen: „Du brauchst noch Zeit." Er erzählt, wie er den Alltag mit sieben Pferden strukturiert, warum datenorientierte Trainingsplanung für ihn selbstverständlich ist, und was seine Stute Ali und sein Ausnahmepferd „Fanti" – The Phantom of the Opera – ihm täglich beibringen.
Ein offenes Gespräch über Ambitionen, Entbehrungen, die Bindung zwischen Pferd und Reiter – und den Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Podcast Transkript
Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.
[SPEAKER 1]
[00:00:00-00:00:04]
Heute zu Gast der Vielseitigkeitsreiter Calvin Böckmann.
[SPEAKER 2]
[00:00:06-00:00:28]
Ich werde lieber Zweiter, als dass ich auf den letzten 100 Metern nochmal Vollgas gebe. Obwohl du irgendwie merkst, okay, nee, dein Pferd hat schon 100% gegeben. Ich fahre immer lieber mit dem glücklichen Pferd nach Hause und bin zufrieden mit mir selber. Und werde Zweiter, Dritter, Vierter, Fünfter wohl auch nicht platziert. Und bin da beim Reinen mit mir selbst und habe das für mich bestmöglichst glückliche Pferd.
[SPEAKER 3]
[00:00:30-00:00:46]
Herzlich willkommen zum WeHorse Podcast. Heute mit Christian Kröber. WeHorse ist deine Lernplattform, auf der du täglich Inspirationen, Trainingstipps und das Wissen der besten Trainer bekommst, um gemeinsam mit deinem Pferd jeden Tag besser zu werden.
[SPEAKER 1]
[00:00:47-00:02:09]
Heute haben wir einen der Top-Vielseitigkeitsreiter bei uns zu Gast. Er ist Mannschaftseuropameister mit der deutschen Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Seit vielen Jahren ist Calvin Böckmann reiterlich in Warendorf beheimatet, wo ich ihn vor einigen Wochen getroffen habe. Wir sprechen über den Aufbau seiner Karriere, wie er dorthin gekommen ist, wo er gerade steht. Vieles scheint ja nach einem wirklich großen Plan zu laufen. Und Calvin ist wirklich ein Musterschüler in der Vielseitigkeit seit vielen Jahren. Und heute schauen wir mal in diesen Weg. Ein interessanter Einblick auch in seine tägliche Trainingsroutine und vieles mehr. Bevor es losgeht, habe ich noch etwas von... einer Kollegin von Kelvin, nämlich Greta Busacker, die ebenfalls internationale Vielseitigkeitsreiterin ist. Seit neuestem ist sie zu finden mit einigen Kursen bei uns auf der Plattform, sogenannte Shorts-Kurse. Das sind besonders kurze und knackige Kurse, wo man schnell was mitnehmen kann. Und sie zeigt beispielsweise, wie sie neue Lektionen erarbeitet, wie sie mit mehr Ruhe im Sattel zu einer besseren Einwirkung kommt oder auch clevere Ideen für die Vorbereitung aufs Turnier. Greta Busacker, seit neuestem bei uns auf der Plattform. Schaut gerne rein und jetzt geht's los mit Calvin. Hi Kevin.
[SPEAKER 2]
[00:02:10-00:02:10]
Hallo.
[SPEAKER 1]
[00:02:11-00:02:27]
Schön, dass du da bist bei uns im Podcast. Wir sitzen hier beim Deutschen Olympischen Komitee für Reiterei. Die Freunde nennen das auch DOKR hier in Warendorf. Und das ist inzwischen deine reiterliche Heimat. Wie viele Stunden verbringst du hier am Tag?
[SPEAKER 2]
[00:02:28-00:02:53]
Genau, es ist mittlerweile meine reiterliche Heimat. Wie viele Stunden verbringe ich hier am Tag? Am Ende, ich wohne ganz in der Nähe, aber am Ende, ich sage mal, wie das mit Pferden so ist, verbringt man dann doch eigentlich den ganzen Tag hier. Ja, ich glaube, zählen, damit darf man gar nicht erst anfangen. Ich habe mein Studium letztes Jahr beendet. Das war noch so ein bisschen Ausgleich zum Reitsport nebenbei in Münster. Aber bin am Ende jetzt Vollzeit dabei.
[SPEAKER 1]
[00:02:53-00:02:54]
Vollzeit Profi.
[SPEAKER 2]
[00:02:55-00:02:56]
Ich versuche es auf jeden Fall.
[SPEAKER 1]
[00:02:56-00:03:19]
Wie ist das so, der Schritt aus der Uni dann Profi zu werden? Klar, jetzt hier in Warendorf, du Sportsoldat, du hast doch so die klassische Laufbahn. Wir hatten letztens Jérôme Robinet hier im Podcast, der ja auch Sportsoldat war und dann auch jetzt quasi als Profi dann weitermacht. Ist ja aber trotzdem ja ungewöhnlicher Weg. Die meisten gehen nach dem Studium irgendwo arbeiten.
[SPEAKER 2]
[00:03:20-00:04:03]
Ja, genau so ist das. Mir wurde das damals, als ich hingekommen bin, bevor ich angefangen habe zu studieren, sehr nahegelegt, doch eine klassische Reitausbildung zu machen. Für mich persönlich war es aber immer so, dass ich zunächst einmal einen akademischen Abschluss haben möchte. Und den habe ich in dem Sinne dann in Münster gemacht mit meinem BWL-Studium. Und ich sage mal, der Schritt zwischen gleichzeitig noch studieren und jetzt Vollzeit, Vollzeit Pferde machen, ist eigentlich gar nicht groß, weil ich sage mal, das Management, das System, steht seit Jahren so, wie es ist, wird immer mal hier und da optimiert. Und ich sage mal so, dann der Unterschied zwischen Studium und keinem Studium mehr ist am Ende ganz simpel eigentlich, dass man mal zwei, drei Pferde mehr hat.
[SPEAKER 1]
[00:04:04-00:04:08]
Aber eigentlich auch, dass man selbst eigenverantwortlich wirtschaftet. Du bist ja am Ende ja eine Ich-AG.
[SPEAKER 2]
[00:04:08-00:04:19]
Ja, das ist so, genau. Das seit ein paar Jahren und das wird einem dann auch... Nicht an dem Tag, an dem man eingetragen wird ins Register, sondern so über die Jahre.
[SPEAKER 1]
[00:04:19-00:04:21]
Ins Handelsregister, muss man sagen. Wir reden hier von einer Firma.
