Dressurreiten - Das Fundament der Reiterei

Dressurreiten hat das fundamentale Ziel, das Pferd mit Hilfe von verschiedenen Übungen zu gymnastizieren, die Gesunderhaltung des Pferdes zu gewährleisten sowie die Grundgangarten des Pferdes zu verbessern. Das Dressurreiten bildet damit eine reitweisen- und disziplin-übergreifende Grundlage in der Ausbildung der Pferde. Die von den alten Meistern der Dressur geschaffenen Grundsätzen der klassischen Dressur, ermöglichen durch verschiedene Übungen und Lektionen, die genannten fundamentalen Ziele des Dressurreitens zu erreichen. Die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung entwickelte Skala der Ausbildung dient dabei als Leitlinie für den Reiter, um sein Pferd Schritt-für-Schritt und insbesondere nachhaltig dressurmäßig auszubilden.

Uta Gräf reitet ein Pferd im Trab mit Kandare.

Historie des Dressurreitens

Das Pferd fungierte sehr lange ausschließlich als Nutztier für den Menschen. Es wurde bereits vor 5000 Jahren im Krieg als Transportmittel oder Waffe eingesetzt und diente darüber hinaus als Nahrungsquelle. Im Militär hatte man hohe körperliche Ansprüche an das Pferd: Es sollte nicht nur seinen Reiter tragen, es sollte mit ihm kämpfen. Dafür musste das Pferd wendig und gehorsam sein und vor allem aufmerksam sowie sensibel auf die Hilfen des Reiters reagieren. Nur so können Pferd und Reiter auch herausfordernde Situationen gemeinsam bestehen. Die Ausbildung solcher Pferde bedarf unheimlich viel Know-How und Geduld.

Um die Ausbildung von Pferden auch weniger erfahrenen Reitern zu ermöglichen, wurde in diversen Schriften ausformuliert, wie dieser Weg der dressurmäßigen Ausbildung gestaltet werden kann. Eines dieser heute viel zitierten Werke ist die aus der Kavallerie entsprungene Richtlinie H.Dv.12. Auf ihren Leitlinien basiert auch der internationale Erfolg des deutschen Dressurreitens und seine weltweite Verbreitung. Es gibt kein allgemeingültiges Standardwerk für das Dressurreiten. Vielmehr haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Wege der Dressurreiterei entwickelt. Heute wird die klassische Reiterei von verschiedenen namhaften Ausbildern verbreitet und um neue, dem Wohle des Pferdes dienliche Erkenntnisse, ergänzt. Das Fundament, das Pferd gesunderhaltend zu gymnastizieren, bleibt jedoch unberührt.

Ziele des Dressurreitens

Zur damaligen Zeit beschäftigte man sich damit, wie man Pferde am besten und effizientesten ausbilden kann und legte dabei besonderen Wert auf die langfristige Gesunderhaltung des Pferdes. So entwickelte sich das Dressurreiten. Die Lektionen und Übungen sind nach den Grundsätzen der klassischen Dressur ein Mittel, wodurch man die genannten Ziele des Dressurreitens erreichen kann. Sie sind für das Pferd entwickelt worden: Für seine Gymnastizierung, seine Ausbildung, seine Gesunderhaltung, aber auch die Verbesserung seiner Grundgangarten.

Der Trab ist dabei die Gangart, die man durch gutes Dressurreiten am meisten verbessern kann. Doch wie funktioniert das? Weit und gut ausgebildeten Pferden sieht man gerne bei ihrem erhabenen, raumgreifenden und aufgerichteten Trab zu. Viele Reiter hätten gerne diesen Trab, wissen aber nicht, wie sie diese Bewegungen erreichen können. Wie bei fast allem sind auch hier die Grundlagen entscheidend. Wird die Dehnungshaltung im Trab schon nicht korrekt geritten oder zeigt das Pferd Verspannungen der Rückenmuskulatur, wird es einem nicht gelingen, einen ausdrucksstarken, kraftvollen und gesunden versammelten Trab zu reiten. Ein guter Trab kommt jedoch nicht vom reinen Trabreiten. Wiederholdendes und monotones Reiten auf dem Zirkel oder in der ganzen Bahn werden deinen Trab nicht verbessern können – Abwechslung ist gefragt! Doch wie verbessert man den Trab? Indem man die Rücken- und Hinterhandmuskeln des Pferdes trainiert und stärkt, indem man die Durchlässigkeit fördert und auf mehr Versammlung hinarbeitet. Abwechslungsreiches Dressurreiten hilft dir dabei.

Was bedeutet die Skala der Ausbildung für das Dressurreiten?

Jeder Reiter sollte sein Pferd dressurmäßig grundlegend ausbilden, um eine ausreichende Gymnastizierung des Pferdes zu erreichen. Dafür ist es hilfreich, die dressurmäßigen Grundübungen zu kennen, die Zusammenhänge zu verstehen und sich regelmäßig zu hinterfragen und weiterzubilden. Die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung entwickelte Skala der Ausbildung ist der wohl bekannteste Leitfaden der Dressurausbildung. Sie beinhaltet die Zusammenstellung der Grundeigenschaften des gerittenen Pferdes. Die Skala der Ausbildung besteht aus: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Das übergeordnete Ziel ist dabei immer die Steigerung der Durchlässigkeit. Die Skala der Ausbildung hat dabei disziplinübergreifende Gültigkeit.

Das sind die sechs Punkte der Skala der Ausbildung nach der FN

  1. Takt: Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge
  2. Losgelassenheit: Lockeres An- und Entspannen der Muskulatur, bei innerer Gelassenheit
  3. Anlehnung: Stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul
  4. Schwung: Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärts-Bewegung
  5. Geraderichtung: Gleichmäßiges Gymnastizieren beider Körperhälften zum Ausgleichen der natürlichen Schiefe
  6. Versammlung: Leichtfüßiges Ausbalancieren auf kleinerer Grundfläche mit energisch herangeschlossenen Hinterbeinen in selbst getragener Haltung

Jedes Reitpferd durchläuft die Skala der Ausbildung in drei Phasen: die Gewöhnungsphase, die Entwicklung der Schubkraft und die Entwicklung der Tragkraft. Diese Phasen können teilweise parallel verlaufen, bauen jedoch grundsätzlich aufeinander auf. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Reihenfolge der einzelnen Punkte der Skala der Ausbildung einzuhalten. Denn ohne Takt, Anlehnung und Losgelassenheit kann die Tragkraft nicht erarbeitet werden. Die Ausbildungsskala sollte dennoch nicht als fest abgegrenzte, chronologische Folge verstanden werden, sondern als Ganzes. In der Ausbildung eines Pferdes ist es wichtig daran zu denken, dass die einzelnen Punkte ineinander übergreifen und voneinander abhängen.

Dressurlektionen

Lektionen stellen eine elementare Rolle in der dressurmäßigen Ausbildung und Gymnastizierung des Pferdes dar. Sie sind der Weg, um die Ziele der klassischen Dressurreiterei zu erreichen und bauen hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades aufeinander auf. Lektionen sollen dem Pferd in der Dressurausbildung dabei helfen, sich besser auszubalancieren und das Gleichgewicht zu finden. Denn die natürliche Schiefe des Pferdes sowie das Gewicht und Eingreifen des Reiters führen dazu, dass das Pferd in seiner natürlichen Balance gestört wird. Dies zeigt sich beispielsweise, wenn es Pferden schwer fällt, mit der Hinterhand gleichmäßig unter den Schwerpunkt zu treten.

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