Working Equitation:
Harmonie, Spass und korrektes Reiten

Inhalt

Eine beliebte Vorführung in Shows und auf Galaabenden ist heute die sogenannte Working Equitation. Auf wieselflinken Spaniern zischen die Reiter durch einen Trailparcour, das Pferd immer vor sich und hochkonzentriert. Doch weitgefehlt, wenn du denkst das kann nicht jedes Pferd lernen! Bei der Working Equitation stehen Harmonie, Geschicklichkeit und korrektes Reiten im Vordergrund. Und diese Punkte kann man nicht an einer Rasse, sondern nur an guten Reiten festmachen. Doch woher stammt diese Reitweise eigentlich?

Anfänge der Working Equitation

Die noch recht junge Turnierdisziplin beruht auf den alten südeuropäischen Arbeitsreitweisen, welche in Spanien, Portugal, Frankreich und Italien zum Treiben der Rinderherden entwickelt wurden. Damals mussten sich Pferd und Reiter im unwegsamen Gelände schwierigen Aufgaben stellen einen überaus rittigen Partner an ihrer Seite haben. Die Pferde wurden durch penibles Dressurreiten auf ihre Arbeit am Rind vorbereitet. Durch die Modernisierung gerieten die Arbeitsreitweisen immer mehr in Vergessenheit und wurden nur noch von Liebhabern praktiziert. Um das Wissen und die Traditionen zu bewahren entstand die Idee, Working Equitation Wettbewerbe zu veranstalten. Vorreiter sind der mehrfache Weltmeister Pedro Torres aus Portugal oder der Deutsche Stefan Schneider. Die früheren Anforderungen an die Rinderhirten werden nun in der Working Equitation in bis zu vier Teildisziplinen abgefragt. Die Abwechslung der Working Equitation ist es, was viele dazu bringt in diese faszinierende Sportart einzusteigen. Für einen reibungslosen Start haben wir für dich detaillierte Lernvideos zum Thema Working Equitation erstellt mit denen du jetzt lernen kannst, wie man ein "Worker" wird.

Die beliebtesten wehorse Lernvideos zum Thema Working Equitation

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 1: Dressurmäßige Arbeit & Trainingsphilosophie

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 2: Den Trail-Parcours Schritt für Schritt erarbeiten

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 3: Galopparbeit im Slalom

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 4: Stiltrail & Masterclass

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 5: Rinderarbeit & Speedtrail

Dressurreiten mit Begeisterung Teil 5: Working Equitation – Blick über den Tellerrand

Einhändig reiten mit Uta Gräf: Voraussetzungen & Unterschiede der Hilfengebung

Anforderungen in der Working Equitation

Die aus den alten Arbeitsreitweisen entstandene Working Equitation setzt sich aus vier Teildisziplinen zusammen. Diese werden auf Working Equitation Turnieren immer gemeinsam abgefragt. Das bedeutet, man startet auf einem Turnier in mehreren Disziplinen und nicht nur in einer Sparte. In der Dressur werden klassische Lektionen zur Musik geritten, während im Stil-Trail 6 bis 15 Hindernisse fehlerfrei bewältigt werden müssen. Ab der leichten Klasse L kommt zusätzlich noch ein Speed-Trail, der auf Zeit geritten wird, sowie die Rinderarbeit dazu.

Die Teildisziplinen im Überblick

  • Die Dressur ist die Basis für alle anderen Teilprüfungen und wird in 5 Leistungsklassen unterteilt. Die schwereren Klassen werden nur im Schritt und Galopp geritten. In der schweren Klasse (S) werden Lektionen bis Grand-Prix gefordert.
  • Der Stiltrail beinhaltet 10-15 Hindernisse, wie z.B. Parallel-Slalom, Gatter oder Tor, Brücke, Tonnen zum Umrunden, Sidepass, Gasse oder Glockengasse, die in einer bestimmten Reihenfolge absolviert werden müssen. Bewertet werden die korrekte Ausführung und der „Stil“, in dem geritten wird. Je entspannter und lockerer Pferd und Reiter wirken, desto besser fällt die Bewertung aus.
  • Im Speedtrail soll Geschwindigkeit mit Geschicklichkeit verbunden werden. Es wird der gleiche oder ein ähnlicher Parcours wie beim Stiltrail geritten. Dieses Mal aber auf Zeit, jeder Fehler ergibt Strafsekunden. Doch auch in dieser Teildisziplin wird von den Teams „stilvolles“ Reiten erwartet.
  • Die Rinderarbeit ist der Ursprung der Working Equitation und häufig die publikumswirksamste Disziplin. Der Reiter muss ein Rind von der Herde separieren und in einen abgesperrten Bereich treiben. Pferd und Reiter müssen ein weiteres Mal beweisen, wie sicher und harmonisch ihre Kommunikation funktioniert. Am Ende zählt jedoch die Zeit, die gebraucht wird, um das Rind von der Herde zu trennen.

