Westernreiten:
Die lässig-leichte Arbeitsreitweise aus Amerika.

"Ein Cowboy reitet mit seinem Quarterhorse in den Sonnenuntergang, hat dabei einen Westernhut auf dem Kopf und sitzt in einem bequemen Westernsattel. Sein Pferd reagiert auf feinste Hilfen. Es kann auf Kommando von „total-entspannt“ auf „volle-Power“ umschalten. Das Pferd arbeitet selbstständig und ist auch in lauten, brenzligen Situationen die Ruhe selbst." So oder ähnlich würden wohl einige Menschen antworten, wenn man sie fragt, was sie sich unter Westernreiten vorstellen. Denn natürlich kommt einem sofort der klassische, lässige Marlboro-Cowboy in den Sinn. Doch was ist dran den Klischees? Wie wird mein Pferd, so ein cooler Partner? Was ist das Geheimnis hinter den lässigen Cowboys & Cowgirls, der scheinbar gar nichts im Sattel zu tun hat? Wie kannst du das Westernreiten mit deinem Pferd erlernen? Wir zeigen dir in unseren detailreichen Lernvideos, was Westernreiten wirklich ist und wie man diese Reitweise seinem Pferd Schritt für Schritt erklären kann.

Die Geschichte des Westernreitens

Das Westernreiten hat seinen Ursprung in Amerika und ist angelehnt an die Arbeitsreitweise der Cowboys. Diese verbrachten häufig bis zu 16 Stunden pro Tag im Sattel der Pferde. Um diese körperlich anstrengende Rancharbeit auszuhalten und so angenehm wie möglich für das Pferd zu gestalten, entwickelten sie das Westernreiten. Die Grundsätze sind ähnlichen zu den alten europäischen Arbeitsreiten. Beim Westernreiten soll das Pferd mit möglichst kleinen, einmaligen Hilfen präzise gelenkt werden. Die Hilfe zum Gangartenwechsel wird zum Beispiel nur einmal gegeben und das Pferd hat die Aufgabe, die neue Gangart beizubehalten, bis es eine andere Hilfe bekommt. Anders als in der klassischen Reitweise werden viel weniger Hilfen eingesetzt. Zusätzlich reitet man einhändig, da die Cowboys eine freie Hand brauchten, um beispielsweise ein Lasso zu werfen. Für viele Westernreiter waren die Pferde ein geliebter Partner und Überlebensgarant. Dementsprechend kleinschrittig und vorsichtig bildeten sie ihre Pferde teilweise bis zur hohen Schule aus.

Die beliebtesten wehorse Lernvideos zum Thema Westernreiten

Grundkurs Westernreiten Teil 1: Basiswissen, Sitz und Hilfengebung

Grundkurs Westernreiten Teil 3: Biegungen, Wendungen & Neck Reining

Grundkurs Westernreiten Teil 4: Rückwärts, Schritt-Trab-Übergänge, Angaloppieren

Grundausbildung für Western- & Freizeitpferde Teil 1: Pferdeverhalten & Vertrauen gewinnen im Round Pen

Grundausbildung für Western- & Freizeitpferde Teil 2: Kontrolle, Desensibilisierung & Geduld

Grundausbildung für Western & Freizeitpferde Teil 4: Vorwärts, Biegung, Stopp & Rückwärts

Aufbaukurs Westernreiten Teil 1: Gymnastizierende Übungen für Fortgeschrittene

Aufbaukurs Westernreiten Teil 3: Reiten auf dem Trailplatz und im Gelände

The Gentle Touch-Bodenschule Teil I: Basisübungen im Überblick

The Gentle Touch-Bodenschule Teil II: Garzer lernt erste Verständigungsübungen

Westernreiten vs. Englischreiten

Auf den ersten Blick liegen zwischen der klassischen Dressur und dem Westernreiten Welten. Aber ist das eigentlich wirklich so? Es gibt zwar gewaltige Unterschiede in der Hilfengebung und in der Ausrüstung, doch sind die grundsätzlichen Konzepte dahinter recht identisch. Das Pferd soll den Reiter langfristig gesunderhaltend tragen können. Dafür muss es locker und entspannt über den Rücken laufen. Beim Westernreiten wird im Grunde genauso darauf hingearbeitet wie beim Englischreiten. Allerdings mit kleinen Unterschieden in der Ausführung, wie man an der Ausbildungsskala des Westernpferdes genau erkennen kann. Peter Kreinberg, Trainer im Bereich Westernreiten, zeigt dir, wie man seinem Pferd die Grundlagen vom Boden und vom Sattel aus beibringen kann.

