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#Interview mit Hans Melzer: Der Goldschmied der Vielseitigkeit

Hans Melzer prägte über zwei Jahrzehnte als Bundestrainer eine der erfolgreichsten Phasen der deutschen Vielseitigkeit. Zwischen 2001 und 2021 gewann das deutsche Team unter seiner Ägide 33 Medaillen bei internationalen Championaten, darunter achtmal olympisches Edelmetall – sechsmal davon in Gold. Auch heute, einige Jahre nach seinem Abschied aus dem Amt, brennt er weiter für den Sport: In Luhmühlen, dem Mekka der deutschen Vielseitigkeit, gibt er Springgeländetraining, bildet junge Pferde aus und begleitet unerfahrene Reiterinnen und Reiter auf ihrem Weg in den Sport.

Im Gespräch mit Christian Kröber lässt Hans Melzer seine Laufbahn Revue passieren – vom BWL-Studium in Paderborn über die Ausbildungsstationen bei Ottokar Pohlmann in München, in Warendorf und Vechta bis nach Luhmühlen. Er erzählt von der besonderen Partnerschaft mit Co-Bundestrainer Chris Bartle, von der bitteren Niederlage in Athen 2004 und dem späten Triumph in Hongkong 2008, bei dem beide damals aberkannten Goldmedaillen zurück nach Deutschland kamen. Er spricht darüber, was Reiterinnen und Reiter wie Michael Jung, Sandra Auffarth, Julia Krajewski oder Ingrid Klimke auszeichnet, warum regelmäßiges Training für ihn die beste Sicherheitsbasis im Sport ist und weshalb die selbstständige Ausbildung eines jungen Pferdes bis zur Championatsreife die Stärke des deutschen Systems ist.

‍Ein inspirierendes Gespräch voller Pferdeverstand und Leidenschaft – über Erfolge, Rückschläge, die Kunst des Loslassens und die Begeisterung eines Trainers, der bis heute jeden Tag im Sattel sitzt.

Podcast Transkript

Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.

[SPEAKER 1]
[00:00:00-00:00:05]
Heute zu Gast der ehemalige Vielseitigkeitsbundestrainer Hans Melzer.

[SPEAKER 2]
[00:00:08-00:00:22]
Ich gebe auch gerne den Reitern das Gefühl, dass sie auch mehr können. Also das macht mir immer besonders Spaß, wenn wir mal was Schwieriges machen, auch mal technische Sprünge, schmale Sprünge, wenn die eigentlich noch gar nicht so weit sind. Aber wenn man das gut aufbaut, dann fahren die mit dem Erfolg von der Lebtung nach Hause. Das macht einfach Riesenspaß.

[SPEAKER 3]
[00:00:23-00:00:39]
Herzlich willkommen zum WeHors Podcast. Heute mit Christian Kröber. WeHors ist deine Lernplattform, auf der du täglich Inspirationen, Trainingstipps und das Wissen der besten Trainer bekommst, um gemeinsam mit deinem Pferd jeden Tag besser zu werden.

[SPEAKER 1]
[00:00:41-00:01:30]
Unser heutiger Gast prägte über 20 Jahre in seiner Funktion als Bundestrainer eine der erfolgreichsten Perioden aus sportlicher Sicht. 33 Medaillen bei internationalen Championaten, darunter achtmal olympisches Edelmetall, stehen in seiner Bilanz. Seit 2021 ist Hans Melzer nicht mehr Bundestrainer. Er lebt im Süden Hamburgs in der Lüneburger Heide in Lomühlen, dem Mekka der deutschen Vielseitigkeit. Dort habe ich ihn auch vor wenigen Tagen getroffen und mit ihm die besondere Zeit seines Bundestraineramtes beleuchtet sein heutiges Leben. Viele weitere Aspekte rund um die Vielseitigkeit, die wir durchflogen und durchleuchtet haben. Und man merkt bei dem Mann, er brennt weiterhin für diesen Sport. Also, wir steigen rein. Viel Spaß! Hallo Hans.

[SPEAKER 2]
[00:01:30-00:01:31]
Hallo Christian.

[SPEAKER 1]
[00:01:31-00:01:59]
Schön, dass du da bist bei unserem Podcast. Im Vorfeld, als wir den Podcast angebahnt haben und ich deine Telefonnummer bekommen habe und dich angerufen habe, habe ich festgestellt, immer als ich durchgekommen bin, saßt du entweder auf dem Trecker, du hast Unterricht gegeben und hast gesagt, eigentlich habe ich gar keine Zeit mit dir zu sprechen. Du bist seit einigen Jahren nicht mehr im Amt des Bundestrainers, ein Amt, das du lange bekleidet hast, wenn wir viel darüber sprechen gleich noch. Wie sieht dein Alltag heutzutage aus?

[SPEAKER 2]
[00:02:00-00:02:55]
Ja, man denkt ja immer, man ist Rentner und hat für alles ein bisschen mehr Zeit. Aber bei mir ist ja immer Job, Privatleben, Hobby alles immer eins gewesen. Das heißt, die Reiterei nach wie vor. Ja, wir haben noch zwei Pferde. Eins reite ich, eins reitet meine Frau. Dann mache ich hier in Lommühlen Unterricht, speziell Springgeländetraining, viel. Kümmere mich hier um die Plätze. Wir haben viele Veranstaltungen, auch gerade im Basisbereich EAL, die ich begleite, aufbaue oder richte. Und das macht wirklich viel, viel Spaß. Und ich vermisse eigentlich nichts, weil dadurch, dass wir in Lommühlen auch ein paar internationale Turniere im Jahr haben, inklusive Fünf Sterne und Deutsche Meisterschaft, treffe ich auch immer, sage ich mal, die Top-Garde. Und das ist immer schön, wenn man die alten Gesichter mal wieder trifft. Und nee, das ist schon für mich hier mein Lebensmittelpunkt. Hier ist Lomühlen und bleibt Lomühlen.

[SPEAKER 1]
[00:02:55-00:03:04]
Und Lomühlen, wir haben es ja eben schon, als wir vorher schon ein bisschen geplaudert haben, besprochen. Lomühlen. ist am Ende der Kristallisationspunkt der deutschen Vielseitigkeit.

[SPEAKER 2]
[00:03:04-00:03:50]
Ja, also wenn man überlegt, wie lange es hier überhaupt Viehseiligkeit gibt schon. Ich glaube 1948, 1949 gab es hier die ersten Viehseiligkeiten. Damals war das ja noch das alte Format, da war hier in Lomünen Dressur und... Dressuren springen und hier war die Rennbahn. Dann ritten die hier Wegstrecke, hier von unserer Reitanlage bis zum Turnierplatz, Rennbahn. Dann mussten die bis auf die andere Seite von der Autobahn nach Galsdorf. Und dort war die Kuhstrecke. Das hat sich ja erst... 3 bis 73 war es so und dann ist ja 75 die erste Europameisterschaft nach Lomün gekommen. Und seitdem ist das ganze Gelände natürlich hier direkt in der Wester Geller Saheide und nicht mehr auf der anderen Seite von der Autobahn.

[SPEAKER 1]
[00:03:50-00:03:56]
Du bist aber selber ursprünglich nicht hier aus Lomün? Kommst, glaube ich, aus Weser-Ems ursprünglich?

[SPEAKER 2]
[00:03:56-00:03:58]
Nein, ich komme aus Kassel. Ich bin Nordhesse. Aus Kassel. Nordhesse.

[SPEAKER 1]
[00:03:58-00:04:00]
Hessisch-Sibirien, sagt man ja. Ja, ja, ja.

[SPEAKER 2]
[00:04:01-00:04:02]
Nee, nee, genau.

[SPEAKER 1]
[00:04:02-00:04:06]
Und es hat dich dann aber relativ früh hier auch herhingetragen nach Nurmühlen.

[SPEAKER 2]
[00:04:06-00:05:14]
Ja, also ich habe ja damals, ich habe erst studiert damals BWL in Paderborn, habe aber nebenher geritten und das war so, dass ich dann schon im 74 und so im Kader war. Und dann hatte mein Vater damals eine Firma, der machte, war der erste Ölkrise, hatten chemische Reinigung und sowas. Er hat dann Insolvenz gekriegt. Und da habe ich gesagt, wofür studiere ich BWL, wenn ich nicht das mache, was mir Spaß macht. Das war Reiterei, da habe ich eine Ausbildung gemacht. Ich bin immer als Junior schon zu Otto Kapullmann nach München gefahren, weil das für mich so der einzigste Ausbilder damals war, der schon Viehseitigkeit... Speziell angeboten hat. Wusste man, wo fuhr man hin? Man fuhr zu Autokap Holmann. Und da habe ich Albert von Predo kennengelernt, weil damals wurde 1972, war Olympia-Spiel in München, da wurde ja Ende der 60er, wurde die Reitanlage, alte Olympia-Reitanlage ja abgerissen. Und dann bot sich der Albert von Predo an, der war auf dem Gut von Gustav Adolf Blum, das ist der Großvater von Simone Blum. Die ich meine auch Springweltmeisterin war.

[SPEAKER 1]
[00:05:14-00:05:22]
Hier schon im Podcast gewesen, vor vielen, vielen Folgen. Und der Vater, der Vater von Simone ist ja heute der Manager, der fährt international, dem Turnier.

[SPEAKER 2]
[00:05:22-00:06:22]
Genau, genau. Und dann bin ich dort runter nach Gut Westenried, das war in der Nähe von Weilheim, habe dort ein Jahr... Als Auszubildender gearbeitet und war aber nominiert für die Europameisterschaften in Lomülen. Und dann hat mich Max Habel damals gefragt, ob ich nicht Lust hätte, meine Ausbildung in Warendorf fortzusetzen. So bin ich nach Warndorf gekommen. Dann kam eins an, ich bin von Warndorf. Als ich fertig war, fährt der Wirtschaftsmeister. Nach Vechta, damals hat mich Herr Donner, der war damals Chef der Ausbildung, gesagt, Hans, du musst nach Oldenburg, da ist was los mit Buschreiten. Dann bin ich nach Vechta gegangen und von Vechta. Da kamen die Lumülner vom Vorstand und haben gesagt, hast du nicht Lust in Lumül? Das war aber noch Reitverein, das war noch nicht Ausbildungszentrum, Reitverein hier. Damals war schon Klaus Ehren bei mir als Bereiter. Dann sind wir beide hier nach Lomühlen, weil wir gesagt haben, das ist genau der Nabel der Welt. Da wollen wir hin für die deutsche Vielseitigkeit und so bin ich nach Lomühlen gekommen.