Die wehorse-Trainer für Working Equitation

Pedro Torres

Stefan Schneider

Geeignete Pferderassen für die Working Equitation? 

Working Equitation kann für viele Reiter eine spannende Möglichkeit sein, das eigene Training abwechslungsreicher zu gestalten und das Pferd vor neue Herausforderungen zu stellen. Auf dem Turnier stehen vor allem die Harmonie zwischen Reiter und Pferd und die Freude, die beide beim Erledigen der Aufgaben empfinden im Mittelgrund. Working Equitation ist für alle Pferde geeignet, da das Gangwerk eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Einstellung des Pferdes hingegen, also wie viel Spaß das Pferd an den gestellten Herausforderungen hat, kann über die zu erreichenden Leistungen in einem Turnier entscheiden. Working Equitation ist gerade deshalb eine Reitsportdisziplin, die offen für alle Pferderassen ist.

Anforderungen in den Leistungsklassen

Wichtig zu Wissen ist auch, dass in der Masterklasse das Pferd einhändig auf blanker Kandare und damit hauptsächlich über Gewichts- und Schenkelhilfen geritten wird. In der Klasse E sind hingegen neben normaler Wassertrense auch gebisslose Zäumungen erlaubt. In Klasse A bis M kann man Wahlweise auf Trense oder Kandare mit Unterlegtrense reiten. Grundsätzlich werden alle Aufgaben, anders als bei Westernreiten, welches sich aus den Arbeitsreitweisen in Amerika entwickelte, in Anlehnung geritten.

  • Klasse E und A: Für Einsteiger geeignet, verschiedene Grundlektionen, die Aufgabe wird in allen drei Grundgangarten geritten.
  • Klasse L: Rückwärtsrichten, Außengalopp, einfache Galoppwechsel, die Aufgabe wird in allen drei Grundgangarten geritten
  • Klasse M: Verschiedene Seitengänge, fliegende Galoppwechsel, die Aufgabe wird nur im Schritt und Galopp geritten
  • Klasse S (Masterklasse): Grand Prix Lektionen wie Pirouetten und  Galopptraversalen, die Aufgabe wird nur im Schritt und Galopp geritten

Feine Hilfen Harmonie als Ziel der Arbeit

Bewertet werden in der Dressur die Einwirkung des Reiters sowie die gelassene und korrekte Arbeitsweise des Pferdes. Hier ist reelles Reiten gefordert. Wichtig sind deshalb die Reinheit der Gänge und sauber gerittene Übergänge. Im Trail wird durch unterschiedliche Hindernisse, wie eine Brücke, ein Tor oder ein Stangen L, geritten. Durch die unterschiedlichen Aufgaben ist die Arbeit für Pferd und Reiter abwechslungsreich und immer wieder eine neue visuelle Herausforderung. Für die korrekte Ausführung werden Punkte vergeben, welche im Speed-Trail in Strafsekunden umgerechnet werden. Um auch an der Rinderarbeit teilnehmen zu dürfen, muss in einem Kurs der sogenannte „Rinderschein“ erworben werden. Dadurch wird sichergestellt, dass das Pferd an Kühe gewöhnt ist und der Reiter weiß, wie er die Rinder möglichst stressfrei bewegen kann. Die Aufgabe bei der Rinderarbeit besteht darin, im Team ein Rind aus der Herde zu separieren und in einen abgetrennten Bereich zu treiben. Die Wertung erfolgt primär nach Punkten, bei Punkte-Gleichstand wird die benötigte Zeit relevant.

Abwechslung für Pferd und Reiter

Die Working Equitation bietet eine wunderbare Abwechslung für Pferd und Reiter. Die dressurmäßige Arbeit, die wichtig zur Gesunderhaltung des Pferdes ist, wird mit einer konkreten Aufgabe verbunden. Wie du das lernen kannst, zeigen wir dir mit den besten Working Equitation Ausbildern der Welt. Im Trail stellt man sich immer wieder neuen Hindernissen. Diese vielfältigen Herausforderungen erfordern nicht nur Mut und Selbstvertrauen vom Pferd, sondern sie schulen auch die Geschicklichkeit und die eigenständige Mitarbeit des Pferdes. Nebenbei wird das Vertrauen zum Reiter gestärkt und man lernt, wie man den Partner Pferd in außergewöhnlichen Situationen besser einschätzen kann.

