Horsemanship:
verstehe dein Pferd.

Eine gute Freiheitsdressur sieht oft so unerreichbar aus: Der Mensch ruft das Pferd und es kommt sofort angaloppiert, stoppt und lässt sich dann streicheln und entspannt. Alles ohne Strick und Zaum, kein Druck, sondern pure Leichtigkeit. Und man selbst hat häufig schon damit zu tun, den Pferdekopf vom saftigen Grün fernzuhalten. Wie erreicht man bloß diese harmonische Kommunikation? Die Antwort lautet: Durch klares, einfühlsames Horsemanship. Nicht nur am Sonntagnachmittag, sondern jeden Tag. Horsemanship bedeutet für Pferd und Mensch klare Regeln einzuhalten. Der Mensch bleibt fair in seinem Umgang mit dem Pferd und das Pferd ist achtsam gegenüber dem Mneschen. So das erklärte Ziel. Horsemanship steht für faire Kommunikation und beschreibt die innere Haltung dem Pferd gegenüber. Gutes Horsemanship zeichnet sich dadurch aus, dass es pferdefreundlich, respektvoll und kenntnisreich ist.

Du kannst Horsemanship lernen.

Die gute Nachricht ist: gutes Horsemanship und auch Freiarbeit sind erlernbar. Wahrscheinlich nicht für jeden in dieser Perfektion, wie man sie in einmaligen Showeinlagen beobachten kann. Aber doch mehr davon, als man gemeinhin denkt. Verstehst du wie dein Pferd ticket? Warum manche Sachen von links gruseliger sind als von rechts? Wie findet man das richtige Maß an Konsequenz? In anschaulichen Lernvideos kannst du viel von unseren wehorse-Trainern über das große Thema Horsemanship lernen. Im Horsemanship gibt es wie überall in der Pferdewelt verschiedene Wege zum Ziel. Zum Beispiel arbeitet Nina Steigerwald mit ihren Pferden über eine Form der positiven Verstärkung, das Clickertraining. Eine absolute Leichtigkeit im Umgang mit den Pferden erarbeiten auch Jenny Wild und Peer Claßen, als Lehrer für Natural Horsemanship. Mehr über ihre Philosophie kannst du im Podcast nachhören.
Alle verschiedenen Trainingsmethoden eint das gute, faire Horsemanship. Finde heraus, welcher Weg der richtige für dich ist!

Die beliebtesten wehorse Lernvideos zum Thema Horsemanship

Natural Horsemanship verstehen Teil 1: Eine Einführung mit Jenny & Peer

Natural Horsemanship verstehen Teil 12: Eine echte Verbindung zu deinem Pferd schaffen

Grundkommunikation mit Pferden: Zeit für Experimente

Grundkommunikation am Boden: Pferde spielerisch bewegen

Grundausbildung für Western- & Freizeitpferde Teil 2: Kontrolle, Desensibilisierung & Geduld

Kommunikation im Roundpen

Tellington-TTouch-Training für Pferde: Reiten ohne Sattel und mit Halsring

Freiheitsdressur Teil 2: Lektionen beibringen

The Gentle Touch-Bodenschule Teil I: Basisübungen im Überblick

Agility mit Pferden Teil 1: Erste Praxis mit dem Clicker

Horsemanship: Wie fange ich an?

Klingt logisch? Wenn du die Frage mit ja beantworten kannst, dann handelt es sich um ein gutes Horsemanship-Konzept. Das Horsemanship-Training muss für das Pferd kleinschrittig und logisch sein. Nur dann hat das Pferd die Möglichkeit zu verstehen, was du von ihm willst und ist eifrig dabei. Eben weil es versteht was wir möchten. Das beginnt schon beim täglichen Umgang, bei der Bodenarbeit und setzt sich im Sattel fort. Denn Horsemanship beginnt, sobald man sich mit dem Pferd beschäftigt. Wir müssen verstehen, warum das Pferd wie reagiert und dann können wir beginnen ihm Dinge zu erklären. Das Pferd lernt dabei, unsere Körpersprache zu lesen und unsere Ideen zu verstehen. Der Weg des junge Horseman Arien Aguilar zeigt, dass es nicht falsch ist interdisziplinär zu arbeiten und über den Tellerrand zu blicken. Er hat sich viele verschiedenen Formen des Horsemanships angeschaut, um seine eigene Arbeitsweise zu entwickeln.