[SPEAKER 1]
[00:06:22-00:06:28]
Und Klaus Ehren, die Person, die am Ende das Turnier auch hier maßgeblich und den Standort aufgebaut hat über viele Jahrzehnte.

[SPEAKER 2]
[00:06:28-00:07:02]
Ja, genau. Er ist immer, sagen wir, wir haben das immer irgendwo jetzt seit Warendorf immer zusammengearbeitet irgendwo. Er hat ja auch meinen Job übernommen, als ich ja 97 Ausbildungsleiter wieder wurde. Und 2001 die Frage kam, ob ich Interesse hätte, Bundestrainer zu werden. Da hatte ich die Chance, eben aus meinem Vertrag rauszukommen, weil Klaus, der war hier als freischaffender Künstler tätig. Und der hat dann sozusagen meinen Job übernommen und so konnte ich damals auch den Bundestrainerjob übernehmen, ohne zeitliche Probleme zu bekommen.

[SPEAKER 1]
[00:07:02-00:07:16]
Liegt es denn daran, dass Lomühlen ein solches Zentrum geworden ist, dass hier besondere Gegebenheiten sind, dass Gelände besonders ist oder liegt es am Ende an den Leuten wie Klaus Erhorn, wie Personen wie du, die das geschaffen haben?

[SPEAKER 2]
[00:07:17-00:08:01]
Naja, ich denke, Lomühlen war schon immer schwerpunktmäßig der Vielfältigkeitsort in Deutschland. Und man hat ja auch gesehen, dass hier damals Geld investiert wurde für die Euro 2000. Da wurde ja wirklich Geld in die Hand genommen, neue Reitanlage gebaut, neuer Turnierplatz gebaut, alles moderner gemacht mit Allwetterböden. Und ich glaube, das macht es aus. Und hier waren schon immer Internats. Wir haben ja Weltmeisterschaft gehabt. Wir haben fünf Europameisterschaften oder sechs gehabt. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele. Man sieht schon den Stellenwert. Es gibt, glaube ich, keinen Veranstaltungsort weltweit, der so viele Championate hatte wie Lomülens. Das Einzige, was noch fehlt, sind Lomülens Spiele. Aber das liegt an Hamburg und nicht an Lomülens.

[SPEAKER 1]
[00:08:01-00:08:24]
Gut, da ist ja Hamburg. Hamburg kann ja bald die Entscheidung noch fällen. Obwohl ich glaube, für Hamburg, ich weiß gar nicht, ob Hamburg Ja sagen wird. Ich wohne in Hamburg und ich kriege das ja ein bisschen mit. Ich habe das Gefühl, und ich war damals schon, wann war das letzte Mal, als die Abstimmung war, ich glaube 2016, da war ich schon extrem dafür und alle aber dagegen und auch die Politik hat das nicht schlau gemacht. Mein Gefühl ist nicht, dass Hamburg das Rennen machen wird.

[SPEAKER 2]
[00:08:25-00:08:30]
Ich denke auch. Für mich wäre es schade, hier nochmal Olympia zu erleben in Lommeln.

[SPEAKER 1]
[00:08:31-00:08:34]
Da hätte man alle Kreuze, alle Haken. Wäre toll, ne?

[SPEAKER 2]
[00:08:34-00:08:50]
Ich denke auch, ich glaube, dieses Konzept Rhein-Ruhr mit Aachen und Düsseldorf und so, das ist ja was Neues. Und das sind auch Anlagen, die schon verhandeln. Ich könnte mir vorstellen, dass es kostengünstiger ist, als irgendwo alles neu aus der Erde zu stampfen.

[SPEAKER 1]
[00:08:50-00:09:04]
Aber es gibt jetzt keinen Grund, dass man sagt, das Gelände hier in Lomühlen unterscheidet sich vom Gelände in Schweiganger so stark, dass Lomühlen... klar besser ist, weil es einfach nur Gegebenheiten sind, die es nur hier gibt. Das ist nicht der Fall, oder?

[SPEAKER 2]
[00:09:05-00:10:11]
Naja, wir haben schon, was die Mühlen einzigartig ist, sind die Bodenverhältnisse. Die hast du weder in Batman, in Burley, in Kentucky oder sonst irgendwo. Wir haben es ja hier auch schon gehabt. Hier kannst du bei jedem Wetter reiten. Wir haben das vor... Wann war da? Ich weiß nicht, wie viele Jahre her. Sechs, sieben Jahre. Da hatten wir, da war Gewitter morgens am Geländetag. Und Filine Gander hat mich gefragt, Hans, du wohnst doch in Lomühlen. Wenn hier ein Gewitter ist, zieht das weiter. Ich sage, das zieht immer weiter. Aber an dem Tag hing das hier. Wie so ein Monsun. Wir hatten 100 Liter... Regen in der Stunde. Turnierplatz überschwemmt, oben Stallbereich überschwemmt. Dann kam die Freiwillige Feuerwehr, hat es abgepumpt. Dann haben sie die Kurzprüfung zuerst gemacht, die fünf Sterne später. Die letzten Ritten noch null in der Zeit. Der Boden, nachdem abgepumpt war, das Wasser aus oben stand. Auf dem Turnierplatz im Gelände war gar kein Problem. Da konnte wieder geritten werden, als da nichts gelesen ist. Und das geht nirgends. Das geht wirklich nur hier in der Heide. Und das ist schon einmalig.

[SPEAKER 1]
[00:10:11-00:10:18]
Also das ist am Ende das Besondere an Lomühlen, diese Verhältnisse und dieser Boden, der anders ist als andere.

[SPEAKER 2]
[00:10:18-00:10:34]
Einfach gerade, wenn extreme Bedingungen sind, man kann ihn locker machen, der lässt sich bearbeiten, wenn es lange trocken ist, aber er kann auch unglaublich Wasser aufnehmen. bei Veranstaltungen, die schwereren Boden haben, einfach gar nicht durchführbar.

[SPEAKER 1]
[00:10:34-00:10:52]
Wenn wir zu deiner eigenen reiterlichen Karriere kommen, du hast ja eben schon beschrieben, also BWL-Studium, eigentlich die Idee, den heimischen Betrieb zu übernehmen, dann doch Richtung Reitsport. Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, Profi zu werden? Warum bist du Profi geworden?

[SPEAKER 2]
[00:10:52-00:11:31]
Also mir hat einfach das Reiten viel Spaß gemacht und dann hat mir auch von Anfang an Spaß gemacht, Unterricht zu geben, Leute zu trainieren. Ich war ja auch von 1986 bis 1998 Pony-Bundestrainer. Und das hat ja schon unheimlich viel Spaß gemacht. Mit den Jugendlichen, dann waren natürlich auch schon Championate im Ausland und so, das war toll. Das hat mir immer Spaß gemacht und ich habe unheimlich gerne immer Lehrgänge gegeben und ich wollte zwar auch selbst erfolgreich reiten, aber ich muss ganz ehrlich sagen, das hat mir viel, viel Spaß gemacht immer. Auch andere Leute zu betreuen, gerade in der Disziplin Vielseitigkeit.

[SPEAKER 1]
[00:11:31-00:11:34]
Was macht für dich als Trainer die Vielseitigkeit so besonders?

[SPEAKER 2]
[00:11:35-00:12:07]
Es ist einfach vielseitig. Das ist eben allein das Training mit den Reitern und den Pferden, das ist so abwechslungsreich. Es ist eben nicht nur Dressurwerk, nicht nur Springparcours, nicht nur Geländetraining. Das ganze Paket ist so abwechslungsreich. Und es macht einfach Spaß, das anderen wiederzugeben. Und mir macht es besonders Spaß, auch jetzt gerade in meiner Phase, wie ich jetzt bin, viel unerfahrener Reiter. Oder auch junge Pferde auszubilden, zu unterstützen für den Fieselkeitssport. Das ist einfach eine tolle Sache, die genieße ich richtig.

[SPEAKER 1]
[00:12:08-00:12:25]
Welchen Teil genießt du daran am meisten? Ist es mit den Reiterinnen und Reitern umzugehen? Ist es die wirklich, ich nenne es mal technische Arbeit? Wie gestalte ich einen Geländeritt? Wo ist Gas und Bremse? Solche Dinge, wo genau ist das Besondere für dich als Trainer?

[SPEAKER 2]
[00:12:25-00:12:34]
Naja, ich habe ja im Laufe der Jahre auch Jahre mit Chris unheimlich viel gelernt. Man hat schon seine Prinzipien, wenn man Training macht.

[SPEAKER 1]
[00:12:34-00:12:38]
Also Chris Bartel, dein ehemaliger Co-Bundestrainer, lange Zeit an deiner Seite.

[SPEAKER 2]
[00:12:38-00:13:47]
Ja, war super. Also das war eine tolle Zeit. Wahnsinn. Und man hat natürlich dann schon so Prinzipien gelernt, auch mit den Profis, wenn man trainiert mit denen. Und wenn man das überträgt auf unerfahrene Reiter oder junge Pferde, da kann man solche, das macht so einen Spaß, weil man merkt, man hat so Richtlinien, an die man sich hält. Und wenn man darauf achtet, dann klappt es, dann klappt es einfach. Ich behaupte ja auch nach wie vor, Es wird immer viel über Sicherheit in der Vielseitigkeit gesprochen, über neue MIM-Systeme und abwerfbare Sprünge. Für mich ist die beste Sicherheitsbasis oder Sicherheit, den Sport zu machen, ist gutes Training. Je regelmäßiger die Reiter mit ihren Pferden trainieren, desto abrufbarer es wird, desto sicherer ist das ganze Reiten, ist der Sitz. Das ist das Tempo, das Verhalten der Pferde. Und das hat es ja früher gar nicht gegeben. Wenn ich mir daran vorstelle, ich bin mal 77 Batman-Gerät und da gab es gar keine Vorbereitungsprüfung hier in Deutschland. Da haben wir nur, im Warendorf hat man ein paar Sprünge, aber wir hatten auch keinen Geländetrainingsplatz oder sowas.

