Working Equitation - traditionell & anspruchsvoll

Working Equitation ist eine Reitsportdisziplin, die auf die unterschiedlichen europäischen Arbeitsreitweisen zurückzuführen ist. Die südeuropäischen Arbeitsreitweisen bilden auch die Grundlage des heutigen Westernreitens und hatten früher eine elementare Bedeutung in der Landwirtschaft. Working Equitation setzt sich heutzutage aus vier Komponenten zusammen, die alle auf Basis der klassischen Dressur geritten werden. Neben einer Dressurprüfung besteht die Working Equitation Prüfung aus einer Stil-Trail sowie Speed-Trail Prüfung. Den Abschluss bildet zumeist das beim Publikum bekannte Rindertreiben.

Die dressurmäßige Arbeit, die wichtig zur Gesunderhaltung und Gymnastizierung des Pferdes ist, wird bei Working Equitation mit einer konkreten Aufgabe verbunden. Im Trail werden Pferd und Reiter vor immer wieder neue Herausforderungen mit verschiedensten Hindernissen gestellt. Diese vielfältigen Aufgaben erfordern nicht nur Mut und Selbstvertrauen vom Pferd, sondern sie schulen auch die Geschicklichkeit und die eigenständige Mitarbeit des Pferdes. Nebenbei wird das Vertrauen zum Reiter gestärkt und der Reiter lernt, wie man den Partner Pferd in außergewöhnlichen Situationen besser einschätzen kann.

Die Historie der Working Equitation

Die noch recht junge Turnier Disziplin Working Equitation beruht auf den alten südeuropäischen Arbeitsreitweisen, welche in Spanien, Portugal, Frankreich und Italien zum Treiben der Rinderherden entwickelt wurden. Damals mussten sich die Reiter in unwegsamen Gelände schwierigen Aufgaben stellen und waren dabei auf einen rittigen und verlässlichen Partner Pferd an ihrer Seite angewiesen. Die Pferde wurden durch gezieltes und gymnastizierendes Dressurreiten auf ihre Arbeit am Rind vorbereitet. Durch die Modernisierung und vor allem Technologisierung der Arbeit gerieten die Arbeitsreitweisen immer mehr in Vergessenheit und wurden nur noch von Liebhabern praktiziert. Um das Wissen und die Traditionen zu bewahren, entstand die Idee, Working Equitation Wettbewerbe zu veranstalten. Vorreiter sind der mehrfache Weltmeister Pedro Torres aus Portugal oder der Deutsche Stefan Schneider. Die früheren Anforderungen an die Rinderhirten werden nun in der Working Equitation in bis zu vier Teildisziplinen abgefragt. Die Abwechslung der Working Equitation ist es, was viele dazu bringt diese Sportart auszuüben.

Welche Diziplinen gibt es?

Die aus den alten Arbeitsreitweisen entstandene Working Equitation setzt sich aus vier Teildisziplinen zusammen. Diese werden auf Working Equitation Turnieren immer gemeinsam abgefragt. Das bedeutet, man startet auf einem Turnier in mehreren Disziplinen und nicht nur in einer. In der Dressur werden klassische Lektionen zur Musik geritten, während im Stil-Trail sechs bis 15 Hindernisse fehlerfrei bewältigt werden müssen. Ab der leichten Klasse L kommen zusätzlich noch ein auf Zeit gerittener Speed-Trail, sowie optional die Rinderarbeit dazu. Die Rinderarbeit ist nicht immer Teil eines Working Equitation Turniers, es ist abhängig von der jeweiligen Ausschreibung des Veranstalters.