Pferdige Grundbedürfnisse: Pferdeverhalten verstehen

Kein Pferd ist grundlos schreckhaft, dominant oder aggressiv. Fast alle Konflikte zwischen Pferd und Mensch rühren daher, dass das Verständnis für die Bedürfnisse des anderen fehlt und die Erwartungen überzogen sind. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Deshalb müssen wir unsere Horsemanship-Skills verbessern: wir müssen die Grundinstinkte der Pferde kennen und verstehen: Ein erster Schritt für einen harmonischen Umgang mit ihnen.

Horsemanship Basics: Die Grundbedürfnisse des Pferdes

  • Herdentier: Pferde kommunizieren in der Herde über Körpersprache und Mimik. Die Strukturen der Herde basieren auf klaren Hierarchien und sie bietet dem Pferd Schutz und Sicherheit vor Fressfeinden.
  • Fluchttier: Das Pferd besitzt hoch-sensible Sinnesorgane und große Schnelligkeit um bei Gefahr zu flüchten. So kann es Gefahren rechtzeitig erkennen und flüchten. Dabei ist der Fluchtinstinkt bei Pferden unterschiedlich stark ausgeprägt, es gibt Exemplare die erst Denken und dann Flüchten und solche, die sofort die Beine in die Hand nehmen. Die Tendenz, dass ein Pferd grundsätzlich darauf ausgelegt ist bei Gefahr zu flüchten, ist eine Tatsache die wir beim Training immer im Hinterkopf behalten müssen.
  • Steppentier: In seinem natürlichen Lebensraum ist das Pferd als Steppentier bis zu 16 Stunden pro Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Dafür legt es (hauptsächlich im Schritt) bis zu 40 Kilometer täglich zurück. Der Verdauungsapparat ist auf diese kontinuierliche Nahrungsaufnahme und Bewegung eingestellt. Kommt es zu Fresspausen, die länger als vier Stunden sind oder muss das Pferd viele Stunden am Stück ruhig stehen, dann widerspricht es seiner Natur. Es kann im schlimmsten Fall Krank werden oder aber heftig auf kleine Reize reagieren, weil es nicht ausgelastet ist.

Die wehorse-Trainer für Horsemanship

Arien Aguilar Dämnächst!

Jenny Wild & Peer Claßen

Alizée Froment

Peter Kreinberg

Wolfgang Marlie

Christoph Schade

Nina Steigerwald

Linda Tellington-Jones

Anna Twinney

Horsemanship und Freiarbeit

Die Freiarbeit mit dem Pferd ist nicht nur faszinierend, sondern auch Prüfstein für dein Horsemanship. Bei der freien Arbeit hat man nur bedingt die Möglichkeit, direkt auf das Pferd einzuwirken und es zu beeinflussen. Die Hilfengebung beruht auf deiner Kommunikation, bestehend aus deiner Einstellung, deiner Körpersprache und oft zusätzlich deiner Stimme. Doch bevor man das freie Zirkeln und Seitwärtsgänge mit Leichtigkeit bewältigen kann, muss es zur Mitarbeit motiviert werden und lernen deine Hilfen zu verstehen. Zusammen kommunizieren und arbeiten, dass macht Horsemanship und insbesondere die Freiarbeit aus. Eine Grundlage ist es, die Körperteile des Pferdes durch kleine Signale bewegen zu können. Wie diese Übung im Horsemanship etabliert werden kann, kannst du im folgenden nachlesen.

Horsemanship nach Parelli: Das Stachelschwein-Spiel

Die Stachelschweinspiel-Übung lehrt das Weichen auf Berührung hin. In vielen Alltagssituationen mit dem Pferd brauchen wir das: Beim Führen, beim Reiten durch unseren Kontakt mit dem Schenkel oder durch die Zäumung. Man beginnt mit dem Spiel erstmal am Kopf des Pferdes. Und je besser ein Pferd das Stachelschweinspiel hier verstanden hat, desto besser wird es sich in allen anderen Bereichen bremsen und lenken lassen. Die Übung kann später an jeder Körperstelle des Pferdes ausgeführt werden. Man geht mit viel Ruhe an die Sache ran und nimmt sich die Zeit dafür, damit das Pferd die Möglichkeit hat mitzudenken. Es soll mental angesprochen werden, nicht durch körperliche Kraftaufwendung. Die Idee dahinter stammt aus dem Parelli-System von Pat Parelli.

