Bodenarbeit - Mit deinem Pferd auf Augenhöhe

Bodenarbeit ist ein weit gefächerter Oberbegriff und umfasst alle Aktivitäten mit dem Pferd, bei denen der Mensch das Pferd vom Boden aus anleitet und ausbildet. Dazu gehören unter anderem die klassische Handarbeit, die Longenarbeit, Zirkuslektionen oder das Gelassenheitstraining. Auch für Fohlen ist Bodenarbeit ein erster wichtiger Ansatz das Vertrauen zum Menschen zu entwickeln. Jedes Fohlen sollte anfangs lernen, sich anfassen und führen zu lassen. Somit ist Bodenarbeit essentiell für die weitere Ausbildung. Um eine Kommunikations-Basis aufzubauen und das junge Pferd auf das Reiten oder Fahren vorzubereiten, beginnt man mit Führtraining und der Arbeit an der Longe. Bodenarbeit bildet damit die Basis sowie Vorbereitung für die später folgende Arbeit vom Pferderücken aus. Darüber hinaus kann die Bodenarbeit das Training unter dem Sattel optimal ergänzen. Sie bringt Abwechslung in den Trainingsalltag und das Pferd kann ohne Reiter Muskeln aufbauen. Letzteres kann insbesondere beim Antrainieren nach einer Verletzungspause hilfreich sein. Vor allem kann die Bodenarbeit dazu genutzt werden, das Vertrauen eines Pferdes zu gewinnen.

Warum ist Bodenarbeit wichtig?

Im Umgang mit dem Pferd geht es um ein harmonisches Zusammensein, um Respekt und auch um die Sicherheit von Pferd und Reiter. Dabei gibt es Grundlagen, die jedes Pferd kennen und verinnerlichen sollte. Egal welche Rasse, egal ob Freizeit-, Spring- oder Dressurpferd. Durch gezielte Bodenarbeit können diese Grundlagen erlernt und gefestigt werden. So wird das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd verbessert und das alltägliche Training durch facettenreiche Übungen ergänzt. Ein weiteres Ziel der Bodenarbeit ist es, neben dem Vertrauensaufbau, das Pferd zu Gymnastizieren, die Muskulatur zu lockern und das Pferd zum Beispiel durch abwechslungsreiche Longenarbeit zu dehnen. Der Reiter kann dem Pferd neue Lektionen wie Seitengänge zunächst vom Boden aus beibringen oder versammelnde, anspruchsvolle Lektionen wie Piaffe oder Passage erarbeiten.

Die Perspektive wechseln

Der Reiter neigt häufig dazu, Grundlagen in der Zusammenarbeit mit den Pferden für selbstverständlich zu halten und sie irgendwann nicht mehr infrage zu stellen oder zu überprüfen. Das kann zu ausweglosen und schwer zu lösenden Mängeln der Kommunikation zwischen Mensch und Reiter führen. Bodenarbeit hilft dem Reiter die Perspektive zu wechseln. Auf diese Weise kann er sein Pferd in einem anderen und von den Problemen losgelösten Kontext zu betrachten. Vorherige Probleme erscheinen so in einem anderen Blickwinkel und es ergeben sich neue Wege, die das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd beleben können.

Welche Arten der Bodenarbeit gibt es?

Es gibt eine Vielzahl verschiedenster Möglichkeiten, das Pferd vom Boden aus zu arbeiten. Manche Arbeitsweisen in der Bodenarbeit sind dafür da, Muskeln beim Pferd aufzubauen und die Balance zu schulen. Andere Übungen stärken gezielt das Vertrauen und verbessern die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Wieder andere Aufgaben, wie Zirkuslektionen, sind auch für die Kopfarbeit und Konzentrationsfähigkeit des Pferdes förderlich. So kann man das Pferd beispielsweise auch während einer verletzungsbedingten Pause durch Bodenarbeit beschäftigen.