[SPEAKER 2]
[00:04:22-00:04:41]
Man merkt dann einfach so, ja, über die Zeit, Mensch, das ist doch, ja, man wundert sich, was für Wege das einschlägt. Wenn ich jetzt mal 15 Jahre zurückdenke, als kleiner Junge, so ein bisschen auf meinen Ponys und jetzt die Mädels, die ich im Stall habe, die mir helfen jeden Tag, die Pferde, die ich da habe, da hängt schon ganz viel dran.
[SPEAKER 1]
[00:04:42-00:05:01]
Und das muss man immer nochmal sagen, weil das wird häufig ja auch gerade bei so einem Nachwuchschampionatsreiter, wie du es ja bist und wirst, Das ist ja nicht so, dass man sagt, ich bin Profi wie jetzt ein Fußballprofi, der ist quasi angestellt bei Borussia Dortmund, sondern es ist ja immer auch der Sport plus Unternehmertum.
[SPEAKER 2]
[00:05:01-00:05:40]
Ja, also da muss ich ganz klar sagen, das würde auch gar nicht so funktionieren können, wenn ich nicht so viel... Background-Unterstützung von meiner Familie bekomme, weil wenn man sich jetzt mal ganz ehrlich ist und die Leute, die Top-Ten-Weltrangste sind etc., ich glaube, egal in welcher Disziplin, da stehen immer Sponsoren hinter und wenn man nach ganz oben möchte, dann ist das auch schwierig, ich sag mal, sich damit seine Brütchen zu verdienen, sondern eine braucht man Unterstützung. Ich habe jetzt gerade das große Glück, dass meine guten Pferde im Besitz meiner Familie sind. Nur jetzt werden die natürlich auch älter und jetzt muss es auch weitergehen. Und deshalb wird es noch spannend die nächsten Jahre.
[SPEAKER 1]
[00:05:41-00:05:47]
Wie sieht dein Alltag hier aus? Du hast gerade ja schon so ein bisschen auf die Anzahl der Pferde abgestellt. Also führ uns mal durch, wann geht es morgens los?
[SPEAKER 2]
[00:05:48-00:06:27]
Also der Alltagsbeginn ist um 6.30 Uhr. Also ich komme um 6.30 Uhr an meinen Stall meistens, mache dann aber meistens E-Mail, so ein bisschen Admin-Stuff, während die Pferde ganz in rohe Heu, Kraftfutter und so. schon das erste Mal irgendwie an der Maschine laufen. Dann habe ich ganz individuelle Zeiten, wann gehen die Pferde aufs Paddock, wann auf die Wiesen. Und dementsprechend wird dann mein Reiten geplant, beziehungsweise ich plane mein Reiten. Ich habe jetzt gerade sieben Pferde hier, reite eigentlich auch, ich sage mal, im Schnitt sechs oder sieben am Tag. Ich versuche eigentlich immer, den Pferden mindestens einmal die Woche so ein bisschen einfach Pause zu geben und frei zu geben und einfach ein bisschen Pferd zu sein. Und dann ist der Tag aber auch schnell gefüllt.
[SPEAKER 1]
[00:06:27-00:06:33]
Aber das planst du alles selber auch, wie quasi jedes Pferd, der Plan, der individuell erstellt wird, das ist alles aus deiner Feder.
[SPEAKER 2]
[00:06:34-00:07:02]
Also es ist mittlerweile so, dass ich ganz glücklich bin und ein gutes Team um mich herum habe. Also meine Mama eigentlich schon seit geraumer Zeit, seit Anfang, genau seit von Anfang an. Und mittlerweile echt tolle Mädels im Stall habe, denen ich dann sage, okay, ich würde die Pferde gerne in der Reihenfolge reiten, dann und dann und dann. Passt es, passt es gar nicht und darum herum wird dann Paddockzeiten, Wiesenzeiten etc. Geplant. Und dann ist es abends meistens so, dass ich häufiger mal Unterricht gebe. Da habe ich echt Spaß dran.
[SPEAKER 1]
[00:07:03-00:07:04]
Hier dann im Warendorfer Raum.
[SPEAKER 2]
[00:07:04-00:07:05]
Genau, ja.
[SPEAKER 1]
[00:07:06-00:07:11]
Und das individuelle Training eines jeden Pferdes, das überlegst du dir aber komplett inzwischen.
[SPEAKER 2]
[00:07:12-00:07:57]
Viel im Zusammenhang mit meiner Mama. Ganz, ganz viel. Jetzt, seitdem ich hier in Warnow bin, wir haben von der FN aus eine Abteilung Veterinärmedizin, die sich darauf spezialisiert, zum Beispiel so Performance, ich sag mal, die Performance zu tracken von den Pferden. Die begleiten uns auch auf die größeren Turniere mit. Im Physikheitsbereich, wenn es in Richtung Galopptrainings geht, wie intensiv macht man die, wie intensiv steigert man die. Und das finde ich einfach ganz interessant, weil so ein bisschen data-driven, ich sage mal, da... Eine Confirmation zu haben, wenn du das Gefühl hast, okay, heute war dein Pferd ein bisschen schlapp, heute hätte ich noch eine Runde mehr drehen können. Das finde ich einfach ultra spannend. Das ist auch eine Komponente. Aber ich sage mal so, das Kerngeschäft ist eigentlich Mama und ich.
[SPEAKER 1]
[00:07:58-00:08:03]
Man muss dazu sagen, deine Mutter ist die erste deutsche Vielseitigkeitsmeisterin, die es jemals gab.
[SPEAKER 2]
[00:08:03-00:08:04]
Ja, genau.
[SPEAKER 1]
[00:08:04-00:08:36]
Also durchaus vorbelastet im Bereich Vielseitigkeit. Du selber kommst ursprünglich aus Niedersachsen, aus Lastrup. Der Name Böckmann ist natürlich vielen aus der Szene auf jeden Fall ein Begriff. Und ich selber habe dich ja auch die letzten Jahre immer beobachtet und von außen habe ich gedacht, da ist jemand, der einen unglaublich klaren Plan hat. Das war immer so mein Eindruck von außen, der unglaublich dezidiert darauf hinarbeitet, genau an dem Punkt zu stehen, an dem du jetzt stehst.
[SPEAKER 2]
[00:08:37-00:09:18]
Ich glaube, ich kann sagen, ich nehme nichts für selbstverständlich. Ich sage mal so, dass die Chancen, die mir gegeben wurden in den letzten Jahren, Und habe eigentlich wirklich immer versucht, nicht nur 100, aber auch 110 Prozent zu geben, weil ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, so viel Unterstützung von seiner Familie zu bekommen, so tolle Pferde haben zu dürfen. Und deshalb versuche ich eigentlich relativ wenig anbrennen zu lassen. Habe ganz, ganz klare Ziele. Die ich aber gar nicht unbedingt immer großartig teile. Und am Ende steht natürlich auch ein ganz wichtiger Punkt, ist das Management. Und das, glaube ich, sind so die Komponenten, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute stehe.