[SPEAKER 1]
[00:13:48-00:13:49]
Wie habt ihr das trainiert?

[SPEAKER 2]
[00:13:49-00:14:32]
Da hat man einmal mal ein paar Gräben gehabt, man hat Wasser gehabt, dann hat man bunte Sprünge gehabt und dann ist man los. Also heute ist das ja irre, wie der Sport sich geändert hat, wie oft du das trainieren kannst. Und dadurch machst du ja das ganze Reiten sicherer. Und auch, finde ich immer, ich merke das ja selbst bei uns, wir hatten vor zwei Wochen, haben wir hier zwei- und dreisterne Turnier gehabt und haben dann immer den Mittwoch, Donnerstag, direkt danach haben wir Jungpferde-Turnier. Das heißt, wir haben dann einen Tag... E-Gelände, Geländefährte, A-Geländefährte, L-Geländefährte und darauf den folgenden Tag das gleiche als Stielgelände. Da hatten wir 556 Starts an zwei Tagen.

[SPEAKER 1]
[00:14:32-00:14:33]
Wow. Wow.

[SPEAKER 2]
[00:14:34-00:14:51]
Alle zwei Minuten konnte einer losraten. Wir hatten zwei Richterkrumm. Es war toll. Hat eigentlich Spaß gemacht. Allein, es ist halt verrückt. Wir hatten die... Wir hatten offen ausgeschrieben, Jahre immer nur begrenzt. Dann sind gerade so viele Amateure unheimlich enttäuscht, weil die Profis, die haben Profisitzen, wenn um 18 Uhr...

[SPEAKER 1]
[00:14:51-00:14:52]
Haben die direkt einen Startplatz?

[SPEAKER 2]
[00:14:52-00:15:32]
Dann haben die ihre Startplätze, buff, ist bei 100 zu. Und jetzt hat man wirklich mal offen gelassen. Und das klappte vom Feinsten. Fand ich unheimlich toll. Und dann sieht man auch, wie viel Interesse da ist an dem Sport. Und das macht wirklich Spaß. Und wie gesagt, das Training macht mir am meisten Spaß, weil wenn man sich so an seine Prinzipien hält, wie man anfängt, wie man das macht. Und ich gebe auch gerne den Reitern das Gefühl, dass sie auch mehr können. Also das macht mir immer besonders Spaß, wenn wir mal was Schwieriges machen, auch mal technische Sprünge, schmale Sprünge. Wenn die eigentlich noch gar nicht so weit sind. Aber wenn man das gut aufbaut, dann fahren die mit dem Erfolg für das Leben nach Hause. Das macht einfach riesen Spaß.

[SPEAKER 1]
[00:15:33-00:16:04]
Du warst 20 Jahre lang Bundestrainer, hast 2001 den Job übernommen und hast eine der erfolgreichsten Äras, die es im deutschen Pferdesport gibt, geprägt mit insgesamt, ich habe es nochmal nachgezählt, 33 Medaillen bei Championaten, 8 mal olympische Medaillen, davon 6 mal Gold. Wenn du auf diese Zeit zurückblickst, An was denkst du? Wie fühlt sich das an, diese unglaublichen 20 Jahre mit den Erfolgen?

[SPEAKER 2]
[00:16:05-00:17:33]
Ja, das war natürlich eine neue Ära. Ich muss ja immer sagen, warum waren wir so erfolgreich? Wir haben ja das Glück gehabt, dass der Sport sich geändert hat. Es wurde ja ab 2004 dieses neue Format gegründet, ohne Rennbahn, ohne Wegestrecken. Es gab, die Dressur wurde deutlich anspruchsvoller. Das Springen wurde anspruchsvoller, technisch wie auch höher. Und das Geländereiten technischer, das heißt also... Man brauchte gute, rittige Pferde, gut ausgebildete Reiter. Und ich denke immer, dass wir schon den Vorteil hatten, hier in Deutschland, dass wir wirklich eine gute Reitausbildung haben, in der Basis, dass die Reiter schon relativ früh, dressurmäßig wie springmäßig, glaube ich, gut ausgebildet werden. Das hat, glaube ich, schon geholfen. Und dann hat es einfach der Vorteil gewesen, dass man dadurch, dass jetzt ein Kurzformat da war und auch es deutlich mehr Kurzprüfungen gab, es gab Weltcup-Kurzprüfungen, das ist unser Reiter, viel mehr Startmöglichkeiten hatten, dadurch auch viel mehr Routine bekommen haben, wie zu der Zeit als langes Format war. Da ist man ein-, zweimal im Jahr lange Prüfungen geritten, meistens nur einmal. Da waren ja auch viele Pferde immer mal schnell verletzt, dann war die Ausfallquote relativ hoch. So, dann sind wir in eine Ära reingekommen, Chris und ich, wo wir erfahrene Reiter hatten, aber auch dann eine ganze neue junge Truppe, diese Perspektivgruppe, die damals gegründet wurde, 2002.

[SPEAKER 4]
[00:17:34-00:17:36]
Da war dann Michael Jung, da war dann Sandra.

[SPEAKER 2]
[00:17:36-00:17:44]
Michael sollte kommen, aber damals hat der Vater schon gesagt, Wenn Michael zu Hause weggeht, dann haben wir keine Kunden mehr.

[SPEAKER 4]
[00:17:44-00:17:45]
Das ist uns zu weit nach Warenau.

[SPEAKER 2]
[00:17:45-00:20:03]
Das ist uns zu weit, aber eine Sandra, eine Julian, Frank Ostholt, Andreas Ostholt, Jörg Schrade, jetzt auch diese neue Truppe, die Blenheim gerettet ist, Calvin, Libussa, Jerome. Jerome Rubinet. Das ist die aktuelle, das ist ja... Wirklich eine Medaillenschmiede, diese Perspektivgruppe. Und das sind so alles Aspekte, die da reingehauen haben. Und wie gesagt, es ist natürlich toll, wenn man dann so Reiter hatte wie Michi Jung, der heute noch reitet, Sandra, Ingrid, die... Die, die von den älteren Reitern dabei waren. Es war eine gute Mischung immer aus Jung und Alt. Und dann war einfach dieses neue Format und es kam uns entgegen beim Schambonat. Wir durften damals, am Anfang waren es ja sogar fünf Startplätze bei Olympia, die drei besten Ergebnisse zählten. Konnte man auch mal einen Joker mitnehmen, einen mit Risiko. Man sagt, okay, aber wenn es gut läuft, dann läuft es richtig. Es war einfach eine tolle Zeit. Und ich denke, da hatten wir einen Wettbewerbsvorteil dann eben aufgrund der guten Reitausbildung. Unserer deutschen Reiter. Die haben ja nicht mehr Lehrgänge gemacht, Chris und ich, sondern wir haben ja wirklich damals versucht, dass möglichst jeder zu Hause gut versorgt ist mit Heimtrainer, mit Dressurtrainer, Springtrainer. Und diese Offenheit, die Chris und ich hatten, dass wir gesagt haben, wir können ja nicht alles alleine machen. Hauptarbeit muss eigentlich zu Hause stattfinden. Das ist nachher nur noch im Frühjahr Lehrgänge oder Vorbereitung, Schamponat. Das ist nachher nur noch das i-Tüpfelchen obendrauf. Und wir haben dann natürlich auch ganz unheimlich intensiv die Reiter auf Turnieren betreut. Nicht nur... trainiert, sondern auch mitgefahren. Turnieren, gute Saisonplanung gemacht, dass hier immer vor Ort jemand dabei war. Da kriegte man natürlich auch ganz andere Eindrücke, wie verhalten sich die Reiter auf dem Turnier. Was kann man von denen erwarten? Wir haben ja auch oft mal nominiert. Dann hat der Ausschuss gesagt, seid ihr sicher, dass das die richtigen Reiter sind, wenn auch mal in der letzten... Sichtung irgendwas nicht hinhaute. Aber wir wussten, wenn es dann nachher um 150 Prozent geht, dass der oder die Reiterin dann auch 100 Prozent klappt. Das hat eigentlich immer toll hingehauen.

[SPEAKER 1]
[00:20:04-00:20:19]
Das vielleicht auch noch, kann man auch für euch Zuhörer nochmal erklären. Ein Bundestrainer, wie du es warst, ihr müsst euch verantworten dem Ausschuss gegenüber, in dem Fall dem Vielseitigkeitsausschuss, der dann natürlich auch nochmal eine Rückfrage stellt und sagt, Hans, warum hast du jetzt Reiter A nominiert und nicht Reiter B?

[SPEAKER 2]
[00:20:20-00:21:18]
Ja, das gab es natürlich immer mal so Diskussionen. Am Ende ist es ja so, die Disziplin muss erfolgreich sein, weil es ja auch finanziell von dem sportlichen Erfolg abhängt. Weltmeisterschaft, Olympia, das war immer das Allerwichtigste. Wenn wir da gut waren, war auch die Förderung der Disziplin innerhalb von Warendorf, war dann natürlich ganz anders, als wenn man nicht erfolgreich ist. Und als Chris und ich anfingen, hatten wir natürlich einen Vorteil damals, vor allen Dingen Reinhard Wendt, der war sehr interessiert an der Vielseitigkeit, weil er, sage ich mal, privat auch so einen Frank Ostholt und Andreas Ostholt unterstützt hat. Das waren ja sozusagen seine Schulen. Schüler aus der Warendorfer Zeit und damals wurde wirklich viel, hatten wir einfach einen unheimlichen Rückhalt mit Reinhard Wendt, dass wir dort im Prinzip Dinge gemacht haben, die es vorher noch nicht gab, weil er gesagt hat, wenn ihr einen Plan habt, ein Ziel habt, dann machen wir das und das hat dann Gott sei Dank auch hingehauen.