Was macht Westernreiten aus?

In der Ausbildungsskala des Westernreitens (nach der Ersten Westernreiter Union (EWU)) ist die absolute Durchlässigkeit des Pferdes das Endziel der Ausbildung. Das Westernpferd soll ein selbstständiger Mitarbeiter des Reiters sein, welches mit minimalen Hilfen auskommt und trotzdem komplett kontrollierbar ist. In der klassischen Ausbildungsskala ist das höchste Ziel die Versammlung - aber eben auch die Durchlässigkeit des Pferdes. Der Ausbildungsweg ist in beiden Reitweisen ähnlich, wenn man den Aufbau und die Punkte der Ausbildungsskalen vergleicht. Nur den dritten Punkt der klassischen Ausbildungsskala, die Anlehnung, findet man im Westernreiten nicht. Die Basis der beiden Reitstile ist demnach nicht grundlegend verschieden.

Hilfengebung

Beim Westernreiten, wie bei den meisten Arbeitsreitweisen, handelt es sich um eine Signalreitweise. Das bedeutet, du gibst dem Pferd nur dann eine Hilfe gegeben, wenn es seines Bewegungsablaufes ändern soll. Das geschieht über Impulse. Mit Impulsen vermittelst du deinem Pferd, wo es sich bewegen soll und in welchem Tempo sowie in welcher Körperhaltung es das tun soll. Dazu gehören allerdings noch einige Punkte, die jeder Reiter beim Westernreiten beherrschen sollte, um später einhändig mittels des sogenannten Neck Reining reiten zu können. Erstens darf der Reiter sein Pferd nicht stören, behindern oder irritieren. Zweitens werden Hilfen so fein wie möglich gegeben. Die drei wichtigen Voraussetzungen um dein Reiten mit feinen Hilfen zu verbessern: Das Gleichgewicht schulen, lernen den Rhythmus zu halten und dein Horsemanship verbessern, um ein besseres Einfühlungsvermögen zu entwickeln. Wie du diese drei Punkte erreichen kannst und die Hilfengebung ganz genau funktioniert erklärt dir Peter Kreinberg in seinem Grundkurs Westernreiten.

Die wehorse-Trainer für Westernreiten

Peter Kreinberg

Welche Lektionen gibt es beim Westernreiten?

Neben der einhändigen Zügelführung gibt es im Westernreiten weitere Lektionen, welche in der Westerndressur, der Reining, abgefragt werden. Ein Manöver ist der Sliding Stop. Das Pferd wird auf einer Geraden, dem sogenannten Run-down, langsam beschleunigt. Dann wird mit dem stimmlichen Kommando "Whoa" und mit Einsitzen in den Sattel der Stop eingeleitet. Der Zügel wird nicht angenommen, sondern bleibt lose. Das Pferd "setzt" sich dabei auf die Hinterbeine. Durch einen speziellen Beschlag rutscht es auf den Hinterhufen, während es mit den Vorderbeinen bis zum Stillstand weiterläuft. Der Sliding Stop kann im Westernreiten nicht einfach so von jedem Pferd ausgeführt werden, sondern setzt kleinschrittiges Training und einen speziellen Boden voraus.

Ein weiteres Manöver im Westernreiten ist der Spin. Beim Spin handelt es sich um eine oder mehrere, meistens vier 360°-Drehungen auf der Hinterhand. Hierbei verlagert das Pferd sein Gewicht auf das innere Hinterbein, welches fest am Platz stehen bleiben soll während der Drehung. Das äußere Hinterbein muss in der Drehung mitgeführt werden. In der Drehung soll das äußere Vorderbein über das innere Vorderbein hinweg überkreuzen. Die Vorhand läuft, die Hinterhand bleibt stehen. Außerdem sollte das Pferd möglichst schnell drehen. Wie weitere Manöver wie den Roll Back und fliegende Galoppwechsel aussehen sollen und wie man sie dem Pferd beim Westernreiten beibringt, kannst du dir im Aufbaukurs Westernreiten ganz in Ruhe anschauen.