[SPEAKER 1]
[00:09:18-00:09:20]
Wann hat denn der klare Plan begonnen?
[SPEAKER 2]
[00:09:22-00:09:52]
Es hat sich so entwickelt, also über den Nachwuchsbereich, über das Ponyreiten, sagen wir es mal so, es fiel mir recht schnell, relativ leicht. Ich habe zwei Geschwister, wir sind alle drei zusammen geritten und da war es für mich doch häufiger, aber ein bisschen leichter irgendwie. In einem Springen vorne zu stehen, obwohl wir das gleiche Ausmaß an Training hatten. Und da habe ich früh schon gemerkt, das liegt mir, ich kann mich gut in den Pferd reindenken. Und dann so die Ponyjahre.
[SPEAKER 1]
[00:09:53-00:09:56]
Also das Thema Talent quasi. Du hast gesagt, Talent ist da.
[SPEAKER 2]
[00:09:56-00:10:25]
Ja, Talent benutze ich gerne, also eigentlich sehr ungern, weil ich finde, Ich kann mich einfach gut in die Fährte reindenken, sagen wir es mal so. Und ja, vielleicht kann man es Talent nennen, aber was mir einfach immer unglaublich klar war auch, dass man das auch nutzen muss und dass man die Arbeit und die Zeit da reinstecken muss, weil es von alleine nicht funktioniert. Und so der klare Plan und die klaren Ziele, die kamen dann eigentlich über die Jugend. Besonders noch klarer, seitdem ich hier bin am Ende, seitdem ich 18 bin, bin ich hier am DOKR.
[SPEAKER 1]
[00:10:26-00:10:28]
Jetzt inzwischen sechs Jahre, sieben Jahre?
[SPEAKER 2]
[00:10:28-00:10:59]
Ja, sechs Jahre, genau, sechs Jahre. Und bin als Junior fast quasi junger Reiter noch gekommen. Und da hieß es immer von den Trainern, die hier waren, ja, das ist ja schön und gut, dass du so erfolgreich im Nachwuchsbereich bist, aber so im Seniorenbereich, das dauert Jahre, bis man sich da etabliert. Und wenn ich jetzt zurückblicke, was ich eigentlich relativ selten tue, bin ich einfach unendlich dankbar, wie der Weg funktioniert hat, wie das mit den Pferden funktioniert hat. Und das ist alles anders, selbstverständlich.
[SPEAKER 1]
[00:10:59-00:11:05]
Das ist ja eigentlich, wenn jemand sagt, hör zu, das dauert relativ lange, bist du nicht im Seniorenbereich, etablierst ja eigentlich eine schlechte Nachricht für einen Nachwuchsreiter.
[SPEAKER 2]
[00:11:05-00:11:48]
Total. Also ich habe das oft gehabt, dass mir gesagt wurde, ja, ist ja schön und gut. Mach mal langsam, Kollege. Das dauert noch, das dauert noch. Du brauchst erst nochmal ein Jahrzehnt an Erfahrung. Und für mich, ich bin aber eigentlich ein relativ rationeller Mensch und ich denke mir, nur weil jemand fünf Jahre weniger Erfahrung hat, aber ich sage mal in den letzten drei Jahren, vielleicht zum Beispiel auf dem Papier bessere Ergebnisse geliefert hat, für mich war das schwer greifbar. Und das war aber ein Punkt, der mich noch mehr motiviert hat am Ende des Tages. Und der, glaube ich, auch dazu geführt hat, dass man dann nochmal über diese 100% hinausgeht und 110% gibt. Und der, glaube ich, auch so ein bisschen der Schlüsselfaktor ist für das, was es heute ist.
[SPEAKER 1]
[00:11:48-00:12:11]
Du warst Ersatzreiter in Paris, kommen wir gleich nochmal zu, was ja auch ein Meilenstein für dich ist. Bist hoch erfolgreich in Aachen geritten, also da, wo am Ende der Spitzensport ja stattfindet. am Ende die Orte, wo du dann sein willst. Hättest du trotzdem gedacht, trotz dieser Bedenken, die am Ende einen ja auch nicht bremsen sollten, dass es in Anführungsstrichen so schnell gehen kann?
[SPEAKER 2]
[00:12:13-00:13:06]
Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, ist es für mich alles anders als selbstverständlich. Und ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Weil wenn ich ganz besonders bemerkt habe, als ich in Aachen stand und dann ganz knapp, wenn Julia drei Sekunden langsamer gewesen wäre, dann wäre ich erster gewesen. Und so knapp. An dieser Tafel fast zu stehen und wenn man dann mal hochblickt, was da für riesengroße Namen dran stehen an dieser ewigen Tafel, die da in Aachen hängt. Das erste Mal habe ich die gesehen, da war ich glaube ich sieben oder acht, da war ich mit meinem Papa da und da habe ich irgendwie gedacht, Mensch, da stehen ja nur Legenden drauf und dann so kurz davor zu sein, da fast auch drauf zu stehen. Das war so das erste Mal, dass ich wirklich realisiert habe, dass sich die ganze Arbeit über die letzten Jahre, die man da reinsteckt, extremst gelohnt hat.
[SPEAKER 1]
[00:13:07-00:13:40]
Aber es ist ja auch mit Entbehrung verbunden. Es ist ja nicht, dass jetzt... Dass immer nur Smooth Sailing ist und alles ist easy und man rennt so von Erfolg zu Erfolg und gerade so im Nachwuchsbereich, die Tour, die du da geritten bist, wenn man sich das anschaut, Porn-Europa-Meisterschaften. Im Springen und Vielseitigkeit. Nachwuchsnationenpreise, deutsche Nachwuchsmeisterschaften etc. Pp. Das ist ja am Ende da, wo andere, salopp gesagt, auch mal eine Party feiern oder irgendwas anderes machen.
[SPEAKER 2]
[00:13:40-00:14:29]
Ja, es ist wie du sagst, ich bin ganz fest davon überzeugt, wenn man irgendwo hin will, dann muss man auf Dinge verzichten. Ich habe halt die ganze Energie und Zeit, die ich hatte, den Pferden und dem Sport gewidmet, besonders den Pferden, weil ich am Ende auch glaube, dass nur wenn du eine wirklich gute Verbindung zu deinen Pferden hast, dass du die Ergebnisse liefern kannst, die dann am Ende da stehen. Aber ja, ich habe auf viel verzichtet, so partymäßig und... War auch nie der Mensch, der dann gesagt hat, komm, ich fahre jetzt zehn Tage in Urlaub. Wenn ich irgendwo fünf Tage in Urlaub bin, habe ich nach dem dritten Tag schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mir denke, ich würde gerne meine Pferde wiedersehen. Ja, habe in Münster studiert, war glaube ich in dreieinhalb Jahren keine viermal auf irgendeiner Studentenparty.