So fängt man an

In der Übung stehst du vor dem Pferd und dieses soll rückwärts gehen.
Doch bevor du mit der Übung beginnst, überlege dir, mit welcher Intensität du dein Ziel später mal erreichen willst. Später, wenn Ihr sie schon super gut könnt. Möchtest du, dass dein Pferd schon auf deinen Blick hin rückwärts geht? Oder auf deine Energie, also Körperspannung reagiert? Oder dass es rückwärts geht, sobald deine Hand seine Haare berühren? Diese Zielvorstellung der minimalsten Energie, die du aufwenden möchtest, ist die erste Phase, die du nutzt um auf eine Reaktion zu erhalten. Welche das ist, das ist sehr individuell. Bei dem einen mag es ein Gedanke sein, beim nächsten ein Blick. Du solltest nur für dich festlegen, was deine Phase Eins ist. Denn auf diese arbeitest du hin.

Körperspannung erhöhen

Stelle dich frontal vor dein Pferd. Seil oder Strick in die rechte Hand. Mit deiner linken Hand umfasst du die Nase deines Pferdes. Gleichzeitig erhöhst du deine Körperspannung, sendest auf diese Weise Energie in Richtung Pferd. Damit das Pferd sich angesprochen fühlt, musst du deinen Bauchnabel in Richtung Pferd drehen, so dass er auf dein Pferd zeigt. Für die richtige Energie und Körperspannung gilt: Das Brustbein anheben, deinen eigenen Muskeltonus erhöhen, du atmest ein. Denke an die Rückwärtsbewegung, die du dir von deinem Pferd wünschst.

Reaktion sofort belohnen

Sobald das Pferd sein Gewicht zurück verlagert und einen Schritt tut, bitte sofort deine Energie wieder hinunter fahren. Meint: Ausatmen, Arme sinken lassen, Muskeltonus abschwächen, weicherer Blick. Das Pferd nicht mehr frontal ansehen, sondern sich daneben stellen. Gern ein Bein locker abknicken lassen und eine entspannte Haltung einnehmen. Die Hände sanft um die Pferdenase legen, aber ohne dieses mit Energie und einer Handlungsaufforderung zu verknüpfen. Diese Berührung soll angenehm für das Pferd sein. Der Sinn dahinter ist: Das Pferd soll nicht auf die Idee kommen, dass jegliche Berührung der Nase mit Rückwärtstreten in Verbindung steht. So verweilst du einen Moment bevor du ein paar Schritte zur Seite gehst, dich vom Pferd abwendest und ihm Raum gibst, über die Übung nachzudenken.

Natural Horsemanship: Kein körperlicher Druck nötig

Diese Übung zeigt anschaulich, dass auch jede Intention eine große Auswirkungen auf das Pferd hat. Deshalb ist es auch wichtig, sich das rückwärts gehende Pferd vorzustellen, während man einen Rückwärts-Schritt verlangt. Solch konkrete Anweisungen sind hilfreich, aber auch die generelle Einstellung zum Pferd (dein Horsemanship) macht etwas mit Dir, dem Pferd und Eurer Arbeit. Falls Du noch nie so gearbeitet hast, klingt das vielleicht seltsam für Dich. Ohne Druckverstärkung zum Ziel kommen? Ja, das geht. Probiere es doch einfach mal aus! Bei manchen mag es etwas länger dauern, denn die meisten Pferde gehen nicht vorbehaltslos in die Übung. Sie sind geschult im Umgang mit Menschen und vielleicht nicht sofort bereit mitzuarbeiten. Doch bleibt der Mensch bei seiner Fragestellung, so beginnt jedes Pferd nach einer Lösung zu suchen. Und wenn sie verstehen, dass die Lösung im rückwärts gibt, werden sie eifriger dabei diese anzubieten.
Wenn du dich mehr über Horsemanship und viele weitere Übungen informieren möchtest, um dein Horsemanship zu verbessern, dann findest du viele Anregungen in den wehorse-Lernvideos. Wie die Turnierreiterin und Influencerin Lisa Röckner ihren Weg zum fairen Horsemanship gefunden hat und wie sie daraus erstaunliche Freiheitsdressuren entwickelt hat, dass kannst du in diesem Podcast nachhören.