Voltigieren:
Akrobatik auf dem Pferderrücken.

Voltigieren bedeutet Turnen am und auf dem Pferd und ist gerade für Kinder und Jugendliche ideal. Neben der Arbeit mit dem Pferd und in der Gruppe wird die Koordination, Körperwahrnehmung und Beweglichkeit verbessert. Die Voltigierer lernen früh Verantwortung für ihr Pferd zu übernehmen. Denn vor dem Training muss das Voltigierpferd gestriegelt und aufgewärmt und danach wieder versorgt werden. Es ist mehr als ein Sportgerät - ein Freund und ein lebendiges Wesen, zu dem das Vertrauen sehr wichtig ist. Das Voltigieren hat seinen Ursprung bereits in der Zeit vor Christus - für lange Zeit war es eine reine Männerdomäne. Vom Jonglieren auf dem Pferd bis hin zum Weitsprung über mehrere Pferderücken war alles dabei. Später entdeckte die Kavallerie das Voltigieren für sich. Ziel der Übungen war es, das Gleichgewicht, die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer der Soldaten zu schulen. Es wurden sogar Wettbewerbe, damals noch unter der Bezeichnung "Kunstreiten" veranstaltet. Hier wurden hauptsächlich Sprünge auf und über den Pferderücken gezeigt. 1958 kamen die ersten formgebenden Richtlinien. Heute wird das Voltigieren auch gerne im heilpädagogischen Bereich angewendet.

Welche Kleidung braucht man zum Voltigieren?

Die Ausrüstung unterscheidet sich beim Voltigieren stark von der gewöhnlichen Reitkleidung. Es benötigt keinen Helm und keine Stiefel, man braucht zum Training nur gut passende, enganliegende und elastische Sportkleidung. Enganliegende Kleidung ist aus Sicherheitsaspekten wichtig, da Unfälle durch hängenbleiben am Gurt verhindert werden können. Auf dem Turnier ist enganliegende Kleidung auch für die Bewertung relevant: so erkennt der Richter sofort Haltungsfehler und kann die Voltigierer besser vergleichen. Unabdingbar für das Voltigieren sind zusätzlich weiche Voltigier- oder Gymnastikschläppchen. Durch die weiche Sohle sind Übungen im Stehen auf dem Pferderücken oder Sprünge viel angenehmer für den Pferderücken. Zusätzlich hat der Voltigierer mehr Halt auf dem Pferderücken, als es in Stiefeln der Fall wäre. Auf dem Voltigierturnier sind der Kreativität in der Outfit-Wahl keine Grenzen gesetzt. Es werden elastische Trikots bzw. Voltigieranzügen getragen. Diese können passend zur Kür oder dem eigenen Geschmack gestaltet werden.

Die beliebtesten wehorse Lernvideos zum Thema Voltigieren

Voltigieren mein Sport Teil 1: Kreatives Aufwärmen & statische Übungen im Einzelnen

Voltigieren mein Sport Teil 2: Dynamische Einzelübungen

Voltigierspiele Teil 2: Spielideen für das Training

Voltigierspiele Teil 3: Schauprogram

Voltigieren mein Sport Teil 3: Übungsfolgen

Voltigierspiele Teil 1: Die Bandbreite des Voltigierens

Longenunterricht für Kinder

Aufwärmübungen und Ausgleichstraining

Das richtige Aufwärmen ist das A und O beim Voltigieren. Muskeln wollen gedehnt und gekräftigt und der Gleichgewichtssinn trainiert werden. So kannst du Verletzungen vermeiden und gehst geschmeidig aufs Pferd. Das Aufwärmprogramm sollte mindestens 10–15 Minuten umfassen und leicht bis etwas anstrengend sein. Immer dabei sein sollten Lauf- und Dehnübungen. Beim Voltigieren profitierst du zudem im großen Maße von Ausgleichssport! Turnübungen müssen erst am Boden sitzen, bevor sie auf dem Pferderücken möglich werden. Auch gehört Kraft- und Koordinationstraining auf deinen Trainingsplan. Ulrike Gast erklärt dir in ihren Lernvideos anschaulich, wie solche Übungen (in der Gruppe) aussehen können. In vielen Vereinen gibt es zusätzlich ein Holzpferd. Hier werden Übungen und Handgriffe geübt, bevor diese auf dem Pferd voltigiert werden.

Welches Pferd zum Voltigieren?

Nicht jedes Pferd kann ein Voltigierpferd werden, denn es sollte ruhig, brav, gutmütig und geduldig sein. Es muss ausdauernd sein und lange galoppieren können und sollte eine schwungvolle und gleichmäßige Galoppade haben. Da der Voltigierer den Schwung für seine Übungen vom Pferd bekommt, wirken sich Ungleichmäßigkeiten in der Galoppade und der Grundgalopp auf die Qualität der geturnten Übung aus.