[SPEAKER 1]
[00:14:29-00:14:30]
Kein einziges Mal.
[SPEAKER 2]
[00:14:30-00:15:23]
Keine drei oder vier Mal. Keine drei oder vier Mal. Keine Handvoll. Und es war dann aber auch so immer, dass ich abends noch nach Hause gefahren bin aus Münster, weil ich am nächsten Morgen hierher nach Warnow, um dann um 6.30 Uhr wieder im Stall zu stehen. Weil das für mich einfach ganz... Für mich elementär ist, dass ich die Zeit, die ich hatte die letzten Jahre, wir kommen wieder darauf zurück mit den Chancen nutzen. Das ist halt für mich, ich versuche so wenig anbrennen zu lassen wie nur möglich. Und für mich war die letzten Jahre klar, besonders nachdem es hieß, du bist noch jung, du brauchst noch lange, dass ich mit keinem Ergebnis, was irgendwie, oder mit keinem Turnier, was anstatt eine Chance da lasse, dass man sagt, oh ja, nee, der ist noch jung und der braucht noch Zeit, sondern dass man wirklich sagt, das ist eine Linie, die bestenfalls nach oben geht. Und ich glaube, das ist das, was es braucht.
[SPEAKER 1]
[00:15:24-00:15:35]
Was genau ist nichts anbrennen lassen? Ist es quasi immer jeden Tag die 100% zu geben, die man hat? Ist es das Maximum an Turnieren zu reiten? Was ist das genau?
[SPEAKER 2]
[00:15:35-00:16:19]
Auf gar keinen Fall. Ich bin ein ganz, ganz großer Freund davon, die Pferde auch so viel Pferd sein zu lassen, lassen zu können, wie es nur geht. Ich habe eigentlich nie eine Woche, in der ich jeden Tag auf meinen Pferden drauf sitze. Und für mich ist es aber eigentlich das Management und einen ganz klaren Plan zu haben. Einen ganz klaren Plan zu haben, mit unglaublich, ein Background, auch ein ganz gutes Background-Team zu haben. Ob es ein Schmied ist, ob es ein Physiotherapeut ist, ob es meine Familie ist. Am Ende ist es, glaube ich, der Faktor, der zu dem geführt hat, dass die Ergebnisse so da waren, wie sie sind die letzten Jahre, ist einfach wirklich ein System zu haben, was die Pferde auch sehr ausgeglichen lässt.
[SPEAKER 1]
[00:16:20-00:16:24]
Aber das ist immer ein quasi individuelles System, das du pro Pferd entwickelst.
[SPEAKER 2]
[00:16:24-00:17:03]
Ja, total. Also mir ist es unglaublich wichtig, dass... Die Pferde auch eine... dass man die Persönlichkeit von jedem Pferd so ein bisschen versteht. Mich freut es am meisten eigentlich, wenn ich, oder das bestätigt so ein bisschen, dass ich glaube, dass es doch sehr richtig ist, wenn ich einen Pferdestall bekomme, der erst so ein bisschen grumpy ist, du gehst in die Box, willst ihn streicheln, dann... Wollen die sich nicht unbedingt anfassen lassen, keine Ahnung. Man weiß ja auch immer nicht, wo so Pferde immer herkommen oder wie das vorher ist. Aber wenn ich nach drei, sechs, drei, fünf, sechs, sieben Monaten gucke und die Pferde öffnen sich, du merkst, die sind entspannt, sind einfach in Balance auch mit sich selbst.
[SPEAKER 1]
[00:17:05-00:17:15]
Das Pferd, mit dem du Zweiter in Aachen warst und auch Ersatzreiter in Paris bei den Olympischen Spielen, ist The Phantom of the Opera. Ihr nennt ihn Fanti.
[SPEAKER 2]
[00:17:16-00:17:16]
Fanti.
[SPEAKER 1]
[00:17:16-00:17:21]
Wie sieht das System für Fanti aus? Wir können das ja mal exemplarisch an Fanti durchexerzieren.
[SPEAKER 2]
[00:17:21-00:18:58]
Also beginnt damit, was ich eben gesagt habe, dass wir uns Anfang des Jahres hinsetzen mit dem Tierärzten hier, die wir aus Warnow haben und die aber eigentlich wirklich dafür zuständig sind, uns zum Beispiel einen optimalen Galopptrainingsplan zu machen. Ich glaube, es gibt wenig Leute, die ich so oft anrufe in der Saison wie die Damen aus der Leistungsdiagnostik, so heißt es bei uns, und koordiniere mit denen ganz, ganz klar ab, wie oft galoppiere ich den Berghof, wie schnell, wie langsam, galoppiere ich runter, galoppiere ich nicht runter. So damit beginnt das. Dann das Nächste ist, Wann wird welcher Schmiedetermin gemacht? Kommt der Physio, wann kommt der nicht? Und wann macht man Dressurtraining, wann macht man keine Dressurtraining? Also am Ende ist es... Ich setze mir Anfang des Jahres einen Plan, was ist das Saisonziel. Dann guckt man sich an, welche aufbauenden Prüfungen hat man bis dahin. Und dann baut man den Rest drumherum. Und natürlich ändern sich so Pläne innerhalb von Wochen dann, weil Pferde sind auch am Ende Lebewesen und es kann immer mal was passieren, ob sie den Eisen verlieren oder sonstiges. Aber so versuche ich eigentlich, das so aufzubauen. Über die letzten Jahre war es am Ende einfach so, dass ich mich so ein bisschen etablieren musste. Deshalb, und weil die Pferde mir auch einfach gezeigt haben, was sie wollen, waren relativ viele Prüfungen dabei, die am Ende auch einfach mir sehr geholfen haben, mich zu etablieren. Aber jetzt bin ich mittlerweile an einem Punkt, an dem ich so ein bisschen auch mehr durchatmen kann und sagen kann, ich suche mir die Prüfungen noch selektiver raus.
[SPEAKER 1]
[00:18:58-00:19:02]
Wonach wählst du es dann aus, wo du jetzt mit Fanti zum Beispiel an den Start gehst?
[SPEAKER 2]
[00:19:02-00:19:28]
Man guckt sich an, wo ist das Saisonziel? Ist es eine eher hügelige Geländestrecke? Ist es eher eine flache Geländestrecke? Wie viel Ausdauer müssen die Pferde haben? Wird es eher ein technischer Kurs? Wird es eher ein sehr, sehr hoher Kurs? Und daran orientiert man sich so ein bisschen, was kann man als letzte Vorbereitungsprüfung nehmen. Manche nehmen als Vorbereitungsprüfung vielleicht eine leichtere Prüfung, um den Pferden nochmal so ein bisschen Confidence-Boost zu geben. Bei so einem Fanti habe ich das Problem nicht.
