#wehorsewednesday | Wirkst du richtig ein?

Wirkst du richtig ein?

Überall hört und liest man es: „Die Hilfengebung soll feiner werden“, „Das Pferd mit den Hilfen einrahmen“, „Die Hilfen kommen nicht durch“, „Das Pferd an den Hilfen haben“. Aber denkt man im gleichen Augenblick auch genau darüber nach, was diese Ausdrücke bedeuten? Was sie für das Pferd bedeuten und was sie für den Reiter und seinen Sitz bedeuten? „Hilfen“ stehen allgemein für Signale, die wir unserem Pferd durch unseren Körper geben, über die wir mit ihm kommunizieren und auf es EINWIRKEN. Warum es einen Unterschied zwischen einwirken und richtig einwirken gibt und wie du Letzteres lernst, erfährst du in diesem Beitrag.

 

Jede Bewegung ist eine Einwirkung

Jetzt kommt wieder der berühmte Satz „Ein Pferd spürt, wenn sich eine Fliege auf sein Fell setzt“. Es ist allerdings tatsächlich wichtig, sich immer mal wieder an diese Tatsache zu erinnern. Stell dir einmal vor, jemand säße auf deinem Rücken. Kannst du nicht schon fast nur bei der Vorstellung spüren, wie sich jede Bewegung des Gewichts bemerkbar macht? Dass bestimmte Knochen vielleicht in deinen Rücken drücken? Wie du taumelst, wenn sich derjenige sein Gewicht plötzlich ruckartig extrem auf eine Seite verlagert? Du merkst, wenn er einen Muskel an- und entspannt?

wehorse-facebookgruppe-blog-ad

Pferde spüren das auch. Das heißt für uns, dass wir allein beim Draufsitzen auf dem Pferd laufend auf es einwirken. Es heißt auch, dass wir uns alle Bewegungen, An- und Entspannungen von Muskeln und Gewichtsverlagerungen, die wir dort oben im Sattel vornehmen sehr bewusst machen sollten. Und dass wir wissen sollten, wie sie sich für das Pferd anfühlen und was wir damit bewirken möchten.

 

Sitzen ist nicht gleich einwirken

Könntest du das auf Anhieb erklären? Könntest du beantworten, wie genau sich dein Bein und dein Fuß beim Treiben bewegen? Wo sie liegen? Wie oft sie einwirken und in welchem Moment? Und vor allem warum?

Viele Reiter können das nicht. Das ist nicht schlimm und absolut verständlich: Beim Reiten müssen wir uns auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren. Die meisten Hilfen passieren in Sekunden, häufig sogar mehrere hintereinander. Deshalb ist es aber so wichtig, dass man sich diese Zusammenhänge immer wieder in Erinnerung ruft und sich bewusst macht, dass ein guter Reitersitz noch nicht bedeutet, auch richtig und präzise einzuwirken. Sitzen ist also nicht gleich einwirken.

In unserer neuen wehorse-Serie „Vom Sitzen zum Einwirken“ beschäftigt sich Dr. Britta Schöffmann genau mit dieser Thematik. Sie zeigt dir in ausführlichen Übungsvideos, wie du es schaffst: das Bewusster-Machen deines Sitzes und was du mit ihm bewirkst – wie du vom Sitzen zum Einwirken kommst. Das erste Video der Serie findest du ab Freitag hier auf www-wehorse.com.

Wanless-Methoden-Coach Elaine Butler erklärt dir in der wehorse-Serie „Sitzschule nach der Wanless-Methode“ anschaulich in drei Teilen, wie sich selbst die kleinsten Sitzveränderungen auf die Haltung und die Bewegung des Pferdes auswirken. Mit Beispielschülern zeigt sie dir typische Sitzfehler, die viele Reiter ganz unbewusst machen. Natürlich hat sie auch passende Übungen parat, um diese Fehler zu vermeiden.

Beginne am besten mit diesem Video – absolut wertvoll für den eigenen Sitz und das bewusste Einwirken!

In unserem Blogbeitrag „Viel besser sitzen – so geht’s mit dem Mary-Wanless-System“ liest du einen motivierenden Erfahrungsbericht und bekommst die Übung mit dem Reiter auf deinem Rücken zum Nachmachen und Nachspüren erklärt.

In unserer wehorse-Serie „Die Körpersprache des Reiters“ analysieren Physiotherapeutin Marlies Fischer-Zillinger und Reitlehrerin Claudia Weissauer die Bewegungsabläufe unterschiedlicher Reiter und zeigen für unterschiedlichste Situationen – von Wendungen über das Aussitzen bis zum Angaloppieren – welche Bewegungen, Anspannungen und Gewichtsverlagerungen des Reiters welche Wirkung auf das Pferd haben. Ziel ist ein Reitersitz, der die Bewegung des Pferdes aufnehmen und durch bewusste Einwirkung fördern kann.