Wie kann ich einen Trail selbst bauen?

Du brauchst gar nicht sofort einen eigenen Trail. Beginne zum Beispiel mit einigen wenigen Hindernissen und nicht gleich mit der Rinderarbeit oder einem ganzen Parcours einhändig auf Kandare. Du kannst dir fast alle Hindernisse auf dem eigenen Platz nachbauen. Einen Pferch kannst du dir ganz einfach aus Pylonen kreieren. Mit Cavaletti-Stangen kannst du sehr viele in der Working Equitation geforderte Hindernisse imitieren z.B. dir eine Gasse bauen oder sie für den Sidepass überqueren. Für den Slalom ist es überhaupt nicht notwendig, um eine Tonne oder Stange zu reiten. Für den Anfang reicht auch ein Futtereimer, ein Futtersack oder eine Aufstiegshilfe, um die herumgeritten werden kann.

10 Fakten über die Working Equitation

Working Equitation Fakt 1

Es gibt vier Disziplinen in der Working Equitation: Die Dressur, den Stiltrail, den Speedtrail und die Rinderarbeit. Auf Turnieren in Deutschland starten die Reiter von Klasse E bis S. In E und A besteht eine Prüfung immer aus Dressur und Stiltrail, ab L ist auch Speedtrail und Rinderarbeit dabei. Was nie geht: nur eine dieser Prüfungen herauspicken!

Working Equitation Fakt 2

Die Dressur ist der wichtigste Part. „Die Pferde sollen die Lektionen genauso korrekt ausführen wie auf einem konventionellen Turnier“, sagt Birte Ostwald. Der Ursprung der Working Equitation liegt in den südeuropäischen Arbeitsreitweisen, die ihren Ursprung in Spanien, Portugal, Italien und Frankreich haben, erklärt Birte Ostwald. „Es wird in Anlehnung geritten, das Pferd soll die Stirnlinie an der Senkrechten tragen und ans Gebiss ziehen – anders, als zum Beispiel beim Westernreiten“.

Working Equitation Fakt 3

„In der Working Equitation kann man auch mit einem gut gerittenem Pferd, das nicht das letzte Bewegungspotential hat, weit kommen!“, sagt Birte Oswald. Das deutsche WM-Team 2014 bestand zum Beispiel aus einem Haflinger-Quarter Mix, einem Welsh-Cob, einem golden Pinto und einem Quarterhorse.

Working Equitation Fakt 4

Die Hindernisse im Stil- und im Speedtrail sind mindestens sechs Stück und sie können variieren: Es gibt zum Beispiel die Brücke, das Tor, den Slalom, kleine Sprünge oder den Pferch.

Working Equitation Fakt 5

Die Garocha ist fester Bestandteil der Klassen M und S: Dann muss der Reiter die lange Stange aus einem Fass nehmen, mit ihr durch einen Ring stechen und sie zurück ins Fass stellen.

Working Equitation Fakt 6

Typischerweise wird in den höheren Klassen auf blanker Kandare geritten. Auf E und A Niveau sind die Prüfungen auf Trense ausgeschrieben, ab Klasse L darf das Pelham mit vier Zügeln und kurzen Anzügen genutzt werden.

Working Equitation Fakt 7

„Die Einstellung des Pferdes macht ganz viel aus“, erklärt Birte Ostwald. Auch ein Pferd, das nicht das optimale Exterieur eines Working Equitation Pferdes hat, kann gute Leistungen bringen, wenn es Spaß an der Sache hat.

Working Equitation Fakt 8

Die typischste Rasse für die Working Equitation ist der Lusitano. „Sie bringen meist einen guten Galopp mit, und das ist essentiell, genauso wie einen guten Schritt. Pferde für die Working Equtiation müssen im Schritt keine drei Hufbreiten übertreten, aber der Schritt muss gut im Takt sein.“

Working Equitation Fakt 9

Eigeninitiative: Viele Pferde entwickeln richtig viel Spaß an der Working Equitation, weil sie anhand der Hindernisse einen Sinn in ihrem Tun sehen. „Eine typische Aufgabe ist es zum Beispiel, in ein Stangen-L zu reiten, dort eine Glocke zu läuten und dann das Pferd rückwärts um die Ecke herum zu richten. Die Pferde lernen, ihre Beine selbst zu sortieren und machen begeistert mit!“ erzählt Birte Ostwald.

Working Equitation Fakt 10

Wie fängt man an? „Ohne Anleitung geht der Spaß schnell verloren“, sagt Birte Ostwald. Da helfen Bücher oder Lernvideos. Wie schön Working Equitation sein kann, das zeigt Pedro Torres in seinen wehorse Lerneinheiten.