[SPEAKER 1]
[00:19:29-00:19:30]
Confidence?
[SPEAKER 2]
[00:19:30-00:19:47]
Confidence ist da, aber auch sehr viel bedacht. Natürlich ist Fanti eine totale Galoppiermaschine, aber man wundert sich doch, wie sensibel er sein kann. Aber deswegen ist es eigentlich für mich nicht so schwer, die Prüfung auszuwählen. Und ich bin da relativ flexibel.
[SPEAKER 1]
[00:19:50-00:21:09]
Werbung. Die Freilaufsaison steht vor der Tür und traditionell das erste große Top-Event ist Horses& Dreams auf Hof Kasselmann in Hagen am Teutoburger Wald vor den Toren Osnabrücks. Euch erwartet dort die bewährte Mischung aus Weltklasse-Dressur, internationalem Springsport und einer vielseitigen Ausstellung. Zudem ist es die Jubiläumsausgabe. 20 Jahre Horses& Dreams wird gefeiert mit einer großen Jubiläumsshow unter der Regie von niemand Geringerem als Lisa Röckner, einer Freundin des Hauses und auch dieses Podcasts, das Ganze eingebettet in die besondere und familiäre Atmosphäre des Hof Kasselmann. Zudem ist es eine wichtige Standortbestimmung für die Reiterinnen und Reiter aus sportlicher Sicht auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften in Aachen. Horses& Dreams vom 22. Bis 26. April. Informationen und Tickets findet ihr unter www.horses-end-dreams.de. 20 Jahre Horses& Dreams, die große Jubiläumsausgabe. Viel Spaß! Werbung Ende. Nimmst du eigentlich jetzt mit Fanti ganz konkret auch viel Zeit außerhalb des Trainings und dieses ganzen, ich nenne es mal, dem großen Plan, der ja schon sehr dezidiert ist?
[SPEAKER 2]
[00:21:11-00:22:10]
Ja, auf jeden Fall. Sei es auf dem Turnier, wenn man einfach doch relativ viel Leerzeit hat, versuche ich viel Zeit mit den Fans zu bringen tatsächlich, weil man einfach merkt, sind die gestresst, geht es ihnen gut. Turnieratmosphäre ist natürlich immer noch mal was anderes, als zu Hause zu sein. Und Pferde sowieso nicht nur Fanti, aber auch meine anderen. Ich weiß, dass das alles nicht selbstverständlich ist und deshalb, wenn ich Tage habe, an denen es mir schlecht geht, ich war nie ein Mensch, der sich irgendwie dann großartig zu seinen Freunden öffnet oder sich da so beschwert oder sagt, Mensch, mir geht es nicht gut, aber dann einfach abends nach der Uni mal zu den Pferden zu gehen, zu sehen, die nappeln an ihrem Heu, die wianen, wenn du kommst. Das ist so ein bisschen was, was, ja. Womit ich viel Zeit verbringe und die mir einfach, das macht mir immer Spaß und das erfüllt mich so ein bisschen.
[SPEAKER 1]
[00:22:10-00:22:59]
Braucht es das nicht vielleicht auch per se? Also wenn man sich jetzt anschaut, wenn du jetzt Jessica von Bredow-Werndl fragst, wie viel Zeit bringst du mit deinen Pferden, sagt die sehr, sehr viel, auch jetzt außerhalb des Reitens. Wenn du einen Steve Gerda fragst, der wird dir sagen, ich verbringe extrem viel Zeit mit den Pferden. Da ist das, was du beschreibst, nicht eigentlich fast schon eine Voraussetzung, dass überhaupt so ein, weil am Ende die ganz großen Erfolge werden ja immer erzielt von Pferd-Reiter-Paaren, die einfach ein unglaubliches Vertrauen haben. Also Christian Kuckuck und Checker im Springen, Einzelgoldmedaille. Er saß ein paar Wochen später hier bei uns im Podcast und hat gesagt, dieses Vertrauen zwischen mir und dem Pferd ist grenzenlos. Ist es das nicht auch, was du brauchst mit in diesem Fall Fanti, um das erreichen zu können?
[SPEAKER 2]
[00:22:59-00:23:59]
Ich glaube ganz fest daran, weil am Ende nur wenn die Pferde auch zu 110% auf deiner Seite sind, stehen, bringen sie die Leistung. Und bei uns in der Vielseitigkeit besonders ist es ja oft so, du hast Situationen, die Pferde wissen nicht, wie tief sie landen, wie weit sie springen, wie hoch ist das Hindernis, wie schnell kommt vielleicht ein schmaler oder ein schräger Sprung. Und das ist eine Sache von... Zehntel Sekunden, in denen du als Reiter merkst, okay, ich weiß, das Pferd vertraut mir und du gibst die richtigen Hilfen und das Pferd macht es einfach. Und das war besonders bei Fanti so ein Schlüsselmoment auch für mich, dass ich das Reiten nochmal so ein bisschen von einer ganz anderen Seite kennengelernt habe, weil ich einfach weiß, Wenn ich Bein gebe und es ist eine große Distanz und er sieht nicht, wo er landet, der weiß ganz genau, der zögert nicht, er macht es dann. Und wenn ich aber sage, nee, wir springen noch nicht, wir warten, dann macht er das auch. Und das ist genau das, was ich meinte, dass er doch so mutig und so kraftvoll, wie das Pferd ist, trotzdem sehr sensibel ist und dann auch wirklich auf feine, kleine... Hilfen reagiert.
[SPEAKER 1]
[00:24:00-00:24:21]
Ist das, wenn du mit Freunden sprichst, ist das für Nichtreiter, jetzt sind wir beide ja, kommen ja aus der Pferdewelt und ich denke immer manchmal, wenn Leute außerhalb der Pferdewelt darauf schon sagen, wie kann das sein, dass jemand eine höhere soziale Bindung zu seinem Pferd hat, als zu seinen Freunden. Wie schaust du auf dieses Thema drauf?
