Equines Metabolisches Syndrom (EMS) beim Pferd: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Quarter Horse galoppiert über eine Wiese.
Inhaltsverzeichnis
Mehr von uns
100% Pferdewissen

Weitere Tipps und noch mehr Experten-Wissen zu allen Pferdethemen bekommst du in unseren Online-Kursen.

Die besten Trainer

Wir haben die besten Trainer und Experten der Pferdewelt sorgfältig für dich ausgewählt. 

Du hast dich schon immer gefragt, was EMS eigentlich ist und wie du diese Erkrankung bei deinem Pferd erkennst? Wir zeigen dir die häufigsten Symptome des Equinen Metabolischen Syndroms (EMS) bei Pferden. Du erfährst, welche Rassen besonders häufig betroffen sind, was die Fütterung bewirken kann und wie du ein Pferd mit EMS ideal gymnastizieren kannst. Die Krankheit kann Pferdebesitzer auf die Probe stellen, allerdings kann sie mit gutem Management zu einem ganz normalen Pferdeleben dazugehören. Wir zeigen dir, wie du dein EMS-Pferd unterstützen kannst. 

Was ist EMS beim Pferd?

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselerkrankung und beschreibt eine Kombination von Symptomen, die durch eine Insulinresistenz verursacht werden. Betroffene Pferde zeigen oft eine abnorme Fettverteilung und sind anfällig für Hufrehe. Damit zählt EMS zu den Stoffwechselerkrankungen bei Pferden. Wissenschaftlich wird von einer Kombination aus Adipositas (Fettleibigkeit), Insulinresistenz und Hufrehe gesprochen. Ein gutes Verständnis von EMS hilft, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

EMS kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, darunter genetische Veranlagung, Überfütterung und mangelnde Bewegung. Auch hormonelle Ungleichgewichte können eine Rolle spielen.

Symptome von EMS beim Pferd

Es ist wichtig, die Symptome von EMS (Equines Metabolisches Syndrom) frühzeitig zu erkennen, um deinem Pferd schnell helfen zu können. Lass uns gemeinsam einen Blick auf die typischen Anzeichen werfen, die dir zeigen können, ob dein Pferd möglicherweise an EMS leidet.

  • Übergewicht und Fettverteilung

Ein EMS-Pferd neigt dazu, an bestimmten Körperstellen besonders dicke Fettpolster zu entwickeln. Dies ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern ein ernstes Gesundheitsrisiko. Die ungleichmäßige Fettverteilung kannst du zum Beispiel an einem dicken Nacken (auch „Cresty Neck“ genannt) oder am Schweifansatz sehen. Diese Fettpolster fühlen sich oft hart und fest an und sind nicht einfach nur „Pölsterchen“, sondern ein Zeichen für eine gestörte Insulinregulation im Körper deines Pferdes.

  • Hufrehe und andere gesundheitliche Probleme

Eine der schwerwiegendsten Komplikationen von EMS ist Hufrehe. Das ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, die sehr ernst sein kann. Pferde mit Hufrehe haben große Schmerzen und können kaum noch laufen. Wenn die Hufrehe nicht schnell und effektiv behandelt wird, kann sie zu dauerhaften Schäden und sogar zur Lahmheit führen. Deshalb ist es super wichtig, dass du bei den ersten Anzeichen sofort handelst und deinen Tierarzt konsultierst.

Es ist also wichtig, dass du die Symptome von EMS kennst und verstehst. Achte auf übermäßige Fettpolster an der Mähne, dem Schweifansatz und über den Augen. Behalte das Gewicht deines Pferdes im Blick und überprüfe regelmäßig die Fettverteilung. 

Pferde stehen auf einer Weide.
Eine der häufigen Ursachen von EMS ist falsches Weidemanagement.

Ursachen von EMS

EMS kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, darunter genetische Veranlagung, Überfütterung und mangelnde Bewegung. Auch hormonelle Ungleichgewichte spielen eine Rolle.

  • Einfluss von Fütterung und Haltung

Die Art und Weise, wie du dein Pferd fütterst und hältst, hat einen enormen Einfluss auf seine Gesundheit. Pferde, die hauptsächlich kohlenhydratreiches Futter erhalten und wenig Bewegung haben, sind besonders gefährdet, EMS zu entwickeln. Achte für dein Pferd von daher besonders auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. 

  • Übergewicht

Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren für EMS. Pferde, die zu viel Gewicht auf die Waage bringen, sind viel anfälliger für diese Stoffwechselerkrankung. Es ist wichtig, das Gewicht deines Pferdes regelmäßig zu überwachen und sicherzustellen, dass es im gesunden Bereich bleibt. Ein guter Richtwert ist die Körperkonditionsnote, die dir und deinem Tierarzt hilft, den Ernährungszustand deines Pferdes objektiv zu bewerten.

  • Alter

Auch das Alter spielt eine Rolle bei der Anfälligkeit für EMS. Ältere Pferde haben ein höheres Risiko, an EMS zu erkranken, da sich ihr Stoffwechsel mit der Zeit verändert und verlangsamen kann. Zudem sind sie tendenziell weniger aktiv . Deshalb ist es besonders wichtig, ältere Pferde gut zu überwachen und ihre Ernährung und Bewegung entsprechend anzupassen.

  • Hormonelle Ungleichgewichte

Hormonelle Ungleichgewichte, wie sie beispielsweise durch das Equine Cushing Syndrom (PPID) verursacht werden, können ebenfalls das Risiko für EMS erhöhen. Pferde mit Cushing haben oft eine höhere Insulinresistenz, aufgrund der erhöhten ACTH-Produktion und neigen eher zu Gewichtszunahme. Daher ist es wichtig, regelmäßig tierärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen, um solche Zustände frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

  • Stress

Stress kann den Stoffwechsel deines Pferdes negativ beeinflussen und damit das Risiko für EMS erhöhen. Achte darauf, dass dein Pferd eine ruhige und stressfreie Umgebung hat. Ein stabiler, sicherer Stall, genügend Sozialkontakte und ein geregelter Tagesablauf tragen dazu bei, Stress zu minimieren.

Ein Fjordpferd grast auf einer Weide.
Eine Pferderasse, die häufiger von EMS betroffen ist, ist das Fjordpferd.

Häufig von EMS betroffene Pferderassen 

In einigen Kreisen ist bei EMS von der „Wohlstandserkrankung“ der Pferde die Rede. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nicht alle Pferde gleichermaßen von EMS betroffen sind. Einige Rassen haben von Natur aus eine höhere Anfälligkeit. Dazu zählen Pferde und Ponys, die eigentlich besonders gut in Steppen und kargen Landschaften überleben würden. Dies liegt am Stoffwechsel dieser Pferde, sie neigen dazu, besonders schnell Fett anzusetzen. Des Weiteren gehören Pferde des Schlags Kaltblut dazu, diese sind ursprünglich für harte Zugarbeiten gezüchtet worden und neigen bei Bewegungsmangel besonders zu Fettleibigkeit. Besondere Achtung gilt bei Rassen, die zu den größeren Ponys zählen, wie Haflinger, Fjordpferde und Paso Finos. Auch Pferde des Ur-Arabertyps gelten als besonders anfällig für EMS. All diese Pferde neigen eher zu Fettleibigkeit und Insulinresistenz. Wenn du also ein Pferd dieser Rassen hast, solltest du besonders aufmerksam sein und auf die Gesundheit deines vierbeinigen Freundes achten.

Diagnose des Equinen Metabolischen Syndroms

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Pferd an EMS leidet, ist der nächste Schritt eine gründliche Diagnose durch deinen Tierarzt. Hier erfährst du, welche Untersuchungen und Tests durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass dein Pferd die bestmögliche Behandlung erhält.

  • Bluttests (Insulin, Glukose)

Ein wesentlicher Teil der Diagnose sind Bluttests. Der Tierarzt nimmt eine Blutprobe deines Pferdes und misst die Insulin- und Glukosewerte. Hohe Insulinwerte deuten auf eine Insulinresistenz hin, ein zentrales Merkmal von EMS. Auch die Glukosewerte im Blut werden gemessen, um festzustellen, wie gut dein Pferd Zucker verarbeitet. Diese Tests helfen dabei, herauszufinden, ob dein Pferd EMS hat und wie schwerwiegend die Erkrankung ist.

  • Physische Untersuchungen und Beobachtungen

Neben den Bluttests führt der Tierarzt auch physische Untersuchungen durch. Dabei wird das Körpergewicht und die Fettverteilung deines Pferdes genau beurteilt. Der Tierarzt wird sich die typischen Fettpolster an der Mähne, dem Schweifansatz und über den Augen ansehen und das allgemeine Erscheinungsbild deines Pferdes bewerten. 

  • Weitere diagnostische Maßnahmen

In manchen Fällen kann der Tierarzt auch zusätzliche diagnostische Maßnahmen ergreifen, um eine umfassende Diagnose zu stellen:

  • Oraler Glukosetoleranztest (OGTT): Hierbei wird dem Pferd Glukose verabreicht und dann gemessen, wie der Körper die Glukose verarbeitet. Dies kann helfen, die Insulinresistenz genauer zu beurteilen.
  • ACTH-Test: Dieser Test misst die Werte des adrenocorticotropen Hormons, um andere mögliche Ursachen für Insulinresistenz, wie das Equine Cushing-Syndrom, auszuschließen.
Ein Pferd wird vom Tierarzt untersucht.
Zu einer erfolgreichen Behandlung von EMS gehören in der Regel regelmäßige Kontrollen durch den Tierarzt.

Behandlung und Management von EMS beim Pferd

Wenn dein Pferd an EMS leidet, gibt es verschiedene Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um seine Gesundheit zu verbessern und die Symptome zu lindern. 

Richtige Fütterung bei EMS

Eine zentrale Säule der Behandlung von EMS ist die Anpassung der Ernährung deines Pferdes. Hier sind einige Tipps, wie du die Ernährung umstellen kannst:

  • Reduziere Zucker- und Stärkegehalte: Wähle Futtermittel, die wenig Zucker und Stärke enthalten. Diese Inhaltsstoffe können die Insulinresistenz deines Pferdes verschlechtern.
  • Setze auf ballaststoffreiche Nahrung: Faserreiche Futtermittel wie Heu sind ideal für EMS-Pferde. Sie sorgen für eine langsamere Verdauung und eine gleichmäßigere Energiefreisetzung.

    Wenn du mehr über die bedarfsgerechte Fütterung von Pferden erfahren möchtest, dann schau hier vorbei.

Bewegung und Training

Regelmäßige Bewegung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Managements von EMS. Bewegung hilft, das Gewicht deines Pferdes zu kontrollieren und die Insulinsensitivität zu verbessern. Ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm kann Folgendes beinhalten:

  • Tägliche Bewegung: Sorge dafür, dass dein Pferd jeden Tag Bewegung bekommt. Das kann durch Ausritte, Longieren oder freie Bewegung auf der Weide geschehen.
  • Moderates Training: Beginne mit moderatem Training und steigere die Intensität langsam, um Überanstrengung zu vermeiden.

Für etwas mehr Abwechslung und Spaß im Training kann Bodenarbeit sorgen. Auf unserer Seite erfährst du alles über Freiarbeit und das Arbeiten vom Boden aus.

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

In einigen Fällen kann es notwendig sein, Medikamente einzusetzen, um EMS effektiv zu behandeln. Dein Tierarzt kann geeignete Präparate verschreiben, die helfen, die Insulinsensitivität zu verbessern und die Symptome zu kontrollieren. Es gibt bestimmte Medikamente, die dafür sorgen können die Sensibilität gegenüber von Insulin zu erhöhen. Zudem gibt es Präparate, die zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels führen können. 

Ergänzende Therapien und natürliche Ansätze

Zusätzlich zu den klassischen medikamentösen Behandlungen können auch natürliche Ansätze und ergänzende Therapien nützlich sein. Dazu gehören:

  • Akupunktur: Kann helfen, das Wohlbefinden deines Pferdes zu verbessern und Stress zu reduzieren.
  • Kräuterbehandlungen: Bestimmte Kräuter können unterstützend wirken und den Stoffwechsel deines Pferdes positiv beeinflussen.
  • Homöopathie und andere alternative Heilmethoden: Diese können als Ergänzung zur traditionellen Medizin eingesetzt werden, sollten aber immer in Absprache mit deinem Tierarzt erfolgen.

Eine angepasste Ernährung, regelmäßige Bewegung und gegebenenfalls medikamentöse Therapien sind entscheidend, um die Gesundheit deines Pferdes zu verbessern. Bei Unsicherheiten und für einen detaillierten Behandlungsplan, sprich mit dem Tierarzt deines Vertrauens.

Prävention von EMS beim Pferd

Die Prävention von EMS  ist entscheidend, um die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten und langfristige Probleme zu vermeiden. Hier sind einige umfassende Tipps, wie du durch die richtige Fütterung, Haltung und regelmäßige Gesundheitschecks EMS vorbeugen kannst.

Richtige Fütterung und Haltung

Eine ausgewogene Ernährung ist der Schlüssel zur Prävention von EMS, achte also besonders darauf, um dein Pferd langfristig gesund zu halten.

