Warum die Beziehung zu Dir wichtiger als jedes Leckerli ist

Braunes Pferd und Frau

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Letztens saß ich im Kino und habe den Dokumentarfilm „Stiller Kamerad“ gesehen. Es geht darin um traumatisierte Soldaten und wie sie durch das Arbeiten mit Pferden ihre Gefühlswelt ordnen können. Ein toller Film auf vielen Ebenen ist das. Erstaunt war ich aber, wie viele kleine Details mich an Ian Benson, den Horsemanship-Trainer aus Neuseeland, erinnerten. Und tatsächlich – im Abspann stand er drin!

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Dieser Mann ist für mich einer der wichtigsten Horsemanship-Lehrer, weil er ganz viel weiß und auf einer feinen, kommunikativen Ebene ohne viel Druckverstärkung agiert. Seine allerbeste Botschaft ist: Pferden ist die Beziehung ein ganz hohes Gut. Das ist eine echt frohe Botschaft für alle, die sich wünschen, dass ihr Pferd Lust auf gemeinsame Zeit hat. Denn sie bedeutet, dass Herde-sein vor Leckerli und vor Dominanzgehabe kommt (wenn man weiss, wie man das herstellt!). Und Herde-sein funktioniert wunderbarer Weise auch zwischen Mensch und Pferd. Zwar anders, als zwischen Pferd und Pferd, aber es geht darum, dass Beziehung einen sehr hohen Stellenwert hat.

Was Ian Benson & Sarah Brummer gemeinsam ist

Das erste Mal ganz intensiv habe ich davon eben bei Ian Benson und seiner Frau Anke gehört. Sie verbringen stets ihre Sommermonate in Deutschland.  Natürlich freue mich mich irre, wenn sie wieder hier sind. Zudem bin ich ganz froh darüber,  eine Trainerin gefunden zu haben, die für mich sehr, sehr ähnlich arbeitet und das ganze Jahr über hier in Europa unterwegs ist – zu ihr mehr ganz unten im Text, es ist Sarah Brummer, sie hat auch das Foto von mir da oben gemacht. Danke Sarah!

Aber zurück zur gemeinsamen Zeit mit dem Pferd: Das Wichtigste für domestizierte Pferde, sagte Ian Benson, ist, dass „Aufgabe und Beziehung im Gleichgewicht stehen.“ Er nehme da in der Pferdewelt jedoch häufig zwei Extreme wahr: Philosophien, die sehr aufgabenorientiert wären, in denen das Pferd zu funktionieren habe. Und das andere Extrem, Menschen, die ihr Pferd eher als Kuscheltier wahrnehmen, als Ersatz für etwas anderes im Leben.

Pferd in Halle mit Besitzerin sowie Ian und Anke Benson

Agieren ohne Bauchgrummeln

Seine Art Horsemanship hat etwas mit Kommunikation zu tun, mit Energie (das oben auf dem Bild ist übrigens Ian Benson mit seiner Frau Anke und einer Kursteilnehmerin samt Pferd). Es ist ein System, das in kleinen Schritten aufgebaut ist. Die erste Ebene ist stets der einfache Gedanke an das, was man vom Pferd gern möchte. Dann kommen Atmung, Fokus – also in die Richtung gucken, in die man das Pferd gern bewegt hätte zum Beispiel - sowie Körpersprache und Seilarbeit hinzu. Das Seil dient dazu zu sagen: „Ich bin groß genug, um den Teil von Dir zu erreichen, den ich bewegen möchte.“ Das Seil wird allenfalls tippend eingesetzt – der Druck wird nicht erhöht. Da arbeitet Sarah Brummer übrigens total ähnlich und das gefällt mir sehr. Denn Pferde sind so fein, es ist gar nicht notwendig, meistens, deutlicher zu werden.

Kurzer Einschub: Beim Kaffee-Trinken mit einer Bekannten letztens sagte diese mir: „Ich habe hier noch keinen Trainer gefunden, bei dem ich nicht doch an den Punkt kam, dass mein Bauch gesagt hat: Musste das jetzt wirklich sein? Vielleicht hätte es das auch viel feiner schon getan?“ Genau das ist es. Dieses Gefühl mag ich auch nicht. Und habe zum Glück Trainer gefunden, die das nicht auslösen. Bei beiden Trainern, Ian und Sarah, habe ich nie das Gefühl gehabt, jetzt wird es zu viel, jetzt wird es falsch, mmhh, ich möchte das so nicht machen. Nie! Das war immer super im Timing, immer sehr fein und immer mit dem Pferd, nicht dagegen. Dauerte manchmal - aber das macht ja nix! Die Lösung war immer da, letztlich.

Das Pferd in seiner Idee bestärken & die Energie herunterfahren 

Wichtiger als die Technik der Energie-Steigerung ist jedoch das sichere Timing für das Wegnehmen der Energie und das Loben! Zu merken, wann der Punkt für eine Pause gekommen ist. Das ist im Allgemeinen früher, als die meisten denken! „Das Herunterfahren der Energie, das Release, ist sehr wichtig. Schon wenn ich den Eindruck habe, das Pferd möchte das tun, was ich selbst möchte, muss ich nachlassen. Denn ich möchte die Idee in seinem Kopf schon bestärken.“ So formulierte es Ian. 

Freundschaftsspiel & Spiegelübung

Genau das habe ich auch bei Sarah Brummer geübt mit Ailena – was wir genau gemacht haben, könnt ihr auf dem Blog lesen. Das Schöne ist, dass diese Übung sinnvoll aber simpel ist – Du kannst sie morgen schon mit Deinem Pferd selbst ausprobieren. Sie vertieft Eure Beziehung. Eine Übung von Ian Benson, die ebenfalls die Beziehung stärkt, findest Du auch bei wehorse – es ist Ians Spiegelübung, die Dir Jenny hier zeigt. 

Welche Erfahrungen hast Du im Bereich Horsemanship gemacht? Erzähl mir gern davon, ob als PN, in der Kommentarfunktion meines Blogs oder auf Facebook. Ich lese sie alle!