[SPEAKER 2]
[00:24:24-00:25:18]
Also ich habe manchmal das Gefühl, dass Pferde mir fast mehr geben als Menschen teilweise, weil einfach ein Pferd hält die auch. totalen Spiegel vor. Wenn ich merke, ich habe einen schlechten Tag und ich bin frustriert und setze mich dann aufs Pferd, das spiegelt, mir fährt mir total wieder. Und vor allem, wenn ich das Glück habe, ich gucke auf mein Zweitpferd, Ali heißt die bei uns im Stall, Alter de la Son, die war mein erstes Großpferd. Und die ist für mich das beste Beispiel dafür, dass du immer anbeißt und immer locker und lässig aufs Pferd gehen sollst, weil... Die Pferde merken sofort, geht es dir schlecht, geht es dir nicht schlecht. Bist du ein bisschen zornig, bist du ein bisschen angespannt. Ein Mensch kann mir immer ins Gesicht sagen, nee, nee, alles gut. Und hintenrum sagt er so, nee, der ist aber blöd, der Typ. Und deshalb schätze ich das so sehr und deshalb geben mir die Pferde so viel.
[SPEAKER 1]
[00:25:19-00:25:31]
Du hast ja immer jetzt auch in den letzten Minuten gesagt, dass am Ende ja schon dieser klare Plan da war. Also auch diese Vision, hey, Spitzensport, am Ende auch Olympia. Also war das immer für dich ein formuliertes Ziel?
[SPEAKER 2]
[00:25:31-00:25:55]
Also ich habe eigentlich gesagt, als ich, glaube ich, 20 war, Paris sollen meine ersten Olympischen Spiele werden. Und das ist natürlich sehr mutig und arrogant ist vielleicht das falsche Wort, aber es ist natürlich sehr mutig, das zu sagen. Aber ich weiß, ich habe ein Pferd, was die Qualität hat. Und deshalb gibst du dann auch 110 Prozent und dann auch jeden Tag.
[SPEAKER 1]
[00:25:57-00:26:06]
Das wird natürlich in Deutschland ganz ausgelegt. In den USA würde man sagen, ey geil, der Typ hat eine richtig klare Vision und hat Ziele. manchmal ein bisschen auch der Fluch des Erfolges.
[SPEAKER 2]
[00:26:07-00:26:22]
Um ganz ehrlich zu sein, ich habe das dann gesagt, ich will nach Paris, aber gut, ich kam gerade aus dem Nachwuchsbereich oder war noch im Nachwuchsbereich. Und wenn man sich dann auch nur den Altersdurchschnitt anguckt, der dann so mal so bei den Olympischen Spielen rumreitet, das sind ja nochmal Welten.
[SPEAKER 1]
[00:26:22-00:26:24]
Wie ich der 35-Jährige jetzt bin.
[SPEAKER 2]
[00:26:24-00:26:31]
Ja, so würde ich auch sagen. Wir haben ja eine Sportart, nicht so wie im Tennis oder Leichtathletik, da sind die Leute mit 30, 35 durch.
[SPEAKER 1]
[00:26:31-00:26:32]
Djokovic 37.
[SPEAKER 2]
[00:26:33-00:27:20]
Ja, ja. Aber auch nicht die Regel. Aber trotzdem ist die Reichweite von Leuten, die da hinkommen, altersmäßig wollen, viel größer als nochmal in anderen Sportarten. Und vor allem haben wir halt eine Sportart, die auch, ich sag mal, Du greifst natürlich immer mal eher auf Leute zurück, die schon viele Championate geritten haben, die schon die Erfahrung haben, was ich auch auf der einen Seite total nachvollziehen kann. Und deshalb war es für mich am Anfang nur ein Traum, der dann aber über die Jahre so ein bisschen realistischer geworden ist. Und am Ende muss man ganz ehrlich sagen, war Aachen, das besagte Aachen vorletztes Jahr, mit dem zweiten Platz, glaube ich, der Ausschlaggeber dafür, dass wir am Ende mitfahren durften.
[SPEAKER 1]
[00:27:21-00:27:34]
Gut, du warst am Ende Nachwuchsreiter, ähm, nicht Nachwuchsreiter, du warst Ersatzreiter, bist nachgerückt, wurdest kurzfristig nachnominiert. Zählt das für dich schon als echte Zahlnahme? Für dich vielleicht.
[SPEAKER 2]
[00:27:34-00:27:43]
Für mich persönlich nein. Alle sagen aber doch, du bist bei Olympia gewesen. Ja, ich war da, aber ich durfte nicht. Also ich bin geritten, ich habe auch ganz normal trainiert wie jeder andere.
[SPEAKER 1]
[00:27:43-00:27:44]
Du bist einmal zu Fuß durchgelaufen?
[SPEAKER 2]
[00:27:45-00:27:54]
Auch öfter zu Fuß durchgelaufen, aber du trainierst ja auch, du machst Familiarization in dem Stadion, machst quasi das Gleiche, was alle anderen auch machen. Du darfst du dann an der Prüfung nicht teilnehmen.
[SPEAKER 1]
[00:27:54-00:27:56]
Nur next to go Calvin Bergman kam halt nicht.
[SPEAKER 2]
[00:27:56-00:28:56]
Das kam halt nicht und das war auch... Jetzt kommen wir wieder zu dem Thema Bindung zum Pferd. Und du merkst es, Fanti, wenn es zu Turnieren geht und wenn es zu wichtigen Turnieren geht, das merken meine Pferde eigentlich alle. Und besonders auch so ein Fanti. Und dann werde ich das nie vergessen, dann waren wir in diesen Stallzeltboxen und dann einflechten, Wettcheck, Wettcheck, Pass. Nächste Woche wieder einflechten und dann dachte der, okay, jetzt geht's los, Dressur. Und es kam einfach nicht. Dann habe ich ihn rausgeholt, habe ein bisschen für mich so geritten, habe ihn mir weggestellt. Und dann merktest du so nach dem dritten Tag, da kamst du so zur Tür rein mit der Trennzone, der hat dich angeguckt und dachte so, geht es jetzt auch mal richtig los? Und das tat mir total leid, dass ich das Pferd da nicht... Dass das Pferd da nicht zeigen konnte, was in ihm steckt. Zwei Wochen später war in Avil Nationpreis in Belgien, den wir dann gewinnen konnten alleine, also ich glaube als Team, aber er auch einzeln gewonnen hat. Und das war für mich so das beste Beispiel, dass das Pferd sich auch nochmal mehr angestrengt hat, weil er gesagt hat, so, nächstes Mal kannst du mich auch gerne da in Paris reisen.
[SPEAKER 1]
[00:28:56-00:28:57]
Wie alt ist Fanti?
[SPEAKER 2]
[00:28:57-00:28:58]
Er ist jetzt 15.
[SPEAKER 1]
[00:28:58-00:29:00]
Also wird es wahrscheinlich für L.A.
[SPEAKER 2]
[00:29:01-00:29:15]
Knapp, knapp, aber ich sag mal, am Ende... Kommt immer darauf an, wie gut drauf sind die Pferde. Und fand die Einstellung einfach mega. Deswegen, ich nehme jedes Jahr dankbar und schaue einfach für die Zeit.