Westernreiten Equipment: die richtige Ausrüstung

Die Ausrüstung beim Westernreiten orientiert sich an dem Equipment der Rancharbeiter. Sie entsprechen deshalb insbesondere zwei Merkmalen: sie sind zweckmäßig und haben einen hohen Tragekomfort für Pferd und Reiter. Dazu gehört ein Cowboyhut, der vor der Sonne schützt und lange ledernde Chaps, die einen perfekten Grip im Sattel ermöglichen. Der klassische Westernsattel besitzt eine breite Auflagefläche für die bestmögliche Gewichtsverteilung und hat ein Sattelhorn, sowie lange bequeme Steigbügel. Die Zügel sind meist am Ende offen, damit sie sich nicht am Horn verheddern. Zusätzlich kann man das Pferd so einfach an einem Zügel führen. Beim Training und zu Beginn ihrer Ausbildung tragen Westernpferde oft ein einfaches, gebrochenes Gebiss, das Snaffle Bit. Eine Alternative stellen gebisslose Varianten, wie das Bosal, Sidepull oder eine Hackamore, da. Fortgeschrittene Reiter und Pferde, die ohne große Zügelhilfen einhändig am losen Zügel reiten können, nutzen gern eine Westernkanadare/Curb Bit.

Westernreiten auf dem Turnier

Auch im Westernreiten gibt es in ganz Deutschland Turnierangebote sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Veranstalter ist die Erste Westernreiterunion Deutschland e.V. (EWU). Die Turniere sind dabei in Leistungsklassen eingeteilt, beginnend mit der Einsteigerklasse LK5 bis zur schwersten Klasse LK1. Es gibt im Westernreitsport eine Reihe von Disziplinen, die sehr verschieden und abwechslungsreich sind. Auch sind im Westernreitsport alle möglichen Pferderassen zu finden. Natürlich sind gerade Quarter Horses, Appaloosa und Paint Horses genau auf die Aufgaben im Westernreiten hin gezüchtet und ihnen Fallen die Aufgaben besonders leicht. Es ist allerdings kein Problem auch erfolgreich mit Fjordpferden, deutschen Reitponys oder Warmblütern an den Start gehen, die entsprechend im Westernreiten trainiert wurden. Das Westernreiten ist offen für alle Pferderassen.

Disziplinen im Westernreiten: ab aufs Turnier

  • Trail: Geschicklichkeits-Prüfung, es müssen mindestens sechs Hindernisse bewältigt werden
  • Western Horsemanship: Der Sitz und die Einwirkung des Reiters wird beurteilt, es muss sehr präzise und korrekt eine Aufgabe geritten werden
  • Western Pleasure: Beurteilung des Pferdes, es wird in der Gruppe geritten, das Pferd muss willig und aufmerksam an den Hilfen stehen, es wird am losen Zügel geritten
  • Ranch Riding: Die Rittigkeit und die Manier des Pferdes wird beurteilt, auch in höheren Gangarten und Manövern. Dabei ist eine leichte Anlehnung am Zügel erwünscht.
  • Showmanship at Halter: Pferd wird an der Hand vorgestellt, korrektes führen und absolvieren von kleinen Aufgaben vom Boden aus
  • Western Riding: Ähnlich wie Western Pleasure, das Pferd muss ein gleichbleibendes Tempo halten und viele Galoppwechsel am Punkt absolvieren
  • Reining: Westerndressur mit anspruchsvollen Manövern wie dem Sliding Stopp, Roll Backs und Spins
  • Superhorse: Prüfung für Allrounder, es werden Elemente aus den vier Disziplinen Reining, Ranch Riding, Trail und Western Riding geritten
  • Working Cowhorses: Rinder-Disziplin bestehend aus zwei Teilen: Zuerst wird eine Reining-Aufgabe geritten, anschließend wird zur „Fence Work“ ein Rind in die Bahn gelassen, das von Pferd und Reiter 2min lang kontrolliert werden muss.
  • Horse & Dog Trail: Pferd und Reiter müssen gemeinsam mit dem Hund einen Trail-Parcour bewältigen