Bedeutung von Weidemanagement

  • Begrenze die Weidezeit: Besonders im Frühjahr und Herbst, wenn das Gras sehr zuckerreich ist, sollte die Weidezeit kontrolliert werden.
  • Nutze Maulkörbe: Maulkörbe können helfen, die Futteraufnahme deines Pferdes zu kontrollieren, wenn es auf der Weide ist.

Regelmäßige Gesundheitschecks

  • Jährliche gründliche Untersuchungen: Lass dein Pferd mindestens einmal im Jahr gründlich untersuchen. Der Tierarzt kann so frühzeitig Anzeichen von EMS erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten.
  • Bluttests und körperliche Untersuchungen: Diese helfen, den allgemeinen Gesundheitszustand deines Pferdes zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren.

Beobachte dein Pferd

  • Gewichtskontrolle: Wiege dein Pferd regelmäßig oder nutze Gewichtsbänder, um Veränderungen im Gewicht frühzeitig zu erkennen.
  • Dokumentation: Notiere alle Veränderungen im Gewicht und Konsultiere bei Auffälligkeiten sofort deinen Tierarzt.
  • Überprüfung der Fettverteilung: Achte auf ungleichmäßige Fettpolster, die ein Hinweis auf EMS sein können.

Unterschied zwischen EMS und anderen Stoffwechselerkrankungen

Das Cushing-Syndrom (PPID) hat mit EMS einige Gemeinsamkeiten. Wir zeigen dir die Unterschiede und die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen.

Wichtige Unterschiede

Obwohl EMS und das Cushing-Syndrom ähnliche Symptome wie Hufrehe und Fettleibigkeit zeigen können, sind die Ursachen und einige der klinischen Anzeichen unterschiedlich. Beim Cushing-Syndrom liegt das Problem in der Überproduktion von ACTH mit einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung durch die Hirnanhangsdrüse. Während EMS durch Insulinresistenz und metabolische Ungleichgewichte gekennzeichnet ist. Hier ist es also besonders wichtig, eine genaue Diagnose zu treffen, um die beiden Krankheiten zu unterscheiden. Dazu sollte gesagt sein, dass bei gutem Management die Pferde mit beiden Krankheiten sehr gut leben können.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose der beiden Erkrankungen erfolgt durch spezifische Tests:

  • EMS: Bluttests zur Messung der Insulin- und Glukosewerte, körperliche Untersuchung der Fettverteilung.
  • Cushing-Syndrom: Bluttests zur Messung des ACTH-Spiegels (adrenocorticotropes Hormon), manchmal auch Dexamethason-Kurztests.

Die Behandlung unterscheidet sich ebenfalls:

  • EMS: Ernährungsumstellung, Gewichtsmanagement und regelmäßige Bewegung sind entscheidend. Manchmal werden Medikamente verschrieben, um die Insulinempfindlichkeit zu verbessern.
  • Cushing-Syndrom: Die Behandlung erfolgt meist mit Medikamenten wie Pergolid, die die Hormonproduktion regulieren. Eine angepasste Ernährung und gute Pflege sind ebenfalls wichtig.

Fazit

EMS ist eine ernstzunehmende Stoffwechselerkrankung bei Pferden, die eine sorgfältige Betreuung und Aufmerksamkeit erfordert. Doch mit der richtigen Strategie kannst du die Gesundheit deines Pferdes maßgeblich unterstützen. Frühzeitige Erkennung der Krankheitssymptome, eine ausgewogene Fütterung und regelmäßige Bewegung sind hierbei entscheidend. Indem du die Ernährung deines Pferdes im Auge behältst und für ausreichende körperliche Aktivität sorgst, trägst du wesentlich zur Vorbeugung und Behandlung von EMS bei.

Regelmäßige Konsultationen deines Tierarztes sind ebenfalls unerlässlich, um den Gesundheitszustand deines Pferdes kontinuierlich zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Die kontinuierliche Forschung zu EMS bietet zudem Hoffnung und neue Perspektiven. Es lohnt sich, immer informiert zu bleiben und auf weiterführende Literatur sowie Online-Ressourcen zurückzugreifen.

Solltest du Fragen oder spezifische Anliegen haben, zögere nicht, dich an einen Tierarzt oder Pferdeexperten zu wenden. Diese Fachleute stehen dir mit Rat und Tat zur Seite und können dir mit deinem EMS Pferd helfen. 

Share this post

Das könnte dich auch interessieren