[SPEAKER 1]
[00:21:18-00:21:35]
Die meiste Zeit deiner Amtszeit als Bundestrainer war Chris Bartel an deiner Seite. Wie kam dieses Duo zustande? Wie habt ihr euch gefunden und dass ihr dann auch diese Kombination zwischen du hast die Hauptverantwortung, er ist so der Bundesco-Trainer an deiner Seite. Wie kam es dazu?

[SPEAKER 2]
[00:21:36-00:22:00]
Ja, wie kam es dazu? Also damals, ich glaube, also ich weiß nur, dass ich gefragt wurde von Reinhard Wendt, ob ich Interesse hätte, den Job zu machen. Und parallel dazu hatte Christoph Hess die Idee, der kannte Chris Bartel von seinem Richten her und hatte die Idee, Mensch, der Chris Bartel in England ist ja... Damals war Sidney, da war Chris Reservereiter, da ist er noch selbst geritten.

[SPEAKER 1]
[00:22:00-00:22:01]
Olympia 2000.

[SPEAKER 2]
[00:22:01-00:22:28]
Olympia 2000, hat er auch 1998 noch Batman gewonnen. Und wusste, dass da der Jogi Preißner damals englischer Trainer war und Chris eigentlich auch Interesse hatte, aber die haben ihn nicht mitgenommen und Jogi Preißner sollte... Englischer Trainer bleiben und dann hatte er eben Interesse, das mit uns zu machen. Wir kannten uns vom Reiten her, aber so näher nicht. Wir haben uns dann praktisch erst kennengelernt, aber es war einfach sehr harmonisch.

[SPEAKER 1]
[00:22:28-00:22:29]
Hat sofort Klick gemacht.

[SPEAKER 2]
[00:22:30-00:24:32]
Menschlich, bei uns hatte keiner eine Profilneurose. Ich wusste immer um Chris Stärken, habe mich da auch nie groß eingemischt, habe immer gesagt, ich organisiere dir alles, aber du machst das und du machst das und das war super. Er hat ja auch am Anfang bei unseren ganzen Reitern auch die Dressurausbildung auf den Championaten vorbereitet. Er ist ja selbst Olympische Spiele Dressur geritten in Los Angeles 1984. Also das war toll und das haben die Reiter auch irre angenommen. Und der hatte immer so, Chris hatte auch mal ganz andere Ideen bei Dressur. Also nicht nur klassisch deutsche Reitausbildung. Der hat dann auch mal Dressurarbeit am Berg gemacht. Das hat er früher immer mit seinen Dressurpferden gemacht. Also bergauf, bergab, Pferd schön aufs Hinterbein kriegen. Und das haben dann viele auch dann wieder zu Hause umgesetzt. Das hat unheimlich Spaß gemacht. Und nein, das war eine tolle Zeit. Und ich glaube, dadurch, dass jeder wusste, was der andere macht, wir haben uns einfach gut ergänzt. Da gab es nicht irgendwie einer, der sich vorgetränkt hat, ich möchte jetzt das und ich möchte das oder ich mit dem Reiter und dem Reiter. Es gab keine Klickenbildung bei uns. Jeder hat mit jedem gerne gearbeitet. Ich habe damals so ein bisschen mehr die Veranstaltung hier auf dem Kontinent gemacht. Chris so ein bisschen mehr in England, Champonate, das hat man auch so ein bisschen aufgeteilt. Ich war ja angestellt in Warendorf. Beim DOKR. Beim DOKR. Und Chris hatte ja einen 90-Tage-Vertrag, glaube ich. 90 Tage waren das im Jahr. Auch Honorartrainer. Ja, war Honorartrainer. Und er hat das. Immer wenn Nominierung war, was immer das Anstrengendste für mich war, weil du musst ja irgendwie, wenn du tolle Reiter hast, musst du ja irgendwo den ein paar Leuten auch erklären, dass sie nicht dabei sind. Und das denen zu erklären, war immer sehr schwierig. Dann war ich auch immer der Bösewicht. Chris hat es sich dann leicht gemacht. Chris hat immer gesagt, ich trainiere, wen ihr nominiert. Ich bin nicht im Ausschuss, aber ich trainiere jeden, den ihr nominiert. Wir haben das natürlich immer im Vorfeld abgesprochen, wegen der Nominierung. Aber dann hat er gesagt, ich habe, wenn dann die anderen sauer auf Hans waren, ich habe damit nichts zu tun. Ich trainiere die, die nominiert sind.

[SPEAKER 1]
[00:24:33-00:24:44]
Wie hast du dann so eine Nachricht überbracht? Also ich habe das mal im Springlager mitbekommen, so eine Nominierung. Da war das per Telefon. Rufst du dann die Leute an und sagst, du, wir sind zur Entscheidung gekommen? Persönlich. Nur persönlich.

[SPEAKER 2]
[00:24:44-00:26:39]
Persönlich. Wir haben dann immer so, wir haben ja oft, das ist nachher einfach festgestellt, dass es das Beste ist, du guckst ihnen in die Augen. Du erklärst denen, wir haben ja immer irgendwo eine letzte Sichtung gehabt, die noch weit weg war vom Schamponat. Wir haben auch, was wir auch gemacht haben, meistens war nie, Lomülen war immer so mittendrin. Dann haben wir aber schon in Lomülen im Prinzip eine Rangierung gemacht. Haben gesagt, wenn heute Schamponat wäre, wären das die ersten sechs. Und sieben, acht, neun, die haben rangiert. Wir haben vorne nur alphabetisch in der ersten Gruppe, aber die Reservisten, die haben wir immer rangiert. Die mussten genau wissen, ich bin erste Reserve, zweite, dritte. Und das hatte immer den Vorteil, dass die in den noch, nachstehenden Prüfungen oder im Training doch dann teilweise unheimlich nochmal Gas gegeben haben, um sich nochmal zu profilieren. Und dann haben wir meistens eine letzte Sichtung gehabt und dann war da Ausschusssitzung und dann wurde hinterher mit den Reitern gesprochen und dann habe ich Dann haben wir es immer so gemacht, dass wir dann zuerst mit den Nicht-Nominierten gesprochen haben. Und dann in der großen Gruppe nachher mit den Fünfen oder Sechsen, die mitfahren zum Schwimmbad, das ging am besten. Und es war meistens so, dass dann noch der aktive Sprecher dabei war. Damals sehr lange und sehr gut war immer Alfred Bierlein. Muss ich sagen, der wurde akzeptiert, der war beruflich unabhängig, der ritt auch vier Sterne. Und das war eigentlich ein sehr guter aktiver Vertreter damals, der dann auch, sag ich mal, so ein bisschen noch der Dämpfer war. Aber ich kann die Reiter total verstehen. Wenn ich ein richtiger Sportler bin, dann muss ich sauer sein auf den Trainer, wenn er mich nicht nur in den... Ich muss wirklich sauer sein. Ich sage mir auch, schade, bin ich dabei, kein Sportler. Also einer, der Medaillen gewinnen will, der muss brennen.

[SPEAKER 1]
[00:26:40-00:27:02]
Ist es dann auch die größte Aufgabe des Trainers, da eine gewisse, ich will gar nicht sagen Harmonie ist vielleicht das falsche Wort, aber eine gewisse Geschlossenheit herzustellen, weil es gibt ja ganz schnell auch die Möglichkeit, das sieht man ja eigentlich in allen Sportarten, dann fühlt einer sich schlecht behandelt und der kann ja die gesamte Atmosphäre und die gesamte Teamstimmung runterziehen und zerstören. Ist dieses Management davon eigentlich die Hauptaufgabe?

[SPEAKER 2]
[00:27:02-00:28:06]
Ja, aber ich denke dadurch, dass wir mit denen zuerst, also ich habe das ein paar Mal erlebt, ich weiß auch damals vor Hongkong 2008. Hongkong 2008. Da hatten wir eine Nominierung, da hatten wir Bettina nominiert, die ist im Springen ausgerutscht, der Ringwood Cockadoo, und war lahm. Ist dann nicht Gelände geritten, aber wir haben gesagt, die hat ja vorher so viel gewonnen. Wir nominieren die. Muss aber in 14 Tagen nochmal... Eine Drei-Sterne gehen. Einfach nur überprüfen, dass sie gesund ist. Dann waren, ich sage jetzt keinen Namen, dann waren Reiter danach nominiert und völlig außer sich. Und dann, nachdem Bettina damals nicht reiten konnte, weil die Verletzung doch langfristiger war von dem Pferd, habe ich dann angerufen, ich sage mal auf, das fährt von mit dir nicht, geht nicht, du rückst nach, du kommst mit zur Olympia. Kann ich das bitte schriftlich haben?

[SPEAKER 1]
[00:28:09-00:28:10]
Und was hast du da geantwortet?

[SPEAKER 2]
[00:28:11-00:28:28]
Ich sage, nein, da musst du mir glauben. Ich habe mir das Schritt nicht. Und dann war alles wieder, nein, aber... Dass man sich so verhält, ist für mich der Teil. Also wenn ich kritisch... Hiniro Maike hat mal gesagt, Es ist schwerer, ins deutsche Team zu kommen, als eine Olympiamedaille zu gewinnen. Zu der Zeit, wo wir so erfolgreich waren.

[SPEAKER 1]
[00:28:30-00:28:37]
Was ja auch eine Riesenauszeichnung ist, wenn ein Athlet sowas sagt, das zeigt ja, was für eine unglaubliche Leistungsdichte hier in Deutschland herrscht.

[SPEAKER 2]
[00:28:38-00:29:09]
Das war ja, ich sag mal so, das war immer der Vorteil zu unserer erfolgreichen Zeit. Jetzt ja auch noch die Mannschaftsweltmeister, letztes Jahr Europameister geworden. Michi ist nochmal das dritte Mal Gold gewonnen. Es geht ja weiter. Was der Vorteil in Deutschland ist, England hat unheimlich viele Reiter und Pferde, unheimlich viele. Bei uns konzentrierte sich das Training immer auf, sage ich mal, 10, 12 Reiter. Kleine Top-Paare. Christian hat jetzt, der muss sich um 50 kümmern.

[SPEAKER 1]
[00:29:10-00:29:12]
Als jetziger Bundestrainer, er ist ja jetzt der Bundestrainer bei den Briten.

[SPEAKER 2]
[00:29:12-00:29:29]
Ja, bei den Briten. Als er damals gesagt hat, nach Rio, ich kann nach England, ich kann das verstehen. Ich war auch immer stolz, ich war immer stolz, deutscher Bund, weil ich in Deutschland geboren bin, ich bin deutscher Bundestrainer. Und er war immer als Engländer sozusagen Gasttrainer bei uns.

[SPEAKER 1]
[00:29:29-00:29:31]
Bisschen zweite Geige dadurch auch, weil es nicht seine Nation ist, oder?

[SPEAKER 2]
[00:29:31-00:30:21]
Ja, also der war schon, aber man ist ja viel stolzer, wenn man für sein eigenes Land das macht. Aber das ist deutlich schwieriger, weil du hast viel zu viele Unzufriedene, um die du dich nicht kümmerst. Wir haben ja immer, wenn wir irgendwelche neuen Talente hatten, die haben wir ja schon mitgenommen in die Training, die haben auch ein Turnier mitbetreut, aber der Kreis, der Topreiter, war schon, die Gruppe war kleiner und dadurch konnte man mit denen viel intensiver sich um die kümmern, beziehungsweise auch unterstützen. Und das war, glaube ich, oder ist im Moment ja auch noch die Stärke. Ich meine, dass letztes Jahr sowas passiert ist in England, dass sie auf einigen Gelände da von sechs Startern vier auf die Nase fallen, das passiert ja auch nicht so häufig. Aber das zeigt ja trotzdem, wie gut das deutsche Team noch funktioniert. Und auch gerade mit einer ganz neuen...

[SPEAKER 1]
[00:30:21-00:30:22]
Neue Generationen.

[SPEAKER 2]
[00:30:22-00:31:12]
Ganz neue Generationen sozusagen, dass es weitergeht. Das ist ja auch schön, das genieße ich ja auch. Ich konnte ja immer gut loslassen. Ich habe gesagt, Peter, das ist ja ein Jahr mit mir, 2021 ist er ja immer mit gewesen zu den Turnieren, auch mit den Tokio und und und. Aber ich kann dann los, ich kümmere mich auch nicht mehr drum. Ich bin seitdem auch nie wieder auf einem Schamponat gewesen. Ich habe mir das immer hier im Sofa angeguckt, weil ich festgestellt habe, im Fernsehen siehst du ja viel mehr, als wenn du vor Ort bist. Aber dieses Jahr Aachen, das wird dieses Jahr. Fährst du hin? Wir haben hier so eine Fangruppe aus Lohmühlen, die sind ja teilweise immer mitgefahren zu allen Schambonaten, wo ich war. Und wir fahren da mit 30, 40 Leuten aus Lohmühlen mit. Im Fernbus. Nee, wir haben Wohnmobilien. Wir haben einen schönen Campingplatz in der Nähe gekriegt und fahren mit Wohnmobilien dahin.

[SPEAKER 1]
[00:31:13-00:31:40]
Zu deiner Bundestrainer-Karriere, gerade am Anfang gibt es ja eine Besonderheit. Du hast deine ersten Olympischen Spiele 2004 in Athen zunächst vordergründig gewonnen, dann am grünen Tisch wieder verloren. Als Bettina Heu durch eine Lichtschranke, zweimal geritten ist. Legendäre Situation, die dazu geführt hat, dass Deutschland die schon sicher geglaubte Goldmedaille in der Mannschaftswertung verloren hat.

[SPEAKER 2]
[00:31:41-00:31:41]
Und Einzelwertung.

[SPEAKER 1]
[00:31:41-00:31:50]
Und Einzelwertung, stimmt. Einzelwertung auch. Wenn du jetzt mit so vielen Jahren Rückblick auf diese Situation, auf diese Olympischen Spiele schaust, was geht dir durch den Kopf?

[SPEAKER 2]
[00:31:52-00:33:02]
Also mir tat das echt leid für Bettina. Was man auf der anderen Seite aber wirklich sagen muss, durch diese Ungerechtigkeit ist unser Sport über Nacht bekannt geworden. Wir sind eine Nischensportart, eine Randsportart, nach wie vor. Reiten ist immer erfolgreich bei Olympia. Die erste Disziplin, die stattfindet, ist Dressur oder Vielseitigkeit. In den letzten Jahren gab es immer, man hatte auch eine Erwartung, die OSB, wie viele Vorgaben es gibt, wie viele Medaillen man gewinnen soll. Aber sonst unbekannt. Aber diese Sache, die in Athen passiert ist, die hat damals... Den Vielseitigkeitssport unheimlich bekannt gemacht, die Olympiasieger der Herzen. Also es war plötzlich, war Vielseitigkeitssport in aller Munde. Aber ja, aber das ist, wie das auch gekommen ist, man muss einfach sagen, dass die Angelsachsen überlegen waren in der Rechtergruppe, auch wenn der Chefrichter ein Deutscher war. In normalen Dingen sagt man immer zugunsten des Angeklagten, zum Gunsten des Sportlers. Situation niederherrschte, war ja kein Wettbewerbsvorteil.

[SPEAKER 1]
[00:33:04-00:33:06]
Das war nur ein Brechen einer technischen Regel.

[SPEAKER 2]
[00:33:06-00:33:47]
Ja, es war ja auch wirklich so, dass die Tafel wieder auf minus 45 Sekunden sprang. Es war ja nicht so, dass die Zeit lief, die ganze Zeit. Die wurde ja nochmal zurückgestellt. So, dann war natürlich ein Hexenkessel da. Und die, das hat Henny so schön formuliert, sagt, das sind die Alliierten, die wollen uns fertig machen. England, Frankreich, Amerika, sagt er, das sind die Alliierten, die wollen uns fertig machen. Das war schon schade, aber ich muss sagen, am Ende ist die Sportart durch diesen Fauxpas unheimlich bekannt geworden.

[SPEAKER 1]
[00:33:48-00:33:55]
Aber war dir in dem Moment, wo es passiert ist, war dir das klar? Hast du das gesehen? Oh Mist, die ist zweimal über die Startlinie gegangen.

[SPEAKER 2]
[00:33:55-00:34:46]
Überhaupt nicht. Die haben das auch nie mitgekriegt in dem Sinne. Weil ich habe immer geguckt, da war vorher der Nicolas Toussaint geritten, zweifacher Europameister davor gewesen, großer Goldfavorit für Athen. Der war vorher geritten und hatte auch einen Springfehler. Ich weiß ja, ob Fritz Otto Erlein neben mir stand. Er sagte, weißt du eigentlich, wenn Bettina jetzt null reitet, dass wir Mannschaftsgold gewinnen? Ich so, hä? Weil Einzelspringen war ja später erst. Das kriegte man da gar nicht mit. Und deshalb habe ich auch nur... immer auf die Tafel geguckt. Und das hat eigentlich keiner, keiner, ich weiß nicht, Ludger Bärbaum, die standen da alle, das hat keiner so registriert und gesagt, Mensch, Bettina, reit los oder so. Sondern man hat geguckt, die Zeit ging zurück, es ging einmal los, dann wurde sie wieder zurückgestellt und dann ritt Bettina los.

[SPEAKER 1]
[00:34:47-00:35:18]
Und dann wurde ja im Nachhinein diese Medaille aberkannt. War das für dich als Bundestrainer, gab es dadurch irgendwelche Auswirkungen? Also musstest du dich für Dinge verantworten oder war das einfach, okay, wir können nichts machen, diese technische Regel, die jetzt hier nicht eingehalten wurde, die in 99,999 Prozent... Auf jedem Turnier, wo sie auch passiert, ja gütlich gelöst wird, die wird uns jetzt zum Verhängnis. Ist das für dich auch in gewisser Weise, wurde dir das angehangen?

[SPEAKER 2]
[00:35:18-00:35:42]
Nein, es gab also keine Vorwürfe auf irgendeiner Seite, dass man sich nicht beachtete. Aber wie gesagt, man lernt ja aus Fehlern. Man lernt aus Fehlern. Wir haben danach viel mehr darauf geachtet. Start-Ziel-Linie, auch im Springen, vor allem im Springen. Und was auch interessant war danach, bei vielen Veranstaltungen, war dieser Start-Ziel, die wurde jetzt viel breiter, viel weiter gemacht.

[SPEAKER 1]
[00:35:42-00:35:44]
Dass man sie nicht übersehen konnte.

[SPEAKER 2]
[00:35:44-00:36:22]
Dass man sie nicht übersehen konnte. Nein, aber es gab keinen Vorwurf daraus und ganz im Gegenteil. Danach ist ja eher so, das Team noch mal viel mehr zusammengewachsen. Nach dem Motto, wir wissen jetzt, was wir können. zeigen was. Und deshalb muss ich ganz ehrlich sagen, das war dieses Hongkong, das war natürlich ein innerlicher Preisparteitag. Genug zu. Beide Goldmedaillen, die wir in Athen abgesprochen bekommen, haben wir gewonnen und keiner konnte, keiner... Keiner konnte es wegnehmen, weil es war kein Regelverstoß und nichts.

[SPEAKER 1]
[00:36:23-00:36:31]
Also dann vier Jahre später, nur zur Erklärung, vier Jahre später hast du mit der deutschen Mannschaft Gold gewonnen und Hini Romaike hat das Einzelgold auch gewonnen.

[SPEAKER 2]
[00:36:32-00:36:32]
Genau, genau.

[SPEAKER 1]
[00:36:32-00:36:35]
Also alles abgeräumt, was es zu abräumen gab.

[SPEAKER 2]
[00:36:37-00:37:16]
Das war schon toll. Aber dieses Erlebnis in Athen hat dieses deutsche Team unheimlich zusammengeschweißt nach mir. Weil man das erste Mal das Gefühl hatte, wir können die anderen auch schlagen. Bis dahin waren wir mal Dritter bei Europameisterschaft in Blenheim. Dann hatten wir natürlich zwei Sechs-Mannschaftsgold in Aachen. Das hat dann auch gezeigt, wir können das. Das deutsche Team ist stark genug, auch die ganzen anderen Nationen zu schlagen. Aber dieses in Hongkong, das war nochmal so eine extra Nummer. Also das muss ich erst sagen, das ist alle so gelebt und erlebt und das war schon toll.

[SPEAKER 1]
[00:37:16-00:37:19]
Ja, es sind ja manchmal die Niederlagen, die dann Teams auch richtig zusammenschweißen.

[SPEAKER 2]
[00:37:19-00:37:28]
Ja, also ich muss sagen, dieses Athen hat danach das deutsche Team, also auch wenn die sich alle nicht immer grün waren, aber danach gab es den großen Schulterschluss.

[SPEAKER 1]
[00:37:29-00:37:39]
Also es war klar. Da quasi, als alle von Athen nach Hause kamen, ab heute gilt die Zeitrechnung bis... Genau, bis... ...Bis Spiele Peking slash Hongkong.

[SPEAKER 2]
[00:37:39-00:37:39]
Ja, genau, genau.

[SPEAKER 1]
[00:37:41-00:37:52]
Ja, am Ende für dich ja im Nachhinein eine wunderbare Geschichte, dass danach, dass der Startschuss war für ja die ganzen großen Erfolge auf olympischem Niveau und bei den anderen Championaten.

[SPEAKER 2]
[00:37:52-00:38:43]
Ja, nein, das war wirklich so ein bisschen danach. Nach Hongkong ging das eigentlich dann nochmal, ja, haben wir eigentlich über Jahre alles, also außer dem Jahr nach Hongkong. Das war unser bitterste Niederlage, das war der Auferstehung von Michi Jung. Wir haben jetzt von Temblot zwei neuen. Da haben wir aber auch Fehler gemacht. Wir haben gesagt, wer will uns schlagen? Da waren wir auch ein bisschen arrogant. Normalerweise haben wir immer Trainingslager gehabt, alle gemeinsam. Dann haben wir gesagt, ach, wir fahren jetzt nach Fontainebleau. Chris ist einmal zu Michi gefahren, hat mit dem trainiert. Die anderen haben sie in Warendorf getroffen. Dann sind wir von da aus losgefahren. Da war schon so ein bisschen, das haben wir auch hinterher gemerkt, dass wir da vielleicht so ein bisschen... Arrogant waren, haben gesagt, Europameisterschaft von der Blue River. Das war jetzt das erste Jahr, wo Michi mit war, weil Marius hatte sich verletzt von Henny.

[SPEAKER 1]
[00:38:43-00:38:44]
Das wäre von Henny Romaykel.

[SPEAKER 2]
[00:38:45-00:39:22]
Genau. Aber wie gesagt, Niederlagen tun gut. Auch danach war die Konzentration wieder größer. Und mit der Vorbereitung intensiver und die Reiter haben es auch. dann so wahrgenommen, dass man gesagt hat, okay, wir können gewinnen, aber wir müssen auch alles geben und alles machen, dass es im Vorfeld auch nichts schief läuft und dann läuft das auch beim Schirmelat. Dann kann man noch goldene Jahre gehabt, bis die Tüpfelchen am Ende nochmal, bei meinem Abschied nochmal Julia in... In Tokio nochmal Einzelgold.

[SPEAKER 1]
[00:39:22-00:40:06]
2021 bei den Corona-Olympischen Spielen. Weil es ist ja am Ende des Tages, der eine Erfolg ist ja schon super, aber diese Konstanz zu erzeugen, das ist ja das Schwierige am Ende. Es gibt ja, du hast mich gerade erinnert an so einen Spruch, Ich glaube, als Deutschland im Fußball 1990 Weltmeister geworden ist, hat, glaube ich, Franz Beckenbauer gesagt, nachdem dann auch die Spieler der DDR dazu kamen, wir werden auf Jahre unschlagbar sein. Und dann haben sie gar nichts mehr die nächsten Jahre gewonnen. Und das zeigt ja im großen Erfolg, steckt ja auch schon wieder eigentlich der nächste Schritt. Schaffe ich es, auf dem Niveau zu bleiben, mich vielleicht noch zu steigern? Wie schafft man das als Trainer, so ein Umfeld herzustellen?

[SPEAKER 2]
[00:40:07-00:40:39]
Wir haben natürlich schon immer geguckt. Die Turnierplanung, man hat ja seinen Olympiakader oder A-Kader, man hat schon immer geguckt, dass man so eine individuelle Saisonvorbereitung macht, nicht alle über einen Kamm schert. Die mussten einmal im Jahr gegeneinander reiten, letzte Sichtung. Dass man so ein bisschen vergleichen konnte, aber sonst schon, gezielt, dass sie auch mal woanders retten und nicht alle nur immer Marbach, Lomühlen, Aachen.

[SPEAKER 5]
[00:40:39-00:40:41]
Dieselben Turniere hier zu Hause quasi.

[SPEAKER 2]
[00:40:41-00:42:22]
Immer versucht auch so ein bisschen ins Ausland. Das war ja auch, sagen wir mal so, Michi hat damals Triple Crown gewonnen, weil er mit Sam vorher Burley gewonnen hatte, mit Rockana Kentucky und dann in Batman nochmal mit 2016 mit Zem gewonnen hatte. Aber er hat dann natürlich immer auf dem Schampenaten an Dressiert wieder gehabt. Da wird er mit Halunke 2013 Europameister in Malmö. Haben alle gesagt, wie könnt ihr dieses Pferd mitnehmen? Aber ich sage, Michi, der ist Europameister und hat da mit Takanu 2015 Blair Castle gewonnen. Da hat er vorher im Burley geritten. Da haben wir gesagt, okay, er wollte im Burley Rockana und Sam reiten. Dann haben Chris und ich gesagt, okay, in Takanu hat er, glaube ich, Aachen war der platziert. Michi mit einem neuen Pferd ist immer noch mal... Ein bisschen kalkulierbarer wie vielleicht ein anderer Reiter, der zwar schon mit dem Pferd mehr Prüfungen geritten ist, aber wenn man gewinnen will, muss man einen haben, so wie Michi, dann gewinnt der mit Taki Nu 2015 der Kasse Europameisterschaft. Das war schon sensationell. Dadurch hatte er natürlich auch andere Pferde, mal wie damals Sam. Und Krokaner diese Fünf-Sterne-Tour reiten. Das war schon gewaltig. Und dadurch, dass wir immer so ein bisschen individuell die Pferde vorbereitet haben, hatten wir natürlich für das Championat immer eigentlich ein Top-Team. Bei anderen Nationen ist ja so, die fixieren sich ja sehr, die Angelsachsen nur auf die Fünf-Sterne-Badminton, Burley, Kentucky.

[SPEAKER 1]
[00:42:22-00:42:24]
Auf die einen Top-Turniere.

[SPEAKER 2]
[00:42:24-00:42:46]
Wir haben natürlich auch schon versucht, dass die Reiter Erfahrung kriegen, auch Fünf-Sterne-Reiten. Was ja auch gut ist, aber wir haben schon immer so ein bisschen geguckt, dass wir dann für ein Championat auch wirklich Top-Team in Top-Form hatten. Und das war, glaube ich, der ausschlaggebende Faktor, dass wir dann über Jahre oder heutzutage ja immer noch am Ende so erfolgreich sind.

[SPEAKER 1]
[00:42:46-00:42:58]
Wenn du sagst, Michael Jung mit einem neuen Pferd ist im Zweifel eine sichere Bank als jemand Erfahreneres, Liegt das daran, dass er dann den unglaublichen Siegeswillen hat, das mit dem Pferd zu zeigen? Was ist es?

[SPEAKER 2]
[00:42:58-00:43:59]
Er ist einfach ein Siegsteiger. Der ist einfach ein Siegsteiger. Und er hat es ja nie übertrieben. Also es ist ja auch nicht, dass er da, weiß ich wer weiß, er hat einfach ein Gefühl, im Gelände zu reiten, Das ist sensationell. Er gibt den Pferden das Gefühl und hat ja auch die Pferde immer gut vorbereitet. Und das ist ja auch ein Dressur. Also eine Rockana war nie ein Dressursieger, eigentlich ein Sam auch nie. Der hatte eigentlich einen 7er-Trap und einen 7,5-8er-Galopp. Aber der war immer, was er immer sehr gut gemacht hat, seine Pferde. Sehr losgelassen. Die waren immer unheimlich schön durchgearbeitet. Es war immer harmonisch. Und dann am Ende war es das Ergebnis. Wenn man so eine Rokana, die Rokana ist damals, da habe ich auch beim Bundeschampionat gerichtet, die ist Bundeschampion geworden. Dann haben die alle gesagt, wie könnt ihr den zum Bund? Da war kein besserer da. Aber er hat dreimal Kentucky gewonnen, war Vize-Weltmeister, Vize-Europameister. Also am Ende, aber es war immer die Paarung, Michi mit seinem Pferd. Das war schon irre.

[SPEAKER 1]
[00:44:00-00:44:10]
Du hast ja einige eben auch schon angesprochen. Julia Krajewski, die unter deiner Ägide olympisches Gold gewonnen hat. Ingrid Klimke, die in vielen deinen Teams war. Sandra Aufward.

[SPEAKER 2]
[00:44:10-00:44:11]
Ja, Sandra, genauso.

[SPEAKER 1]
[00:44:11-00:44:28]
Michi Jung, Sandra Aufward, auch Olympiasiegerin im Einzel. Was macht diese Reiter aus, dass wir so einen großen Pool haben, aber diese individuelle Klasse ist ja schon unwahrscheinlich, weil sie auch immer mit neuen Pferden wiederkommen. Es sind ja keine One-Hit-Wonders, sondern die kommen ja immer wieder und immer wieder auf Top-Level.

[SPEAKER 2]
[00:44:29-00:45:01]
Also das war für immer wert. Es gab nur ein einziges Mal ein Pferd in Deutschland zu meiner Zeit, wo wir gesagt haben, jetzt kaufen wir mal ein fertiges Pferd. Wir haben immer darauf Wert gelegt, dass die Reiter ihre Pferde selbst ausbilden, weil am Ende ist das nachher die Partnerschaft, die man braucht in der Vielseitigkeit. Was auch Verlässlichkeit anbelangt, vor allem auch Sicherheit im Gelände. Also die meisten Pferde sind eigentlich von den Reitern, Topreitern immer selbst ausgebildet worden bis zum Schaminatsreife. Das einzige Pferd war Chipmunk damals. Als Julia den...

[SPEAKER 1]
[00:45:02-00:45:03]
War erst bei Julia Krawski und dann zu mir.

[SPEAKER 2]
[00:45:03-00:45:35]
Ja, hat Julia ausgebildet. Die hat ja auch damals Weltmeisterschaft mitgeritten, hat ja auch Bremen gewonnen und alles. Da haben wir gesagt, das Pferd ist ein... Da waren die Amis, die Engländer, die Japaner, alle wollten sich auf dieses Pferd stürzen. Weil das zu dem Zeitpunkt... Habe ich zu Michi auch damals gesagt, Michi, und Michi hatte nichts. Rokana war verletzt, Sam war in Rente. So, dann wurde die Sphäre für Michi gekauft, also mit Hilfe DOK und Sponsor Herr Fischer von Michi.

[SPEAKER 1]
[00:45:36-00:45:38]
Der Besitzer von Fischer Dübel.

[SPEAKER 2]
[00:45:39-00:47:48]
Ja, ja, ja, Dübel Fischer, genau. Und Gott sei Dank. Und am Ende ist er, er hätte in Tokio auch schon mal theoretisch gewinnen können, da hat er so ein blödes Mim ausgelöst da, wo keiner wusste, warum das Ding umfiel, weil er einmal mit dem Hinterbein dran. Aber das ist eine andere Sache. Aber die Investition hat sich gelohnt. Er hat jetzt in... Paris nochmal, ist Olympiasieger geworden, letztes Jahr in Blenheim, Zweiter in der Einzelwertung, Mannschaft mitgewonnen, das ist schon, aber das war das einste Mal, dass man gesagt hat, okay, das Pferd dürfen wir nicht gehen lassen und das passte einfach mit diesen beiden, der war toll ausgebildet. Der war toll ausgebildet von Julia. Und Michi hat ihn dann nochmal wieder anders geritten, hat nochmal ganz anders, auch dressurmäßig, das nochmal. verbessern können und auch so das Geländereiten nochmal feiner gemacht mit Chipmunk. Aber sonst muss ich sagen, waren alle Erfolge, die wir hatten, immer auf selbst ausgebildeten, von den Reitern selbst ausgebildeten Pferden. Wir haben einfach ein tolles System hier in Deutschland. Geländepferdeprüfung, gibt es die seit 90, seit 88, ich weiß nicht, seit wann die erfunden, das war einfach eine tolle Sache. Die Pferde lernen als junge Pferde so viel verschiedene Geländeprüfungen kennen und dann kristallisiert sich sowas raus, dass man dann früh genug ein junges Pferd gut ausbilden kann. Und dann, wenn man gut reitet und gute Pferde, das ist einfach so, werden gemacht. Also man kauft nicht ein Fünf-Sterne-Hirt. Kaufst du mal als junges Pferd. Ich kann das auch nicht beurteilen, wird einer am Fünf-Sterne-Pferd. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, bis man dort ganz oben ist. Am Ende, die guten Pferde werden gemacht und das Gute, das ist vielleicht auch nochmal so ein Punkt, die gute Ausbildung, die deutsche Reiter genossen haben, die Pferde ausbilden können, die Pferde machen können, dass die Pferde weiterentwickeln, körperlich und alles. Das ist schon die gute deutsche Reitausbildung und das hat schon in der Disziplin Vielseitigkeit unheimlich geholfen.

[SPEAKER 1]
[00:47:48-00:48:08]
Und in der Vielseitigkeit ist ja die Langfristigkeit auch wichtig, dass die Pferd-Reiter-Paare lange zusammenbleiben. Das ist ja im Springreiten anders. Da kann man häufiger mal durchtauschen, da wechselt auch im Pferd häufiger mal den Reiter. oder wird verkauft. Es ist ja einfach unglaublich wichtig, dass diese Paare auch sehr viel der Wegstrecke gemeinsam gehen, oder?

[SPEAKER 2]
[00:48:08-00:49:19]
Ja, das ist auch immer ein Aspekt. Das ist ja eine Sache, wenn man ein fertiges Pferd kauft. Wichtig ist ja bei der Ausbildung als Viehseilkerzpferd auch diese körperliche Abhärtung, die die Pferde erfahren müssen als junges Pferd. Also nicht nur immer Ebbe, Flutboden, Straße, durch den Wald, tiefer Sand, Schotterwege. Die müssen überall laufen können, dass sich Sehnen, Bänder, Gelenke festigen, dass sie auch haltbar, also dass sie nicht verletzungsanfällig sind. Und das ist der Vorteil, wenn du ein junges Pferd selbst ausbildest. Nicht nur die reiterliche Ausbildung, auch das Pferd körperlich erstmal abzuhärten, dass er für diesen Sport geeignet ist. Und das ist eben ganz anders, wenn du ein 6- oder 7-8-Jährigen kaufst vom Springreiter. Weil er talentiert ist, dann muss man immer eigentlich sagen, pass mal auf, der ist zwar bis M springen und Springpferde M platziert, aber trainiere den erstmal wie einen Fünfjährigen von der Belastung her. Und das ist eben der Vorteil, wenn ich ein Pferd vier, fünf Jahre in meinen Stall kriege und mache diese ganze Basisausbildung, Selbst als Reiter, dann weiß ich aber auch hinterher, ob das ein hartes Pferd ist oder nicht.

[SPEAKER 1]
[00:49:20-00:49:46]
Jetzt hast du zu deiner aktiven Zeit als Bundestrainer ja eine Weltmeisterschaft in Deutschland mitbekommen. 2006 in Aachen hast du ja eben schon beschrieben. Jetzt steht ja wieder eine Weltmeisterschaft. Meisterschaft, 20 Jahre später vor der Tür in Deutschland. Ist es als Trainer und als Pferdemensch oder auch in der Rolle als Bundestrainer dann, was ja jetzt derzeit Peter Thomsen ist, was ganz Besonderes in Deutschland so ein Championat zu verantworten?

[SPEAKER 2]
[00:49:47-00:50:01]
Auf jeden Fall. Also wir haben ja hier auch in Gemühen zweimal Europameisterschaft. Damals 2011, 2019 war hier Europameisterschaft. 2006, das ist total anders. Da ist auch die Stimmung ganz anders. Wobei man immer sagen muss, Aachen ist jedes Jahr wie ein Championat.

[SPEAKER 1]
[00:50:02-00:50:06]
Die haben auf jeden Fall die Bedingungen, die können jedes Jahr Championat machen.

[SPEAKER 2]
[00:50:06-00:50:54]
Wenn man da ins Stadion kommt und die Geländeschlussfinale ist immer im Stadion, das ist ja wirklich wie... Hat man nirgends wo auf der Welt, glaube ich. So eine Stimmung. Aber das ist schon besonders. Und man muss einfach sagen, damals, früher war eigentlich in Aachen der Physik-Sport überhaupt nicht, gehört eigentlich nicht dazu. Wir hatten 2005 damals ein Test-Event da. Und da war auch Springen und so, aber alles im Fahrstadion, was dieses Jahr auch wieder sein wird, weil eben alles zusammen ist. Und dann haben damals die Simone Deitermann, die ritt diese Kiesalika-Test-Event damals mit und die fragte dann, wann man mal im Stadion reiten dürfte, in dem großen. Dann haben die Aachener gesagt damals, das müsst ihr euch verdienen.

[SPEAKER 1]
[00:50:55-00:50:56]
Der heilige Rasen.

[SPEAKER 2]
[00:50:56-00:51:36]
Der heilige Rasen. Das war dann Ritterschlag. danach springen und auch Gelände-Ziel immer im heiligen Rasen vom Stadion war. Das ist schon toll. Dieses Jahr wird es wieder so sein wie bei der WM vor 20 Jahren. Da wird im Fahrstadion Dressur und Springen. Nee, Springen ist im Hauptstadion. Aber Dressur wird im Fahrstadion sein, was aber auch tolle Bedingungen hat und alles. Aber Aachen ist einfach... Ich glaube, das ist für jeden deutschen Reiter was Besonderes. Das ist ja heute auch noch so. Bei den normalen Aachener Turnieren möchte jeder immer gerne ein Pferd in Aachen reiten.

[SPEAKER 1]
[00:51:37-00:51:54]
Wenn du jetzt auf die jetzige Generation, die jetzt reinrückt in die Championate, wir haben ja eben schon über einige Namen gesprochen, wenn du auf die schaust, Ist das genauso eine goldene Generation wie Michael Jung, Sandra Auffahrt, Julia Karewski, Inge Klimke?

[SPEAKER 2]
[00:51:55-00:52:21]
Naja, ich denke, die Basis ist gut. Wir haben ja gesehen, die haben sich toll in Ländern im letzten Jahr geschlagen. Aber am Ende ist es nachher die Konstanz, die kommen muss. Man kann immer nur hoffen. Bei einigen Reitern weiß ich, dass sie sich jetzt schon um sehr, sehr viele gute junge Pferde gekümmert haben. Das ist immer das Entscheidende. Wenn ich ein gutes Pferd, also dass ich immer genug wieder im Nachschub habe, die ich dann aufbringe.

[SPEAKER 1]
[00:52:21-00:52:24]
Es hört sich so platt an, die guten Pferde im Stall. Ja, genau. Wie braucht es?

[SPEAKER 2]
[00:52:25-00:54:32]
Nicht jeder wird ein Olympia-Pferd oder ein Fünf-Sterne-Pferd. Aber da sind die eigentlich ganz gut aufgestellt. Also was ich so von außen beobachte, muss ich ganz ehrlich sagen, sind die wirklich sehr gut aufgestellt. Oder auch so eine Marlin, das ist natürlich das Pferd. Das ist ein Otto. Hot Top, die ist auch Amateurin, aber die reitet wie ein Profi. Und die hat tolle junge Pferde. Die war hier bei uns jetzt auch zum Geländefeldturnier. Marlin hat auch schon für guten Nachwuchs gesorgt, was hinterherkommt. Nein, ich denke, das konnte vorher auch keiner sagen, ob Michi dreifacher Olympiasieger wird oder eine Sandra Weltmeister, Olympiasieger-Mannschaft, Europameisterschaft, paar Mal Zweiter gewesen. Das ergibt sich dann so. Aber wenn man mal so wie letztes Jahr, glaube ich, die Blenheim-Truppe, die haben einmal geschnuppert, haben Gold gewonnen, die wissen, wie es geht. Wenn ich einmal das Gefühl habe, ich kann gewinnen, das gibt dir nochmal so einen Ritterschlag. Dann sagst du, okay, dann geht das. Also ich denke schon, dass reiterlich, muss ich ganz ehrlich sagen, reiterlich bringen die alles mit. Diese Jüngeren, wirklich, die bringen das alles mit. Das ist auch jetzt, wenn ich auch immer nach wie vor noch wirklich gut finde, die hat natürlich jetzt meinen Job bei Felix Fock, das ist die Annalena Schaaf, die zu meiner Zeit zweimal mit in Lyon mit so einem ganz normalen Pferd gewonnen hat. Das haben auch nur ganz wenige Pferde geschafft, zweimal nacheinander sechs- und siebenjährige Lyon zu gewinnen. Die ist auch reiterlich sehr stark und die ist natürlich auch... Jetzt dadurch, dass ich ja mal zu Felix Vogt gehe, auch eine Horizonterweiterung. Aber wir haben schon wirklich sehr gute jüngere Reiter, die so auf Vier-Sterne-Niveau reiten schon und teilweise Chamonix geritten sind. Also ich glaube, da braucht man sich nicht bange sein. Man will natürlich gerne immer mehr haben. Aber das war in der Vergangenheit auch nicht viel größer. Und ich denke, das ist trotzdem der Vorteil in Deutschland, dass man sich um diesen Kreis der Top-Paare besser kümmern kann, als wenn man 150 hätte.

[SPEAKER 1]
[00:54:33-00:54:49]
Fällt es dir das schwer loszulassen? Also so von der Energie könnte man denken, du bist so eng und nah weiter dran, du hast so viel Lust auf dieses ganze Thema und jetzt steht sowas an wie Aachen, kannst du da einfach am Zaun stehen und zugucken? Das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen.

[SPEAKER 2]
[00:54:50-00:56:21]
Nein, mit dem Loslassen hat gut geklappt. Das war auch ein Grund, dass ich zu den ersten Champagnaten nicht mitgefahren bin. Ich habe immer noch zu den Topreitern, auch zu den neuen, immer ein tolles Verhältnis, wenn wir uns sehen und das immer noch nett und herzlich und freundschaftlich. Aber deshalb bin ich auch nicht zu den ersten Schambonaten mitgefahren, weil ich gesagt habe, wenn jetzt... Jetzt macht er Peter und Rodolf, die haben das übernommen und jetzt kommt der Alte auch noch. Dann steht er da und beäugt das Ganze. Oder schnackt dann mit dem, schnackt dann mit dem und dann denken sie wieder, was hat er jetzt denen erzählt. Das wollte ich eigentlich gar nicht, aber Peter weiß das am Ende auch. Dass ich da total losgelassen habe. Nee, das kann ich gut. Also ich will auch, es gab ja mal so im Vorfeld da bei der Entscheidung Nominierung für Paris, gab es ja Unruhe damals mit Sandra und mit Mats, dass sie plötzlich da rausgenommen wurden. Und naja, auf jeden Fall, da habe ich auch kein Öl ins Feuer gegossen. Ich war nicht dabei. Ich kann das nicht beurteilen, was war. Mir tat es unangenehm leid, weil Sandra war top in Schuss. Aber da habe ich auch kein Öl ins Feuer gegossen. Da gehe ich auch nicht hin und sage, das macht der Atom, sind die eigentlich bescheuert und was machen die da eigentlich? Also deswegen, ich halte meine Distanz und versuche immer sehr diplomatisch zu sein, wenn mir jemand was rauslocken will. Weil ich finde, das ist nach meiner Zeit. Die anderen sind jetzt verantwortlich und machen den Job ja gut. Also sonst hätten wir nicht die Erfolge.

[SPEAKER 1]
[00:56:22-00:56:34]
Am Ende eines jeden WeOS-Podcasts gibt es die vier klassischen WeOS-Podcast-Fragen, die jetzt auch dir blühen, lieber Hans. Frage Nummer eins ist, hast du ein Motto, nach dem du lebst?

[SPEAKER 2]
[00:56:35-00:57:05]
Ich bin sehr optimistisch. Also das ist auch, wenn ich mit jemandem trainiere, sage ich immer, optimistisch schreiten, pessimistisch sitzen. Also ich bin von Natur aus ein totaler Optimist und egal was, ich kann auch... Wenn es mal Probleme gibt, ich beschäftige mich ja nachts, ich kann ins Bett gehen, schlafen und kann das ausschalten. Und das ist, glaube ich, meine absolute Stärke, dass ich so optimistisch bin und für alles einen klaren Blick habe und kann rechtzeitig... und links Scheuklappen anlegen, sagen, ihr könnt mich jetzt gerade mal, ich mache mein Ding.

[SPEAKER 1]
[00:57:06-00:57:08]
Also Optimismus und Oh-Shit-Position.

[SPEAKER 2]
[00:57:09-00:57:09]
Und Oh-Shit, ja.

[SPEAKER 1]
[00:57:10-00:57:20]
Sehr gut. Dann Frage Nummer zwei. Wenn es einen Menschen, der dich im Hinblick auf die Pferde besonders geprägt hat, wer wäre das? Wer ist das?

[SPEAKER 2]
[00:57:20-00:57:28]
Also mich hat damals schon sehr geprägt Albrecht von Bredow. Das war als Ausbilder, weil er so ein absoluter Stillist war.

[SPEAKER 1]
[00:57:29-00:57:29]
Zu der Münchner Zeit.

[SPEAKER 2]
[00:57:30-00:58:08]
Zu der Münchner Zeit, als ich Lehre gemacht habe. Und auch diese Art, das war nicht so ein alter Reitlehrer, der rumschrie oder was hinter einem herschmiss. Es war immer... Habe ich auch immer versucht, wenn ich trainiere, ich bin also nie laut ausfallend oder habe jemanden nach Hause gestellt oder angeschrien. Habe ich nie gemacht. Und ich glaube, dass so der Umgang mit Schülern, wie er das gemacht hat, mir wirklich geholfen hat. Das zu verinnerlichen, dass ich auch immer versuche, mit den Leuten fair umzugehen und immer wieder das Positive zu sehen und nicht das Negative.

[SPEAKER 1]
[00:58:09-00:58:15]
Wenn du Pferdemenschen bzw. Reitern eine Sache im Umgang mit ihren Pferden auf den Weg geben könntest, was wäre es?

[SPEAKER 2]
[00:58:15-00:58:54]
Ja, man muss einfach daran denken, das Pferd ist ein Partner. Partnerschaft, eine gute Partnerschaft hilft einfach. Und Pferde sind keine Maschinen. Und auch wenn es die deutsche Reitlehrer gibt und die Skala... Der Ausbildung, alles. Trotzdem muss man jedes Pferd so ein bisschen anders... rangehen. Man kann sie nicht alle über einen Kamm scheren. Da muss man immer dran denken, dass man fair zu seinen Pferden ist und nicht denkt, das ist ein Sportgerät, wo ich jeden Tag das Gebiss wechsle oder Hilfszügel nehme. Also positiv bleiben, nett miteinander umgehen.

[SPEAKER 1]
[00:58:55-00:58:58]
Und dann zum Abschluss vervollständige diesen Satz, Pferde sind für mich.

[SPEAKER 2]
[00:58:58-00:59:12]
Pferde sind für mich mein Leben. Immer gewesen und werden es auch bleiben. Und ich reite noch und habe Spaß. Und ich wünsche mir zwar nicht, dass ich mal irgendwann tot vom Pferd falle, aber ich kann mir ein Leben ohne Pferde nicht vorstellen.

[SPEAKER 1]
[00:59:12-00:59:13]
Wie häufig reitest du selber noch?

[SPEAKER 2]
[00:59:13-00:59:14]
Wenn ich hier bin, jeden Tag.

[SPEAKER 1]
[00:59:15-00:59:16]
Jeden Tag sitzt du im Sattel? Ja.

[SPEAKER 2]
[00:59:17-00:59:18]
Heute habe ich longiert.

[SPEAKER 1]
[00:59:18-00:59:20]
Heute Morgen, bevor unser Podcast.

[SPEAKER 2]
[00:59:20-00:59:21]
Ich wollte nicht zu spät kommen.

[SPEAKER 1]
[00:59:21-00:59:30]
Okay, aber ich habe eben schon gehört, jetzt gleich steht Unterricht an. Ja, genau. Ja, sehr gut. Dann, lieber Hans, weiterhin alles Gute und bis bald. Ciao, ciao.

[SPEAKER 2]
[00:59:30-00:59:30]
Ciao, ciao.

[SPEAKER 1]
[00:59:32-00:59:42]
Diese Folge wurde erstmalig produziert von Pia Reiter. Ihre Premiere feiert bei uns in der Post-Production. Schön, dass du mit dabei bist und wir hören uns das nächste Mal beim WeHors Podcast.

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