[SPEAKER 1]
[00:29:15-00:29:16]
Jetzt sind es noch zwei Jahre.
[SPEAKER 2]
[00:29:16-00:29:21]
Genau. Also ganz unrealistisch ist es nicht, aber natürlich schläft die Konkurrenz auch nicht.
[SPEAKER 1]
[00:29:22-00:29:24]
Gibt es Pferde, die in so einem Alter gibt es schon?
[SPEAKER 2]
[00:29:25-00:29:41]
Ja, gibt es. Also ich glaube, in Paris war auch einer mit 19 noch dabei. Aber das ist natürlich dann auch eher die Ausnahme. Aber wie gesagt, am Ende heißt es einfach, immer weiter an den kleinen Stellschaum drehen. Und wenn die Ergebnisse dann stimmen, dann stimmen sie und wenn nicht, dann nicht.
[SPEAKER 1]
[00:29:41-00:30:02]
Gab es für dich je die Option oder den Gedanken, dass das vielleicht auch nicht funktionieren kann? Also jetzt gar nicht bezogen auf die Olympischen Spiele, sondern generell dieser klare Plan, dieses ich gebe eher 150 Prozent als 100 Prozent. Da gibt es ja welche, die sagen dann, nachdem sie es fünf, sechs Jahre gemacht haben, du, das war jetzt alles nett, aber ist dann doch irgendwie ein bisschen too much für mich.
[SPEAKER 2]
[00:30:05-00:31:08]
Ich habe oft und vor allem auch so im Nachwuchsbereich, wenn du halt immer diese Kommentare hörst, ja, du bist noch jung und das dauert noch, dann fragst du dich so, okay, aber wofür verzichte ich auf das, was ich verzichte, um halt mein Leben 110 Prozent den Fernen zu widmen, damit es dann heißt, ja, reit nochmal zehn Jahre so weiter, bevor du irgendwie noch mit hingenommen wirst. Und am Ende die Antwort für mich, das ist für einen jungen Sportler, glaube ich, sehr frustrierend. Und das war für mich aber immer sehr dankbar, dass ich halt einen Sport machen kann mit Lebewesen, weil ich sage mal, Das ist am Ende, es ist zweiter in Aachen zu werden, als Reservist in Paris dabei zu sein, das ist nicht das, was mich jeden Tag motiviert. Mich motiviert jeden Tag in den Stall zu kommen und Ali steht in der ersten Box rechts und wir hat als allererstes, was sie ihr hören will, oder auch wenn du mit einer Müll rum die Ecke kommst und zu sehen, wie sehr die Pferde einfach sich wohlfühlen und auch Spaß daran haben, was sie tun. Das ist so ein bisschen das, warum ich es mache. Und das dämpft auch, hat in der Vergangenheit und auch heute noch dämpft das oft ganz stark die Zweifel aus, die man so hat über die Jahre.
[SPEAKER 1]
[00:31:09-00:31:17]
Also es ist am Ende, und das ist auch eine Frage, die ich gerade bei Spitzensportlern, viele von euch sind bestimmt schon genervt von dieser Frage, dann ist doch der Erfolg am Ende nicht die Schleife.
[SPEAKER 2]
[00:31:17-00:31:47]
Nee, also für mich ist es die Schleife, ich werde lieber Zweiter, als dass ich auf den letzten 100 Metern nochmal Vollgas gebe. Obwohl du irgendwie merkst, okay, nee, dein Pferd hat schon 100% gegeben, ich fahre immer lieber... Mit dem glücklichen Pferd nach Hause und bin zufrieden mit mir selber und werde zweiter, dritter, vierter, fünfter wohl auch nicht platziert und bin dabei mit mir selbst und habe das für mich bestmöglichst glückliche Pferd.
[SPEAKER 1]
[00:31:48-00:32:05]
Wenn du jetzt schaust und wir haben jetzt viel über die Genese des Ganzen, also wie wir da hingekommen sind, wo du jetzt stehst, aber Dann ist für dich auf der Roadmap sozusagen ganz klar LA 2028. Geht die Reise denn generell für dich?
[SPEAKER 2]
[00:32:08-00:32:44]
Ich bin ein ziemlicher Kopfmensch, deswegen die Frage habe ich mir schon viel über die letzten Jahre gestellt. Bin aber noch nicht zu so einem Ergebnis gekommen, dass ich sage, ich habe jetzt ein ganz definiertes, so klar wie ich in meinen Zielen sonst bin, ist das so ein bisschen offen. Also ich nehme es so ein bisschen, wie es kommt. Versuche natürlich weiter auch an mir als Reiter bestmöglichst zu arbeiten. Am Ende ist es dann aber natürlich auch immer eine Frage, was ich eben angesprochen hatte, Wenn du an die Weltspitze kommen möchtest, geht das heutzutage kaum bzw. Gar nicht mehr ohne einen starken Partner an deiner Seite. Und darauf kommt es auch so ein bisschen an.
[SPEAKER 1]
[00:32:44-00:32:47]
A.K.A. Ein Sponsor, ein Mäzen, der das möglich macht.
[SPEAKER 2]
[00:32:47-00:33:05]
Genau, 100 Prozent, um das ganz klar anzusprechen. Weil sowas dauerhaft da zu bleiben, aus eigenen Mitteln einfach wirklich nahezu unmöglich ist, um ganz ehrlich zu sein. Und deshalb genieße ich das sehr, die Zeit, die ich jetzt habe. Das eine Auge ist natürlich jetzt erstmal nach Aachen gerichtet.
[SPEAKER 1]
[00:33:05-00:33:07]
Das ist sowieso immer jedes Jahr.
[SPEAKER 2]
[00:33:07-00:33:35]
Genau, dieses Jahr besonders. Weltmeisterschaften. Ja, pardon, natürlich. Alles gut, genau. Deswegen, das eine Auge ist auf Aachen gerichtet. Beziehungsweise beide Augen sind auf Aachen gerichtet. Ein Viertelauge schielt schon Richtung L.A. Natürlich. Aber ich nehme das immer Step für Step. Wie gesagt, mit Pferden kann man sowieso immer nicht so viele Jahre vorausplanen. Und deshalb versuche ich einfach das Best-Lip-Mögliche aus der Situation zu machen, in der ich... immer aktuell bin.
[SPEAKER 1]
[00:33:35-00:33:46]
Aber Aachen, vor allem das Publikum, ist ja fast wie die Olympiade, oder? Das ist ja vom Level her schon, ich könnte mir als Gesamtevent sogar größer sein, als jetzt der Reitbereich in L.A.