Du kommst hier zu Teil 1. In allen Videos findest du super Übungen zum Nachmachen und Bewusstsein-schärfen!

 

3 Einwirkungs-Beispiele, bei denen kleine Änderungen eine große Wirkung haben

Einknicken in der Hüfte

Nicht nur Pferde haben meistens eine natürliche Schiefe, auch bei Menschen sieht man sie häufig. Beim Reiten äußert sich das oft in einem Einknicken der Hüfte – das kann ganz leicht sein oder deutlich sichtbar. In vielen Fällen wird zusätzlich der Kopf des Reiters schief gelegt. Selbst merkt man das als Reiter selten, wenn man nicht gezielt darauf achtet, die Haltung hat sich meist über einen längeren Zeitraum eingeschlichen.

Durch ein geringes Einknicken wirkt der Reiter schon anders auf sein Pferd ein, als er es beabsichtigt. Ohne es zu wissen, überträgt er dem Pferd auf der eingeknickten Seite mehr Belastung, sodass es dem Pferd zum Beispiel schwerer fällt, auf dieser Seite die Beine anzuheben. So kann ein Angaloppieren misslingen, nicht aufgrund der falschen Galopphilfe, sondern wegen der zusätzlichen, falschen Einwirkung, die dem Reiter in dem Moment gar nicht bewusst ist.

Dieses Beispiel wird in unserem Video „Sitzfehler - Einknicken in der Hüfte“ sehr verständlich dargestellt. Hast du bei dir jetzt auch einen „Knick“ festgestellt? Übungen, die sofort helfen, findest du natürlich auch im Video.

Ein Tipp: Nur den Kopf bewusst gerade zu halten, kann schon einen großen Effekt haben!

Schritt-Galopp-Übergänge

Im ersten Teil der „Galoppwechsel-Serie“ mit Dr. Britta Schöffmann kannst du in den unterschiedlichen Sequenzen wunderbar sehen, wie viel eine kleine Bewegung, die der Reiter macht oder nicht macht, im Hinblick auf die Einwirkung verändern kann. War dir bewusst, dass ein kurz nicht angespannter Muskel eine komplett andere Parade entstehen lassen kann als noch vor einer Minute? Oder dass eine nur etwas zu lange geschlossene Hand den ganzen Galopp-Schritt-Übergang behindern und das Pferd unzufrieden machen kann? Das siehst du ab Minute 01:06 und Minute 09:15 sehr gut.

Effektive Hilfen durch einen bewussten Einsatz des Sitzes

Ebenso wichtig für eine korrekte Einwirkung ist, dass sich keine Automatismen einschleichen, die rein aus Gewohnheit immer wieder abgespielt werden, zu dem bestimmten Zeitpunkt oder bei dem speziellen Pferd aber vielleicht gar nicht passend sind. Hast du zum Beispiel bewusst dein Bein unter Kontrolle, so dass es nicht automatisch bei jedem Schritt des Pferdes treibt, sondern wirklich nur dann, wenn es gerade notwendig ist? Bleibt deine Hand dabei unabhängig, sodass dein Pferd keine widersprüchlichen Signale bekommt (zum Beispiel den vorwärtstreibenden Schenkel gleichzeitig mit einer zurückhaltenden Hand)?

In diesem Video erklärt dir Dressurreiterin Uta Gräf ganz genau, worauf es bei der effektiven Hilfengebung ankommt und wie sie ihren Reitersitz dazu einsetzt, bewusst auf ihr Pferd einzuwirken – und nur dann, wenn es auch wirklich nötig ist. Sie zeigt es beispielhaft am Schenkelweichen und an der Traversale, du kannst es aber auch bei vielen anderen Lektionen anwenden!

Ein langer Weg, der sich lohnt

Perfekte Körperbeherrschung, Geschmeidigkeit, Koordination und vollkommenes Körperbewusstsein – das würde vermutlich zu einem perfekten Sitz UND einer perfekten Einwirkung führen. Kein Mensch und kein Reiter ist perfekt, wir werden immer mal einen Muskel vergessen zu entspannen, eine Sekunde zu langsam sein oder auf einer Seite schwächer bleiben. Und trotzdem kann es einen Unterschied wie schwarz und weiß ausmachen, wenn wir uns bewusst mit unserem Reitersitz und unserer Einwirkung auf das Pferd beschäftigen! Also schau dir die Videos an, mach dir vielleicht sogar Notizen, übe mit Freunden und deinem Reitlehrer und lasse dich, wenn möglich, auch mal beim Reiten filmen, um zu analysieren, wie du mit deinem Sitz in welchem Moment eigentlich auf dein Pferd einwirkst. Ganz viel Freude beim Üben und Besserwerden und eine erfüllte Zeit mit deinem Partner Pferd!