Die Teildisziplinen im Überblick

  1. Dressur: Die Dressur ist die Basis für alle Teilprüfungen und wird in 5 Leistungsklassen unterteilt. Die schwereren Klassen werden nur im Schritt und Galopp geritten. In der schweren Klasse (S) werden auch Lektionen aus dem Grand Prix der Dressurreiter gefordert. Bewertet werden in der Dressur die Einwirkung des Reiters sowie die gelassene und korrekte Arbeitsweise des Pferdes. Hier ist reelles Reiten gefordert. Wichtig sind deshalb die Reinheit der Gänge und sauber gerittene Übergänge.
  2. Stiltrail: Der Stiltrail beinhaltet 10-15 Hindernisse, wie z.B. Parallel-Slalom, Gatter, Tor, Brücke, Tonnen zum Umrunden, Sidepass, Gasse oder Glockengasse, die in einer bestimmten Reihenfolge absolviert werden müssen. Bewertet werden die korrekte Ausführung und der Stil, wie die gestellten Aufgaben gemeistert werden. Je entspannter, lockerer und souveräner Pferd und Reiter wirken, desto besser fällt die Bewertung aus.
  3. Speedtrail: Im Speedtrail soll Geschwindigkeit mit Geschicklichkeit verbunden werden. Es wird der gleiche oder ein ähnlicher Parcours wie beim Stiltrail geritten. Dieses Mal jedoch mit dem Augenmerk auf die benötigte Zeit zum Absolvieren der Aufgabe. Jeder Fehler ergibt Strafsekunden. Doch auch in dieser Teildisziplin wird von den Teams durchaus stilvolles Reiten erwartet.
  4. Rinderarbeit: Die Rinderarbeit ist der eigentliche Ursprung der Working Equitation und häufig die publikumswirksamste Disziplin. Der Reiter muss ein Rind von der Herde separieren und in einen abgesperrten, als Ziel definierten Bereich treiben. Pferd und Reiter sollen ein weiteres Mal unter Beweis stellen, wie sicher und harmonisch ihre Kommunikation funktioniert. Bewertet wird in diesem Prüfungsteil nach vergebenen Punkten der Richter. Sollte Punktegleichstand herrschen, wird nach der schnellsten Zeit platziert. Um an der Rinderarbeit teilnehmen zu dürfen, muss der das Reiter-Pferde-Paar zuvorderst durch die Teilnahme an einem Kurs den sogenannten Rinderschein erworben haben. Dadurch wird sichergestellt, dass das Pferd an Kühe gewöhnt ist und der Reiter weiß, wie er die Rinder möglichst stressfrei bewegen kann.

Die vier Leistungsklassen

  1. Klasse E und A: Für Einsteiger geeignet, verschiedene Grundlektionen wie Übergänge zwischen den Gangarten. Die Aufgabe wird in allen drei Grundgangarten geritten.
  2. Klasse L: Rückwärtsrichten, Außengalopp, einfache Galoppwechsel, die Aufgabe wird in allen drei Grundgangarten geritten Klasse M: Verschiedene Seitengänge, fliegende Galoppwechsel, die Aufgabe wird nur im Schritt und Galopp geritten
  3. Klasse S (Masterklasse): Grand Prix Lektionen wie Pirouetten und Galopptraversalen, die Aufgabe wird nur im Schritt und Galopp geritten

Wichtig zu Wissen ist, dass in der Masterklasse (Klasse S) das Pferd einhändig auf Kandare ohne Unterlegtrense geritten wird. Das erfordert eine besonders feinere Einwirkung mit der Hand, sodass der Reiter die Hilfen hauptsächlich über Gewicht und Schenkel gibt. In der Klasse E sind hingegen neben der Wassertrense auch gebisslose Zäumungen erlaubt. In Klasse A bis M kann man Wahlweise auf Trense oder Kandare mit Unterlegtrense reiten. Grundsätzlich werden alle Aufgaben, anders als beim Westernreiten, in Anlehnung geritten.

Welche Pferderassen sind für Working Equitation geeignet?

Working Equitation kann für viele Reiter eine spannende Möglichkeit sein, das eigene Training abwechslungsreicher zu gestalten und das Pferd vor neue Herausforderungen zu stellen. Auf dem Turnier stehen vor allem die Harmonie zwischen Reiter und Pferd und die Freude, die beide beim Erledigen der Aufgaben empfinden im Mittelgrund. Working Equitation ist grundsätzlich für alle Pferde geeignet, da beispielsweise das Gangwerk eher eine untergeordnete Rolle spielt. Viel wichtiger ist die Einstellung des Pferdes und wie viel Motivation und Freude das Pferd an den gestellten Herausforderungen hat. Das kann letztlich über die zu erreichenden Leistungen in einem Turnier entscheiden. Working Equitation ist gerade deshalb eine Reitsportdisziplin, die offen für alle Pferderassen ist.

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