[SPEAKER 2]
[00:33:46-00:33:53]
Also das kann ich mir auch auf jeden Fall vorstellen. Also Paris war, ich glaube, da werden wir so ein bisschen Paris-ähnliche Stimmung. aufbekommen.
[SPEAKER 1]
[00:33:53-00:33:55]
Mehr Leute werden da sein.
[SPEAKER 2]
[00:33:55-00:34:23]
Und Paris war schon, also das mitzuerleben, auch nur nebendran zu stehen, aber das war utopisch, was das Event, ich sag mal, für den Boost auf unserem Highsport gegeben hat. Und das gibt mir Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, wenn ich da durchs Gelände laufe und mir wieder vorstelle, wie ich da langlapiere. Und ich glaube, wie du sagst, Aachen wird, glaube ich, ähnlich, beziehungsweise noch größer von der Menschenmenge her. Und ich sage mal, Fanti hat bewiesen, dass Aachen jetzt nicht sein schlechtestes Turnier ist.
[SPEAKER 1]
[00:34:24-00:34:25]
Das Gelände kennt er ja.
[SPEAKER 2]
[00:34:25-00:34:34]
Das Gelände kennt er gut. Und ich glaube, das Gelände wird auch mit ein Key-Faktor sein in Aachen. Und deshalb sind wir mal gespannt.
[SPEAKER 1]
[00:34:34-00:35:37]
Nun ist ja beim Vielseitigkeitssport eine Herausforderung, und das ist auch in der Diskussion, inwieweit der Vielseitigkeitssport olympisch bleibt, in der Zukunft immer das Tierwohl, was ja beim Radsport generell mitschwingt, aber gerade auch bei der Vielseitigkeit sind ja häufig die negativen Schlagzeilen. Wenn bei einem großen Turnier dann mal was passiert, eher vorne. Wie guckst du auf diesen doch komplexen Bereich, dass auf der einen Seite dieser Sport wie in P Paris unglaublich viele Menschen anzieht, tolle Bilder produziert, in diesem Park in Versailles, in dieser historischen Kulisse, das hat ja schon was ganz Besonderes mit diesen Pontons übers Wasser, das war ja schon wirklich mega. Aber auf der anderen Seite hat man immer so ein bisschen, dass man ja im Zweifel eher... Ich will nicht sagen, auf der Anklagebank sitzt, aber zumindest immer in diesem Zwielicht steht, dass es doch, dann passiert wirklich was Schlimmes, was keiner hofft und dann reden wir doch wieder über die schlechten Sachen.
[SPEAKER 2]
[00:35:37-00:37:08]
Also die Frage hören wir häufiger und häufiger, was man halt sagen muss, Im Sport wird alles, alles dafür getan, dass der Sport sicherer wird. Wenn du 50 Jahre zurückdenkst, wo ja jedes Hindernis fest war. Mittlerweile hast du, ich glaube in Paris waren mehr als die Hälfte oder fast sogar ein Dreiviertel so abklappbare Hindernisse. Das heißt, selbst wenn so ein Pferd mal einen falschen Tritt macht, ein bisschen rutscht oder, oder, oder, dass alles dafür getan wird, dass da gar nichts passiert. Natürlich gibt es Momente, in denen trotzdem mal was passiert. Und da kann ich nur für mich sprechen, da erschauere ich, weil wir tun alles dafür, dass unsere Pferde die glücklichsten Pferde sind. Und nur so, glaube ich, auch zumindest können die die Leistung bringen. Deshalb ist es für mich so, dass alles getan wird, aber besonders auch auf Reit. Da muss man sich einfach bewusst sein, dass man besonders im Brandlicht steht. Und es gibt immer schwarze Schafe, das gibt es in der ganzen Welt. Und leider ist es so, dass dann natürlich auf die Gesamtheit auch das direkt projiziert wird, wenn man ein schlechtes Bild gibt. Aber wir tun am Ende einfach alles dafür, dass unsere Pferde auf der einen Seite bestmöglich Leistung bringen können, aber auch, das geht meiner Meinung nach nur, wenn sie auch mit sich selber zu 100% zufrieden sind.
[SPEAKER 1]
[00:37:09-00:37:28]
Hier bei uns im Podcast gibt es die vier klassischen WeHouse-Fragen. Die blühen jedem, der hier zu Gast ist. Wir schreiben hier Folge Nummer 240, die Kante. Ich habe es gerade nicht ganz genau auf der Pfanne. Und Frage Nummer eins ist, hast du ein Motto, nach dem du lebst?
[SPEAKER 2]
[00:37:40-00:37:55]
Ja, dass wenn ich Dinge tue, dass ich sie richtig tun möchte und nicht, ich fange nie mit Dingen an, die ich nur zur Hälfte mache. Und die Dinge, die ich tue, die versuche ich auch mehr als gut zu tun.
[SPEAKER 1]
[00:37:56-00:38:15]
Wenn du Reitern oder Pferdemenschen eine Sache im Umgang mit ihren Pferden auf den Weg geben könntest, was wäre es? Wenn es einen Menschen gibt, der dich im Hinblick auf deine Karriere besonders geprägt hat, wer ist das?
[SPEAKER 2]
[00:38:16-00:38:17]
Ganz klar meine Mutter.
[SPEAKER 1]
[00:38:19-00:38:20]
Liebe Grüße an dieser Stelle.
[SPEAKER 2]
[00:38:20-00:38:20]
Ja.
[SPEAKER 1]
[00:38:23-00:38:28]
Und dann zum Abschluss vervollständige diesen Satz, Pferde sind für mich.
[SPEAKER 2]
[00:38:31-00:38:31]
Alles.
[SPEAKER 1]
[00:38:33-00:38:37]
Lieber Kevin, schön, dass du da warst, hier in der guten Stube in Warendorf.
[SPEAKER 2]
[00:38:37-00:38:38]
Vielen, vielen Dank.
[SPEAKER 1]
[00:38:39-00:38:45]
Und ja, wir drücken den Daumen weiterhin. Alles Gute. WM in diesem Jahr. Fingers crossed.
[SPEAKER 2]
[00:38:45-00:38:46]
Danke. Das können wir nur brauchen.
[SPEAKER 1]
[00:38:46-00:38:48]
Wird bestimmt ein mega Erlebnis. Viel Spaß.
[SPEAKER 2]
[00:38:48-00:38:49]
Dankeschön.
[SPEAKER 1]
[00:38:49-00:39:05]
Ciao. Wenn ihr Feedback habt, lasst gerne einen Spotify-Kommentar da oder schickt uns eine Nachricht auf Instagram, auf Facebook, auf TikTok, wo auch immer ihr uns findet. Dazu folgt gerne dem WeHouse-Podcast, um keine Folge zu verpassen. Bis zum nächsten Mal.





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