Ausrüstung eines Voltigierpferdes

Das Voltigierpferd trägt beim Voltigieren einen kurz hinter dem Widerrist aufliegenden Voltigiergurt. Die besitzt zwei starre Handgriffe, zwei Fußschlaufen und eine Mittelschlaufe. Zum Schutz des Rückens trägt das Pferd darunter ein dickes, stoßabsorbierendes Pad und zusätzlich eine Schaumstoffunterlage direkt unter dem Gurt. Die Longe wird für gewöhnlich am Gebissring der Trense eingeharkt. Es ist aber auch das Nutzen eines Kappzaums erlaubt. Zusätzlich gehören Hilfszügel wie Lauffer-, Dreiecks- oder Ausbindezügel und ein passender Beinschutz zur Ausrüstung des Pferdes beim Voltigieren.

Training des Voltigierpferdes

Die Ausbildung eines Voltigierpferdes ist zumeist langwierig. Das Pferd muss dressurmäßig soweit gearbeitet sein, dass es die Belastung der Voltigierer ohne Probleme aushalten kann. Zusätzlich muss es eine solche innere Ruhe entwickelt haben, dass die Voltigierer auch in einer Turniersituation dem Pferd vertrauen können. Viele Tipps rund um die vielseitige Ausbildung und zur Desensibilisierung haben unsere wehorse Trainer aus anderen Disziplinen für die parat. Denn genau wie die Voltigierer selbst sollte auch das Voltigierpferd unabhängig vom eigentlichen Voltigieren trainiert werden. Das gleichmäßige Galoppieren auf dem Zirkel und dabei die Bewegung auf dem Rücken auszubalancieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Ausritte und regelmäßige Dressureinheiten ermöglichen ihm Abwechslung und tragen zu Ausgeglichenheit, Muskelaufbau und Herz-Kreislauf-Training bei.

Die wehorse-Trainer für Voltigieren

Ulrike Gast

Ulrike Mohr

Übungen beim Voltigieren

Beim Voltigieren gibt es verschiedene Übungen, für die eine genaue Ausführung vorgeschrieben ist. Diese werden in Übungsfolgen miteinander verbunden. Es gibt mehrere Pflichtübungen wie den Grundsitz, der Fahne oder der Mühle. Aus diesen werden komplexe und dynamische Übungen, Schwünge und Sprünge entwickelt. Hier gilt: nicht mehr als drei Personen dürfen auf dem Pferd sein. Ansonsten sind kaum Grenzen für akrobatische Übungen gesetzt. Auf Voltigierturnieren wird die korrekte Ausführung der Übungen bewertet. Zudem gibt es eine Pferdenote, wo das korrekte Laufen an der Longe und der gleichmäßige Galopp des Voltigierpferdes bewertet wird.

Grundübungen, die jeder Voltigierer kennen sollte:

  • Aufsprung: Aufspringen auf das galoppierende Pferd
  • Grundsitz: Aufgerichtetem Oberkörper, Beine liegen am Pferd, Arme seitlich ausgestreckt)
  • Fahne: Balanceübung, bei dem aus dem Vierfüßlerstand diagonal ein Arm und ein Bein ausgestreckt wird
  • Knien: Die Beine liegen hüftbreit auf dem Pad, die Arme werden zur Seite ausgestreckt
  • Liegestütz: Die Füße stützen sich auf der Kruppe auf und der Körper bildet eine gerade Linie
  • Mühle: Eine 360°-Drehung im aufrechten Sitz, die in vier Phasen durchgeführt wird
  • Quersitz: Seitliches Sitzen nach innen oder außen auf dem Pferderücken
  • Schere: 180°-Drehung aus dem Grundsitz, Beine werden gestreckt nach hinten geschwungen, die Beine werden in der Luft überkreuz, während sich der Voltigierer auf die Arme stützt
  • Stehen: Aus dem Knien aufstehen, die Arme zur Seite ausstrecken und freihändig Stehen

Auf dem Turnier: Pflicht, Technik und Kür

Eine Turnierprüfung im Voltigieren besteht meistens aus einem Pflicht- und einem Kürteil. In der Pflicht müssen bestimmte Figuren in einer festgelegten Reinfolge geturnt werden. Entweder folgt die Kür, die passend zu einer eigenen Musik frei gestaltet werden kann, direkt im Anschluss oder in einer separaten Wertung. Die Kür ist das Herzstück im Voltigieren. Im Spitzensport überlegen sich die Voltigierer nicht nur eine minutiös durchgeplante Kür mit höchsten Anforderungen. Die Prüfungen können in drei Disziplinen geturnt werden: im Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren.