Pferderassen und Zucht - nicht nur für Kenner interessant

Die Pferdezucht und die vielfältigen Pferderassen, die wir heute kennen, sind eng miteinander verwoben. Erst die Pferdezucht durch den Menschen hat dazu geführt, dass man heute Pferderassen unterscheidet. Mit dem Zeitpunkt der Nutzung des Pferdes als Nutztier hat der Mensch versucht, das Pferd immer mehr für den jeweiligen Nutzen zu optimieren. Das Prinzip dahinter ist die Zucht. Die verschiedenen Nutzungsformen von Pferden – auf dem Feld, zur Fortbewegung oder im Krieg – und das Ziel des Menschen das Pferd für eine Nutzungsform zu optimieren haben mit dazu beigetragen, dass es heute weltweit über 540 Pferderassen gibt.

Die Geschichte des Pferdes

Die Spezies Pferd hat bereits eine sehr lange Vergangenheit. Vor 60 Millionen Jahren streifte das Urpferd Eohippus (Hyracotherium) durch das Unterholz der Tropenwälder. Es war kaum größer als ein Fuchs und hatte nicht viel mit den heutigen Pferden gemein. Erst im Laufe der der Evolution sind Pferde größer geworden. Einige dieser Evolutionsstufen sind bekannt unter den Namen Orohippus, Miohippus, Parahippus, Merychippus und Pliohippus. Pferde der Gattung Equus, wie wir sie heute kennen, tauchten das erste Mal vor etwa einer Million Jahren auf. Diese Pferde lebten in Ebenen und Steppen und bewegten sich nomadenhaft fort.

Lange glaubte man, dass das Przewalski-Pferd der Vorfahr unserer heutigen Hauspferderassen sei. Nach aktuellem Kenntnisstand ist das allerdings ein Irrtum. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass das Przewalski-Pferd wahrscheinlich direkt vom Tarpan abstammt, die allerdings seit Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben sind. Alle Pferde, die wir heute als Wildpferde bezeichnen stammen von verwilderten Hauspferderassen ab. Sie haben sich mit der Zeit wieder optimal an das Leben in Freiheit angepasst, sind aber streng genommen keine Wildpferdearten wie Tarpan und Przewalski-Pferd.

Pferdezucht

Das Ziel der Pferdezucht ist es, das optimale Pferd für einen bestimmten, vorher definierten Zweck zu schaffen. Um das zu ermöglichen werden sogenannte Zuchtziele festgelegt. Die Zuchtziele sind dabei diejenigen Merkmale eines Pferdes, von denen der Mensch sich erhofft, dass sie dem Pferd dabei helfen, den bestimmten Zweck möglichst gut zu erfüllen. Da die Zwecke der Nutzung von Pferden unheimlich unterschiedlich sind, unterscheiden sich auch die Zuchtziele und damit die Pferde einer Zucht enorm.In der Praxis bedeutet die Zucht eine Selektion der Pferde, die für die Fortpflanzung in Frage kommen. Der Mensch greift dabei in die natürliche Fortpflanzung des Pferdes und damit seine natürliche Evolution ein. Pferde, die nicht dem Zuchtziel nicht förderlich sind, werden dabei für die Fortpflanzung nicht genutzt. Über die Zeit lassen sich so bestimmte Exterieur-Merkmale der Pferderasse wie beispielsweise die Farbe oder der Rahmen ändern. Pferdezucht hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf das äußere Erscheinungsbild eines Pferdes, sondern auch auf den Charakter. Aus diesem Grund können sich Pferderassen, die äußerlich kaum zu unterscheiden sind, sehr unterschiedlich präsentieren.

Pferdezucht in Deutschland

Deutschland ist insbesondere für seine Warmblutzucht weltweit bekannt. Sehr viele der im Dressursport und im Springsport erfolgreichen Pferde haben deutsche Vorfahren oder sind in einem der deutschen Landesverbände eingetragen. In der Sportpferdezucht wird insbesondere nach Leistungskriterien selektiert. Zu diesen Leistungskriterien zählen das Exterieur, die Rittigkeit, die Qualität der Grundgangarten sowie bei Springpferden die Springanlage. Deutsche Zuchtverbände sind besonders kritisch bei der Auswahl ihrer Vererber. Stuten, mit denen gezüchtet werden soll müssen meist in ein Stutbuch eingetragen werden. Dieser Eintragung geht eine Beurteilung des Exterieurs sowie der Grundgangarten hinsichtlich der Zuchtziele des Zuchtverbandes voraus. Will man als Züchter eine Stute mit dem Prädikat “Staatsprämie”, muss die Stute zusätzlich zur Eintragung noch an einer Stutenprüfung teilnehmen und auch dort für züchterisch wertvoll erkannt werden. Da Hengste noch intensiver selektiert werden ist hier der Prozess deutlich aufwendiger. Im Alter von zwei Jahren werden Hengste auf der Körung zum ersten Mal selektiert. Nur diejenigen Hengste, die am Ende gekört werden, werden nicht kastriert und dürfen sich weiter bewähren.Die Wallache werden meistens zu Reitpferden ausgebildet. Nach der Körung folgen weitere Bewährungsproben wie beispielsweise eine Stationsprüfung oder eine Sportprüfung. Die wohl wichtigste Entscheidung, welcher Hengst wirklich Einfluss auf die Zucht nehmen darf liegt allerdings bei den Züchtern selber, die sich für einen bestimmten Hengst entscheiden müssen.

Pferderassen

Durch die Pferdezucht hat der Mensch bestimmte Merkmale einer Rasse gezielt verändert. Sie haben Zuchttiere gezielt ausgewählt, die ihren eigenen kulturellen Vorstellungen und Schönheitsideale entsprechen, um die gewünschten Eigenschaften herauszubilden. Diese Vorstellungen unterscheiden sich weltweit sehr. Sie können ästhetischer (Farbe), funktioneller (Gangart, Größe), sportlicher (Leistung) oder ökonomischer Natur (Menge an Fleisch/Milch) sein. Deshalb sagt eine Pferderasse auch immer etwas über die Kultur aus, aus der sie hervorgegangen ist. Über Generationen entstanden durch genaue Überlegungen und Selektion bei der Auswahl der Elterntiere neue Rassen. Da es auf der Welt über 540 Pferderassen gibt, können in diesem Artikel nicht alle Pferderassen erläutert werden. Stattdessen wird in diesem Artikel alle Pferdetypen und ihre beliebtesten Rassen eingegangen.

Vollblut

Der Typ des Vollbluts geht in der Abstammung auf den Araber zurück. Auch aus diesem Grund zählen Vollblüter zu den edelsten und feinsten Pferden. Vom Erscheinungsbild zeichnen sich durch ihren sehr grazilen, langen und anmutig schlanken Körperbau aus, der einen gewissen Adel in das Exterieur bringt. Das Interieur der Vollblüter ist meist sehr sensibel, was sich im Alltag häufig in einer gewissen Grundnervosität widerspiegelt.

Zu den bekanntesten Vollblut-Pferderassen zählen:

  • Englische Vollblut
  • Anglo-Araber
  • Achal-Tekkiner

Bekannt sind Vollblüter besonders aufgrund ihrer enormen Ausdauer, Leistungsbereitschaft und besonders auch Schnelligkeit. Aus diesem Grund werden Vollblüter besonders gerne bei Pferderennen oder Distanzrennen eingesetzt.

Kaltblut

Das Kaltblut ist der schwerste und massigste Pferdetyp. Kaltblüter zeichnen sich dabei durch besonders stabile Extremitäten und besonders auch Gelenke aus. Auffällig ist auch die massive Behaarung der unteren Beine – genannt Behang – , den die meisten Kaltblutrassen haben. Auch, wenn das äußere Erscheinungsbild der Kaltblüter sehr imposant ist, gelten sie doch als sanfte Riesen. Charakterlich werden Kaltblütern eine gewisse Sanftmütigkeit und Ruhe nachgesagt. Außerdem haben Kaltblüter eine gute Arbeitseinstellung und sind dem Menschen sehr zugewandt.

Zu den bekanntesten Kaltblut-Pferderassen zählen:

  • Shire Horse
  • Clydesdale
  • Tinker
  • Schwarzwälder Fuchs

All diese Eigenschaften sorgen dafür, dass das Kaltblut als Arbeitstier unheimlich geschätzt wird und auch heute noch gerade in der Forstwirtschaft eingesetzt wird. Über die Jahre hat sich das Kaltblut besonders auch als Freizeitpferd und Familienpferd bewährt und damit an beliebtheit gewonnen.

Warmblut

Das Warmblut vereint Charakteristika von Kaltblütern und Vollblütern. Grund hierfür ist die Geschichte des Warmbluts. Die meisten Warmblutrassen haben ihren Ursprung im Kaltblut, sind aber über die Jahre immer weiter mit Vollblutrassen veredelt worden. Das Ergebniss des Veredelungsprozesses ist der Warmblüter, wie er heute bekannt ist. Exterieurmäßig befindet sich das Warmblut zwischen dem Kalt- und dem Vollblut.

Zu den bekanntesten Warmblut-Pferderassen in Deutschland zählen:

  • Oldenburger
  • Hannoveraner
  • Holsteiner
  • Westfalen

Die meisten Warmblüter sind nicht ganz so grazil und fein wie Vollblüter, aber deutlich leichter und sportlicher als das Kaltblut. Das Interieur ist dabei sportlich und ehrgeizig aber dennoch ruhig und gelassen. Aus diesem Grund sind die meisten Pferde, wie man im hohen Dressur- und Springsport antrifft Warmblüter.

Ponies

Der Begriff Pony kommt aus dem Englischen und bedeutet „kleines Pferd“. Als Ponies werden alle Pferde bezeichnet, deren Stockmaß 148 Zentimeter nicht überschreitet. Die meisten Ponies sind allerdings Nachfahren des Urponytyps. Da alle Pferde, die kleiner als 1,48 Meter sind als Pony bezeichnet werden, lassen sich das Exterieur und das Interieur von Ponies nicht verallgemeinern. Während das sehr bekannte Shetland-Pony äußerlich und auch innerlich eher einem kleinen Kaltblut ähnelt, ähnelt das Deutsche Reitpony eher einem kleinen Warmblut. Auch wenn es Ponies in unterschiedlichsten Erscheinungsbildern und mit unterschiedlichsten Charaktereigenschaften gibt, haben die meisten doch eines gemeinsam: sie sind meist deutlich intelligenter, aber auch eigensinniger als ihre großen Artgenossen.

Zu den bekanntesten Pony-Pferderassen zählen:

  • Shetland-Pony
  • Deutsches Reitpony
  • Welsh Pony

Eingesetzt werden Ponies aufgrund ihrer größe meist im Freizeitreiten, in Reitschulen oder im Kinder- und Jugendreitsport in der Dressur und im Springen.

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