Arten der Bodenarbeit:

  1. Führtraining: Ist grundlegend für alle Arten der Bodenarbeit und im täglichen Umgang mit dem Pferd relevant. Wenn du dein Pferd kontrolliert führen kannst, es auf dich achtet und dich respektiert, verändert das schon dein ganzes Zusammensein mit deinem Pferd – bei allen gemeinsamen Aktivitäten.
  2. Longenarbeit: An der einfachen Longe oder der Doppellonge kann das Pferd optimal ohne zusätzliches Reitergewicht gymnastiziert werden. Der Reiter kann Stellung und Biegung erarbeiten und die Muskulatur des Pferdes schonend aufbauen. Um die Arbeit abwechslungsreicher zu gestalten, sind Cavalettis oder die Arbeit mit Stangen nützlich.
  3. Gymnastizierende Handarbeit: Ein großer Vorteil der Arbeit an der Hand ist, dass das Pferd ohne zusätzliche Belastung durch das Reitergewicht neue Bewegungsmuster lernen kann. Für komplexere Bewegungsmuster wie Seitengänge ist das eine große Hilfe. Bei der Handarbeit geht der Mensch in etwa auf Schulterhöhe des Pferdes. Dabei kann der Mensch auch höchste Dressur-Lektionen, wie Piaffe oder Passage erarbeiten und die Versammlungsfähigkeit des Pferdes fördern.
  4. Langzügel: Auch die Arbeit am langen Zügel ist eine faszinierende Möglichkeit, das Pferd ohne Reitergewicht in allen hohen Dressur-Lektionen zu schulen. Bei der Arbeit am langen Zügel geht der Mensch hinter dem Pferd her.
  5. Anti-Schreck-Training: Mit Regenschirmen, Planen und Co. kann das Pferd gegen Außenreize desensibilisiert werden. So wird es gelassener im Umgang und lernt abschreckende Gegenstände und Situationen anzunehmen und zu erkunden, anstatt zu flüchten.
  6. Verladetraining: Verladetraining übst du am besten in regelmäßigen Abständen mit deinem Pferd. So kannst du dir im Notfall Stress ersparen. Beispielsweise falls dein Pferd aus gesundheitlichen Gründen in eine Klinik transportiert werden muss.
  7. Zirzensik: Mit Hilfe von verschiedenen Zirkuslektionen wie Kompliment oder spanischem Gruß kommt Abwechslung in den Pferdealltag. Zusätzlich kann mit Hilfe von Tricks die Motorik und die Körperwahrnehmung des Pferdes verbessert werden.
  8. Horse-Agility: Bei dieser Art der Freiarbeit trainiert der Reiter das Pferd mit verschiedenen Hindernissen, zum Beispiel mit einem Podest. An den Geräten muss das Pferd den Mut aufbringen, seine Füße auf neuen Untergrund zu stellen. Die Trittsicherheit und Unerschrockenheit werden genauso gefördert wie die Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Bodenarbeit und Turnier

Ähnlich wie in den klassischen Disziplinen Dressur oder Springen werden auch für die Bodenarbeit spezielle Turniere ausgetragen. Es gibt ein umfangreiches Angebot an Prüfungen, in denen Inhalte der Bodenarbeit abgefragt werden. Die meisten davon sind auf Basis der Wettbewerbsordnung (WBO) von Zuchtvereinen und kleineren Reitsportakteuren ausgeschrieben. Das Angebot ist vielfältig und für verschiedene Ansprüche gestaltet: von Küren am langen Zügel oder Zirkuslektionen bis hin zu geführten Trail-Parcours.

Gelassenheitsprüfung (GHP)

Bei Gelassenheitsprüfungen stehen nicht die sportlichen Fähigkeiten des Pferdes im Vordergrund, sondern der Charakter. Es wird überprüft, wie gelassen und souverän das Pferd seine Aufgaben meistert. Diese Prüfungen sind auch auf WBO Basis ausgeschrieben und in Deutschland recht verbreitet. Mit Hilfe von speziellen Gelassenheitshindernissen wird geprüft, inwiefern das Pferd seinem natürlichen Fluchtinstinkt folgt. Das kann zum Beispiel raschelndes Flatterband, ein aufklappender Regenschirm oder ein Stangen-U zur Überprüfung der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd sein. Es wird dabei Wert darauf gelegt, dass das Pferd aufmerksam ist und die Hindernisse wahrnimmt, sowie vor allem sensibel auf die Kommandos des Führers reagiert. Teilnehmen können alle Pferde, die mindestens drei Jahre alt sind.

Showmanship at Halter

Auch von der Ersten Westernreiterunion Deutschland e.V. (EWU) werden in den unteren Leistungsklassen Bodenarbeitsprüfungen ausgeschrieben. Bei der Showmanship at Halter wird das Pferd an der Hand den Richtern vorgeführt. Bewertet wird hierbei die Fähigkeit des Vorstellers, sein Pferd vom Boden aus mit minimalen Hilfen zu steuern und harmonisch zu präsentieren. Neben dem korrekten Händeln des Pferdes wird auch sein Pflegezustand und die Ausrüstung von Pferd und Mensch bewertet.

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